Anhang zum Kältereport Nr. 12 / 2026: Die Wetterentwicklung in den USA vom 15. bis zum 17. März 2026
Dipl.-Met. Christian Freuer
Die im Kältereport Nr. 12 / 2026 angesprochene Entwicklung der Zyklone von Mitte März in Teilen der USA ist selbst für dortige Verhältnisse extrem. In Mitteleuropa ist eine solche Entwicklung aufgrund der Topographie kaum vorstellbar. In Europa verlaufen die Gebirgszüge, hauptsächlich die Alpen, in ost-westlicher Richtung. Sie blockieren sehr wirksam den direkten Austausch zwischen sehr warmer Mittelmeerluft und der kälteren Luft über Mittel- und Nordeuropa. Luftmassen aus der jeweiligen Richtung werden modifiziert, die Warmluft zum Kälteren, die Kaltluft zum Wärmeren.
In den USA verlaufen die Gebirge dagegen in nord-südlicher Richtung, so dass sehr warme und sehr kalte Luft direkt aufeinander treffen können. Verstärkend kommt hinzu, das der Golf von Mexiko im Süden ein massives Reservoir feuchtwarmer tropischer Luft bildet, während im Norden die Hudson-Bay als nachhaltiger Kühlschrank fungiert. Dem zufolge ist der Temperaturgegensatz auf relativ engem Raum im Frühjahr auch am stärksten ausgeprägt (u. A. mit der Folge, dass das Frühjahr auch die Jahreszeit mit den häufigsten Tornados ist). Während sich nämlich der Golf von Mexiko jahreszeitlich bedingt aufheizt und schon im April hochsommerliche Werte aufweist, ist die Hudson Bay noch im Mai weitgehend zugefroren mit der entsprechenden Kaltluftbildung. Kommt dann auch noch hinzu, wie in diesem und den vorigen Kältereports angesprochen, dass der kanadische Kältepol besonders ausgeprägt und die Strömungskonfiguration im 500 hPa-Niveau entsprechend ausgebildet ist, dann kann wirklich extrem warme Luft aus dem Süden ungehindert und ohne wesentliche Modifizierung auf die extrem kalte Luft von der Hudson Bay treffen.
Und genau das ist hier auch geschehen.
Noch ein Wort zu Reaktionen in der Bevölkerung. Derartig intensive Entwicklungen gibt es zwar nicht in jedem Jahr, aber doch immer wieder, manchmal auch mehrmals im Jahr. Der o. g. Blizzard im Jahr 1978 fiel in meine Zeit dort, und es war sehr aufschlussreich zu verfolgen, wie man in der Öffentlichkeit damit umging. Ich hatte das seinerzeit ausführlich in einer „Beilage zur Berliner Wetterkarte“ ausführlich beschrieben. Weil es damals noch keinerlei Digitalisierung gab, habe ich diese Ausführungen gescannt und zeige sie hier im Bildformat:
Nun gab es aber natürlich auch Opfer, und ich fragte meinen Vermieter danach, nachdem ich ihm von den üblicherweise chaotischen Verhältnissen bei uns nach deutlich schwächeren Ereignissen erzählt hatte. Seine Antwort auf die Frage, warum es trotz der Vorbereitung Opfer gegeben hatte war so treffend, dass ich sie hier im Original wiedergebe:
„Okay, strange. Not here – exept for that couple of idiots. You always have that!“
Nun aber wieder zurück zur Wetterlage, um die es hier geht. Im Folgenden ist die Entwicklung in sechs Graphiken zusammen gefasst. Die Graphiken sind folgendermaßen angeordnet:
Oben ist jeweils links das Bild im „Wetterradar“ abgebildet, rechts daneben die Verhältnisse im 500-hPa-Niveau.
Darunter findet sich links das 850-hPa-Niveau und rechts davon die aktuelle Temperatur.
Die Darstellungen des „Wetterradars“ sind um 21 Uhr MEZ ≅ 16 Uhr Ortszeit ebenso wie die aktuelle Temperatur, also etwa zur Zeit des Tagesmaximums. Alle Höhenkarten sind um 00 UTC ≅ 18 Uhr Ortszeit.
Datenquellen: „Wetterradar“ und aktuelle Temperatur jeweils von wetteronline.de; alle Höhenkarten von wetterzentrale.de.
Mit ein wenig Scrollen kann man alle Darstellungen von Tag zu Tag miteinander vergleichen. Insbesondere der Vergleich der Darstellungen der aktuellen Temperatur dürfte recht aufschlussreich sein. Durch Anklicken kann man sich die Bilder vergrößern.
Hier also die Graphiken wie oben beschrieben. Zunächst vom 15. März 2026:
16. März 2026:






