Klimamodelle unterschätzen Ruß-Wirkung – Klimaschau 213

Unsere industrialisierte Gesellschaft setzt viele und unterschiedliche Schadstoffe in die Welt frei. Insbesondere die Verbrennung erzeugt Aerosolmasse, darunter auch Ruß, auf englisch: black carbon. Obwohl dieser nur einen kleinen Prozentsatz der Aerosolpartikel ausmacht, ist Ruß besonders problematisch, da er Wärme absorbieren und die Wärmereflexion von Oberflächen wie Schnee beeinträchtigen kann. Daher ist es wichtig zu wissen, wie Ruß mit dem Sonnenlicht interagiert. Forscher haben den Brechungsindex von Ruß so genau wie möglich bestimmt, was sich auf Klimamodelle auswirken könnte.




Texas macht Riesenschritte in Richtung Kernenergie-Dominanz

Duggan Flanakin

Ist in Texas alles größer?

Der Administrator des Texas A&M University System John Sharp verkündete letzte Woche, dass seine Universität sogar das renommierte Massachusetts Institute of Technology übertroffen hat und nun über die landesweit größte Forschungsabteilung für Kerntechnik verfügt.

Und gerade rechtzeitig, denn Sharp gab auch bekannt, dass die Texas A&M mehreren Kernreaktor-Unternehmen Land in der Nähe ihres RELLIS-Innovations- und Technologie-Campus in Bryan, Texas, zum Bau kleiner modularer Reaktoren (SMR) anbietet.

„Schlicht und einfach“, so Sharp, ehemaliger Rechnungsprüfer des Bundesstaates und ehemaliges Mitglied der Texas Railroad Commission, “die Vereinigten Staaten brauchen mehr Energie. Und nirgendwo im Land, außer in Texas, ist jemand bereit, die Kraftwerke zu bauen, die wir brauchen.“

Die Geschäftsführer von Kairos Power, Natura Resources, Terrestrial Energy und Aalo Atomics haben sich bereit erklärt, mit dem Texas A&M System zusammenzuarbeiten, um im Rahmen eines Projekts mit dem Namen „The Energy Proving Ground“ Reaktoren auf den RELLIS-Campus zu bringen.

Ihr gemeinsames Ziel ist es, auf den Bau und die Erprobung kommerziell nutzbarer Technologien hinzuarbeiten, die innerhalb von fünf Jahren mehr Kernenergie für den Electric Reliability Council of Texas (ERCOT, der das texanische Stromnetz verwaltet) und schließlich für eine energiehungrige Nation bereitstellen können.

Laut Sharp ist der RELLIS-Campus landesweit der erste geeignete Standort, an dem Reaktorhersteller und stromabhängige Unternehmen aus dem Bereich Big Tech Cluster kleine modulare Reaktoren bauen können, um den Strombedarf für künstliche Intelligenz, Rechenzentren und das Stromnetz zu decken.

Das Texas A&M System ist bereit, das zu tun, was für den Erfolg des Landes notwendig ist, fügte Sharp hinzu, dank der Führung von Gouverneur Greg Abbott und anderen in der texanischen Landesregierung. Zweifelsohne wird das Projekt „Energy Proving Ground“ auch Spitzenkräfte an die Universität locken.

Im vergangenen November verkündete Gouverneur Abbott die Veröffentlichung des Abschlussberichts der Texas Advanced Nuclear Reactor Working Group. Nur wenige Tage später kündigte er an: „Texas ist die Energiehauptstadt der Welt, und wir sind bereit, die Nummer eins bei der fortschrittlichen Kernkraft zu werden.“

Die von der Public Utility Commission of Texas (PUCT) auf Anweisung von Abbott eingesetzte Arbeitsgruppe hatte die Aufgabe, den Plan des Bundesstaates zu bewerten, „eine weltweit führende fortschrittliche Kernkraftindustrie aufzubauen, um die Zuverlässigkeit der Stromversorgung und die Energiesicherheit zu verbessern, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und neue Chancen für die wachsende texanische Erwerbsbevölkerung zu eröffnen.“

Im Bericht der Arbeitsgruppe heißt es, dass fortschrittliche Kernreaktoren die Energiesicherheit erhöhen werden, indem sie die Stromerzeugung in Texas ergänzen. Die Kernenergie liefert Strom für städtische Zentren, Häfen, Öl- und Gasregionen, Industrieanlagen, Rechenzentren und Militärbasen. Die Kernenergie verbessert auch die Zuverlässigkeit des ERCOT, da sie zuverlässiger ist als Kohle, Wind und Sonne.

Da fortschrittliche SMRs mit Rechenzentren zusammengelegt werden können und die Schwerindustrie unterstützen, können sie dazu beitragen, neue, gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen, die Produktivität zu steigern und den Haushalten und der Staatskasse Einnahmen zu verschaffen, da sie Prozesswärme liefern, Entsalzungsanlagen mit Strom versorgen und Ölfelder elektrifizieren.

Einem Bericht des Bureau of Better Business zufolge könnte der Einsatz von Kernkraftwerken in Texas bis zum Jahr 2055 über 50 Milliarden Dollar an neuer wirtschaftlicher Entwicklung und 27 Milliarden Dollar an Löhnen für texanische Arbeitnehmer durch die Beschäftigung von durchschnittlich 148.000 Menschen direkt oder indirekt in Bau, Betrieb und Herstellung bringen.

Ein weiteres Ergebnis dieses Vorstoßes in die Kernenergieforschung und -entwicklung ist das Potenzial für Texas, im Bereich der fortschrittlichen Kernenergieerzeugung landesweit führend zu werden. Die Etablierung von Texas als bevorzugter Lieferant von ANR-Technologie aus den USA würde internationale Möglichkeiten eröffnen, insbesondere für diejenigen, die eine Alternative zur chinesischen und russischen Kernreaktor-Technologie bevorzugen.

Die Arbeitsgruppe sprach auch mehrere Empfehlungen für gesetzgeberische Maßnahmen aus, um die Fähigkeit des Staates zu stärken, ANR-Projekte anzuziehen, angefangen mit der Schaffung einer Texas Advanced Nuclear Authority, einer nicht-regulatorischen Einrichtung, welche die strategische Nuklearvision des Staates koordinieren und die ANR-Politik umsetzen soll.

Weitere Empfehlungen umfassen die Schaffung von:

– Ein Texas Nuclear Permitting Bureau, eine zentrale Anlaufstelle für Genehmigungen.

– Ein Programm zur Schulung von Arbeitskräften für Volkshochschulen und Universitäten, um den Aufbau von einheimischen Arbeitskräften im Nuklearbereich zu unterstützen.

– Ein texanisches Institut für fortschrittliche Fertigung zur Förderung eines nuklearen Ökosystems in Texas.

– Ein texanisches Programm für die Öffentlichkeitsarbeit im Nuklearbereich, um die Texaner durch Kommunikation und öffentliches Engagement über die Vorteile der fortschrittlichen Kernreaktortechnologie zu informieren und aufzuklären.

– Ein texanischer Kernenergie- und Lieferkettenfonds in Form eines Direktzuschusses mit Kostenteilung, um Anreize für eine frühzeitige Entwicklung und Standortwahl zu schaffen und die Lieferkette und die inländischen Produktionskapazitäten zu unterstützen.

– Ein texanischer Kernenergiefonds nach dem Vorbild des texanischen Energiefonds, um das Finanzierungstal zu überwinden, in dem sich Projektentwickler in Texas befinden.

Um das behördliche Verfahren zu straffen, damit die vier beteiligten Unternehmen ihre Reaktoren schnell in Betrieb nehmen können, haben Beamte der Texas A&M bereits das Antragsverfahren bei der US-Nuklearaufsichtsbehörde (U.S. Nuclear Regulatory Commission) für eine frühzeitige Standortgenehmigung (Early Site Permit) zur potenziellen Entwicklung kommerzieller elektrischer und thermischer Stromerzeugungsanlagen eingeleitet. Der Standort kann mehrere SMR-Reaktoren mit einer Gesamtleistung von mehr als 1 Gigawatt aufnehmen.

Simon Irish, CEO von Terrestrial Energy hofft, am Standort Bryan einen integrierten Salzschmelzenreaktor (IMSR) entwickeln zu können. Mike Laufer, CEO von Kairos Power, plant eine oder mehrere kommerzielle Anlagen an diesem Standort.

Douglass Robison, CEO von Natura Resources, dessen Unternehmen fünf Jahre lang mit der Universität zusammengearbeitet hat, um sein Natura MSR-1-Demonstrationssystem zu entwickeln, wird sich nun auf die Entwicklung seines kommerziellen Natura MSR-100-Systems konzentrieren. Matt Loszak, CEO von Aalo Atomics, hofft, bis zu sechs Aalo Pods am Standort bauen zu können.

Ein weiteres texanisches Kernkraftwerksprojekt ist an der Abilene Christian University im Gange, wo Natura Resources einen neuartigen Kernreaktor baut, der zuverlässige „kohlenstofffreie“ Energie erzeugen und gleichzeitig Wasser entsalzen soll. Im Jahr 2023 baute Natura das neue Wissenschafts- und Technikforschungszentrum der ACU, die erste fortschrittliche Reaktorforschungseinrichtung außerhalb eines nationalen Labors in den Vereinigten Staaten.

Natura hatte bereits eine Machbarkeitsstudie beim Texas Produced Water Consortium mit Sitz an der Texas Tech University in Lubbock durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass der Salzschmelzenreaktor bei einer Temperatur von 600 Grad Celsius bis zu 250 Megawatt Strom erzeugen kann, der für die Entsalzung von Produktionswasser, anderem Brackwasser oder sogar Meerwasser verwendet werden kann.

Der Bau des Reaktors soll bis 2027 abgeschlossen sein. Danach wird das Natura-Team mit der Integration der Systeme für die Wasserentsalzung beginnen. Die geschmolzenen Salze, eine Mischung aus Lithiumfluorid und Berylliumfluorid oder Thoriumfluoridsalzen, dienen sowohl als Brennstoff als auch als Kühlmittel.

Gouverneur Abbott ist der Ansicht, dass „Texas durch die Nutzung fortschrittlicher Kernenergie die Zuverlässigkeit des staatlichen Stromnetzes erhöhen und den Texanern erschwinglichen, planbaren Strom zur Verfügung stellen wird.“

Der Aufbau einer texanischen ANR-Industrie wird dafür sorgen, dass Texas im Energiebereich führend bleibt, aber Texas ist kaum der einzige Staat, der in diese Richtung arbeitet. Der vielleicht größte Konkurrent von Texas befindet sich in Oak Ridge, Tennessee, wo das Projekt Ike angesiedelt ist, eine neue Kernenergieentwicklung, die durch den neuen Kernenergiefonds von Tennessee gefördert wird.

Der Gouverneur von Tennessee Bill Lee sagt, dass der Fonds, der von der Generalversammlung von Tennessee mit einem Budget von 60 Millionen Dollar in seinem ersten Jahr eingerichtet wurde, sehr erfolgreich bei der Anwerbung von Kernenergieprojekten war, von denen vier innerhalb von sechs Monaten angekündigt wurden. Wie Gouverneur Abbott möchte auch Gouverneur Lee seinen Staat Tennessee „zum ersten Staat machen, in dem Kernenergieunternehmen investieren und florieren“.

Strom für das Volk – was für eine neue Idee!

This article originally appeared at Real Clear Energy

Link: https://www.cfact.org/2025/02/16/texas-takes-giant-steps-toward-nuclear-energy-dominance/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Kältereport Nr. 08 / 2025

Vorbemerkung: Diesmal ist der Kältereport länger als sonst, gibt es doch so viele Meldungen, dass man kaum nachkommt. Die USA sind natürlich vorne dabei, aber auch der Hochsommer in der Antarktis (!) wartet mit immer neuen Kalt-Extremen auf.

USA: „Lebensbedrohliche Kälte“ strömt heran

Eine arktische Luftmasse erfasst diese Woche die USA und bringt „lebensbedrohliche Temperaturen und rekordverdächtige Kälte“ für Millionen von Menschen, berichtet das FOX Forecast Center. Texas könnte eine Kälte erleben, die mit dem tödlichen Frost von 2021 vergleichbar ist.

Die extreme Kälte wird bis Ende Februar anhalten, wobei in weiten Teilen des Landes Temperaturen von 17 bis 27 Grad unter dem Durchschnitt herrschen werden.
Am extremsten wird es im Norden und in der Mitte der USA sein, wo Temperaturen bis -51° C vorhergesagt werden.

Für North Dakota, Montana und Minnesota werden tödliche Bedingungen vorhergesagt, bei denen Erfrierungen auf der ungeschützten Haut fast sofort drohen. Der nationale Wetterdienst hat für diese Regionen eine Warnung vor extremer Kälte herausgegeben und die Bewohner aufgefordert, sofortige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Hunderte von Städten bereiten sich auf Rekordtiefstwerte vor.

Im Westen hat es bereits kräftig geschneit: Mammoth, Kalifornien, verwandelte sich nach einer Schneehöhe von fast einem Meter in eine „Schneekugel“, wie dieses Video zeigt.

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Australien: Rekord-Februar-Kälte in weiten Gebieten

Obwohl die Temperaturen im Januar um 1,06 °C fielen, hatten Teile Australiens einen relativ warmen Februar – entgegen dem weltweiten Trend. Das änderte sich jedoch am Wochenende auf dramatische Weise, als die monatlichen Kälterekorde fielen.

Melbourne verzeichnete am Samstag die kälteste Februarnacht aller Zeiten, und in den viktorianischen Alpen fiel Sommerschnee.

2 m Temperatur-Anomalien (C) am 16. Februar 2025 [tropicaltidbits.com].

In Melbourne wurde am Sonntagmorgen eine Temperatur von 9,9 °C gemessen, womit der bisherige Februartiefstwert von 10 °C aus dem Jahr 2017 übertroffen wurde – so die Daten des BoM.

Im gesamten Bundesstaat Victoria fielen die Höchstwerte sogar. In Mount Baw Baw wurde mit -1,4°C der bisherige Tiefstwert von -1°C aus dem Jahr 1999 gebrochen; die Wetterstation in Hunters Hill übertraf ihren Februarwert mit 2°C, während Castlemaine am Sonntagmorgen mit 2,5°C erwachte und damit den niedrigsten Februarwert seit 59 Jahren verzeichnete – um nur drei Rekorde zu nennen.

Der leitende BoM-Meteorologe Jonathon How nannte die Kälte „dramatisch“.

Anderswo, in Badgery’s Creek, New South Wales, sank die Temperatur auf 10,7°C, während sie in den Blue Mountains unter 6°C fiel. Canberra stand kurz davor, einen Monatsrekord aufzustellen, denn die Temperatur sank auf 3,2 °C – nur 0,4 °C von diesem entfernt.

Die kühle Luft reichte sogar bis nach Queensland.

Es wird noch mehr anomale Sommerkälte geben, vor allem im Südosten. Hier sind die letzten monatlichen Rekorde (Stand: Montagmorgen, 17. Februar):

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Polen: Tiefstwerte bis –41,1°C

Am Montagmorgen sanken die Temperaturen in Litworowy Kocioł, einem Kaltluftsee in der polnischen Hohen Tatra auf -41,1 °C.

Die Station hier ist erst seit Juni 2022 in Betrieb, aber der Wert von heute Morgen markiert einen großen Unterschied zu den Tiefstwerten der vergangenen Winter: -28,7°C.

In weiten Teilen Europas herrschte in letzter Zeit bittere Kälte – eine Entwicklung, die sich fortsetzen wird.

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Antarktis: In Wostok –57,4°C

In Wostok ist der frühe Einbruch des antarktischen Winters weiterhin zu spüren, und die Kälte wird von Tag zu Tag intensiver.

Am 17. Februar erreichte die Temperatur einen ungewöhnlich niedrigen Wert von -57,4 °C, den bisher tiefsten Wert der Saison.

Da der Februar bereits so kalt war, dürften die kommenden Wochen den Abkühlungstrend der letzten Jahre noch verstärken.

Link: https://electroverse.substack.com/p/life-threatening-cold-enters-the?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

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Meldungen vom 18. Februar 2025:

Zunächst eine Meldung bei wetteronline.de zu extremer Kälte hierzulande.

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USA: Kälterekorde beginnen zu purzeln

Ein intensiver Einbruch arktischer Luft hat die Vereinigten Staaten im Griff und bringt „lebensbedrohliche Kälte“ in die Rocky Mountains und die Northern Plains.

Die Temperaturen sind in Teilen von North Dakota auf -51°C und in Montana auf -46°C) gesunken. Berichten zufolge handelt es sich bei diesem Ereignis um den 10. (und intensivsten) arktischen Ausbruch in dieser historisch kalten Jahreszeit.

Derzeit gelten in 11 Bundesstaaten, von der kanadischen Grenze bis hinunter nach Zentraltexas, Warnungen vor extremer Kälte. Den Bewohnern, insbesondere im Norden, wird empfohlen, alle unbedeckten Hautpartien zu bedecken, den Aufenthalt im Freien zu begrenzen und auf gefährdete Personen zu achten.

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Kanada: Seit Langem bestehende Kälterekorde gebrochen

Nördlich der Grenze purzeln die Rekorde in Alberta und Saskatchewan. In beiden Provinzen wurden extreme Kältewarnungen ausgesprochen, und die Temperaturen fielen auf Werte, die seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht worden waren.

In Alberta wurde am Wochenende in der Region Sundre ein Rekordtiefstwert nach dem anderen verzeichnet. Am Flughafen wurde am 15. Februar -32,8 °C gemessen und übertraf damit den bisherigen Rekord von -31,6 °C aus dem Jahr 2018. Am nächsten Tag war es mit -33,8 °C sogar noch kälter als 2006 (33°C).

Der Frost erstreckte sich bis nach Bow Island, wo am Wochenende -31,4°C und dann -31,5°C gemessen wurden, womit Rekorde bis zurück Anfang der 1970er Jahre gebrochen wurden. In Hendrickson Creek wurden -35°C gemessen, womit die alte Marke von -33°C übertroffen wurde.

In Saskatchewan fielen die Temperaturen in der Stadt Assiniboia am 16. Februar auf -35,8°C und brachen damit den bisherigen Rekord von -35,5°C aus dem Jahr 1989. Collins Bay erreichte -43,7°C und brach damit den alten Tiefstwert von -38,8°C. Coronach verzeichnete -35°C und übertraf damit den Rekord von 1979 mit -34.4°C. Elbow verzeichnete -37°C und brach damit den Rekord von 1967 (-36.7°C). Aber es war der Key Lake, der mit einem Tiefstwert von -48,7 °C den 1986 aufgestellten Rekord von -46,5 °C übertraf.

Die Bewohner von Alberta und Saskatchewan bleiben dick eingepackt: weitere eisige Tage stehen bevor.

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Historischer Schneefall in Montreal

In Québec war es eiskalt und historisch schneereich.

Montreal hat gerade einen mehrtägigen Schneerekord erlebt: Vom 13. bis zum 16. Februar fielen fast 80 cm Schnee – die schneereichste Zeitspanne in der Stadt seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1871.

Bürgermeisterin Valérie Plante sprach von einer „historischen Situation“ und forderte die Einwohner auf, zu Hause zu bleiben, da die Straßenräumungsarbeiten rund um die Uhr andauern. Bei Schneehöhen bis 103 cm in McTavish könnten die Räumungsarbeiten bis zu acht Tage dauern. Die Müllabfuhr wurde ausgesetzt, um den Verkehr zu entlasten, und fast 25.000 Menschen waren während des Sturms ohne Strom.

Auf dem Trudeau-Flughafen in Montreal kam es zu massiven Beeinträchtigungen, die Hälfte aller Flüge wurde gestrichen.

Die Stadt gräbt sich aus.

Ein Wort zu Ontario, speziell Toronto… Mit einem 5-tägigen Schneefall von insgesamt 51,4 cm vom 12. bis 16. Februar war dies der schneereichste 5-Tage-Abschnitt in Toronto seit 1940.

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Australien kühlt ab

Der Südosten Australiens kühlt sich weiter ab, und in der gesamten Region wurden weitere Temperaturrekorde gebrochen.

Der vielleicht bemerkenswerteste Rückgang fand in Mt Hotham statt, wo die Temperatur auf -3,7 °C fiel und damit die drittkälteste Februarnacht war, die jemals im Bundesstaat Victoria gemessen worden ist. Dieser Wert lag nur 0,2 °C unter dem Landesrekord.

Was die tatsächlichen Rekorde angeht, so hat Kyabram die Nase vorn – in der Stadt wurde es am Dienstagmorgen 5,6°C kalt, womit der bisherige Februarrekord von 5,8°C aus dem Jahr 1980 gebrochen wurde.

Link: https://electroverse.substack.com/p/cold-records-begin-falling-across?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

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Meldungen vom 19. Februar 2025:

Tschechien: Rekordkälte

Die Tschechische Republik befindet sich in einer eisigen Umklammerung, mit extremen Frösten, die die Temperaturen in den Bergen auf -30,2 °C sinken lassen.

Nach Angaben des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts (CHMU) liegen die nächtlichen Temperaturen in weiten Teilen des Landes zwischen -9 und -14 Grad Celsius, in den Bergregionen sogar noch tiefer.

Der Frost hält nun schon seit mehreren Nächten an, und die Meteorologen des CHMU haben sich an X gewandt: „Die Nacht zum Dienstag war besonders kalt, vor allem im Nordwesten und Norden Böhmens, wo der klare Himmel die Temperaturen sinken ließ. … Im Isergebirge herrschten noch härtere Bedingungen, die Temperaturen fielen unter -20°C.“

Die kälteste Stelle brach sogar noch tiefer ein: In Kořenov Jizerka wurden am Mittwochmorgen um 5:00 Uhr -30,2 °C gemessen.

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Nordhemisphäre: Schneebedeckung über dem Mittel

Trotz eines langsamen Saisonstarts liegt die Gesamtschneemenge auf der Nordhalbkugel jetzt über dem Durchschnitt der Jahre 1982-2012 – und damit wieder dort, wo sie hingehört (in sechs der letzten acht Jahre gab es überdurchschnittlich viel Schnee):

[FMI]

Unterstützt wird dies durch die folgende Graphik des Rutgers Weekly NH Snow Cover Extent. Sie zeigt auch eine Ausdehnung über dem Durchschnitt (1967-2024):

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Japan: Schneehöhe in Skigebieten über 6 Meter!

In Japan werden weiterhin Schneerekorde aufgestellt. Das Land hat jetzt fünf Skigebiete mit Schneehöhen von über 6 m, eines davon nähert sich sogar 7 m.

Das Skigebiet Tengendai Kogen in Yonezawa City, Yamagata, misst jetzt 680 cm, nachdem in den letzten 24 Stunden weitere 40 cm gefallen waren. Das ARAI SNOW RESORT in Myoko City, Niigata, folgt dicht dahinter mit 671 cm und weist den größten 24-Stunden-Zuwachs (von 86 cm) auf. Das Skigebiet Hakuba Happo-one in Nagano liegt bei 630 cm. Drei weitere Gebiete liegen über 600 cm.

Das folgende Foto stammen aus Matsunoyama, Niigata:

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Antarktis: nähert sich der –60°C-Marke

Am Dienstag verzeichnete die Antarktis ein neues saisonales Minimum und näherte sich der -60°C-Marke.

Dome Fuji AWS erreichte -59°C um 21:35 UTC (ANTMET) – ziemlich bemerkenswert für Mitte Februar.

Link: https://electroverse.substack.com/p/record-cold-czech-republic-northern?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

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Meldungen vom 20. Februar 2025:

Östliches Mitteleuropa: Intensive Kältewelle

Das östliche Mitteleuropa wird weiterhin von einer intensiven Kältewelle mit extremen Tiefsttemperaturen heimgesucht. Unser Land wird davon jedoch nur gestreift.

In der Tschechischen Republik wurde am Donnerstagmorgen (nach dem gestrigen Tag) ein weiterer Tiefstwert von -30,1 °C gemessen, einer der tiefsten jemals in diesem Land gemessenen Werte. Slowenien folgte mit -19,4°C. In Österreich wurden -19,3°C gemessen.

In Italiens Conca Prevala, einem Hochtal in 1.787 m Höhe, wurde eine anomale Temperatur von -27,4 °C gemessen.

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USA: Weitere seit Langem bestehende Kälterekorde gebrochen

Die USA befinden sich inmitten eines weiteren arktischen Kälteausbruchs, dem Vernehmen nach der zehnte in dieser Saison. Am Mittwoch brach eine lange Liste von Orten langjährige Kälterekorde.

In Denver wurde mit -21,7°C der kälteste 19. Februar in der Geschichte der Stadt gemessen.
North Platte, Nebraska, verzeichnete -26,1°C und Valentine fiel auf -32,8°C, was beides neue Rekorde bedeutet.

Minneapolis verzeichnete einen Höchstwert von nur -15 °C und einen Tiefstwert von -25 °C, Des Moines erreichte nur -15,6 °C und einen Tiefstwert von -21,1 °C – ebenfalls neue Rekorde.
Allein in den letzten 24 Stunden wurden Hunderte neue Temperaturrekorde aufgestellt:

Der NWS hat für eine Reihe von Bundesstaaten Warnungen herausgegeben, dass die kalten Bedingungen bis Freitag anhalten werden, mit Messwerten, die bis zu 25 K unter den Februar-Durchschnittswerten liegen.

2m-Temperatur-Anomalien (C) am 20. Februar 2025 [tropicaltidbits.com].

Nach Angaben des Wetterdienstes werden bis zum Ende der Woche voraussichtlich noch 300 weitere Temperaturrekorde in rund 30 Staaten gebrochen werden, wobei am Freitag sogar Florida dazukommen wird.

Zum Glück werden die Amerikaner an diesem Wochenende und in der nächsten Woche eine Pause haben, wenn wärmere Luft subtropischen Ursprungs aus dem Pazifik endlich die arktische Kälte verdrängt.

Der gefürchtete ‚Polarwirbel‘ lauert jedoch über dem nördlichen Quebec und wartet auf seine Gelegenheit, in die Lower 48 zurückzukehren, was derzeit für Anfang März simuliert wird.

Dieser Winter will einfach nicht aufhören. Wenn er zu Ende geht, dürfte er leicht als der kälteste seit Jahrzehnten in die Geschichte eingehen.

Das Establishment tut sich sehr schwer damit.

Zur Verdeutlichung der Wetterlage in den USA hier die aktuelle Temperaturverteilung im 850 hPa-Niveau. Der Kaltluftkörper ist inzwischen von seinem Ursprungsgebiet isoliert und wird sich innerhalb weniger Tage so stark erwärmen, dass er nach drei Tagen beim Übertritt auf den Südwestatlantik kaum noch als solcher erkennbar ist:

Temperatur im 850-hPa-Niveau am 19. Februar 2025 um 00 GMT über den USA. Quelle: wetterzentrale.de

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Antarktis: Einer der frühesten Zeitpunkte, an denen die –60°C-Marke unterschritten wird

Am 19. Februar verzeichnete der Dome Fuji AWS auf dem ostantarktischen Plateau mit -60,2°C um 23:02 UTC den ersten Wert unter -60°C in dieser Saison auf dem Kontinent.
Dies ist eines der frühesten Beispiele für eine solch extreme Kälte, die jemals in der Antarktis gemessen worden ist.

Im Februar, der in der Antarktis dem Spätsommer entspricht, liegen die Temperaturen in der Regel unter -30 °C, aber bei weitem nicht bei -60 °C (wo wir uns seit einer Woche befinden). Das ist fast beispiellos.

Die Antarktis kühlt sich weiter ab.

Link: https://electroverse.substack.com/p/deep-freeze-grips-central-europe?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

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Meldungen vom 21. Februar 2025:

USA: Immer neue Kälterekorde

Ein weiterer intensiver arktischer Ausbruch bricht in den Vereinigten Staaten weiterhin Rekorde. Die strenge Kälte hat langjährige Bestmarken gebrochen, von denen einige mehr als ein Jahrhundert zurückliegen. Hier sind einige der neuesten…

Nebraska

In Grand Island fielen die Temperaturen auf -31°C und brachen damit den bisherigen Rekord von -24°C aus dem Jahr 1938. Hastings erlebte einen Tiefstwert von -29°C und brach damit den Rekord von -24°C aus dem Jahr 1918.

Missouri

In Kansas City fielen die Temperaturen unter den Nullpunkt [Fahrenheit! 0°F ≅ -18°C] und brachen die Tagesrekorde.

Springfield verzeichnete einen Tiefstwert von -24°C und brach damit den 1918 aufgestellten Rekord von -14°C. Joplin erlebte -23°C und übertraf damit die bisherigen Tiefstwerte von -9°C aus den Jahren 1963, 1978 und 2021 – um nur zwei zu nennen.

Oklahoma

Oklahoma City meldete einen Tiefstwert von -16°C und brach damit den alten Rekord von -13°C aus dem Jahr 1918. Tulsa erreichte -17°C und übertraf damit erneut den Rekord von 1918.

Texas

In Laredo fror man bei -3 °C. Die Temperaturen in dem Bundesstaat stiegen den ganzen Tag kaum über 4°C.

Für jeden Quadratmeter in Texas galt am Donnerstag eine Kältewarnung.

Glücklicherweise hat das verbesserte Stromnetz das große Einfrieren überstanden. „Das Netz verfügte über genügend zusätzliche Energie, um Haushalte und Unternehmen im ganzen Bundesstaat zu heizen“, schreibt der texanische Gouverneur Gregg Abbott auf X.

In den gesamten USA wurden am Donnerstag Hunderte von Tiefsttemperaturrekorden gebrochen. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels – in den frühen Morgenstunden des Freitags – fallen weitere, dringt doch die arktische Luftmasse weiter nach Südosten vor:

Starke Schneefälle waren ebenfalls ein Problem für viele Menschen und führten zu tückischen Straßenverhältnissen im ganzen Land. In Norfolk, Virginia, kamen am 20. Februar 26 cm zusammen – der acht-schneereichste Tag in der Stadt, der bis 1890 zurückreicht.

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Türkei: Unaufhörlicher Schneefall

Die Türkei wird von heftigen Schneefällen heimgesucht, die zu Flugausfällen, Straßensperrungen und rekordverdächtigen Schneemengen in den Skigebieten des Landes führen. Die Temperaturen sinken landesweit unter den Gefrierpunkt. Und es schneit weiter.

Istanbul kämpft mit starkem Schneefall, und es wird von weitreichenden Behinderungen berichtet. Flugzeuge kreisten über dem Flughafen Sabiha Gökçen, als die Sichtweite abnahm und die Start- und Landebahnen vereist waren – die Flüge mussten umgeleitet werden. Das Bodenpersonal bemühte sich, den Schnee zu räumen, doch die Verspätungen häuften sich. Als sich die Bedingungen weiter verschlechterten, hatten die Behörden keine andere Wahl als einen großen Teil der Flüge zumindest bis zum 22. Februar zu streichen.

Dazu gibt es einen YouTube-Film.

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Nordindien: Erhebliche Schneemengen

Nordindien wurde in den letzten 24 Stunden von heftigen Schneefällen heimgesucht, wobei in Himachal Pradesh, Jammu und Kaschmir sowie Uttarakhand erhebliche Schneemengen fielen.

Gondhla verzeichnete mit 42 cm die höchsten Schneemengen, gefolgt von Keylong mit 36 cm und Kukumsheri mit 24 cm. Andere betroffene Gebiete sind Janki Chatti mit 20 cm, Banihal mit 15 cm, Kalpa mit 14 cm und Pahalgam mit 13 cm.

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Japan versinkt im Schnee

Der Blick nach Osten zeigt, dass die Schneesaison in Japan nicht nachlässt.

Spitzenreiter ist Tengendai Kogen, Yamagata, mit einer Schneehöhe von 700 cm. Im gesamten Norden Japans liegen nach Angaben von snowjapan.com sechs Skigebiete mit einer Schneehöhe über 600 cm.

Tanigawadake Tenjindaira hat Berichten zufolge allein in den letzten 24 Stunden 192 cm Schneezuwachs erhalten (ich werde das überprüfen), was einen Rekord von 652 cm in der bisherigen Saison bedeutet.

Link: https://electroverse.substack.com/p/us-cold-records-mount-relentless?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

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Wird fortgesetzt mit Kältereport Nr. 09 / 2025

Redaktionsschluss für diesen Report: 21. Februar 2025

Zusammengestellt und übersetzt von Christian Freuer für das EIKE




Das irrste Ampel-Gesetz bleibt unbemerkt

Mit Lug und Trug brachten grüne Hardcore-Ideologen ein Gesetz durch, das Deutschland in den Abgrund führt. Offenbar entdeckten weder Union noch AfD die Zeitbombe. Es ist so eine Art Hunger-Gesetz.

von Robert v. Loewenstern

Stellen Sie sich ein Land vor, dessen Sportler im internationalen Vergleich weit vorne sind. Nennen wir es Lala-Land. Zuständig für sportliche Belange ist der Lala-Verband. Im LLV gibt es eine Abteilung für Ökotrophologie, also Ernährungswissenschaft. Die Lala-Ökos spielen eine wichtige Rolle im Verband, denn was man in Sportler vorne reinsteckt, entscheidet darüber, was hinten rauskommt. Im Idealfall Medaillen.

Unter den Lala-Ökos hat sich eine Denkschule durchgesetzt, deren Anhänger sich Antikaloristen nennen, kurz AntiKa. Getreu ihrem Leitmotiv „Weniger ist weniger“ entwickelt die AntiKa einen Trainingsplan mit stufenweiser Reduzierung der Nahrungsaufnahme. Ziel ist die Begrenzung auf die Hälfte der aktuellen Kalorienzufuhr. Zur Durchsetzung des Plans greift die AntiKa auf die Lehren zweier Management-Gurus zurück. Sie heißen Niccolò di Bernardo dei Machiavelli und Jean-Claude Juncker. Deren Kernsätze lauten „Der Zweck heiligt die Mittel“ und „Wenn es ernst wird, muss man lügen“.

Für die Präsentation im LLV-Vorstand wählt die AntiKa die Überschrift „Besser essen, schöner siegen“. Vorgestellt wird das Konzept als „Umsetzung von Richtlinien des Weltsportverbandes“. Der Vorstand verabschiedet den Plan. Er ist durch den „Kampf gegen Rechtshänder“ im LLV abgelenkt, die als diskriminierend und rassistisch identifiziert wurden. Die Kaloriengrenzen für Athleten bleiben auch nach einem Vorstandswechsel in Kraft.

Leben light

Nette Geschichte, denken Sie vielleicht, aber fern jeder Realität. So ein Nonsens wie der Lala-Hungerzwang fällt selbst den größten Spinnern nicht ein. Doch, tut es. Die deutschen Grünen trieben es noch schlimmer als die AntiKa in Lala-Land. Sie brachten ein Gesetz durch, das ganz Deutschland auf Dauerdiät setzt. In Zukunft dürfen wir nur noch rund halb so viel Energie einsetzen wie bisher – fürs Essen, Heizen, Waschen, Spielen, Arbeiten, Produzieren, Bauen, Transportieren, Reisen. Für alles. Leben light. Geplant, geprüft, gezwungen.

Das legislative Gesamtkunstwerk trägt den geschmeidigen Namen „Gesetz zur Steigerung der Energieeffizienz in Deutschland“, kurz Energieeffizienzgesetz. Noch nie gehört? Nicht einen ARD-Brennpunkt, kein ZDF-spezial, keine Lanz-Sprechstunde zum Thema wahrgenommen? Keinen lautstarken Protest der Opposition? Nie einen Aufmacher bei Bild, Spiegel, FAZ, Zeit oder Welt gesehen? Kein Wunder. Das EnEfG kommt so unscheinbar daher, dass sich offenbar kaum jemand die Mühe machte, genauer hinzuschauen. Die wenigen namhaften Stimmen, die Alarm schlugen, wurden nicht gehört. Oder bewusst überhört.

Bevor wir uns dem feuchten Traum der Reduktionsapostel zuwenden, sei zunächst rekapituliert, wie es dazu kam. Den entscheidenden Move machte ein Grüppchen verschworener Grüner im Zuge des Streits um die Abschaltung der letzten deutschen Kernkraftwerke. Dabei wurde von „radikalen grünen Ideologen“ getrickst, getäuscht und gelogen. Wer mit den schmutzigen Details des finalen Atomausstiegs vertraut ist, mag gerne direkt zur Zwischenüberschrift „Geheime Zusatzvereinbarung“ scrollen.

Ergebnisgeschlossene Prüfung

Phase eins begann am 24. Februar 2022, als russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, und dauerte nicht einmal zwei Wochen. Wirtschaftsminister Robert Habeck, erst seit kurzem im Amt, sah sich plötzlich „von Wirklichkeit umzingelt“, was für Grüne offenbar eine gleichermaßen überraschende wie schmerzhafte Erfahrung ist. Umgehend begann eine Diskussion über die Sicherheit deutscher Energieversorgung, die zu großen Teilen von russischem Billiggas abhing.

Habeck versprach eine „ergebnisoffene Prüfung“ zu einem möglichen Weiterbetrieb der drei verbliebenen deutschen Kernkraftwerke. Am 1. März schob er nach, dass es bei der Prüfung „keine Tabus“ geben werde. Weitere sechs Tage später war die tabulose Prüfung ergebnisgeschlossen. Am 7. März entschied das Ampelkabinett, einen AKW-Weiterbetrieb über den 31.12.2022 hinaus abzulehnen.

Nicht nur das Magazin Cicero wunderte sich, wie in „wenigen Tagen und ohne Befragung der anerkannten Fachleute eine sachkundige Prüfung“ stattfinden konnte. Die geforderte Akteneinsicht wurde lange verweigert. Erst nach zwei Jahren und einem Gerichtsurteil rückte das Ministerium entscheidende Unterlagen heraus. Nach deren Auswertung resümierte Cicero: „Die Expertise der mit Steuergeld bezahlten Fachleute im eigenen Ministerium spielte kaum eine Rolle. […] Wenn die Fachreferate beider Ministerien doch mal ihre Einschätzung mitteilen durften, wurde diese meist übergangen – oder gezielt verfälscht.“

Der Energie-Wendler

So hatten Beamte im House of Habeck ausdrücklich auf die vorteilhaften Effekte einer Laufzeitverlängerung hingewiesen: „Die Strompreise sinken, und der Netzbetrieb wird sicherer.“ Ohne Kernkraftwerke würden die Kosten der Netzstabilisierung sogar „stark ansteigen“. Doch auf der Leitungsebene, beim Energie-Wendler Patrick Graichen, verschwanden die positiven Einschätzungen auf wundersame Weise.

Das Umweltministerium unter Führung der Grünen Steffi Lemke war noch kreativer. Dort wirkte ein Abteilungsleiter namens Niehaus. Seine Fachbeamten hielten einen Weiterbetrieb der noch laufenden Atomkraftwerke „über mehrere Jahre“ für „mit der Aufrechterhaltung der nuklearen Sicherheit vereinbar“. Der Grüne Niehaus verkehrte die Aussage kurzerhand ins Gegenteil. Eine Laufzeitverlängerung sei „sicherheitstechnisch nicht vertretbar“.

Der Vorsitzende des eingesetzten Untersuchungsausschusses brachte das Vorgehen des grünen Atomfilzes auf den Punkt: „Es war ein großangelegtes Täuschungsmanöver.“ Wie viel die Minister Habeck und Lemke vom Pro-Atom-Urteil ihrer Fachbeamten wussten, ist unklar. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder belogen Habeck und Lemke die Öffentlichkeit, oder sie hatten keine Ahnung, was ihre Vertrauensleute anstellten. Beide Varianten wären Grund für ministerielle Rücktritte. Aber Rücktritt war früher, heute „trägt“ man nicht nur Verantwortung, man „übernimmt“ sie im Bedarfsfall, und damit hat es sich.

Habeck befürchtete „Edeka“

Phase zwei des finalen Atomausstiegs fand im Spätsommer 2022 statt. Die vermeintliche Killerseuche klang ab, dafür kündigte sich echtes Ungemach an. Russisches Billiggas gab es nicht mehr, die Preise für Strom und Wärme erreichten Rekordhöhen. Den Deutschen drohte ein kalter Winter, im schlimmsten Fall mit Brown- oder gar Blackouts.

Selbst strenggläubigen Grünisten wurde bei dem Gedanken unwohl, sich im frostigen Wohnzimmer mit Teelicht und Filzhandschuhen um die nadelnde Ökotanne zu versammeln und allein auf die Kraft der Körperwärme zu setzen. Anders grüne Funktionsträger. Für sie galt Dogma statt Pragma. Das Atom-Aus musste um jeden Preis durchgesetzt werden.

Robert Habeck hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera. Laufzeit verlängern und Krieg mit der Partei provozieren oder Kernkraft abschalten und frierende Wähler riskieren. In beiden Fällen konnte das schlimmste aller Übel eintreten, nämlich „Edeka“ – im mittleren Management das beliebte Kürzel für „Ende der Karriere“. Die Abschiebung auf einen ruhigen Versorgungsposten bei den Stadtwerken Flensburg mag Otto Normalverbrenner wie ein Lotto-Jackpot erscheinen, aber nicht jemandem, der davon träumt, als König von Deutschland die Welt zu retten.

Die Richtlinienkompetenz war ein Fake

In dieser misslichen Lage sprang der Kanzler ein. Per Richtlinienkompetenz ordnete Olaf Scholz im Oktober 2022 den AKW-Weiterbetrieb bis Mitte April 2023 an. Sicherheitstechnische Bedenken spielten plötzlich keine Rolle mehr – in den noch laufenden Kernkraftwerken hatte wohl eine Spontanheilung stattgefunden.

Die Ausübung der grundgesetzlich verankerten Richtlinienkompetenz war ein Fake. Schließlich ist sie dafür gedacht, einen widerborstigen Minister per Handlungsanweisung in die Spur zu bringen. Das fand hier nicht statt, wie Dokumente belegen, die der Welt vorliegen: „Demnach zog der Kanzler die Richtlinienkompetenz nicht gegen Habeck, sondern in Absprache mit ihm.“ Die drei Ampelmännchen Scholz, Habeck und Lindner waren sich einig: Die AKW sollten weiterlaufen, mindestens bis ins Frühjahr 2023, nach dem Willen der FDP noch viel länger.

Das angebliche Machtwort von Scholz war also keines. Es half dem Wirtschaftsminister aus der Patsche, der gegenüber seiner Partei behaupten konnte: Ich war’s nicht, der Kanzler ist schuld. Richtig spektakulär war die Enthüllung allerdings nicht, denn sie bestätigte nur eine naheliegende Vermutung. Die Welt hatte Scholz bereits im Oktober 2022 gefragt: „War das Machtwort in Wirklichkeit abgesprochen?“

Geheime Zusatzvereinbarung

Interessanter an der Welt-Veröffentlichung war eine andere Aufdeckung. Habeck und Scholz trafen bei ihrer Absprache an der FDP vorbei eine geheime Zusatzvereinbarung. Die Welt: „Eindeutig belegen die Dokumente, wie Scholz mit Habeck an einer Lösung arbeitete und den Frontmann der Liberalen in der Koalition, Christian Lindner, dabei gezielt umging.“ Der Staatssekretär gewordene Lobbyist Graichen gab seinem Minister per Mail „Verhandlungschips“ vor „als Gegenleistung für einen möglichen Streckbetrieb bei Emsland“. Der Verlängerung von zwei AKW hatten die Grünen bereits zugestimmt, beim dritten, Emsland, zierten sie sich noch.

Ob Olaf Scholz auf einen grünen Bluff hereinfiel, bleibt offen. Vielleicht erklärte Habeck einfach: „Ich brauch’ noch was, damit es aussieht, als hätten wir hart verhandelt.“ Jedenfalls lieferte der Kanzler „weitgehend, was die Grünen bestellt hatten“, wie Welt-Mann Robin Alexander schreibt. Einen Tag nach Graichens Mail verfügte Scholz mit der Richtlinienanweisung: „Parallel zu dieser Entscheidung werden die folgenden Weichenstellungen vorgenommen: Es wird ein ambitioniertes Gesetz zur Steigerung der Energieeffizienz vorgelegt.“

An dieser Stelle endet die lobenswerte Welt-Recherche. Was den Springer-Investigativen nicht auffiel, ist die Bedeutung des Habeck-Scholz-Gemauschels. Wahrscheinlich wusste nicht einmal der Kanzler selbst, was ihm eine grüne Kamarilla da untergejubelt hatte. Die Vermutung liegt nahe, denn „Gesetz zur Steigerung der Energieeffizienz“ klingt so unschuldig wie Stromspartipps der AOK: „Füllen Sie den Wasserkocher nur mit der Wassermenge, die Sie wirklich brauchen“.

Bereits der Name ist eine Lüge

In Wahrheit war die Scholz-Zusage Grundlage für die Schaffung eines Monsters. Das Licht der Welt erblickte das „ambitionierte Gesetz“ ein Jahr später, im November 2023. Bereits der Name „Energieeffizienzgesetz“ ist eine Lüge. Es geht im Kern nicht um die Steigerung von Effizienz. Bessere Effizienz könnte heißen, dass beispielsweise mit gleichem Verbrauch mehr Wirkung erzielt wird. Das lässt das EnEfG nicht zu. Es setzt absolute Grenzen. Die Gesamtmenge der in Deutschland eingesetzten Energie muss sinken, Jahr für Jahr.

Die entscheidenden Sätze finden sich in Paragraf 4: „Ziel dieses Gesetzes ist es, den Endenergieverbrauch Deutschlands im Vergleich zum Jahr 2008 bis zum Jahr 2030 um mindestens 26,5 Prozent auf einen Endenergieverbrauch von 1.867 Terawattstunden zu senken.“ Für die Zeit danach ist vorgesehen, „den Endenergieverbrauch Deutschlands im Vergleich zum Jahr 2008 bis zum Jahr 2045 um 45 Prozent zu senken“.

Nun mag mancher einwenden, eine Begrenzung sei möglicherweise gar nicht so dramatisch, wir seien doch schon viel sparsamer beim Energieverbrauch geworden. Warum sollte sich das nicht fortsetzen lassen? Hier sind wir beim nächsten Trick der grünen Zauberkünstler. Die gewählte Bezugsgröße, der „Vergleich zum Jahr 2008“, suggeriert, dass in den vergangenen 16 Jahren bereits eine erhebliche Strecke auf dem Weg zum reduzierten Energieeinsatz schad- und klaglos zurückgelegt wurde. Das ist nicht der Fall.

Umweltbundesamt kann nicht rechnen

Aufklärung schafft eine Publikation des Umweltbundesamtes mit dem Titel „Zentrale Säule der Energiewende – Energieverbrauch und Energieeffizienz in Deutschland“. Auf Seite 4 behauptet das UBA: „Seit 2008 stieg die Endenergieproduktivität der Volkswirtschaft um 55,9 Prozent.“ Klingt gut, ist aber in mehrfacher Hinsicht falsch.

Erstens können die beamteten Umweltspezis nicht rechnen. Die „Endenergieproduktivität“ ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen der in Deutschland genutzten Energie und dem damit erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt. 2008 waren das 1.210 Euro pro Megawattstunde, wie die Grafik neben dem Text zeigt. In 2023, dem letzten aufgeführten Jahr, waren es 1.595 €/MWh. Selbst wer nur Grundrechenarten beherrscht, kann ermitteln, dass der Zuwachs zwischen den beiden Werten nicht 55,9 Prozent beträgt, sondern nur 31,8 Prozent.

Zweitens, selbst die 31,8 Prozent Effizienzsteigerung zwischen 2008 und 2023 sind noch deutlich übertrieben. Wie die UBA-Grafik zeigt, blieb der Jahresenergieverbrauch in Deutschland von Ende 2008 bis Ende 2019 nahezu konstant. 2008 waren es 2.591 Terawattstunden, 2019 waren es 2.514 TWh – eine Mini-Minderung in elf Jahren um insgesamt drei Prozent, im Schnitt pro Jahr nur 0,27 Prozent weniger Energieverbrauch.

Nicht Effizienz, sondern Verzicht

Gleichzeitig stieg in diesem Zeitraum das reale, also inflationsbereinigte BIP im Schnitt um rund ein Prozent pro Jahr. Dadurch erhöhte sich die Energieproduktivität von 1.210 €/MWh auf 1.431 €/MWh, ein Zuwachs von 18,3 Prozent in elf Jahren. Erst ab Anfang 2020 bis Ende 2023 sank der deutsche Endenergieverbrauch in nur vier Jahren um satte zehn Prozent. Dieses bemerkenswerte Minus geschah allerdings nicht durch plötzliche und wundersame Effizienzsteigerung bei der Energienutzung, wie das UBA nahelegt.

2020 erschien Corona auf der Weltbühne. Lockdowns und sonstige Restriktionen dimmten das private und wirtschaftliche Leben herunter. Ab 2022 taten Energiepreis-Explosion, allgemeine Inflation und Rezession ein Übriges. Hinzu kam die strukturelle Krise der deutschen Industrie. Von November 2017 bis Juni 2024 ging die Produktion im produzierenden Gewerbe um 15,3 Indexpunkte zurück.

Zur Energieeinsparung ab 2020 führte also nicht gesteigerte Effizienz, wie das UBA vorgaukelt, sondern Verzicht. Bürger und Wirtschaft verbrauchten weniger, weil sie zunächst nicht mehr durften und später nicht mehr konnten. Zusammengefasst: Die laut UBA angeblich 55,9 Prozent Effizienzsteigerung in 15 Jahren sind, wie gesagt, falsch errechnet. Aber selbst die korrigierten 31,8 Prozent sind bei näherer Betrachtung überzogen. Sie beruhen nicht auf Effizienzsteigerung, sondern auf Energieverzicht aufgrund multipler Krisen.

Für alles nur ein Drittel der Energie

Ich belämmere Sie ungern mit weiterem Zahlensalat, nur so viel: Angenommen, wir schaffen bis 2045 eine magere BIP-Steigerung wie zwischen 2008 und 2019, jährlich etwa ein Prozent. Dann müssten wir unsere Energieeffizienz gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 mehr als verdoppeln, um das EnEfG-Verbrauchsziel für 2045 zu erreichen. Sollte die deutsche Wirtschaft bis 2045 um halbwegs gesunde zwei Prozent im Jahr wachsen, müsste sich die Energieeffizienz sogar fast verdreifachen.

Anders gesagt: Ihre Heizung bräuchte 2045 nur noch gut ein Drittel des Gases bei gleicher Wärmeleistung wie 2019. Ihr Diesel gönnt sich nicht mehr 7 Liter pro 100 km, sondern nur noch 2,6 Liter. Ihr Urlaubsflieger könnte Sie mit derselben Kerosinmenge nicht einmal nach Mallorca und zurück bringen, sondern zweimal. Plus einmal Venedig und retour. So geht es in jedem Lebens- und Wirtschaftsbereich: Vom Herd bis zum Bagger, vom Staubsauger bis zur Stahlpresse, vom Frühstücksomelett bis zur Hühnerzucht – alles funktioniert mit der Hälfte oder nur einem guten Drittel der bisher eingesetzten Energie.

Der Fun Fact: Die grünen Redux-Fetischisten machen dabei keinen Unterschied zwischen guter und böser Energie. Egal, ob der Strom aus dem Windrad oder aus dem Kohlekraftwerk kommt, ob die Heizung mit Erdgas oder grünem Wasserstoff läuft – der Verbrauch muss dramatisch sinken.

Regierungsamtlich verordnete Dauerkrise

Sicher, in vielen Sektoren sind weitere Effizienzsteigerungen beim Energieverbrauch möglich und durch technischen Fortschritt zu erwarten. Aber eine Verdoppelung oder gar Verdreifachung in allen Bereichen bis 2045 ist eine abwegige Vorstellung. Eine derartige Leistungsexplosion ist blanke Utopie, solange Elon Musk keinen Zaubertrank aus fernen Galaxien mitbringt.

Rein praktisch laufen die Vorgaben der grünen Clan- und Planwirtschaftler daher auf eine regierungsamtlich verordnete Dauerkrise hinaus. Was bleibt, ist Verzicht. Jedes Jahr ein bisschen weniger Energie, jedes Jahr ein bisschen mehr Verzicht. Das Energieeffizienzgesetz ist in Wahrheit legislativ zementierter Degrowth, eine industrielle und gesamtwirtschaftliche Schrumpfung mit allen Folgeeffekten: Wohlstandsverlust, Massenarbeitslosigkeit, Gesellschaftszerfall. Deutschland schafft sich ab.

Gut, ganz so weit wird es wohl nicht kommen. Egal wer regiert, irgendjemand wird beim Absturz ins grüne Paradies der Enthaltsamkeit irgendwann die Reißleine ziehen. Die Frage ist nur, wie viel Schaden bis zur Umkehr angerichtet ist. Aktuell verliert Deutschland Monat für Monat rund 10.000 Industriearbeitsplätze. Die kehren nicht wieder, selbst wenn die Politik eines Tages zur Besinnung kommt.

Grünes Paradies der Enthaltsamkeit

Wer glaubt, das EnEfG entfalte derzeit noch keine Wirkung, täuscht sich. Die praktische Umsetzung hat längst begonnen. Wie in solchen Fällen üblich, wurde Bürokratismus vom Feinsten installiert. Unternehmen müssen Meldefristen für Abwärme einhalten, Energieaudits durchführen, ein betriebliches Energiemanagement-System einrichten – viele schon bis Juli 2025. Bei Nichtbeachtung drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro. Beratungsfirmen bieten ihre Hilfe an, TÜV und IHK veranstalten Online-Seminare zum Thema.

So trägt das EnEfG bereits jetzt zur wirtschaftlichen Abwanderung bei. Unternehmer positionieren sich öffentlich ungern politisch. Sie entscheiden einfach. Wer zig Millionen in Maschinen oder ganze Fabriken investiert, tut das mit Blick auf einen Zeitrahmen von mindestens fünf bis zehn Jahren. Eine entscheidende Rolle bei der Standortwahl spielen Vernunft und Verlässlichkeit staatlicher Rahmenbedingungen. Einem Staat, der Gaga-Gesetze aus dem Paralleluniversum verabschiedet, ist einiges zuzutrauen, nur keine Vernunft.

Das Energieeffizienzgesetz übertrifft alles, was sich die Grünen bisher auf klimapolitischem Gebiet geleistet haben. Dagegen ist „Habecks Heiz-Hammer“ Pillepalle. Trotzdem findet das EnEfG im öffentlichen Diskurs praktisch nicht statt. Nicht einmal im Wahlkampf griff die Opposition das Thema auf. Offenbar bemerkten weder Union noch AfD die grüne Zeitbombe.

„Extremistische Klimapolitik“

Auch in großen Medien wurde das Gesetz des Grauens nur in Ausnahmefällen gewürdigt. Im Dezember erklärten zwei Fachleute in einem Gastbeitrag bei Focus Online die „drastischen Folgen“ des „krassesten Klimagesetzes“. Die Experten nahmen kein Blatt vor den Mund. Man komme einer „gesetzlich unterlegten Zero- bzw. Degrowth-Politik und einer Energiemangelwirtschaft in Deutschland sehr nahe“. Deutschland habe wieder einmal „Goldplating“ betrieben, sei also weit über EU-Richtlinien hinausgegangen. Das EnEfG zeuge „von politischer Übergriffigkeit, Anmaßung von Wissen und Allmachtsphantasien“.

Bei Achgut.com wies zuletzt Fritz Vahrenholt auf das „Monstergesetz planwirtschaftlicher Prägung“ hin, das „Deutschland, wie wir es kennen, zerstören“ werde. Schon länger schlägt ein anderer ausgewiesener Experte Alarm. Der Ökonom Hans-Werner Sinn polterte letztes Jahr in einem Vortrag (online nicht mehr abrufbar): „Der Endenergieverbrauch soll von 2008 bis 2045 um 45 Prozent zurückgehen und zwar nicht nur der schmutzige Endenergieverbrauch, sondern jedweder Endenergieverbrauch. […] Da fragt man sich, was das denn soll. Das ist geradezu hirnrissig. Das ist ein Programm der Deindustrialisierung. […] Es ist kaum zu glauben, aber das ist die Gesetzeslage in Deutschland.“

Über die Gesamtheit des grün bestimmten Treibens urteilte der Ex-Chef des Ifo-Instituts noch schärfer: „Eine extremistische Klimapolitik hat sich dieses Landes bemächtigt und wird realisiert. Es ist ein Extremismus der Mitte, der hier zu beobachten ist. Das Land hat irgendwie seinen Verstand verloren bei der Vorgabe dieser Werte.“

Graichens Werk und Habecks Beitrag

Man kann es auch anders sagen: Mit ihrem Extremismus in Klima- und Energiefragen haben sich die Grünen endgültig aus der politischen Mitte verabschiedet. Klar, Politiker wie Robert Habeck, die auf Herausforderungen der Realität mit der vollen Härte des Geschwätzes reagieren, erscheinen in ihrer Unbedarftheit einigermaßen harmlos. Deshalb ist es verfehlt, den Wirtschaftsminister „Schwachkopf professional“ zu nennen. Professionalität ist Habeck beim besten Willen nicht zu unterstellen.

Es sind Hardcore-Ideologen im Hintergrund, die Wahn in Paragrafen gießen. Treuherzchen wie Habeck dienen den Strippenziehern nur als freundliche Fassade. Die wirklich Gefährlichen sind die Graichen und Niehaus und ihr weitverzweigtes Netzwerk. Im Dienst der „guten Sache“ kennen sie keine Skrupel. Wer sich mit den Weltenrettern an einen Tisch setzt, muss wissen, worauf er sich einlässt. Die Grünen spielen mit gezinkten Karten.

Wann die politische Konkurrenz aufwacht und wie es mit dem Energieeffizienzgesetz und anderem Klima-Irrwitz weitergeht, dürfen wir mit Spannung erwarten. Zum Ausgleich erzähle ich Ihnen das Ende der Geschichte aus Lala-Land:

Einige Zeit nach Einführung des Hunger-Programms ist der Lala-Spitzensport auf Kreisliga-Niveau abgerutscht. Zur Erforschung des unerklärlichen Phänomens beschließt der LLV-Vorstand, eine Expertenkommission einzusetzen. Die Auswahl der Fachleute soll nach rein wissenschaftlichen Kriterien erfolgen. Mit dieser Aufgabe wird eine neutrale, vertrauenswürdige Institution betraut. Sie heißt AntiKa.

 

Robert von Loewenstern ist Jurist und Unternehmer. Von 1991 bis 1993 war er TV-Korrespondent in Washington, zunächst für ProSieben, später für n-tv. Er lebt in Bonn und Berlin.

Der Beitrag erschien zuerst bei ACHGUT hier

 




Woher kommt der Strom? …aus dem benachbarten Ausland importiert

6. Analysewoche 2025 von Rüdiger Stobbe

Die Windflaute, die mit Beginn des Februar startete, wurde von einem Windbuckelchen unterbrochen und endete schließlich am 6.2.2025 gegen 12:00 Uhr. In diesem Zeitraum wurde bis auf wenige Ausnahmen, Strom aus dem benachbarten Ausland importiert. Am 7. 2.2025 baute sich ein stärkerer Windbuckel auf, der dann zum 9.2.2025 wieder abgeflaut war. Die Windstromerzeugung schwankt stark, die PV-Stromerzeugung bleibt winterlich schwach.  Ein Blick auf das Prognosetool von Agora-Energiewende belegt, dass auch ein massiver Ausbau der regenerativen Stromerzeuger Wind- und Solarkraft die Residuallast nur wenig runterfahren würde. Ab dem 7.2.2025 reicht die Stromversorgung während der Windbuckelzeit aus. Danach kommt es wieder zu einer Stromlücke. Nur die Mittagsspitze ist Zeit des Stromüberfluss´. Es zeigt sich wieder einmal, dass eine kontinuierliche, dem Bedarf angepasste Stromerzeugung praktisch unmöglich ist. Entweder ist zu wenig Strom vorhanden, oder es wird viel zu viel Strom erzeugt, der zu niedrigen oder gar negativen Preisen abgegeben werden muss. So bleibt als „Lösung“ nur der vollkommen überdimensionierte Ausbau von Windkraft- und PV-Anlagen, die dem Bedarf entsprechend praktisch immer abgeregelt werden müssen. Der Wirkungsgrad würde sich nochmals verschlechtern. In Deutschland liegt der Vollastanteil der Anlagen Wind- und Solarkraft aktuell bei 23,4 Prozent Windstromerzeugung und 8,8 Prozent PV-Stromerzeugung (Zeitraum 1.1.2024 bis 9.2.2025). Konkret heißt das, dass aufgerundet vier Windkraftanlagen Strom erzeugen müssen, um die mögliche Strommenge einer dieser Anlagen zu erreichen. Bei PV-Anlagen sind es sogar mehr als 10 Anlagen. Dass diese Verhältnisse ökonomisch vollkommen unsinnig sind, leuchtet sofort ein. Zumal die große Schwankungsbreite der echten Erzeugung diese Werte nur im Überjahres-Durchschnitt auswirft. Oft ist es viel weniger. PV- Stromerzeugung bei Nacht. Sehr oft ist es viel mehr. PV-Stromerzeugung im Sommer über die Mittagszeit. Bei der Windstromerzeugung ist es ähnlich. Genau deshalb funktioniert die Energiewende nur mit entsprechenden Subventionen. Und genau deshalb müssen auch Backup-Kraftwerke zur Verfügung stehen. Denn eine Verzehnfachung der jetzigen Windkraft- und PV-Leistung (bei Flauten mindestens notwendig) mit Abregelmöglichkeiten sowie Entschädigungen für entfallene Stromerzeugung wäre aberwitzig teuer, wären verschwendete Ressourcen und sind praktisch nicht handhabbar. Ein Blackout wäre vorprogrammiert. Hinzu kommt, dass etwa alle 20 bis 25 Jahre der EE-Park erneuert werden müsste. Sehr viel länger halten die Anlagen nicht. Im Zusammenhang mit den immer wieder von unseren Freunden der Energiewende hervorgehobenen ach so niedrigen Gestehungskosten der „Erneuerbaren“ sei angemerkt, dass Kosten, die durch das EEG entstehen, so wie die Kosten für den notwendigen konventionellen Backup-Park nie enthalten sind. Am Ende bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Da sorgen die Erneuerbaren ein um das andere Mal dafür, dass bereits heute wegen massiver Übererzeugung der Strom verschenkt oder mit Bonus abgegeben werden muss. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Energiewende nur deshalb noch nicht abgesagt wurde, weil der klimaindustrielle Komplex weiter richtig gutes Geld auf Kosten der Stromkunden und der Steuerzahler verdient. Ein wesentlicher Nutzen, insbesondere für das sogenannte „Klima“, entsteht ansonsten nicht.

Wochenüberblick

Montag 3.2.2025 bis Sonntag, 9.2.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 34,3 Prozent. Anteil regenerativer Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 44,7 Prozent, davon Windstrom 27,1 Prozent, PV-Strom 7,3 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,4 Prozent.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Wochenvergleich zur 6. Analysewoche ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zur 6. KW 2025: Factsheet KW 6/2025  – ChartProduktionHandelswocheImport/Export/Preise, CO2Agora-Chart 68 Prozent AusbaugradAgora-Chart 86 Prozent Ausbaugrad.

Was man wissen muss: Die Wind- und PV-Stromerzeugung wird in unseren Charts fast immer „oben“, oft auch über der Bedarfslinie angezeigt. Das suggeriert dem Betrachter, dass dieser Strom exportiert wird. Faktisch geht immer konventionell erzeugter Strom in den Export. Die Chartstruktur zum Beispiel mit dem Jahresverlauf 2024/25 bildet den Sachverhalt korrekt ab. Die konventionelle Stromerzeugung folgt der regenerativen, sie ergänzt diese. Falls diese Ergänzung nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, wird der fehlende Strom, der die elektrische Energie transportiert, aus dem benachbarten Ausland importiert.

Eine große Menge Strom wird im Sommer über Tag mit PV-Anlagen erzeugt. Das führt regelmäßig zu hohen Durchschnittswerten regenerativ erzeugten Stroms. Was allerdings irreführend ist, denn der erzeugte Strom ist ungleichmäßig verteilt.

Tagesanalysen

Montag, 3.2.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 17,0 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 29,4 Prozent, davon Windstrom 7,5 Prozent, PV-Strom 9,4 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,4 Prozent.

Tag drei der Windflaute. Die Strompreisbildung.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 3. Februar ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 3.2.2025: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten.

Dienstag, 4.2.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 28,8 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 39,7 Prozent, davon Windstrom 21,4 Prozent, PV-Strom 7,4 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,9 Prozent.

Tag 4 der Windflaute. Die Strompreisbildung

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 4. Februar  ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 4.2.2025: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten.

Mittwoch, 5.2.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 28,8 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 39,2 Prozent, davon Windstrom 23,2 Prozent, PV-Strom 5,6 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,4 Prozent.

Das Windbuckelchen in der Nacht. Die Strompreisbildung

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 5.2.2025 ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 5.2.2025: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten.

Donnerstag, 6.2.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 20,5 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 31,6 Prozent, davon Windstrom 17,3 Prozent, PV-Strom 3,2 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,1 Prozent.

Die Flaute geht zu Ende. Die Strompreisbildung. Das Preisniveau fällt für den Rest der Woche.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 6. Februar ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 6.2.2025: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten.

Freitag, 7.2.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 53,0 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 61,1 Prozent, davon Windstrom 48,5 Prozent, PV-Strom 4,5 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 8,0 Prozent.

Der Wind frischt auf. Die Strompreisbildung. 

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 7.2. 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 7.2.2025: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten

Samstag, 8.2.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 48,2 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 58,0 Prozent, davon Windstrom 36,8 Prozent, PV-Strom 11,3 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,9 Prozent.

Eine Winddelle über Mittag. Weitere Tendenz fallend. Die Strompreisbildung.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 8. Februar ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 8.2.2025: ChartProduktion, HandelstagImport/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten

Sonntag, 9.2.2025: Anteil Wind- und PV-Strom 35,6 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 46,7 Prozent, davon Windstrom 25,4 Prozent, PV-Strom 10,2 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,0 Prozent.

Kurze Flautenphase oder Beginn einer neue Flaute? Die Strompreisbildung

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 9. Februar ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 9.2.2025: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten. 

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? seit Beginn des Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Rüdiger Stobbe betreibt seit 2016 den Politikblog MEDIAGNOSE.