Wieviele Doppelwummse brauchen wir? von Fritz Vahrenholt

Bevor wir auf die Energiepreisentwicklung im nächsten Jahr eingehen, werfen wir einen Blick auf die Temperaturentwicklung.
Die Abweichung der globalen Temperatur vom 30-jährigen Mittel der satellitengestützten Messungen der University of Alabama (UAH) ist im Oktober 2022  gegenüber dem September von 0,24 Grad auf 0,32 Grad Celsius gestiegen. Die durchschnittliche Temperatursteigerung pro Jahrzehnt beträgt seit 1979 nach wie vor 0,13 Grad Celsius- kein Grund sich irgendwo anzukleben.

Doppelwumms und dann ?
Finanzminister Lindner hat das kurze Aufbäumen der FDP in Richtung realitätsbezogener Energiepolitik beendet. Noch vor wenigen Wochen hiess es in der Tagesschau:
Hatte man noch die Hoffnung, dass bis zum 15.4., dem letzten Tag der drei noch verbliebenen Kenkraftwerke die FDP Vernunft in die Regierungspolitik bringen könnte, machte Lindner mit dem Spruch vom 3.November ein Ende mit den Hoffnungen auf Vernunft:
Was ändert sich am 15.4.2023, daß man auf 4.500 MW Kernenergie verzichten kann ?
Es lohnt sich, auf den mit aller Kraft vorangetriebenen Ausbau der Erneuerbaren Energien zu schauen. Die geplanten Windkraftwerke müssen sich an Ausschreibungen der Bundesnetzagentur beteiligen. In diesem Jahr, dem ersten Jahr der Ampel, haben bislang etwa 3.000 MW onshore Windkraftwerke einen Zuschlag bekommen, die in den nächsten Jahren gebaut werden sollen (siehe hier). Das sind etwa 7 Terawattstunden Strom. Es fallen aber am 15.4.2023 rund 35 Terawattstunden Kernenergie weg. Bei diesem Tempo braucht es fünf Jahre, um die wegfallende Strommenge der Kernkraft zu ersetzen. Allerdings mit dem erheblichen Nachteil, dass die Strommengen kommen, wenn es der Wind für richtig hält und nicht unbedingt, wenn wir Bedarf haben.
Warum ist die Nachfrage nach Zulassungen für neue Windkraftwerke so gering (noch 2014-2016 waren es doppelt soviel pro Jahr) ? Die Kosten der Windenergie bestehen im wesentlichen aus Materialkosten und Kapitalkosten.  Die massiv gestiegenen Materialkosten sind eine Folge der weltweit gestiegenen Energiekosten. Die Bestandteile von Windkraftanlagen wie Wälzlager (Stahl), Magneten (Kupfer und Seltene Erden), Rotorflügel (glasfaserverstärkte Kunststoffe) haben sich insbesondere hierzulande so verteuert, dass das Ende des Produktionsstandorts Deutschland nach dem „Aus“ der Solarbranche nun auch für die Windenergie droht. Von den 10 größten Windanlagenhersteller kommen sieben aus China. Hinzukommt nun ein vervierfachter Kapitalzins, der die Erzeugung von Strom aus Windenergie für 5,88 €ct/kwh (das ist die garantierte Einspeisevergütung)  nur noch in besonders windreichen Gegenden ermöglicht. Es ist schon absehbar, was die grüne Lobby fordern wird, nachdem die Kernkraftwerke abgeschaltet worden sind : die Erhöhung der garantierten Einspeisevergütung.
Es wird aber am 16.4.2023 wahrscheinlich nicht zum Zusammenbruch der Stromversorgung kommen, denn die Ampel hat ja alle noch verfügbaren Kohlekraftwerke ans Netz gebracht. Durch den Ersatz von Kernenergie durch Kohle steigt die CO2-Emission in Deutschland deutlich. Das ist das Ergebnis grüner Politik.
Es ist wird zudem zu einer Verfestigung des hohen Preisniveaus in Deutschland kommen, denn Kohlekraftwerke und Gaskraftwerke wurden ja mit den hohen europäischen CO2-Emissionszertifikaten teuer gemacht. Anstatt in der Zeit der Energiekrise, die CO2-Zertifikatspreise zu senken, verteilt man lieber Steuergelder an Haushalte und Betriebe.
Wieviele Doppelwummse können wir uns noch leisten? Denn es ist doch erkennbar dass auf Jahre hinaus die Angebotssituation an Strom in Deutschland mangels Kraftwerkskapazität zu knapp ist. Das wissen die Betriebe, die sich von den Sprüchen der Bundesregierung nicht beeindrucken lassen. 55 % der Rechnungen in der Chemieindustrie werden nicht mehr termingerecht bezahlt. BASF hat Mehrkosten für Energie von 2,2 Milliarden € zu verkraften und kündigt Arbeitsplatzabbau an. Die Investitionen in China werden dagegen verstärkt. In China kostet die Kilowattstunde 2-3 €ct. Dieses Gefälle kann keine Subventionspolitik ausgleichen, ohne am Ende nicht auch die Staatsfinanzen erodieren zu lassen. Die einfache Antwort wäre, das Angebot an preiswertem Strom durch Kernkraftwerke, eigene Fracking-Gasförderung und grüne Kohlekraftwerke zu erhöhen. Die Regierung glaubt wirklich, durch Windenergie und Solarstrom, die heute etwa 5 % der Primärenergie darstellen, über die Runden zu kommen. Wenn sich das nicht ändert, ist die Folge eine massive Deindustrialisierung Deutschlands. Ich befürchte, da sind auch einige in der Ampel dabei, die damit überhaupt kein Problem haben.

Renaissance der Kohle

 

Nicht nur in Deutschland geht es zurück zur Kohle. Auch in Italien, Holland, Griechenland und Ungarn werden stillgelegte Kohlekraftwerke wieder reaktiviert- alles Länder, die auf Gas gesetzt hatten. Schon im ersten Halbjahr erhöhte sich der EU-Kohleverbrauch um 10 %, im zweiten Halbjahr  wird das deutlich mehr werden. „Deutschland wird den größten Beitrag des Anstiegs ausmachen“, sagt die Internationale Energieagentur IEA. Alle diese Länder hatten noch auf der UN-Klimakonferenz von 2021 in Glasgow auf dem Ausstieg für die Kohle bestanden. Erst durch die Intervention von China und Indien einigte man sich auf den Kompromiss des „Phase down“ statt eines „Phase out“. Doch auch in Indien und China sieht es alles andere als nach einem Phase down der Kohle aus. 70 % der weltweiten Kohlenutzung findet in China und Indien statt. China wird bis 2025 mehr Kohlekraftwerke bauen als die USA im Bestand hat. Indien wird seine Kohleflotte um 25 % bis 2030 erhöhen.  Der UN-Weltklimarat hatte gefordert, bis 2030 die CO2-Emissionen auf die Hälfte zu senken. Aber dreiviertel der CO2-Emissionen weltweit stammen aus Kohlekraftwerken (knapp 30 Milliarden t von 40 Milliarden t insgesamt).
China verbrennt mehr Kohle als der Rest der Welt. Allein im letzten Jahr waren es 6 % mehr. Ein Teil der Emissionen steckt in den Gütern, die China exportiert, z.B. in den Batterien angeblich CO2-armer E-Autos, die der EU zu Folge aus Klimaschutzgründen ab 2035 auschliesslich angeboten werden dürfen. Es werden aber E-Autos mit chinesischen Batterien auf Jahre mehr CO2 emittieren als Autos mit Verbrennungsmotoren.
Die Folgen der starken Nachfrage nach Kohle hat Folgen: die Kohlepreise sind gegenüber 2020 um das sechsfache gestiegen.

Wird uns LNG im nächsten Jahr helfen?

 

Die IEA befürchtet im nächsten Jahr eine 30 Milliarden m³ große Lücke an Gas in Europa, so dass die Auffüllung der Speicher für den übernächsten Winter gefährdet ist. Die geringfügigen zusätzlichen, auf dem Weltmarkt auftretenden Mengen an LNG werden von China zu 85 % abgegriffen werden. China hatte noch in diesem Jahr die Gasimporte um 15 % reduziert, da die chinesische Wirtschaft auf Grund der COVID-Lockdown-Politik weniger Gas benötigte. Es darf auch nicht vergessen werden, dass noch bis August diesen Jahres die Importe russischen Pipelinegases die Speicher mit aufgefüllt haben. IEA-Chef Fatih Birol:
Eines ist sicher : die Gaspreise werden im nächsten Jahr erneut steigen.
All das müsste die Bundesregierung wissen. Ob sie es uns auch wissen lässt, steht nach dem Fälschen der Prüfvermerke aus dem Wirtschaftsministerium zum Kernenergieausstieg durch den Minister selbst auf einem anderen Blatt.
Sie müsste auch wissen, dass nach einem Bericht der norwegischen Rystad Energy, die Herstellung und der Transport von LNG zehn mal soviel CO2-Emissionsäquivalente freisetzt wie Pipelinegas. Ein wesentlicher Faktor ist die notwendige Energie zur Kühlung des Gases auf -160 Grad Celsius. Bei Ersatz des russischen Erdgases durch Pipelinegas würden 35 Millionen t CO2 zusätzlich entstehen , sagt der Bericht. Das sind fast soviel Emissionen wie die 15 Mio. Diesel-PKWs in Deutschland ausstoßen.

Was macht die Politik?

 

Es könnte die große Stunde von Christian Lindner werden, der einen schnellen Einstieg in das Fracking von Schiefergas in Deutschland gefordert hat. Aber wer glaubt noch Lindner ein Wort ? Wenn es zum Konflikt mit den Grünen kommt, wird er erneut umfallen. Er setzt lieber auf die Freiheitsenergien wie die Windkraft (Lindner).
Eine energiepolitisch kluge Bundesregierung hätte längst die grüne Kohlenutzung, d.h. Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidung (CCS) weiterentwickelt und hätte die Empfehlungen des Berichtes der Fracking-Kommission umgesetzt, der seit Juni 2021 (!) dem deutschen Bundestag vorliegt und dort nicht diskutiert wird. Um die Ignoranz des Deutschen Bundestages deutlich zu machen, hat die Kommission ihren Bericht von Juni 2021 im Juni 2022 noch einmal in den Deutschen Bundestag eingereicht mit der Bemerkung:
Was sagt man zu solcher Ignoranz der Mandatsträger in einer fundamentalen Gas – und Stromkrise ? Eine kluge FDP hätte diesen Bericht schon längst zum Mittelpunkt einer energiepolitischen Debatte gemacht.
Aber wir haben keine energiepolitisch kluge Bundesregierung, schon seit zehn Jahren nicht mehr, zumindest seitdem die Kernenergieforschung im Atomgesetz (2011) abgeschafft wurde, CCS in Deutschland verboten wurde (2012) und Fracking (2017) ebenso.
Mit CCS könnte man den Trend der verstärkten Kohlenutzung in China und Indien gelassener entgegensehen. Stattdessen ist Energiepolitik seit Merkels Aussteigen aus Kernenergie und Kohle nur mehr ein Glaubensbekenntnis.
Man verließ sich in diesem Glauben  auf grüne Berater wie die der AGORA-Energiewende. Die führenden Personen von AGORA sind nun an den Schalthebeln der Macht und zeigen schon nach einem Jahr, dass sie auf dem bestem Weg sind, Deutschlands starke Wirtschaft zu ruinieren.



Pro Kernkraft Petition der 20 Professoren wird am 9.11.22 von 8-9 Uhr im Deutschen Bundestag verhandelt

Am denkwürdigen deutschen Schicksalstag, dem 9. November 2022, entscheidet der Petitionsauschuss über das Schicksal der deutschen Energieversorgung

von EIKE Redaktion

Die Stuttgarter Erklärung, als Pro – Kernkraftpetition  – wir berichteten darüber – zeichneten kurz vor Meldeschluss fast 60.000 Petenten. Ab 50.000 Petenten ist der Deutsche Bundestag gesetzlich verpflichtet die Petition zu behandeln. Dies geschieht zunächst im Petitionsausschuss des Parlamentes in dem die Parteien prozentual entsprechend ihrer jeweiligen Kopfzahl im Parlament vertreten sind. Der gibt dann eine Empfehlung für das Plenum ab.

Das bedeutet, die Parteien, welche sich öffentlich und immer wieder für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke ausgesprochen hatten, also CDU, CSU, FDP und AfD, hätten zusammen eine Mehrheit gegenüber SPD, Grünen und Linke. Sie müssten also einmal mehr Farbe bekennen, ob es sich wieder um bloße Lippenbekenntnisse handelt, oder ob sie wirklich meinen, was sie vielfach öffentlich versprachen.

Um den Druck zu erhöhen, wäre eine große Zuschauerzahl, welche die Parlamentarier bei ihrem Tun beobachten, sehr wünschenswert. Daher unsere Bitte, gehen Sie am Mittwoch morgen ab 8:00 Uhr auf diesen link https://www.bundestag.de/mediathek/live und nehmen Sie auf diese Weise an der öffentlichen Sitzung samt Abstimmung teil. Sie helfen auf diese Weise der Vernunft zum Erfolg.

Sie können und sollten sie hier live verfolgen.

Der Verein Nuklearia ruft  unter dem Motto »Sag Politikern, dass du Kernkraft willst!« am 9.11.22 zu einer Demonstration auf. Dort demonstrieren Kernkraftfreunde am Mittwoch, dem 9.11., von 7:00 bis 11:00 Uhr vor dem Bundestag (Paul-Löbe-Haus, Haupteingang Konrad-Adenauer-Straße, U-Bahnhaltestelle Bundestag). Anlass sind die Sitzungen des Petitionsausschusses und des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, die an diesem Vormittag Experten zum Thema Kernkraft und Laufzeitverlängerung anhören.

Rainer Klute, Vorsitzender der Nuklearia, zur geplanten Kundgebung:

»Wir wollen laut daran erinnern, dass eine klare Mehrheit der Deutschen die Kernkraft will – und zwar langfristig. Jüngste Umfragen und auch die erfolgreiche Petition belegen das eindrücklich. Und wir protestieren dagegen, dass Politiker trotz des Ernstes der Lage immer noch EE-Lobbyisten wie Frau Kemfert das Wort geben, anstatt echte Experten anzuhören. Die Energiekrise ist da, und sie wird bleiben. Wir werden noch lange Zeit jede verfügbare Kilowattstunde brauchen – auch von unseren Kernkraftwerken, die zuverlässig und unschlagbar günstig Strom produzieren.«

 




Wie ich klimagläubig wurde!

Satire ist in Zeiten zunehmender „Cancel culture“, früher als Zensur oder Unterdrückung der Meinungsfreiheit bekannt, immer wichtiger – und wird dann auch besonders gut. Daher an dieser Stelle noch einmal die köstliche Sottise von den Kollegen aus Hamburg von „Große Freiheit TV“.




Die Klima-„Krise“ ist nicht mehr das, was sie einmal war

Judith Curry, Climate Etc.

Wachsende Erkenntnis des Klima-Establishments, dass sich die Gefahr einer zukünftigen Erwärmung in den letzten 5 Jahren halbiert hat.

Zusammenfassung: Die „Klimakatastrophe“ erscheint nicht mehr als das, was sie einmal war. Um 2013, mit der Veröffentlichung des IPCC AR5-Berichts, wurde RCP8.5 als das Business-as-usual-Emissionsszenario angesehen, mit einer erwarteten Erwärmung von 4 bis 5°C bis 2100. Inzwischen wird zunehmend anerkannt, dass das RCP8.5 unplausibel ist und das RCP4.5 wohl das derzeitige Business-as-usual-Emissionsszenario ist. Noch vor wenigen Jahren wurde ein Emissionspfad, der dem RCP4.5 mit einer Erwärmung von 2 bis 3 °C folgte, als klimapolitischer Erfolg angesehen. Da eine Begrenzung der Erwärmung auf 2°C in Reichweite zu sein scheint (die nun als „Katastrophenschwelle“ gilt), [i] wurde das Ziel im Jahr 2018 auf 1,5°C gesenkt. Die Rhetorik der Klimakatastrophe scheint nun mit extremen Wetterereignissen verknüpft zu sein, bei denen es in den meisten Fällen schwierig ist, eine Rolle des vom Menschen verursachten Klimawandels bei der Zunahme ihrer Intensität oder Häufigkeit zu erkennen.

Die Mainstream-Medien werden derzeit von Artikeln prominenter Journalisten überschwemmt, in denen es darum geht, dass die globale Erwärmung weniger bedrohlich ist, als wir dachten. Hier sind einige prominente Artikel:

● NYTimes David Wallace-Wells: Jenseits der Katastrophe: Eine neue Klimarealität kommt ins Blickfeld (hier).

● WSJ: Gute Nachrichten zum Klimawandel sind druckreif. Langsam sickert in die Köpfe der Journalisten ein, dass die jüngsten Forschungsergebnisse optimistisch stimmen (hier).

● NYT Bret Stephens: Ja, Grönland schmilzt, aber…

David Wallace-Wells ist einer der interessantesten Journalisten, die im Bereich des Klimas schreiben. 2017 schrieb er im New York Magazine einen Artikel mit dem Titel „The Uninhabitable Earth“ (Die unbewohnbare Erde), der den Untertitel trägt [übersetzt]: „Hungersnot, wirtschaftlicher Zusammenbruch, eine Sonne, die uns kocht: Was der Klimawandel anrichten könnte – früher als Sie denken.“ Nicht lange nach der Veröffentlichung seines Buches „Die unbewohnbare Erde“ im Jahre 2019 gab David Wallace-Wells diese Erklärung ab: „Jeder, mich eingeschlossen, der sein Verständnis darüber, welches Ausmaß an Erwärmung in diesem Jahrhundert wahrscheinlich ist, auf das RCP8.5-Szenario aufgebaut hat, sollte dieses Verständnis wahrscheinlich in eine weniger alarmistische Richtung revidieren.“ DWW erhält von mir eine RIESIGE Anzahl von Punkten dafür, dass er seine Vorannahmen schnell an die wachsende Menge an Beweisen anpasst, dass RCP8.5 unplausibel ist.

Nun, die „Botschaft“ des jüngsten DWW-Artikels lautet, dass wir mit der Reduzierung der Emissionen erfolgreich sind (nein, sind wir nicht). Die zweite Botschaft lautet, dass die Erwärmung geringer ausfallen wird, als wir dachten, aber dass die Auswirkungen der Erwärmung schlimmer sein werden, als wir dachten (nein). Die dritte Botschaft lautet, dass die Fortschritte in der Wissenschaft uns an diesen (relativ) glücklichen Ort gebracht haben (nein).

Der Kern dieser guten Nachricht ist der Verzicht auf das RCP8.5 in der UNFCCC-Politik. Der Held der Wissenschaft, der hinter dieser Abkehr steht, ist Justin Ritchie, ein frisch promovierter Wissenschaftler (dessen Arbeit in früheren RCP8.5-Beiträgen bei Climate Etc zitiert wurde).

COP26 und nun auch COP27 haben RCP8.5 (und SSP5-8.5) stillschweigend aus ihren Überlegungen gestrichen und sich auf den Bereich zwischen RCP4.5 und RCP2.6 konzentriert. Die Ober-Kopfeten des IPCC haben dies offenbar nicht kommen sehen (oder es vorgezogen, weiter Alarm zu schlagen), da sie die Klimamodellierer für CMIP6 angewiesen haben, sich weiterhin auf SSP5-8.5 zu konzentrieren, und die Klimaforscher konzentrieren sich in ihren Veröffentlichungen zu den Auswirkungen nach wie vor auf dieses Szenario. Der IPCC AR6 hat SSP5-8.5 in den Vordergrund gestellt, obwohl die WGI diese lauwarme Erklärung abgegeben hat:

In der Szenario-Literatur wird die Plausibilität der hohen Emissionswerte, der Szenarien wie RCP8.5 oder SSP5-8.5 zugrunde liegen, im Lichte der jüngsten Entwicklungen im Energiesektor debattiert“.

Der zweite so genannte wissenschaftliche Fortschritt sind niedrigere Werte für die Klimasensitivität. Dieser so genannte Fortschritt steht im Zusammenhang mit der Entscheidung des IPCC AR6, keine aus Klimamodellen abgeleiteten Werte zu verwenden (die in früheren IPCC-Berichten dominierten). Damit wird implizit eingeräumt, dass die Klimamodelle zu heiß laufen und dass man aus einem Klimamodell so ziemlich jeden beliebigen Wert für die Klimasensitivität erhalten kann (dies ist mir und vielen anderen seit über einem Jahrzehnt klar). Der IPCC AR6 senkte die obere wahrscheinliche Grenze der ECS auf 4,0°C (von zuvor 4,5°C); dadurch wird das Ausmaß der prognostizierten Erwärmung weiter reduziert. Der IPCC AR6 hat auch die untere wahrscheinliche Grenze der ECS auf 2,5°C angehoben (von 1,5°C). Die Anhebung der unteren Grenze der ECS steht auf sehr wackligen Füßen, wie die jüngste Veröffentlichung von Nic Lewis zeigt.

COP27 geht von einer erwarteten Erwärmung von 2,5°C bis 2100 aus. Dieser Wert ist aus mehreren Gründen wohl immer noch zu hoch. Die IPCC-Sachverständigen haben Werte für die Klimasensitivität verworfen, die am unteren Ende liegen (und die laut der Studie von Nic Lewis nicht hätten verworfen werden dürfen). Außerdem tragen die IPCC-Projektionen den Szenarien für die künftige natürliche Klimavariabilität nicht angemessen Rechnung. Siehe diese jüngsten Beiträge:

https://judithcurry.com/2022/01/23/crossing-or-not-the-1-5-and-2-0oc-thresholds/

https://judithcurry.com/2021/11/21/solar-variations-controversy/

Zusätzlich zu einer unzureichenden Anzahl von Sonnen- und Vulkanszenarien ignorieren die Klimamodelle die meisten indirekten Sonneneffekte, und die Klimamodelle behandeln die multidekadische und längere interne Variabilität im Zusammenhang mit den Ozeanzirkulationen nur unzureichend. Obwohl diese Faktoren im Prinzip in beide Richtungen gehen könnten, was die Erwärmung oder Abkühlung angeht, gibt es mehrere Gründe, die dafür sprechen, dass diese natürlichen Faktoren für den Rest des 21. Jahrhunderts eine Abkühlung bewirken werden:

● Die vulkanische Aktivität ist seit 1850 ungewöhnlich niedrig.

● Die meisten Sonnenforscher erwarten für Mitte bis Ende des 21. Jahrhunderts eine Art solares Minimum.

● Die indirekten Auswirkungen der Sonne werden in den Klimamodellen nur unzureichend berücksichtigt, was die solare Abkühlung verstärken würde.

● Für das nächste Jahrzehnt wird ein Wechsel zur kalten Phase der Atlantischen Multidekadischen Oszillation erwartet, die nicht nur die globalen Temperaturen, sondern auch die grönländische Massenbilanz und das arktische Meereis beeinflusst.

Wenn man alternative Szenarien der natürlichen Variabilität einbezieht, könnte die Temperaturänderung bis 2100 leicht unter 2°C und sogar 1,5°C liegen. Es sei daran erinnert, dass sich diese Erwärmung auf eine Ausgangsbasis von 1850-1900 bezieht; eine Erwärmung von 1,1°C ist bereits eingetreten.

Auswirkungen

David Wallace-Wells macht den Klimaalarmisten mit diesem Satz etwas „Hoffnung“:

„Es ist inzwischen leider offensichtlich, dass die Wissenschaftler die Auswirkungen der Erwärmung unterschätzt, nicht überschätzt haben.“

Ich weiß einfach nicht, was ich hier noch sagen soll. Der IPCC AR6 liefert sehr dürftiges Futter, um DWWs Aussage zu untermauern. Abgesehen vom Anstieg des Meeresspiegels, der eindeutig mit der globalen Erwärmung zusammenhängt, gibt es keinen prima facie Grund dafür, dass extreme Wetterereignisse in einem sich erwärmenden Klima zunehmen würden. Beobachtungen, die mindestens bis ins Jahr 1900 zurückreichen, zeigen, dass fast alle schweren Wetter- und Klimakatastrophen der jüngeren Vergangenheit Vorläufer im 20. Jahrhundert hatten und daher die „Zuordnung“ sehr schwierig Die Klimamodelle sind nicht geeignet, um extreme Wetterereignisse zu simulieren, geschweige denn, um sie auf die vom Menschen verursachte Erwärmung zurückzuführen. Wir müssen uns dann auf einfache thermodynamische Berechnungen verlassen, um auf eine Verschlimmerung der extremen Wetterereignisse zu schließen, wobei die überwältigende Rolle der atmosphärischen und ozeanischen Zirkulationen außer Acht gelassen wird.

Man überlege einmal, was es bedeutet, wenn man annimmt, dass extreme Wetterereignisse und schreckliche Auswirkungen sehr empfindlich auf eine Temperaturänderung von 0,5 °C reagieren. Falls dies der Fall ist, führt dies zu der Schlussfolgerung, dass der dominierende Klimafaktor die natürliche Klimavariabilität ist, mit jährlichen Schwankungen von mehreren Zehntel Grad durch El Nino und La Nina, einen größeren Vulkanausbruch und/oder multidekadische Ozean-Oszillationen. Die Begründung für das Ignorieren der natürlichen Klimavariabilität beruht auf der Annahme, dass die große, durch fossile Brennstoffe verursachte Erwärmung aus den Klima-Modellsimulationen, die durch RCP8.5 und hohe ECS-Werte verstärkt werden, die natürliche Klimavariabilität überdecken wird. Halbiert man die Erwärmung (oder reduziert sie sogar noch weiter), so verliert man die Begründung für das Ignorieren der natürlichen Klimavariabilität.

Ist das alles also ein „Sieg“ für die Klimawissenschaft? Das glaube ich nicht. Aber ich habe es Ihnen ja gesagt…

Und schließlich enthält der Artikel von Bret Stephen die folgende wichtige Abbildung. Sollen wir daraus schließen, dass die Erwärmung zu weniger Todesfällen führt (ja, es gibt eine verblüffende Korrelation)? Nun, vielleicht, aber die eigentliche Ursache für diesen Rückgang ist zunehmender Wohlstand, zunehmende Warnungen und die Anpassung an Wetter- und Klimaextreme:

Extreme Wetter- und Klimaereignisse sind etwas, das unabhängig von der AGW-Problematik angegangen werden muss. Die Welt hat schon immer unter Wetter- und Klimaextremen gelitten und wird dies auch in Zukunft tun; dies wird sich weder durch eine weitere Erwärmung noch durch Emissionsreduzierungen ändern.

COP27

Die politischen Auswirkungen all dieser Überlegungen sind enorm. Leider habe ich den Verdacht, dass sich COP27 zu sehr auf Emissionsreduzierungen konzentrieren wird (die nicht funktionieren und sich ohnehin nicht auf das Klima auswirken werden) und nicht genug auf die Unterstützung der Entwicklung und Anpassung der Entwicklungsländer und vor allem auf die Unterstützung der Entwicklung in Afrika, indem man ihnen erlaubt, von ihren fossilen Brennstoffen zu profitieren (außer durch deren Verkauf an Europa). In Bezug auf Letzteres möchte ich Rose Mustisos jüngste Veröffentlichung in Nature hervorheben; Rose ist meine Lieblingsaktivistin und -denkerin in Afrika zu diesem Thema.

Link: https://wattsupwiththat.com/2022/11/03/the-climate-crisis-isnt-what-it-used-to-be/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Selbst Drogeriemagazine machen schon Verzichts-Propaganda

Grünfeld, Robert

Das dm-Magazin alverde, für seine politische Erziehung schon länger bekannt, gibt in der aktuellen November-Ausgabe den Leserinnen Tipps, wie sie als brave Konsumentinnen Energie sparen können, um das Versagen der Ampel-Regierung nicht so deutlich werden zu lassen. Das geht, weil „Klimaschutz“ drüber steht.

Dabei ist die politische PR im Sinne der Regierung in Stuttgart und Berlin erstaunlich offen: Winfried „Waschlappen“ Kretschmann wird interviewt und darf seine für Schwaben sinnlose Aufforderung, die Heizung herunterzuschalten, wiederholen.

Dann folgt eine Doppelseite mit Energiespar-Tipps vom Kaliber des „Waschlappens“. Hier die schönsten Stilblüten der alverde-Redaktion:

Dabei laufen durch einen herkömmlichen Duschkopf 15 bis 25 Liter erhitztes Wasser pro Minute durch[sic]. Nach zehn Minuten hat man also eine Wanne voll. Was da hilft? Wasser abdrehen beim Einschäumen.

Nein, wer hätte es gedacht. Nun, wenn ich eine Brause von oben habe, muß ich sowieso abschalten, weil das Duschgel sonst sofort weggespült wird. Habe ich eine Handbrause, muß ich abschalten, um beide Hände frei zu haben.

Öfter mal kalt duschen.

Macht Habeck, der es zuerst empfahl, selber? Da es nicht überprüfbar ist – eher nicht. Der Mann ist über 50 und hat seine „harte“ 20er Phase hinter sich.

Am besten morgens duschen, wenn Sie unter Zeitdruck stehen.

Und wenn ein Handwerker, z.B. ein Sanitärinstallateur, abends müffelt? Nun gut, alverde ist eine Frauenzeitschrift. Aber es gibt auch Krankenschwestern, die nach der Schicht eine warme Dusche gebrauchen können – dummerweise aber nicht so gut verdienen wie ein Redakteur.

Schauen wir mal auf unsere Waschmaschine. Die wenigsten von uns waschen bei 20°, dabei können wir das bei normal verschmutzter Wäsche bedenkenlos.

20°? Meine Maschine fängt bei 30° an. Oder sie meinen Raumtemperatur – ob aber das Leitungswasser im Winter tatsächlich so warm ist, darf bezweifelt werden. Die Enzyme im Waschmittel brauchen zwischen 30 und 60°, um zu funktionieren. Ein Kollege berichtete in dem Zusammenhang einmal, daß er eine befreundete Familie nur ungern besuche, weil diese ihre Wäsche stets sparsam bei 40° oder weniger wasche. Ergebnis: Die Handtücher im Bad und Klo muffeln. Dieses Problem geben die Autoren sogar zu:

Sollte die Maschine mal müffeln, legen Sie für Bettwäsche oder Handtücher einen 60°-Waschgang ein.

Wußten Sie, daß ein Wäschetrockner doppelt bis dreifach so viel Strom wie eine 60°-Wäsche verbrauchen kann? Das Trocknen an der frischen Luft spart enorm Strom.

Daß elektrische Heizungen besonders viel brauchen, ist eine Binsenweisheit. Halten die Redakteure ihre Leserinnen für unbedarfte Kinder?

Lüften Sie Stoß, statt Fenster dauerhaft zu kippen.

Heizung auf und Fenster kippen? Wer, derdie selber zahlt, würde das tun?

Und halten Sie die Türen zwischen beheizten und unbeheizten Zimmern geschlossen.

Kein Kommentar.

Die restlichen Tipps sind ähnlich banal – man hat den Eindruck, die Redaktion bekam den Auftrag, irgendwas zum grünen Weltretten per Verzicht zu schreiben, und saugte sich dann etwas aus den Fingern, egal, ob die meisten vernünftigen Gebührenzahler es sowieso machen. Man wartet am Ende nur noch auf die „zwei Pullover“ von Wolfgang Schäuble, der zudem empfahl, nicht laufend nach Galapagos zu fliegen (War Sie schon einmal da? Unwahrscheinlich, das Archipel ist ein wissenschaftliches Juwel und darf nicht so einfach betreten werden.).

Die tatsächliche Botschaft des Artikels lautet also: Die grüne Regierung hat Recht, wir müssen das Klima und die Umwelt, oder so, retten. Daher ist die Leistung von Habeck und Scholz nicht miserabel – sie tun das Notwendige. Die Probleme sind nicht künstlich gemacht, sondern eine logische Folge des bisherigen luxuriösen Lebens. Die Verteuerung ist nicht die Schuld der wahnwitzigen Politik Merkels. Sie und die Ampel können nichts für die Wohlstandsverluste und Sparzwänge, die wir hinnehmen müssen, um nicht ruiniert zu werden.

Gerd Held formuliert es so bei der Achse:

So ist in diesem Herbst 2022 im Grunde nur eine Negativ-Botschaft geblieben: Die Bürger sollen drastische Einschnitte bei ihrem Lebensstandard, bei ihren kulturellen Aktivitäten und bei ihrer Sicherheit hinnehmen. Deutschland soll zu einem Land des kollektiven Verzichtens werden.

Man fragt sich dann nur, wieso private Produktmagazine von Drogerien diese PR mitmachen. Vielleicht liegt es daran, daß die Leserinnen so viel Strom und Gas sparen sollen, damit sie noch Geld haben, die teuren Öko-Kosmetikprodukte der Kette zu kaufen. Genau dafür ist so ein Magazin nämlich da –  als Journalismus getarnt Reklame für Lippenstift und Cremes machen.