Das „Windkraftsymposium“ in Berlin- eine kräftige Brise für eine wirklich nachhaltige Energiepolitik
Von Jörg Schierholz
Das „Windkraftsymposium“ der AfD-Bundestagsfraktion (Videos und Präsentationen unter https://afdbundestag.de/windkraft-symposium/) im Januar 2026 in Berlin war eine zweitägige Veranstaltung mit Fokus Analyse und Kritik am Ausbau der Windenergie und der deutschen Energiepolitik insgesamt. Die Veranstaltung diente auch als Vernetzungsplattform für Bürgerinitiativen gegen die Windkraft, der Sammlung fachlicher Kritik an der Energiewende und der politischen Mobilisierung gegen bestehende Ausbauziele der Bundesregierung. Über 25 Referenten, darunter mehrere international bekannte Wissenschaftler und Fachleute nahmen teil. Aufgrund des kritischen Fokus auf die Energiewende kam eine breite Berichterstattung in großen überregionalen Medien wie beispielsweise dem Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, Die Zeit, FAZ, Tagesschau oder ZDF nicht vor.
Zusammenfassend wurde von verschieden Experten, Vertretern von Bürgerinitiativen und Fachpolitikern argumentiert, dass Windenergie aufgrund häufiger windarmer und sonnenarmer Phasen kein verlässlicher Pfeiler der Stromversorgung, gerade für die Gewährleistung der Grundlast sei. Durch die exponentiell steigende Anzahl an teuren Netzkorrekturen (Redispatch, Regelenergie, Netzengpassmanagement) aufgrund der stark schwankenden Einspeisung durch Sonne und Wind und einem dafür unzureichend ausgebautem Stromnetz steigt das Risiko, dass die Netzbetreiber gezielt Lasten oder Netzbereiche abschalten müssen (Brownout), um einen unkontrollierten Blackout zu verhindern. In der Analyse erwies sich der Ausbau der Windkraft damit als ökonomisch, technisch und ökologisch problematisch. Der Ausstieg aus der grundlastfähigen Kernenergie wurde als gewollter strategischer Fehler bezeichnet. Weiterhin wurden die Belastung von Landschaft, Wäldern und Lebensräumen, die Gefährdung von Vögeln und Fledermauspopulationen, der Flächenverbrauch sowie die „Industrialisierung der Landschaft“ kritisiert. Ein weiterer Schwerpunkt war die Kritik an Gesetzgebung und Genehmigungspraxis wie die staatliche Bevorzugung der Windenergie durch Subventionen (z. B. EEG-Regelungen, wie Vorrangeinspeisung), die Einschränkung von Bürger- und Eigentumsrechten durch sog. Beschleunigungsgesetze und die Forderung nach Korrektur oder Rücknahme von Ausbaugesetzen.
Das IPCC und der brisante Klimabeschluss des BVerfG
Entscheidend für die Bürgerrechte und Wirtschaft ist der Klimabeschluss des BVerfG (2021, Rn. 219):„Auf der Grundlage der Zahlen des IPCC hat der Sachverständigenrat für das Ziel, den Anstieg der mittleren Erdtemperatur… auf 1,75 °C zu begrenzen, ein ab 2020 verbleibendes konkretes nationales Restbudget von 6,7 Gigatonnen CO2 ermittelt.“ Was bedeutet das: Deutschland emittiert etwa 600 Megatonnen CO2 pro Jahr, das Restbudget ist bereits 2032 komplett aufgebraucht. Verhaltensweisen, die direkt oder indirekt mit CO2-Emissionen verbunden sind, sollen nur noch zugelassen werden, soweit sich die entsprechenden Grundrechte in der Abwägung mit dem Klimaschutz durchsetzen können. Zu Ende gedacht führt das zu Freiheitseinschränkungen wie bei Corona. Das BVerfG verlässt sich dabei auf mehr als unsichere Prognosen des IPCC, welches schon 2001 zu den eigenen Prognosen folgendes erklärte: „In Sachen Klimaforschung und -modellierung sollten wir anerkennen, dass es sich dabei um ein gekoppeltes, nichtlineares, chaotisches System handelt. Deshalb sind längerfristige Vorhersagen über die Klimaentwicklung nicht möglich.“ (www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2018/03/WGI_TAR_full_report.pdf Seite 78). 2013 (IPCC Bericht AR5, 2013, The Physical Science Basis, S. 16) prognostizierte das IPCC sinngemäß: „Eine Verdoppelung des CO2-Gehalts führt mit 85 % Wahrscheinlichkeit zu einer Temperaturerhöhung von 1 °C bis 6 °C“. Die schwammige Prognose („1 bis 6 Grad“) ist die „wissenschaftliche Grundlage“ für das Pariser Klimaabkommen von 2015, den „Green Deal“ der EU von 2019, die De-Industrialisierung und zukünftige „Freiheitseinschränkungen“ (BVerfG). Zudem: Nach den EM-DAT-Daten des Centre for Research on the Epidemiology of Disasters (UCLouvain) zeigt die Zahl der registrierten klimabezogenen Naturkatastrophen seit 2000 keinen klaren langfristigen Anstieg. Sie schwankt von Jahr zu Jahr und liegt seit den Spitzenwerten der frühen 2000er Jahre eher auf einem ähnlichen oder etwas niedrigeren Niveau. Damit wird der Entscheidung des BVerfG von 2021 die wissenschaftliche Grundlage entzogen.
Einen deutlichen Hinweis auf die eigentlichen Ziele der sogenannten Klimaneutralität gibt die Äußerung von Ottmar Edenhofer, Direktor des PIK, führender Autor des IPCC, der 2010 der Neuen Zürcher Zeitung erklärte: „Wir verteilen durch die Klimapolitik de facto das Weltvermögen um. Man muss sich von der Illusion freimachen, dass internationale Klimapolitik Umweltpolitik ist. Das hat mit Umweltpolitik … fast nichts mehr zu tun.“ Laut Bill Gates’ Brief an die Teilnehmer von COP 30 (30. UN-Klimakonferenz) und Werbung für 36 Firmen aus dem Portfolio von Breakthrough Energy u.a. mit den Investoren Bezos, Bloomberg, Soros, und Zuckerberg wurde konstatiert, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen und damit die Beteiligungen von Breakthrough Energy nicht überlebensfähig wären ohne direkte Förderungen, Steuergutschriften, und Bevorzugung durch ESG-Kriterien. Breakthrough Energy wurde von Bill Gates gegründet und Start-ups in Bereichen wie Kernenergie, Wasserstoff, Langzeitspeicher, CO₂-Abscheidung, nachhaltige Kraftstoffe und Zement mitfinanziert. Konsequent weiter gedacht ist die „Energiewende“ auch eine Umverteilung von arm nach reich/superreich mit Hilfe von Steuergeldern (In Deutschland die Wind- und Solarparkbarone).
Ist CO2 der alleinige Übeltäter bei der globalen Erwärmung?
Michael Limburg (EIKE) erläuterte, dass Wasserdampf mit einem Anteil von 1,5 % an der Atmosphäre, seinem Absorptionsspektrum sowie Luftfeuchte, Regen, Schnee, Eis, Wolken und dem damit verbundenen Albedo gegenüber CO2. mit einem Anteil von 0,042 % und einem breiten 15-µm-Bereich relevantere Treibhausgas wäre. Darüber hinaus ist CO₂ für die Photosynthese und Pflanzenwachstum unverzichtbar. Auf Seite 44 der Kindle Ausgabe des Buches Der Klimawandel Diagnose, Prognose, Therapie der Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung heißt es: ,„Das insgesamt wichtigste Treibhausgas ist der Wasserdampf. Es taucht in der obigen Diskussion nur deshalb nicht auf, weil der Mensch seine Konzentration nicht direkt verändern kann.“ Unstrittig ist die Absorption der Infrarotstrahlung durch CO₂, unklar jedoch wie stark die Rückkopplungen im Klimasystem verglichen mit natürlichen Faktoren wie Sonnenaktivität, Vulkane und Ozeanzyklen sind.
Der Astrophysiker Henrik Svensmark erläuterte seine Hypothese, dass kosmische Strahlung über die Wolkenbildung das Klima beeinflussen könnte. Diese Hypothese wird wissenschaftlich bestätigt, offen ist in der Fachliteratur jedoch das Ausmaß auf den Klimawandel. Der Kernkonflikt besteht in der Frage, ob der jüngste Klimawandel überwiegend durch menschliche Treibhausgasemissionen verursacht wird.
Judith Curry, emeritierte Professorin für Atmosphärenwissenschaften an Georgia Institute of Technology kritisierte den Umgang mit Unsicherheiten in der Klimaforschung sowie Teile der Klimapolitik. Sie bestritt nicht, dass sich das Klima erwärmt, vertrat aber eine skeptische Einschätzung hinsichtlich der Stärke des menschlichen Einflusses und der Belastbarkeit mancher Klimamodelle. Sie empfahl die Konzentration auf neue Energie- und Speichertechnologien, damit klimafreundliche Lösungen wirtschaftlich attraktiver werden (Accelerate energy innovation), mehr Investitionen in Anpassung an Extremwetter wie z. B. Hochwasserschutz, hitzeresistente Infrastruktur, bessere Frühwarnsysteme (Build resilience to extreme weather) und eine intensive Verringerung der Luftverschmutzung sowie eine effizientere Energienutzung (No regrets pollution reduction).
Beeinflussung des lokalen Klimas, der Flora und Fauna durch Windparks
Zentrale Thesen des Themenblocks waren: Die Windkraftwerke beeinflussen das lokale Klima, die Beschaffenheit des Bodens, die Vegetation, das Grundwasser und führen zu Schädigungen an Vögeln, Fledermäusen und Insekten. Weitere Umwelteinwirkungen werden durch Rotorabrieb (z. B. Kunststoffe/PFAS-Debatte, Spitzen der großen Rotoren haben eine maximale Geschwindigkeit von 500kmh) und Brände (Freisetzung von Kunststofffasern) verursacht. Nachgewiesen ist: Windparks beeinflussen das lokale Klima mit nächtlichen Temperaturerhöhungen (Smith (2013): 1,6 °C bis 1,9 °C (https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/8/3/034006/pdf, Miller (2020): 0 bis 4 °C (https://physicstoday.aip.org/quick-study/the-warmth-of-wind-power, Zhou et al. 2012, https://www.nature.com/articles/nclimate1505), durch die Reduktion der Bodenfeuchtigkeit (Rajewski et al. 2020, https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2019GL086010) und der Beeinflussung der Windgeschwindigkeit bis zu 70 km hinter großen Offshore Windparks, in ähnlicher Größenordnungen, wie die mittleren Änderungen aufgrund des Klimawandels (Helmholtz Hereon 2022,https://www.hereon.de/communication_media/news/104924/index.php.de.
Die Reduktion der Windgeschwindigkeit auf der Leeseite führt zu einer reduzierten Durchmischung an der Wasseroberfläche, Steigerung der Wassertemperatur und Reduktion der Niederschläge an Land (Platis et al. 2018, https://www.nature.com/articles/s41598-018-20389-y), Afsharian et al. 2020, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S016761051930649X) (Fahel und Archer 2020, https://link.springer.com/article/10.1007/s42865-020-00012-7)
Peter Mayer erläuterte Studien (meist aus China) zu Waldschäden verursacht durch Windparks (Zilong Xia 2024 Untersuchungsgebiete: China, die Vereinigten Staaten, Kanada, Schweden, UK -führende Länder mit 346.670 MW bzw. 134.846 MW); Schäden verursacht durch Bau und Betrieb, dem Platzbedarf für Windturbinen und die für die Installation der erforderlichen Ausrüstung, dem Bau von Zufahrtsstraßen und Fällung von Bäumen, der Bodenerosion bei Betrieb (China) mit Fragmentierung der Wälder, Lebensraumverlust, Degradierung und Vertreibung von Wildtieren, und Verringerung der Belaubung um bis zu ein Drittel und damit der Reduktion der CO2-Aufnahme in der Umgebung ( Zilong Xia, Studie Xuancheng Zhao 2025 (108 Feldparzellen bei Windpark in Innerer Mongolei untersucht)). Die Dimensionen des Aufbau einer WKA sind gigantisch: Das Fundament mit einem Durchmesser von 20 – 30 m und 2.000 – 4.000 Tonnen Beton, der Turm mit 60 – 250 Tonnen, die großen Rotorblätter bis max. 29 Tonnen je Blatt (Nordex N175). Laut einer Studie von Tara J. Conkling aus dem Jahre 2022 in Kalifornien hatten von 23 untersuchten gefährdeten Vogelarten Kaliforniens (Schleiereulen, Steinadler, Roadrunner, Gelbschnabelkuckucke…) 11 Arten einen Rückgang ihrer Populationswachstumsrate um mindestens 20% zu verzeichnen, seit Windparks gebaut wurden.
Windkraft wird „gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt“- Bürgerinitiativen
In den Beiträgen von Referenten der Bürgerinitiativen wurde auf die möglichen gesundheitlichen Belastungen durch Infraschall, die Auswirkungen auf Schlaf, Stressentwicklung und Lebensqualität hingewiesen sowie Kritik an der Nähe von Windanlagen zu Wohngebieten geübt und über Konflikte zwischen Kommunen, Landwirtschaft und Windkraftbetreibern berichtet. Die Genehmigungsverfahren, die „staatlicher Bevorzugung“ der Windkraft, die fehlende Bürgerbeteiligung und der wirtschaftliche Druck auf Landwirte wurden bemängelt und lokale Widerstandsstrategien gegen die Projekte vorgestellt. Erläutert wurde auch eine Vergleichsrechnung Windkraft vs. Kohlekraftwerk (Moorburg). Ein großes Steinkohlekraftwerk erzeugt ca. 13 TWh/Jahr bei 330 Volllasttagen im Vergleich zu einem Windpark gleicher installierter Leistung mit ca. 20 % Auslastung, also ca. ~72 Volllasttagen und einer Erzeugung von nur ca. ~1,12 TWh/Jahr bei gleicher Nennleistung. Dem steht als Anreiz eine garantierte Bruttokapitalrendite von ca. 8-9%/anno für die Investoren eines Windkraftwerkes als Subventionsentgeld entgegen.
Abschließende Forderungen
Gefordert wurde die Abkehr von planwirtschaftlichen Windflächenvorgaben und Klimagesetzen, Abbau diverser Fördermechanismen, weniger staatlicher Regulierung und eine technologieoffenen Energiepolitik mit einer Kombination aus Kernenergie, teilweise auch fossilen Kraftwerken und damit der Rückkehr zu steuerbarer, sicherer Energie statt Erneuerbaren.
Es gilt die Analyse von Hans Werner Sinn: CO2 bis 2050 auf Null- das schaffen wir nur, indem wir die Lichter in der Industrie ausmachen. Es ist mir unbegreiflich, wieso die Europäer diese Harakiri Politik immer noch mitmachen (WeWo 03/26/).
Privat-Dozent Dr.med. Dr. rer.nat. Jörg Schierholz ist habilitierter Mediziner, promovierter Diplom-Chemiker und arbeitet als Consultant für die Pharma-Biotech- und Medizintechnik-Industrie. Er publizierte über 100 Fachartikel, verfasste mehrere Patente und schreibt u.a. für den Kontrafunk, Achgut, Tichys Einblick, die Junge Freiheit und das Parlament Artikel im Bereich Medizin, Chemie, Wirtschaft und Umwelt. Podcasts von ihm sind auf Kontrafunk zu hören.
Er war etliche Jahre Mitglied des Bundesfachausschuss Gesundheit und Soziales der FDP.