Kältereport Nr. 20 /2026

Vorbemerkung: Natürlich steht die Kältewelle in Europa an ziemlich zentraler Stelle in diesem Report, deren Dauer über den Zeitraum der „Eisheiligen“ inzwischen hinaus geht. Da kann es in der kommenden Woche eigentlich nur wärmer werden und wird es wohl auch, aber bemerkenswerterweise ist auch bei der Simulation eines Höhenhochkeiles im 500-hPa-Niveau zur Wochenmitte weit und breit im 850-hPa-Niveau die 20°C-Isotherme zu sehen. Sommerliche Hitze ist bei uns also weiter Fehlanzeige.

Meldungen vom 11. Mai 2026:

Die „Eisheiligen“ in Europa

Europas alte „Eisheiligen“-Periode steht wie erwartet vor der Tür.

Zwischen dem 11. und 15. Mai warnt die Volksüberlieferung in ganz Mitteleuropa davor, dass der Frühling noch einmal mit kalten Nächten, Spätfrost und Schnee in den Bergen zurückkehren kann. MeteoSchweiz weist darauf hin, dass diese Tradition Jahrhunderte zurückreicht, wobei die Eisheiligen vom 11. bis zum 14. Mai fallen und die „Kalte Sophie“ die Reihe am 15. Mai abschließt.

In diesem Jahr zeichnet sich ein ähnliches Muster ab.

Kalte Luft breitet sich von Nordwesten her über Europa in Richtung Südosten aus und sorgt in weiten Teilen des Kontinents für unterdurchschnittliche Temperaturen. Die wichtigsten Auswirkungen sind Spätfröste am Boden, ein deutlicher Temperaturrückgang in West-, Mittel- und Osteuropa sowie Neuschnee in den Bergen.

Auch das Mittelmeer bleibt davon nicht verschont. Dies folgt auf eine bereits winterliche Wetterphase Anfang Mai in Ländern wie Griechenland und der Türkei, wo die Temperaturen stark sanken und in den Anti-Taurus-Bergen wieder Neuschnee fiel.

Weiter nördlich haben die Eisheiligen bereits ihre Spuren hinterlassen.

In Værnes in Norwegen, wo seit 1946 Messungen durchgeführt werden, wurde gerade ein 67 Jahre alter Kälterekord für den Mai eingestellt, nachdem in der dritten Nacht in Folge Tiefsttemperaturen unter dem Gefrierpunkt gemessen worden waren. Eine solche Kälteperiode von drei Nächten in Folge so spät im Frühling hat es an dieser Messstation bisher nur zweimal gegeben: vom 6. bis 8. Mai 1959 und vom 6. bis 8. Mai 1974.

Nun verlagert sich der Schwerpunkt der Kältewelle auf ganz Europa.

Es wird erwartet, dass Hunderte von Rekorden gebrochen werden.

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Nordwest-Sibirien, Russland: Mai-Schneesturm in Noyabrsk

Ein heftiger Mai-Schneesturm hat Noyabrsk im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen in Nordwestsibirien unter einer Schneedecke begraben.

Die offizielle Schneehöhe stieg innerhalb von 12 Stunden von 0 cm auf 31 cm und erreichte am frühen Morgen des 11. Mai schließlich 37 cm.

Die Straßen wurden unpassierbar, Schulen stellten auf Fernunterricht um, und am Flughafen Noyabrsk kam es zu Flugverspätungen, während die Besatzungen die Landebahn räumten.

Auch die umliegenden Gebiete waren betroffen.

Behörden meldeten Beeinträchtigungen in den Bezirken Murawlenko, Gubkinski und Purowski, wo mehrere Straßen gesperrt wurden. Gubkinski gab zudem Warnungen heraus, als im Mai Schneestürme auftraten und die Autobahn Surgut–Salekhard vorübergehend gesperrt wurde.

Die Katastrophenschutzbehörden hatten vor Schnee, Nieselregen, Schneesturm, Glatteis, schlechter Sicht und Windböen von bis zu 90 km/h in Teilen von Jamal-Nenzen gewarnt.

Es wird weiterer Kälteeinbruch und Schneefall erwartet, während sich das Zentrum des Tiefdruckgebietes von West nach Ost über Russland bewegt.

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Eine Meldung vom 12. Mai 2026:

Europa: Kältewelle verschärft sich

Die „Eisheiligen“-Periode hat mit Schnee, Hagel und Frost in einem breiten Gürtel quer durch Europa begonnen.

Prognosen zeigen, dass sich im Laufe dieser Woche ungewöhnlich niedrige 500-hPa-Werte über Deutschland, Dänemark, die Benelux-Länder, Nordfrankreich und Südostengland ausbreiten werden, wobei Teile der Region in das unterste 1 % des historischen Bereichs fallen werden:

Das bedeutet für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalte Luft in der Höhe.

Im Osten Englands sinken die Temperaturen im 500-hPa-Niveau auf Werte nahe -32 °C. Da die Maisonne die Oberfläche erwärmt, nimmt der vertikale Temperaturgradient immer mehr zu. Das Ergebnis ist kein warmes Frühlingswetter, sondern heftige Schauer, Hagel, Gewitter und lokal winterliche Bedingungen.

In Frankreich wurde am Dienstag Frost beobachtet, wobei in Mourmelon-le-Grand -1,7 °C gemessen worden sind.

Modellprognosen zeigen, dass sich die Kältewelle von Frankreich aus nach Dänemark, in die Benelux-Länder, nach Deutschland und Polen ausbreitet, was für Landwirte die Sorge vor Spätfrost mit sich bringt. Außerdem wird mit starken orographisch bedingten Regenfällen und Schnee in den Bergen gerechnet.

Die Alpen sind bereits stark betroffen.

Am 12. Mai wurde in Teilen der Alpen, darunter in Deutschland und der Nordostschweiz, Schnee bis auf 500 bis 700 m hinab gemeldet, wobei sich auch das auf nur 781 m gelegene Wolfhalden weiß färbte.

Mit Blick auf die kommende Woche bleibt es in den Alpen die ganze Woche über kalt, wobei Schnee bis unterhalb von 1.000 m fällt. In den nördlichen Alpen könnte sich oberhalb von 2.200 m eine Schneehöhe von 30 cm ansammeln, lokal sogar bis zu 60 cm.

Kalte Luft in der Höhe, Spätfrost, Hagel, Gewitter und Schnee bis hinunter in die tiefer gelegenen Gebirgsregionen.

Und es kommt noch mehr. Rekorde sind in Reichweite.

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Eine Meldung vom 13. Mai 2026:

Die Kälte in Europa

Die Kältewelle Mitte Mai in Europa ist kein Modellphänomen. Sie schlägt sich nun in den Beobachtungsdaten nieder.

In Norwegen sank die Temperatur am Dienstagmorgen am Flughafen Røros auf -7,8 °C. Nur zwei Messwerte waren zu diesem späten Zeitpunkt im Frühling kälter. In Trondheim-Voll wurden am Dienstagmorgen -0,7 °C gemessen. In den Aufzeichnungen seit 1965 gab es nur ein Jahr, in dem zu diesem späten Zeitpunkt eine niedrigere Temperatur gemessen wurde: 2020, mit -1 °C sowohl am 13. als auch am 14. Mai.

Die winterlichen Bedingungen beschränken sich nicht nur auf Skandinavien.

In den Alpen fallen selbst in Lagen unterhalb von 700 m noch beträchtliche Schneemengen für diese Jahreszeit. Der europäische Überblick von J2Ski vom 13. Mai zeigt, dass die Sieben-Tage-Gesamtmenge in den Alpen in Arosa Lenzerheide 61 cm, in Mayrhofen 45 cm und in Kaltenbach 39 cm erreicht hat (um nur drei Orte zu nennen).

In Hintertux liegt die Schneehöhe immer noch bei 305 cm.

Mit Blick auf die Zukunft steht dem Gebirge weiterer Schneefall Mitte Mai bevor. Die Vorhersage von Ventusky vom 13. Mai simuliert starken Schneefall in der zweiten Wochenhälfte, wobei in höheren Lagen bis zu 100 cm möglich sind.

Die offizielle österreichische Vorhersage vom 13. Mai listete 54 Skigebiete auf, in denen in den nächsten zwei Tagen Schnee erwartet wird.

Weiter östlich erreichte die Kälte den Balkan.

In der kroatischen Skistation Puntijarka fielen am 13. Mai ungewöhnliche 7,6 cm Schnee. Das slowenische Kranjska Gora meldete am 12. Mai 13 cm Neuschnee, obwohl es dort Mitte Mai im Durchschnitt „keine Pulvertage“ gibt. In der serbischen Skistation Kopaonik sank die Temperatur am 13. Mai auf seltene -3 °C, und für die kommenden Tage ist sogar noch seltenerer Schneefall vorhergesagt.

Wie oben bereits angedeutet – es wird noch mehr kommen.

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Eine Meldung vom 14. Mai 2026:

Die Kältewelle in Europa

Keraunos gibt für den 14. Mai eine Kaltluftmasse im 500 hPa-Niveau von -32 °C über West- und Mitteleuropa an.

Für den Monat Mai ist dies die viertkälteste Konstellation dieser Art seit Beginn der Aufzeichnungen vor 30 Jahren. Der Rekord liegt weiterhin bei Mai 2012, als die ERA5-Reanalyse einen Wert von -33 °C ergab.

Ein hoch reichender Trog liegt fest über dem Kontinent, wobei eine Blockade über dem Nordatlantik es polarer Luft ermöglicht, weit nach Süden vorzudringen. Diese kalte Luft in der Höhe verstärkt die Temperaturabnahme mit der Höhe, destabilisiert die Atmosphäre und verwandelt die milde Frühlingsluft am Boden in Schauer, Hagel, Gewitter, Schnee in den Bergen und Frostgefahr.

Die Kälte macht sich bereits bemerkbar.

In Kroatien hat Puntijarka auf der Medvednica bei Zagreb zum erst sechsten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1981 Schnee im Mai verzeichnet.

In den Alpen werden auf den Gipfeln Schneehöhen von 1 m vorhergesagt.

Auch in den Pyrenäen wird Neuschnee erwartet.

Länder wie Frankreich und Belgien haben die konvektive Seite dieses Wetterphänomens zu spüren bekommen; in Teilen Frankreichs wird erwartet, dass die Schneefallgrenze in den Vogesen, den Nordalpen und im Zentralmassiv auf etwa 1.000 m sinkt.

Als Nächstes ist der Mittelmeerraum an der Reihe.

Italien, die Adria und der westliche Balkan sehen sich mehreren Tagen mit instabilen Wetterbedingungen und ungewöhnlicher Kälte gegenüber.

Im Osten sind auch weite Teile Russlands betroffen.

Laut den Aufzeichnungen von „Pogoda i Klimat“ wurden in Tatarsk am 13. Mai -5 °C gemessen, womit der bisherige Tiefstwert von -4,3 °C aus dem Jahr 1951 unterboten wurde.

Auch im benachbarten Kasachstan warnte Kazhydromet vor „negativen Nachttemperaturen“ und Schneefall in den nördlichen, östlichen und zentralen Regionen bis hinunter auf -6 °C, wobei auch im Südosten Frost erwartet wurde.

Eine Blockierung im Westen, nach Süden drängende Polarluft, ein Kaltluftkörper in der Höhe und instabiles Wetter darunter.

Es fühlt sich derzeit in Europa nicht wirklich wie Mitte Mai an.

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Meldungen vom 15. Mai 2026:

Schottland: In Cairngorm fielen 40 cm Schnee – Mitte Mai!

Der Winter hat die schottischen Highlands noch nicht losgelassen.

Cairngorm oberhalb von Aviemore wurde am 14. Mai von einem Schneesturm heimgesucht, bei dem 40 cm Schnee fielen.

Arktische Luft drang mit einer kalten Nordströmung nach Süden vor, wodurch die Temperaturen in ganz Schottland gesunken sind und die Schneesaison in den Cairngorms weit länger als gewöhnlich dauerte, was die Aktivitäten der warmen Jahreszeit verzögerte.

In höheren Lagen kann der Schnee natürlich bis weit in den Frühling hinein liegen bleiben. Aber 40 cm Neuschnee Mitte Mai sind eine ganz andere Sache.

Überall in UK herrschte in letzter Zeit polare Kälte vor.

Die gleiche Kaltluft hat auch das europäische Festland erfasst…

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Alpen und Pyrenäen: Weitere Schneefälle

Mitte Mai sorgt in den Alpen und Pyrenäen weiterhin für winterliche Bedingungen.

Es hat bis in ungewöhnlich tiefe Lagen geschneit, es wurde von Schneestürmen berichtet, und starke Schneefälle in den Bergen haben die Skiorte zurück in den Winter versetzt.

In Les Saisies in den französischen Alpen beispielsweise lag am 14. Mai frischer Schnee im Ortszentrum, wobei die Sichtweite bei heftigen Schneeböen stark abnahm und sich 20 cm Schnee ansammelten. Die Aufzeichnungen für Les Saisies weisen für die zweite Maiwoche nur 3 cm Schnee und durchschnittlich 0,6 Schneetage aus.

Ähnliche Bedingungen herrschen in den Pyrenäen.

Am 15. Mai verzeichnete Ax 3 Domaines in Ariege am Morgen starken Schneefall. Mitte Mai ist Neuschnee auf der Höhe von Skigebieten kein alltägliches Wetter mehr. Er signalisiert, wie weit die kalte Luft nach Süden vordringt.

Dieselbe polare Tiefdruckrinne dringt nun in den Norden der Iberischen Halbinsel vor.

Die kantabrische Region erwartet ein rauer, winterlicher Freitag, wobei die Schneefallgrenze bis 1.000 m sinkt.

Die Temperaturen liegen deutlich unter dem Normalwert, nämlich um für diese Jahreszeit etwa 10 °C unter dem Durchschnitt.

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Marokko: Seltene Schneefall-Warnung

Für das marokkanische Atlasgebirge gilt eine Schneewarnung für die späte Saison; von Freitag auf Samstag werden in Teilen des Hohen und Mittleren Atlas bis zu 25 cm Schnee erwartet.

Die Warnung gilt für die Berggebiete in Ouarzazate, Azilal, Midelt, Tinghir, Taroudant und Al Haouz. Die Wetterdienste warnen vor starkem Schneefall, starken Winden, Schneeverwehungen und einem intensiven Kälteeinbruch.

Starker Schneefall im Atlasgebirge ist für Mitte Mai ungewöhnlich. Marokko befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits mitten im Frühling, doch in den höheren Lagen fallen derzeit beträchtliche Schneemengen, die selbst mitten im Winter bemerkenswert wären.

Auf der anderen Seite des Kontinents verzeichnete Südafrika kürzlich während eines plötzlichen Kälteeinbruchs eine Vielzahl von Rekorden für die niedrigsten Höchsttemperaturen im Mai.

Zu den neuen Monatsrekorden gehören: Aliwal North Plaatkop mit 7,5 °C, womit der Wert von 8,1 °C vom 28. Mai 1997 (Aufzeichnungen seit 1989) unterboten wurde; Orania mit 9,4 °C, womit die 9,5 °C vom 5. Mai 2001 (Aufzeichnungen seit 1994) unterboten wurden; und Lephalale mit 13,3 °C, womit die 14,3 °C vom 30. Mai 2004 (in Aufzeichnungen seit 1982) übertroffen wurden.

Das gleiche Tiefdruckgebiet brachte Schnee in Teilen Südafrikas und Lesothos.

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Wird fortgesetzt mit Kältereport Nr. 21 / 2026

Redaktionsschluss für diesen Report: 15. Mai 2026

Zusammengestellt und übersetzt von Christian Freuer für das EIKE