Weiberfastnacht 2: Kopfwäsche. Greta und die massenbewegte Jugend

von Heinz Horeis

Eine einfache Lösung, die „ein kleines Kind“ verstehen könne, hat die schwedische Nachwuchsaktivistin auch: „Wir müssen den Ausstoß von CO2 stoppen“, fordert sie. Man kann es ihr nicht verübeln; einfache Lösungen sind ein Vorrecht von Kindern. Sie bekommen Angst, wenn ihnen grüne Politiker, Journalisten oder Lehrer täglich das „Ende der Welt“ ausmalen.

Unnötige Angst. Denn die Katastrophenszenarios sind Potemkinsche Dörfer. Hinter deren Fassaden geht es recht normal zu: wechselnde Wetter, mal ruhige, mal stürmische Zeiten, mal Starkregen, Überschwemmungen oder Taifune. Warme und heiße Sommer, kühle und sehr kalte Winter und umgekehrt. Wetter halt – Vielfalt, wie gehabt. Dazu eine im Schnitt freundliche Temperatur. Bullerbü-Wetter, wie im letzten Sommer, vor dem Greta sich nicht fürchten müsste.

Doch Greta hat Pech. Sie wächst in einer Zeit auf, wo Schuld und Angst leicht zu haben sind, wo die Zukunft bedrohlich und die Endzeit nahe ist. Denn ein Planet steht auf dem Spiel. Wetter ist jetzt Extremwetter. Klimapolitische Glaubenssätze haben sich tief in den modernen Gesellschaften festgesetzt. Sie sind alternativlos: Es droht die „menschengemachte katastrophale Erderwärmung“, verursacht durch vom „fossilen Energiesystem freigesetztes Kohlendioxid“. Das ist heute selbstverständliches Dogma, über das man nicht mehr diskutiert. Fakten, selbst Fragen, die dem widersprechen, stören nur. Was zählt, ist Haltung. Und viel Emotion.

Große Gefühle, die eine massenbewegte Jugend braucht

Hier passt Greta gut hinein. Sie erweckt die großen Gefühle, die eine massenbewegte Jugend braucht. „Außergewöhnlich“ sei sie, sagte Joan Baez jüngst der NZZ. Diese „jungen Klimademonstranten“ seien alles, was wir haben. Die legendäre Protestsängerin steht mit dieser Meinung nicht allein. Im Gegenteil: Der Klimawandel hat sich inzwischen fest in Geisteswissenschaft und Kunst eingenistet. Die wohlhabende Prominenz – Schauspieler, Sänger, Schriftsteller – ist zum großen Teil klimabewegt, wie der „Sternenkrieger“ Harrison Ford. Er zog in seiner Videobotschaft an den World Government Summit in Dubai kräftig vom Leder: „Unser Planet leidet … Wasserknappheit … beispiellose Waldbrände … weltweite Zerstörung … die größte moralische Krise unserer Zeit“.

Der indische Romanautor Amitav Gosh, der vor kurzem im amerikanischen Politikmagazin Foreign Policy einen Essay über die kommende Klimakrise veröffentlichte, geht mit dem Thema zwar etwas intelligenter, dennoch nicht weniger ängstlich um. Gosh, 1956 in Kalkutta geboren, Geschichtsstudium in Neu-Delhi, Promotion in Oxford, schreibt lesenswerte historische Romane, die sich vorwiegend um seine indische Heimat drehen. Sie sind weltweit Bestseller. Vor knapp drei Jahren veröffentlichte er ein Sachbuch, betitelt The Great Derangement: Climate Change and the Unthinkable. Goshs erfolgreiche, ebenfalls lesenswerte Kollegin Annie Proulx zählt sein Buch zu den besten Büchern zum Thema Klimawandel; Foreign Policy reihte den Autor jüngst bei den 100 wichtigsten globalen Denkern des Jahres 2018 ein.

Gosh wendet sich der Klimageschichte zu, insbesondere der Mitte des 19. Jahrhunderts zu Ende gegangenen Kleinen Eiszeit. Damit hofft er, die „kommende Klimakrise“ besser zu verstehen. Sein Ansatz ist deshalb interessant, weil die herrschenden Klimatologen die Klimageschichte nur mit Feuerzange anfassen. Der Weltklimarat (IPCC) hatte sich jahrelang bemüht, jeglichen Wandel aus dem Klimageschehen des letzten Jahrtausends zu entfernen. Der aktuelle Temperaturanstieg sollte als singuläres, bedrohliches Ereignis hervorstechen. Das Resultat war die berüchtigte „Hockeyschläger-Kurve“ des Klimatologen Michael Mann; die Warmzeit des Mittelalters und die folgende Kleine Eiszeit sind in dieser Grafik einfach verschwunden.

Inzwischen hat sich die Hockeykurve als fehlerhaft entpuppt. Warm- und Kaltzeit sind wieder zurück. Naheliegend wäre nun, dass Gosh die heutige Erwärmung an der mittelalterlichen Warmzeit misst. Er wählt allerdings die Kleine Eiszeit. Ihn hat „das ungeheure Ausmaß der ökologischen, gesellschaftlichen und politischen Umbrüche jener Ära“ schockiert. Die menschengemachte Erderwärmung, so meint er, werde nun in ihren Auswirkungen diese Periode noch übertreffen. Mit dieser Annahme begibt sich auch Gosh in den Katastrophenmodus.

Die Kleine Eiszeit dauerte vom 14. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, hin und wieder unterbrochen durch kürzere Erwärmungen. Diese turbulente Periode der „Klimaverschlechterung“ war eine der kältesten Phasen der vergangenen zehntausend Jahre. Lange, extrem kalte Winter folgten aufeinander; einmal, Anfang der 14. Jahrhunderts, fror sogar die Ostsee zu. Häufig gab es Missernten und Hungersnöte, extreme Hochwasser und Sturmfluten. Kriege und Seuchen verwüsteten das Land. Wälder wurden verheizt. Menschen wurden schwermütig, Fürsten gemütskrank, schreibt Wolfgang Behringer in seiner Kulturgeschichte des Klimas. Extreme Wetter wurden als Strafe Gottes, als Zeichen für das Ende der Welt interpretiert. Endzeitsekten entstanden; Hexenverbrennungen und Judenpogrome folgten.

Warmzeiten sind keine Katastrophenzeiten

Schlimme Zeiten, zweifellos. Aber was haben diese Ereignisse mit der jetzigen Erwärmung zu tun? Ist ein wärmeres Klima ebenso bedrohlich wie ein kaltes? Warmzeiten, zeigt die Geschichte, sind keine Katastrophenzeiten. Und auch keine Seltenheit. Seit dem Jahre Null gab es diverse größere und kleinere Warmzeiten, unterbrochen von kalten Perioden. Alle natur-, nicht menschengemacht. Permanenter Klimawandel. Den findet man auch (siehe diese anschauliche Grafik), wenn man weiter bis zum Ende der letzten großen Eiszeit vor etwa zehntausend Jahren zurückgeht. Warme Perioden, die ähnlich warm oder sogar noch wärmer waren als heute, kalte Perioden. Beim Klima ist Wandel die Regel, nicht die Ausnahme.

Gut hat es der, der in einer Warmzeit lebt. Der eminente britische Klimaforscher H.H. Lamb sprach vom „genialen Klima des Hochmittelalters, das mit der Hochzeit kultureller Entwicklung im 12. und 13. Jahrhundert zusammenfiel.“ Der Münchener Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf schreibt in Eine Kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends: „Katastrophen wie Pest, verheerende Hochwasser, riesige Heuschreckenschwärme passen mit den kalten und feuchten Zeiten in Mitteleuropa zusammen. Das warme Mittelalter wurde von ihnen verschont“. Die warmen Jahrzehnte und Jahrhunderte seien die ‚guten‘ gewesen, so seine Bilanz.

Nicht nur die Europäer, auch die Chinesen hatten ihre guten Zeiten. Dort wandelte sich das Klima während der vergangenen 2.000 Jahre annähernd so wie in unserem Teil der Welt. Dabei wirkten sich Klimaänderungen in den kalten Zeiten negativ und in den warmen positiv aus, so eine 2017 von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte Studie: 25 der 31 Hochphasen im kaiserlichen China der vergangenen zwei Jahrtausende entwickelten sich während der Warmzeiten.

Diese Studie ist kein Einzelfall. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die weltweit die Existenz von Warmzeiten und ihre positiven Auswirkungen belegen. Alles andere wäre auch verwunderlich: Mensch und Natur mögen Wärme. Wir können deshalb froh sein, dass mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert auch ein Warmtrend begonnen hat. Ohne diesen steckten wir immer noch in der Kleinen Eiszeit.

Die Angst vor einem Klimawandel, wie sie sich bei Gosh und Greta zeigt, ist unnötig und wirkungslos. Das Klima wandelt sich – ständig, mehr oder weniger schnell und unaufhaltsam. Allerdings sagt uns die Überlieferung, dass ein Wandel in Richtung Warmzeit vorzuziehen sei. Aber auch eine Abkühlung von der Intensität der Kleinen Eiszeit, die für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann, muss nicht mehr zur Katastrophe führen. Das danken wir der Kohle.

Kohle schütze vor der Unbill von Wetter und Klima

Das Kohlezeitalter begann noch während der Kleinen Eiszeit in England. Um 1800 lieferte Kohle dort bereits 79 Prozent der Energieversorgung. Dank Kohle wurde London zur ersten europäischen Millionenstadt. Kohle heizte die Haushalte. Kohle lieferte die Wärme für Glashütten und Ziegeleien. Ziegelmauern und Glasfenster hielten Häuser (und Menschen) warm. Während man im übrigen Europa noch mit dem immer knapper werdenden Holz heizte, konnten sich die englischen Bürger schon mittels (damals) moderner Energie und Technologie vor der Unbill von Wetter und Klima schützen.

Inzwischen hat die durch fossile Brennstoffe und Kernenergie angetriebene wissenschaftlich-technische Revolution Lebensweise und Lebensstandard in den Industrienationen von Grund auf verändert, und zwar zum Positiven. Moderne Gesellschaften verfügen über eine technische Umwelt, die sie weitgehend vor den Härten von Natur, von Wetter und Klima schützt.

Ein starker Hurrikan in Haiti oder Myanmar bringt Tausenden den Tod, in den USA sind es nur wenige Dutzend. Reiche Länder verfügen über genügend Know-how, Technik, Energie und Wirtschaftskraft, um sich an Wetter und Klimawandel anzupassen. Den ärmeren Ländern fehlen diese Mittel weitgehend. Sie müssen, wie es derzeit China oder Indien tun, erst die industriell-technische Basis schaffen, um ihre Verwundbarkeit gegenüber Natur und Klima zu verringern. Das geht nicht mit Biomasse, Wind- und Sonnenenergie. Im Gegenteil. Diese „Natur“-Energien sind selbst wieder anfällig für Klimaereignisse, im Gegensatz zur billigen, stets verfügbaren Energie aus Erdöl, Erdgas, Kohle oder Uran.

Für Menschen, die vergessen haben, wem sie ihr Wohlleben verdanken, ist mit der Kohle allerdings das Böse in die Welt gekommen. Der Erfolg der Klimabewegung beruht auf einer einfachen Botschaft: Vom Menschen erzeugtes Kohlendioxid erwärmt die Erde; Erwärmung führt zur Katastrophe; ohne das böse, vom Menschen gemachte Kohlendioxid, wird alles wieder gut. Die Botschaft kommt an, bei Greta und den demonstrierenden Schülern, bei grünen Politikern und Journalisten, bei der globalen Prominenz.

Keine der drei Aussagen hält der Wirklichkeit stand. Atmosphärischer CO2-Gehalt und Temperatur korrelieren im besten Falle schwach. Während der mittelalterlichen Warmzeit, die so warm, vielleicht sogar wärmer als heute war, lag der CO2-Gehalt deutlich unter dem heutigen Wert. Heute können gute Klimaforscher guten Gewissens nur sagen, dass das Kohlendioxid einer (und nicht einmal der wichtigste) von mehreren Faktoren im Klimageschehen ist. Und dass Erwärmung zur Katastrophe führt, ist durch die Geschichte nicht belegt. Im Gegenteil: Warmzeiten waren gute Zeiten.

Auch der dritte Punkt des Klimaevangeliums ist hinfällig. Es ist keineswegs sicher, dass eine Senkung der CO2-Emissionen den Klimawandel signifikant beeinflussen kann. Sicher aber ist, dass die Methoden, mit denen diese Senkung erreicht werden soll, größeren Schaden anrichten werden als jede Klimaänderung. Wer leistungsstarke Energiequellen wie Kohle, Erdgas und Erdöl kurzerhand abschafft und durch Sonne, Wind und Biomasse ersetzt, bringt die Welt in eine Situation, wo auch kleine Kaltzeiten wieder zu Katastrophenzeiten werden.

Einfache Lösungen, liebe Greta, sind dann doch nicht so einfach.
–                              –                                       –

Heinz Horeis arbeitete als Lehrer für Physik und Mathematik, Programmierer und EDV-Dozent bevor er als freier Wissenschaftsjournalist tätig wurde. Er war ständiger Autor von bild der wissenschaft, schrieb für Welt, Zeit, Berliner Zeitung u.a. Seit 1990 arbeitet er mit dem Yazawa Science Office in Tokio zusammen und hat dabei an über dreißig populärwissenschaftlichen Büchern als Autor bzw. Mitautor mitgewirkt. Mit dem Thema Energie befasst er sich seit der ersten großen Energiedebatte in den 1980er Jahren.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Achse des Guten.




12. IKEK am 23. und 24.11.18 Nils-Axel Mörner Das Kattegat u.a. als Testgebiete für die Höhe des Meeresspiegels

Video des Vortrags von Prof. Nils-Axel Mörner anlässlich der 12. IKEK am 23. und 24.11.2018 in München

 Der tatsächliche ozeanische Anstieg könne hier in den letzten 125 Jahren moderat mit 0,9 mm pro Jahr angesetzt werden. Die Aufzeichnung der Gezeiten von Stockholm sei die zweitlängste in Europa; die mittlere langfristige Veränderung des Meeresspiegels sei ein Rückgang von 3,8 mm pro Jahr. Das Land selbst steige um 4,9 mm pro Jahr aufgrund des postglazialen Aufstiegs der kontinentalen Landmasse. Die Differenz – 1,1 mm/Jahr – ist die wahre ozeanische Komponente der Ostsee. Neben den europäischen Schauplätzen erforscht Mörner auch den Indischen Ozean und den Pazifik. Er ist gerade aus dem Gebiet der Insel Ouvéa vor Neuschottland zurückgekehrt. Im 17. Jahrhundert war der Meeresspiegel um 70 cm höher, wie unverrückbare geomorphologische Fakten belegten. Damals herrschte in den Alpen die „Kleine Eiszeit“ mit größeren Gletschern (wie Professor Patzelt zeigte). Wie konnte mehr flüssiges Wasser zur gleichen Zeit im Äquatorbereich vorhanden gewesen sein? Das Phänomen beweise somit, dass der Weltklimarat falsch liegt; in warmen Zeiten steigt der Meeresspiegel nicht global an. Der Grund dafür sei die sogenannte Rotations-Eustasie des Planeten: Im Norden steige die Wasservolumen etwas an, am Äquator bleibe es ungefähr gleich. Auch andere Inseln oder Küstenregionen wiesen einen Verlauf des Meeresspiegels auf wie die Insel Ouvéa, so die Fidschi-Inseln, die Malediven und Goa in Indien. Auch hier sanken die Ozeane um 1700, stiegen um 1800 an und sanken nach 1950 wieder. Die Veränderungen des globalen Meeresspiegels folgten den Gezeiten-Superzyklen des Mondes, die wiederum auf die großen Sonnenzyklen zurückzuführen seien. Die Sonne beeinflusst auch den Golfstrom im Nordatlantik, der Wärme nach West- und Nordeuropa bringt. Bei maximaler Sonnenaktivität fließt der Golfstrom in Richtung Nordosten und der Meeresspiegel steigt. Während eines solaren Minimums fließt der Golfstrom von Osten nach Südosten und der Meeresspiegel fällt im Norden ab. Mörner betonte, dass die Sonnenzyklen und die Schwerkraft unserer benachbarten Planeten, der Sonnenwind und der Mond unser Klima und unsere Umwelt bestimmten. Der Kohlendioxid-Treibhauseffekt habe dabei keinen Platz. Mit seinem Vortrag in München wollte der Referent eine Nachricht an die Weltklimakonferenz COP24 in Kattowitz/Polen senden, die kurz nach der EIKE-Konferenz stattfand: „Einige Ihrer Aussagen fallen in den Bereich des anti-wissenschaftlichen Unsinns. Das Polareis schmilzt nicht so schnell und der Meeresspiegel steigt nicht in kurzer Zeit.“ Für das Verfahren zur Bestimmung des Meeresspiegels empfiehlt Mörner, die physikalischen Gesetze und die Beweise in der Natur zu beachten



Die Suche nach Energieinvestoren zur Unterstützung der australischen Kohlekraftwerks-Industrie – Teil 2

Einleitung von Michael McLaren

„Bei uns ist heute der Unterstützer des STT, der liberale Parlamentsabgeordnete Craig Kelly, der hier auf 2 GB über eine Zukunft interviewt wird, in der die Australier wieder eine bezahlbare Stromversorgung erhalten könnten, wann und wie sie benötigen.

Trevor St Baker, ein führendes Energie-Schwergewicht, hat diese Woche einen 6-Milliarden-Dollar-Plan für die Entwicklung des ersten hocheffizienten und emissionsarmen Kohlekraftwerks Australiens vorgelegt. St. Baker macht geltend, dass es in ganz Australien bekannt ist, dass es eine Leistungs-Lücke an zuverlässiger, planbarer Elektroenergie von mindestens 1000 MW (Megawatt) in Victoria und New South Wales gibt. New South Wales hat eine rasch wachsende Bevölkerung, verfügt aber über keine Reservekapazitäten

Der Parlamentsabgeordnete Craig Kelly, das liberale Mitglied für den Wahlbezirk Hughes (Anm.: Hughes ist ein Vorort der Hauptstadt Canberra) , schließt sich dieser Einschätzung an – um seine Unterstützung für den Plan zu betonen, der die kostengünstigste Art und Weise wäre , um die ausschlaggebende, stabile und zuverlässige Stromversorgung bereitzustellen, wie wir sie benötigen..

 

Mitschrift des Interviews

Michael McLaren:„Der globale Energiemarkt ist momentan eine Geschichte von Widersprüchen. Einerseits haben wir hier eine Gruppe linker Politiker, die die Kohlekraftwerke  in ganz Australien loswerden wollen, aber die sehr glücklich damit sind, die Gewinne zu kassieren, die dieselbe Kohle einbringt, wenn sie in Kohle-hungrige Volkswirtschaften wie Indien und China exportiert wird. Um die Widersprüche fortzusetzen, forderte eine ganze Reihe wirtschaftlicher Schwergewichte in Amerika eine CO2-Steuer, während Trevor St. Baker, einer unserer führenden Akteure in der Energiewirtschaft, einen 6-Milliarden-Dollar-Plan für Australiens erste Entwicklung eines hocheffizienten, emissionsarmen Kohlekraftwerks präsentierte.

St. Baker’s Begründung ist , dass in ganz Australien bekannt ist, dass wir eine Lücke bei  zuverlässiger, abrufbarer Kraftwerkskapazität haben, die mindestens 1000 Megawatt in Victoria und in New South Wales – bei einer dort boomenden Bevölkerung – beträgt,  aber  ohne eine einsetzbare Reservekapazität.
Diese erwähnte hocheffiziente, emissionsarme, als HELE bezeichnete-Kohlestromerzeugung wird auf der ganzen Welt eingesetzt. Und oft wird dafür australische Kohle verwendet. Aber wir haben hier nicht die erforderliche Umgebung geschaffen, um uns an der Entwicklung dieser Technologie zu beteiligen. Um es einfach auszudrücken: Der Plan von St. Baker macht deutlich, warum wir uns an diesem Punkt befinden. Die Finanziers Australiens – ich spreche hier von den großen Banken und vergleichbaren Institutionen – wurden von den aggressiven Niemands auf Twitter hereingelegt und haben einfach Angst, deren Wut zu erzeugen, wenn sie einen modernen Kohle-gefeuerten  Stromerzeuger finanzieren.

Jemand, der seit Ewigkeiten über die Weigerung Australiens, das technische HELE-Phänomen zu erkunden, mit dem Kopf gegen eine Mauer gerannt ist, ist Craig Kelly, der von Hughes kommende Parlamentsabgeordnete (MP). Er ist selbstverständlich auch Mitglied des Regierungsausschusses für Umwelt und Energie. Er ist der Ansprechpartner für diese Fragen. Er ist jetzt in unserer Leitung. Craig, ich freue mich, Sie kennenzulernen und ein gutes neues Jahr.

Craig Kelly:Gut, hier mit Ihnen zu sprechen.

Michael McLaren:Ich meine, was hier geschieht, ist widersprüchlich, nicht wahr? Sowohl zu Hause als auch im Ausland. Wie ich schon sagte, in Amerika gibt es diese bedeutenden Ökonomen. Sie sind jedoch keine Klimaforscher. Sie sagen, dass Amerika eine CO2-Steuer haben müsste – aber Australien fördert Kohle und exportiert sie. Sie hier zu Hause zu verwenden, finden sie aber falsch. Und dann tritt der Energiebaron Trevor St. Baker auf und sagt: „Hören Sie, ich möchte hier etwas anderes machen. Ich möchte ein paar hocheffiziente und emissionsarme Kohlekraftwerke produzieren.“ “

Craig Kelly:Zunächst einmal viel Glück für alle, die versuchen, in den USA eine Kohlendioxidsteuer einzuführen, während Präsident Trump dort ist.

Michael McLaren: So ist es.

Craig Kelly:Und wenn Sie sich jetzt in der Welt umsehen, da werden Hunderte von Kohlekraftwerken gebaut. Und das nicht nur in China und Indien. Es sind rund 50 Länder auf der ganzen Welt, die beschlossen haben, dass es der beste Weg für ihr Land ist, den Menschen billige Energie zu liefern, indem man neue Kohlekraftwerke baut. Der Grund, warum dies hier in Australien nicht der Fall ist, liegt darin, dass Investoren die politische Landschaft betrachten und heute in weniger als sechs Monaten das Potenzial einer Labour-Grünen-Regierung sehen. Und die dämonisieren die Kohle in Australien. Das ist der einzige Grund, warum wir keine Investitionen sehen: Wegen dieser politischen Landschaft und wegen des politischen Risikos..
Damit müssen wir uns als Regierung auseinandersetzen. Denn dieses Problem haben wir. Unsere Kohlestromerzeuger sind eine alternde Flotte. Wir haben (das Kraftwerk) Liddell , das die AGL im Jahr 2022 schließen will.
(Anm.: AGL Energy ist für über 6 Millionen Endkunden der grösste Anbieter von Gas und Elektrizität. AGL hat in den vergangenen Jahren in erneuerbare Energien investiert, z.B. in Windfarmen und Wasserkraftwerke).

Nun, ja, das soll um ein paar Jahre verlängert werden, aber es kann nicht für immer verlängert werden. Am Ende des nächsten Jahrzehnts haben Sie mehr Kohlekraftwerke, die ihr Ende erreichen werden. Und wir können derartige Anlagen nicht über Nacht bauen.

Michael McLaren:Nein, das braucht Zeit.

Craig Kelly:  Sie brauchen mindestens fünf Jahre von einem Neubaubeschluss bis zur Inbetriebnahme um ein neues Kohlekraftwerk zu realisieren. Deswegen müssen wir mitmachen und loslegen, und den Bau am besten schon gestern beginnen.

Michael McLaren:Also gut, jetzt stoßen Sie mit Trevor St. Baker in diese Lücke. Er ist natürlich ein alter Hase im Energiespiel. Er ist ein kluger Mann, er ist ein sehr reicher Mann. Er investiert dort, wo er gewiss ist, dass das gut gehen wird. Und er sagt, wir brauchen etliche dieser hocheffizienten und emissionsarmen Kohlekraftwerke. Er hat speziell Victoria im Blick, um in der Gegend des ehemaligen Kraftwerks Hazelwood und in New South Wales zu bauen. Aber er musste, wie es scheint, nach China gehen, um dafür die Unternehmensfinanzierung zu erhalten – weil er davon überzeugt ist, dass unsere vier großen Banken nicht in Betracht kommen werden, da sie gegen die Finanzierung neuer Kohlekraftwerke sind. Ich denke, das ist ein Teil von Australiens Problem, nicht wahr? Die Banken wurden von den Twitterati-Lobbyisten hereingelegt, und sie rennen meilenweit vor Investitionen davon, was wohl nach Ihrer Annahme vernünftige und profitable Unternehmung wären.

Craig Kelly:  Das trifft exakt zu und das ist eines der Probleme, die wir in Australien haben. Bei unseren großen Unternehmen scheinen sie auf Wenige zu überreagieren… eine Handvoll Leute haben ein paar Tweets auf Twitter gebracht, um die Kohle zu dämonisieren, und sie alle rennen mit einem hundert Meilen-Tempo. .Aber chinesische Investoren sind smart. Die werden sich nicht von einer Handvoll Menschen auf Twitter in Australien einschüchtern lassen, und sie können sehen, dass es hier eine gute, das heißt wirtschaftliche Investition ist, so wie es auch im Rest der Welt möglich ist. Und wir brauchen es geradezu verzweifelt. Ansonsten besteht in den kommenden Jahren die Gefahr von Stromausfällen. Es besteht zudem das Risiko, dass die Strompreise noch höher klettern, als sie es bei uns jetzt schon sind. Zum anderen spielt es keine Rolle, wie viele Windturbinen oder wie viele weitere Sonnenkollektoren wir aus China importieren. Die Realität ist, dass Sie all‘ das zu 100% mit planbarer (Anm.: bedarfsabhängiger) Leistung unterstützen müssen.

Michael McLaren:Das stimmt.

Craig Kelly:Und deshalb brauchen wir eine neue Grundlastversorgung im System. Jetzt können wir entweder Kohle wählen, oder auch Gas, oder Atomkraft. Wir haben aber ein Atomverbot in diesem Land, das meines Erachtens falsch ist, aber ich glaube nicht, dass Sie, wenn Sie morgen etwas bauen wollten, auf den Kurs des Nuklearsystems gehen würden.
Erdgas wiederum haben wir einfach nicht an den richtigen Orten. Dabei sind wir der weltweit größte LNG-Exporteur, das ist Flüssiggas.

Michael McLaren:Trotzdem sagen unsere eigenen Produzenten, dass sie es nicht zu einem günstigen Preis bekommen können.

Craig Kelly:Ja. Aber das Problem ist, dass Erdgas leider nicht an den Orten ist, an dem wir es brauchen würden, um Strom zu erzeugen. Die Kohle, die wir haben, ist aber genau dort, wo wir den Strom erzeugen müssen. Deshalb macht der Plan von St. Baker so viel Sinn. Wenn Sie auf dem Gelände des alten Hazelwood ein neues Kohlekraftwerk bauen, müssen Sie kein Geld mehr für die Aufrüstung der Übertragungsleitungen aufwenden.

Michael McLaren:Das Übertragungsnetz.

Craig Kelly:… das ist es. Die Leute reden darüber, dass wir mitten in der Wüste einen Solarpark bauen sollten. Ohne Rücksicht darauf, wie das gehen soll. bei den Mehrkosten müssten Sie Milliarden Dollar für die Übertragungsleitungen da draußen ausgeben.

Michael McLaren:Von dort, wo es erzeugt wird, dorthin, wo man es braucht.

Craig Kelly:Das stimmt. Wir haben sogar überSnowy 2.0sowie die Kosten in Höhe von einigen Milliarden Dollar für den Bau des Snowy 2.0 gesprochen, damit es funktioniert. Aber dann sind noch etwa 2,7 Milliarden US-Dollar für die Übertragungsleitungen erforderlich, um die elektrische Energie von dort herauszubringen. (Anm.: Snowy 2.0 ist ein seit Dezember 2018 im Bau befindliches 2000 MW- Wasserkraftwerk in den Snowy Mountains. Die erste Stromlieferung für die Versorgung von New South Wales, Victoria und South Australia wird 2024 erwartet.)
Der Bau eines neuen Kohlekraftwerks auf dem alten Gelände von Hazelwood oder das Errichten eines neuen im Hunter Valley ist für die Nation aus wirtschaftlicher Sicht absolut sinnvoll.

Michael McLaren:Okay. Ich stimme Ihnen zu 100% zu, und St. Baker ist ein kluger Kerl. Und er ist kein Zauderer. Er würde das nicht vorschlagen, wenn er nicht davon überzeugt wäre, dass es funktioniert – es scheint also, dass dem viele Leute zustimmen. Wenn das der Fall ist, weshalb wurden derartige Anlagen bis heute nicht verwirklicht ?  Ich meine, warum haben wir in diesem Unternehmensumfeld einfach nicht den Wunsch, das zu tun, was für die Wirtschaft richtig ist?

Craig Kelly:Nun, das ist klar. Es ist die Angst vor einer Regierung Bill Shorten; es ist die Angst vor einer von den Grünen beeinflussten Labour-Regierung, die ein Anti-Kohle-Vorurteil hat.
(Anm.: Bill Shorten ist seit 2013 Vorsitzender der Labour-Partei. Labour stellte von 2007 bis 2013 die Regierung unter Premier Kevin Rudd; bis 2010 sogar mit absoluter Mehrheit).

Michael McLaren:Gab es auch etwas Angst, als Malcolm Turnbull Premierminister war? (Anm.: Australiens Premier bis Juli 2018. Nachfolger Scott Morrison, Liberals).

Craig Kelly:Ich denke, nicht in diesem Ausmaß. Malcolm hat verstanden, dass wir eine Grundlast-Stromerzeugung brauchten. Aber erinnern Sie sich Sie daran; wir hatten die Labour Partei da draußen, die als Ziel von 50% für die erneuerbare Energie wollte. Sie wollen (in Victoria) kopieren, was in Südaustralien passiert ist, das diesem Bundesland die höchsten Strompreise der Welt einbrachte. Jetzt denken Sie, wenn Sie dieses Experiment gesehen haben und die höchsten Strompreise der Welt erreicht haben, dann wollen wir das nicht. Aber genau das ist immer noch die Politik, die Labour kopieren will. Was nun in Südaustralien passiert ist, geschah, weil sie immer, wenn sie diesen Überschuss von Windstrom im Netz hatten, die Kohlekraftwerke plötzlich abschalten mussten. Aber die müssten im Hintergrund da sein und in der gleichen Minute Strom erzeugen, wenn der Wind nachlässt.

Michael McLaren:Natürlich haben wir öfter als selten gesehen, dass an sehr heißen Tagen der Wind nachlässt. Sie bekommen also einen Spitzen-Nachfrage, haben aber einen Tiefpunkt in der Stromversorgung.

Craig Kelly:Was wir tatsächlich in Südaustralien gesehen haben: Wir sahen ihr letztes Kohlekraftwerk, die Northern Power Station.-

Michael McLaren: In dieLuft gesprengt.

Craig Kelly:… Wegen der subventionierten Windenergie im Netz konnte es einfach nicht wirtschaftlich laufen. Es wurde also ständig heruntergefahren, angehalten und gestartet. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Lastwagen, der für die Autobahnfahrt mit 100 km/h ausgelegt ist.  Wenn Sie ständig Vollbremsungen machen müssen und dann so schnell wie möglich wieder auf 100 km/h beschleunigen, und dann erneut bremsen und wieder beschleunigen, dann fahren Sie ineffizient und produzieren mehr Abnutzung und Verschleiß. Genau das ist mit dem Kohlekraftwerk in Südaustralien passiert. Und sie haben damit ein perfektes Kohlekraftwerk in die Luft gesprengt: Es war nicht veraltet, es war nur ungefähr 30 Jahre alt. Und jetzt bezahlen sie dafür. Sie zahlen in Südaustralien einen sehr hohen Preis mit den höchsten Strompreisen der Welt. Die Industrie verlässt diesen Staat. Und man hat dort die höchste Anzahl von Stromabschaltungen im Lande..

Michael McLaren:Okay. Nun, kurz bevor Sie gehen, Craig, eine letzte Frage: Es sieht so aus, als ob Trevor St. Baker für seinen Plan, den er hart erarbeitet hat, dafür bereits Verträge oder Finanzierungen erreicht hat. Anscheinend von China – im Umfang von 6 Milliarden Dollar. Natürlich gibt es Bedenken in Bezug auf Geld von China und insbesondere zu dessen Rolle in unserem Stromnetz. Wäre dies nicht ein ideales Projekt für eine wiedergewählte Morrison-Regierung, sollte es später in diesem Jahr dazu kommen, die Dollars australischer Steuerzahler zu investieren und die Chinesen herauszuhalten?

Craig Kelly:Ja, sehen Sie, es wäre großartig, wenn das die Investoren wären. Ich denke, der private Sektor sollte es tun. Aber es spielt keine Rolle, ob das Geld aus China oder Indien oder Pakistan oder Bolivien oder den USA stammt. Sobald das Geld nach Australien kommt, wird dieses Kraftwerk von Australiern wie Trevor St. Baker betrieben und verwaltet. Das Geld ist dann hier, sie können das Kraftwerk nicht einpacken, es zerlegen und mit nach China nehmen. Es bleibt hier im Land, um billige, kostengünstige und reichlich vorhandene Energie für Australier zu erzeugen, und genau das brauchen wir.

Michael McLaren:Es war gut, mit Ihnen zu reden. Es ist gut, an diesem Punkt des neuen Jahres abzubrechen, und ich bin mir sicher, dass wir im Jahre 2019 erneut miteinander sprechen werden. Craig, danke für Ihre Zeit.

Craig Kelly:Cheers, ich bedanke mich.

Michael McLaren: Es war mir eine Freude. Dies war Craig Kelly, der liberale Abgeordnete für Hughes.“
(Ende des Interviews von 2GB)


Nachwort
Zu dem Thema “Moderne, hocheffiziente und emissionsarme Kohlekraftwerke” gibt es zwei
recht spektakuläre Entwicklungen:

  1. Die deutschen Dampfkraftwerke durch Betrieb mit optimaler Anlagentechnik (BoA). Die Weiterentwicklung der seit 1960 fertiggestellten RWE-Braunkohlekraftwerke zu der ab 2000 eingesetzten BoA-Technik an den Standorten Niederaußem und Neurath brachte einen Netto-Wirkungsgrad von mehr als 43%; der nach Angaben von Prof. Helmut Alt, FH Aachen, inzwischen bei sogar 47% liegt. Durch diese Neubauten werden die aus den 70er Jahren stammenden alten Kraftwerke, die rd. 35% Wirkungsgrad aufwiesen, schrittweise ersetzt.
    Das 600-MW Isogo-Kraftwerk in Yokohama / Japan – dort mit Steinkohle betrieben – ist der zweite moderne Kohlekraftwerkstyp, der mit 45% Wirkungsgrad ebenfalls den Beweis liefert, dass es jetzt moderne thermische Dampfkraftwerke mit Kohlefeuerung gibt, die eine erstaunliche Effizienz besitzen – und daher einen weitaus geringeren Kohleverbrauch pro erzeugter kWh und somit auch geringere Energieverluste und Emissionen aufweisen als Altanlagen.

Es sind wahrscheinlich diese bereits im Einsatz befindlichen High-Tech-Entwicklungen, die Mr. Trevor St Baker im Blick hat.
Günter Keil

Quellen:
Teil1: Webseite STT (Stop These Things); „Reliable Power Rewind: Australia Rebuilds Baseload With New High Efficiency Low Emission Coal Plants”, – STOP THESE THINGS,

February 5, 2019
Teil 2: “The Search for Energy Investors to help the Coal Fire Industry” , Ergänzung von Teil 1
(s.o.), Interview des Abgeordneten Craig Kelly, MP, durch Michael McLaren, 2GB, vom
22.Januar 2019.

 

Dr.-Ing. Günter Keil

Sankt Augustin
25.02.2019




Klimahysterie als soziale Etikette?

So weit so bekannt. Aber wie steht es mit den Themen, die meine Cousine, Grünen-Politikerin Kathrin Göring-Eckardt, als „heißen Scheiß“ bezeichnen würde? Sind auch sie typische Kennzeichen einer gesellschaftlichen Interessensgruppe?

Kauft man Kleider, so haben diese meist ein Etikett, das sie als Produkte einer bestimmten Marke mit einer bestimmten Qualität und einer bestimmten Käufer-Zielgruppe ausweist. Auch wir Menschen haben ein solches „Etikett“, das man nicht umsonst auch fast genau so bezeichnet, nämlich als „Etikette“.

Nun stellen wir uns mal janz dumm, wie der sympathische Lehrer aus der Feuerzangenbowle sagen würde, und überlegen uns, welche Leute im Land sich denn Sorgen um die anstehende Klimakatastrophe machen. Sind es Klempner, Krankenschwestern und Köche? Nein, eher nicht, die haben andere Probleme. Die Klimahysteriker sind eher in der weißen, links-akademischen Oberschicht Deutschlands und der anderen westlichen Länder zu finden. Konservative, Ausbildungsberufler und Migranten/Ausländer interessieren sich fast nie für Elektroautos, plastiklosen Haushalt und ihren ökologischen Fingerabdruck. Und das, obwohl sie sich paradoxerweise meist klimafreundlicher verhalten als die progressiven Bürgerlichen, weil sie häufiger in hässlichen gutgedämmten Häusern wohnen, und nicht zu Zweitwagen und Dritturlauben neigen (Zitat Fleischhauer, Sp.).

Ist die Neigung zu „fortschrittlichen“ Themen wie Klimakollaps und Plastikvermeidung vielleicht mehr Etikette als ernstgemeinte Sorge? Panisch oder ängstlich sehen die Freitags-Kinder wahrlich nicht aus. Und man fliegt auch nicht wegen nix nach Übersee, wenn man doch so sehr Angst vor dem Weltuntergang hat, wie kürzlich die bayerische Grünen-Chefin Katha Schulze. Mein Verdacht: Die Klimahysteriker glauben selber nicht wirklich an ihre Schauermärchen, sonst würden sie handeln und nicht palavern und demonstrieren.

Der bekannte Harvard-Psychologe (und Klimakatastrophist) Steven Pinker berichtet in seinem aktuellen Buch über dumme, böse Trump-Anhänger, die die „Fake News“ ihres Präsidenten nur glaubten, weil das als Ausweis ihrer konservativen Identität diene. Pinkers Kollege Dan Kahan hat dazu interessante Untersuchungen durchgeführt. Falsch liegen Pinker und Kahan nicht – allerdings gilt der Befund für alle Menschen. Nicht nur für die „dumpfen“ und „rechten“ Klimaleugner wie Donald Trump, die EIKE-Kollegen und mich, sondern natürlich auch für Steven Pinker, Dan Kahan, Al Gore, Harald Lesch und Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg.

Es stellt sich nun natürlich die Frage, wer denn Recht hat, und wie man das objektiv feststellen kann. Man bräuchte eine dritte Instanz, die Klimaleugner und Klimahysteriker neutral bewerten könnte. Da sich die grünen Männchen von Proxima Centauri b noch nicht zur Verfügung gestellt haben, wage ich aus meiner befangenen Position einen Vorstoß. Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen, zum Beispiel, Harald Lesch und Holger Thuß. Harald Lesch ist ein privilegierter ZDF-Populärwissenschaftler mit exklusivem Zugang zur Mattscheibe; Holger Thuß nicht. Leute wie der TV-Physiker vertreten die Interessen eines bestimmten Elitenmilieus, das das Klimathema im Augenblick als Etikette nutzt und den Zeitgeist bestimmt. Dieses Milieu verteidigt den Status quo, weil es von ihm profitiert. Leute wie wir von EIKE hingegen sind Underdogs, die den Status quo ante wiederherstellen wollen; also eine pluralistische Republik, in der nicht irgendwelche häufig wechselnden Fantasien vom Weltuntergang und andere Spinnereien als religiöse Basis des Staates angesehen werden, sondern noch demokratisch diskutiert werden.

Insofern haben wir Klimaleugner beim Eintreffen der Schiedsrichter von Proxima Centauri b richtig gute Karten, was meinen Sie? Aber wahrscheinlich hat das gläubige Elitenmilieu bis dahin schon wieder den nächsten Katastrophenmythos etabliert. Da ab etwa 2030 wieder eine neue Kaltphase innerhalb der Warmzeit ansteht, werden Harald Lesch oder seine Nachfolger vermutlich von der „wissenschaftlich eindeutig nachgewiesenen“ Eiszeit fabulieren; wie schon ihre Vorgänger in den 1970ern.


Bildquellen:

Martin Kraft https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Lesch#/media/File:MJK_20229_Harald_Lesch_(Republica_2018).jpg

Steven Pinker – Rebecca Goldstein https://de.wikipedia.org/wiki/Steven_Pinker#/media/File:Steven_Pinker_2011.jpg

Jan Ainali https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Greta_Thunberg_i_Bryssel.webm




Der Aufstieg von Fake-Wissenschaft

Zeitungen, Politiker und Interessengruppen haben sich seit Jahrzehnten von einer Vorhersage der Apokalypse ohne Übergang zur nächsten bewegt. Zunehmend wird es in einem mit Alarm übersättigten Markt notwendig, die Angsterzeugung immer weiter zu steigern. Manchmal konnten nicht einmal die hanebüchensten Lügen die Angstmache stoppen.

Pseudowissenschaft ist auf dem Vormarsch – und die Medien fahren voll darauf ab

H. L. Mencken schrieb einmal: „Das einzige Ziel praktischer Politik ist es, die Bevölkerung alarmiert zu halten (und sie damit für jede Führung in Sicherheit anfällig zu machen), und zwar mittels einer endlosen Aneinanderreihung von schrecklichen Gespenstern – die allesamt imaginär sind“. Zeitungen, Politiker und Interessengruppen haben sich seit Jahrzehnten von einer Vorhersage der Apokalypse ohne Übergang zur nächsten bewegt (Kernkraft, saurer Regen, die Ozonschicht, Rinderwahnsinn, Nanotechnologie, genetisch modifiziertes Getreide, das Jahrtausend-Problem, …) ohne dass sie jemals darauf gewartet haben, ob die Wirklichkeit sie bestätigte oder widerlegte.

In einem Alarm-übersättigten Markt wird es immer dringlicher, die Angstmache immer weiter zu steigern. Immer mehr Schlagzeilen zu medizinischer oder umweltlicher Panik basieren auf veröffentlichten wissenschaftlichen Studien, die wenig mehr als Lügen und mit einem Mäntelchen statistischer Tricksereien verkleidet sind. Nicht einmal die Bloßstellung eklatantester Lügen kann diesem Treiben Einhalt gebieten. Dr. Andrew Wakefield wurde vom General Medical Council im Jahre 2010 abgestraft, nachdem man herausgefunden hatte, dass die in seiner in Lancet 1998 veröffentlichten Studie aufgestellte Behauptung, eine Verbindung gefunden zu haben zwischen einem MMR-Impfstoff und Autismus, reiner Betrug war. [MMR = Measles, Mumps und Rubella = Masern, Mumps und Röteln. Quelle. Anm. d. Übers.] Und doch ist Wakefield heute ein gefeierter Anti-Impf-Aktivist in den USA, der seine schon lange kranke Ehefrau verlassen hat, um sich dem Supermodel Elle Macpherson zuzuwenden. Kampagnen gegen Impfungen sind ein lukratives Geschäft.

Im Folgenden führt Matt Ridley eine Fülle weiterer Beispiele aus vielen Bereichen der Wissenschaft an, bei der sich die Autoren von Studien, die sich als reiner Betrug und Unsinn herausgestellt haben, immer noch hoher Beliebtheit erfreuen bzw. hoch gestellte Persönlichkeiten sind. Die Bloßstellung derartiger Betrügereien ist von den Medien fast durchweg ignoriert worden.

Er führt Beispiele von Chemikalien an, vom Insektensterben, Glyphosat und so weiter. Ganz zuletzt, aber mehr am Rande, kommt er auch auf Klima-Alarmisten zu sprechen. Die letzten Absätze seines Beitrags werden daher wieder übersetzt. – Anm. d. Übers.]

Allem gemeinsam ist der bedeutende Hintergrund von all dem: riesige Geldsummen und Macht stehen auf dem Spiel. Nehmen wir beispielsweise die rasch um die Welt fliegende Behauptung der linksgerichteten politischen Denkfabrik Institute for Public Policy Research (IPPR), der zufolge „seit dem Jahr 2005 die Anzahl von Überschwemmungen weltweit um das 15-fache zugenommen haben“. Natürlich fand das sofort Eingang bei Roger Harrabin von der BBC mit dem üblichen Tenor, dass wir alle dem Untergang geweiht sind.

Das war eine ocean-going, weapons-grade, château-bottled Lüge. Es gab keine Zunahme von Überschwemmungen seit 2005, geschweige denn eine solche um das 15-fache. Als man das IPPR zur Rede stellte, machte dieses einen „Schreibfehler“ geltend; sie meinten ab 1950. Nun, das ist auch Unsinn. Das IPCC wertet regelmäßig Daten bzgl. Überschwemmungen aus und sagt, dass es keinen Trend finden kann: „Insgesamt gibt es im globalen Maßstab weiterhin keine Hinweise und daher auch nur geringes Vertrauen hinsichtlich der Anzeichen eines Trends bzgl. Größenordnung und/oder Häufigkeit von Überschwemmungen“.

Glücklicherweise nannte das IPPR eine Quelle für seine absurde Behauptung, nämlich eine ,GMO-Analyse von EM-DAT 2018′. Paul Homewood, ein Privatmann, der regelmäßig Klima-Alarmisten beim Namen nennt, erklärte in einem Blog, was das bedeutete. EM-DAT ist eine Datenbasis von Katastrophen, welche als Quelle vollkommen wertlos ist für eine solche Behauptung, weil ausschließlich sehr geringe Katastrophen erfasst sind wie Verkehrsunfälle, und auch das nur für die letzten Jahre. Es gibt hier nicht die Spur eines Trends.

GMO ist eine große, in Boston ansässige Vermögensverwaltungs-Firma, dessen Gründer und Eigentümer Jeremy Grantham rein zufällig – welche Überraschung! – auch der Finanzier des IPPR ist.

Früher wären investigative Journalisten sofort angesichts derartiger haarsträubender Ereignisse zur Stelle gewesen: Ein Milliardär finanziert eine Interessengruppe, welche eine Presseerklärung veröffentlicht, in der der Milliardär als Quelle einer Super-Fake-Wissenschaft genannt wird, welche aber dennoch verstärkt wird, um der Interessengruppe zu helfen, noch mehr Geld locker zu machen. Aber das Budget von Journalisten ist zusammen gestrichen worden, und es ist viel einfacher, den Inhalt von Presseerklärungen nachzuplappern.

Einige Menschen sind willens, Übertreibungen und Fehler zu verzeihen, wenn diese nur der guten Sache dienen, wie etwa Bedenken hinsichtlich Plastikmüll oder Klimawandel. Das ist aber eine riskante Strategie, weil sie dazu führt, dass auch wirklichen Beweisen für irgendetwas nicht mehr geglaubt wird.

—————————–

Der ganze Beitrag steht hier.

Übersetzt von Chris Frey EIKE