Vier Millionen untergehende Häuser

Charles Rotter

Die zugrunde liegenden Niederschlagsdaten lassen keinen Trend zur Austrocknung erkennen. Die geologischen Verhältnisse in diesem Gebiet sind bereits seit der Zeit vor den Römern stabil. Und die Zahl, die in der Presse genannt worden war, stammte aus dem „Worst-Case-Szenario“.

[Hervorhebung im Original]

„Millionen Häuser in London, Essex und Kent sind mit der sich verschärfenden Klimakrise vom Versinken bedroht“, berichtete der Guardian. AOL griff die Meldung auf. Der Artikel machte die Runde in den üblichen Medien, die alle mit der gleichen Zahl aufwarteten: Mehr als vier Millionen britische Häuser seien bis 2070 vom klimabedingten Versinken bedroht. Die Quelle ist der British Geological Survey, eine seriöse Institution – oder zumindest war sie das einmal –, und genau das macht diesen Artikel lesenswert.

Paul Homewood hat bereits die Vorarbeit zu den Niederschlagstrends geleistet, und ich werde nicht alles wiederholen. Er hat die vom Met Office veröffentlichten Datenreihen zu den Frühjahrsniederschlägen bis ins Jahr 1840 und zu den Sommerniederschlägen in Südostengland bis ins Jahr 1875 zurückverfolgt, und kurz gesagt lässt sich feststellen, dass es keinen Trend gibt. Trockene Frühjahre waren vor einem Jahrhundert häufiger. Der letzte wirklich trockene Sommer im Südosten war 1995. Falls der Süden Englands austrocknet, hat man ihm das noch nicht mitgeteilt. Lesen Sie seinen Artikel, um die Grafiken zu sehen. Es sind genau die Grafiken, die jede Diskussion beenden.

Ich möchte hier die Grundlage erläutern, auf der die Zahl von vier Millionen beruht, denn wenn man sie einmal gesehen hat, kann man sie nicht mehr aus dem Kopf bekommen – und genau diese Grundlage stützt die Hälfte der britischen Klimapolitik.

Die Zahl der BGS stammt aus einem Produkt namens „GeoClimate Shrink-Swell“-Datensatz. Schrumpfen und Quellen ist ein reales Phänomen. Lehmböden nehmen Wasser auf und quellen auf, trocknen dann aus und schrumpfen, wodurch sich der Boden bewegt und auf Lehm gebaute Häuser Risse bekommen. London liegt auf Londoner Lehm, der so stark schrumpft und quillt, wie Lehm es nur kann. Das war schon so, bevor es London überhaupt gab. Das ist der Grund, warum es schon zu Zeiten der Viktorianer und der Edwardianer Bodensenkungen gab und warum das Reihenhaus deiner Urgroßmutter in Camden einen Riss über der Haustür hat. Bodensenkungen werden durch das Gewicht von Gebäuden, durch Wasserentnahme und durch die großen Bäume verschlimmert, welche die Menschen unbedingt neben ihren Häusern pflanzen wollen. Nichts davon ist neu, und nichts davon hat mit dem Klima zu tun.

Um eine alte geologische Tatsache in eine Schlagzeile für das Jahr 2070 zu verwandeln, braucht man eine Prognose. Und um diese Prognose zu erhalten, hat das BGS seine geologischen Karten mit Klimaprognosen kombiniert. Konkret handelte es sich laut der eigenen Mitteilung des BGS um Klimadaten, die aus den UKCP18-Prognosen des Met Office abgeleitet worden waren.

Und da ist es also: UKCP18.

UKCP18 ist die Reihe der Klimaprognosen des Met Office für Großbritannien aus dem Jahr 2018, und ihr viel beachtetes High-End-Szenario basiert auf RCP8.5. Regelmäßige Leser wissen, worauf das hinausläuft, denn wir haben bereits ausführlich darüber berichtet. RCP8.5 ist der Emissionspfad, der von einer Verfünffachung des weltweiten Kohleverbrauchs bis 2100, dem Fehlen einer sinnvollen Klimapolitik und technologischer Stagnation ausgeht – allesamt Faktoren, die weder eintreten noch eingetreten sind. Mit dem neuen ScenarioMIP-Rahmenwerk für CMIP7, das im April dieses Jahres veröffentlicht worden ist, wurden RCP8.5 und sein Nachfolger SSP5-8.5 offiziell aus den Szenarien gestrichen, die in die nächste Bewertung des IPCC einfließen. Die Klimagemeinschaft selbst verwendet es nicht mehr. Wir haben in den letzten Wochen mehrere Artikel zu diesem Thema veröffentlicht.

Hier also der tatsächliche Aufbau des Gedöns‘ um die vier Millionen Haushalte: Das BGS nahm seine geologischen Daten, speiste sie in das UKCP18-Modell des Met Office ein – das auf dem Szenario RCP8.5 basiert, welches der IPCC vor drei Monaten als unplausibel verworfen hatte – und erstellte eine Prognose für das Jahr 2070.

Wäre dies nur eine einzelne übertriebene Pressemitteilung, würde ich mich nicht weiter darum kümmern. Was es jedoch lohnenswert macht, darüber zu schreiben ist, dass dies mittlerweile der typische Stil britischer Klima-Institutionen ist und dass diese Meldung in der gleichen Woche erscheint wie ein verwandtes Beispiel, das es wert ist, daneben gestellt zu werden.

Betrachten wir den Meeresspiegel, den anderen große Motor der britischen Untergangs-Prophezeiungen für die Küsten. Die These vom beschleunigten Meeresspiegelanstieg stützt sich fast ausschließlich auf die Satellitenaltimetrie-Daten, die 1993 begannen und nun etwa dreißig Jahre umfassen; sie wurden über mehrere Satellitenmissionen hinweg zusammengefügt, wobei jeder Übergang eine Kalibrierungsanpassung erforderte. Die Langzeit-Pegel, von denen einige seit weit über einem Jahrhundert in Betrieb sind, erzählen eine andere Geschichte. Der Pegel am Battery Park in New York verzeichnet seit 1856 einen stetigen Anstieg von etwa 2,8 bis 3 Millimetern pro Jahr, ohne dass sich über mehr als 160 Jahre hinweg eine statistisch signifikante Beschleunigung gezeigt hätte. Weil sich die kurzen Satellitenaufzeichnungen und die langen Pegelmessungen in ihrem Charakter unterscheiden, gibt es eine reale und lebhafte Debatte darüber, welcher der beiden Datensätze mehr Gewicht verdient – und es handelt sich dabei keineswegs um eine geklärte Frage, wie die Schlagzeilen vermuten lassen. David Burton dokumentiert seit Jahren auf sealevel.info geduldig, Pegel für Pegel, den Gezeitenpegel-Aspekt dieses Themas.

Die beiden Geschichten ähneln sich. In beiden Fällen zeigt eine lange, langweilige, direkt beobachtete Datenserie einen moderaten, annähernd linearen Trend, der schon so lange anhält, wie wir ihn messen. In beiden Fällen wird eine kürzere, modellbasierte Konstruktion herangezogen, um eine alarmierende Beschleunigung in die Zukunft zu prognostizieren. Und in beiden Fällen ist es die alarmierende Version, welche die Öffentlichkeit erreicht, mit einer politischen Maßnahme verknüpft wird und zu dem wird, was „jeder weiß“.

Was das soll

In der Ankündigung der BGS wird offen dargelegt, wozu der Datensatz dient. Er soll – wie es in der Ankündigung heißt – Kommunalbehörden, Bauträgern, Planern, Hypothekengebern und Versicherern dabei helfen, ihr Risiko im Zusammenhang mit klimabedingten Gefahren einzuschätzen. Mit anderen Worten: Er soll in Planungsvorschriften, Kreditentscheidungen, Versicherungsprämien und Immobilienpreise einfließen. Eine Prognose, die auf einem veralteten Emissionsszenario basiert, wird dazu herangezogen, um zu entscheiden, ob Ihre Bank Ihnen einen Kredit für ein Reihenhaus in Barnet gewährt.

Und genau das sollte diejenigen beunruhigen, denen die Klimapolitik eigentlich egal ist. UKCP18 wurde nicht zurückgezogen. Das Met Office stellt es nach wie vor auf seinen Webseiten zur Verfügung. Das BGS hat nun auf dieser Grundlage ein Produkt zur Bewertung von Immobilienrisiken entwickelt. Das zugrunde liegende Szenario wurde von der Stelle, die es entwickelt hat, als unplausibel eingestuft, und die britische institutionelle Reaktion bestand darin, so weiterzumachen, als wäre nichts geschehen, weil die Prognosen tragende Säulen sind. Sie stützen die politische Architektur der Netto-Null-Ziele, und man kann das unterste Szenario nicht herausnehmen, ohne dass die oberen Ebenen nervös werden.

So hat der British Geological Survey, eine Organisation mit einer wahrhaft herausragenden Geschichte in der Kartierung der tatsächlichen Gesteinsformationen unter dem tatsächlichen Großbritannien, eine Prognose von vier Millionen absinkenden Häusern veröffentlicht, die auf einem Klimaszenario basiert, das die Klimagemeinschaft bereits im April verworfen hat. Die zugrunde liegenden Niederschlagsdaten zeigen keinen Trend zur Trockenheit. Die zugrunde liegende Geologie ist seit der Zeit vor den Römern stabil. Und die Zahl, die die Presse veröffentlichte, stammte aus dem verworfenen Szenario.

[Hervorhebung vom Übersetzer]

Hätte ein Doktorand so etwas eingereicht, hätte der Betreuer es zurückgegeben. Aber es wurde nicht von einem Doktoranden eingereicht. Es wurde vom BGS veröffentlicht, vom Guardian abgedruckt und wird nun irgendwo in Whitehall still und leise in die Argumentation für eine Politik eingebunden, die schon lange vor der Zählung der Häuser beschlossen wurde.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/06/17/four-million-sinking-homes/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE