Verdrehte Realität: Im ZDF-Thriller werden deutsche Klimaforscher verfolgt und denunziert

„ZDF floppt mit schockierendem deutschem Thriller trotz positiver Kritiken“ – so schreibt Watson über den am 23. März gesendeten Klima-Polit-Thriller Eine bessere Welt.

Handlung des aufwändig gedrehten TV-Films: Junge Klimaforscherin aus Köln zieht gerade in ein idyllisches Landhaus, als sie in eine renommierte ARDZDF-Talkshow eingeladen wird. Dort wird sie von einer prominenten Moderatorin, dargestellt von ZDF-Frontfrau Dunja Hayali, zu ihren Plänen der Klimarettung befragt. Die junge Wissenschaftlerin namens Elena Stanat berichtet von ihrem aberwitzigen Plan, jedem Deutschen (Menschen auf der Welt?) nur ein bestimmtes CO2-Budget zuzugestehen, um die Ziele des Pariser Klimabkommens zu erreichen, oder so. Ein präpotenter Millionär und Privatjet-Nutzer stellt ihren Plan mit ätzendem Humor in Frage, wird aber von der intelligenten Forscherin souverän abgebügelt.

Der Publizist Daniel Matissek kommentiert wohlformuliert auf Facebook dazu:

Das Thema der Talkshow, zu der Elena eingeladen ist, ist natürlich die Klimakatastrophe, die, so Hayali, „mittlerweile ja eingetreten“ sei. Elena stellt in der Sendung ihr Buch vor, in dem sie behauptet, die Klimakrise könne nur durch ein festes CO2-Budget eingehegt werden. Jeder müsse sich ab sofort einschränken – egal ob beim Autofahren, Fliegen oder im Alltag bis hin zum Haare föhnen. Eine totalitäre Klima-Stalinistin also, die nicht ohne Grund in dem Film positiv und sympathisch gezeichnet wird – kein Wunder, träumen beim ZDF auch in der Realität doch nicht wenige Akteure von solchen gründiktatorischen Zuständen.

Doch anders als in den meisten realen Talkshows beim ZDF wird der Grün-Aktivistin Elena ein Widerpart gegenübergestellt, der in der fiktiven Hayali-Show für individuelle Freiheit eintreten darf. Natürlich wird dieser Gegenspieler stereotyp gezeichnet als ewiggestriger, weißer, kartoffeldeutscher Mann und zudem ausgesprochener Unsympath erster Güte, der gegen Elenas rhetorisches Geschick jedoch keine Chance hat (auch dies also das genaue Gegenteil realer Klima-Debatten, sofern diese in Wirklichkeit überhaupt stattfinden).

Danach ist das Klima-Thema im Thriller inhaltlich allerdings abgehakt, und es geht nur noch um den Leidensweg der Elena Stanat, die von Gegnern ihrer Weltrettungstheorie terrorisiert wird. Das geht so weit, daß ihre Kollegen im Uni-Institut wegen der mit Haßmails verstopften Server und der ganzen negativen Presse nach der Hayali-Sendung genervt sind und daher Stanat sogar Lehrveranstaltungen und Teile des Gehalts streichen.

Im Anschluß an den Film sendete das ZDF noch eine Dokumentation, in der die (anscheinend?) reale Elena Stanat, die bekannte Klima-Ökonomin Claudia „Energiespeicher noch und nöcher“ Kemfert, vom Haß und der Hetze gegen sie berichtet. Außer der vorübergehenden Löschung ihres Wikipedia-Artikels und eines Hacks ihres Servers nennt sie aber keine konkreten Straftaten oder sonstigen Haßangriffe. Wer ihren heute wieder existierenden Wikipedia-Artikel durchliest, erfährt hingegen hauptsächlich von ihrer beeindruckenden akademischen Karriere, die mit ihren Leistungen nicht so richtig korrelieren mag. Von beruflichen Konsequenzen einer „falschen Meinung“, wie Elena Stanat sie im Thriller erdulden muß, erfährt man in der Biografie Kemferts hingegen nichts – es scheint eher das (krasse) Gegenteil der Fall zu sein.

Dem aufmerksamen Zuschauer von Eine bessere Welt mögen zwei pikante Details aufgefallen sein:

1. Die Heldin Elena zieht zu Beginn des Thrillers mit Mann und Kindern in ein abgelegenes prächtiges wilhelminisches Landhaus – keine Windräder weit und breit. Und ist der CO2-Fußabdruck einer in die Großstadt pendelnden Akademikerfamilie nicht größer als vorher? Das Konzept einer klimafreundlichen „15Minuten-Stadt“ jedenfalls wird hier nicht gerade beworben. Aber wir wollen fair sein: Elena ist mehr als nur einmal im Bus zu sehen – im ländlichen Raum um Köln scheint es noch gut funktionierenden Öffentlichen Personennahverkehr zu geben.

2. Die aus der im ZDF häufig zu sehenden Schauspielerfamilie Baumeister stammende Hauptdarstellerin Peri Baumeister war laut Wikipedia Teil der Anti-Corona-Politik-Bewegung #allesdichtmachen. Weil die widerständigen Schauspieler und Regisseure um Jan Josef Liefers, Dietrich Brüggemann und Ulrich Tukur so zahl- und einflußreich sind, wurde ihre Karriere abweichend von der Darstellung im aktuellen Thriller offenbar nicht beendet.