Kältereport Nr. 33 /2026

Vorbemerkung: Wie es aussieht, macht sich die extrem kalte Antarktis auf der Südhemisphäre immer wieder bemerkbar. Aber auch die Kälte in der Arktis erzeugt Spuren, erfolgte doch um den 12 August ein Vorstoß von Meeresluft arktischen Ursprungs bis nach Nordostdeutschland – mitten in der „Hitzewelle“.

Die Schlagzeilen der Woche

Russland: Immer neue Kälterekorde

Innere Arktis: 46 neue Kälterekorde innerhalb von 41 Tagen

Südamerika: Extreme Kälte im Süden des Kontinents

Australien: Intensiver Kaltluftvorstoß aus der Antarktis

Patagonien, Südamerika: Anhaltender Frost

Südafrika: seltener Schneefall

Russland: Weitere Kälterekorde gebrochen

Anden, Südamerika: Rekord- Schneefälle

Eine Meldung vom 10. August 2026:

Russland: Immer neue Kälterekorde

Arktische Kälte hat den russischen Fernen Osten und Jakutien erfasst und am Wochenende mindestens 17 Tageskälterekorde gebrochen, allein am Sonnabend acht.

In Talon sank die Temperatur auf 2,7 °C und unterbot damit den Rekord vom 8. August 1971 von 3 °C.

Im Gebiet Amur sank die Temperatur in Tschernjajewo auf 6,2 °C und unterbot damit den Wert von 6,9 °C aus dem Jahr 1947, während in Norsk 3,3 °C gemessen wurden, was den ebenfalls aus dem Jahr 1947 stammenden Rekordwert von 3,9 °C übertraf.

Blagoweschtschensk verzeichnete 9,8 °C und übertraf damit einen Rekord, der seit 1902 Bestand hatte (die Aufzeichnungen reichen hier bis ins Jahr 1881 zurück).

In Arkhara sank die Temperatur auf 6,2 °C und übertraf damit die 6,3 °C aus dem Jahr 1964.

In Jekaterino-Nikolskoye wurden 9,4 °C gemessen, womit die 10,3 °C aus dem Jahr 1947 unterboten wurden.

In der Region Primorsk sank die Temperatur in Pogranichny auf 10,1 °C und unterbot damit den Wert von 10,8 °C aus dem Jahr 1992, während Sviyagino 9 °C erreichte und damit unter dem bisherigen Rekordwert von 9,5 °C aus dem Jahr 1992 blieb.

Am Sonntag wurden weitere neun Rekorde gebrochen.

Hier werden noch diverse weitere Orte aufgeführt mit neuen Tiefstwerten der Temperatur.

Jekaterino-Nikolskoye, Pogranichny und Sviyagino brachen alle am zweiten Morgen in Folge die täglichen Kälterekorde.

Lokale Berichte beschrieben den Kälteeinbruch als ungewöhnlich heftig für die Hundstage des Sommers; im Raum Magadan wurde von Schnee und Eisregen berichtet, während frühe Fröste im Gebiet Amur anderen Berichten zufolge Ernteausfälle verursachten.

Die Rekorde sind besonders bemerkenswert angesichts der langen Messreihen der einzelnen Stationen. Die täglichen Messreihen reichen in Blagoweschtschensk bis ins Jahr 1881 zurück, in Werchojansk bis 1885, in Wladiwostok bis 1884, in Pogranitschny bis 1902 und in Timirjasewski bis 1911.

Die Kälte hielt bis in den Montag hinein an.

Link: https://electroverse.substack.com/p/cold-records-fall-in-russia-earth?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

—————————-

Meldungen vom 11. August 2026:

Die Hocharktis hat eine außergewöhnliche Sommerkältewelle erlebt; Daten des DMI zeigen, dass an 36 der 41 Tage vom 1. Juli bis zum 10. August Rekordtiefwerte bei den Tagesmittelwerten verzeichnet wurden.

Eine vollständige Überprüfung des DMI-Archivs für >80°N – bei der jedes Datum im Jahr 2026 mit dem entsprechenden Kalendertag in jedem verfügbaren Vorjahreszeitraum bis zurück ins Jahr 1958 verglichen worden war – ergab lediglich fünf Tage ohne Rekord: den 1. Juli, den 22. Juli, den 4. August, den 8. August und den 10. August.

Das bedeutet, dass in 88 % dieses Zeitraums ein Tageskälterekord aufgestellt wurde.

Die erste Serie erstreckte sich über 20 aufeinanderfolgende Tage, vom 2. bis zum 21. Juli.

Es folgten weitere 12 Rekorde in Folge vom 23. Juli bis zum 3. August.

Besonders bemerkenswert war der 26. Juli mit einem Durchschnitt von -0,347 °C – dem niedrigsten Tagesmittelwert im Juli in der gesamten DMI-Aufzeichnungsgeschichte.

Der 9. August lag bei -0,590 °C – dem niedrigsten sommerlichen Tagesmittelwert in der gesamten Reihe (1. Juli bis 10. August).

Zudem lagen alle 41 Tage unter dem DMI-Durchschnitt der Jahre 1958–2002 (für das jeweilige Datum).

—————————-

Südamerika: Extreme Kälte im Süden des Kontinents

Diese Woche fegt erneut eine Kältewelle über Patagonien hinweg und bringt nach den tiefen Temperaturen der vergangenen Wochen erneut starken Schneefall in Argentinien und strengen Frost im Süden Chiles.

Schnee und Eis legten am Montag, dem 10. August, Neuquén und Río Negro erneut lahm und führten zur Sperrung von Abschnitten der Route 40 sowie zur Schließung von Schulen in Villa La Angostura, San Martín de los Andes, Junín de los Andes, Zapala und der Region Bariloche.

Dies folgte auf den Sturm der vergangenen Woche, bei dem rund 1.200 Lkw nahe der chilenischen Grenze festsaßen, da die hohe Schneedecke, Eis und Whiteout-Bedingungen die Gebirgspässe unpassierbar machten.

Für die kommenden Tage wird in Bariloche bis Dienstag weiterer Schneefall von 30 cm vorhergesagt, in höheren Lagen sogar noch mehr.

Auf der anderen Seite der Anden ist es diesmal jedoch die Kälte, die besonders auffällt.

Chiles offizielles DMC-Netzwerk verzeichnete am Montag in Coyhaique -9,2 °C und in Balmaceda sogar brutale -17,5 °C, wo die Temperatur den ganzen Tag über nicht über den Gefrierpunkt stieg. Die -17,5 °C in Balmaceda lagen nur knapp unter dem im August 1975 aufgestellten Rekordwert.

Temperatur-Anomalien am 10. August nach GFS [tropicaltidbits.com]

In der Umgebung von Bariloche wird voraussichtlich bis Mittwoch Schnee liegen bleiben, wobei die Höchsttemperaturen bei knapp -1 °C liegen werden, bevor der aufklarende Himmel am Donnerstagmorgen einen Temperatursturz auf -6 °C ermöglicht. Weiter südlich wird für Magallanes im Laufe dieser Woche eine Verschärfung der Kältewelle vorhergesagt, wobei die Temperaturen in Puerto Natales auf -5 °C und in Torres del Paine auf etwa -4 °C sinken werden.

Link:https://electroverse.substack.com/p/high-arctic-sets-36-cold-records?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

—————————-

Meldungen vom 12. August 2026:

Australien: Intensiver Kaltluftvorstoß aus der Antarktis

Ein heftiger Kälteeinbruch aus der Polarregion hat Südaustralien erfasst und im Westen für die niedrigsten Temperaturen seit fast einem Jahrzehnt sowie frischen, starken Schneefall in den australischen Alpen gesorgt.

In Perth sank die Temperatur am Dienstagmorgen auf 2,5 °C – der tiefste August-Wert seit neun Jahren.

In Bunbury sank die Temperatur auf 0,8 °C – der kälteste Augustmorgen seit zehn Jahren; in Pearce wurden 1,5 °C gemessen, der niedrigste Wert für diesen Monat seit elf Jahren; während die Temperatur in York auf -1 °C fiel.

Die Kaltluft breitete sich anschließend nach Osten aus und brachte weitere Schneefälle in den Alpen mit sich.

Am Mt Hotham fielen innerhalb von 24 Stunden 13 cm und in der vergangenen Woche insgesamt 31 cm.

Auch in Perisher fielen in sieben Tagen 31 cm, während in Thredbo in der Nacht zum Dienstag weiterer Schnee hinzukam, da auf den höheren Gipfeln weiterhin Frost herrschte.

In Spencers Creek gab es am 1. Juli keinen messbaren Schnee – erst das zweite Mal seit Beginn der Aufzeichnungen. Doch nun, am 12. August, ist die Schneehöhe wieder auf 96 cm gestiegen und übertrifft damit bereits einige Höchstwerte der gesamten Saison, darunter die der Jahre 1982 und 2006.

Der australische Winter hat in den dortigen Alpen eine beeindruckende Wende vollzogen.

—————————-

Patagonien, Südamerika: Anhaltender Frost

Die extreme Kälte im Süden Südamerikas will einfach nicht nachlassen – in Patagonien sind die Temperaturen erneut weit unter den Gefrierpunkt gesunken.

Mindestens 15 argentinische Städte verzeichneten am Dienstag zwischen 8 und 9 Uhr morgens Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, darunter Santa Cruz, Chubut, Mendoza, Río Negro, La Pampa und Buenos Aires.

Der SMN hielt in acht Provinzen Warnungen vor extremer Kälte aufrecht.

Jenseits der Anden war die chilenische Region Aysén von noch stärkerer Kälte betroffen.

Nachdem die Temperatur in Balmaceda am 10. August auf -17,5 °C gesunken war – eine der tiefsten Augusttemperaturen in der Geschichte der Messstation – sank die Temperatur in Coyhaique am 11. August auf -10,3 °C – knapp unter dem Allzeit-Tiefstwert der Station vom 7. August 1975 (Aufzeichnungen seit 1952).

Die Kälte übertraf die Erwartungen von DMC bei weitem, war man doch dort von -7 °C bis -3 °C ausgegangen.

Der Frost hielt bis Anfang August 2012 an, wobei das Live-Netzwerk von DMC Werte deutlich unter dem Gefrierpunkt anzeigte.

Der Süden Chiles und Argentiniens wurden in den letzten Wochen wiederholt von Schnee und starkem Frost heimgesucht.

Link: https://electroverse.substack.com/p/antarctic-chill-sweeps-australia?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

—————————-

Extrem-Temperaturen in Nordostdeutschland

Der in der Vorbemerkung genannte Vorstoß arktischer Meeresluft bis nach Nordostdeutschland ist in der Tat im Hochsommer ein sehr seltener Vorgang. Meist bleibt von so etwas nur die etwas mildere subpolare (subarktische) Variante übrig. Mitten in dem permanenten Geschrei um die Hitzewelle in Europa soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass der Vorgang ebenfalls Extrem-Temperaturen zur Folge hat, jedoch mit umgekehrtem Vorzeichen (stellenweise gab es geringen Bodenfrost). Die Verteilung der Tiefsttemperatur am Boden (= 5 cm über dem Boden) sah am Morgen des 12. August so aus:

Tiefsttemperatur am Erdboden in der Nacht zum 12. August 2026 (Quelle: wetterzentrale.de)

Hat man davon in den MSM irgendetwas gelesen? Ich nicht!

Der Vollständigkeit halber hier die Darstellung im 850-hPa-Niveau:

Wetterlage im 850-hPa-Niveau vom 12. August 2026 um 00 UTC (= 02 Uhr MESZ; Quelle: Berliner Wetterkarte e. V.)

—————————-

Eine Meldung vom 13. August 2026:

Südafrika: seltener Schneefall

Ein heftiger Wintersturm hat Südafrika heimgesucht, Straßen im Hochland unter Schnee begraben, Autofahrer stranden und die Tagestemperaturen auf Rekord-Tiefstwerte sinken lassen.

Am 10. und 11. August traf es das Ostkap am stärksten, woraufhin der SAWS eine Schneewarnung der Stufe 6 – auf seiner Skala von 1 bis 10 – herausgab, wobei für Teile des Hochlands Schneehöhen von 35 cm vorhergesagt wurden.

Tatsächlich fiel starker Schnee in Barkly East, Rhodes, Mount Fletcher, Matatiele und der Grenzregion zu Lesotho, wodurch die Pässe Penhoek, Barkly, Boesmanshoek, Lootsberg und Wapadsberg gesperrt wurden. Autofahrer gerieten in der Nähe des Barkly-Passes in die Schneefalle und mussten gerettet werden.

Der Schnee breitete sich auch bis nach KwaZulu-Natal aus und betraf Underberg, Kokstad, die Nottingham Road, Impendle und den südlichen Teil der Drakensberge.

Selbst in Gauteng fiel Schnee, unter anderem in Johannesburg selbst sowie in der Umgebung von Germiston und Bedfordview. Vor den Schneefällen dieser Woche war in Johannesburg zuvor nur in den Jahren 1956, 1962, 1964, 1981, 2007, 2012 und 2023 Schnee gefallen.

Africa First berichtet: „Schnee wird nun zu einem jährlichen Phänomen im Land und erreicht sogar Orte, an denen es zuvor noch nie Schneefall und so kaltes Wetter gegeben hatte.“

Eskom teilte mit, dass in der gesamten Provinz KwaZulu-Natal rund 40.000 Kunden von Stromausfällen betroffen waren.

Ebenso beeindruckend war die Kälte.

Am internationalen Flughafen von Johannesburg wurde am 11. August eine Höchsttemperatur von nur 5,2 °C gemessen, womit der bisherige Tiefstwert für den 11. August von 11,7 °C aus dem Jahr 1957 deutlich unterboten worden ist. Auch in Witbank wurden nur 8,2 °C gemessen, womit der bisherige Höchstwert für den 11. August aus dem Jahr 2010 von 13,7 °C unterboten wurde. Beide Rekorde sind vorläufig.

Der Hauptschneesturm hat nun nachgelassen, doch in Teilen des östlichen Südafrikas herrschen weiterhin eisige Bedingungen.

Link: https://electroverse.substack.com/p/rare-snow-sweeps-south-africa-early?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

—————————-

Meldungen vom 14. August 2026:

Russland: Weitere Kälterekorde gebrochen

In Nordrussland wurden neue Temperaturrekorde verzeichnet, wobei in Teilen von Jakutien nun Schnee fiel und weitere Minustemperaturen herrschen.

In Reboly in Karelien sank die Temperatur am 13. August auf 3 °C und unterbot damit den bisherigen Tiefstwert für diesen Tag von 4,1 °C aus dem Jahr 1965. Nach Angaben des Klimamonitors „Pogoda i Klimat“ ist die Messstation seit 1901 in Betrieb.

Tausende Meilen östlich davon sank die Temperatur in Shelagontsy, Jakutien, auf –4,8 °C und brach damit den bisherigen Rekordwert für den 13. August von –4,6 °C aus dem Jahr 1953. Die abgelegene Messstation WMO 24329 ist seit 1940 in Betrieb.

Die staatliche Nachrichtenagentur Jakutiens YSIA berichtet am 14. August von nassem Schnee in den Bergen und Nachtfrösten bis zu -5 °C in Teilen des Nordwestens und Nordostens. Selbst an der Küste werden Höchsttemperaturen von gerade einmal 5 °C erwartet.

Der jüngste Kälteeinbruch folgt auf wiederholte Kälteeinbrüche in Jakutien in diesem Monat.

—————————-

Anden, Südamerika: Rekord- Schneefälle

Entlang des südamerikanischen Gebirgskamms bildet sich derzeit eine bemerkenswerte Abfolge von Schneefällen, wobei Wetterdienste vor winterlichen Kälteeinbrüchen von den tropischen Anden bis hinunter nach Patagonien warnen.

Am 13. August veröffentlichte 3- bis 6-Tage-Schneefallvorhersage, die zeigt, dass sich der Schneefall über weite Teile der Anden von Peru/Bolivien bis nach Patagonien erstreckt. [snow-forecast.com]

Die stärksten Niederschläge werden derzeit für Argentinien erwartet, wo der nationale Wetterdienst für einen riesigen Teil seiner westlichen Provinzen Schneewarnungen herausgegeben hat.

In der Hochkordillere von Catamarca, La Rioja und San Juan wurden in den jüngsten Vorhersagen der Warnstufe Orange 120 cm Schnee angekündigt, lokal möglicherweise sogar noch mehr. Für einen breiteren Korridor von der Puna bis nach Patagonien wurden weitere 60 cm vorhergesagt, begleitet von Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h und voraussichtlich Whiteout-Bedingungen.

Die chilenische Wetterbehörde „Dirección Meteorológica de Chile“ hat ebenfalls eine Schneewarnung herausgegeben, die sich bis zur Kordillere von Antofagasta im Norden erstreckt, während für Atacama bis Freitag weitere 40 cm vorhergesagt wurden. Weiter südlich rechnen die Behörden in Biobío damit, dass aufeinanderfolgende Schneefälle bis Sonntag ähnliche Gesamtmengen bringen werden.

Der Winter reicht weiterhin ungewöhnlich weit nach Norden.

In Bolivien hat der Schnee bereits La Paz, Oruro und Potosí sowie die Höhenlagen in Tarija und Cochabamba erreicht.

Und in Peru verfolgen Meteorologen derzeit die DANA „Aníbal“, die sich über dem Pazifik nördlich von Chile entwickelt. Zwischen dem 16. und 18. August wird erwartet, dass sie Schnee in die zentrale und südliche Sierra bringt, insbesondere auf die höchsten Gipfel.

Die geografische Ausdehnung macht dieses Ereignis so bemerkenswert. In den kommenden Tagen wird Schnee über Tausende von Meilen in den Anden vorhergesagt, vom tropischen Hochland Perus und Boliviens über die Atacama und die zentralen Anden bis hinunter nach Patagonien.

Link: https://electroverse.substack.com/p/russian-cold-breaks-records-snow?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

Wird fortgesetzt mit Kältereport Nr. 34 / 2026

Redaktionsschluss für diesen Report: 14. August 2026

Zusammengestellt und übersetzt von Christian Freuer für das EIKE