Falsch, Newsweek: Die Hitzetoten in Europa sind ein Versagen der Politik und keine Folgen des Klimawandels

Anthony Watts

Newsweek behauptet in dem kürzlich erschienenen Artikel [Titel übersetzt] „Hunderte sterben bei rekordbrechender Hitzewelle in Europa: Wie lange wird sie anhalten?“, dass die aktuelle tödliche Hitzewelle in Europa die wachsenden Gefahren des Klimawandels verdeutliche, und deutet an, dass steigende Treibhausgasemissionen dazu führen, dass Hitzewellen häufiger auftreten und gefährlicher werden. Das ist falsch. Die eigentliche Ursache ist nicht der Klimawandel, sondern das jahrzehntelange Versäumnis Europas, seinen Bürgern den wirksamsten Schutz vor extremer Hitze zu ermöglichen: Klimaanlagen.

Newsweek hat diese Meldung wohl aus Brüssel. Auch Cap Allon hat dazu schon etwas geschrieben, in deutscher Übersetzung hier. A. d. Übers.

Es steht außer Frage, dass Hitzewellen tödlich sein können, insbesondere für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Laut einem Bericht von Newsweek sind während der aktuellen Hitzewelle in Spanien, Frankreich und anderen Teilen Europas Hunderte von Todesfällen zu verzeichnen.

Die naheliegende Frage lautet: Warum? Wäre der Klimawandel die Hauptursache für diese Todesfälle, würde man erwarten, dass Länder mit dem heißesten Klima die höchste Sterblichkeitsrate aufweisen. Doch Orte wie Arizona, Texas, Florida und Nevada verzeichnen jeden Sommer regelmäßig Temperaturen von weit über 100°F (38°C), ohne dass es zu vergleichbaren Spitzen bei den hitzebedingten Todesfällen kommt.

Der Unterschied liegt nicht im Wetter, sondern in der Politik – in diesem Fall in politischen Maßnahmen, die den Einsatz von Klimaanlagen einschränken oder unattraktiv machen.

Mehr als 90 Prozent der amerikanischen Haushalte verfügen über eine Klimaanlage. In weiten Teilen des Südens der Vereinigten Staaten ist diese fast allgegenwärtig. Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen, Büros, Einkaufszentren und Privathäuser bieten Schutz vor gefährlicher Hitze. Europa hat einen anderen, tödlichen Weg eingeschlagen.

Im Gegensatz dazu verfügen europaweit nur etwa 20 Prozent der Haushalte über eine Klimaanlage, und in UK liegt dieser Anteil bei weniger als 5 Prozent. Auch in Deutschland ist die Verbreitung ähnlich gering. Diese Zahlen sind nicht auf technologische Einschränkungen zurückzuführen. Sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger Regierungspolitik und einer Umweltideologie, die den Einsatz von Klimaanlagen zugunsten einer Reduzierung des Stromverbrauchs und damit der Kohlendioxidemissionen ablehnt. Interessanterweise sind es gerade die Wohnungen und Geschäftsräume der wohlhabenden Eliten – also jener, die sich oft für eine Einschränkung des Einsatzes von Klimaanlagen aussprechen –, die am häufigsten über eine Klimaanlage verfügen.

Großbritannien ist vielleicht das deutlichste Beispiel für diese politische Idiotie.

Wie kürzlich sowohl die „New York Times als auch AOL berichteten, legen britische Bauvorschriften und Planungsrichtlinien seit langem den Schwerpunkt auf „passive Kühlung“, während Klimaanlagen als etwas betrachtet werden, das nach Möglichkeit vermieden werden sollte. Viele Wohnhäuser, Schulen, Büros und sogar einige Krankenhäuser wurden ohne Klimaanlagen gebaut oder renoviert, da die politischen Entscheidungsträger diese als ökologisch unerwünscht ansahen. Diese Entscheidungen haben Konsequenzen.

Wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen, haben Millionen von Menschen schlichtweg keine praktische Möglichkeit, ihre Wohnungen zu kühlen. Das ist kein Versagen des Klimas, sondern ein Versagen der Politik. Ironischerweise reagieren viele der gleichen Regierungen, die in normalen Zeiten von Klimaanlagen abraten, auf Hitzewellen mit der Einrichtung klimatisierter Kühlzentren. In Frankreich finden sich ausgewiesene öffentliche Kühlzentren (oft als „salles fraîches“ bezeichnet) in Rathäusern, Sporthallen und Bibliotheken.

Mit anderen Worten: Die Behörden wissen ganz genau, dass Klimaanlagen Leben retten. Sie haben es den Menschen jedoch jahrelang erschwert, diesen Schutz in ihren eigenen vier Wänden zu nutzen.

Wie „Climate Realism“ in seiner Gegendarstellung gegenüber dem TIME-Magazn Anfang dieses Jahres erklärte, retten Klimaanlagen Menschen vor der Hitze. Sie verursachen keine Krise im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Auch „Newsweek“ führt das aktuelle Ereignis auf ein anhaltendes Hochdruckgebiet zurück. Diese Erklärung ist korrekt. Derartige Gebilde sind gut erforschte meteorologische Phänomene, die als Omega-Block bezeichnet werden und seit jeher in den historischen Aufzeichnungen vorkommen, wie aus der folgenden Abbildung des britischen Telegraph hervorgeht:

Der Artikel irrt jedoch in der Behauptung, dass der Klimawandel diese Ereignisse häufiger und schwerwiegender macht. Die zitierten Experten stützen ihre Prognosen größtenteils auf Vorhersagen von Klimamodellen und nicht auf direkte Beobachtungsdaten. Sie argumentieren, dass Treibhausgase die Grundtemperatur nach oben verschieben und dadurch Hitzeextreme wahrscheinlicher machen.

Das ist eine Hypothese, die in erster Linie durch Klimamodelle gestützt wird. Modelle sind keine Daten, und manche Klimamodelle sind so schlecht, dass sie aus dem Verkehr gezogen wurden.

Europa erlebt seit Jahrhunderten verheerende Hitzewellen. Die tödliche Hitzewelle in Europa im Jahr 2003 ereignete sich lange bevor Attributionsstudien heute so viel Aufmerksamkeit erhalten. Frühere Hitzewellen traten im gesamten 20. Jahrhundert auf, lange bevor moderne Bedenken hinsichtlich Treibhausgasen aufkamen. Ein gutes Beispiel ist die Hitzewelle auf den Britischen Inseln und in Frankreich im Jahr 1976, die zu einer Zeit auftrat, als sich die Erde abkühlte und viele Wissenschaftler davor warnten, dass die nächste Eiszeit bevorstehen könnte. Es gibt keine Beobachtungsdaten, die auf einen langfristigen Trend hinsichtlich des Zeitpunkts, des Ortes oder der Schwere von Hitzewellen hindeuten, was darauf schließen lassen könnte, dass der Klimawandel solche Ereignisse meteorologisch verändert.

Omega-Blockierungen entstehen aufgrund atmosphärischer Zirkulationsmuster, anhaltender Hochdruckgebiete, der Bodenfeuchtigkeit und regionaler Wetterdynamik. Es handelt sich um kurzfristige Wetterereignisse, die es schon so lange gibt, wie es die Menschheit gibt – und lange bevor Menschen begannen, das Wetter zu erforschen.

Diese Blockierungen gibt es natürlich auch im Winter. Dann haben sie lang anhaltende und meist extreme Kälteperioden zur Folge. A. d. Übers.

Ob diese Wetterereignisse zu humanitären Katastrophen werden, hängt von folgenden Faktoren der Vorsorge ab:

• Bezahlbarer Strom.

• Zuverlässige Stromnetze.

• Zugang zu Kühlmöglichkeiten.

• Notfallmaßnahmen.

Das sind die Faktoren, die Leben retten. Anstatt diese praktischen Lösungen in den Vordergrund zu stellen, greift Newsweek weitgehend das mittlerweile altbekannte Märchen auf, wonach der Klimawandel der eigentliche Übeltäter sei. Diese Darstellung lässt fälschlicherweise die weitaus unmittelbarere Ursache für die Anfälligkeit Europas außer Acht.

Der Kontinent hat jahrelang eine Energiepolitik verfolgt, welche die Strompreise in die Höhe trieb und gleichzeitig den Einsatz einer der bedeutendsten Technologien für die öffentliche Gesundheit behinderte, die je erfunden wurden.

Klimaanlagen haben weltweit Millionen von Menschenleben gerettet. Sie reduzieren Hitzestress drastisch, beugen Dehydrierung vor und schützen ältere Menschen bei extremen Wetterbedingungen. Sie als Umweltproblem statt als Lösung für die öffentliche Gesundheit zu betrachten, war und ist einer der kostspieligsten Fehler Europas.

Nach Angaben der Harvard School of Engineering and Applied Sciences ist die Klimatisierung eine der bedeutendsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Geschichte, verhindert sie doch jährlich Hunderttausende vorzeitiger hitzebedingter Todesfälle. Durch die drastische Verringerung der Anfälligkeit gegenüber extremer Hitze ist die Kühlung von Wohnräumen zu einer unverzichtbaren Überlebenshilfe geworden, insbesondere für ältere Menschen und gefährdete Bevölkerungsgruppen weltweit.

Newsweek stellt die Hitzewelle in Europa als ein weiteres Kapitel der Klimakrise dar, doch die Fakten deuten darauf hin, dass es sich vielmehr um ein weiteres Kapitel einer politischen und gesellschaftlichen Krise handelt, bei der unbegründete Ängste vor dem künftigen Klimawandel – gestützt auf nicht vorhandene Beweise – über die Bedürfnisse der heute lebenden Menschen gestellt werden.

Die immer wieder auftretenden Hitzetoten in Europa sind die vorhersehbare Folge davon, dass Regierungen genau jene Technologie behindern, welche die Amerikaner – und die Eliten in ihren eigenen Ländern – seit Generationen vor tödlicher Sommerhitze schützt.

Solange die politischen Entscheidungsträger Klimaanlagen nicht als lebensrettende Technologie anerkennen, sondern weiterhin als Klimasünder behandeln, wird Europa weiterhin den Preis für eine als Umweltpolitik getarnte Ideologie zahlen. Newsweek kommt seiner journalistischen Pflicht nicht nach darauf hinzuweisen.

Link: https://climaterealism.com/2026/06/wrong-newsweek-europes-heat-deaths-are-a-policy-failure-not-a-climate-failure/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE