Das grüne Imperium schlägt zurück!
David Turver, THE DAILY SCEPTIC
In letzter Zeit hatte man den Eindruck, dass wir in der Energie- und Klimapolitik einen neuen Aufbruch erlebt hätten, nachdem die „Energie-Jedi“ die Debatte gegen das Ziel der Netto-Null bis 2050 für sich entschieden hatten. Die Partei „Reform“ führte den Wahlkampf mit dem Versprechen, das Netto-Null-Ziel aufzugeben. Vor kurzem sind die Tories diesem Beispiel gefolgt, indem sie das Ziel für 2050 aufgegeben, ihren eigenen Plan für günstigen Strom vorgelegt und damit begonnen haben, die Partei von Netto-Null-Eiferern wie Gavin Barwell zu säubern.
Doch das „grüne Imperium“ schlägt mit einem neuen Artikel (hier in der kostenlosen Version) von Tim Stanley im „Telegraph“ zurück, und auch Greg Jackson hat sich zu Wort gemeldet und Stanleys Artikel bejubelt. Sogar DV selbst hat sich eingeschaltet, um Tim Stanley zu unterstützen. Das Problem mit Tim Stanleys Argumentation ist – wie bei vielen Befürwortern von Netto-Null – dass sie auf Eindrücken und Emotionen basiert und nicht auf der Analyse tatsächlicher Daten.
Zeit, sich näher damit zu befassen, was Tim Stanley und Greg Jackson so falsch verstanden haben.
Die Behauptungen von Tim Stanley
Stanley erklärte, die Waldbrände in Europa seien „gnadenlos und hartnäckig“ und würden durch den langen, heißen Sommer „unendlich verschlimmert“. Er wies zudem darauf hin, dass Großbritannien in den letzten sechs Jahren die drei schlechtesten Ernten seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt habe, und warnte, dass bis 2050 voraussichtlich ein Drittel des landwirtschaftlichen BIP von Bangladesch verloren gehen werde. Er erklärte ferner, Pakistan erlebe derzeit einen Solarboom, und bezeichnete es als lächerlich, dass Großbritannien zögere, diesem Beispiel zu folgen. Stanley behauptete ferner, dass sich die Entwicklungsländer mehr Sorgen um den Klimawandel machten als wir. Schließlich charakterisierte er die „Netto-Null“-Skeptiker der Online-Rechten als diejenigen, die sich „in eine Ecke wütender Irrelevanz reden“, „fehlgeleitete Sympathie für den Teufel“ hätten und denen es an Mitgefühl oder Charme mangele. Allerdings wurde er in seinen Ausführungen inkohärent, als er behauptete, er plädiere nicht für ein ideologisches Bekenntnis zur Dekarbonisierung, und sagte, Kemi Badenoch habe Recht, das Dogma der Zielvorgaben aufzugeben.
Greg Jackson befand, Tim Stanleys Artikel sei „hervorragend geschrieben“ und dass Lösungen auf Basis erneuerbarer Energien „wirtschaftlich zunehmend vorteilhafter sind als die Alternativen mit fossilen Brennstoffen“. Laut Jackson ist Solarstrom der günstigste Strom der Welt, und Onshore-Windenergie sei „wahnsinnig günstig“. Er ist der Ansicht, dass ein freierer Strommarkt erneuerbare Energien nutzen könnte, um die Energiekosten zu senken.
Stanleys Artikel wurde durch ein apokalyptisches Bild von tobenden Waldbränden in Europa illustriert (siehe Abbildung 1). Auch wenn solche Brände für die Betroffenen sicherlich erschreckend sein müssen, sollte die Politik auf der Grundlage von Fakten und nicht anhand emotionaler Bilder gestaltet werden.
Dieses Bild wurde verwendet, um Stanleys Behauptung zu untermauern, dass Waldbrände in Europa gnadenlos und hartnäckig seien und durch lange, heiße Sommer unermesslich verschlimmert würden. Wir können diese Behauptung anhand der von „Our World in Data“ (OWID) bereitgestellten Daten überprüfen, wie in Abbildung 2 dargestellt:
Dies zeigt, dass sich die Lage bei den Waldbränden in Europa keineswegs unendlich verschlimmert, sondern dass die Zahl der Brände auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen liegt. Es sei darauf hingewiesen, dass die Definition von Europa durch OWID ganz Russland umfasst. Doch selbst wenn man den geografischen Geltungsbereich der Grafik auf die EU-27 beschränkt, ist das Jahr 2026 seit Jahresbeginn das sechstschlimmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, wobei die Brandfläche lediglich 42 % derjenigen des schlimmsten Jahres 2012 beträgt. Diese Daten widerlegen die gesamte Prämisse von Stanleys Artikel.
Tim Stanley könnte auch anmerken, dass viele dieser Brände in Frankreich von Menschen verursacht wurden, nur nicht so, wie er denkt – denn in Frankreich wurden 162 Personen wegen des Verdachts auf Brandstiftung bei Waldbränden festgenommen.
Die schlechtesten Ernten in Großbritannien?
Tim Stanley behauptete außerdem, Großbritannien habe in den letzten sechs Jahren die drei schlechtesten Ernten seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Obwohl die Daten von OWID nur bis 2024 reichen, lässt sich anhand von Abbildung 3 erkennen, dass diese Behauptung falsch ist:
Die jüngsten Produktions- und Ertragswerte waren im Vergleich zu den letzten 30 Jahren nicht ungewöhnlich. Der Produktionshöchststand wurde 1984 erreicht, als die Getreideproduktion rund 174 % über dem Referenzwert von 1961 lag; allerdings wurden damals fast 32 % mehr Flächen für den Getreideanbau genutzt. Im Jahr 2024 war die Getreideproduktion doppelt so hoch und die Erträge lagen um 106 % über denen von 1961, obwohl 3,1 % weniger Fläche genutzt wurde. Es sieht ganz so aus, als hätten uns diese bösen, aus fossilen Brennstoffen gewonnenen Düngemittel dabei geholfen, uns zu ernähren. Besorgniserregender ist jedoch, dass die für den Getreideanbau genutzte Fläche offenbar einen Abwärtstrend eingeschlagen hat. Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, erstklassiges Ackerland mit Solarmodulen zu bedecken.
Landwirtschaft in Bangladesh bedroht?
Stanleys Behauptung, wonach ein Drittel des landwirtschaftlichen BIP in Bangladesch gefährdet sei, scheint auf einem Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2022 zu beruhen. Auch hier verfügt OWID über Daten, die zeigen, dass diese Befürchtung bestenfalls unbegründet ist:
Das landwirtschaftliche BIP in Bangladesch steigt rasant, und die von der Weltbank prognostizierten 13,3 Millionen Klima-Migranten werden wahrscheinlich nicht kommen, da die Zahl der Todesfälle durch Naturkatastrophen in diesem Land von einem einmaligen Höchststand von 1,9 Millionen im Jahr 1943 – bedingt durch eine Dürre – auf nur noch 28 im Jahr 2025 gesunken ist, wobei 10 dieser Todesfälle auf Erdbeben zurückzuführen sind, die natürlich nichts mit dem Klima zu tun haben.
Bangladesch scheint sich zudem mehr um die wirtschaftliche Entwicklung als um den Klimawandel zu sorgen, steigt doch der Energieverbrauch stark und beruht fast ausschließlich aus fossilen Brennstoffen:
Dies widerspricht Stanleys Behauptung, dass Entwicklungsländer sich mehr Sorgen um den Klimawandel machen als wir.
Solarboom in Pakistan?
In seinem Artikel behauptete Tim Stanley außerdem:
Das heutige Pakistan erlebt einen Solarboom. Wie kommt das? Weil Millionen von Bauern, die die durch Korruption in die Höhe getriebenen hohen Strompreise satt haben, günstige Solarmodule aus China gekauft und diese auf ihren Dächern und Balkonen angebracht haben.
Er tadelte Großbritannien daraufhin dafür, dass es diesem Beispiel nicht folge. Es stimmt, dass Pakistan mittlerweile fast 19 % seines Stroms aus Solarenergie erzeugt und der Anteil der Solarenergie rasant wächst. In Großbritannien liegt der Anteil der Solarenergie an der Stromerzeugung bei 6,6 %. Trotz dieser unterschiedlichen Verbreitung der Solarenergie ist die Kohlenstoffintensität der pakistanischen Energieversorgung höher als die von UK, wie aus Abbildung 6 hervorgeht:
Im internationalen Vergleich erzeugt Pakistan sehr wenig Strom: Pro Kopf fallen lediglich 764 kWh an, verglichen mit dem weltweiten Durchschnitt von 3.860 kWh, den 4.203 kWh in UK und den 7.474 kWh in China. Ein wesentlicher Grund dafür, dass abgelegene Regionen Pakistans auf Solarenergie umsteigen ist, dass weniger als 55 % der Haushalte an das Stromnetz angeschlossen sind. Für sie ist der Zugang zu etwas Solarstrom besser als gar kein Strom. Ein weiterer Grund, warum Pakistan für Solarenergie besser geeignet ist, ist der Breitengrad. Pakistan liegt zwischen 23 und 37 Grad nördlicher Breite, wo es sonniger ist als in Großbritannien, das viel weiter nördlich liegt. Aus diesem Grund stufte die Weltbank Pakistan hinsichtlich des praktischen Solarenergiepotenzials in etwa im obersten Quartil der Länder ein, während Großbritannien den vorletzten Platz belegte, knapp vor Irland.
Machen sich arme Länder Sorgen?
Wie oben dargestellt, scheint Bangladesch sich keine allzu großen Sorgen um den Klimawandel zu machen – im Widerspruch zu Tim Stanleys Behauptung, dass arme Länder besorgter seien als wir. OWID stellt auch Daten zu den Kohlendioxidemissionen nach Einkommensgruppen bereit, siehe Abbildung 7:
Auch wenn die Emissionen aus Ländern mit hohem Einkommen wie Großbritannien sinken, steigen die Emissionen aus Ländern mit oberem und unterem mittleren Einkommen stark. Die Emissionen aus Ländern mit niedrigem Einkommen sind gering und steigen nur langsam. Länder mit hohem Einkommen werden ärmer werden und von Ländern mit oberem mittleren Einkommen überholt werden, die ihren Wohlstand steigern wollen.
In Afrika steigt die Nachfrage nach Öl und Gas. So setzt sich beispielsweise der kenianische Landwirt Jusper Machogu für fossile Brennstoffe in Afrika ein, weil er „einfach mit der Schufterei aufhören“ will. Er ärgert sich darüber, dass Greenpeace sich wie ein Neokolonialist verhält und den Bau einer neuen Ölraffinerie in seinem Land blockiert. Ein weiterer Schlag gegen Tim Stanleys unbelegte Tirade.
Sind erneuerbare Energien wirtschaftlich immer attraktiver?
Wenden wir uns nun den Behauptungen von Greg Jackson zu, wonach erneuerbare Energien „wirtschaftlich immer attraktiver“ seien und ein freierer Markt für erneuerbare Energien die Energiekosten senken würde. Wie wir bereits erörtert haben und wie aus Abbildung 8 hervorgeht, hat Großbritannien bereits die höchsten Strompreise für die Industrie in der entwickelten Welt, und auch die Preise für Privathaushalte gehören zu den höchsten überhaupt:
Die Laufzeit von Differenzkontrakten (CfDs) wurde auf 20 Jahre verlängert, und die in der Ausschreibungsrunde AR7 für Offshore– und Onshore-Windenergie zugeschlagenen Preise sind gestiegen. Die Preise für Solarenergie sind leicht gesunken, auf vergleichbarer Basis bei 15-jährigen Verträgen sind sie jedoch ebenfalls gestiegen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Grundkosten für erneuerbare Energien sinken.
Die Lage verschlechtert sich noch weiter, weil die Kosten für die Einbindung intermittierender erneuerbarer Energien in das Stromnetz in die Höhe schießen. Die Kosten für Ausgleichsmaßnahmen, Reservekapazitäten und den Netzausbau werden sich bis 2030/31 gegenüber dem Niveau von 2024/25 verdreifachen, wie aus Abbildung 9 hervorgeht:
Anstatt „wirtschaftlich immer attraktiver“ zu werden, werden intermittierende erneuerbare Energien immer teurer. Würden wir den Strommarkt liberalisieren – indem wir beispielsweise die CO₂-Steuern auf Strom aus Gaskraftwerken senken, Subventionen für erneuerbare Energien abschaffen und diese dazu verpflichten, ihre Netzanbindungskosten selbst zu tragen –, würden die meisten Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien scheitern und es gäbe kaum neue Investitionen. Greg Jackson irrt in beiden seiner Hauptargumente.
Wem fehlt es an Mitgefühl?
Tim Stanleys emotionalste Aussage war, als er den „Netto-Null“-Skeptikern vorwarf, sie hätten ihr Mitleid fehlgeleitet auf den Teufel gerichtet und es mangele ihnen an Mitgefühl. Man könnte sich fragen, was daran mitfühlend sein soll, Strom so teuer zu machen, dass Familien sich zwischen Heizen und Essen entscheiden müssen. Wo bleibt das Mitgefühl für die Öl- und Gasarbeiter in Aberdeen, die jeden Monat 1.000 Arbeitsplätze verlieren? Gibt es auch nur ein Fünkchen Mitgefühl für die Stahlarbeiter in Port Talbot, die Raffineriearbeiter in Grangemouth oder die Tausenden weiteren Menschen, die in anderen energieintensiven Branchen wie der Petrochemie, der Chemie, der Keramik- und der Glasindustrie ihren Arbeitsplatz verlieren? Ist es nicht schlichtweg unzumutbar, den Entwicklungsländern die günstigen und reichlich vorhandenen Kohlenwasserstoffe vorzuenthalten, die sie für ihre wirtschaftliche und soziale Entwicklung benötigen?
Wir wissen, dass die Energie-Jedi die Debatte gewinnen, wenn das „grüne Imperium“ auf emotionale Bilder und verlogene Schmähungen zurückgreifen muss, um seinen Standpunkt zu vertreten. Keines von Tim Stanleys Argumenten hält einer genauen Prüfung stand, und der Jubel-Fan Greg Jackson sieht sich gezwungen, völlig falsche Behauptungen aufzustellen, um zu verhindern, dass sein Unternehmen Octopus Energy in weitere Verluste stürzt.
Das Problem ist, dass Lügen schon um die halbe Welt gereist sind, bevor die Wahrheit überhaupt ihre Stiefel angezogen hat – daher kann der Gegenangriff des „grünen Imperiums“ vorübergehend wirksam sein. Aber eines ist sicher: Die Energie-Jedi werden zurückkehren, und die wirtschaftliche und physikalische Realität wird sich durchsetzen.
David Turver writes the Eigen Values Substack page, where this article first appeared.
Link: https://wattsupwiththat.com/2026/08/04/green-empire-strikes-back/
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE








