Der Klima-Kult

William Happer

Einführung von Charles Rotter, WUWT:

Unser heutiger Gastbeitrag ist ein Auszug aus „Canary in a Climate World: Climate Realism vs. the Net Zero Myth“*, einem kürzlich erschienenen Buch, das 38 „Klima-Kanarienvögel“ aus den Bereichen Wissenschaft, Klimatologie, Geologie, Ingenieurwesen, Wirtschaft, Medizin, Recht, Journalismus, Politik und unabhängiger Forschung zusammenbringt. Das folgende Kapitel, verfasst vom Princeton-Physiker Professor William Happer, ist einer von vielen zum Nachdenken anregenden Beiträgen, die sich mit Klimawissenschaft, Energiepolitik, Netto-Null und der breiteren Klimadebatte auseinandersetzen. Voller faszinierender Essays, wissenschaftlicher Diskussionen, investigativer Analysen und zum Nachdenken anregender Perspektiven ist „Canary in a Climate World“ ab sofort hier bei Amazon erhältlich.

Anmerkung des Übersetzers: Der im angelsächsischen Bereich sprichwörtliche „Kanarienvogel“ kann man im Deutschen als „Leuchtpunkt im Dunklen“ oder auch „Licht am Ende des Tunnels“ übersetzen. – Alle Hervorhebungen vom Übersetzer – Ende Anmerkung

In fünfzig Jahren werden wissenschaftliche Abhandlungen über den Klimawahnsinn verfasst werden, der herrschte, als diese Kanarienvogel-Lieder geschrieben wurden. Ich hoffe, dass die Lieder den Zeitgeist dieser bizarren Epoche in der Geschichte menschlicher Torheit verdeutlichen werden.

Viele Menschen mit unzureichenden wissenschaftlichen Kenntnissen sind davon überzeugt, dass der Planet Erde durch die vom Menschen verursachte globale Erwärmung in tödlicher Gefahr schwebt. Wäre der Planet Erde tatsächlich durch den Menschen in großer Gefahr, wären alle Mittel zu seinem Schutz gerechtfertigt. Einige Extremisten schlagen vor, die acht Milliarden Menschen auf der Erde auf nicht mehr als eine Milliarde zu reduzieren. Wie dies geschehen soll, blieb bisher stets etwas vage. Dschingis Khan legte im 13. Jahrhundert einen guten Anfang, indem er etwa 40 Millionen Menschen niedermetzelte. In unserer Zeit äußerte Prinz Philip, der Vater von König Charles III. von UK, das hier: „Wenn ich wiedergeboren würde, würde ich mir wünschen, als tödliches Virus auf die Erde zurückzukehren, um die Bevölkerungszahl zu senken.“

Der Klimaalarmismus unserer Zeit ist ein bösartiges Bündnis aus ignorantem Fanatismus, wie dem oben erwähnten, und Opportunismus: der Gier nach Macht, Ruhm und Reichtum. Wie alle fanatischen Bewegungen richtet auch der Klimaalarmismus großen Kollateralschaden an, vor allem am Ansehen meines eigenen Berufsstandes, der Wissenschaft. Großzügige Forschungszuschüsse von Regierungen und privaten Stiftungen haben eine neue Disziplin namens „Klimawissenschaft“ ins Leben gerufen. Traditionelle, strenge Disziplinen wie Atmosphärenphysik, Atmosphärenchemie, Meteorologie oder Paläontologie haben schnell davon profitiert, indem sie sich in eine Variante von „Zentrum zur Rettung des Planeten“ umbenannten. Sie wurden großzügig mit Forschungsgeldern, neuen Laboren, Professuren, Wahlen in wissenschaftliche Gesellschaften, Preisen und anderen Zeichen der Dankbarkeit belohnt.

Diese Großzügigkeit war an Bedingungen geknüpft. Sollte die eigene Forschung nicht belegen, dass der Planet gerettet werden müsse, würde man aus dem Kreis der Auserwählten ausgeschlossen werden. Viele glaubwürdige Wissenschaftler äußerten ihre Zweifel an der Parteilinie nicht öffentlich. Doch einige wenige weigerten sich, diese neue „Wissenschaft durch Konsens“ zu akzeptieren, und blieben dem traditionellen Kriterium treu: Die Gültigkeit einer wissenschaftlichen Theorie hängt davon ab, wie gut ihre Vorhersagen mit allen verfügbaren Beobachtungen übereinstimmen und wie erfolgreich sie bisher unbeobachtete Phänomene vorhersagt. Mit den lakonisch-treffenden Worten von Karl Popper: „Man kann all dies zusammenfassen, indem man sagt, dass das Kriterium für den wissenschaftlichen Status einer Theorie ihre Falsifizierbarkeit, Widerlegbarkeit oder Überprüfbarkeit ist.“ Nach diesem Kriterium ist der Klimaalarmismus keine wissenschaftliche Theorie, hat er doch viele alarmierende Vorhersagen gemacht, und keine davon hat sich als wahr erwiesen. Vielmehr gleicht der Klimaalarmismus eher der Astrologie oder der „Cargo-Kult-Wissenschaft“, die Richard Feynman so anschaulich beschrieben hat.

Im Mittelpunkt des Klimaalarmismus‘ steht das Dogma, dass „Kohlendioxid der Regler des Erdklimas ist“. Dieses Dogma ist falsch, doch aufgrund der seit über einem halben Jahrhundert andauernden hysterischen Propaganda ist es heute ebenso allgemein anerkannt wie das geozentrische Weltbild zu Zeiten von Giordano Bruno. Im Jahr 1600 ließ Papst Clemens VIII., der Stellvertreter Christi in der Kirche des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, Bruno auf dem Scheiterhaufen verbrennen, weil er den Heliozentrismus und andere als ketzerisch angesehene Ideen vertreten hatte. Weniger als 50 Jahre später entging Galileo Galilei nur knapp dem gleichen Schicksal, indem er seine ketzerische Befürwortung des Heliozentrismus widerrief – dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Galileo, der Erfinder des astronomischen Fernrohrs, wusste aus eigener Beobachtung ganz genau, dass sich die Planeten um die Sonne und die Mondkörper um die Planeten bewegten. Angeblich murmelte er „eppur si muove“ (und doch bewegt es sich), als Freunde, erleichtert über seinen Freispruch, ihn vor der Inquisition in Sicherheit brachten, bevor er in noch größere Schwierigkeiten geraten konnte.

Viele der Autoren dieser Sammlung, insbesondere diejenigen aus dem akademischen Bereich, werden sich daran erinnern, dass sie Zielscheibe fanatischen Hasses waren – ähnlich wie Bruno und Galileo –, nur weil sie die Ansicht vertraten, dass Kohlendioxid nicht der Regler des Klimas sei.

Das Dogma, dass CO₂ der Regler des Erdklimas sei, klingt plausibel. Ebenso erschien den ptolemäischen Astronomen eine unbewegliche Erde, um die sich die Himmelssphären drehten, als selbstverständlich. CO₂ ist ein Treibhausgas, d. h. ein Gas, das für kurzwelliges, sichtbares und nahes sichtbares Sonnenlicht nahezu durchlässig ist, aber für die langwellige Infrarotstrahlung, die überschüssige Wärme von der Erde in die kalte Dunkelheit des Weltraums abführt, teilweise undurchlässig ist. Treibhausgase behindern die Erwärmung der Erde durch Sonnenlicht kaum, absorbieren jedoch leicht thermische Infrarotstrahlung und geben diese wieder ab. Dadurch wird es für die Erde schwieriger, Wärmestrahlung direkt von ihrer Oberfläche in den Weltraum abzugeben, und es sind höhere Temperaturen erforderlich, um die Wärme abzuleiten, als dies ohne Treibhausgase in der Atmosphäre der Fall wäre.

Das wichtigste Treibhausgas ist jedoch Wasserdampf (H₂O) und nicht CO₂. Berücksichtigt man die Auswirkungen von Wolken, hat Wasser in all seinen Aggregatzuständen – gasförmig, flüssig und fest – einen weitaus größeren Einfluss auf den Strahlungswärmeaustausch als CO₂. Und der Strahlungswärmeaustausch ist nur ein Teil dessen, was das Klima der Erde bestimmt. Riesige Wärmemengen werden durch Luft- und Meeresströmungen aus den Tropen, wo die maximale Sonneneinstrahlung absorbiert wird, in die Polarregionen transportiert, wo weitaus mehr Wärmestrahlung ins All abgegeben wird, als von der Sonne aufgenommen wird.

Tatsächlich gibt es für das Klima der Erde nicht nur einen einzigen „Regler“, und alle theoretischen und empirischen Belege deuten darauf hin, dass CO₂ ein relativ unbedeutender Faktor ist. Die wichtigsten Einflussfaktoren auf das Klima der Erde sind die Sonne und die Wolken. Weder die Sonne noch die Wolken sind so gut verstanden, wie sie es sein sollten. Unser derzeitiges Verständnis wurde durch die manische Fokussierung auf Treibhausgase um mindestens 50 Jahre zurückgeworfen.

Eine besondere Ironie der Dämonisierung von CO₂ besteht darin, dass steigende CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre dem Leben auf der Erde zugutekommen. Satellitenmessungen zeigen eine deutliche Begrünung der Erde, insbesondere in Trockengebieten, die auf den bereits eingetretenen moderaten CO₂-Anstieg zurückzuführen ist. CO₂ ist tatsächlich Pflanzennahrung, einer der drei Schlüsselbestandteile der Photosynthese: Sonnenlicht, Wassermoleküle (H₂O) und CO₂-Moleküle. Mehr CO₂ hat zu dem landwirtschaftlichen Überfluss beigetragen, der die letzten 50 Jahre geprägt hat.

Teile des Klimaalarmismus-Establishments haben sich zu Schutzgelderpressern entwickelt. Laut Wikipedia:

Erpressung ist eine Form der organisierten Kriminalität, die in der Regel von einer kriminellen Vereinigung begangen wird und bei der von einer Person oder einer Gruppe regelmäßig Zahlungen erzwungen werden, im Gegenzug dafür, dass man ihnen keinen Schaden zufügt (oder sie angeblich „beschützt“). Die Androhung von Schaden kann indirekt kommuniziert oder angedeutet werden und kann Gewalt, Raub, Plünderung, Brandstiftung, Vandalismus usw. umfassen. Die Zahlungen werden als „Schutzgeld“ oder „Schutzgebühr“ bezeichnet.

Die Gerichte werden mit Klagen gegen Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie überschwemmt, die angeblich seit Jahren wissentlich den Planeten zerstören, indem sie Kohle, Öl und Gas liefern. Dabei spielt es keine Rolle, dass diese fossilen Brennstoffe die wohlhabendste Wirtschaft ermöglicht haben, die die Welt je gekannt hat, und dass normale Bürger heute wie der Adel vergangener Jahrhunderte leben.

Nicht nur Unternehmen, sondern jeder Bürger dieser Welt wird unter Druck gesetzt, für den Schutz vor der nicht existierenden Bedrohung durch den vom Menschen verursachten Klimawandel zu zahlen. Prozessanwälte, gut bezahlte Sachverständige, eine reißerische Massenmedienlandschaft und viele andere Mitläufer profitieren von diesem Schwindel – oder hoffen, davon zu profitieren.

Die enormen Zuflüsse an Forschungsgeldern für konforme Wissenschaftler haben es schwierig gemacht, sich gegen die Mär von einem bedrohten Planeten zu wehren. Jeder Wissenschaftler, der sich gegen die Kakophonie des Unsinns über eine Klimabedrohung zu Wort meldet, wird wie Dr. Thomas Stockmann in Ibsens Stück „Ein Volksfeind“ behandelt. Anstatt sich bei ihm zu bedanken, dass er entdeckt hat, dass das Wasser des beliebten Kurbads seiner Stadt mit tödlichen Krankheitserregern verseucht ist, werden Dr. Stockmann und seine Familie von den meisten Bürgern der Stadt gnadenlos geächtet, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, die angeblichen gesundheitlichen Vorteile des Kurbads anzupreisen.

Der Klimawahnsinn wird irgendwann ein Ende finden und auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden, wo er hingehört. Doch je länger dieser Kult andauert, desto mehr Schaden richtet er an. Wir sollten alle unser Möglichstes tun, um diesem Wahnsinn so schnell wie möglich ein Ende zu bereiten.

Professor William Happer ist Cyrus-Fogg-Brackett-Emeritus-Professor für Physik an der Princeton University und ein angesehener Physiker, dessen Forschungsarbeiten die Bereiche Atomphysik, Optik und Atmosphärenforschung umfassen. Er ist Mitglied der US-amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften und der Amerikanischen Akademie der Künste und Wissenschaften sowie Fellow der American Physical Society und der American Association for the Advancement of Science.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/06/15/the-climate-cult/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE