Die Vereinigten Arabischen Emirate UAE spielen ihr eigenes Spiel

Dr. Samuel Furfari

Am 1. Mai haben die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) der OPEC die Tür vor der Nase zugeschlagen. Dies ist kein unbedeutendes Ereignis in der Öl-Saga, sondern ein geopolitisches Erdbeben. Die Emirate haben erkannt, dass das Zeitalter des Kartells vorbei ist. Angetrieben durch den Streit um die OPEC+-Quoten im Juli 2021 leitete Abu Dhabi eine stille Revolution ein und läutete damit eine neue Energie-Geopolitik ein, in der diejenigen, die Kohlenwasserstoffe produzieren, das Schicksal von Nationen bestimmen. Die UAE sind nicht mehr nur ein Ölexporteur. Sie sind ein globaler Akteur und der Architekt einer neuen regionalen Allianz, in der Energie, Technologie und Sicherheit untrennbar miteinander verbunden sind.

Diese sich abzeichnende Energieallianz verdeutlicht eine Tatsache, die europäische Ideologen nicht wahrhaben wollen. Es gibt keine Energiewende; es gibt lediglich eine Energieergänzung. Wind- und Solarenergie machen zusammen nur 3 Prozent der weltweiten Primärenergie aus, während fossile Brennstoffe 87 Prozent des weltweiten Bedarfs decken. Die Emirate setzen darauf, dass die Nachfrage weitaus länger robust bleiben wird als Brüssel, Straßburg oder Paris annehmen. Der strategische Austritt der UAE aus der OPEC und ihre Entschlossenheit, die Ölförderung zu maximieren, bestätigen eine Welt, in der Dekarbonisierung keine Priorität mehr hat. Wohlstand, Sicherheit und geopolitischer Einfluss haben die Klimapolitik von der internationalen Agenda verdrängt. Nun erscheint der Green Deal der Europäischen Union veraltet und politisch irrelevant.

Die Emirate haben diesen Wandel lange vor anderen erkannt. Durch die Ausrichtung der COP28 in Dubai – und die Ausrichtung des Gipfels auf ein pragmatischeres Ergebnis – haben die UAE gezeigt, dass die Ära der ideologisch geprägten Klimapolitik vorbei ist. Ihre Fähigkeit, die Erwartungen der Aktivisten auf der COP28 zu dämpfen, war ein konsequenter Ausdruck der heutigen globalen Energieordnung. Ergänzung statt Ersatz, Realismus statt Idealismus. Die Welt hat sich weiterentwickelt, und die UAE haben sich entsprechend positioniert.

Der Austritt der Emirate aus der OPEC ist der bedeutendste Bruch in der 66-jährigen Geschichte der Organisation. Die UAE machten rund 14 Prozent der Gesamtkapazität der OPEC aus, was ihren Austritt besonders folgenreich macht.

Ein Rückgang der Rohölpreise ist für einen Produzenten mit hoher Förderkapazität nicht zwangsläufig nachteilig: Die Öleinnahmen hängen nicht nur vom Preis ab, sondern vom Produkt aus Preis und Menge. So können die Vereinigten Arabischen Emirate – durch eine Steigerung der Produktion auf 5 Millionen Barrel pro Tag (Mb/d), was einer Zunahme um 43 Prozent entspricht – einen erheblichen Preisrückgang auffangen und gleichzeitig die Gesamteinnahmen steigern. Die Maximierung der Gesamteinnahmen, nicht die Verteidigung des Grenzpreises, ist das Leitmotiv Abu Dhabis.

Die Emirate geben sich nicht damit zufrieden, die Öleinnahmen lediglich kurzfristig zu maximieren. Abu Dhabi unternahm einen bedeutenden Schritt, indem es sich an dem 18,4 Milliarden Dollar teuren Rio Grande LNG-Projekt in Brownsville in Texas beteiligte und damit als erste staatliche Ölgesellschaft am Persischen Golf eine bedeutende Position in einem US-Exportterminal erlangte. Die Emirate nehmen nun eine führende Position im großen globalen Gasgeschäft ein.

Auf dem Nahost-Schauplatz sind die Vereinigten Arabischen Emirate inzwischen zum bevorzugten Ziel des Iran geworden. Seit Anfang 2026 haben die UAE mehr als 2.800 Drohnen- und Raketenangriffe erdulden müssen – fast viermal so viele wie Saudi-Arabien. Der Angriff der Hutis auf Abu Dhabi im Januar 2022 markierte einen Wendepunkt, als die UAE zum ersten Mal öffentlich zivile Opfer auf ihrem Staatsgebiet bestätigten.

Warum diese iranische Fixierung auf die Emirate? Die Abraham-Abkommen machten die UAE zu einem „Frontstaat“ innerhalb der US-amerikanisch-israelischen Sicherheitsarchitektur. Auf dem Stützpunkt Al Dhafra sind US-amerikanische F-35 und Tausende westlicher Soldaten stationiert. Die UAE sind das Finanz- und Handelszentrum des Golfs, und ein Angriff auf Dubai oder Abu Dhabi wird als Destabilisierung des globalen Vertrauens angesehen.

Die Abraham-Abkommen sind nicht bloß ein Friedensvertrag; sie sind die diplomatische Verkörperung der neuen Geopolitik der Energie. Sie besiegeln ein Bündnis zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel, Bahrain, Marokko, dem Sudan – und nun auch Kasachstan –, das auf der Bedrohung durch den Iran, gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Arabischen Emirate und Israels sowie der Zusammenarbeit im Energiebereich im Rahmen des East Mediterranean Gas Forum basiert.

Der wichtigste Wandel ist jedoch ideologischer Natur. Die arabischen Unterzeichnerstaaten haben die palästinensische Sache in den Hintergrund gedrängt und der wirtschaftlichen Entwicklung Vorrang eingeräumt. Der Iran kann diese Realität nicht hinnehmen, da sie seinem Bestreben widerspricht, die palästinensische Sache als Instrument zur Einflussnahme in der muslimischen Welt zu nutzen. Dies ist der Triumph des Realismus‘ über die Ideologie.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind nicht mehr nur ein Ölexporteur. Sie sind ein neuer globaler Akteur. Die Emirate setzen ihre nationalen Interessen durch, während die EU von einer Energiewende träumt, die es nicht gibt. Das ist die wahre Lehre aus der neuen Geopolitik der Energie. Durch den Austritt aus der OPEC, Investitionen in US-LNG, den Widerstand gegen iranische Angriffe und die Mitgestaltung der Abraham-Abkommen demonstrieren die UAE die Realität der Energie-Geopolitik des 21. Jahrhunderts und sind zum Architekten einer neuen regionalen Allianz geworden, in der Energie, Technologie und Sicherheit untrennbar miteinander verbunden sind.

Die UAE lehnen die Illusionen einer „Energiewende“ ab und verfolgen stattdessen eine Politik der Ergänzung, Diversifizierung und Diplomatie, die auf der Realität basiert und auf langfristigen Wohlstand für alle ausgerichtet ist. Dies ist ein Modell, das die EU sehr in Betracht ziehen sollte.

Originally published at Town Hall, May 16, 2026.

Dr. Samuel Furfari is a professor of energy geopolitics in Brussels and London, a former senior official with the European Commission’s Directorate-General for Energy and a member of the CO2 Coalition. He is author of the paper, “Energy Addition, Not Transition,” and 18 books, including “The Truth About the COPs: 30 years of illusions.”

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/05/19/the-united-arab-emirates-is-playing-its-own-game/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE