Warum ermutigt die Financial Times Eltern dazu, ihren Kindern Angst vor dem Klimawandel einzujagen?

Tilak Doshi

Am Montag veröffentlichte die Financial Times eine Buchrezension von Pilita Clark – der stellvertretenden Chefredakteurin der Zeitung, die über „Unternehmensleben und Klimawandel“ schreibt –, die mit folgendem Klagelied begann:

UK ist ein G7-Land mit einem renommierten öffentlichen Dienst, der seit fast 20 Jahren weltweit führende Klimaschutzmaßnahmen umsetzt. Wie kann es also sein, dass es so schlecht damit zurechtkommt, mit den Überschwemmungen, Hitzewellen und Bränden umzugehen, die seiner Bevölkerung und Wirtschaft so großen Schaden zufügen?

Lassen wir Lord Jon Moynihans vernichtende Kritik am „berühmten“ britischen öffentlichen Dienst und an der „weltweit führenden Klimapolitik“ des Landes einmal beiseite, die sich als kaum mehr als narzisstische Torheit einer wirtschaftlich ungebildeten herrschenden Klasse entpuppt. Die vier Bücher, die Frau Clark wohlwollend betrachtete, trugen Titel, die von der Angst der Millennials geprägt waren. Nach einer flüchtigen, aber wohlwollenden Durchsicht kam Clark zu dem Schluss, dass „der Zustand des Klimas für alle Eltern heute beunruhigend ist“ und dass „Erwachsene viel von Kindern lernen können, nicht zuletzt ihre moralische Klarheit in Bezug auf ein Klimaproblem, das die entscheidende Herausforderung ihres Lebens sein wird“. Die lachsrosa Zeitung hat offenbar ihren Aufgabenbereich von den Kapitalmärkten und Unternehmensgewinnen auf die moralische Belehrung britischer Eltern ausgeweitet.

Man könnte es dem Leser nachsehen, wenn er dies als Satire versteht. Das ist es jedoch nicht. Es handelt sich vielmehr um ein typisches Beispiel für das, was in der westlichen Mainstream-Presse zur vorherrschenden Form des Klima-Journalismus geworden ist: eine nahtlose Verschmelzung von Interessenvertretung, emotionaler Ansprache und selektivem Empirismus, in der keine Gegenbeweise Einzug halten dürfen und skeptische Stimmen keinen Platz finden. Ähnlich wie die BBC, die schon vor langer Zeit entschieden hatte, dass „Ausgewogenheit“ in Klimafragen eine Form der Verantwortungslosigkeit sei, geht die FT von der feststehenden Prämisse aus, dass die Wissenschaft abgeschlossen ist, die Katastrophe unmittelbar bevorsteht und die einzig ehrenhafte Reaktion Alarmismus ist. Was Pilita Clark von der FT ihren Lesern bietet, ist kein objektiver Journalismus, sondern Liturgie.

Eine Auflistung von falschen Zuordnungen

Betrachten wir kurz, was in Clarks Rezension als Beweismaterial herangezogen wird. Das erste Buch, David Shukmans „The Response: A Story of Fire and Flood in Britain’s New World of Extremes“ [etwa: die Antwort: Eine Geschichte von Feuer und Flut in Großbritanniens neuer Welt der Extreme], präsentiert einen „Katalog des Versagens“, der die Waldbrände im Juli 2022 im Osten Londons umfasst, bei denen bei Rekordhitze von 40 °C fast 20 Häuser zerstört worden waren, sowie einen IT-Ausfall in einem Londoner Krankenhaus und einen älteren Mann, der in einer überfluteten Kellerwohnung fast ertrunken wäre, nachdem die Regenwasserkanäle überlastet gewesen waren. Das zweite Buch, „The Future of the Past“ des Kunsthistorikers Thijs Weststeijn, katalogisiert Schäden am kulturellen Erbe: das überschwemmte Venedig im Jahr 2019, die austrocknenden britischen Torfmoore, die 20.000 archäologische Stätten aus der Steinzeit bis heute bedrohen, sowie die grau werdenden ägyptischen Pyramiden. Diese Ereignisse werden in ihrer Gesamtheit als Symptome eines einzigen, übergreifenden „Klimanotstands“ dargestellt.

Clive Hamiltons „Negotiating the End of the World: Kant, Schmitt, and the Global Climate Struggle“ [etwa: Verhandlungen über das Ende der Welt: Kant, Schmitt und der globale Klimakampf] ist das dritte Buch in Clarks Rezension. In diesem Buch beschreibt Hamilton die Geschichte der Klimaverhandlungen als einen Kampf zwischen den konkurrierenden Visionen des deutschen Philosophen Immanuel Kant und Carl Schmitt, einem Nazi-Anhänger, der eine Welt sah, in der sich Großmächte naturgemäß als Feinde betrachteten. In diesem typisch manichäischen von Klimaideologen bevorzugten Schema ist die von Brüsseler Bürokraten regierte, auf Tugendhaftigkeit bedachte EU das Land Kants, China ist durch und durch schmittianisch, und die USA haben sich in letzter Zeit entschieden dem Lager Schmitts zugewandt.

Ben Rawlences „Think Like a Forest: Letters to My Children from a Changing Planet“ [etwa: Denke wie ein Wald: Briefe an meine Kinder von einem sich wandelnden Planeten] vervollständigt das rezensierte Quartett. Darin fragt der Autor und Vater von zwei Töchtern, in Bezug auf das, was er als den grundlegenden Widerspruch der Elternschaft in der modernen Welt bezeichnet: „Wie gehen wir damit um, dass wir Kinder in einem System großziehen, das uns alle umbringt?“ Man braucht nicht viele weitere Details, um den Tenor dieses Buches zu erfassen.

Doch schon ein kurzer Blick in die verfügbare wissenschaftliche Literatur sollte jeden verantwortungsbewussten Journalisten stutzig machen. Nehmen wir die Behauptung, dass britische Moore aufgrund des Klimawandels „so schnell austrocknen“. Die offiziellen Gutachten des Joint Nature Conservation Committee, von Natural England und DEFRA zeichnen ein ganz anderes Bild: Zwischen 80 und 87 % der britischen Moore sind in erster Linie durch jahrhundertelange direkte Landbewirtschaftung geschädigt – Entwässerungsgräben, Umwandlung in Ackerland, Torfabbau und Überweidung. Hier bleibt wenig Raum für die Klimawandel-Erzählung.

Ebenso ist die Vergrauung der antiken Monumente Ägyptens ein dokumentiertes Phänomen, doch Feldstudien und ägyptische Denkmalschutzbehörden weisen überwiegend auf die Luftverschmutzung in Kairo, steigendes Grundwasser aufgrund der städtischen Ausdehnung und die veränderte Hydrologie unterhalb des Assuan-Staudamms sowie die Salzmigration aus dem darunterliegenden Kalkstein hin – Faktoren, die überhaupt nichts mit dem globalen Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre zu tun haben.

Was die Behauptung angeht, Großbritannien werde derzeit von beispiellosen Wetterextremen heimgesucht, so zeigen die langfristigen, homogenisierten Datenreihen des britischen Wetterdienstes (UK Met Office) bei den meisten Wetterextremkennzahlen keinen statistisch signifikanten Anstieg, der über die natürliche Schwankungsbreite hinausgeht. Feuchtere Winter, periodische Hitzewellen und Hochwasserereignisse finden alle ihre Vorläufer im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Was Clark und die von ihr gelobten Autoren betreiben, ist die rhetorische Technik der Aggregation: Sie sammeln eine Vielzahl unterschiedlicher, lokal erklärbarer Ereignisse, entziehen ihnen ihre spezifischen Ursachen und fassen sie unter dem Begriff „Klimawandel“ zusammen. Es ist eine Technik, die faul, intellektuell unehrlich und empirisch unhaltbar ist. Aber sie ist als Propaganda enorm wirksam, was vermutlich der Grund dafür ist, dass sie so unerbittlich praktiziert wird.

[Hervorhebung vom Übersetzer]

Die institutionelle Ökologie des Alarmismus‘

Es lohnt sich zu fragen, wie die Medien an diesen Punkt gelangt sind. Die kurze Antwort lautet: Der Klimapanikmache hat sich institutionell selbst verstärkt. Preisverleihungskomitees, redaktionelle Hierarchien, Fördergremien und Konferenzkreise bevorzugen alle die gleiche Weltanschauung. Pilita Clark wurde bei den British Press Awards 2019 zur Umweltjournalistin des Jahres gekürt – zum dritten Mal in Folge.

Ihre Kollegen bei der FT und ihre Amtskollegen bei der BBC, dem Guardian und der New York Times bewegen sich in einem beruflichen Ökosystem, in dem die Währung des Aufstiegs die fesselnde Untergangsgeschichte ist. Wie Rob Bradley von MasterResource.org kürzlich feststellte, sind es ausnahmslos die neo-malthusianischen Journalisten, welche die Preise abräumen, während diejenigen, die Klimabehauptungen einer strengen empirischen Prüfung unterziehen, weiterhin an den Rand gedrängt werden.

Die Parallele zum verstorbenen Paul Ehrlich ist aufschlussreich. Ehrlichs 1968 erschienenes Werk „The Population Bomb“ sagte innerhalb weniger Jahrzehnte Massenhungersnöte und den Zusammenbruch der Gesellschaft voraus. Er lag mit praktisch jeder empirischen Behauptung falsch. Dennoch sammelte er für den Rest seiner langen Karriere Auszeichnungen, Stipendien und Lob in den Medien. Sein intellektueller Gegenspieler, der Ökonom Julian Simon, der 1980 mit Ehrlich wettete, dass ein Warenkorb mit natürlichen Ressourcen ein Jahrzehnt später billiger sein würde (und diese Wette eindeutig gewann), starb, ohne auch nur einen Bruchteil der institutionellen Anerkennung zu erhalten, die dem Mann zuteilwurde, den er widerlegt hatte.

Das Ökosystem des Klimajournalismus‘ reflektiert diese Dynamik mit beeindruckender Genauigkeit: Die Katastrophisten werden belohnt, die Empiriker ignoriert – und dieser Kreislauf setzt sich fort.

Die Stimmen, die auf der Seite fehlen

Es ist zweifelhaft, ob sich Clark ernsthaft mit der umfangreichen Sammlung fundierter Gegenargumente zum vorherrschenden Konsens auseinandergesetzt hat. Steve Koonin, der am MIT ausgebildete theoretische Physiker und ehemalige Staatssekretär für Wissenschaft im Energieministerium der Obama-Regierung, argumentierte in seinem 2021 erschienenen Buch Unsettled“, dass das, was Medien und Politiker über die Klimawissenschaft sagen, „so weit von der tatsächlichen Wissenschaft abgeglitten ist, dass es absurd und nachweislich falsch ist“ – eine Formulierung, die nicht von einem skeptischen Blogger stammt, sondern von Holman Jenkins im Wall Street Journal. Koonins zentraler Vorwurf lautet nicht, dass es keine Erwärmung gibt, sondern dass die Kluft zwischen der zugrunde liegenden wissenschaftlichen Literatur und ihrer Darstellung in den Medien enorm ist und systematisch in eine Richtung verzerrt wird.

Koonin ist nicht der einzige seriöse Wissenschaftler, der die der Öffentlichkeit vermittelte Konsensmeinung in Frage stellt. William Happer, emeritierter Professor für Physik an der Princeton University, Richard Lindzen, pensionierter Professor für Meteorologie am MIT und einer der weltweit führenden Atmosphärenphysiker, Roger Pielke Jr., ehemaliger Direktor des Zentrums für Wissenschafts- und Technologiepolitikforschung an der University of Colorado Boulder, sowie Judith Curry, ehemalige Vorsitzende der Fakultät für Erd- und Atmosphärenwissenschaften am Georgia Institute of Technology – all dies sind renommierte Wissenschaftler, die theoretische und empirische Einwände gegen Aspekte der offiziellen Darstellung erhoben haben.

Keiner von ihnen würde von einem ernsthaften Menschen als „Klimaleugner“ bezeichnet werden. Sie alle werden praktisch aus den Seiten der FT, der BBC und dem weiteren Umfeld des institutionellen Klimajournalismus ausgeschlossen. Die Behauptung, die FT würde lediglich „der Wissenschaft folgen“, ist vor diesem Hintergrund offensichtlich falsch. Sie folgt vielmehr einer bestimmten, sorgfältig zusammengestellten Auswahl wissenschaftlicher Erkenntnisse, die durch die Brille der Interessenvertretung gefiltert wird.

Die Kinder zahlen den Preis

Das bringt uns zum beunruhigendsten Aspekt von Clarks Artikel: ihre Darstellung von Kindern und die unnötigen Ratschläge an deren Eltern. Ben Rawlences Klagen darüber, wie man die Kindererziehung „in einem System, das uns alle umbringt“ bewältigen soll, werden in einer etablierten Finanzzeitung zustimmend als ernstzunehmender Beitrag zur öffentlichen Debatte präsentiert. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Anleitung zur Übertragung psychischer Belastungen auf Minderjährige.

Die Folgen dieser anhaltenden, institutionell unterstützten Kampagne der Klimangst bei jungen Menschen sind mittlerweile gut dokumentiert. Anika Sweetland, die öffentlich über ihre Erfahrungen mit Klimaindoktrination während ihrer Schulzeit gesprochen hat, beschreibt eine Welt, in der „gesicherte Wissenschaft“ als eine Art moralischer Katechismus präsentiert wurde, der keiner Überprüfung, keiner Debatte und keiner Relativierung bedurfte.

Eine ganze Generation war dem ausgesetzt, was man zu Recht als „künstlich erzeugte Hilflosigkeit“ bezeichnen könnte: der Überzeugung, dass die Zukunft verbaut ist, dass die Erwachsenenwelt sie im Stich gelassen hat und dass sich ihr Leben vor dem Hintergrund eines sich ständig verschlimmernden Umweltkollaps‘ abspielen wird. Die wissenschaftliche Literatur zur Ökoangst bei Jugendlichen wächst. Das journalistische und institutionelle Ökosystem, das diese Angst hervorgebracht hat – zu dem auch Clark und die FT gehören –, trägt dafür eine gewisse Verantwortung.

Nicht der Klimawandel ist die Hauptbedrohung für die psychische Gesundheit und die geistige Entwicklung junger Menschen in Großbritannien und im Westen. Es ist das unerbittliche, einseitige und empirisch unehrliche Aufbauschen von Worst-Case-Szenarien durch Institutionen – Zeitungen, Rundfunkanstalten, Schulen, Regierungsbehörden –, die es besser wissen müssten, was einst auch der Fall war.

Für eine ehrliche Berichterstattung

Die Financial Times wurde 1888 gegründet und hat sich ihren Ruf durch strenge Finanz- und Wirtschaftsanalysen erarbeitet. Ihr derzeitiger „woke“-Status wird dieser Tradition nicht gerecht, wenn auf ihren Seiten Buchrezensionen erscheinen, die falsch zugeordnete Wetterereignisse zusammenfassen, die primäre wissenschaftliche Literatur zu Kausalzusammenhängen ignorieren, anerkannte Wissenschaftler mit abweichenden Meinungen ausschließen und Eltern dazu ermutigen, zugunsten der „moralischen Klarheit“ ihrer Kinder eine Haltung existenzieller Verzweiflung einzunehmen. Die FT sollte das tun, was sie früher getan hat: analytische Strenge walten lassen, Beweise ehrlich präsentieren und ihren Lesern zutrauen, ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Das gesamte Medien-Ökosystem steht vor einer Entscheidung. Es kann weiterhin das produzieren, was Kevin Mooney in seinem kürzlich erschienenen Buch „Climate Porn“ als erfundene Schreckensszenarien bezeichnet, die in wissenschaftliche Sprache gekleidet sind. Oder es kann zu den Grundprinzipien des empirischen Journalismus zurückkehren: den Beweisen mit der gebotenen Sorgfalt folgen, wo immer sie hinführen, Unsicherheiten ehrlich darstellen, qualifizierten Gegenmeinungen Raum geben und den institutionellen Anreizen widerstehen, die Panikmache gegenüber Genauigkeit belohnen („if it bleeds, it leads“).

Die Eltern der Kinder, an die Clark und ihre bevorzugten Autoren ihre besorgten Ratschläge richten, verdienen nichts weniger als diese Ehrlichkeit. Eltern und ihre Kinder sind scharfsinnig genug, um mit der Zeit zu erkennen, wenn sie in die Irre geführt wurden. Die Institutionen, die sie in die Irre geführt haben, werden feststellen, dass einmal verlorenes Vertrauen nicht leicht wiederhergestellt werden kann.

A version of this article was first published by the Daily Sceptic https://dailysceptic.org/2026/06/12/why-is-the-financial-times-encouraging-parents-to-make-their-children-anxious-about-climate-change/

Dr Tilak K. Doshi is the Daily Sceptic‘s Energy Editor. He is an economist, a member of the CO₂ Coalition and a former (cancelled) contributor to Forbes. Follow him on Substack and X.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/06/13/why-is-the-financial-times-encouraging-parents-to-make-their-children-anxious-about-climate-change/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

Dazu gibt es dieses Video:

Schwarzbuch ZDF: teure Desinformation auf Kosten der Bürger – TE Wecker am 14 06 2026

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