Woher kommt der Strom? Das komplette Dilemma einer stark schwankenden Wind- und Sonnenstromerzeugung

Deshalb wird die Vorwoche in den Charts der Woche 5 diesmal mit berücksichtigt. Damit wird das Problem veranschaulicht, das sich ergibt, wenn der erneuerbare Energieträger Wind mal sehr wenig, mal sehr umfangreich zwecks Stromerzeugung zur Verfügung steht und vorrangig in das Stromnetz eingespeist werden muss.

Während in Woche 4 der erzeugte Wind- und Sonnenstrom an 5 Tagen auch dann nicht ausgereicht hätte, wenn die installierte Leistung Wind- und Sonnenkraft mal 5 zur Verfügung gestanden hätte, um Deutschland komplett mit Strom zu versorgen, hätte genau diese Verfünffachung in Woche 5 zu erheblichen Stromüberschüssen geführt. Dies mal als eine theoretische Annahme, die ja mitunter von Windkraftbefürwortern als Ziel angeführt wird.

Mittwoch und Donnerstag wären es dann mit jeweils 3 TWh das Doppelte des Stroms gewesen, den Deutschland im Durchschnitt pro Tag benötigt. Freitag hätte der Stromüberschuss 3,31 TWh betragen, Samstag wären es sogar 3,53 TWh gewesen.

Da Stromversorgung praktisch ein Gleichzeitigkeitsgeschäft ist und für diese Überschussmengen kaum eine Verwendung bestanden hätte, hätte man schon irgendwie „zaubern“, sprich Windkraftanlagen in erheblichem Maße abregeln müssen.  Bleibt nur zu hoffen, dass das rechtzeitig gelingen würde, sonst ist der Blackout da. Nicht wegen zu wenig, nein, wegen zu viel Strom.

Weg von der Theorie „Verfünffachung“. Selbstverständlich war mit dem massiven Anstieg der Windstromerzeugung auch ohne Verfünffachung zu viel Strom im Markt, der exportiert werden musste. Was den Verfall der Strompreise zu Folge hatte. Das, obwohl die konventionellen Stromerzeuger ihre Produktion erheblich heruntergefahren haben. Man bedenke: In der Vorwoche wurden sie noch dringend benötigt. In der 5. Woche zwar auch. Aber eben nicht mehr in dem Umfang wie zuvor. Und weil die Flexibilität konventioneller Stromerzeugung insgesamt recht gering ist, bleibt es bemerkenswert, wie schnell die konventionellen Stromerzeuger reagiert und den wirtschaftlichen Schaden begrenzt haben. Danke!

Den einen oder anderen Leser wird es vielleicht noch wundern, dass trotz des Stromüberschusses in der 5. Woche noch Strom von Deutschland importiert werden musste. Vor allem aus Frankreich. Aber auch aus Dänemark, Schweden und den Niederlanden.

Hier noch der Stromimport/Stromexport-Chart seit Beginn des Jahres, der belegt, dass Frankreich wieder eine Strommenge noch Deutschland exportieren wird, die, wie 2019, der Erzeugung eines großen Kernkraftwerks entspricht. Bleibt die Frage, wodurch der Strom des zu Jahresbeginn abgeschalteten Kernkraftwerks Philippsburg 2 herkommen wird. Eine Frage, die uns im Lauf des Jahres noch beschäftigen wird.

Die Tabelle mit den Detailzahlen zur Woche 5 unserer Analyse, die wie immer von den Energy-Charts geliefert werden, und der daraus generierte Chart.

Die Tagesanalysen

Sonntag, 26.1.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 34,92%, davon Windstrom 19,05%, Sonnenstrom 3,17%, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,70 %. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Der heutige Sonntag verbindet zu Beginn noch schwache Windstromerzeugung mit geringem Bedarf. Die konventionellen Stromerzeuger gleichen den fehlenden Strom aus erneuerbaren Energieträgern nahezu komplett aus. Es wird Strom im- und exportiert. Die erzielten Preise sind unter dem Strich nicht wirklich auskömmlich, wenn man 40 €/MWh zugrunde legt. Und es wird nicht besser. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Immer dann, wenn die Erneuerbaren „auftrumpfen“, sinken die Preise. In den nächsten Tagen zieht Windstromerzeugung an. Und wie.

Montag, 27.1.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 47,24%, davon Windstrom 34,97%, Sonnenstrom 2,14%, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,82%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Der Montag scheint meine Prognose Lügen zu strafen. Eine gleichmäßige, eben noch immer mäßige Windstromerzeugung ermöglichen eine ausgewogene Versorgung Deutschlands mit Strom. Es wird vor allem nach Österreich, der Schweiz und Frankreich exportiert. Im Chart oben werden die Mengen, weil insgesamt zu gering (<0,01 TWh) nicht erfasst. Bevor es am morgigen Dienstag mit fast 50% Anteil richtig losgeht mit der Windstromerzeugung, gibt es noch eine kleine Winddelle.

Dienstag, 28.1.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 61,31%, davon Windstrom 49,40%, Sonnenstrom 1,79%, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,12%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Die Windstromerzeugung zieht an. Über Tag eine kleine Delle, welche durch Sonnenstrom nahezu ausgeglichen wird. Den größten Teil des Tages erzielt Deutschland Strompreise, die unter 40 €/MWh liegen.

Mittwoch, 29.1.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 62,07%, davon Windstrom 50,57%, Sonnenstrom 1,72%, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,77%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Auch heute wieder 50% Anteil der Windstromerzeugung in Deutschland. Auch heute liegen die Strompreise fast den ganzen Tag unter 40€/MWh. Bemerkenswerterweise importiert Deutschland heute fast ausschließlich Strom aus Dänemark und Schweden. Aufgemerkt: In der Nacht nennenswerter Import aus Polen. Um 23:00 Uhr sind es 0,042 GW.

Donnerstag, 30.1.2020:  Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 63,16%, davon Windstrom 50,29%, Sonnenstrom 2,92%, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,94%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Heute zum dritten Mal nacheinander 50% Windstromanteil. Zum dritten Mal ist der erzielte Strompreis über den gesamten Tag nicht auskömmlich für die Stromerzeuger. Und wieder wird aus Dänemark und Schweden praktisch den ganzen Tag Strom importiert.

Freitag, 31.1.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 68,07%, davon Windstrom 55,42%, Sonnenstrom 2,41%, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,24%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Die Windstromerzeugung nimmt nochmal zu. Die konventionellen Stromerzeuger reduzieren nochmals, so dass der Strom im Markt nicht noch preismindernder als ohnehin wirkt. 40 €/MWh werden allerdings den ganzen Tag nicht erreicht.

Samstag, 1.2.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 74,51%, davon Windstrom 61,44%, Sonnenstrom 2,61%, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,46%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Der nochmalige Anstieg der Windstromerzeugung mit dem verringerten Bedarf zum Samstag/Wochenende lässt die Preisdämme brechen. Nicht mal 17 €/MWh werden auch nur einmal erreicht. Dafür wird der Strom teilweise verschenkt. Viel Wind, wenig Ertrag: Energiewende pur, oder? Leider hat der Stromkunde nichts davon. Mit Dänemark, welches ebenfalls stark auf Windkraft setzt, hat Deutschland die höchsten Endverbraucherpreise für Strom in Europa. Was an den Subventionen liegt, die das EEG bereitstellt. Ohne diese wäre kaum ein Windrad in Deutschland gebaut worden.

Die Bruttostromerzeugung Jahres 2019 (607 TWh) ist in Deutschland gegenüber dem Jahr 2018 (649 TWh) um 42 TWh zurückgegangen (Abbildung, bitte unbedingt anklicken. Es öffnen sich alle Abbildungen und Mehr). Macht 6,47 Prozent weniger Strom. Das ist ganz sicher auch der Tatsache geschuldet, dass Deutschland im Sommer 2019 regelmäßig Strom aus dem benachbarten Ausland importiert hat, statt ihn selber zu produzieren (Abbildung 1). Wirtschaftliche Erwägungen sowie politisch gewollte CO2-Spargründe waren die Motivation. CO2, welches bei der Stromerzeugung im Ausland anfällt, wird Deutschland nicht angerechnet. Auch wenn es solchen Strom importiert.

Nachtrag/ Wichtige Korrektur 12.02.2020, 10.01 Uhr:

Bereits kurz nach dem Erscheinen dieses Artikels machte mich Fabian Hein – Agora-Energiewende – per E-Mail darauf aufmerksam, dass meine in der Ursprungsfassung enthaltene Kalkulation von 20 Millionen Tonnen CO2 fehlerhaft sei. Nach ausführlicher Prüfung und der Erkenntnis, dass ich einem Denkfehler aufgesessen bin, muss ich erklären, dass Herr Hein vollkommen Recht hat. Eine Terawattstunde Strom ist nicht identisch mit einer TWh Energie aus Braunkohle. Vielmehr werden gut 3 TWh Energie aus Braunkohle benötigt, um eine TWh Strom zu erzeugen. Strom ist ein sekundärer Energieträger. Der Sachverhalt trifft – mit anderen Faktoren – ebenso auf Verstromung der Primärenergieträger Steinkohle und Gas zu. Deshalb liegt der CO2-Ausstoß, wenn die korrekten Faktoren – unter Abbildung 7 abgelegt – der Berechnung zugrunde gelegt werden, bei gut 50 Millionen Tonnen. Meine  Berechnung in dieser Sache war falsch.

Eine aufmerksame Leserin machte mich ferner darauf aufmerksam, dass das Klimamanifest der Werteunion Bayern nicht mehr aufrufbar ist. Zum Glück gibt es noch ausführliche Hinweise und Erläuterungen zum Klimamanifest der Werteunion Bayern bei EIKE und der Kalten Sonne (mehr).

Ordnen Sie Deutschlands CO2-Ausstoß in den Weltmaßstab ein. Zum interaktiven CO2-Rechner: Hier klicken. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

Rüdiger Stobbe betreibt seit vier Jahren den Politikblog www.mediagnose.de

Zuerst erschienen bei der Achse des Guten; mit freundlicher Genehmigung.




Klima- und Finanzpolitik der EU : Deutschland droht eine teure Paketlösung*

Sogenannte „Klimaaktivisten“ setzen den Siemens-Konzern massiv unter Druck, um die Lieferung von Technik für ein Kohlebergwerk in Australien zu verhindern. Erstaunlich wenig Widerstand regt sich dagegen bislang gegen milliardenschwere Kohleprojekte, die geografisch sehr viel näher liegen. Nur wenige hundert Kilometer von Berlin entfernt betreiben polnische Energieversorger Großprojekte, die hiesige Anhänger von Greta Thunberg eigentlich zum Dauerprotest auf die Straße bringen müssten.

80 Prozent Kohleanteil

Östlich der Lausitzer Neiße will beispielsweise der polnische Energieversorger PGE für sein Kohlekraftwerk Turów einen Braunkohletagebau massiv erweitern, um ihn noch bis 2044 nutzen zu können. Laut einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) hat die regionale Umweltdirektion in Breslau Ende Januar eine Umweltgenehmigung für die Erweiterungspläne erteilt. Ebenfalls in Niederschlesien sind im vergangenen Herbst zwei neue Blöcke im Steinkohlekraftwerk Oppeln in Betrieb gegangen. Allein in dieses Projekt sind umgerechnet 2,6 Milliarden Euro geflossen. 500 Kilometer östlich von Berlin steht in Belchatów in der Region Lodz sogar das größte Braunkohlekraftwerk der Welt.

Ebenso rekordverdächtig ist der Anteil von rund 80 Prozent, den Kohle am polnischen Strommix hat. Die Regierung in Warschau hat zwar im August 2018 angekündigt, dass es nach dem Bau des Kraftwerks in Ostrolenka keine weiteren Baugenehmigungen für Kohlekraftwerke mehr erteilen wolle. Dies bedeutet allerdings keineswegs, dass die Regierungspartei PiS einen schnellen Ausstieg aus der Kohlenutzung vorantriebe. Vorgelegt hat die Partei einen Fahrplan, der bis 2040 lediglich eine moderate Reduzierung des Kohleanteils am Energiemix vorsieht.

Polen vermeidet frühe Festlegung

Der aktuelle, stark auf Kohlestrom ausgerichtete Strommix hat ähnlich der polnischen Justizreform das Potenzial, das Klima zwischen Brüssel und Warschau weiter zu verschlechtern. Einerseits drohen Polen durch den EU-Emissionshandel hohe Kosten für seine Kohlekraftwerke, wenn der Preis pro Tonne Kohlendioxid deutlich ansteigt. Andererseits gehen die Kostenschätzungen für einen kompletten Ausstieg aus der Kohleverstromung in einen hohen Milliardenbereich. Dahinter steht das ehrgeizige Ziel der EU-Kommission, dass die EU bis 2040 aus der Kohleverstromung ausgestiegen und bis 2050 sogar „klimaneutral“ ist. Beides setzt voraus, dass das EU-Mitglied Polen mitzieht.

Pfand für Finanzverhandlungen

Bereits beim EU-Gipfel im vergangenen Dezember weigerte sich die polnische Regierung, die gemeinsame Erklärung mit der Absichtserklärung zu einer „Klimaneutralität“ bis 2050 zu unterschreiben. Regierungschef Mateusz Morawiecki handelte stattdessen eine Bedenkzeit bis Mitte dieses Jahres aus. Erst dann will Warschau mitteilen, ob und unter welchen Bedingungen es mitziehen will. Mit diesem Vorgehen hat sich die polnische Führung in eine gute Verhandlungsposition gegenüber Brüssel und auch den Nettozahlern wie Deutschland gebracht. Denn nun laufen die Verhandlungen über den polnischen Beitrag zur EU-Klimapolitik zeitlich parallel zum anstehenden Poker über den neuen EU-Finanzrahmen.

Bislang ist Polen einer der größten Profiteure des EU-weiten Finanzausgleichs. Seit dem Beitritt im Jahr 2004 hat das Land aus den Brüsseler Geldtöpfen fast 90 Milliarden Euro an Fördergeldern erhalten. Auch viele andere süd-, südost- und ostmitteleuropäische Länder erwarten weiterhin hohe Subventionen aus dem EU- Haushalt.

Für Geberländer wie Deutschland drohen durch den Finanzbedarf für Ursula von der Leyens „Green Deal“ sowie den Wegfall der britischen Einzahlungen massive Mehrbelastungen.

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)*  Anmerkung der EIKE-Redaktion :

Dieser Aufsatz ist zuerst erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung;  14. Februar 2020, S.7; EIKE dankt der PAZ-Redaktion sowie dem Autor  Norman Hanert  für die Gestattung der ungekürzten Übernahme, wie schon bei früheren Artikeln :   https://www.preussische-allgemeine.de/

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Wie „grünes“ Großkapital und linke Journalisten gemeinsame Sache machen – Teil 4: Die Eiferer-Zucht

Wenn es einen Begriff gibt, der im Zusammenhang mit deutschem Journalismus als das „süße Gift der schleichenden Radikalisierung“ bezeichnet werden kann, dann ist es das Wort „Haltungsjournalismus“. Während jedoch die entsprechende Diskussion relativ jung ist, gab es solche Tendenzen schon lange, bevor dieser Begriff auf Initiative der Fernsehjournalisten Anja Reschke (Moderatorin bei Panorama und Tagesthemen) und Georg Restle (Monitor) verstärkt in die Öffentlichkeit getragen wurde. In einem entsprechenden Beitrag in der linksliberalen, von Jakob Augstein verlegten Wochenzeitschrift Der Freitag schreibt der Journalist und Blogger Xaver Philipp Schlesinger dazu folgendes: „Beide kritisieren das Neutralitätsgebot für Journalisten. Beide haben aufgefordert dass Journalismus werteorientiert sein soll und Haltung zeigen sollen. Restle gesteht ein dass Journalisten beim Auswählen und Aussortieren immer auch ihre eigene Einstellung einfließen lassen. Anstatt für eine ausgewogene, kritische und neutrale Berichterstattung plädiert er aber dafür, dass Journalisten humanistisch sein sollen. Reschke malt direkt einen übergroßen Strohmann an die Wand. Nach ihm ist in Deutschland die Demokratie gefährdet und die politische Lage vergleichbar mit der Weimarer-Republik. Die Bedrohung stammt angeblich von Rechts. Belege liefert sie hierfür jedoch nicht.“

Bild 2. Linker Haltungsjournalismus: Propagandafoto des ADN vom 5. September 1968. Der Stellvertretende Minister für Nationale Verteidigung der DDR Siegfried Weiß besucht Einheiten und Truppenteile der NVA, „die an den gemeinsamen Handlungen der Bruderarmeen zum Schutze der sozialistischen Errungenschaften in der CSSR teilnahmen“ (Bundesarchiv, Bild 183-2008-0118-502 / CC-BY-SA 3.0)

Staatstreue als oberste Pflicht?

Die von Reschke und Restle vertretenen Prinzipien bezüglich „Haltung“ stehen in eklatantem Widerspruch zu allem, was in einer liberal-westlichen Gesellschaft als ureigenste Aufgabe einer freien, kritischen Presse angesehen wird. Wenn Journalisten die „Haltung“ der jeweils an der Macht befindlichen Eliten bzw. der durch sie getragenen Regierungen zur Richtschnur ihrer Tätigkeit machen, bedeutet dies die Abkehr von ihrer Rolle als „Vierte Gewalt“. Es ist eine Abkehr vom Anspruch und der Aufgabe, die Bevölkerung durch wahrhaftige Informationen in die Lage zu versetzen, die Mächtigen zu kontrollieren und im Zaum zu halten. Sie machen sich damit – selbst wenn der einzelne Journalist es sich nicht bewusst machen sollte – zum Sprachrohr statt zum neutralen Beobachter, weil sie damit die eigentlich erforderliche kritische Distanz aufgeben. Dabei gilt letzteres als entscheidende Richtschnur für guten Journalismus, der sich „mit keiner Sache, auch nicht mit einer guten, gemein machen soll“.

Werden diese Regeln nicht beachtet, dann kommt es zu Entwicklungen wie in der ehemaligen „Deutschen Demokratischen Republik“. Auch hier trat nach dem Ende des Faschismus eine neue Elite mit dem Anspruch an, Vertreter der Interessen des Volkes zu sein und den Frieden erhalten zu wollen. Wie geschickt diese Führung im Lügen bzw. Vorgaukeln hehrer Ziele war, erschloss sich erst, wenn man ihre Behauptungen an der Realität ihrer Handlungen maß. War man jedoch „Haltungsjournalist“, dann wurde der Unterschied zwischen dem behaupteten „antifaschistischen Schutzwall“ und der brutalen Realität der Todesstreifen, Stacheldrahtzäune und Mauerschützen einfach nicht mehr wahrgenommen oder zumindest ausgeblendet. Das galt auch für andere eklatante Lügen und Verdrehungen wie z.B. das Märchen vom „Hilferuf aus Prag“ im Jahr 1968. Der wesentliche Unterschied zur heutigen Situation im freien Westen ist der, dass den meisten Journalisten in der DDR die Wahrheit bewusst war. Sie standen jedoch unter Zwang, unter der Androhung, bei Verstoß gegen die „offizielle Linie“ ihren Job zu verlieren oder gar im Gefängnis zu landen.

Interessanter Nebenaspekt der damaligen kommunistischen Meinungsdiktatur ist die Tatsache, dass sich die Machthaber auch schon damals auf „die Wissenschaft“ berufen haben. Nur waren es damals nicht die Ausarbeitungen des IPCC mit ihren lächerlich großen Bandbreiten und wolkigen Formulierungen über „Vertrauensbereiche“, sondern die „völlig zweifelsfrei bewiesenen“ ewigen Wahrheiten aus den Instituten für Marxismus-Leninismus in Berlin und Moskau.

Wie „Haltung“ zur ideologischen Leitlinie wird

Die heutigen „Haltungsjournalisten“ in der seit 30 Jahren wiedervereinigten Bundesrepublik können sich jedoch nicht mit dieser Ausrede aus der Affäre ziehen. Zumindest eine gewisse kritische Distanz wäre ihnen in vielen Fällen möglich. Gerade bei Themen wie „Klimawandel“ oder dem „Kampf gegen Rechts“ ist jedoch kaum noch kritische Distanz zur regierungsamtlich vorgegebenen „Parteilinie“ zu finden. Vielmehr gibt es im Gegenteil viel zu viele Beispiele dafür, dass Journalisten bei diesen Themen geradezu als ideologische Eiferer auftreten, die jede Schreckensmeldung von „Klimawissenschaftlern“ oder „Energiewendern“ begeistert aufgreifen, während der Meinung der Gegenseite kaum noch Raum gegeben wird. Das bedenkliche dabei ist, dass sie damit einem Muster folgen, das ihnen von Staats wegen oder zumindest mit aktiver staatlicher Unterstützung vorgegeben wird. Wie das gezielt gesteuert wird, zeigen die beiden folgenden Beispiele.

Die CliSAP Forschungsgruppe „Mediale Konstruktionen des Klimawandels“

CliSAP steht für den „Exzellenzcluster Integrated Climate System Analysis and Prediction“ an der Universität Hamburg. Beteiligt sind neben der Universität das Max-Planck-Institut für Meteorologie, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht und das Deutsche Klimarechenzentrum. Der Cluster wurde von der DFG allein im Zeitraum zwischen 2007 und 2017 mit insgesamt 53 Mio. € gefördert. Hier arbeiten Wissenschaftler aus Meteorologie, Meereskunde, Geophysik oder Ökologie mit Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern, Medienexperten und Friedensforschern eng zusammen. Vorgebliches Ziel ist dabei, „die Öffentlichkeit mit zuverlässigen, objektiven und gleichzeitig gut verständlichen Informationen zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimawandel zu versorgen“. Im Rahmen einer kontinuierlichen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wolle man als „ehrlicher Makler“ zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit agieren.

Das klingt zunächst einmal neutral, fast wie das Geschwafel von „Bruderarmeen“ vergangener Zeiten. Was darunter wirklich zu verstehen ist, zeigt sich bei aufmerksamer Lektüre eines Artikels über die Antrittsvorlesung des Kommunikationswissenschaftlers Michael Brüggemann, der an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg im Rahmen einer Professur die CliSAP Forschungsgruppe „Mediale Konstruktionen des Klimawandels“ leitet. Darin verwarf er die übliche journalistische Ausgewogenheit der Pro- und Contra-Seite beim Thema Klimawandel, da hierbei „erfahrene Wissenschaftler“ und „sogenannte Skeptiker“ oft gleichberechtigt gegenübergestellt würden. Als lobenswert führte er die Sendung eines Satirikers an, der statt einer „falschen Balance“ eine „zahlenmäßig repräsentative“ Gegenüberstellung von mehreren Dutzend „Klimawissenschaftlern“ zu zwei „Skeptikern“ gewählt hatte. Sowohl die Wortwahl als auch diese Hervorhebung von „Mehrheitsverhältnissen“ zeigt zweifelsfrei, welchen Auftrag CliSAP in Wirklichkeit hat: Gezielte, staatlich gestützte und großzügig finanzierte Agitation und Propaganda zugunsten der These vom menschengemachten Klimawandel.

Darüber hinaus betätigt sich CliSAP zusätzlich als Kontrollorgan und Überwacher, indem beispielsweise die Klimaberichterstattung im Vorfeld der Pariser Klimabeschlüsse auf internationaler Ebene überwacht und zudem mit Journalistenbefragungen kombiniert wurde. Zufrieden konnte der Professor dabei feststellen, dass sich „ein bewusster Umgang mit Klimaskeptikern“ etabliere und letztere „von den Journalisten nur noch selten ohne kritische Einordnung zitiert werden. Ein Leugnen des menschengemachten Klimawandels existiere nur noch in medialen Nischen.“

Karriereziel: Amtlich geförderter Hetzhund-Journalist

Noch einen Schritt weiter geht man beim Umweltbundesamt (UBA) bei seiner Zusammenarbeit mit dem „Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung gGmbH“ (KMGNE), einer eher verschwiegenen, aber national wie international bestens und bis auf die höchsten EU-Ebenen vernetzten und geförderten Institution mit Sitz in Berlin. Im konkreten Fall geht es um ein Symposium von UBA und KMGNE mit dem Titel „Impact-Journalismus und zielgenaues Storytelling für gesellschaftlichen Wandel“ im Dezember 2018 in Berlin. Das Dokument ist eine ausführliche Anleitung dafür, wie man „normale“ Journalisten zu sogenannten „Impact-Journalisten“ abrichtet. Als ideologisch gefestigte Kämpfer für die Weltrettung sollen sie die von Schellnhuber und Konsorten gewünschte „Große Transformation“ gezielt und bewusst vorantreiben. Im Papier stehen detaillierte Handlungsanweisungen und Tipps, wie man vorgehen sollte, um maximalen Effekt zu erzielen. Statt neutral zu berichten („tradiertes, unzeitgemäßes Rollenverständnis der Journalist*innen“), sollen sich Impact-Journalisten dafür engagieren, ihre Botschaften selbst aktiv an passender Stelle z.B. über NGO´s und soziale Medien zu verbreiten und dies durch nachfolgende Berichte zu verstärken. Interessant ist in diesem Zusammenhang noch die Anmerkung, dass „diese Bereitschaft…durch verschiedene Gratifikationsmodelle unterstützt werden“ kann. Sprich: Bezahlung von Journalisten für Meinungsmache im Interesse des Staates.

Ausdrücklich angesprochen wurde auf dieser Veranstaltung im Jahre 2018 das Thema „Insektensterben“. Die entsprechenden Medienkampagnen seither, die u.a. zur Bienentod-Gesetzesinitiative in Bayern beitrugen, entsprachen dem 2018 vorgegebenen Muster und zeigen, dass dieser manipulative „Impact-Journalismus“ längst erfolgreich in die Praxis umgesetzt wird. Auch die gerade erst in Fernsehsendern und Printmedien gehypte Kampagne gegen Pelz – aufgemacht an hippen Clubs in München und Hamburg – trägt diese Handschrift. Auf der Webseite der KMGNE finden sich übrigens so gut wie keine Hinweise auf Mitarbeiter, Strukturen oder Finanzen, lediglich eine erschreckend lange Liste von Ministerien, Behörden und sonstigen staatlichen oder staatsnahen Institutionen, mit denen offensichtlich enge Beziehungen bestehen. Besonders abstoßend ist, dass gerade das UBA, das sich herausnimmt, kritische Journalisten zu diskriminieren, so ungeniert mit einer derartigen Organisation zusammenarbeitet.

Was sich hier dokumentiert, ist die gezielte, langfristige, staatlich massiv geförderte Züchtung von „ideologisch gefestigten“ Meinungsmanipulatoren, die in den Medien auf die Ablösung unserer Demokratie durch eine Ökodiktatur hinarbeiten sollen.

Die Einschüchterung der Bevölkerung beginnt zu wirken

Die massive Propaganda, die in Sachen Klimawandel, Migration sowie der Verteufelung unbequemer Zeitgenossen als „Rechte“ seit Jahren auf die Bevölkerung einprasselt, hat mittlerweile deutlich erkennbar Auswirkungen auf deren Verhalten. In einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) schreibt der Historiker und langjährige Direktor der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, dass die Menschen zunehmend Angst davor haben, offen ihre Meinung zu sagen. So waren es laut einer Allensbach-Umfrage noch im November 2015 erst 45 % der Befragten, die den Eindruck hatten, dass man mit Äußerungen zur Flüchtlingsfrage vorsichtig sein müsse. Schon damals sagte die Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher in einem Focus-Interview, dass „die Bevölkerung inzwischen deutlich zwischen Meinungsäußerungen im öffentlichen Raum und im privaten Kreis trennt – ein Phänomen, das viele Ostdeutsche ebenfalls nur allzu gut aus der DDR kennen. Auch dort sahen sich die meisten genötigt, an der Schule, in der Universität oder im Betrieb anders zu reden als zu Hause. Vor besonderen Schwierigkeiten standen dabei diejenigen, die Kinder hatten. Wenn der Lehrer in der Schule scheinbar harmlos fragte, ob die Uhr im Fernsehen Punkte oder Striche hatte, konnte er damit feststellen, ob die Familie Westfernsehen schaute.”

Mittlerweile haben sich die Verhältnisse noch deutlich verschlechtert. So waren es knapp vier Jahre später – im Mai 2019 – bereits zwei Drittel der Befragten, die das Gefühl hatten, man müsse im öffentlichen Raum „sehr aufpassen“, was man sage. Neben der Flüchtlingsfrage wurden jetzt auch die Themen Nationalsozialismus, Juden, Rechtsextremismus, Patriotismus, Homosexualität und die AfD als angstbesetzt benannt. In seinem Beitrag berichtet Herr Knabe, ihn erinnere die Aggressivität und Intoleranz im politischen Diskurs zuweilen fatal an DDR-Verhältnisse, nur dass der Druck jetzt nicht nur von oben komme, sondern auch von der Seite durch manche Journalisten und von ihnen gehypte Minderheiten.

Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die immer massiver werdende Diffamierungskampagne, durch die Klimaskeptiker in die „rechte Ecke“ gerückt oder gleich als Nazis diffamiert werden. Die Allensbach-Umfragen als neutrale Quelle belegen, dass es der staatlich gezüchtete „Eiferer-Journalismus“ in den letzten Jahren erfolgreich geschafft hat, die eigentlich vom Grundgesetz garantierte freie Meinungsäußerung in wichtigen Bereichen zurückzudrängen. Der deutsche Staat hat es geschafft, wesentliche Bereiche der „vierten Gewalt“ – die Medien – weitgehend in seinem Sinne gleichzuschalten. Was Fr. Merkel – egal ob bewusst oder unbewusst – in Kauf nimmt ist die Tatsache, dass sie das Land damit dem internationalen Kapital gegenüber wehrlos gemacht und somit diesen Heuschrecken quasi zum Fraße vorgeworfen hat. Die Konsequenzen werden vor allem die kleinen Leute zu spüren bekommen. In einem Land, wo Politiker noch vor wenigen Jahrzehnten stolz darauf waren, dass auch der kleine Mann sich mal ein Schnitzel leisten konnte, wird jetzt in den Medien ohne Anzeichen von Erschrecken über neue massive Attacken auf den Geldbeutel wie eine Fleischsteuer berichtet. Tierwohl geht demnächst vor Verbraucherwohl. Und die Deutungshoheit für Tierwohl haben dann sicher nicht die Bürger, sondern Foodwatch oder wie auch immer die NGO heißen mag. Schnitzel sind demnächst wieder den Reichen vorbehalten. Und der Verteuerungs-Wettlauf zulasten des kleinen Mannes hat anscheinend noch gar nicht richtig angefangen.




Das atomare Paradox: Professor Hundert­millisievert: Shunichi Yamashita – Teil 2

Aber der radioaktive Fallout, der berüchtigte schwarze Regen?

»Der größte Teil des Fallouts ging wahrscheinlich an einem anderen Ort nieder, als man ursprünglich angenommen hatte. Es ist daher schwierig, verlässliche Aussagen darüber zu machen. Eine signifikante Zunahme von Krebsfällen oder Fehlgeburten wurde aber nirgends in der Präfektur von Nagasaki festgestellt.«

Halb betäubt fahre ich gegen Abend zurück zu meinem Hotel, vorbei am Peace Park. Ein Nieselregen hat inzwischen eingesetzt und die letzten Touristen aus dem Park vertrieben. In der Schule hatte ich einst gelernt – ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen – dass eine nukleare Katastrophe ganze Landstriche auf Jahrzehnte unbewohnbar macht. Der Lehrer hatte uns Fotos von Kindern mit schrecklichen Missbildungen gezeigt. Ich ging nicht irgendwo in Afrika zur Schule, sondern in der Schweiz, einem Land also, das weltweit für ein exzellentes Bildungssystem gelobt wird. Meine Kinder und Enkel bekamen die gleichen Bilder vermittelt. Und jetzt das – alles Lug und Trug? Ist es möglich, dass wir alle einem kollektiven Wahn aufgesessen sind?

Ist Professor Shunichi Yamashita etwa der Spinner? Gibt es etwa eine Art Stockholm-Syndrom bei den Überlebenden der Atombombe, ein psychischer Kurzschluss, der die Opfer mit ihrem Peiniger verbündet? Will er – der Professor – einfach die brutale Realität nicht sehen? Oder ist er der einzige Vernünftige in einer Welt aus lauter Spinnern?

Mit der Energiewende will Deutschland der Welt zeigen, wie man das scheinbar Unmögliche möglich macht: radikal, alles nach Plan und alternativlos. Tatsächlich baute die Energiewende von allem Anfang an auf eine falsche Prämisse. Der überstürzte Atomausstieg ist unsinnig und macht die Welt keinen Deut sicherer.

Der einzige ist er jedenfalls nicht. Professor Yamashita ist bestens integriert in der wissenschaftlichen Community der Strahlenmedizin. Seine Langzeit-Forschungen in Nagasaki, Hiroshima, Tschernobyl und später in Fukushima sind international anerkannt, sie wurden nie von renommierten Forschern bezweifelt, geschweige denn widerlegt. Was Yamashita sagt, so stellte ich in Gesprächen mit anderen Strahlenmedizinern fest, ist Common Sense in der Fachwelt. Mainstream.

Wie ist es dann möglich, dass sich die Mär von den Krebstoten, den Monsterkindern und den auf ewig verwüsteten Landschaften so hartnäckig in den Köpfen hält? Ein deutscher Strahlenbiologe gab mir die Antwort, am Rande der Talk-Show Kerner Live auf RTL, an der wir beide teilnahmen. Die Sendung wurde in Hamburg im März 2011 aufgezeichnet, wenige Tage nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Die Informationslage war dürftig. Ich vertrat die Ansicht, dass es keinen Grund zur Panik gebe, da die Gefahr eines Tsunami in Deutschland doch eher gering sei. Die große Katastrophe in Japan sei das Erdbeben gewesen. Wegen der Kernschmelze dagegen sei bislang kein einziger Mensch gestorben oder auch nur ernsthaft verstrahlt oder verletzt worden. Meine Aussage löste eine allgemeine Betretenheit aus, der Moderator ließ mich danach vorsichtshalber kaum mehr zu Wort kommen. Doch nach der Sendung beglückwünschte mich ein Strahlenbiologe, der an meiner Seite im Panel aufgetreten war, zu meiner »mutigen und wichtigen Stellungnahme«. Die Hysterie, welche die deutschen Medien verbreiteten, meinte er, sei unbegründet und verantwortungslos, ja unerträglich. Das hätte er besser vor laufender Kamera gesagt, tadelte ich ihn, sein Wort als Wissenschaftler hätte ein viel höheres Gewicht gehabt als die Einschätzung des wahrscheinlich einzigen atomfreundlichen Journalisten im deutschen Sprachraum. »Ach wissen Sie«, rechtfertigte sich der Fachmann etwas betreten, »wenn man das so direkt sagt, gilt man sofort als Verharmloser.«

Kurz vor der Klimadämmerung: Reue in der CDU über den schnellen Atomausstieg

Es gibt kaum ein Thema, das derart von Ignoranz, Vorurteilen und falschen Mythen kontaminiert ist, wie die Kernspaltung. Der atomare Bann ist ein Paradebeispiel für den Fluch des Guten. Der Glaube an die gerechte Sache scheint jede Lüge zu rechtfertigen. Doch die Folgen der gutgemeinten falschen Warnungen sind nicht harmlos. Sie können mitunter eine tödliche Wirkung zeitigen.

Professor Yamashita war mir bereits im Frühling 2011 aufgefallen, anlässlich einer Reportage in Fukushima. Zwei Monate zuvor hatte das Tohoku-Erdbeben an der japanischen Ostküste schreckliche Schäden angerichtet und einen gewaltigen Tsunami ausgelöst. Ganze Landstriche und Siedlungen wurden verwüstet, 18.000 Menschen fanden damals in den Wassermassen den Tod. Das Bild der Zerstörung, das ich an der japanischen Ostküste antraf, war bedrückend. Der Tsunami hatte ganze Siedlungen dem Erdboden gleichgemacht, viele Bewohner hatten keine Chance zu fliehen. Wracks von einst stattlichen Schiffen und zur Unkenntlichkeit zermalmte Fahrzeuge aller Art, auf die man bis tief ins Landeinnere stieß, vermittelten einen Eindruck der unermesslichen Naturgewalt.

Der Tsunami hatte unter anderem auch das Kühlsystem von vier der insgesamt sechs Reaktorblöcke des Kernkraftwerkes Fukushima Daiichi zerstört. In drei Reaktoren kam es darauf zu einer Kernschmelze, bei der Wasserstoff freigesetzt wurde. Um einen Überdruck in den Reaktoren zu verhindern, wurde radioaktiver Dampf abgelassen, es kam zu Wasserstoffexplosionen. Der Wind überzog ein 20 bis 30 Kilometern langes und wenige Kilometer breites Gebiet nordwestlich der Reaktoren in der Folge mit erheblichen Mengen von radioaktivem Cäsium und Jod.

Zusammen mit dem Fotografen Mitsuhiro Shoy reiste ich damals zehn Tage lang durch die Präfektur Fukushima. Da und dort wagten wir auch mal einen Abstecher in die Sperrzone, welche die Regierung im 20-Kilometer-Radius um die havarierten Meiler errichtet hatte. Wir besuchten Notsiedlungen, die für die Evakuierten in aller Eile erstellt worden waren. Was wir hörten und sahen, hatte allerdings wenig gemein mit dem, was ich bislang in den europäischen Medien gelesen hatte. Diese berichteten vor allem über die Reaktorkatastrophe. Doch die Menschen vor Ort hatten ganz andere Sorgen. Es war der Tsunami, der getötet, ganze Landstriche zerstört und ihre fruchtbarsten Reisfelder versalzt hatte. Mit der Strahlung gingen die Überlebenden dagegen ziemlich abgeklärt und vernünftig um. Sie wussten, dass sie nie lebensbedrohlich war.

»Die Strahlengefahr nimmt mit der Distanz zu«, spöttelte mein Freund Mitsuhiro einmal, »je weiter die Menschen davon entfernt sind, desto größer ihre Angst – am größten ist sie am anderen Ende der Welt, in Deutschland.« Der Fotograf war zuvor mit deutschen Reportern unterwegs gewesen. Sie waren mit Schutzanzügen und Gasmasken angereist. Strahlenopfer waren gemäß Mitsuhiro das einzige Thema, das sie wirklich interessiert habe. Nach ein paar Tagen seien die Deutschen dann ziemlich enttäuscht wieder abgezogen. Für ihren Bericht, den mir Mitsuhiro zeigte, hätten sie nicht nach Japan reisen müssen. Sie hätten ihn auch aus ihrem Hamburger Büro schreiben können. Mit der Realität in Fukushima hatte er in meinen Augen nur am Rande zu tun.

Kernschmelzen hatte es früher schon geben, etwa 1957 im britischen Atomkraftwerk Windscale, 1965 auf dem sowjetischen Eisbrecher Lenin oder 1969 im schweizerischen AKW Lucens, wobei letzteres irreparabel beschädigt wurde (die Anlage wurde abgebaut, die Felskaverne, in der sie sich befand, dient heute dem Kanton Waadt als Staatsarchiv). Oder 1979 im Kernkraftwerk von Harrisburg.

Doch bis dahin war es, zumindest im Westen, immer gelungen, den Austritt von radioaktiven Stoen zu verhindern. Insofern war Fukushima ein Novum. Man wusste nun endlich, was der »größte anzunehmende Unfall« (GAU) bedeutete, und das gleich in dreifacher Ausführung.

Gegen 170.000 Menschen mussten in Fukushima 2011 wegen der atomaren Kontamination vorübergehend ihre Häuser und Höfe verlassen. Professor Shunichi Yamashita präsidierte damals die ärztliche Fachgruppe, welche die Verstrahlung vor Ort überwachte. Er sprach sich öffentlich gegen eine dauerhafte Evakuierung des Sperrgebietes aus. Die von der Regierung festgelegte Strahlenobergrenze von 20 Millisievert pro Jahr, so argumentierte er, sei viel zu tief. Die »Radiophobie«, wie er es nannte, also die irrationale Angst vor der Strahlung, war seiner Meinung nach eine viel größere Bedrohung. Bei Werten von bis zu 100 Millisievert pro Jahr, die in Fukushima nirgends erreicht wurden, seien keine nennenswerten Gesundheitsschäden zu befürchten. Die mit einer Evakuation verbundenen sozialen Belastungen, der Stress und die Entwurzelung, beeinträchtigen die Gesundheit ungleich stärker. Es sei ausreichend, vorübergehend auf den Verzehr lokaler Agrarprodukte zu verzichten. Demonstrativ verlegte der Professor seinen Wohnsitz von seiner Heimatstadt Nagasaki ins Krisengebiet von Fukushima, wo er für die folgenden drei Jahre blieb.

Professor Shunichi Yamashita war ein Glücksfall für die Bevölkerung von Fukushima. Weltweit gibt es kaum einen Forscher, der sich besser in der Materie auskennt. Nach seinen Studien in Nagasaki hatte er mehrere Jahre in den USA geforscht. Ab 1990 leitete er eine internationale Tschernobyl-Kommission unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, welche die gesundheitlichen Folgen der Reaktorkatastrophe in der Ukraine untersuchte. Über ein Jahrzehnt lang pendelte Yamashita zwischen Kiew und Nagasaki. Zwischendurch arbeitete er drei Jahre lang für die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf, wo er maßgeblich am Tschernobyl-Bericht mitwirkte.

Die hochkarätige internationale Expertengruppe – insgesamt nahmen über hundert Forscher an den Untersuchungen teil – veröffentlichte 2006 einen Bericht zu Tschernobyl. Zwanzig Jahre nach der Reaktorkatastrophe in der Ukraine gelangte das Forscher-Team zu einem ernüchternden Fazit:

  • Lediglich 31 bis 56 Todesfälle konnten direkt auf die Strahlung zurückgeführt werden; eine Zunahme von Missbildungen bei Neugeborenen konnte nicht festgestellt werden.
  • Eine Erhöhung des Krebsrisikos ließ sich nur theoretisch errechnen, sie bewegte sich selbst in den am stärksten kontaminierten Gebieten im einstelligen Promillebereich. Das ergab zwar eine theoretische Zahl von 4000 Krebstoten in ganz Europa, die sich statistisch allerdings nicht nachweisen lässt.
  • Festgestellt wurde dagegen eine signifikante Zunahme von Schilddrüsenkrebs, vor allem bei Kindern, der allerdings selten tödlich verlief und der mit zwei einfachen Mitteln zu verhindern gewesen wäre: mit der Einnahme von Iod-Tabletten in den ersten Tagen nach der Katastrophe und vor allem mit dem Verzicht auf lokale Agrarprodukte während einiger Monate.
  • Die Schilddrüsenerkrankungen wären auch durch eine rechtzeitige Evakuation der Anwohner zu verhindern gewesen. Als die Umsiedlungen nach einer Woche begannen, war es zu spät. Da das radioaktive Iod-131 eine Halbwertszeit von lediglich acht Tagen hat, war die gefährlichste Phase zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei.
  • Die flächendeckenden Evakuierungen, so der deprimierende Befund der Forscher, hatte ungleich mehr gesundheitliche Schäden bewirkt, als von der Strahlung zu erwarten gewesen wäre: Depressionen, Suchtverhalten, psychosomatische Leiden, soziale Isolation, Suizide, völlig unnötige Abtreibungen von vermeintlich beschädigten Föten.

Welch ein Kontrast zu den Medienberichten nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die von Tausenden von Toten fabulierten und spekulierten. Der WHO-Bericht entlarvte vor allem auch die Bilder von Fehlgeburten und Krebskranken, mit denen Hilfswerke damals spendenwirksam für ihre Tschernobyl-Projekte hausierten, als verantwortungslose Propaganda.

Man hätte nach der Veröffentlichung des WHO-Berichtes einen Aufschrei der Empörung erwartet oder zumindest eine engagierte Debatte. Natürlich hätte man die Befunde der Tschernobyl-Kommission auch hinterfragen oder kritisieren können. Doch nichts von dem geschah. Betretenes Schweigen. Der Bericht wurde von den meisten Massenmedien und der Politik einfach ignoriert. Sonst hätte man ja eingestehen müssen, einer Chimäre aufgesessen zu sein. Diese Größe brachten nur wenige auf.

»Errare humanum est«, besagt ein famoses lateinisches Sprichwort. Irren ist menschlich. Der zweite Halbsatz der Sentenz, »In errore perseverare stultum«, wird leider partout vergessen. Im Irrtum zu beharren jedoch ist dumm. Weil man die Fehler von Tschernobyl nicht wahrhaben wollte, verpasste man es, die nötigen Lehren zu ziehen. Das sollte sich in Fukushima rächen.

Bei der Bevölkerung von Fukushima und den lokalen Medien kamen Professor Yamashitas Entwarnungen gut an. Die ernsthafte Gelassenheit der Bevölkerung, die ich auf meiner Reportage im Katastrophengebiet erlebte, war bewundernswert. Doch als Yamashita forderte, die willkürlich verfügte Sperrzone im 20-Kilometer-Radius schnell wieder aufzuheben und auf ein paar wenige, räumlich eng begrenzte Hot Spots mit eektiv hoher Strahlung zu beschränken, regte sich unter Anti-AKW-Aktivisten in Tokio Widerstand. Sie warfen dem Professor aus Nagasaki vor, die Gefahr zu verharmlosen. Professor 100 Millisievert und Damashita (der Trickser) waren die milderen Schlötterlinge, die man ihm anhängte, Doktor Mengele gehörte zu den gröberen.

Einige Aktivisten reichten eine Strafanzeige ein gegen Yamashita, wegen vorsätzlicher Tötung. Der Vorwurf war juristisch absurd, die Staatsanwaltschaft erönete nicht einmal ein Verfahren. Doch das war Sto, über den sich auflagefördernd berichten und spekulieren ließ. In Japan wurde die Story anfänglich zwar kaum beachtet. Doch als die internationale Presse die Yamashita-Affäre aufnahm, schwappte sie zurück nach Japan und bekam plötzlich Gewicht. Die japanische Regierung wich dem medialen Druck. Obwohl es in vielen Gebieten schon nach wenigen Wochen keinen Grund mehr dafür gab, wurden die Sperrzonen um Fukushima Daiichi nur zögerlich aufgehoben.

Die Rückkehr der Vertriebenen verzögerte sich über mehrere Jahre. Viele ließen ihre Heimat für immer hinter sich. In den Barackendörfern der Vertriebenen, die ich zwei Jahre nach dem Tsunami erneut besuchte, traf ich Familien, die auseinandergerissen worden waren. Vor allem Frauen waren aus Sorge um ihre Kinder weggezogen, während ihre Männer blieben, nicht zuletzt aus Loyalität zum Arbeitgeber, die in Japan großgeschrieben wird. Viele der Evakuierten arbeiteten für den Stromriesen Tepco, die mit Abstand größte Firma in der Region. Sie fühlten sich auch moralisch verpflichtet, an Bord zu bleiben. Ältere Leute wollten in der Nähe der Grabstätten ihrer Vorfahren bleiben. Für Westler mag das alles fremd klingen, doch in Japan gelten andere Wertvorstellungen als in Europa oder Nordamerika.

Und vor allem eines wurde mir klar bei meinen Erkundungen in Fukushima: Hätte ich die Wahl, bei einem schweren Erdbeben unter einem Stausee oder neben einem AKW zu stehen, ich würde letzteres wählen. Wassermassen sind gefährlicher als die Strahlung.

Bei meinem Flug von Zürich nach Tokio wies der Geigerzähler, den ich stets bei mir trug, einen höheren Wert aus als während eines etwa gleich langen Aufenthalts in der Sperrzone von Fukushima. Das Phänomen ist bekannt. Jeder Linienpilot ist auf 10.000 Metern über Meer einer höheren Strahlendosis ausgesetzt, als in einem AKW zulässig wäre. Auch den 2500 Mitarbeitern von Tepco, die mit den Aufräumarbeiten in den havarierten Meilern von Fukushima beschäftigt waren, wurden geringere Dosen zugemutet. Ein Gesundheitsrisiko besteht weder für die Piloten noch für die Arbeiter in den Ruinen von Fukushima Daiichi.

Meine zweite Reise in die Sperrzone erfolgte zwei Jahre nach dem Reaktorunfall, diesmal oziell und direkt ins Herz des havarierten AKW. Es gab auch dort immer noch einige Hot Spots, an denen man sich nicht zu lange aufhalten sollte. Doch an den meisten Orten war die Strahlendosis inzwischen auf unbedenkliche Werte abgeflaut. Vieles wurde in mühseliger Kleinarbeit gereinigt. Ein großer Teil der strahlenden Partikel wurde vom Regen in den pazifischen Ozean gespült, wo sie derart verdünnt wurden, dass sie für Mensch und Umwelt keine Bedrohung mehr darstellen.

Das traurigste an der Kernschmelze von Fukushima war vielleicht, dass sie mit relativ einfachen Mitteln zu vermeiden gewesen wäre. Die Unfall-Reaktoren wurden in den 1970er Jahren gebaut, sie waren die ältesten im Land. Alle moderneren Atomreaktoren, auch jene der benachbarten, etwas moderneren Anlage Fukushima Daini, haben sowohl das Tohoku-Erdbeben wie auch den nachfolgenden Tsunami schadlos überstanden. Beim AKW in Onagawa etwa erreichte die Flut einen höheren Stand als in Fukushima.

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Die Mängel der Meiler von Fukushima waren spätestens seit der Kernschmelze von Harrisburg (1979) bekannt. Neben dem Überdruck im Reaktor war der hoch explosive Wasserstoff der sich bei einer Kernschmelze bilden kann, das größte Risiko. Weltweit wurden nach Harrisburg viele Kernkraftwerke entsprechend nachgerüstet. 1993 reiste der Ingenieur Ferruccio Ferroni von der Schweizer Firma Elektrowatt nach Japan, um die Nachrüstung der Meiler von Fukushima mit so genannt passiven Wasserstoff-Rekombinatoren und Partikel-Filtern zu evaluieren. 1996 übermittelte Ferroni dem Stromriesen Tepco detaillierte Pläne für die Nachrüstung. Die Nachrüstung hätte auch bei einem totalen Stromausfall jene Katastrophe verhindert, die 18 Jahre später eintreten sollte. Man empfing Ferroni freundlich, danach hörte er nichts mehr. Tepco mochte die wenigen Millionen nicht ausgeben und sollte dafür noch teuer bezahlen.

187 Milliarden Dollar wird die dreifache Kernschmelze in Fukushima den Stromriesen Tepco voraussichtlich kosten. Der Rückbau und die Entschädigungen an die Anwohner schlagen mit je rund 70 Milliarden zu Buche, der Rest wird für die Entsorgung der verseuchten Böden veranschlagt. Die Aufräumarbeiten dürften noch Jahrzehnte dauern. Der exorbitante Betrag wird allerdings relativiert durch eine andere Zahl. Nach dem GAU in Fukushima fuhr Japan 2011 all seine 42 Kernreaktoren zu einer Sicherheitsüberprüfung herunter. Die meisten Anlagen stehen seither still. In der Folge musste Japan Jahr für Jahr zusätzlich Kohle, Öl und Gas im Wert von 30 bis 50 Milliarden Dollar importieren, um seine Stromversorgung sicherzustellen. Da dieses Geld nicht anderswo eingespart werden kann – der Brennstoff beläuft sich höchstens auf zehn Prozent des Betriebsaufwands eines Kernkraftwerkes – dürfte der durch den »Shutdown« verursachte volkswirtschaftliche Schaden die Kosten der Kernschmelze mittlerweile übertroffen haben.

Während meiner Reisen nach Fukushima versuchte ich mehrmals, Professor Shunichi Yamashita zu treen. Erfolglos. Ich erhielt stets eine ausgesprochen freundliche Absage, was in Anbetracht seiner Erfahrungen mit Journalisten auch nicht weiter verwunderlich war. 2015 zog sich Yamashita nach Nagasaki zurück, um sich wieder seiner Lehrtätigkeit und der Forschung am Atomic Bomb Disease Institute zu widmen. Er hatte getan, was in seiner Macht lag.

Im Frühling 2017 gelang es mir, den Professor am Rand einer WHO-Tagung in Genf kurz zu sprechen. Yamashita lud mich zu sich nach Hause ein. Wenn ich begreifen wolle, wie es sich mit der atomaren Verstrahlung verhalte, meinte Yamashita, müsse ich schon nach Nagasaki reisen. Dort würde er mir gerne alles vor Ort erklären.

Auszug aus dem Kapitel „Das atomare Paradox“, in:
Alex Baur, Der Fluch des Guten. Wenn der fromme Wunsch regiert – eine Schadensbilanz. münsterverlag, 344 Seiten, 22,00 €.

Hinweis: Das Buch ist erhältlich in Deutschland hier und in der Schweiz hier.




Climate Alarmists = Chicken Little

Folgende Punkte waren im Gespräch:

Klima-Alarmisten machen uns einen falschen Ablauf weis

Es geht in Wirklichkeit darum, riesige Summen Geldes des Steuerzahlers für ein nicht existierendes Problem zum Fenster hinaus zu werfen, und darum, die Kontrolle der Regierung über unser Leben drastisch auszuweiten.

Die Benennung als ,Grönland‘ (Grünland) war nicht nur ein cleverer Marketing-Gag durch die Island-Wikinger, um Trottel dorthin zu locken

Es gibt so viele gute Nachrichten hinsichtlich unserer sich wohltuend erwärmenden Welt, dass man schon ein Brett vor dem Kopf haben muss, um es nicht zu sehen – mehr zu Essen und weniger Armut.

Man hüte sich vor dem Trojanischen Pferd des Klima-Alarmismus‘

Während meines Auftritts dort debattierten wir über die Vorzüge seiner Resolution mit dem Titel „Declaring a Climate Emergency and Emergency Mobilization Effort to Restore a Safe Climate“ [etwa: Ausrufung eines Klima-Notstandes und Bemühungen, ein sicheres Klima wiederherzustellen]. Wie bekannt haben verschiedene Städte in den USA ähnliche Maßnahmen beschlossen, welche aber mehr Aktionismus als pragmatische Lösungen sind.

Im Wesentlichen geht es bei all diesen verfehlten Resolutionen darum, riesige Summen Geldes für ein nicht existentes Problem zu verschwenden sowie darum, der Regierung umfassend die Kontrolle über unser Leben zu verschaffen. Man denke nur daran, dass eine Stadt die Welt retten soll. Diese Hybris! Zufall? Glaube ich nicht. Diese Resolutionen – einschließlich des Green New Deal – sind nicht dazu gedacht, einen Klima-Kataklysmus zu vermeiden. In Wirklichkeit geht es darum, Politikern immer mehr Macht zu verschaffen, so dass sie immer stärker unser Leben kontrollieren und uns immer tiefer in unsere Brieftaschen greifen können.

Es geht nicht um Klima, weil wir nicht am Rand einer Klima-Apokalypse stehen und auch nie gestanden haben. Das künstliche Fabrizieren einer „Klimakrise“ ist ein listiges Manöver, um Größe und Möglichkeiten der Regierung unter dem Deckmäntelchen der globalen Erwärmung zu erweitern – das sollte man nie vergessen.

In Wirklichkeit werden wir viel stärker durch einen Klima-Betrug bedroht als durch eine weltweite Klima-Katastrophe. Tatsächlich hat sich die Welt während der letzten 170 Jahre glücklicherweise mit einer sehr moderaten Rate erwärmt: Das ist rein natürlichen Ursprungs, durchläuft doch unser Planet periodische Zyklen der Erwärmung und Abkühlung. Ich denke nicht, dass dies auf irgendeine Art und Weise mit der Menschheit zusammenhängt, denn auch auf dem Mars ist gegenwärtig ein Zyklus mit leichter Erwärmung zu beobachten.

Diese Phänomene der Erwärmung und Abkühlung lassen sich über Jahrtausende zurück verfolgen, lange bevor die Menschen das Petroleum erfanden und zu unser aller Nutzen einsetzten. Zum Beispiel gab es einmal eine Zeit, während der die Menschen zu Fuß von Asien nach Nordamerika wandern konnten – nicht weil sie auf dem Wasser gingen, sondern weil der Meeresspiegel viel niedriger lag. Er hatte seinerzeit eine Landbrücke freigegeben zwischen dem heutigen Russland und Alaska. Ob man es nun glaubt oder nicht, unser Planet hat schon unzählige Male derartige Zyklen durchlaufen.

Grönland heißt so, weil man zwischen den Jahren 900 und 1300 bei einem damals viel wärmeren Klima Ackerbau und Viehzucht betreiben konnte. Das war nicht einfach nur ein Marketing-Trick der Wikinger, um Dummköpfe dorthin zu locken. Der Mittelalterlichen Warmzeit war ein kaltes und dunkles Zeitalter vorangegangen und diesem wiederum die Römische Warmzeit von 700 v. Chr. bis etwa zur Geburt Christi.

Die Römer trugen Togas und Shorts aus einem einfachen Grund: es war warm damals. Wenn es warm ist, gereicht das Pflanzen, Tieren und Menschen zum Vorteil. CO2 ist Pflanzennahrung, die weltweite Erntemenge steigt und steigt. Glücklicherweise befinden wir uns derzeit inmitten einer natürlichen Warm- und Feuchtperiode, was etwas Gutes ist. Tatsächlich kommen in jedem Jahr mehr Menschen durch Kälte als durch Wärme zu Tode. Und so weiter, und so fort. Aber ich schweife ab.

Ich weiß, dass Sie mit einer stetigen Folge von Lügen seitens der radikalen Main-Stream-Medien vollgestopft werden. Unglücklicherweise ist dieser Ablauf grundfalsch. Berücksichtigt man dies, kann ich gut verstehen, warum man skeptisch ist hinsichtlich der Perspektive des Heartland Institutes bzgl. Klima-Realismus. Wir bei Heartland sind tief in diese Thematik eingetaucht und bieten Ihnen eine auf Wahrheit und Fakten basierende, realistische Perspektive an.

In Martins Resolution liest man: „Vor dem Hintergrund, dass Tod und Zerstörung, die bereits durch die derzeitige durchschnittliche globale Erwärmung um 1 Grad C verursacht wurden, zeigt sich, dass die Erde bereits zu heiß für Sicherheit und Gerechtigkeit ist, [was auch immer das bedeutet], was durch zunehmende und sich intensivierende Waldbrände, Überschwemmungen und steigende Meere, Krankheiten, Dürren und extreme Wetterbedingungen belegt wird“.

[Diese Passage in „…“ ist ausnahmsweise von Google übersetzt].

Diese alarmistische Rhetorik ist in der Tat ziemlich alarmierend und sollte einen sofort auf die skeptische Seite bringen. Diese Art Doom-and-Gloom-Propaganda ist genau der Grund, warum ich all jene, die der Klimawandel-Bewegung beigetreten sind (für einige ist es sogar zu einer Religion geworden) als Klima-Extremisten bezeichne – alias grüne Extremisten. Schlimmer noch, es handelt sich um einen weltweiten falschen Alarm. Der Himmel fällt uns nicht auf den Kopf und verbrennt auch nicht.

1. Gegenwärtig gibt es auf der Welt weniger und schwächere Hurrikane als in der Vergangenheit.

2. Es treten auch viel weniger Tornados in den USA auf im Vergleich zur Vergangenheit.

3. In Australien, dem Wüstenkontinent, wird es nasser.

4. Die NOAA-Temperaturmessungen belegen keine zunehmende Erwärmung in den USA über die letzten beiden Jahrzehnte.

5. Der Meeresspiegel ist während der letzten 170 Jahre um 20 mm pro Jahrhundert gestiegen, und diese Rate zeigt keine Veränderung.

6. Ich habe den Michigan-See mit sehr hohem und sehr niedrigem Wasserspiegel gesehen. Während meines Lebens wurde die globale Erwärmung und jetzt der Klimawandel für beides verantwortlich gemacht: hoher bzw. niedriger Pegel. Das soll einer verstehen!

Seit Jahrzehnten haben Klima-Alarmisten wie Kinder alles einfach immer weiter aufgebläht. Und ihre höchst unqualifizierten Prophezeiungen haben sich wieder und immer wieder als falsch erwiesen. Wieder und wieder werden die gleichen düsteren Projektionen nachgeplappert, und doch machen sie weiter, als ob nichts geschehen wäre, obwohl diese Prophezeiungen niemals eingetreten sind – wieder und wieder und wieder.

Ich möchte ein paar Beispiele ihrer falschen Prophezeiungen nennen. Die Eisbären werden aussterben! Dabei gibt es derzeit mehr denn je. Wir werden in wenigen Jahren alle sterben! Tun wir nicht. Jedermann wird Hunger leiden! Inzwischen jedoch sind immer mehr Menschen gut ernährt, und die globale Armut befindet sich auf einem Allzeit-Tief.

Ich stamme aus Wisconsin, und ich frage die Bewohner dieses US-Staates: würden es die Bürger von Wisconsin nicht begrüßen, ein Klima wie in North Carolina vorzufinden? Der Wert des Landes im nördlichen Alberta ist gestiegen, weil man das Land für produktivere Zwecke nutzen kann. Oder anders gesagt: Die Menschen können viel besser Ackerbau betreiben, wenn es warm ist. Es gibt so viele gute Nachrichten wegen unserer sich allmählich erwärmenden Welt – und nicht trotz dieses Vorgangs. Uns werden ununterbrochen Lügen seitens der Propheten des Untergangs eingetrichtert – zum Vorteil der Lügner selbst und ihrer im Überfluss lebenden Freunde – und nicht für das Wohlergehen normaler, hart arbeitender Amerikaner.

Bleiben Sie wachsam!

Frank Lasée, Präsident, The Heartland Institute

Übersetzt von Chris Frey EIKE

Hinweis des Übersetzers: Dies ist ein Rundbrief des Heartland-Instituts von Ende Januar. Daher kann kein expliziter Link angegeben werden.