Ein vorübergehender Hotspot in der Antarktis ist kein Beweis für eine Klimakrise
Ein kürzlich in der Online-Zeitschrift „Futurism“ erschienener Artikel mit dem Titel [übersetzt] „Wissenschaftler entsetzt über gewaltige Hitzewelle in der Antarktis“ behauptet, der Klimawandel habe eine „gewaltige Hitzewelle“ in der Antarktis ausgelöst, wodurch die Temperaturen auf der Antarktischen Halbinsel um fast 20°C über den Durchschnitt stiegen und kurzzeitig Werte über dem Gefrierpunkt erreichten. Dies ist äußerst irreführend. Ein einzelnes Wetterereignis sagt nichts Aussagekräftiges über langfristige Klimatrends aus, und der Artikel ignoriert sowohl die enorme geografische Variabilität der Antarktis als auch die außergewöhnlich kalten Bedingungen, die gleichzeitig an anderen Orten des Kontinents herrschten. Die von „Futurism“ angedeutete Hitzewelle war keine kontinentweite Krise, sondern ein lokales, unbedenkliches Ereignis.
Der Artikel ist größtenteils eine Überarbeitung eines Beitrags aus dem Guardian, der sich auf die an der Trinity-Halbinsel, dem nördlichsten Ausläufer der Antarktis, gemessenen Temperaturen konzentrierte. Forscher berichteten von Temperaturen von etwa 15,4 °C während einer kurzen Warmphase am 6. Juni.
Was den Lesern jedoch verschwiegen wird ist, dass die Antarktische Halbinsel nicht repräsentativ für die Antarktis als Ganzes ist.
Tatsächlich ist die Antarktische Halbinsel der wärmste Teil der Antarktis. Sie trägt den Spitznamen „Bananengürtel“, erstreckt sich nach Norden in Richtung Südamerika und weist mildere maritime Bedingungen auf. Während des südlichen Sommers können die Temperaturen gelegentlich 10 °C überschreiten. Die Halbinsel erstreckt sich nach Norden in Richtung Südamerika und wird stark von maritimen Wetterphänomenen und Meeresströmungen beeinflusst. Sie ist mit Abstand der wärmste Teil der Antarktis und verzeichnet seit langem in regelmäßigen Abständen Warmlufteinbrüche, Föhnereignisse, Regenfälle und Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Diese Ereignisse sind zwar ungewöhnlich, aber nicht beispiellos.
Tatsächlich wird in dem Artikel selbst eingeräumt, dass die Wärme mit „extrem starken Westwinden“ in Verbindung stand. Mit anderen Worten: Es handelte sich um ein Wetterereignis, das durch wärmere atmosphärische Zirkulationsmuster ausgelöst worden war, und nicht um einen direkten Beweis für den Klimawandel.
Was Futurism übersieht ist die Tatsache, dass Wetter nicht gleich Klima ist.
Das Klima wird über Jahrzehnte hinweg gemessen. Ein einzelner Tag, eine einzelne Woche oder sogar eine einzelne Jahreszeit sagt nur sehr wenig über langfristige Temperaturtrends aus. Wenn jeder ungewöhnlich warme Tag als Beweis für eine Klimakatastrophe dargestellt wird, dann würde intellektuelle Konsequenz erfordern, dass jeder ungewöhnlich kalte Tag als Gegenbeweis herangezogen wird. Die Medien wenden diesen Maßstab jedoch selten an.
Der Zeitpunkt dieser Meldung ist besonders aufschlussreich, denn während die Schlagzeilen atemlos über eine vorübergehende Warmwetterperiode auf der Antarktischen Halbinsel berichteten, herrschten in weiten Teilen der übrigen Antarktis extrem kalte Bedingungen (siehe hierzu auch die jüngsten „Kältereports“. A. d. Übers.)
Nach Beobachtungen des Meteorologen Cap Allon verzeichnete die Amundsen-Scott-Südpolstation am 16. Juni eine Temperatur von -73,6 °C, wobei die Tageshöchsttemperatur lediglich bei -69,9 °C lag. Dies war der erste Wert unter 70 °C am Südpol seit 2023.
In einem Teil der Antarktis herrscht kurzzeitig ungewöhnliche Wärme, während in einem anderen Teil des Kontinents die Temperaturen unter -70°C fallen. So funktioniert das Wetter auf einem Kontinent, der größer ist als die Vereinigten Staaten und Mexiko zusammen.
Dennoch sorgte nur eines dieser Ereignisse – nämlich die ungewöhnlich hohe Temperatur – für internationale Schlagzeilen.
Der Artikel behauptet ferner, dass die Hitzewelle auf „Jahrzehnte zunehmend höherer Temperaturen auf dem weißen Kontinent“ folge. Diese Aussage ist falsch.
Die Antarktis erwärmt sich nicht gleichmäßig. Während sich Teile der Antarktischen Halbinsel im Laufe des späten 20. Jahrhunderts erwärmten, haben zahlreiche Studien gezeigt, dass in weiten Teilen der Ostantarktis – die den Großteil des Kontinents ausmacht – nur eine geringe Erwärmung oder sogar eine Abkühlung zu verzeichnen war. Auch das antarktische Meereis weist von Jahr zu Jahr und von Jahrzehnt zu Jahrzehnt erhebliche Schwankungen auf.
Der Kontinent unterliegt komplexen Wechselwirkungen zwischen Meeresströmungen, atmosphärischer Zirkulation, vulkanischen Einflüssen (einschließlich der Erwärmung unter der Oberfläche der Westantarktis, wo sich die Halbinsel befindet), der Dynamik des Meereises und natürlichen Klimaschwankungen. Diese Komplexität geht in dem meinungsgeladenen Artikel von Futurism unter.
Stattdessen wird den Lesern die mittlerweile bekannte Formel serviert: Man identifiziert ein dramatisches Wetterereignis, bringt es mit dem Klimawandel in Verbindung, erwähnt den „Weltuntergangsgletscher“ und suggeriert, dass eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht. „Climate Realism“ hat Behauptungen über den bevorstehenden Zusammenbruch des Thwaites-Gletschers bereits mehrfach widerlegt. Der Verweis des Artikels auf den Thwaites-Gletscher ist ein besonders irreführender Ablenkungsmanöver, da er nichts mit dem berichteten Wetterereignis zu tun hat. Die Erwähnung dient einem einzigen Zweck: der Verstärkung einer allgemeineren Darstellung der Klimakrise.
Dies kommt in der Klimaberichterstattung immer häufiger vor. Jedes ungewöhnliche Wetterereignis wird zum Anlass genommen, immer wieder die gleichen Argumente über Gletscher, den Anstieg des Meeresspiegels, Kipppunkte und künftige Katastrophen zu wiederholen – unabhängig davon, ob diese in direktem Zusammenhang mit dem besprochenen Ereignis stehen.
Was die Antarktische Halbinsel betrifft, sehen die Fakten wie folgt aus: Die Antarktis war aufgrund ihrer geografischen Lage und der Nähe zu relativ wärmeren Meeresgewässern schon immer anfällig für periodische Warmlufteinbrüche; der Südliche Ozean, atmosphärische Flüsse und starke Westwinde können gelegentlich erhebliche Wärmemengen in die Region transportieren. Diese Prozesse gab es schon lange, bevor der Klimawandel zu einem politischen Thema geworden ist.
Vor allem aber kann ein einzelnes Warmereignis noch keinen Trend begründen. Wissenschaftler berücksichtigen dieses Prinzip bei der Analyse von Klimadaten. Auch Journalisten sollten dies verstehen.
Eine fundierte Klimaanalyse erfordert jahrzehntelange Beobachtungen auf dem gesamten Kontinent, eine sorgfältige Untersuchung regionaler Schwankungen und die Trennung von Wetterrauschen und Klimasignalen – und nicht die schlampige Darstellung irreführender, reißerischer Behauptungen, wie sie von Futurism zusammengestellt worden waren.
Die Antarktis ist nach wie vor der kälteste Kontinent der Erde. Während auf der Antarktischen Halbinsel kurzzeitig ungewöhnlich milde Bedingungen herrschten, sanken die Temperaturen am Südpol selbst zeitgleich an mehreren anderen Orten auf Werte nahe oder unter -70°C.
Allein diese Tatsache sollte die Leser daran erinnern, dass ein einzelnes Wetterereignis – egal wie dramatisch die Schlagzeile auch sein mag – kein Beweis für einen „Klimanotstand“ ist, sondern einfach nur Wetter*. Eine Warmphase auf der Antarktischen Halbinsel wird zum Beweis für eine Klimakatastrophe, während gleichzeitig Temperaturen unter -70°C am Südpol ignoriert werden. Das ist kein objektiver Journalismus, sondern agenda-getriebener Alarmismus.
*Das gilt natürlich auch für die jüngste Hitzewelle in Europa! A. d. Übers.
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE