Lilium – einer der abgestürzten Träume vom ökologischen Paradies
Die Trauer über nicht realisierbare grüne Träume wird gerne von dem Gedanken begleitet, man liege Im Prinzip richtig, habe es nur falsch versucht. Wie bei vielen Projekten und Wunschwelten aus dieser Ecke. Die Geschichte ist voller gescheiterter Träume der Weltverbesserung.
Von Manfred Haferburg
Das ist mein letzter Beitrag über Lilium – isch schwör! Ich habe schon mehrere Artikel über das elektrische Fliegen mit dem Batterie-Lufttaxi Lilium geschrieben, den Pleite-Vocopter nicht mitgerechnet. Ich habe kleinlich nachgerechnet: hier, obwohl ich als Nuki wenig Ahnung über Aerodynamik habe. Ich habe vor den grünen Beglückungsideen gewarnt, die Geld verbrennen, aber nicht funktionieren können: hier. Ich habe die Lilium-Pleiten ohne Häme begleitet, weil mir die 1.000 Mitarbeiter leid taten, die zu Weihnachten ihre Kündigung erhielten und dann auf eine emotionale Achterbahn gesetzt wurden: hier und hier. Der grüne Traum vom ökologischen Fliegen ist an der Realität zerschellt. Er ist zum Glück nicht abgestürzt. Er ist gar nicht erst gestartet. Denn nun ist es amtlich – la comedia e finita.
Lilium entlieh seinen Namen von Karl Wilhelm Otto Lilienthal, dem mutigen und unbeirrbaren deutschen Luftfahrt-Pionier, der seinen Traum vom Fliegen damit bezahlte, dass er sich mit nur 48 Jahren bei einem seiner Flugversuche den Hals brach und verstarb. Aber Lilienthal hinterließ der Menschheit etwas enorm Wichtiges. Er konnte beobachten, zeichnen und berechnen – also allerhand mehr, als die meisten Grünen können. Er schaute sich den Flugzeugflügel bei den Vögeln ab und hat mit seinen Theorien wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute mit Flugzeugen bequem und sicher die Welt erkunden können. Zumindest solange, wie uns die durchgeknallten Weltuntergangssekten das noch erlauben.
Die grüne Pleitewelle als Folge unrealistischer Träume
Lilium fügt sich nahtlos in die grüne Pleitewelle unserer Tage ein. 1,4 Milliarden Euro sind verbrannt worden. Lilium war ein schöner grüner Traum. Die Idee hinter allen grünen Träumen ist, dass der Mensch in paradiesischem Einklang mit der Natur leben – sich komplett in die natürlichen Kreisläufe einordnen könne, ohne Spuren zu hinterlassen. Eine ideale Welt. Keine Verbrennung fossiler Stoffe, keine bösen Abgase, kein Abfall, keine Einschränkung des Lebensraums anderer Kreaturen. Menschliches Handeln in totaler Harmonie mit Mutter Erde – ein fast religiöser Kinderglaube.
Nur kollidiert dieser schöne Traum leider stets mit der Realität. Er ist eine Münze mit nur einer Seite. Mutter Natur meint es nicht gut mit uns, sie füllt einfach alle Schubladen und probiert aus, was sich durchsetzt. Die paradiesischen Kreisläufe entpuppen sich als Illusion, wenn es darum geht, die ganze Menschheit zu ernähren und ihr Wohlergehen zu gewährleisten. Kurz – der schöne grüne Traum ist nicht realisierbar. Und schon gar nicht vereinbar mit dem Komfort, den menschlicher Erfindergeist geschaffen hat.
Bei jeder Kollision des grünen Ideals mit der Realität entstehen in den grünen Seelen Schmerz und Trauer. Das geht so weit, dass orthodoxe Grüne die Menschheit als Weltschädling sehen und meinen, Gaja könne gut und gerne auf die Menschen verzichten.
Schuld am Scheitern der Träume sind die Umstände, die Anderen oder…
Bezüglich Lilium fand ich den Schmerz über den geplatzten Traum vom grünen Fliegen in einem Artikel Die Welt: „Die Lilium Story – Das traurige Ende des deutschen Flugtaxi-Traums“. In einem gefühligen Artikel betrauern zwei Wirtschaftsjournalistinnen das Scheitern durch einen Ortsbesuch der verwaisten Lilium-Halle: „eines der deutschen Vorzeigeunternehmen für Zukunftstechnologie… Genau darin liegt die Wucht dieses Ortes. Denn man versteht: Lilium war kein Unternehmen, das langsam auslief, sondern eines, das mitten in der Bewegung angehalten wurde.“ Ich halte den beiden Journalistinnen zugute, dass sie einen sehr guten Podcast über den Lilium-Fall produzierten, den sie bezeichnenderweise „Cashburner“ nannten. Aber wer hört sich schon dreieinhalb Stunden Podcast über „Lilium“ an, auch wenn es noch so gut gemacht ist?
Zwischen den Zeilen insinuieren die Journalistinnen, dass Lilium nicht an der Physik, sondern am Unwillen der Politik gescheitert sei, der bereits verbrannten Milliarde weitere 100 Millionen Steuerzahlergeld nachzuschießen. Schuld ist angeblich auch die Erhöhung des US-Leitzinses zur Zeit des Börsengangs von Lilium, der dafür sorgte, dass nicht genug Kapital eingeworben wurde. Und schuld sind auch die warnenden Stimmen von Fachleuten, die das Zukunftsprojekt „schlecht redeten“. Wenn ich zurückblicke, dann war wahrscheinlich eine starke Überschätzung des Fortschritts der Entwicklung der Batteriekapazität durch das Lilium-Management dafür verantwortlich, dass sie Projektparameter versprachen, die nicht eingehalten werden konnten. Mit den existierenden Batterien konnte das Ding eben weder 300 km weit noch 300 km/h schnell fliegen.
Auch der Sozialismus, der schon Millionen Menschen das Leben kostete, ist so ein süßer Traum. Die unzähligen gescheiterten Versuche, ihn einzuführen, scheiterten nach der Meinung der Träumer nicht daran, dass er der Natur des Menschen widerspricht, sondern daran, dass er nur nicht richtig – also konsequent genug – eingeführt wurde. oder er scheiterte an den US-Sanktionen, wie im Falle Kubas, oder daran, dass das Geld der Anderen alle war, wie im Falle der DDR.
Der Trauer-Artikel in Die Welt schließt mit der Bemerkung: „Ein Stück Zukunft, das nicht fertig wurde“. Damit ist das Kapitel Liliumabgeschlossen? Offenbar nicht. Beim nächsten Batterie-Lufttaxi funktioniert es ja vielleicht doch?
Vom Phantomschmerz zu Lug und Trug
Nun ist Trauer über einen geplatzten Traum zwar ein Phantomschmerz, aber auch ein absolut legitimes Gefühl. Kritisch wird es, wenn sich die Trauer über nicht realisierbare grüne Träume mit krimineller Energie mischt. Wenn versucht wird, mittels unlauterer Mittel doch noch zu dem ansonsten unerreichbaren Ziel zu kommen. Dann kann solch ein Kapitel nicht mehr so einfach geschlossen werden, weil das Problem fortwirkt.
So war es beispielsweise beim Atomausstieg. Mitten in einer veritablen Energiekrise sollten die letzten drei Kernkraftwerke stillgelegt werden. Kritiker und vor allem Fachleute monierten, dass damit die Netzsicherheit gefährdet und durch weiter steigende Energiepreise die Deindustrialisierung vorangetrieben würde. Der zuständige Minister Habeck hatte daraufhin eine „ergebnisoffene“ Prüfung der Möglichkeit des Weiterbetriebes versprochen.
Die grünen Staatssekretäre Graichen im Wirtschafts- und Tidow im Umweltministerium erstickten jede offene Diskussion in ihren Häusern und in der Öffentlichkeit über den Weiterbetrieb im Keim. Sie brachten Falschinformationen in Umlauf und verdrehten die von den zuständigen Fachebenen erstellten Ergebnisse in das genaue Gegenteil, logen teilweise mit unglaublicher Frechheit. Sie konnten sich der Unterstützung der meisten Medien sicher sein.
Als Ergebnis dieser irreführenden und falschen Informationen wurden die modernsten und sichersten Kernkraftwerke der Welt zwangsstillgelegt. Die Öffentlichkeit und auch die Parlamentarier wurden massiv getäuscht, und dies sollte vertuscht werden. Die Ministerien versuchten ein Jahr lang, diesen Entscheidungsprozess geheim zu halten. Doch einige Journalisten des Cicero klagten die Dokumente frei. Auf der Basis der Akten konnte Cicero nachweisen: „Eine korrekte und offene Prüfung der für einen Weiterbetrieb der AKW relevanten technischen und sicherheitstechnischen Fragen hat nicht stattgefunden.“
Der Bundestag setzte daraufhin einen AKW-Untersuchungsausschuss ein, der laut Cicero bewies: „Wirtschafts- und Umweltministerium haben die Öffentlichkeit und die Energieversorger bewusst getäuscht, um einen Weiterbetrieb zu verhindern. Die negativen Folgen für unsere Gesellschaft sind irreversibel.“
Und bist Du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt
Die Zahl anderer Beispiele für die Versuche, die an der Realität gescheiterten Träume mittels Lug und Trug doch noch umzusetzen, ist mittlerweile Legion. Die Fortsetzung des Kampfes für unrealisierbare Träume mit „anderen Mitteln“ bürgert sich schleichend ein. Dadurch entsteht eine zunehmende Polarisierung. Es kommt inzwischen sogar vor, dass die Inhaber der edlen Träume bereit sind, ihre Ziele – und seien sie noch so unrealistisch – mit passiver, zuweilen sogar aktiver Gewalt durchzusetzen. Als Beispiel für eher passive Gewalt seien die straßenklebenden Klimaretter genannt. Die Antifa mit all ihren Untergruppierungen ist sogar bereit, Menschenleben aufs Spiel zu setzen, wenn sie glauben, dass diese Menschen ihren Zielen im Wege stehen oder als medienwirksame Kollateralschäden dienen können – ich erinnere nur an den Sabotageanschlag der linken Vulkangruppe auf das Berliner Stromnetz im Januar dieses Jahres. Hier gab es Todesopfer. Die Täter sind bis heute noch nicht dingfest gemacht worden.
Vom Gewalteinsatz für unrealisierbare Träume sind es nur noch ein paar kleine Schritte bis zur Abschaffung der demokratischen Prinzipien. Gute Gründe gibt es dafür immer. Und sie führen in eine Pandemie-Demokratur, zur Brotschlange und zum Archipel Gulag. Alles im Namen „unserer Demokratie“. Liebe linksgrüne Träumer, Demokratie gehört allen, da gibt es nicht so etwas wie „unsere Demokratie“. Und nein, ein guter Zweck rechtfertigt nicht den Einsatz undemokratischer Mittel.
Liberté, égalité, fraternité – aus der Geschichte lernen
Die Jakobiner träumten von einer einfachen, tugendhaften und sittenstrengen Gesellschaft, die durch den Gemeinwillen geleitet wurde und auf eine endgültige Gerechtigkeit vertraute. Sie verkündeten die Grundsätze „Freiheit und Gleichheit“. Aber sie ahnten wohl schon dunkel, dass der Mensch entweder frei oder gleich sein kann, beides zusammen geht nicht. Wenn der Mensch frei ist, dann entstehen automatisch Unterschiede. Der besser Begabte erreicht etwas, der Minderbegabte fällt zurück. Deshalb erfanden die Jakobiner die fraternité, die Brüderlichkeit als Kitt, der das Ungereimte zusammenhalten sollte. Der Kitt hielt aber nicht, weil die Menschen so sind, wie sie eben sind.
Der „Wohlfahrtsausschuss“ wurde als Exekutivorgan der französischen Revolution im April 1793 eingerichtet, mit der guten Absicht, die Regierung zu kontrollieren. In kürzester Zeit mutierte er zu einer Mordmaschine.
Die Jakobiner führten als verpflichtendes Staatsziel das „allgemeine Glück“ ein. Dumm nur, dass Menschen eher nach ihrem eigenen Glück strebten. Um die Träume von einer besseren Gesellschaft dennoch umsetzen zu können, holte der Wohlfahrtsausschuss die Guillotine heraus und Ströme von Blut der 20.000 bis 40.000 Geköpften flossen vom Place da la Concorde in die nahe Seine. Ein gutes Jahr, von Juni 1793 bis Juli 1794, dauerte der „große Terror“. Am 5. Februar 1794 sagte Robespierre in einer Rede: „Terror ist nichts anderes als rasche, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit. Er ist eine Offenbarung der Tugend. Der Terror ist nicht ein besonderes Prinzip der Demokratie, sondern er ergibt sich aus den Grundsätzen, welche dem Vaterland als dringendste Sorge am Herzen liegen müssen.“
Im Juli 1794 wurde Robespierre verhaftet und mit der Guillotine hingerichtet.
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