Studie: Die globale Ölprognose kehrt zur Vernunft zurück, doch der Schaden ist bereits angerichtet

William Murray

Es ist nicht leicht, einem breiten Publikum zu vermitteln, wie wichtig die Veröffentlichung des World Energy Outlook (WEO) für politische Entscheidungsträger, Energieunternehmen und Investoren ist, die jedes Jahr weltweit Investitionsentscheidungen in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar treffen.

Der Outlook wird jährlich von der Internationalen Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris veröffentlicht, einer der weltweit renommiertesten Autoritäten für Energiedaten. Die IEA wurde 1974 von vielen der am weitesten entwickelten Länder der Welt gegründet, um nach dem OPEC-Ölembargo von 1973 bessere Informationen über die Prognosen für die Öl- und Gasnachfrage zu liefern.

Seit Anfang der 1990er Jahre enthält der Outlook ein Current Policies Scenario (CPS), das die zukünftige Öl- und Erdgasnachfrage für die kommenden Jahrzehnte auf der Grundlage der aktuellen Gesetze und Energiepolitik der Regierungen prognostiziert. Dieses Szenario wurde dann von Banken und Unternehmen verwendet, um zu extrapolieren, wie viele Milliarden Dollar sie investieren müssen, um den kommenden Energiebedarf zu decken.

Der hervorragende Ruf der IEA machte das CPS jahrzehntelang zum Maßstab für globale Energieversorgungs- und -bedarfsprognosen – bis vor kurzem.

Im Jahr 2020 beschloss die IEA unter ihrem langjährigen Exekutivdirektor Fatih Birol, das CPS aufzugeben, „teilweise aufgrund des Drucks europäischer Nationen und grüner Aktivisten“, so der Energieanalyst Javier Blas von Bloomberg. Die meisten dieser grünen Aktivisten waren daran interessiert, die Öl- und Kohleproduktion durch Klimapolitik dauerhaft zu verdrängen.

Zu diesem Zweck fügte die IEA neue Szenarien ein, die noch nicht gesetzlich verankerte politische Ambitionen und Bestrebungen berücksichtigten. Diese analytische Irreführung ermöglichte es, die Netto-Null-Emissionsziele der Pariser Vereinbarung zu einer konkreten Prognose zu machen. Infolgedessen zeigten diese Prognosen, dass die weltweite Ölnachfrage bis 2030 nur um zusätzliche 3 Millionen bis 106 Millionen Barrel pro Tag steigen würde, bevor sie dauerhaft zurückgehen würde.

Aufgrund des guten Rufs der IEA trugen diese Prognosen dazu bei, dass die Elite in Davos Anfang der 2020er Jahre die öffentliche Meinung in Richtung Netto-Null- und ESG-Rahmenbedingungen (Environmental, Social and Governance) lenkte, was letztlich dazu führte, dass Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden Dollar in Kohlenstoff- und Kohlenwasserstoff-Ressourcen unterbunden wurden.

Die IEA hat nach Druck seitens der Trump-Regierung das Szenario der aktuellen Politik für 2025 wieder eingeführt und gleichzeitig bestätigt, dass bis mindestens 2050 kein Höhepunkt der weltweiten Ölnachfrage zu erwarten ist. Dies ist eine willkommene Entscheidung, doch laut einem kürzlich vom National Center for Energy Analytics (NCEA) veröffentlichten Bericht ist zuvor bereits viel Schaden entstanden.

Der Bericht, verfasst von Neil Atkinson, Gastwissenschaftler der NCEA und ehemaliger Leiter der Abteilung Ölindustrie und -märkte der IEA, sowie Adam Sieminski, ehemaliger Administrator der US-Energieinformationsbehörde, kam zu dem Schluss, dass die Wiedereinführung des CPS im WEO 2025 zwar „einen großen Beitrag dazu geleistet hat zu zeigen, dass seine Szenarien realitätsfern sind“, die IEA jedoch noch mehr tun muss, um vergangene Fehler zu korrigieren.

Die jüngste Kritik ergab, dass die IEA nach wie vor eine Reihe unhaltbarer Annahmen bzgl. des Marktes trifft, darunter:

Elektrofahrzeuge: Die Prognosen zur Einführung von Elektrofahrzeugen sind nach wie vor zu optimistisch, was zu einer Überschätzung des Rückgangs der Ölnachfrage für Leichtfahrzeuge führt.

Luftfahrt: Selbst eine Prognose für einen geringen Rückgang des Flugkraftstoffverbrauchs ist nach wie vor zu aggressiv.

Seeschifffahrt: Die IEA präsentiert weiterhin zu aggressive Prognosen für einen deutlichen Rückgang des Rohölverbrauchs in der globalen Seeschifffahrt.

Selbst falls die IEA ihre methodischen Probleme behebt und einen neuen Exekutivdirektor ernennt, könnten die durch das fünfjährige Fehlen des Szenarios „Aktuelle Politik” entstandenen Schäden noch lange nachwirken. Sieminski und Atkinson schätzen, dass in den nächsten zehn Jahren mit Unterinvestitionen in Höhe bis zu 1,5 Billionen US-Dollar in die Exploration von Öl und Erdgas zu rechnen ist. Unterinvestitionen im Ölsektor führen zu Versorgungsengpässen, was unweigerlich einen Anstieg der Energiepreise und ein neues, viel höheres Preisniveau zur Folge hat.

Mit ihrer Prognose eines Nachfragespitzenwerts für Öl im Jahr 2030 hat die IEA ihre Glaubwürdigkeit verspielt und Organisationen wie der Net-Zero Banking Alliance Rückendeckung und elitäre Unterstützung gegeben, einer von den Vereinten Nationen unterstützten Gruppe, deren Mitgliederzahl auf 140 Banken mit einem Vermögen von mehreren Billionen Dollar angewachsen ist und die sich verpflichtet haben, ihre Portfolios bis 2050 auf Netto-Null-Treibhausgasemissionen auszurichten.

Es ist nicht genau bekannt, in welchem Umfang internationale Investmentbanken sich aus der Finanzierung von Öl- und Kohlevorkommen in der Arktis zurückgezogen haben, aber viele haben dies öffentlich bestätigt. Der Zusammenbruch der Bankenallianz im Herbst 2025, ausgelöst durch eine Kombination aus politischem Druck und Marktgegebenheiten, wird die Folgen eines selbstverschuldeten, jahrelangen Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage nicht ausgleichen können.

Die Autoren des Berichts gehen nicht so weit, die IEA direkt zu beschuldigen, das Investitionsklima heimlich so weit zu untergraben, dass es zu künftigen rezessionsverursachenden Preisspitzen kommt, aber Energieexperten wissen, dass ähnliche Produktionsausfälle in der Vergangenheit genau das bewirkt haben.

In den 1970er Jahren stieg der Preis für ein Barrel Öl von 4 Dollar auf einen neuen Höchststand von etwa 32 Dollar im Jahr 1981, was einer Versiebenfachung des Nominalpreises entspricht und viele Volkswirtschaften in die Krise stürzte. In der Zeit der extrem hohen Preise zwischen 2004 und 2013 verdreifachten sich die langfristigen Ölpreise in etwa und spielten eine unterschätzte Rolle bei der globalen Finanzkrise im Jahre 2008.

Sollte es in den kommenden Jahren zu einer weiteren starken Preiskorrektur nach oben kommen, sollte man bei der Aufstellung einer Liste der Verantwortlichen nicht vergessen, auch die vorsätzlichen Fehler der IEA zu berücksichtigen. Alle staatlichen Institutionen sind politisch, unabhängig davon, wie sehr ihre Strukturen vor direkter Einflussnahme geschützt sind. Hoffen wir, dass die IEA ihre Lektion gelernt hat, was die Kosten angeht, die entstehen, wenn man glaubt, auf der „richtigen Seite der Geschichte“ zu stehen.

William Murray is a former chief speechwriter for the Environmental Protection Agency (EPA), the past editor of RealClearEnergy from 2015-2017, and has covered energy and environmental policy in Washington D.C., as a journalist and analyst for the past two decades.

This article was originally published by RealClearEnergy and made available via RealClearWire.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/02/01/expert-study-shows-sanity-returning-to-global-oil-forecasts-but-damage-has-been-done/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE