Beschädigte Seelen: Die Angst vor der Klimakatastrophe ist zur irren „Religion“ erstarrt*
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Wolfgang Kaufmann (Red. PAZ)*
Es gibt Gläubige und Ungläubige, Bußprediger und Ketzer:
Was wie Wissenschaft begann, zeigt immer mehr Züge eines pompösen Ersatzglaubens,
der den Anhängern Halt und Orientierung verspricht
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Der klimapolitische Aktivismus hat vielfach bereits quasireligiöse Züge angenommen, weil er auf die angebliche naturwissenschaftliche Tatsache einer vom Menschen verursachten Erderwärmung mit einem Glaubenseifer reagiert, den man sonst nur bei Anhängern der traditionellen Religionen findet. Dabei sind besonders die Parallelen zwischen dem frühen beziehungsweise mittelalterlichen Christentum und der neuen „Klimareligion“ augenfällig.
Da wäre zunächst der ausgeprägte Dogmatismus: Die Anhänger der „Klimareligion“ sind fest davon überzeugt, im Besitz des einzig wahren Glaubens und insofern auch unfehlbar zu sein. Selbst sachlich wohlbegründete Zweifel an der „Klimakatastrophe“ und deren vermeintlichen Ursachen werden tabuisiert und mehr oder weniger offen als „Ketzerei“ abgetan, wobei das Standardschimpfwort für die Häretiker unsinnigerweise „Klimaleugner“ lautet – als ob irgendjemand bestreite, dass es das Klima gibt. Aber so kann man die Abweichler am besten verächtlich machen oder gar pathologisieren.
Auffällig ist des Weiteren das ausgeprägte Denken in den Kategorien „Gut“ und „Böse“, das sich keineswegs nur auf den Gegensatz zwischen den erleuchteten „Klimaschützern“ und den ungläubigen „Klimaschädlingen“ beschränkt. „Gut“ sind beispielsweise auch Erneuerbare Energien, während fossile Brennstoffe „böse“ daherkommen. Und es gibt eine teuflische Macht in Gestalt des Kohlendioxids, das für die schlimmsten Übel auf der Welt verantwortlich zeichnet. Zu diesen zählen die vermeintlichen Hekatomben von Opfern der „Erderhitzung“ sowie Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Waldbrände und Dürren.
Ein zentrales Merkmal der „Klimareligion“ sind zudem apokalyptische Visionen von einer Menschheit, die wahlweise verbrennt oder einer Sintflut infolge des Abschmelzens der Polkappen zum Opfer fällt. So vermeldete das australische Breakthrough National Centre for Climate Restoration im Jahre 2019, es bestehe das reale Risiko, dass unsere Spezies bis 2050 den Klimatod sterbe. Derartiges spornt die Gläubigen an, die „Klimasünder“ zur Umkehr zu bewegen und sich selbst einen Verzicht auf die vermeintliche „CO₂-Schleuder“ Kind aufzuerlegen – was wie eine Art von (weiblichem) Zölibat wirkt.
Gebote und Verbote für jeden
Auch sonst spielen der Verzicht, die Askese und die Selbstkasteiung als Akt der rituellen Reinigung eine zentrale Rolle, wobei die Fastenzeit das ganze Jahr andauert: Fleischkonsum, Flugreisen, Autofahren, eine warme Stube im Winter – all das sind Dinge, die dem Klimaheil geopfert werden müssen. Und wenn das partout nicht gelingen will, dann müssen sich die „Sünder“ zumindest beim CO₂-Emissions- beziehungsweise Ablasshandel mit klingender Münze freikaufen.
Damit der „Klimagläubige“ weiß, was er zu tun oder zu lassen hat, gibt es die zehn Gebote der „Klimareligion“. Diese beginnen mit „Du sollst die Erderhitzung als die größte existenzielle Bedrohung ansehen“ sowie „Du sollst keine tierischen Produkte konsumieren“ und reichen bis zu „Du sollst nur mit dem Fahrrad, der Bahn oder öffentlichen Verkehrsmitteln fahren“ und „Du sollst Parteien unterstützen, die das Land am schnellsten und radikalsten klimaneutral machen“. Nicht zu vergessen Aufforderungen wie: „Du sollst an den Sinn und Nutzen der Energiewende glauben.“
Wie es sich für eine Religion gehört, gibt es Propheten und Bußprediger, welche die Massen aufrütteln und an ihre Pflichten erinnern wollen. Das können vorlaute schwedische Schulverweigerinnen sein oder Wissenschaftler, die Seriosität vorspiegeln, während sie Temperaturkurven manipulieren, um die Zweifler und Zauderer nicht unnötig in Versuchung zu führen oder den Ketzern Munition zu liefern. Am eindrucksvollsten sind hier wohl aber die Bußübungen der hochtheatralisch auftretenden Klimasekte Extinction Rebellion, die wie schlechte Karikaturen der weltbekannten Prozessionen zur Karwoche in Sevilla wirken.
Der Zweck der „Klimareligion“ liegt natürlich auch in der Sinnstiftung: In einer zunehmend komplexen Welt liefert die Klimabewegung scheinbar schlüssige Antworten auf die Frage, wie ein wirklich nützliches Tun aussehen müsse. Deshalb werden inzwischen Stimmen laut, welche die Bezeichnung „Klimareligion“ nicht mehr als Verunglimpfung einer auf Wissenschaft beruhenden Weltanschauung werten, sondern als durchaus passendes Etikett für eine postmoderne Glaubensbewegung, die sich dem Überleben der Menschheit im Diesseits verschrieben habe und daher ebenso zeitgemäß wie vernünftig sei.
Kirchen biedern sich plump an
Dabei löst sie mit ihren spirituellen Deutungen des Klimawandels zugleich noch das Problem, dass nackte Fakten allein keine ausreichende Sinnstiftung bewirken und es daher zusätzliche Anstöße aus der Welt jenseits des Rationalen braucht. Am weitesten geht hier der Philosoph Peter Sloterdijk, der in der Klimafrage die Quelle für eine neue global erfolgreiche Konfession wittert: „Vielleicht wird die kollektive Klimasensibilität die letzte Weltreligion sein.“
Auf jeden Fall stößt die „Klimareligion“ vorrangig in die Lücken vor, welche christliche Kirchen zunehmend hinterlassen. Denn in jenen Regionen der Erde, wo Islam, Hinduismus, Buddhismus oder sonstige Religionen das Sagen haben, spielt die „Klimareligion“ eine deutlich geringere Rolle. Insofern sehen die christlichen Kirchen nicht bloß die Kongruenz zwischen ihren Lehren und Riten und denen der „Klimareligion“, sondern auch das Konkurrenzverhältnis.
Daraus resultieren dann wohl solch plumpe Anbiederungsversuche wie die des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki, der die Christen zur Teilnahme an Demonstrationen für eine Beschleunigung der Energiewende aufrief.
Oder nehmen wir die peinlichen Einlassungen des Berliner Erzbischofs Heiner Koch über die Schulschwänzer-Demonstrationen der Bewegung Fridays for Future, welche nach eigenen Worten an die biblische Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem erinnern. Diese Trittbrettfahrerei hat den christlichen Kirchen bislang allerdings keinen nennenswerten Zustrom neuer Mitglieder beschert, sondern wohl eher den Exodus der alten beschleunigt.
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)* Anmerkung der EIKE-Redaktion :
Dieser Aufsatz ist zuerst erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung, 05.06.2026, S.23 ; EIKE dankt der PAZ-Redaktion sowie dem Autor Wolfgang Kaufmann für die Gestattung der ungekürzten Übernahme, wie schon bei früheren Artikeln: https://www.preussische-allgemeine.de/ ; Hervorhebungen im Text: EIKE-Redaktion.
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