Henrik Svensmark von seiner Universität entlassen
Karl Iver Dahl-Madsen, CLINTEL
Der dänische Wissenschaftler Henrik Svensmark, bekannt für seine umstrittenen Forschungen zu kosmischer Strahlung und Wolkenbildung, wurde nach jahrelangen internen Konflikten von seiner Universität in Kopenhagen entlassen. In einem Interview mit der dänischen Zeitung „Berlingske“ bezeichnete er die Entscheidung als „Todesstoß“ für seine Forschung.
Im dänischen Klimajournalismus ist dann aber etwas Ungewöhnliches und Ermutigendes geschehen. „Berlingske“, eine der führenden nationalen Tageszeitungen Dänemarks, hat einen hervorragenden und wirklich hinterfragenden Artikel über die Entlassung des Physikers Henrik Svensmark von der Technischen Universität Dänemarks (DTU) veröffentlicht, an der er seit Ende der 90er Jahre tätig war. Die Überschrift lässt keinen Zweifel offen: „Umstrittener dänischer Klima- und Weltraumforscher hat die Kündigung von der DTU erhalten: Es ist ‚ein Todesstoß‘ für meine Forschung“.
Dieser Artikel beginnt so:
Er ist einer der international anerkanntesten Forscher Dänemarks – und zugleich einer der umstrittensten. Doch nun wurde der Weltraum- und Klimaforscher Henrik Svensmark, wie er selbst sagt, von seinem Arbeitgeber, der Technischen Universität Dänemarks (DTU) in Lyngby, „auf altmodische Weise entlassen“. Er schließt nicht aus, dass – wie er es ausdrückt – „politische Erwägungen“ in dem jahrelangen Prozess eine Rolle gespielt haben, der zu seiner endgültigen Entlassung führte. Gleichzeitig zögert Henrik Svensmark nicht, dies als „Todesstoß“ für einen Forschungszweig zu bezeichnen, den er weitgehend im Alleingang entwickelt hat und mit dem sich Klimaforscher auf der ganzen Welt, einschließlich des UN-Klimarats (IPCC), auseinandersetzen mussten – oft widerwillig. Dies liegt vor allem daran, dass Svensmarks Forschung auf einen seiner Ansicht nach übersehenen natürlichen Faktor hinweist, der hinter einem Großteil der Klimaveränderungen steckt, welche die Erde durchlaufen hat. Schließlich schließt er nicht aus, dass die Entlassung damit zusammenhängen könnte, dass er in weiten Kreisen als umstrittener Forscher wahrgenommen wird: „An der Forschung selbst ist nichts Umstrittenes. Aber es stimmt, dass viele meine Forschung als umstritten wahrnehmen, obwohl sie das nicht sein sollte.“ Die DTU äußert sich nicht zur eigentlichen Entlassung von Svensmark und bezeichnet diese als Personalangelegenheit. Der Direktor von DTU Space, Henning Skriver, bestätigt jedoch, dass Svensmarks übergreifendes Forschungsgebiet, die Atmosphärenphysik, nun „deutlich an Priorität verlieren wird“.
Der Wissenschaftsjournalist Lars Henrik Aagaard verdient Anerkennung für den gesamten Artikel. Anstatt Svensmark lediglich als „umstritten“ abzutun, stellt er die entscheidende Frage: Schickt die DTU einen alternden Mitarbeiter in den Ruhestand oder beendet sie ein international anerkanntes, aber wissenschaftlich unbequemes Forschungsprogramm?
Die von Berlingske berichteten Fakten sind beunruhigend.
Der 68-jährige Svensmark, bekannt für seine Arbeiten zu kosmischer Strahlung und Wolken, war noch immer aktiv tätig und bereitete ein neues Experiment vor. Erst wenige Monate zuvor, so sagt er, hätten ihm seine Vorgesetzten mitgeteilt, dass seine Forschung wichtig sei und sie wünschten, dass er sie fortsetze.
Laut Svensmark war er zudem 2016 nach positiven internationalen Bewertungen für eine Professur ausgewählt worden. Ein neuer Rektor blockierte jedoch seine erwartete Beförderung zum ordentlichen Professor und stufte ihn zum leitenden Forscher herab (wobei auch sein Gehalt gekürzt wurde). Dieser Schritt erschwerte es ihm, in Dänemark regelmäßige Forschungsmittel zu erhalten.
Im Jahr 2021 versuchte die DTU erneut, ihn zu entlassen, doch er blieb im Amt – seiner Aussage nach unter anderem aufgrund von Protesten von Wissenschaftlern mit Verbindungen zum MIT und nach Princeton (Lindzen und Happer).
Die Zeitung „Berlingske“ legte diese Vorgeschichte der DTU vor. Die Universität lehnte es ab, sich dazu zu äußern. Der Direktor von DTU Space, Henning Skriver, erklärte lediglich, dass die Atmosphärenphysik im Rahmen einer strategischen Priorisierung „erheblich zurückgestuft“ werde.
Das ist keine Erklärung. Das ist Verwaltungsnebel.
Eine öffentliche Universität darf ihre Prioritäten ändern. Aber sie sollte die wissenschaftlichen Gründe dafür darlegen. Warum wurde Svensmark noch wenige Monate vor seiner Entlassung dazu ermutigt, seine Arbeit fortzusetzen? Was ist aus der positiven internationalen Bewertung geworden? Warum wurde die Professur gestrichen? Warum wird ein laufendes Experiment eingestellt?
Die Einzelheiten eines konkreten Beschäftigungsfalls mögen vertraulich sein. Die wissenschaftlichen Gründe für die Einstellung eines Forschungsprogramms sollten es jedoch nicht sein. Eine Hypothese kann nicht auf administrativem Wege verworfen werden.
Sonnenaktivität
Svensmarks Forschung befasst sich mit dem Einfluss der Sonnenaktivität und der kosmischen Strahlung auf die Aerosolbildung, die Wolken und damit auf das Klima.
Der vorgeschlagene Prozess ist im Prinzip einfach. Die Sonnenaktivität beeinflusst die Menge der die Erde erreichenden kosmischen Strahlung. Diese ionisiert die Atmosphäre. Die Ionisierung kann die Bildung und das Wachstum von Aerosolpartikeln beeinflussen, von denen einige zu Wolkenkondensationskernen werden. Wolken wiederum beeinflussen die Strahlungsbilanz der Erde stark.
Teile dieser Kette wurden experimentell nachgewiesen. Ungeklärt bleibt jedoch, wie groß der daraus resultierende Klimaeffekt unter realen atmosphärischen Bedingungen und über verschiedene Zeitskalen hinweg ist.
Svensmark behauptet nicht, dass Kohlendioxid keinerlei Auswirkungen habe. Gegenüber der Zeitung „Berlingske“ erklärte er:
„Ich sage nicht, dass der Mensch dabei keine Rolle spielt.“
Seiner Ansicht nach sind natürliche Schwankungen, Wolkenprozesse und der Einfluss der Sonne nach wie vor nicht ausreichend quantifiziert. Er bezeichnet die Ablehnung als „Todesstoß“ für das Forschungsprogramm, an dessen Entwicklung er einen Großteil seiner Karriere gewidmet hat.
Kein unbedeutender Forscher
Svensmark kann nicht ohne Weiteres als erfolgloser oder unbedeutender Wissenschaftler abgetan werden. Google Scholar verzeichnet mehr als 7.000 Zitate seiner Arbeiten und einen h-Index von 30. Im Vergleich zur gesamten Forschungsgemeinschaft der DTU reiht er sich damit etwa unter die obersten 20 Prozent der Forscher ein und liegt gemessen an der Gesamtzahl der Zitate wahrscheinlich noch höher. Das ist eine beachtliche wissenschaftliche Wirkung für ein relativ kleines und stark umstrittenes Forschungsgebiet, das weit entfernt ist von den großen Kooperationsnetzwerken, die fast automatisch viele Zitate generieren.
Der vorhersehbare, aber schwächste Beitrag in dem Artikel stammt von Jens Hesselbjerg Christensen, Professor am Niels-Bohr-Institut und einer prominenten Persönlichkeit in der IPCC-Gemeinschaft.
Hesselbjerg räumt ein, dass kosmische Strahlung eine Rolle bei der Wolkenbildung und der langfristigen Klimageschichte spielen könnte. Anschließend behauptet er, ein Großteil von Svensmarks Forschung sei offenbar darauf ausgelegt gewesen, seine Hypothese zu bestätigen, und wann immer diese nicht bestätigt wurde, habe man einfach „ein oder zwei Elemente“ hinzugefügt.
Das ist eine außergewöhnliche Anschuldigung und intellektuell ziemlich armselig.
Hesselbjerg nennt weder eine Veröffentlichung noch ein Experiment, noch eine fehlerhafte Messung, noch eine unsachgemäße Methode und auch eine fehlgeschlagene Vorhersage. Er unterstellt lediglich, dass Svensmark seine Forschung so gestaltet habe, um zu einer vorab festgelegten Schlussfolgerung zu gelangen. Wenn Hesselbjerg das glaubt, sollte er die Experimente benennen und genau erklären, was daran falsch war. Andernfalls sollte er die Anschuldigung zurückziehen.
Die Entwicklung einer Hypothese, sobald neue Erkenntnisse vorliegen, ist kein wissenschaftliches Fehlverhalten – sondern Wissenschaft! Die Aerosolbildung umfasst Keimbildung, Partikel-Lebensdauer, Wachstum, atmosphärische Chemie und schließlich die Wolkenbildung. Die Entdeckung zusätzlicher Prozesse ist kein „Hinzufügen eines Arms oder eines Beins“ – sondern der eigentliche Zweck experimenteller Forschung.
Hesselbjergs Vorgehen verdeutlicht ein umfassenderes Problem. Forscher, die dem institutionellen Konsens nahestehen, können sich auf Autorität berufen, während sie bemerkenswert wenige Argumente vorbringen. Von einem abweichenden Forscher wird erwartet, dass er jedes Glied einer komplexen physikalischen Kette nachweist, bevor seine Arbeit überhaupt als legitim angesehen wird.
Das sind keine gleichen Bedingungen für den wissenschaftlichen Wettbewerb.
Die Forschung sollte fortgesetzt werden
Das unmittelbare Ziel sollte nicht lediglich darin bestehen, die DTU in Verlegenheit zu bringen. Vielmehr sollte es darum gehen sicherzustellen, dass Svensmarks Forschung fortgeführt wird. Der wichtigste nächste Schritt ist die Entwicklung eines Klimamodells, das neben dem Treibhauseffekt und den anderen etablierten Klima-Prozessen auch explizit die vorgeschlagene Kette aus Sonnenaktivität, kosmischer Strahlung, atmosphärischer Ionisierung, Aerosolwachstum und Wolken einbezieht.
Ein solches Modell würde es ermöglichen, eine Frage von enormer wissenschaftlicher und politischer Bedeutung zu untersuchen: Inwieweit ist die beobachtete Temperaturentwicklung auf menschlichen Einfluss zurückzuführen, und inwieweit auf natürliche Schwankungen?
Diese Frage ist keineswegs rein akademischer Natur. Die Klimapolitik hängt entscheidend von der Antwort darauf ab. Sind die natürlichen Einflüsse größer als angenommen, ist der erwartete Effekt einer Reduzierung der CO₂-Emissionen geringer. Sind sie hingegen vernachlässigbar, wird die derzeitige Zuordnung des Klimawandels zu CO₂ gestärkt. Beides wäre eine wertvolle Erkenntnis.
Henrik Svensmark erklärt: „Der nächste entscheidende Schritt besteht darin, ein Klimamodell zu entwickeln, in dem der Einfluss von Sonnenaktivität, kosmischer Strahlung, Aerosolwachstum und Wolken zusammen mit Treibhausgasen berücksichtigt wird. Damit könnten wir prüfen, inwieweit der heutige Klimawandel vom Menschen verursacht ist und inwieweit er natürlichen Ursprungs ist. Dies lässt sich innerhalb weniger Jahre und mit einem Forschungsbudget bewerkstelligen, das im Vergleich zur politischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Frage bescheiden ist.“
Die Aufgabe ist daher konkret: Wir müssen eine neue institutionelle Heimat für Svensmark finden, die Ausrüstung und das wissenschaftliche Fachwissen erhalten, ein internationales Forschungsteam zusammenstellen und die erforderlichen Finanzmittel beschaffen.
Die Zeitung „Berlingske“ hat einen wertvollen Beitrag zum öffentlichen Interesse geleistet, indem sie diesen Fall an die Öffentlichkeit gebracht hat. Die DTU hat mit Ausflüchten reagiert. Jens Hesselbjerg Christensen hat mit einem unbegründeten Angriff auf die wissenschaftliche Integrität eines Kollegen reagiert.
Keine dieser Reaktionen ist akzeptabel.
Wissenschaft schreitet durch Experimente, Beobachtungen und überprüfbare Modelle voran, nicht durch administrative Prioritäten, institutionelle Konformität oder beiläufige Unterstellungen.
Henrik Svensmarks Forschung darf nicht mit einer Entscheidung der DTU-Leitung enden. Ihr müssen nun die Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um sich dem einzigen Urteil zu stellen, das zählt: dem Urteil der Beobachtungen.
Karl Iver Dahl-Madsen
Karl Iver Dahl-Madsen ist selbstständiger Berater (Inhaber von Dahl-Madsen ApS), Vorstandsvorsitzender des dänischen Klima-realistischen Vereins „Klimarealisme“ (Klimarealismus) und tritt in den dänischen Medien regelmäßig als Kommentator und Diskussionsteilnehmer zu den Themen Klimapolitik, Energie und Umweltfragen auf. Mehr: https://klimarealisme.dk/
Link: https://wattsupwiththat.com/2026/07/21/henrik-svensmark-fired-by-his-university/
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE