Ethanol: Nicht die Energiewende, die wir uns wünschen

Ike Kiefer

Angesichts der aktuellen, die weltweiten Energiepreise in die Höhe treibenden Ereignisse wird Maisethanol erneut als heimische Energiequelle und Garant für Energiesicherheit dargestellt. In Wahrheit ist Maisethanol jedoch ein Energieschlucker, und die Herstellung von einer Gallone Maisethanol [ca. 4 l] erfordert mehr fossile Energie als die von einer Gallone Benzin. Es ist an der Zeit, sich dieser unangenehmen Wahrheit und den anderen negativen Folgen einer zwanzigjährigen fehlgeleiteten Politik zu stellen.

In den Jahren 2005 und 2007 verabschiedete der Kongress das Energiegesetz sowie das Gesetz über Energieunabhängigkeit und -sicherheit, mit denen gemeinsam das Programm „Renewable Fuel Standard“ (RFS) ins Leben gerufen worden war. Das RFS verfolgte drei erklärte Ziele: die Verbesserung der Energiesicherheit der USA, die Verringerung der Treibhausgasemissionen sowie die Förderung der ländlichen Wirtschaft und der landwirtschaftlichen Entwicklung. Stattdessen hat das RFS-Programm die Kraftstoffpreise in die Höhe getrieben, die Lebensmittelpreise erhöht, Millionen Hektar CO₂-bindender Flächen in intensive Bewirtschaftung überführt, die Treibhausgasemissionen und die Luftverschmutzung erhöht sowie den Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung gesteigert. Was die Energiesicherheit angeht, so werden die Gallonen US-Benzin, die durch die staatlichen Vorschriften zur Beimischung von Ethanol verdrängt wurden, nach Mexiko und in andere Länder exportiert. Der große Erfolg des RFS besteht darin, dass die Regierung Wohlstand von Autofahrern an große Agrarkonzerne umverteilt hat. Es ist höchste Zeit, dieser wirtschaftlichen und chemischen Absurdität ein Ende zu setzen, bei der Lebensmittel zwangsweise zu Kraftstoff verarbeitet werden.

Die Regierung wollte unbedingt Biokraftstoffe und hat sie auch bekommen. Unter dem Lobbydruck des „Corn Belt“ [= Mais-Gürtel] hat der Kongress zynischerweise auf die Anforderung verzichtet, dass die RFS für alle bestehenden Mais-Ethanol-Bioraffinerien sowie für alle bis Ende 2010 zu errichtenden Anlagen tatsächliche Treibhausgasreduktionen erzielen müssen. Der Großteil des in den letzten 20 Jahren und auch heute noch produzierten Mais-Ethanols stammt aus diesen Anlagen, für die eine Ausnahmegenehmigung erteilt worden ist. Die fadenscheinige Prognose der EPA aus dem Jahr 2010, wonach Maisethanol bis 2022 eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 21 % erreichen würde, wurde vom National Research Council umgehend angefochten, da sie Landnutzungsänderungen nicht angemessen berücksichtigte und die Konkurrenz um Nahrungsmittel sowie den Wasserverbrauch nicht realistisch behandelte. Dieses Expertengremium der National Academy of Sciences stellte sogar die Tragfähigkeit des gesamten Konzepts der Treibhausgasreduktion durch Biokraftstoffe in Frage. Die strengste und ehrlichste Schätzung einer dritten Partei in einer Stellungnahme vor dem Kongress verwendete die eigene Methodik der EPA, um zu zeigen, dass die Beimischung von Maisethanol zu Benzin die Treibhausgasemissionen gegenüber der Basislinie für reines Benzin um 28 % erhöht hat, ohne dass eine Tendenz zu einer jemals stattfindenden Erholung erkennbar ist.

Was die Energiesicherheit angeht, war das Ziel zwar lobenswert, die Methode jedoch irrational. Maisethanol ist in jeder Phase der Produktion in entscheidendem Maße von fossilen Brennstoffen abhängig – als Kraftstoff für Traktoren und Lkw, für Düngemittel und Pestizide sowie für Energie und Chemikalien in der Bioraffinerie. Biokraftstoffe sind im Allgemeinen nur ein Mittel, um Erdöl mit einem grünen Feigenblatt zu versehen, indem man es ineffizient über landwirtschaftliche Flächen umleitet. Während die Maisethanolproduktion in den letzten 10 Jahren bei 15–16 Milliarden Gallonen stagniert hat – was nicht zufällig der Obergrenze der staatlichen Subventionen entspricht –, ist die heimische Rohölproduktion aufgrund technologischer Innovationen sprunghaft gestiegen, die riesige neue geologische Formationen für die wirtschaftliche Förderung erschlossen haben. Trotz einer Flut von Maßnahmen und Richtlinien der US-Bundesregierung, die für Erdöl ebenso nachteilig waren, wie sie für Biokraftstoffe förderlich waren, sind die USA wieder energieautark und der weltweit größte Produzent von Rohöl und Erdgas. Im Jahr 2024 exportierten die USA 100 Milliarden Gallonen raffiniertes Erdöl. Andere Länder verbrennen US-Benzin in ihren Autos und verursachen dabei die gleichen CO₂-Emissionen, als dürften die Amerikaner es selbst nutzen. Das Ziel der Energiesicherheit für die RFS ist hinfällig, und es war mit dem von fossilen Brennstoffen abhängigen Maisethanol nie erreichbar.

Eine der großen Ironien besteht darin, dass die RFS im Rahmen des Clean Air Act genehmigt worden war. Die von der EPA selbst im Jahr 2010 durchgeführte Folgenabschätzung ergab, dass sie die Luftverschmutzung netto erhöhen und jährlich bis zu 245 zusätzliche Todesfälle in den USA verursachen würde. Die EPA gewährte Maisethanol zudem eine unbefristete Ausnahmegenehmigung hinsichtlich des Dampfdrucks für Smog verursachende Emissionen, die sie Erdöl verweigert hat. Schlimmer noch: Ethanol im Benzin ermöglicht es den Kohlenwasserstoffen, sich mit Wasser zu vermischen, und erhöht dadurch die Grund- und Oberflächen-Wasserverschmutzung durch Kraftstofflecks in weitaus größerem Maße als das verteufelte MTBE, das es als Oktanverstärker ersetzt hat – dennoch ignoriert die EPA dieses Risiko weiterhin vollständig.

Ein Regierungsprogramm, das so weit von seinen Zielen abgekommen ist, sollte eingestellt werden. Der für den Umweltschutz der Nation zuständigen Bundesbehörde sollte es nicht gestattet sein, ein Programm zu verwalten, das die Luftverschmutzung erhöht und Wasser, Boden und Klima belastet. Kraftstoff sollte Kraftstoff sein und Lebensmittel sollten Lebensmittel sein. Sicherlich kann der Kongress einen besseren Weg finden, um die Energiesicherheit der USA wirklich zu fördern und die ländliche Wirtschaft anzukurbeln, ohne die höchst regressive Steuer in Form erhöhter Kraftstoffpreise zu erheben, den Luft- und Wasserressourcen der Nation solchen Schaden zuzufügen und die weltweite Ernährungsunsicherheit zu fördern.

Ike Kiefer is a Visiting Fellow at the National Center for Energy Analytics and author of the study,Ethanol as Fuel: A Bridge to Nowhere

This article was originally published by RealClearEnergy and made available via RealClearWire.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/05/12/ethanol-not-the-energy-transition-were-looking-for/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE