Das Stromgesetz bedroht die Schweiz

Fred F. Mueller

Die Schweiz ist in ihren Grundfesten bedroht. Angeblich versuchen uneinsichtige Bürger und raffgierige Fossilkapitalisten, die geplante Rettung des Klimas durch das kommende Stromgesetz aus egoistischen Motiven zu verhindern. In Wirklichkeit wird versucht, uns auf einen ebenso teuren wie untauglichen Irrweg zu locken. Eine Replik auf einen angeblichen Faktencheck von Prof. Reto Knutti.

Eine herausragende Gestalt in dieser Auseinandersetzung ist Klimaforscher Professor Reto Knutti von der ETH Zürich. Zwar wird ihm vorgeworfen, er sei eher Aktivist als Wissenschaftler. Das bringt ihn jedoch nicht aus der Ruhe. Das ursprünglich kaum umstrittene neue Stromgesetz wurde durch spät wach gewordene Bürger angegriffen und muss jetzt vor das Volk gebracht werden. Um dem entgegenzutreten, hat er mit der Watson-Redaktion zusammengespannt, um die Argumente der Gegner mit einem sogenannten Faktencheck zu entkräften. Hier nur ein paar der darin vorgebrachten Ungereimtheiten.

Bild 1. Am Gotthardpass lauern bereits etliche riesiger Vogelkiller auf Beute (Foto: Autor)

Klima wichtiger als Natur?

So erklärt er, dass die Natur durch den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien nicht etwa gefährdet, sondern eher geschützt werde. Hauptgefahr für unsere Natur sei der Klimawandel, und den würden wir durch Zupflastern der Natur mit Solarpaneelen und Windanlagen ja bekämpfen. Dass dabei wichtige Zugvogelrouten über Alpenpässe wie den Gotthard mit Vogelshreddern vollgestellt werden? Solche Petitessen muss man bei der Verfolgung des edlen Ziels «Planetenrettung» halt in Kauf nehmen, nicht wahr?

Bild 2. Wird von den Medien schamhaft verschwiegen: So sieht ein von einer Windenergieanlage getöteter Vogel aus (Foto: Privat)

Hochalpine Solaranlagen wintersicher?

Auch preist Knutti die angeblichen Vorteile hochalpiner Solaranlagen an: «Gerade, weil im Flachland, wo sich die meisten Gebäude befinden, im Winter wenig Sonne scheint, braucht es auch Solaranlagen im hochalpinen Raum.» Das kann man getrost als Falschinformation bezeichnen, denn auch in den Hochlagen der Alpen scheint die Sonne im Winter nicht nur viel kürzer als im Sommer, sie steht zudem in einem wesentlich ungünstigeren Winkel. Egal ob im Flachland oder hoch in den Bergen: Solaranlagen liefern in den vier Wintermonaten von November bis Februar nur einen sehr geringen Bruchteil der Strommengen, die im Sommer verfügbar sind. Hinzu kommt, dass die Anlagen in den Hochlagen im Winter oft tief verschneit sind und dann kaum noch Strom liefern. So war der nur 2.107 m hohe Gotthardpass noch bis Mitte Mai dieses Jahres nicht befahrbar, weil der Schnee noch bis zu acht Meter hoch lag. Was ist von der Qualifikation eines Schweizer Klimaforschers zu halten, der diese grundlegenden Zusammenhänge von jahreszeitlich schwankenden Sonnenständen und Strahlungsdaten sowie Schneebedeckung im Hochalpenraum nicht zu kennen scheint?

Auf keinen Fall Kernenergie!

Knutti ist strikt gegen Kernenergie, obwohl diese bis heute ein entscheidender Stützpfeiler unserer Stromerzeugung ist. Seine Begründung: «Wir brauchen so schnell wie möglich mehr selbst produzierten Strom.» Der Bau eines AKWs dauere allerdings mindestens 20 Jahre. «Würden wir auf AKWs setzen, würde sich unsere Versorgungssicherheit mindestens für die nächsten 20 Jahre nicht verbessern.» Eine ebenso wohlfeile wie katastrophal falsche Stellungnahme: Weil die Schweizer Bevölkerung von massgeblichen politischen und sozialen Kräften in die Irre geführt wurde und bereits Zeitnot herrscht, soll man jetzt darauf verzichten, diese wichtige Alternative zu erhalten und auszubauen. Davon, dass z.B. in China der Bau eines Kernkraftwerks in fünf Jahren erledigt werden kann und viel weniger kostet als in Frankreich oder England, hat er anscheinend noch nichts gehört. Will aber dem Volk Ratschläge erteilen.

Stattdessen sollen wir das Volksvermögen in unsichere Solar- und Windprojekte stecken. Und unsere Wälder zu Holz-Forsten machen, die möglichst schnell möglichst viel Brennstoff liefern sollen. Folgen für die Biodiversität? Folgen für den Erosionsschutz? Brauchen wir darüber nicht nachzudenken?

Was, wenn Wind- und Solarenergie nicht für die Energiewende ausreichen?

Auf diese besorgte Frage hat Prof. Knutti eine beruhigende Antwort: «Das kann tatsächlich sein. Wir können nicht in die Zukunft sehen». Es werde sich zeigen müssen, ob das Stromgesetz für ausreichend selbstproduzierte Energie sorgen könne. Doch: «Aus diesem Grund nichts zu tun, ist keine Option. Dann werden wir mit Sicherheit in einen Blackout laufen».

Knutti ist Professor für Klimaphysik und kein Fachmann für die Versorgung mit elektrischer Energie, gibt hier aber für dieses ihm fremde Gebiet Ratschläge. Obwohl er selbst zugibt, die Zukunft nicht vorhersehen zu können, sollen wir ihm bei der Sicherheit unserer Energieversorgung und damit unserer gesamten Zukunft vertrauen.

Schauen wir doch einmal, was dazu die Fachleute vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) in ihrer umfassenden Studie «Energiezukunft 2050» sagen:

In dieser Studie wird erläutert, dass die Schweiz auch bei Ausschöpfung aller Möglichkeiten der «Erneuerbaren» (einschliesslich des Verfeuerns unserer Wälder) auf erhebliche Stromimporte angewiesen bleiben wird – falls die Kernenergie ausläuft, wie es derzeit politisch geplant ist.

Konkret heisst es dort: «Die Schweiz bleibt Stromimporteurin». «Im Winter muss weiterhin Strom aus den Nachbarländern importiert werden». Je nach Szenario müssten sieben oder sogar neun Terawattstunden Winterstrom importiert werden. Die projektierte Preisentwicklung in den Nachbarländern, aus denen wir den Strom importieren müssten, kann sich jeder, der gerne Alpträume hat, in dem genannten Bericht auf Seite 103 anschauen.

Bild 3. Voraussichtliche Entwicklung der Grosshandelspreise an den Strombörsen in den Nachbarländern bis 2050. Vor allem ab 2040 geht es steil nach oben (Quelle: Energiezukunft 2050)

Umgerechnet geht es da um Grosshandels-Einkaufspreise von bis zu 30 Rp/kWh. Zum Vergleich: Unsere derzeit noch laufenden Kernkraftwerke produzieren für Preise um 6 Rp/kWh. Die Autoren des VSE scheinen manche Dinge bewusst erst weit hinten in der dicken Studie mit verklausulierten und zudem sehr klein geschriebenen Zahlen zeigen zu wollen: Vermutlich wollen sie keine Unruhe hervorrufen. Fazit: Der sicherlich nette, aber fachlich auf dem Gebiet der Stromerzeugung eher wenig kompetente Herr Prof. Knutti scheint unser Land mit seinem «Faktencheck» direkt auf eine Sprungschanze ins Bodenlose locken zu wollen.

Mantelerlass – Das «Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien»

Schon der Titel verrät, dass die Politik hier dem Volk nicht die Wahrheit sagt. Es fehlt nämlich das kleine, aber für Herrn und Frau Schweizer sehr wichtige Wörtchen «bezahlbar». Dem schon von den «Winterreserve»-Preissprüngen geschockten Stimmbürger will man Reizworte wie «Kosten» wohl nicht zumuten. Dass die Lösung ohne Kernenergie, nur mit Sonne, Wind, Wasser und Holz schon rein mengenmässig ins Abseits führt, steht bereits in der VSE-Studie. Somit ist auch der Begriff «sichere» im Titel des Gesetzes im Prinzip – naja, sagen wir mal ein wenig neben der Wahrheit.

So etwas ist typisch für Politiker, die selbst keine ausreichende Sachkenntnis haben. Man fürchtet sich davor, dem Volk reinen Wein einzuschenken und auf die Unverzichtbarkeit der Kernenergie hinzuweisen. Stattdessen wird das Problem mit extrem teuren und letztlich unsinnigen Pseudo-Lösungen wie Sonne, Wind etc. einfach in die Zukunft verschoben. Sollen sich doch andere die Finger an diesem heissen Eisen verbrennen. Denn eines ist klar: Solange das Netz noch funktioniert, werden die Grünen, die Sozialisten und die Mitte ihren Fehler nicht einräumen und stattdessen den angerichteten Unsinn mit Zähnen und Klauen verteidigen. Aus nationaler Sicht ist das genauso unsinnig wie wenn ein Autofahrer mit einem offenkundig stotternden Motor einfach weiterfährt und hofft, dass die Karre noch bis ins Ziel durchhalten wird. Hinterher zeigt sich dann oft, dass aus einer kleinen Reparatur ein Totalschaden geworden ist.

Wenn der Schweizer Karren erst einmal tief im Dreck steckt und wir mit dem Hut in der Hand die Nachbarn um Strom anbetteln müssen, werden wir den EU-Vögten wehrlos ausgeliefert sein. Dann wird man uns nicht nur finanziell erpressen. Auch die Selbständigkeit und Freiheit des Landes steht dann auf dem Spiel, insbesondere die in Brüssel verhasste direkte Demokratie. Wir haben ja schon beim «Klimaseniorinnen»-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gesehen, mit welchen Winkeladvokaten-Tricks man unser Land an den Pranger zu stellen versucht. Und ist der Ruf der Schweiz erst ruiniert, dann wird gnadenlos abkassiert.

Die Profiteure stehen in den Startlöchern

Wie fast stets im Leben ist auch bei der Energiewende des einen Leid des anderen Freud. Aus dessen Problemen lässt sich nämlich Kapital schlagen. Eines der grösseren Probleme der Vielzahl installierter Solar- und Windkraftanlagen ist die Komplexität der hierfür erforderlichen Infrastruktur. Das beginnt mit zahlreichen zusätzlichen Netzleitungen, die unsere Bergregionen wie ein Spinnennetz überziehen werden. Ein weiteres Problem ist die extrem wachsende Speicher- und Regeltechnik. In einem Stromnetz bisherigen Typs wurde das Chaos der unkoordiniert Strom abrufenden Verbraucher dadurch ausgeglichen, dass die Kraftwerke ganz nach Bedarf zu- und abgeregelt werden konnten. Bei Sonne und Wind ist es anders, die Anlagen liefern so, wie die Natur es gerade vorgibt. Für das Netz wirkt sich das so aus, dass es jetzt zusätzlich auch noch diese unvorhersehbaren Störungen abfangen muss. Da müssen Kraftwerke hoch- und heruntergeregelt werden, Leitungen umgeschaltet, die Strombörse bedienen und Speicher aufgeladen oder angezapft werden. Dies geht nur mit sehr viel zusätzlicher und zudem immens teurer Technik, an der viele Profiteure verdienen wollen. So wie anlässlich der Winterreserve, wo eine gute halbe Milliarde Franken für Turbinenkraftwerke ausgegeben wurde, die jetzt schon nicht mehr benötigt werden. Hätte das KKW Mühleberg noch funktioniert, wäre dieser Aufwand nicht erforderlich gewesen. Der Stromkunde wird nicht gefragt, er muss einfach zahlen, und das sehr heftig, mit Steigerungen von bis zu mehr als 50 % innerhalb nur eines Jahres.

An diesem von der Politik reichlich gedeckten Kostentisch sammeln sich natürlich die Interessenten, die hierfür geeignete Lösungen verkaufen wollen. Diese Kosten sind nach Ansicht von Knutti jedoch lediglich «der Preis, den die Schweiz für Versorgungssicherheit bezahlen muss.» Gleich darauf bezeichnet er jedoch die Warnung, dass die Bevölkerung unter steigenden Energiepreisen leiden müsse, als «steile These. Wir können nicht wissen, wie sich die Energiepreise entwickeln werden, und das Stromgesetz macht auch keinerlei Angaben dazu».

Natürlich stehen im Gesetz keine Kosten, weil die Politik selbst keine Vorstellung hat, was sie da anrichtet. Eine klare Zeit- und Kostenkalkulation, wie sie jedes Unternehmen bei grösseren Projekten vorlegen muss, hat der Staat nämlich nicht. Es wird einfach die Kernkraft über Bord geworfen und den Rest lässt man auf sich zukommen. Das ist, als öffne der Kapitän die Flutventile seines Schiffs und fange danach erst mit dem Bau von Rettungsbooten an.

Für manche Unternehmen stellt diese Situation eine Goldgrube dar: Für Solarzellen und Batteriehersteller, für CO2-Einfänger und die Hersteller von Netzleit- und Regeltechnik blüht, wie man so schön sagt, der Weizen. Das führt zu erstaunlichen Zusammenhängen.

Interessantes Zusammenspiel von Knutti, Watson und Siemens

Der Watson-Artikel, in dem Prof. Knutti die Kritiker des Mantelerlasses einem vorgeblichen «Faktencheck» unterziehen durfte, wurde von einer ehemaligen PR-Dame verfasst. Diese absolvierte eine dreijährige Ausbildung in «Kommunikation» für die Förderung von Vertrieb und Kundenberatung bei der «Siemens Smart Infrastructure». Dieser Zweig des Siemens-Imperiums entwickelt und vertreibt alles mögliche, was benötigt wird, um Netze ab Mittelspannung abwärts zu managen sowie Gebäude vom Einfamilienhaus über die Fabrik und das Krankenhaus bis zum Flughafen fit zu machen für die Segnungen des «erneuerbar» erzeugten Stroms. Derart «gepolte » Journalisten neigen dazu, Menschen wie Prof. Knutti zu unterstützen, die als Verbreiter von Klimafurcht ihrem ehemaligen Umfeld weitere Kundschaft zutreiben.

Ähnliches lässt sich auch bei der FAZ beobachten, wo sich eine junge Dame beim Masterstudium Economics mit Strom- und Gasmärkten, Instrumenten der Dekarbonisierung und Pfaden hin zur Klimaneutralität beschäftigte. Seither prägt sie dort die Berichterstattung und «erklärt» den Lesern die Vorteile der Stilllegung der letzten deutschen Kernkraftwerke oder den Nutzen von Elektrolyseuren zur Herstellung von «grünem» Wasserstoff. Manchmal bekommt man fast den Eindruck, dass die Redaktionen gezielt solche Leute einstellen. Diese bereiten dann den von der Politik vorgegebenen Themen von vornherein propagandistisch den Weg. Die langfristigen Folgekosten dieser Propaganda trägt dann das Volk.

Mangelnde Sachkunde und zuviel Vertrauen in die Politik: Ein Unglück für die Schweiz

In diesem Zusammenhang erweist es sich als enormer Nachteil, dass auch in der Schweiz die Verbände kein ausreichend sachkundiges Fachpersonal haben, welches den Unsinn der Energiewende erkennen und dagegenhalten könnten. So gibt beim Hauseigentümerverband HEV ein renommierter Anwalt die Ja-Parole vor, der als Berater mit der Politik und der Industrie hervorragend vernetzt ist. Als Jurist ist er jedoch augenscheinlich damit überfordert, die in der politischen Planung versteckten technischen Fallstricke zu erkennen. Das Ergebnis ist eine Ja-Parole des Verbands für eine Energiepolitik, die nicht den Interessen der Hauseigentümer dient.

Aehnliches gilt für die kürzlich gefassten Ja-Parolen der Industrieverbände Swissmem und Swissmechanic. Sie müssten doch sehen, wie sich die grüne Zersetzung in Deutschland als ihrem wichtigsten Markt immer weiter ausbreitet. Dort machen immer mehr Industriefirmen dicht oder gehen ins Ausland. Die deutsche Automobilbranche ist schwer angeschlagen, der Maschinenbau ebenfalls und die Grosschemie investiert nicht mehr. Unsere Politik folgt mit dem Mantelerlass den gleichen Richtlinien, die auch Deutschland schaden. Für die Schweizer wird es höchste Zeit, aufzuwachen und den Mantelerlass abzulehnen.

Fred F. Mueller




Versicherungsgeschäfte mit der Klimaangst: Klimaschau 193

Die Klimaschau informiert über Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende.

Thema der 193. Ausgabe: Versicherungsgeschäfte mit der Klimaangst




Ein Problem weniger: Kapstadt schließt seine Radwege

von Hans Hofmann-Reinecke

Warum Kapstadt seine Radwege schließt: Man hatte die Radwege dort in den vergangenen Jahren zügig ausgebaut, doch jetzt beginnt man damit, dieselben wieder zu schließen. Man hatte bei der Planung ein Detail übersehen, welches vielleicht auch in Peru von Bedeutung sein könnte.

Nachhaltigkeit am Kap

Um das Fahrrad als Transportmittel attraktiver zu machen, um Verkehrsstaus zu reduzieren und, nicht zu vergessen, um die Nachhaltigkeit zu fördern, hatte Kapstadt Anfang der 2000er Jahre mit dem zügigen Ausbau von Infrastruktur für Radfahrer begonnen. Letzte Woche nun wurden 15 dieser Fußgänger- und Fahrradwege wieder geschlossen, weitere 265 Sperrungen sind geplant. Was ist geschehen?

Kriminelle Banden, die den informellen Markt für Gebrauchtfahrräder beliefern, hatten herausgefunden, dass Radwege eine ideale Bezugsquelle für neues Material sind. So wie ein Angler am Ufer des Flusses nur warten muss und damit rechnen kann, dass seine Beute spontan angeschwommen kommt, so brauchen die Ganoven nur im Busch zu warten und zuzugreifen, wenn sich eine adrette Radlerin auf dem dafür vorgesehenen Pfad nähert.

Selbst des Radfahrens kundig hat der Delinquent jetzt nicht nur ein praktisches Fluchtfahrzeug zur Verfügung, sondern auch ein attraktives und nachhaltiges Transportmittel für Diebesgut, welches er auf dem Heimweg aus der einen oder anderen Villa mitgehen lässt. Diese Entwicklung hat Anwohner jetzt zu einer entsprechenden Petition veranlasst, die zu besagter Schließung der Radwege führte. Die dadurch freiwerdende Bodenfläche wird in die angrenzenden Grundstücke integriert und wieder bepflanzt. Eine echte win-win Entscheidung.

Das Klima in Lima

Die großzügige Förderung von Radwegen in der peruanischen Hauptstadt Lima durch den deutschen Steuerzahler war in jüngster Zeit auf viel Aufmerksamkeit gestoßen. Es gab kritische Fragen, ob diese Millionen denn wirklich gut investiert seien, und es gab die Rechtfertigung, dass der deutsche Klimawandel auch in Peru bekämpft werden muss, so wie unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt wird.

Könnte es nun aber passieren, dass man in dieser südamerikanischen Metropole dieselben bitteren Erfahrungen machen wird, wie am Kap der Guten Hoffnung? Sie protestieren jetzt vielleicht und betonen, dass man südafrikanische Kriminalität doch nicht mit der Situation im friedlichen Lima vergleichen könne! Da ist nicht jeder Ihrer Meinung. Die Kriminalstatistik von Numbeo listet für Kapstadt den „Crime Index“ 73,84 und für Lima 70,90 (zum Vergleich München: 20,34). So viel besser ist es da drüben also nicht. Falls für die neuen Fahrradwege also eines Tages der Rückbau angesagt ist, dann wird auch das wieder einiges Kosten, und da wird die Bundesrepublik als Anstifter vermutlich zur Kasse gebeten werden. Der Steuerzahler kann das Ganze dann abbuchen in der Rubrik „Stupid Money“.

Dieser Artikel erscheint auch im Blog des Autors Think-Again. Der Bestseller Grün und Dumm, und andere seiner Bücher, sind bei Amazon erhältlich.




Hurrikan-Daten aus 1000 Jahren zerschlagen das Narrativ

Cap Allon

Eine neue, in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie über Hurrikane zeigt anhand von Daten aus 1000 Jahren, dass nichts Besorgnis erregendes vor sich geht.

In der von Wenchang Yang vom Fachbereich Geowissenschaften in Princeton geleiteten Studie heißt es, dass die Projektion von Hurrikantrends in die Zukunft höchst unsicher ist, was vor allem auf die kurzen instrumentellen Aufzeichnungen zurückzuführen ist, die unser Verständnis begrenzen.

„Hier erweitern wir die Aufzeichnungen auf das letzte Jahrtausend, indem wir zwei unabhängige Schätzungen verwenden: eine Rekonstruktion aus sedimentären Paläo-Hurrikan-Aufzeichnungen und ein statistisches Modell der Hurrikan-Aktivität auf der Grundlage der Meerestemperaturen (SSTs).

Wir stellen eine statistisch signifikante Übereinstimmung zwischen den beiden Schätzungen fest, und die Hurrikanhäufigkeit des späten 20. Jahrhunderts liegt innerhalb der im letzten Jahrtausend beobachteten Bandbreite.

Numerische Simulationen mit einem Klimamodell, das Hurrikane zulässt, deuten darauf hin, dass die Hurrikanaktivität wahrscheinlich durch endogene Klimavariabilität angetrieben wurde und mit anomalen SSTs des warmen Atlantiks und des kalten Pazifiks zusammenhing.“

Hier ist die Aufzeichnung des Auftretens aktueller Hurrikane (Abb. 1, D in der Studie):

Aktuelle Beobachtung der Häufigkeit von Wirbelstürmen (schwarze durchgezogene Linie) (1860-2000). Schwere Wirbelstürme (Kat. 3-5, gestrichelte Linien) sowie schwere Wirbelstürme mit Landfall (gepunktete Linien).

Und hier, wie sich diese Aufzeichnung in das Gesamtbild einfügt:

Rekonstruktion der Sedimentablagerungen an mehreren Orten (graue Linie) und die Mitglieder des Jack-Knife-Ensembles (farbige Linien) zusammen mit aktuellen Beobachtungen der Häufigkeit von Wirbelstürmen (schwarze durchgezogene Linie).

Entnommen aus dem Abschnitt „Diskussion“ der Studie:

„In dieser Studie rekonstruierten wir die Hurrikanaktivität des gesamten NA-Beckens im letzten Jahrtausend (Jahre 0850-2000) unter Verwendung des aktuellsten Netzwerks paläo-hurrikanischer Sedimentproxies. Diese sedimentbasierte Rekonstruktion der Hurrikanhäufigkeit stimmt mit den Beobachtungsdaten des 20. Jahrhunderts überein und stimmt mit einer unabhängigen Schätzung der beckenweiten Hurrikane aus einem statistischen Modell unter Verwendung von LMR-SSTs (SST-emulierte Hurrikane) während des letzten Jahrtausends überein.

Weder die sedimentbasierte noch die SST-emulierte Hurrikan-Rekonstruktion deutet darauf hin, dass die multidekadische Hurrikanhäufigkeit im späten zwanzigsten Jahrhundert außerhalb der im vergangenen Jahrtausend beobachteten Bandbreite liegt. … die jüngsten Trends liegen innerhalb der Schwankungsbreite des vergangenen Jahrtausends, an die sich die natürlichen und menschlichen Systeme anpassen konnten.“

[Hervorhebung im Original]

Link: https://electroverse.substack.com/p/summer-skiing-in-europe-after-record?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email (Zahlschranke)

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




China und Indien brechen Rekorde bei der Förderung von Kohle

Duggan Flanakin

Im April hat die US-Umweltschutzbehörde [EPA] eine neue endgültige Vorschrift erlassen, die US-Kohlekraftwerke dazu zwingt, entweder Systeme zur Kohlendioxidabscheidung zu installieren oder den Betrieb einzustellen. Die Vorschrift ist ein wichtiger Bestandteil des Versprechens von Präsident Biden, alle Kohlendioxid ausstoßenden Energiequellen bis 2035 im Elektrizitätssektor und bis 2050 für Hausheizungen, die Stahlproduktion und alle anderen Verwendungszwecke abzuschaffen.

Doch wie Tsvetana Paraskova im Mai berichtete, steht der Plan der Biden-Administration vor unüberwindbaren Problemen, da fossile Brennstoffe immer noch 60 Prozent der gesamten Stromerzeugung in den USA ausmachen. Der Anteil der Kohle ist auf 16 Prozent gesunken, während der Anteil von Erdgas bei 43 Prozent liegt. Die Stromerzeugung aus Kohle ist während sommerlicher Hitzewellen am höchsten, wenn die Windenergie unstetig ist. Damit liefert Kohle immer noch mehr Strom als Wind (11 Prozent), Wasserkraft (6 Prozent) oder Solarenergie (4 Prozent).

Der Vorstoß zielt darauf ab, nicht nur die Kohle, sondern alle fossilen Brennstoffe aus der amerikanischen Gesellschaft zu verbannen. Die Fliege in Bidens Suppe ist eher der Elefant in einem kleinen Raum. Auf der ganzen Welt sind große und kleine Länder weitaus mehr damit beschäftigt, ihre Bürger mit Energie und Strom zu versorgen, als einen von Angstmachern angeführten „Kreuzzug“ zu führen, um den Planeten vom lebensspendenden Kohlendioxid zu befreien.

Hierzulande sind fünf Bundesstaaten – North Dakota, Missouri, Kentucky, Wyoming und West Virginia – bei mehr als der Hälfte ihrer Stromerzeugung immer noch auf Kohle angewiesen. Rechenzentren, künstliche Intelligenz und Elektrofahrzeuge verbrauchen einen immer größeren Teil des vorhandenen Stroms und belasten die Versorgungsunternehmen, die darum kämpfen, das Energieangebot auf einem Niveau zu halten, das der Energienachfrage entspricht.

In Europa, wo der offizielle Enthusiasmus für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zeitweise den amerikanischen übertraf, hat sogar Deutschland ein Kohlekraftwerk wieder in Betrieb genommen, und andere europäische Länder denken über ihren eigenen Bedarf an Alternativen zum russischen Erdgas nach. Die Braunkohleförderung in der EU ist von über 300 Megatonnen in den 2010er Jahren auf 240 Megatonnen im Jahr 2020 zurückgegangen.

Vier EU-Länder fördern Steinkohle, allen voran Polen und Deutschland, mit einer Jahresproduktion von etwa 150 Megatonnen in der jüngsten Vergangenheit. In Polen werden immer noch 70 Prozent des Stroms aus Kohle gewonnen, in Deutschland liegt der Anteil der Kohle bei weit über 25 Prozent. Russland deckt etwa 11 Prozent seines Strombedarfs aus Kohle und ist damit der fünftgrößte Kohleverbraucher der Welt.

Vor dem Einmarsch in die Ukraine hatte der russische Präsident Wladimir Putin ein neues nationales Ziel verkündet, bis 2060 netto kohlendioxidfrei zu werden – lange nach der vom Westen selbst auferlegten Frist. Andere Länder außerhalb der globalistischen Kabale in Doha und Brüssel (und Washington, DC) sind noch weniger geneigt, die Kohleproduktion zu beenden; vor allem Indien und China bewegen sich in die entgegengesetzte Richtung.

Im April freute sich der indische Premierminister Narendra Modi über die Meldung, dass sein Land im Steuerjahr 2023-24 mehr als eine Milliarde Tonnen Stein- und Braunkohle gefördert hat, fast 100 Millionen Tonnen mehr als im Steuerjahr 2022-23. Modi, dessen Land noch viel mehr Strom benötigt, um seine Ziele als Erste-Welt-Land zu erreichen, lobte die Produktion als „eine bemerkenswerte Leistung und einen „historischen Meilenstein auf dem Weg zur Selbstständigkeit“ in einem lebenswichtigen Sektor.

Einem neuen Bericht des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) und des Global Energy Monitor (GEM) zufolge haben sich die Genehmigungen für Kohlekraftwerke, der Baubeginn und die Ankündigung neuer Projekte in China im Jahr 2022 dramatisch beschleunigt, wobei die neuen Genehmigungen den höchsten Stand seit 2015 erreichten. Chinas Kapazität an Kohlekraftwerken, mit deren Bau begonnen wurde, war sechsmal so groß wie die der übrigen Welt zusammen.

Julia Simon vom National Public Radio berichtet, dass Chinas Hitzewellen die Nachfrage nach Klimaanlagen erhöht und Flüsse ausgetrocknet haben, so dass chinesische Wasserkraftwerke stillgelegt werden mussten. Aiqun Yu, Mitverfasserin des CREA-GEM-Berichts, wies darauf hin, dass die hohen Preise für Flüssigerdgas aufgrund des Krieges zwischen Russland und der Ukraine eine weitere chinesische Provinz dazu veranlassten, sich der Kohle zuzuwenden.

Der CREA-GEM-Bericht beschönigt Chinas Engagement für die Kohle ein wenig, indem er behauptet, dass der „massive Zubau neuer Kohlekraftwerke nicht unbedingt bedeutet, dass der Kohleverbrauch oder die CO₂-Emissionen des Energiesektors in China steigen werden“. Schließlich baue China auch Wind-, Solar- und Kernenergieanlagen, und Präsident Xi habe „versprochen, dass China den Kohleverbrauch im Zeitraum 2026-2030 reduzieren werde“.

Dies, so die Autoren entschuldigend, „würde eher eine sinkende Nutzungsrate bedeuten“ als ein weiteres Wachstum der Kohleverstromung. Sicherlich, so sagen sie wortlos, wird China diese teuren neuen Kohlekraftwerke innerhalb der nächsten acht Jahre auslaufen lassen. Und Schweine fliegen.

Dennoch hielt es das CREA-GEM-Team für notwendig, einige „politische Empfehlungen“ zu formulieren, um Präsident Xi zu zeigen, wie er sich die Gunst der Net-Zero-Oberherren erhalten kann. Erstens müsse China neue Kohlekraftwerkskapazitäten streng kontrollieren und Genehmigungen für Projekte ablehnen oder widerrufen, die nicht zur „Unterstützung der Netzstabilität“ oder zur „Unterstützung der Integration variabler erneuerbarer Energien“ erforderlich seien.

Bereits im Jahr 2020 forderte UN-Generalsekretär Antonio Guterres Indien auf, sich zur Kohlenstoffneutralität zu verpflichten, indem es die Subventionen für fossile Brennstoffe einstellt und in Solarenergie investiert. Guterres behauptete, dass Investitionen in Kohle eine „schlechte Wirtschaft“ seien, und sagte, dass Indien nur dann eine „wahre globale Supermacht im Kampf gegen den Klimawandel werden kann, wenn es seinen Wechsel von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien beschleunigt“.

Hat sich Premierminister Modi vor Guterres verbeugt und gekuscht?

Im selben Jahr reiste Guterres bis nach Peking, um China zu „drängen“, die Finanzierung von Kohleprojekten einzustellen, weil (OMG!) die Ziele des Pariser Klimaabkommens ohne Chinas Kooperation außer Reichweite geraten würden. Auch dort flehte er die „wirtschaftliche Supermacht“ an, sich zu fügen, und flüsterte, dass „die Art und Weise, wie China das Wachstum wiederherstellt, einen großen Einfluss darauf haben wird, ob wir in der Welt nach der Pandemie 1,5°C in Reichweite halten können“ (gesprochen auf dem Höhepunkt der Pandemie!).

War Präsident Xi so geschmeichelt von dem ehemaligen portugiesischen Premierminister, dass er sofort alle künftigen Pläne für neue Kohlekraftwerke in China gestoppt hat?

Im November 2021 verpflichteten sich mehr als vierzig Länder, darunter das von Kohle abhängige Polen, Vietnam und Chile, zum Ausstieg aus der Kohle. Die USA und 19 weitere Länder würden sich lediglich verpflichten, die öffentliche Finanzierung von Projekten zur Nutzung fossiler Brennstoffe im Ausland bis Ende 2022 einzustellen, die „ungebremst“ sind.

Was würde passieren, wenn nur der Westen und seine Freunde aus den fossilen Brennstoffen aussteigen würden?

Link: https://www.cfact.org/2024/05/29/china-india-break-coal-production-records/