Kältereport Nr. 28 /2026

Vorbemerkung:Beginnend mit diesem Kältereport gibt es eine Neuerung aufgrund einer sehr guten Idee meines Übersetzer-Kollegen Andreas Demmig. Am Anfang eines jeden Reports stehen die Schlagzeilen der Woche. Damit soll ein Überblick geschaffen werden sowie die Möglichkeit, ggf. eine Argumentationshilfe gegen irgendwelche Erhitzungs-Propaganda zu bieten.

Die Schlagzeilen der Woche:

Japan: Extrem kühler Juli

Süd-Amerika: Ungewöhnlich kühle Witterung

Alaska: Sommer-Kälte bricht Rekorde

Grönland: Weiterer Eiszuwachs im Juli

Neuseeland: Starke Schneefälle

King Salmon, Alaska: Anhaltende arktische Kälte

Neuseeland: Weitere Rekord-Schneefälle

Westliche Arktis: Eisausdehnung auf einem 13-Jahre-Hoch

Grönland: immer weiterer sommerlicher Eiszuwachs

——————————

Meldungen vom 6. Juli 2026:

Japan: Extrem kühler Juli

Japan hat den Juli mit intensiven Kälteeinbrüchen begonnen.

Am 3. Juli sank die Temperatur in Motodomari auf der Insel Rishiri in Hokkaido um 3:30 Uhr morgens auf 7 °C und brach damit den bisherigen Rekord für die niedrigste Temperatur im Juli von 7,3 °C , der am 9. Juli 2015 aufgestellt worden war.

Einen Tag später wurde in Niihama in der Präfektur Ehime Rekordkälte verzeichnet: Am 4. Juli erreichte die Tageshöchsttemperatur dort nur 22,6 °C, was dem niedrigsten jemals gemessenen Juli-Höchstwert entspricht.

Laut lokalen Berichten sorgten Wolken und Regen dafür, dass die Tagestemperaturen in den Regionen Chugoku und Shikoku niedrig blieben.

——————————

Süd-Amerika: Ungewöhnlich kühle Witterung

Die polare Kältewelle hält in Südamerika an.

In Chile sank die Temperatur in Chillán am Wochenende auf ungewöhnliche -5,4 °C – mit Abstand der niedrigste Wert des Jahres. Der offizielle DMC-Bericht führte dies auf ein Hochdruckgebiet über dem mittleren und südlichen Teil des Landes zurück und berichtete von Frost und Eisbildung in der ganzen Stadt.

Auch Argentinien steht weiterhin unter dem Einfluss von Luftmassen antarktischen Ursprungs. In Buenos Aires fielen die Temperaturen kürzlich unter den Gefrierpunkt und erreichten -0,2 °C, wobei für weite Teile des Landes Kältewarnungen galten. Lokale Medien bezeichneten die Kältewelle in Buenos Aires als „nahezu historisches Tief“, obwohl Aufzeichnungen der OCBA noch niedrigere Werte für die Jahre 1965 und 2025 ausweisen. In Mar del Plata fiel unterdessen am 2. Juli zum ersten Mal seit 35 Jahren Schnee.

Die blauen und violetten Farbtöne breiteten sich auch nach Norden bis nach Uruguay, Paraguay, Bolivien und Südbrasilien aus…

GFS 2m Temperatur-Anomalien für den 3. Juli [tropicaltidbits]

GFS 2m Temperatur-Anomalien für den 4. Juli [tropicaltidbits]

——————————

Alaska: Sommer-Kälte bricht Rekorde

Alaskas Sommerkälte hat es in die offiziellen Aufzeichnungen geschafft.

In Cold Bay sank die Temperatur am 4. Juli auf 2,2 °C und brach damit den alten Tagesrekord von 3,3 °C, der 1972 aufgestellt und 1982 egalisiert worden war (die Klimadaten der Messstation reichen bis ins Jahr 1942 zurück). Am 5. Juli erreichte Cold Bay erneut nur 2,2 °C und brach damit diesmal den Tages-Tiefstwert von 2,8 °C aus dem Jahr 1964.

Ebenso verzeichnete St. Paul Island im Beringmeer am 5. Juli um 2:25 Uhr morgens 0 °C und egalisierte damit das Tages-Tiefsttemperatur-Rekordwert aus dem Jahr 1982 (die Aufzeichnungen reichen hier bis ins Jahr 1892 zurück).

Blickt man nach Osten in Richtung Kanada, ergibt sich ein umfassenderes Bild.

Temperaturkarten (CDAS) der letzten 120 Tage zeigen einen ausgedehnten Kaltluftkörper, der sich von Alaska über weite Teile Kanadas bis nach Grönland erstreckt.

Die Schlagzeilen konzentrieren sich auf kurze, lokal begrenzte Hitzewellen. Die viel beachtete 7-tägige Hitzewelle in West- und Mitteleuropa erstreckte sich über etwa 1,2 Millionen km². Die Karte unten zeigt das kältere, ignorierte Gegengewicht: eine viermonatige Anomalie über Alaska, Kanada und Grönland – 17-mal länger und zehnmal größer, die sich über etwa 12 Millionen km² erstreckt:

Temperatur-Anomalie über 120 Tage bis zum 5. Juli 2026. Quelle: CDAS

Link: https://electroverse.substack.com/p/japans-july-chill-south-america-shivers?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

——————————

Meldungen vom 7. Juli 2026:

Grönland: Weiterer Eiszuwachs im Juli

Die grönländische Eiskappe verzeichnet im Juli – mitten in der Schmelzsaison – ungewöhnliche Zuwächse der Oberflächenmasse.

Die Schneefälle und die Schneerückhaltung über der Eiskappe sind nach wie vor stark genug, um die Oberflächenbilanz auf einem hohen Niveau zu halten.

Die Aktualisierung vom 6. Juli des Polar Portals zeigt, dass die kumulierte Oberflächen-Massenbilanz für 2025–26 weiterhin bei fast 580 Gt liegt.

Normalerweise fällt die Durchschnittskurve zu dieser Jahreszeit stark in die Schmelzsaison ab. Stattdessen sind tägliche Zuwächse der Oberflächen-Massenbilanz zu verzeichnen.

Die Gesamt-Massenbilanz, die nicht nur die Oberflächen-Massenbilanz, sondern auch den Eisabfluss, das Kalben von Eisbergen, das Schmelzen unter Wasser an den Gletscherfronten sowie geringfügige Verluste am Gletscherfuß umfasst, hat sich in den letzten Ja

Grafik: Jährliche Massenbilanz des grönländischen Eisschilds, ermittelt anhand der GRACE/GRACE-FO-Satelliten. Die Gesamtbilanz erholt sich.

——————————

Neuseeland: Starke Schneefälle

Neuseelands Skigebiete haben die Wartezeit auf den Winter hinter sich gelassen und sind nun damit beschäftigt, sich aus den Schneemassen zu befreien.

Eine Reihe von Stürmen im Juli hat bislang 72 cm Schnee auf dem Mt. Hutt, ebenfalls 72 cm auf Roundhill und 60 cm auf Porters gebracht. Cardrona verzeichnete 37 cm, Mt. Dobson 35 cm, während Ōhau, Treble Cone und The Remarkables jeweils 25 cm erhielten.

Die historischen Durchschnittswerte von Snow-Forecast für die erste Juliwoche liegen bei 15 cm für den Mt Hutt und 13 cm für Porters. Dieser Sturm brachte das Vier- bis Fünffache davon auf einen Schlag – und an vielen Orten schneit es immer noch.

Die Prognosen für den Mt Hutt gehen von einer Gesamtmenge von möglicherweise 145 cm bis zum 10. Juli aus.

Nach einem langsamen Start hat der Winter in den neuseeländischen Bergen nun mit voller Wucht Einzug gehalten.

Link: https://electroverse.substack.com/p/greenland-gains-ice-in-july-new-zealand?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

——————————

Eine Meldung vom 8. Juli 2026:

King Salmon, Alaska: Anhaltende arktische Kälte

Über Alaska, Nordkanada und der hohen Arktis hält sich derzeit ein ausgeprägtes Sommer-Kältegebiet.

Alaska verzeichnete am 7. Juli einen bestätigten Kälterekord: Am King Salmon Airport sank die Temperatur auf 3,3 °C und brach damit den alten Tagesrekord von 3,9 °C, der 1940 und 1976 aufgestellt worden war (die Aufzeichnungen der Messstation reichen bis ins Jahr 1917 zurück).

Nördlich von 80° N – in der Hocharktis – spielt sich das eigentliche Drama ab.

Die DMI-Lufttemperaturkurve für 2026 nördlich von 80° N liegt unter jedem Jahr der Reihe (die bis ins Jahr 1958 zurückreicht). Der bisher kälteste Sommer war 2013. Dieses Jahr liegt deutlich darunter.

Die orangefarbene Linie für 2026 (rechtes Diagramm) bleibt unter dem Durchschnitt und hat selbst im Juli noch Schwierigkeiten, die Frostgrenze zu erreichen:

Graphik: Vergleich 2013 (links) mit 2026 (rechts)

Die Temperaturen in der Arktis schwanken im Winter stark, bleiben jedoch stets deutlich unter dem Gefrierpunkt. Eine Abweichung von 2 °C nördlich von 80° N im Sommer ist eine Sensation, da wir genau an der Grenze zwischen Gefrieren und Auftauen liegen. Zwei Grad können hier darüber entscheiden, ob es schmilzt oder nicht. Ob es regnet oder schneit.

In der Hocharktis war es zu dieser Jahreszeit noch nie so kalt (Daten seit 1958).

Link: https://electroverse.substack.com/p/king-salmon-shivers-as-high-arctic?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

——————————

Meldungen vom 9. Juli 2026:

Neuseeland: Weitere Rekord-Schneefälle

Nach einem langsamen Start hat ein kräftiges Tiefdruckgebiet aus südlicher Richtung erhebliche Schneemengen über die Südinsel Neuseelands gebracht, wobei die Felder in Canterbury besonders hervorstechen.

Die gemeldeten Gesamtniederschlagsmengen erreichten am Mt. Hutt 72 cm, wobei in höheren Lagen noch größere Mengen fielen: über 80 cm in mehreren Skigebieten, darunter Mt. Lyford und Mt. Dobson.

Bislang ist der Mt Hutt der Spitzenreiter dieser Saison. Die Schneehöhe im oberen Bereich beträgt nun 110 cm, womit er als erstes Skigebiet der südlichen Hemisphäre in dieser Saison die 1-Meter-Marke überschritten hat.

Eine spät beginnende Saison wurde durch einen starken Kälteeinbruch schnell aufgeholt.

——————————

Westliche Arktis: Eisausdehnung auf einem 13-Jahre-Hoch

In der westlichen Arktis Kanadas hält sich im Juli ungewöhnlich hartnäckiges Meereis.

Die historische TAC-Karte des Canadian Ice Service weist für das Jahr 2026 eine Eisbedeckung von fast 94 % in der gesamten westlichen Arktis (ein Gebiet mit einer Fläche von 1.288.188 km²) aus. Das ist der höchste Wert für Anfang Juli seit 2013 und liegt deutlich über dem Durchschnitt:

Dies ist die kanadische westliche Arktis, einschließlich der Gewässer, die in die Nordwestpassage münden und durch sie hindurchführen – ein Gebiet, das oft als Kurzbezeichnung für eine „sich öffnende Arktis“ verwendet wird. Das Jahr 2026 erweist sich als eines der Jahre mit der stärksten Eisbedeckung in den Aufzeichnungen des Canadian Ice Service für den Zeitraum 1981–2026.

Eine natürliche Erholung.

Gleichzeitig blieb es in der zentralen Arktis weiterhin deutlich kälter als üblich.

[Hervorhebung im Original]

Die tägliche 2-Meter-Temperaturreihe des DMI für die Hocharktis (nördlich von 80° N) zeigt, dass die Temperaturen im Jahr 2026 bis in die zweite Juliwoche hinein noch unter der 0-°C-Marke lagen. Der Mittelwert seit 1958 liegt zu diesem Zeitpunkt normalerweise bereits über dem Gefrierpunkt. Im Jahr 2026 lässt diese Schwelle für die Schmelzsaison auf sich warten.

Link: https://electroverse.substack.com/p/new-zealand-snowfields-buried-western?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

——————————

Der kalte Sommer in Alaska

Die Sommerkälte in Alaska verschärfte sich am 9. Juli, wobei mehrere seit langem bestehende Messstationen Rekordtiefstwerte für Tageshöchsttemperaturen verzeichneten.

In Fairbanks wurden am Donnerstag nur 14,4°C gemessen, ganze 8°C unter dem Normalwert und unter dem bisherigen Rekordtief für den 9. Juli von 15 °C) aus dem Jahr 2022 (Aufzeichnungen reichen hier bis ins Jahr 1904 zurück).

In Nome stieg die Temperatur auf höchstens 9,4 °C und unterbot damit den Rekord von 10,6 °C aus dem Jahr 2024 (Aufzeichnungen reichen bis ins Jahr 1906 zurück).

St. Paul Island erreichte nur 7,8 °C und unterbot damit den bisherigen Wert von 8,9 °C aus dem Jahr 2020 (Aufzeichnungen reichen bis ins Jahr 1892 zurück).

Alaska hat bisher ein ungewöhnlich kaltes Jahr 2026 erlebt.

Das Gleiche gilt für Kanada.

Und auch für Grönland…

——————————

Grönland: immer weiterer sommerlicher Eiszuwachs

Die Schmelzsaison in Grönland wurde erneut durch einen Netto-Zuwachs an der Oberfläche unterbrochen.

Seit Beginn des Sommers verzeichnete die Eiskappe mindestens sieben „Zuwachstage“.

Vom 25. bis zum 29. Juni kam es zu fünf aufeinanderfolgenden Zuwachs-Tagen, die insgesamt 4,8 Gt (4,8 Milliarden Tonnen) ausmachten, obwohl Grönland normalerweise an Oberflächenmasse verlieren sollte.

Am 6. und 9. Juli kam es zu weiterem Zuwachs.

Stand 9. Juli liegt die kumulierte Oberflächen-Massenbilanz (SMB) seit dem 1. September 2025 bei 579,5 Gt und damit deutlich über dem Mittelwert der Jahre 1981–2010.

Seit seinem saisonalen Höchststand am 12. Juni hat der Eisschild nur 14,9 Gt an Masse verloren.

Der erwartete sommerliche Rückgang in Grönland lässt weiterhin auf sich warten.

Link: https://electroverse.substack.com/p/alaskas-summer-shivers-greenland?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

Wird fortgesetzt mit Kältereport Nr. 29 / 2026

Redaktionsschluss für diesen Report: 10. Juli 2026

Zusammengestellt und übersetzt von Christian Freuer für das EIKE