Falsch, Everyday States, Preise zeigen, dass erneuerbare Energien nicht „billiger als fossile Treibstoffe“ sind
Everyday States veröffentlichte einen Artikel mit der Behauptung, dass Wind- und Solarenergie, insbesondere Solarenergie, in verschiedenen Bundesstaaten günstigeren Strom liefern als fossile Treibstoffe. Die Medien haben in den letzten zehn Jahren wiederholt ähnliche Behauptungen aufgestellt, aber wie bei den früheren Berichten zeigen die Daten zu den Strompreisen und -trends in diesen Bundesstaaten, dass diese Behauptung falsch ist. Wind- und Solarenergie sind nach wie vor erheblich teurer als zuverlässigere Stromquellen wie Erdgas, Kohle und Kernkraft. Dies belegen wissenschaftliche Studien ebenso wie die Strompreise und -trends in den Bundesstaaten, die in dem Beitrag von Everyday States hervorgehoben werden.
In dem Artikel mit dem Titel [übersetzt] „Die Bundesstaaten, in denen erneuerbare Energien mittlerweile billiger sind als fossile Brennstoffe“ schreibt der Autor Lean Thomas unter der ersten Zwischenüberschrift [übersetzt] „Die Solarrevolution verändert die Energielandschaft Amerikas“:
Stellen Sie sich Folgendes vor: Noch vor 15 Jahren kostete Solarenergie viermal so viel wie die günstigste fossile Brennstoffoption. Heute ist Solarenergie weniger als halb so teuer wie die kostengünstigste fossile Alternative, was eine der dramatischsten Kostenumkehrungen in der Industriegeschichte darstellt. Die Transformation ist geradezu bemerkenswert: Die Stromgestehungskosten (LCOE) von Solar-PV liegen 2023 um 56 % unter dem gewichteten Durchschnitt der fossilen Alternativen.
Erneuerbare Energien haben die Energielandschaft verändert, aber nicht zum Besseren, es sei denn, man mag Stromausfälle und hohe Kosten.
Ein Problem für Thomas‘ Behauptungen ist, dass die LCOE viele der mit Wind- und Solarenergie verbundenen Kosten außer Acht lässt: Kosten in Form von direkten Subventionen, Steuergutschriften und Kosten für Backup und Übertragung, die auf alle Stromkunden umgelegt werden, anstatt von den Wind- und Solarentwicklern getragen zu werden.
Eine in der Fachzeitschrift Energy veröffentlichte Peer-Review-Studie versuchte, alle direkten und versteckten Kosten konkurrierender Stromerzeugungsquellen zu berücksichtigen, um einen direkten Vergleich der Erschwinglichkeit zu ermöglichen, und ermittelte die durchschnittlichen Gesamtstromkosten (Levelized Full System Costs of Electricity, LFCOE) konkurrierender Netzstromquellen. Nach Berücksichtigung von Subventionen, Produktionssteuergutschriften, zusätzlichen Übertragungsleitungen, Notstromversorgung und anderen staatlichen und bundesstaatlichen Programmen zur Förderung erneuerbarer Energien kam die Studie zu dem Ergebnis, dass Solarenergie zehnmal teurer ist als Erdgas und mehr als viermal teurer als Kohle. Windenergie ist zwar billiger als Solarenergie, aber immer noch fast sechsmal teurer als Erdgas und mehr als dreimal teurer als Kohle.
[Hervorhebung vom Übersetzer]
Im wind- und sonnenverwöhnten Texas beispielsweise liegt der LCFOE für neues Erdgas bei 40,00 US-Dollar pro Megawattstunde (MWh) und für Kohle bei 90,00 US-Dollar pro MWh, verglichen mit 291,00 US-Dollar pro MWh für Wind und 413,00 US-Dollar pro MWh für Solarenergie.
Interessanterweise nennt Thomas speziell Texas als Beispiel für einen Bundesstaat, in dem Solarenergie mittlerweile billiger ist als Strom aus fossilen Brennstoffen, doch die Erfahrung in Texas sieht so aus: Vor 20 Jahren hatte Texas mit die niedrigsten Strompreise in den USA, und die Preise für die Verbraucher sanken aufgrund des Wettbewerbs. Texas verfügt über reichlich Kohle und Erdgas, was sich in den Preisen des Bundesstaates niederschlug.
Die Hilfe der Bundesstaaten und der Bundesregierung in Form strengerer Vorschriften für Kohlekraftwerke hat zu vorzeitigen Stilllegungen geführt. Seit 2005 wurden mehr als 7.000 MW Kohlekraft aus dem Netz genommen und durch 38.000 MW Windkraft und 35.000 MW Solarenergie ersetzt. Die Stromkunden in Texas erleben nun mehr Stromausfälle, Energie-Notfälle und Aufrufe zum Energiesparen als jemals zuvor in der Geschichte des Bundesstaates, auch im Winter, der historisch gesehen die Zeit mit der geringsten Nachfrage im Bundesstaat ist.
Unterdessen sind die Strompreise in die Höhe geschossen. Im Jahr 2005 hatte Texas die günstigsten Strompreise in der Region. Seitdem wurden immer mehr Wind- und Solarenergie in das Netz eingespeist, wodurch die Strompreise für die Texaner deutlich und stark gestiegen sind. Texas hat nun die höchsten Strompreise in der Region und gehört zu den Bundesstaaten mit den am schnellsten steigenden Stromkosten in den USA.
Der andere Staat, der in dem Artikel von Everyday States ausdrücklich erwähnt wird, ist Kalifornien, wo die Lage noch schlechter ist, als es Thomas in seiner idyllischen Darstellung von reichlich vorhandener und erschwinglicher erneuerbarer Energie darstellt.
Das kalifornische Stromnetz ist ständig überlastet, und Stromausfälle sind vor allem im Sommer an der Tagesordnung. Dies ist zum großen Teil auf die strengen Klimavorschriften zurückzuführen, welche die Nutzung von Kohle im Bundesstaat beendet, den Einsatz von Erdgas eingeschränkt und Wind- und Solarenergie vorgeschrieben haben.
Was die Kosten angeht, so sind die Strompreise für Privathaushalte in Kalifornien die höchsten und die Strompreise für Gewerbekunden die zweithöchsten in den kontinentalen Vereinigten Staaten. Die Preise für Privathaushalte in Kalifornien liegen fast doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt.
Obwohl die Einwohner Kaliforniens im Vergleich zum Rest der USA pro Kopf weniger Energie verbrauchen, steigen ihre Strompreise kontinuierlich. Dies ist zum großen Teil auf Klimaschutzvorschriften und die erzwungene Verdrängung fossiler Brennstoffe und Kernenergie durch Wind- und Solarenergie aufgrund von Auflagen und Sonderpreisen zurückzuführen. Die Strompreise in Kalifornien haben sich seit 2005 mehr als verdoppelt.
Die Tageszeitung „Everyday States“ sollte ihre Leser nicht mit Märchen über billigen Strom aus Solar- und Windenergie irreführen. Die Daten der Energy Information Administration sind klar und leicht zugänglich und zeigen, dass Staaten, die nach wie vor weitgehend von Kohle oder Wasserkraft abhängig sind, zu den niedrigsten Strompreisen für Privathaushalte, Gewerbe und Industrie in den USA gehören. Im Gegensatz dazu gehören Staaten mit steigenden Vorgaben und Subventionen für erneuerbare Energien zu den Staaten mit den höchsten und am schnellsten steigenden Energiekosten. Entgegen den fantastischen Behauptungen von Thomas gilt: Je mehr „billige” Wind- und Solarenergie in das Stromnetz eines Bundesstaates eingespeist wird, desto höher (und schneller steigend) sind die Energiekosten und desto unzuverlässiger ist das Stromnetz insgesamt.
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE