Realismus in der Energiepolitik der USA zahlt sich in der Iran-Krise aus

Vijay Jayaraj

Der Iran-Krieg hat die Anfälligkeit eines Großteils des weltweiten Energiesystems offenbart. Jahrelanges politisches Theater, getarnt als Klimapolitik – bei dem fossile Brennstoffe verteufelt und unzuverlässige Wind- und Solarenergie verherrlicht wurden –, hat eine verlässliche Energieinfrastruktur zerstört.

Europa ist ein warnendes Beispiel für die „grüne“ Illusion. EU-Politiker ignorierten die physikalische Realität, dass ein Stahlwerk an einem bewölkten, windstillen Tag nicht laufen kann, und veröffentlichten stattdessen eine Pressemitteilung über „Netto-Null“. Sie unterschätzten das Risiko, die Wirtschaft an eine kleine Anzahl externer Lieferanten zu binden, und verschärften es noch, indem sie ihre eigenen Kohleminen, Gasfelder und Kernkraftwerke stilllegten.

Deutschland schaltete Kernreaktoren ab und beschleunigte die Stilllegung von Kohlekraftwerken, während es seine Abhängigkeit von importiertem russischem Gas und intermittierender Wind- und Solarenergie verstärkte. In UK legte man Kohlekraftwerke still und baute die regelbare Gaskapazität ab, wobei es auf importiertes Flüssigerdgas (LNG) und Windkraftanlagen setzte, die zwar auf das Wetter reagieren, aber nicht auf den menschlichen Bedarf.

Die europäischen Gasspeicher gingen mit einem Füllstand deutlich unter dem saisonalen Zehnjahresdurchschnitt ins Jahr 2026: Im Januar lagen die EU-Vorräte bei weniger als 50 % der Kapazität und sinken nun zum Ende des Winters auf 30 %, was kaum noch Spielraum für eine anhaltende Unterbrechung der LNG-Lieferungen lässt. Die europäischen Erdgaspreise haben sich im Vergleich zu Ende Februar etwa verdoppelt. Die Folge: Die Strompreise schießen in die Höhe, industrielle Abnehmer drosseln ihre Produktion und die Haushalte müssen höhere Heiz- und Stromrechnungen verkraften – und das alles in Volkswirtschaften, die ohnehin schon unter der Inflation leiden.

Die Ironie dabei ist, dass die Europäische Kommission nun selbst zugibt, was Kritiker seit Jahren sagen. In Paris bezeichnete Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Entscheidung, die Kernenergie an den Rand zu drängen, als „strategischen Fehler“.

Asien kämpft mit ähnlichen Fallstricken, wo Netto-Null-Ziele mit einer steigenden Nachfrage kollidieren. Indien und China, Giganten in Bezug auf Bevölkerung und Ambitionen, haben ein Vermögen für Solarmodule und Windkraftanlagen verschwendet, die ohne Sonne oder Wind ungenutzt herumstehen. Man stelle sich vor, diese Mittel wären stattdessen in den Aufbau von Vorräten an fossilen Brennstoffen oder den Ausbau der Kernkraftwerke geflossen.

Thailand, die Philippinen und Vietnam haben sich die Netto-Null-Rhetorik zu eigen gemacht. Ihre Staats- und Regierungschefs haben die eklatanten Energielücken übersehen, die durch die anhaltende Krise offenbart wurden. Viele südostasiatische Länder haben nun Maßnahmen zur Eindämmung des Öl- und Gasverbrauchs ergriffen, darunter ein Stopp des Exports von Erdölprodukten und Homeoffice-Maßnahmen für die Bürger.

Berichten zufolge bemüht sich Thailands staatliches Öl- und Gasunternehmen verzweifelt um die Sicherung der Versorgung, während Bangladesch gezwungen ist, Notlieferungen zu Preisen zu kaufen, die mehr als doppelt so hoch sind wie im Januar. Indische und vietnamesische Käufer haben Ausschreibungen für sofortige Lieferungen veröffentlicht, die jedoch nicht vergeben wurden.

In ganz Indien kommt es zu Engpässen bei Flüssiggasflaschen (LPG). Hotels und Restaurants haben Schwierigkeiten, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten, legt doch der Mangel an Gasflaschen den Gastgewerbesektor lahm. Selten wird anerkannt, dass Energieknappheit für Milliarden Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika schon seit langem katastrophale Folgen hat.

Wenn Flüssiggasflaschen knapp und teuer werden, greifen arme Haushalte wieder auf Holz und Dung zum Heizen und Kochen zurück, was zu rauchiger Raumluft führt. Wenn Fabriken keine zuverlässige Stromversorgung sichern können, gehen Arbeitsplätze verloren und die Armut verschärft sich.

Ausnahme USA: Standhaft im Chaos

Die einzige große Volkswirtschaft, die mit einem Puffer in diese Krise geht, sind die Vereinigten Staaten. Die USA verfügen über eine massive Basis an heimischer Öl- und Gasförderung, ein direktes Erbe eines zehnjährigen Rekordwachstums bei der heimischen Förderung, das sich während der ersten Amtszeit von Trump dramatisch beschleunigte.

Der jüngste „Short-Term Energy Outlook der US-Energieinformationsbehörde (EIA) prognostiziert für 2026 eine durchschnittliche Rohölproduktion in den USA von rund 13,5 Millionen Barrel pro Tag, was nach mehreren Jahren des Wachstums bis hin zu Rekordfördermengen nur geringfügig unter dem Niveau von 2025 liegt. Bei Erdgas erwartet die EIA einen Anstieg der Produktion von etwa 107–108 Milliarden Kubikfuß pro Tag (bcfd) im Jahr 2025 auf 109–110 bcfd im Jahr 2026, was ein neuen Rekord wäre.

Durch die Befürwortung von Fracking, Horizontalbohrungen und einer vernünftigen Regulierung haben die USA das Potenzial des Permbeckens und anderer Schiefervorkommen freigesetzt. Sie haben einer vernünftigen Energieökonomie Vorrang vor apokalyptischen Klimabehauptungen eingeräumt.

Dieser krasse Gegensatz zwischen amerikanischer Widerstandsfähigkeit und europäischem Zusammenbruch ist eine bleibende Lektion für die Entwicklungsländer. Nationale Sicherheit sollte nicht den Launen des Wetters oder der Zustimmung von Klimaaktivisten in europäischen Hauptstädten unterworfen sein.

Was die aktuelle Krise beweist, ist einfach: Energiesicherheit beruht auf der Fähigkeit, physische Moleküle – Öl, Gas, Kohle und Uran – zu sichern, wenn geopolitische Stürme toben. Europa und weite Teile Asiens haben sich stattdessen dafür entschieden, ihre Zukunft an Slogans zu knüpfen.

This commentary was first published at The Daily Signal March 15.

Autor: Vijay Jayaraj is a Research Associate at the CO2 Coalition, Arlington, VA and writes frequently for the Cornwall Alliance. He holds a master’s degree in environmental sciences from the University of East Anglia, UK, and resides in India.

Link: https://cornwallalliance.org/us-energy-realism-pays-off-in-iran-crisis/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE