Woher kommt der Strom? Hoch-Windphase
28. Analysewoche 2026 von Rüdiger Stobbe
Die Hoch-Windphase der zweiten Hälfte der vergangenen Woche setzt sich nach einer Kurzpause zu Beginn der 28. Analysewoche des Jahres 2026 fort. Ab 12:00 Uhr des 9. Juli beginnt dann eine Flautenphase mit starker PV-Stromerzeugung. An jedem Tag dieser Analysewoche übersteigt die regenerative Stromerzeugung den Strombedarf Deutschlands. Wird an den ersten drei Wochentagen noch viel Strom ins benachbarte Ausland exportiert, kommt es danach zu massiven Stromimporten, die das bereits bekannt-übliche Handelsbild spiegeln: Über die Tag wird der überschüssige Strom preisgünstig von unseren Nachbarn aufgekauft. Den Rest des Woche benötigt Deutschland wegen der anhaltenden Windflaute dringend Strom. Dieser wird von Deutschland hochpreisig bei den Nachbarn eingekauft.
Einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der 28. Analysewoche 2026 gibt Agora Energiewende. Die Hochrechnung sieht in dieser Woche so aus.
Der direkte Vergleich (Heute-Zukunft) zeigt abermals, dass wenig eingesetzte Energie (Wind, Solar) wenig Stromertrag bringt und viel vorhandene Energie viel zu viel Strom ergibt, wenn die Strom-Ernteanlagen – wie in den vergangenen 25 Jahren – ohne Sinn und Verstand ausgebaut werden.
Das gleiche Prinzip gilt selbstverständlich auch für konventionelle Kraftwerke. Da aber kann der Mensch bestimmen, wieviel vom jeweiligen fossilen Energieträger (Kohle, Gas) eingesetzt wird. Bei Wind und Solar wird die Stromerzeugung von der Jahres- und Tageszeit und vom Wetter bestimmt. Also weitgehend vom jeweiligen Zufall. Damit kann kein Industrieland erfolgreich bestehen. Deshalb feiert in fast allen Industrieländern die Kernenergie eine Renaissance. Die ist fast CO2-frei, zuverlässig und nachhaltig. Bis zu 80 Jahre kann ein Kernkraftwerk betrieben werden. Wind- und Solaranlagen, aber auch Stromspeicher müssen nach etwa 20 Jahren „repowert“ werden. Das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Das ist Ressourcenverschwendung in Reinform. Das ist sehr teuer und gaukelt den Menschen Umweltschutz vor, der faktisch nicht vorhanden ist.
- Bitte beachten Sie Peter Hagers bemerkenswerte Ausführungen zum Ausbau von LKW-Ladestationen in Baden-Württemberg.
Was ist Kraftwerks-Leistung? Was ist Energie?
Gigawatt (GW) ist eine Einheit für Leistung, also für die maximale Fähigkeit eines Kraftwerks, Strom zu erzeugen. Gigawattstunden (GWh, TWh) sind eine Einheit für Energie, also für die tatsächlich produzierte Strommenge über eine bestimmte Zeit. Die Beziehung ist einfach: Energie = Leistung × Zeit. Ein Kraftwerk mit 1 GW Leistung erzeugt bei Volllast theoretisch maximal: 1 GW × 8.760 h = 8,76 TWh pro Jahr. Wie viel elektrische Energie tatsächlich entsteht, bestimmt beim Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerk im weitesten Sinn der Mensch über die Brennstoffzufuhr und Zufuhrdauer. Die Energie für eine Stunde wird üblicher- und für den Normalbetrachter irreführenderweise mit GW bezeichnet. Die manchmal verwendete Schreibweise „GWh pro Stunde“ ist nur eine umständliche Form von GW – mathematisch kürzt sich die Stunde („h“ und „pro Stunde“) weg.
Sonderfall Wind- und Solarkraft
Bei Wind- und Solarkraft bestimmt nicht der Betreiber, sondern das Wetter die Strom-Produktion. Eine 5-MW-Windkraftanlage könnte theoretisch 43,8 GWh/Jahr erzeugen, liefert an Land aber realistisch in Deutschland nur etwa 20 Prozent davon (auf See 40 bis 50 Prozent), also rund 8,8 GWh/Jahr – im Mittel 1 MW-Dauerenergie. Bei Solarpaneelen mit ebenfalls 5 MW installierter Leistung halbieren sich die Werte nochmals wegen verschiedener Kapazitätsfaktoren: Nacht, Winter, flacher Sonnenstand, Bewölkung und Temperaturverluste.
Tageswerte
Jeder Tag beginnt mit dem Überblick, den Agora-Energiewende zur Verfügung stellt. Die smard.de-Charts und -Tabellen ermöglichen vielfältige Analysen. Erkunden Sie das Potenzial.
Windstrom steigt, reichlich PV-Strom. Die Strompreise.
Windstromerzeugung stark, PV-Strom reichlich. Die Strompreise.
Windstrom nimmt ab, PV reicht zur Bedarfsdeckung. Die Strompreise.
Windstromerzeugung flaut ab. PV-Strom stark. Die Strompreise.
Kaum Wind- aber viel PV-Strom. Die Strompreise.
Geringer Bedarf. PV-Strom reichlich. Windstrom gering. Die Strompreise.
Schwache Windstromerzeugung mit starker PV-Stromerzeugung. Die Strompreise.
Peter Hager
Überraschung: Stromnetz wird zum Engpass beim Ausbau der E-LKW-Ladeinfrastruktur
Das war für einen Tankstellenbetreiber in Baden-Württemberg, der mehrere Ladesäulen für E-LKW in Autobahnnähe bauen wollte, eine böse Überraschung:
Der beantragte Netzanschluss von 8 MW wurde vom Netzbetreiber abgelehnt, der auf 4 MW verringerte ebenfalls und selbst der auf 2 MW reduzierte nochmals. Die Antwort auf eine nochmalige Halbierung auf 1 MW (= eine einzige Ladestation) steht noch aus.
Bei der starken Zunahme an Netzanschlussbegehren von öffentlichen Ladeparks, die zudem noch mit denen von Batteriespeichern oder Rechenzentren konkurrieren, kann der Netzausbau nicht Schritt halten. Was den Lesern dieser Kolumne klar war und ist.
Schließlich dauern die Planung von neuen Leitungen, Umspannwerken sowie Trafostationen mehrere Jahre, oft Jahrzehnte. Hinzu kommen die nochmals deutlich gestiegenen Lieferzeiten (und damit auch steigende Preise) für Komponenten wie zum Beispiel Trafos oder Leitungen.
Auch ist bei einem Netzengpass eine Reduzierung der Ladeleistung, wie beim privaten Laden bereits eingeführt, für den gewerblichen E- LKW-Betrieb den Nutzern schwer bis überhaupt nicht zu vermitteln.
Dabei benötigt Baden-Württemberg laut einer Studie des Verkehrsministeriums allein 6.350 öffentliche Ladepunkte bis 2030 und 13.820 bis 2035. Hinzu kommen noch 14.420 Depotladepunkte für 2030 (2035: 34.750).
Auch ist die täglich benötigte Energiemenge für das Laden nicht unerheblich:
2030: ca. 3.000 MWh (öffentliche Ladepunkte), ca. 6.000 MWh (Depotladepunkte)
2035: ca. 8.000 MWh (öffentliche Ladepunkte), ca. 16.000 MWh (Depotladepunkte)
Den Ausbau von EE-Erzeugern und Stromverbrauchern forcieren aber die dafür erforderliche Netzinfrastruktur sowie die Stromerzeuger mit gesicherter Leistung nicht entsprechend bereitstellen:
So wird die „Energiewende“ zum Schildbürgerstreich. Kurz: Das wird nichts. Das Scheitern ist bereits vollzogen. Doch alle Energiewendenutznießer wollen noch mal kräftig absahnen, solange es irgendwie geht. Deshalb weitermachen, weitermachen, weitermachen bis es wirklich nicht mehr geht …
Die bisherigen Artikel der Kolumne „Woher kommt der Strom?“ seit Beginn des Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.
Ab Ausgabe 1/2026 bilden die öffentlichen Analyseseiten smard.de, Agora Energiewende und Energy-Charts die wesentliche Datengrundlage dieser Kolumne.