Auch über Attributions-Studien kann man zu Erkenntnissen kommen

Helmut Kuntz

Im gerade vergangenen Mai wurde in Italien die Emilia-Romagna (wieder) von einer extremen Regenflut heimgesucht. Selbstverständlich Anlass für alle die es besonders genau wissen, darin unverkennbar und absolut sicher den ominösen Klimawandel erkennen zu können:
[7] SPIEGEL, 20.05.2023: Unwetter in Italien – Klimawandel bedroht Mittelmehrraum
Stürme, Überschwemmungen, Dürre: Der Klimawandel könnte Unwetter im Mittelmeerraum extremer machen, warnen Forscher – mit Folgen für Deutschland.
TAZ, 18.05.2023: Extremwetter infolge des Klimawandels: Italien wetterfest machen
Italien gilt als Hotspot des Klimawandels, die jüngste Flutkatastrophe ist nur ein Vorbote. Die Regierung braucht jetzt schnelle Konzepte.

Doch nun wurde Italiens Klima-Folter(er) rehabilitiert

Diese Überschrift ist eine leichte Abwandlung vom Header des Artikels „Italiens Klima-Folter“ auf Klimareporter.de von 2018 [1]. Er wurde damals aufgrund schlimmer Starkregen in Italien geschrieben, mit dem unvermeidbaren Hinweis, dass nur der Klimawandel dafür in Frage kommt und ein Professor vom PIK es selbstverständlich auch belegen – zumindest genauestens vermuten – kann.
Allerdings wurde zu den Mai-Ereignissen nun von honoriger Stelle eine Atrributionsstudie publiziert, die genau dieses Narrativ nicht nur in Frage stellt, sondern glatt verneint:
Merkur 04.06.2023: Überschwemmung in Italien: Studie untersucht Einfluss des Klimawandels und kommt zu überraschendem Ergebnis
… Intensive Regenfälle, wie sie in den vergangenen Wochen über der italienischen Emilia-Romagna niedergingen, sind durch den Klimawandel in dieser Region nicht wahrscheinlicher geworden … Auf der Basis von Wetterdaten und Computermodellen suchten die Forschenden nach Hinweisen auf den Einfluss des Klimawandels auf den Starkregen – und konnten keinen Trend feststellen.

Zusätzlich listet diese Studie noch, dass auch in Italien bezüglich den Anpassungsmaßnahmen gegen die dort ebenfalls regelmäßigen Extremniederschläge wohl ähnliche Zustände wie im Ahrtal herrschen, was aber weniger ein Licht auf die Verhältnisse in Italien, sondern auf die Ergebnisse von 16 Jahren „Merkel“ wirft.

Attributionsstudie “Limited net role for climate change in heavy spring rainfall in Emilia Romagna” [2]

Diese kommt zu dem überraschenden Schluss, dass der ominöse Klimawandel nicht! für dieses Ereignis verantwortlich gemacht werden kann:
[2] Attributionsstudie 2023
(Deepl-Übersetzung) …. Sowohl in den Stationsdaten als auch in anderen Beobachtungsdatenprodukten ist kein signifikanter Trend im Auftreten der 21-tägigen Frühjahrsniederschläge:
Die Regenmenge, die heute bei einem 200-jährigen Ereignis fällt, ist also die gleiche wie bei einem 200-jährigen Ereignis zu Beginn der Aufzeichnungen.
Um festzustellen, ob es tatsächlich keinen Trend gibt der auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen ist, oder ob ein Trend durch Veränderungen anderer Einflussfaktoren für Niederschläge, wie Landnutzungsänderungen oder Aerosolveränderungen, überdeckt wird, betrachten wir dasselbe 21-Tage-Ereignis in Klimamodellen mit und ohne den vom Menschen verursachten Anstieg des Klimawandels.
Von den 19 verwendeten Modellen zeigt keines eine signifikante eine signifikante Änderung der Wahrscheinlichkeit oder Intensität des Auftretens eines solchen Ereignisses. Dies deutet darauf hin, dass im Gegensatz zu den meisten Teilen der Welt in der Region Emilia-Romagna im Frühjahr tatsächlich keine Zunahme von Starkregenereignissen festzustellen ist.
Folglich ist die Änderung der Intensität zwischen dem Klima von 2023 und einem 1,2°C kühleren Klima in diesen Datensätzen ebenfalls sehr gering und mit großen Unsicherheiten behaftet:
4 % Anstieg in den Stationszusammenfassungen (Unsicherheit: -49 % bis 30 %),
3 % Rückgang in MSWEP (Unsicherheit: -32 % bis 40 %) und
10 % Rückgang in ERA5 (Unsicherheit: -28 % bis 16 %).

Anbei eine Darstellung, wie die Studie zu ihren Ergebnissen kommt. Zuerst die Extrem-Niederschlagsdaten in der Studie:

Bild 1 In der Studie ermittelten und zur Auswertung angezogenen 21-Tage-Niederschlagsdaten der betroffenen Region für den Zeitraum 1950 bis Mai 2023. Quelle: [2] Figure 5: Time series of AMJ maxima of 21-day accumulated rainfall along with the ten-year running mean (shown by red line) for ER based on (a) station composites (b) MSWEP and (c) ERA5 datasets

Diese Niederschlagsverläufe wurden in Korrelation mit der Globaltemperatur verglichen:

Bild 2 Globaltemperaturverlauf

Umgesetzt in eine Darstellung des temperaturabhängigen Auftretens solcher Ereignisse, leiten sich dann die statistischen Wiederholraten ab. Der Unterschied zwischen den blauen und roten Begrenzungslinien der rechten Grafiken zeigt die berechnete Differenz zwischen der Ereignishäufigkeit bei aktueller Temperatur und einem 1,2 Grad kühlerem Klima:

Bild 3 [2] Figure 6: GEV fit with constant dispersion parameter, and location parameter scaled proportional to observed GMST, for the ER region based on (a) station composites (b) MSWEP and (c) ERA5. The 2023 event is included in the fit. Left: Observed AMJ Rx21d as a function of the smoothed GMST. The thick red line denotes the time-varying location parameter; the thinner lines above indicate 6-year and 40-year effective return levels. The vertical red lines show the 95% confidence interval for the location parameter for the 2023 climate and a 1.2ºC cooler climate. The 2023 observation is highlighted with the magenta box. Right: Return time plots for the climate of 2023 (red) and a climate with GMST 1.2 ºC cooler (blue). The past observations are shown twice: once shifted up to the current climate and once shifted down to the climate of the late nineteenth century. The markers show the data and the lines show the fits and uncertainty from the bootstrap. The magenta line shows the magnitude of the 2023 event. – Bild vom Autor ergänzt

Die Wetterdaten

In der Studie wird ein Zeitraum von 1950 bis aktuell, also von 73 Jahren zur Auswertung angezogen (Bild 1) und in Grafiken die damit bis zu 10.000 Jahre weit in die Zukunft „hochzurechnen“, als Mittelwert- Linien mit Vertrauensbereich eingetragen.

Die Verwendung solcher (für Niederschlagsereignisse) kurzer Zeiträume findet sich unisono in allen Attributionsstudien (die der Autor bisher angesehen hat). Dabei stellt sich die Frage, ob es nicht längere Datensätze gibt und wenn, warum diese dann nicht verwendet werden, allerdings auch, was sich dann vielleicht am Ergebnis ändern würde.

Zu Italien kann man erstaunt lesen, dass gerade in diesem Land die Wetteraufzeichnungen besonders lang und hochwertig seien:
[10] Observation data
Italy is one of the first countries that started to systematically collect meteorological observations. Meteorological instruments and a network of observations were developed by Galileo’s scholars and operated in the 17th century already. The rainfall series 55 collected in Padua since 1725 is the longest daily record in the world, and five other rainfall stations have been continuously in operation – with few missing values – since the eighteenth century (Bologna, Milan, Rome, Palermo and Turin). Therefore, a data set of enormous value has been accumulated in Italy over the last three centuries (Brunetti et al., 2006).

Und so findet sich beispielsweise die Langzeit-Wetteraufzeichnung von Bologna – einer Stadt mitten in der von der Flut betroffenen Emilia-Romagna – in Tagesauflösung in zwei Studien:

Bild 4 Langzeit-Wetterdaten von Bologna aus zwei Studien [10] und: [3] Figure A1. Time series of daily precipitation series in Bologna … with annual maximum rainfall depths marked ans additional showing climatic values (30-year averages) of annual maxima and of daily averages (adapted from Koutsoyiannis … )

Beim genaueren Vergleich sieht man, dass im unteren Verlauf [3] die in [10] um 1830 deutlich erkennbare, hohe Tagessumme fehlt, ansonsten stimmen die beiden Verläufe wohl überein.
Erkennbar ist, dass die extremen Tagesniederschläge eher abnehmen und ohne Vortrend spontan von einem Extrem unterbrochen werden können, was für Extremniederschlag allerdings ganz typisch ist. Auch das Ahrtal mit seinem schon drei Mal aufgezeichnetem, grob alle 100 Jahre auftretendem Extremst-Ereignis zeigt diesen Effekt.

In Griechenland zeigt sich übrigens dazu ein ähnliches Verhalten:

Bild 5 [3] Figure 3. Time series of daily precipitation series in Athens at the Hill of Nymphs station of the National Observatory of Athens (average daily values start in 1860 with a total length of 161 years; daily and maximum daily values start in 1864 with a total length of 155 years). The graph also shows (a) the high and low records, (b) the climatic values (30-year averages), and (c) the fitted linear trends. (Upper): average daily rainfall; (Lower): maximum daily rainfall.

Wie war es noch früher?

Nun würde man gerne wissen, wie es noch früher mit dem Extremniederschlag aussah.

Auch dazu findet sich eine Studie:
[11] Studie, Nazzareno Diodato at al.,
July 2019: A millenuium-long reconstruction of damaging hydrological events across Italyjan
Und diese zeigt, dass in Italien die schlimmsten Fluten ausgerechnet während der Kälte des ausgehenden Mittelalters bis grob zum Beginn der Industrialisierung geschahen. Ein Ergebnis, welches sich gut mit den Flutereignissen in Deutschland deckt und anhand der seit dem Mittelalter hinterlegten Flusspegeldaten über ganz Deutschland einfach nachgeprüft werden kann.

Bild 6 [11] 3. Overview of several environmental and climate patterns during the past twelve centuries (800–2017).

(F) Hydrological variability for the Po River Basin (brown curve) reconstructed by foraminiferal δ18O record-sediment core
(A) Evolution of the smoothed 11-year Gaussian flter of storm severity index sum – SSIS(GF) – in Italy (blue curve) with retreat/advance of the Langjökull glacier (Iceland) reconstructed from the Hvítárvatn lake varves (red curve).

Bei so vielen historischen Daten wundert man sich dann schon, warum die Attributionsstudie erst mit dem Jahr 1950 beginnt. Doch das hat „gute“ Gründe.

Falsche“ Daten würden das Ergebnis „stören“

Trägt man die zu korrelierende Globaltemperatur in den Niederschlagsverlauf von Bologna ein, sieht man sofort, dass kurz vor 1950 ein steiler Temperaturanstieg begann und ab dann der Extremniederschlag im Verlauf auch „günstiger“, also wenigstens etwas alarmistischer ausfällt. Betrachtet man allerdings den vollständigen Zeitbereich, finden sich in der kalten Zeit vor 1940 genau so hohe, sogar höhere Tagesextreme als danach. Mehr als etwas „unglücklich“, wenn man einen Anstieg mit steigender Temperatur belegen will.
Zudem: Nur bis 1900 … 1935 zeigt sich so etwas wie eine wirkliche Korrelation zwischen Temperaturanstieg und hohem Extremniederschlag.

Bild 7 Verlauf der Globaltemperatur vom Autor über die Niederschlagskurve von Bologna kopiert

Wenn man gerade bei den Daten ist. Unter den Temperaturdaten dieser Gegend finden sich schöne Beispiele für nachträgliche „Richtigstellungen“.
Beispielhaft der Datensatz von Rimini (ein vom Flutereignis stark betroffener Ort.

Bild 8 Temperaturverlauf von Rimini mit den nicht gelöschten Adjustierungen. Vom Autor ist der Verlauf der Rohdaten in orange grob nachgezeichnet. Bestimmt nicht zufällig zeigt der „richtiggestellte“, schwarze Temperaturverlauf in der Vergangenheit (erheblich) niedrigere Temperaturen

Die folgende Zusammenstellung von Grafiken zeigt direkt die Auswirkungen der (bewussten) Einschränkung der Datensatzlänge. Dass es bei erheblich kälteren Temperaturen ebenfalls vergleichbare Extremniederschlagsereignisse gibt, verschwindet völlig aus dem Auswertefokus:

Bild 9 Zusammenfassung der verschiedenen Daten durch den Autor

Was passiert nun, wenn man beispielhaft das Extremereignis von 1933 in die ursprüngliche Auswertung nachträgt, unter der Annahme, dass der Niederschlag damals ähnlich hoch wie beim diesjährigen Maiereignis war. Die Temperaturdifferenz dazu beträgt ungefähr minus 0,9 Kelvin.

Die Häufigkeitsbilder der Extremereignisse zeigen nun:
-Das aktuelle Ereignis ist unabhängig von der Temperatur,
-die Temperatur-Tendenz (Mittelwert ist die dicke, rote Linie), welche in den Grafiken b und c schon fällt und nur in a eine geringfügige Anstiegstendenz aufweist, würde wohl auch in a fallend werden.
-Die zusätzlich eingezeichneten, blauen Begrenzungslinie zeigen sowieso, dass die Gesamttendenz von Extremregen mit höherer Temperatur abnimmt.

Alleine diese Grafiken widerlegen damit zusätzlich den oft postulierten Klimawandeleinfluss, bestätigt also auch die Aussagen der anderen Attributionsstudien, dass Extremniederschlag bei Kälte häufiger vorkam.

Bild 10 Häufigkeitsgrafiken aus Bild 3 mit vom Autor nachgetragenen Ereignisdaten von 1933 und blauen Begrenzungslinien

Was ist von unseren „Klimawandel-Experten“ zu halten

Unabhängig davon, was man aus der Attributionsstudie herauslesen will, zeigt diese eines allerdings klar:
Keine der dortigen Regenfluten kann auf den ominösen Klimawandel bezogen werden. Und bis zum Auftreten der diesjährigen Maiflut, ab der man dann genauer hinsehen muss, zeigten dies alle Daten auf Anhieb überdeutlich, da sie bei tieferen Temperaturen höhere Extrempegel und auch Häufungen auswiesen (eingezeichnete, hellblaue, gestrichelte Begrenzungslinien im Bild 10).

Die vielen Fachpersonen welche über Jahre das Gegenteil behaupteten (und immer noch behaupten), lagen (und liegen) demnach erkennbar mit Falschaussagen daneben. Leider zeigen diese auch, wie man beim ominösen Klimawandel trotz vorhandener, eindeutiger Daten betrogen wird (rein persönliche Meinung des Autors).
[8] DERSTANDARD, 16. Sept. 2022: SCHWERE UNWETTER Italien: Nach der Rekorddürre die Sintflut
… Bei Unwettern in der italienischen Region Marken sind bisher zehn Menschen ums Leben gekommen. Flüsse, die zuvor fast ausgetrocknet waren, wurden zu zerstörerischen Fluten … Italien erweist sich immer mehr als Hotspot des Klimawandels: Wurden in Italien im Jahr 2009 noch rund 300 Extremwetterphänomene gezählt, waren es im Jahr 2019 laut der European Severe Weather Database mehr als 1.600 – eine Verfünffachung innerhalb von zehn Jahren.
… Wir sind es leid, in immer kürzeren Abständen Opfer der Klimakrise beklagen zu müssen“, erklärte der Chef der italienischen Grünen, Angelo Bonelli …
[1] 6.11.2018 (klimareporter.de): Italiens Klima-Folter
Schwere Unwetter halten Italien seit Tagen im Griff – mit über 30 Toten und gigantischen Schäden. Die Wetterextreme passen zu den Szenarien der Klimaforschung für eine aufgeheizte Welt. Betroffen ist nicht nur die Mittelmeerregion.

Zum gerade zitierten „klimareporter.de“: Dabei handelt es sich um die Nachfolgeplattform des Portals „klimaretter.info“, einer ehemaligen Hetzseite gegen „Klimaleugner“, welche unter Mitwirkung von Frau Claudia Kemfert betrieben wurde.
In der Nachfolge-Plattform „klimareporter.de“ ist Frau Kemfert ebenfalls als Mitglied im Herausgeberrat beteiligt.
Allerdings auch Frau Professor Friederike Otto, die Herausgeberin vieler Attributionsstudien, auch Mitautorin dieser Attributionsstudie.

Damit outet sich die in der Klimawandel-Attributionsforschung mit federführende Frau Professor Otto als bekennende und angepasste Klimaaktivistin. Für den Autor ist es deshalb auch kein Wunder, dass die unter ihrer Beteiligung entstehenden und publizierten Attributionsstudien solch eklatante, (bewusste) methodische Mängel aufweisen. Frau Kemfert geht ja ebenfalls so vor und „verzichtet“ zur Verbreitung ihrer Agenda auch teils recht konsequent auf wissenschaftliche Ansprüche (rein private Meinung des Autors, die dieser aus Mängeln in Publikationen von Frau Kemfert ableitet).

Quellen

[1] Klimareporter, 6.11.2018: Italiens Klima-Folter
[2] Attributionsstudie, Barnes, C at al., 2023 (14 Autoren): Limited net role for climate change in heavy spring rainfall in Emilia Romagna
[3] Studie Demetris Koutsoyiannis at al., 27 April 2023: In Search of Climate Crisis in Greece Using Hydrological Data: 404 Not Found
[4] Nathan J. L. Lenssen, at al.: Improvements in the GISTEMP Uncertainty Model
[5] NASA GISS Surface Temperature Analysis (v4)
[6] WELT, 04.11.2016 : KATASTROPHENJUBILÄUM Wie in Italien schon einmal die Welt unterging
[7] SPIEGEL, 20.05.2023: Unwetter in Italien Klimawandel bedroht Mittelmehrraum
[8] DERSTANDARD, 16. Sept. 2022: SCHWERE UNWETTER Italien: Nach der Rekorddürre die Sintflut
[10] Studie Rui Guo and Alberto Montanari, 21. October 2022: Historical rainfall data in Northern Italy predict larger meteorological drought hazard than climate projections
[11] Studie, Nazzareno Diodato at al., July 2019: A millenuium-long reconstruction of damaging hydrological events across Italyjan
[11] 3. Overview of several environmental and climate patterns during the past twelve centuries (800–2017).




Vom illegalen und legalen Töten von Greifvögeln

zuerst veröffentlicht bei Wattenrat Ostfriesland

Das Ausmaß illegaler Greifvogelverfolgung in Deutschland ist dramatisch groß. Der 41 Seiten starken Broschüre „Illegale Greifvogelverfolgung – erkennen, verfolgen, verhindern“ ist schon deshalb eine weite Verbreitung zu wünschen. Für den „Leitfaden für Zeugen, Naturfreunde und Strafverfolgungsbehörden“ zeichnen das renommierte Komitee gegen den Vogelmord e. V. als Herausgeber und profilierte Fachleute als Verfasser verantwortlich.

Die Broschüre konfrontiert den Leser mit kriminellen Machenschaften, den ihnen zugrundeliegenden Motiven, einem großen Dunkelfeld und erschreckend geringen Aufklärungsraten; sie liefert umfassende Informationen für die Aufklärung und Verfolgung der Straftaten. Den Verfassern ist es gelungen, darin auch einen Hinweis auf „vermehrt beobachtete Verfolgungsaktionen im Bereich von geplanten Windenergieanlagen“ zu plazieren. In der Regel handele es sich dabei um gezielte Störungen brütender Vögel oder das Fällen der Nistbäume. Durch den Ausbau der Windenergie komme es nämlich immer wieder zu Konflikten mit „windkraftsensiblen“ Vogelarten, zu deren Nestern ein gesetzlicher Mindestabstand vorgesehen sei und in der Folge Vorkommen bestimmter Greifvogelarten ein Ausschlußkriterium für Windenergieanlagen darstellten.

Bemerkenswert ist die Broschüre noch aus einem anderen Grund – nämlich wegen des Vorwortes der Bundesumweltministerin Steffi Lemke: Die Klimakrise sei in Form von Hitze, Dürre, Überschwemmungen und Waldbränden unübersehbar. Genauso dringlich wie die Klimakrise bekämpfe die neue Bundesregierung die Krise des Artenaussterbens. Viele Greifvogel- und Eulenarten könnten zwar vom Ausbau der Windkraft betroffen sein. Die Hauptursachen für den Rückgang dieser Arten seien aber ganz andere. So beklagt die Bündnisgrüne wortreich den Tod von Tausenden auf den Zugrouten illegal getöteter Greifvögel, weshalb sich Deutschland dafür einsetze, die Zugwege dieser Arten mit Aufklärung der Bevölkerung und Bekämpfung der Wilderei wieder sicher zu machen.

Der Leser mag daraus schließen, dass Deutschland die Artenvielfalt nun wie zuvor die Demokratie auch am Hindukusch verteidigt. Über die mehr als 8.500 Mäusebussarde, die von den Windenergieanlagen allein in den vier norddeutschen Bundesländern in einem jeden Jahr erschlagen werden (Stand 2016), verliert die Ministerin kein Wort. Und schon gar nicht über die Folgen der von der neuen Bundesregierung herbeigeführten Änderung des Artenschutzrechts zugunsten des Windenergieausbaus. Deswegen – und in diesem Punkt bedarf die druckfrische Broschüre der Korrektur – sind die in ihr noch genannten „gesetzlichen Mindestabstände“ und „Ausschlußkriterien“ zugunsten des Vogelschutzes faktisch bedeutungslos, weshalb in projektierten Windenergiegebieten das Motiv für das Verfolgen von Greifvögeln schlicht entfällt – das Tötungsrisiko am Rotor indessen nicht! Einer Aussage der Ministerin wird man indessen zustimmen können:

„Die bedrohte Artenvielfalt in Deutschland kann wirklich jede Hilfe gebrauchen.“

Vor allem seit Antritt der Ampelkoalition.

—-

Ergänzung:

Anmerkung Wattenrat zur Hochrechnung der Mäusebussard-Schlagopferzahlen:
Quelle: „Ermittlung der Kollisionsraten von (Greif-)Vögeln und Schaffung
planungsbezogener Grundlagen für die Prognose und Bewertung des
Kollisionsrisikos durch Windenergieanlagen, (PROGRESS), F&E-Vorhaben
Windenergie, Abschlussbericht 2016“

Eine spätere Hochrechnung korrigiert die darin zunächst genannte
Mäusebussard-Schlagopferzahl von 7.600 nach oben: „Hoher Aufwand, vage
Resultate- Windenergie und Vogelschutz – Anmerkungen zur
Progress-Studie, von Matthias Schreiber, Torsten Langgemach und Tobias
Dürr, Naturschutz und Landschaftsplanung 48 (10), 2016, 328-332“

Diese Korrektur haben die Autoren der PROGRESS-Studie bei einer späteren
Fachtagung mittlerweile selbst nach der o.a. Veröffentlichung von
Schreiber, Langgemach und Dürr vorgenommen.




Energiewende wirkt: Deutschland importiert immer mehr Kohle aus Kolumbien

von AR Göhring

Nach Abschaltung der eigenen Kernkraftwerke importiert das Land der Ampel-Regierung, Deutschland, immer mehr Kernkraftstrom aus Frankreich. Und jetzt auch noch Kohle aus Kolumbien – und schadet dort der Umwelt .

Nichts Neues unter der Sonne – grüne Politik folgt schon lange dem Prinzip „Deutschland sauber halten – dafür noch mehr Schmutz woanders“. Einschränkung: Industrieanlagen in deutschen Wäldern (Windparks). Und: „dabei kräftig Geld verdienen“.

Der Steinkohleimport aus Südamerika hat sich gergenüber 2022 verdoppelt. Das meiste kommt aus der berüchtigen Riesenmine El Cerrejón – bei Anwohnern „Monster“ genannt. Die Mine gehört dem Schweizer Konzern Glencore, der gerade prächtige Geschäfte macht. El Cerrejón ist eine echte Umweltschweinerei – die Deutsche Welle dazu:

„Dafür verantwortlich ist der Wassermangel, weil Flüsse und Bäche kontaminiert oder ausgetrocknet sind. Und der Mangel an Lebensmitteln, weil dort, wo die indigenen Gemeinden ihr Gemüse angebaut haben, jetzt Kohle gefördert wird. Die Kinder, die überleben, haben Hautausschlag und Atemwegserkrankungen wegen der Feinstaubbelastung, all das haben wird auch vor Gericht nachgewiesen“

Egal, geht halt nicht anders, würden Habeck oder Graichen sagen. Man kann davon ausgehen, daß grüne Politiker nicht unbedingt die Naturzerstörung andernorts fördern wollen. Aber sie sind derart inkompetent und realitätsfern, daß es stets passiert, wen sie hierzulande ahnungslos weitreichende Entscheidungen treffen. Dabei haben gerade grüne Politiker – fast von Anfang an – entweder ganz offiziell keimne Ausbildung, oder nur eine formale, die in der Wirklichkeit wenig bis keinen Nutzen besitzt. Die bekanntesten Beispiele:

  • Robert Habeck: Philosoph, Dissertation in Literaturästhetik
  • Annalena Baerbock: Master in Völkerrecht, umstritten, Vorwurf des käuflichen Erwerbs
  • Cem Özdemir: Diplom-Sozialpädagoge
  • Claudia Roth: Dramaturgie-Studium ohne Abschluß
  • Katrin Göring-Eckardt: Theologie-Studium ohne Abschluß
  • Ricarda Lang: Jura-Studium ohne Abschluß
  • Omid Nouripour: Studium der Germanistik, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft, Soziologie, Philosophie, Volkswirtschaftslehre, keinerlei Abschluß



Nicht totzukriegen: Der „Hockeyschläger“ von Michael E. Mann – neulich in der ARD exhumiert

von AR Göhring, Michael Limburg und Horst Lüdecke

Das Hockeyschläger-Temperaturdiagramm von Michael E. Mann et alii von 1999 war die erste nordhemisphärische quantitative Zeitreihe zur Temperaturentwicklung über lange Zeiträume. Der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch junge Adjunct Assistant Professor in der Abteilung Geowissenschaften in der University of Massachusetts, anschließend 1998/1999 Research Assistant Professor behauptete damit, daß es im Norden seit dem Jahr 1.000 ungefähr gleich kühl war, bis die Industrie ab etwa 1850 die Luft mit ihrem CO2 ordentlich aufheizte.  Der Hockeyschläger mit seiner nach abrupt oben zeigenden Klinge war geboren. Gegenteilige Daten aus dem Hoch- und Spätmittelalter, und die haarsträubende Methodik Manns haben den Hockeyschläger längst widerlegt – dennoch konnte der Klimaforscher mit der 99er Publikation eine großartige Karriere begründen.

Mikes Trick in NATURE, um die Abkühlung zu verstecken. von JOSH

„Ist es nicht unwissenschaftlich, zwei Datenquellen in einem Diagramm zu verspleißen?“

„Na ja, technisch, ja…aber wir haben es später im Kleingedruckten erwähnt! Und es macht so ein schön simples Diagramm…“

Im neuen Format ReschkeFernsehen behandelt die altgediente NDR-Journalistin Anja Reschke ein aktuelles (Dauer-)Thema – kürzlich den Hockeyschläger von Michael Mann und diese unumstößliche wissenschaftliche Tatsache leugnende Verschwörer wie Fritz Vahrenholt.

https://www.ardmediathek.de/video/reschke-fernsehen/der-kampf-ums-klima-wie-uns-die-oel-industrie-beluegt/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLm5kci5kZS80ODY3XzIwMjMtMDYtMDEtMjMtMzU

Reschke steht seit spätetens 2014 als Haltungsjournalistin arg in der Kritik – zu zeitgeistig und regierungsnah sind ihre Reportagen und Moderationen. Ein anderes beliebtes Thema der NDR-Journalistin ist das Feindbild der Herrschenden – Wissenschaftsleugner, Rechte, Verschwörungsmythologen. Trotz einiger Beteuerungen, es besser zu machen – so ab und an – blieb und bleibt sich Reschke aber treu. So liest sich denn auch der Text zu ihrem neuen Format ReschkeFernsehen:

Anja Reschke geht jede Woche einem Thema auf den Grund, das die Gesellschaft bewegt. Gegen Mächtige und Blender. 100 Prozent Recherche, null Prozent Bullshit. Gespickt mit amüsanten Clips und Zitaten zeigt sie in Reschke Fernsehen Zusammenhänge und Hintergründe auf.

Wer sind „die Mächtigen“? Immer nur das alte Kapital, oder, etwas hipper: die „fossile Industrie“. Neues Kapital wie die grüne Finanzindustrie von Christopher Hohn oder Larry Fink/BlackRock werden aber nicht erwähnt – unter „Bullshit“ versteht Reschke daher nur Kritik wie die von Vahrenholt oder Marc Morano.

Die Klimanachrichten dazu:

Fritz Vahrenholt kommt in der Sendung ebenfalls vor. Lässig wirft Reschke das Buch “Die Kalte Sonne” mal eben geschmeidig nach hinten. Alles falsch meint sie, ohne ein einziges Mal irgendeine Gegenposition darzulegen. Immerhin hat sie das Buch nicht verbrannt. Das ist ja schon mal wenigstens etwas. So geht Journalismus heute, Beweis durch Behauptung.

Wie ist die Hockeyschläger-Konstruktion zu bewerten? Michael Limburg dazu:

Meines Wissens nach gab es schon viele Rekonstruktionen früherer Temperaturen, aber immer nur bezogen die sich auf lokale Meßreihen, oder waren rein qualitativ, wie zum mittelalterlichen Klimaoptimum oder dergleichen.

Mann war der erste, der Proxys nicht nur methodisch auswertete, sondern auch eine positive Auslese betrieb, wie MacKittrick & McIntyre akribisch nachwiesen. Das heißt, er nahm alle Proxydaten raus, die frühere höhere Temperaturen gezeigt hatten, oder so hätten interpretiert werden können. Das erforderte, daß er für die gesamte Nordhalbkugel auf eine winzige Gruppe von Kiefern aus einem amerikanischen Gebirge zurückgreifen mußte.

Und er machte noch mehr, er wählte einen Rechenalgorithmus der aus jeder Datensammlung, auch zufälliger Art, einen Hockeyschläger machte, und – weil daß noch nicht reichte – weil die Baumringdaten ab Mitte der 1960er Jahre des vorigen Jahhunderts eine sinkende Temperatur zeigten, schnitt er diese ab und spleißte die modernen Thermometerdaten an. Also ein dreifacher Betrug, der aber dem IPCC gut gelegen kam und insgesamt 72 x im TAR erwähnt wurde, es war der „rauchende Colt“ der Klimakirche.

Horst Lüdecke zu den Temperaturreihen:

Interessanterweise gibt es immer noch keine globale Temperaturkurve der letzten 10 000 Jahre, die nicht umstritten ist. Man kann sich aber auch einmal die Gletscherentwicklung anschauen, die eindeutig die Situation belegt.

Wie echte Wissenschaft mit Argumenten geht, zeigt außerdem Nir Shaviv aus Jerusalem:




Überraschung bei Hurrikanen: Klimaschau 150

Die Klimaschau informiert über Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende.

Thema der 150. Ausgabe: Mehr Hurrikane wenn es heißer wird? Eine liebgewonnene Hypothese kollabiert.