Furcht, Hass, Intoleranz – und Schlimmeres

Sie nehmen für sich selbst in Anspruch, Sozialisten zu sein, aber ihre Wirtschaftspolitik und Toleranz für andere Standpunkte reflektieren eine ganz andere Regierungsform: Faschismus – ein politisches System, in welchem autoritäre Regimes keine Geschäfte und Industrien besitzen, sondern dieselben mit strikten Vorschriften deren Aktionen, Produkten und Rechte kontrollieren. Gleichzeitig werden Bürger nebst deren Denkweise genötigt und unterdrückt, ebenso wie die freie Rede und der freie Zugang zu Informationen.

Alexandria Ocasio-Cortez (Demokraten) hat „kein Problem“ mit der Tatsache, dass die Umsetzung ihres Green New Deals (GND) massive Interventionen der Regierung, die Umverteilung von Wohlstand in beispiellosem Maßstab erfordern würde sowie die Aufnahme von Billionen Dollar neuer Schulden. Die GND-Anhänger wollen die Herstellung fossiler Treibstoffe nebst deren Verbrauch total eliminieren; sie wollen kontrollieren, wie oft wir fahren und fliegen, unsere Wohnungen heizen oder kühlen, Fleisch essen und wie unser Leben leben.

Falls man 29 Millionen britische Wohnungen nachrüstet, um sie klimafreundlich zu machen, würde das 5,6 Billionen Dollar kosten – ähnliche Maßnahmen für die 125 Millionen, allgemein größeren Behausungen Amerikas [USA] würden leicht Kosten bis zu 25 Billionen Dollar verursachen! Stellt man fünf Millionen Elektrofahrzeuge auf die Straßen in Kalifornien, würde man 5 Milliarden Pfund Lithium-Ionen-Batterien benötigen.

Für den Ersatz fossiler Treibstoffe, welche 82% unseres Energiebedarfs decken sowie Grundlage von 100% zahlloser Plastik- und anderer Produkte sind, würde man Biotreibstoffe von einer Ackerfläche von Zehner-Millionen Acres brauchen. Der Ersatz von mittels Kohle und Gas erzeugtem Strom durch Wind und Solar würde Millionen Turbinen und Paneele erfordern – auf zehn Millionen weiterer Acres Landfläche, sowie Milliarden Tonnen seltener Erden und anderer Metalle.

China kontrolliert all jene seltenen Erd-Metalle und die meisten Vorkommen von Lithium, Kadmium und Kobalt, die man für all die pseudo-erneuerbare, vermeintlich nachhaltige Energieerzeugung braucht. Diese werden in China und Afrika hergestellt, oftmals mit Kinderarbeit und Sklavenarbeits-ähnlichen Bedingungen ohne Gesundheits-, Sicherheits- und Umwelt-Standards. [Das EIKE hat hier und hier darüber berichtet].

Inzwischen errichten oder planen asiatische, afrikanische und EU-Nationen über 2000 neue Kohle- und Gaskraftwerke. Daher würde selbst die Eliminierung fossiler Treibstoffe in den USA absolut nichts dazu beitragen, das globale CO2-Niveau zu reduzieren. Außerdem dürften sich die Bürger erheben und laut gegen Millionen Windturbinen, Solarpaneele, Batterien und Biotreibstoff-Plantagen vor ihrer Haustür oder in Naturlandschaften und Wildnis-Habitaten protestieren.

GND-Anhänger weigern sich, auch nur über ein einziges dieser ethischen und umweltlichen Themen sowie soziale Gerechtigkeit zu sprechen – oder über die GIGO*-Computermodelle und unverblümte Hypothesen von Klima-Armageddon, für die es in der realen Welt keinerlei Grundlage gibt. Sie wollen auch nicht, dass irgendjemand anderes darüber redet. Sie wollen kontrollieren, was wir denken und sagen, sogar welche Gedanken und Informationen wir online oder in den Medien finden.

[*GIGO = Garbage In, Garbage Out = Müll rein, Müll raus]

Sie verabscheuen und fürchten Gedanken, Fakten und Fragen, welche ihre Standpunkte und politische Macht in Frage stellen. Freie Rede und der Zugang zu freier Rede anderer Menschen ist eine klare und präsente Gefahr für ihre Wahrnehmung und ihre Wissen um fossile Treibstoffe, Kapitalismus, vom Menschen verursachtes Klima-Chaos, die westliche Kultur und darüber, wer politische Entscheidungen treffen darf bzgl. Energie, Wirtschaft, Arbeitsplätze, Lebensstandard, Religion, Bürgerrechte und Anderes.

Ihre Version der „Freien Rede“ umfasst – und fordert – folglich, dass ihre Kritiker eben kein Recht auf freie Rede haben. Auf dem Campus von Universitäten, in „Mainstream“- und sozialen Medien, in Suchmaschinen oder Online-Bibliotheken, ja sogar in Kunst, Bäckereien und Schulbildung sind Gedankenkontrolle und das Verbrennen elektronischer Bücher essentiell. Trotz eines Verhältnisses linker und konservativer Professoren von 12 zu 1 hindern linke Fakultäten an Colleges, Administratoren und Studenten konservative Sprecher daran zu reden, wenn sie nicht zu Mitteln wie Ausladung derselben, Unterbrechen ihrer Vorträge und physischen Angriffen greifen.

Sie schikanieren Beamte der Trump-Regierung in Restaurants – und prangern politische Gegner an, indem sie deren Namen und Adressen öffentlich machen, so dass andere Radikale diese drangsalieren, einschüchtern und angreifen können … und damit Dritte dazu „überreden“, still zu bleiben. Sie griffen Flüchtlinge aus Nordkorea an, weil diese MAGA-Mützen* trugen.

[*MAGA = Make America Great Again. Die Flüchtlinge wollten sich damit bei Trump bedanken, weil er sie hat einreisen lassen. Anm. d. Übers.]

Das Big Tech-Monopol implementiert regelmäßig Taktiken der Verbrennung elektronischer Bücher. Google und andere Internet-Suchmaschinen bringen systematisch linke Verzerrungen und geheime Algorithmen an, um klimarealistische Artikel ins intellektuelle Sibirien zu schicken, oder sie zensieren konservative Denkweisen und Diskussionen. Google YouTube blockiert den Zugang zu Videos der Prager University (PragerU.com), welchen die Zensoren unterstellen, dass sie „anstößige Inhalte“ zu gegenwärtigen Ereignissen, der Historie, über Verfassungs-Prinzipien, Umweltpolitik und andere Themen enthalten.

Google hilft der chinesischen Regierung dabei, deren Bürgern den Zugang zu „gefährlichen Gedanken“ zu verwehren (hier) – und sagt nichts, wenn China eine Million uigurischer Muslime in „Umerziehungslager“ steckt. Seine linksextremen Erfüllungsgehilfen ächten sämtliche Konservativen, die sie in ihren Reihen finden … und behaupten, wenn sie dem US-Verteidigungsministerium mit Cloud computing oder künstlicher Nachrichten-dienstlicher Überwachung helfen, würde dies „deren Prinzipien verletzen“.

Facebook prangerte eine Anzeige an, in der für ein Video des Heartland Institutes geworben wird, welches junge Leute [millenials] aufforderte, Sozialismus abzulehnen und Kapitalismus zu begrüßen. Die Facebook-Zensoren sagten dem Heartland Institute, dass man „keine Anzeigen für sein Geschäftsmodell (Kapitalismus) unterstütze“ und dass man keine „roten Karten“ zeigen werde, ebenso wie sie es ablehnen, von ihnen genutzte geheime Algorithmen bekannt zu machen, mit denen sie „Verletzungen ihrer Politik identifizieren“ und mit denen sie „helfen, die Integrität unserer internen Verfahren“ zu schützen. Google unterdrückte Claremont Institute-Anzeigen bzgl. eines Gesprächs über Multikultur und Restriktionen politischer Reden.

Twitter ist regelmäßig Schauplatz ähnlicher kalter, kalkulierter Zensur von Ansichten, die seinen Standpunkten widersprechen.

Wikipedia stellt regelmäßig verzerrte oder falsche Biografien von klimarealistischen Experten und Organisationen ins Netz – und nennt mich zum Beispiel einen Anti-Umwelt-Lobbyisten – und lässt dann Spendenaufrufe aufpoppen für dessen verzerrtes „Bildungsmaterial“. Korrekturen durchzusetzen ist ein langer, oftmals fruchtloser Prozess. Sogar noch totalitärer kommt das Southern Poverty Law Center daher und proklamiert verlogene „Hassreden“-Behauptungen, um konservativen Gruppen wie dem Freedom Center von David Horowitz die Finanzierung zu unterbinden mittels Drucks auf Kreditkarten-Unternehmen, Spenden an sie zu sperren.

Staatsanwälte und Kongressmitglieder wollen Menschen verfolgen und einsperren wegen „Leugnung der Realität“ des vom „Menschen verursachten Klima-Kataklysmus’“. Am Schlimmsten aber ist, dass die gnadenlosen Organisationen und die Politik, welche von Big Tech gefördert werden, Millionen Todesopfer in jedem Jahr verursachen, und zwar indem man verarmten Nationen und Familien den Zugang zu moderner Energieversorgung, zu Insektenbekämpfung und landwirtschaftlichen Technologien verwehrt, die die rassistischen Elemente in jenen Organisationen so verabscheuen.

Es ist von vitaler Bedeutung, Personen zu finden, die sich gegen diese sozialen Medien und Falschinformationen wenden, ebenso wie einen Weg zu finden, diese zu umgehen. Aber angesichts der schieren Größe, des Reichtums und der Macht dieser Institutionen ist das sehr schwierig. Die Entflechtung der FTC [Federal Trade Commission = Amerikanische Handeslbehörde] und anderer Regierungsagenturen durch den Kongress und gerichtlich sollte ernsthaft erwogen werden.

Diese Cyber-Giganten der sozialen Medien und Informations-Plattformen mögen private Unternehmen sein, aber sie üben massiv Macht aus, vor allem auf die jüngeren Generationen, welche ihre Informationen fast durchweg online bezieht. Sie sind vollkommen abhängig vom Internet – welches von US-Regierungsagenturen und den Steuerzahlern erschaffen worden ist. Sie wurden zu wesentlichen, dominanten öffentlichen Foren zur Diskussion und Evaluierung von einer Politik, die unser Leben immer stärker beeinflusst.

Ein Bundesrichter hat geurteilt, dass Präsident Trump nicht hasserfüllte Kritik von seinem Twitter-Konto blockieren darf. Weil es ein öffentliches Forum ist wie ein Park oder ein Platz in einer Stadt, um über wichtige persönliche und politische Angelegenheiten zu diskutieren, ist es durch das First Amendment geschützt. Die Blockierung unerwünschter Tweets ist daher eine Diskriminierung von Meinungen, und Twitter steht nicht über den Vorschriften des First Amendment. Diese Urteilsbegründung sollte jedoch nicht nur für den Präsidenten, sondern auch für seine widerlichsten Kritiker gelten.

Die Rede- und Versammlungsfreiheit – also die ungehinderte Teilnahme an Debatten über bedeutende politische und öffentliche Angelegenheiten – ist die Grundlage für die anderen Rechte und Freiheiten, welche unsere lebendige Nation erst funktionsfähig machen. Der Ausschluss, die Zensur oder absichtliche Verfälschung bestimmter Ansichten berauben wesentliche Teile unserer Bevölkerung und der Wähler des Rechtes zu sprechen, gehört und informiert zu werden, alle Seiten einer Angelegenheit zu betrachten sowie in Harmonie, Frieden und Wohlstand zu leben.

Die Zensur von Standpunkten sowie Schikanierung oder Ruhigstellung derjenigen, die diese Standpunkte vorbringen, verletzt die grundlegenden Rechte von Rednern, Studenten, Professoren, Wählern und aller Menschen, deren Standpunkte von elitären, machthungrigen und intoleranten Wenigen als „unangemessen“ oder „schädlich“ für den Klima-Alarmismus apostrophiert werden.

Es ist an der Zeit, dagegen vorzugehen, Untersuchungen zu verlangen und die monopolistischen Cyber-Zensoren zu zügeln.

Autor: Paul Driessen is senior policy advisor for CFACT and author of Cracking Big Green and Eco-Imperialism: Green Power – Black Death.

Link: https://www.cfact.org/2019/05/16/fear-loathing-intolerance-and-worse/




Zyklen rapider Klima-Erwärmung

Kluge Studenten der Klima-Historie wissen, dass es oftmals und auf natürliche Weise in der Arktis zu rapiden Erwärmungen gekommen war. Während der letzten Eiszeit, als die CO2-Konzentrationen halb so hoch waren wie heute, ereigneten sich 25 Ereignisse abrupter Erwärmung. Die Temperatur in der Arktis war dabei um bis zu 5°C gestiegen, manchmal sogar um 8°C innerhalb von 40 Jahren. Diese rapiden Erwärmungsphasen werden heute als Dansgaard–Oeschger-Ereignisse (D-O-Ereignisse) bezeichnet, benannt nach den beiden Forschern, welche diese Erwärmungsphasen erstmals in Eisbohrkernen aus Grönland nachgewiesen hatten. Diese D-O-Episoden beeinflussten das globale Klima, veränderten Meeresströme entlang der Küsten von Kalifornien und veränderten die Ausbreitung von Wäldern in Europa.

Was könnte die Ursache derartiger abrupter Erwärmungen sein? Grundlegenden physikalischen Gesetzen zufolge scheiden Treibhausgase oder Sonneneinstrahlung aus, weil diese Strahlungseffekte keinesfalls eine solche rapide Erwärmung auslösen können. Die vernünftigste Erklärung wäre Wärme, die sich im Arktischen Ozean akkumuliert und die Luft rapide erwärmt hatte.

Die Vorstellung von gespeicherter Wärme in einem gefrierenden Arktischen Ozean erscheint vielen Menschen abwegig. Aber sie ist gut dokumentiert. Der tropische Atlantik erwärmt sich intensiv und ist auch Schauplatz extremer Verdunstung. Dies führt zu warmem, salzigen Wasser mit relativ hoher Dichte. Der Golfstrom transportiert dieses warme Wasser nordwärts. Weil das Wasser salzig und warm ist, sinkt es bei Erreichen des Arktischen Ozeans unter kältere und salzärmere Wasserschichten an der Oberfläche. Als Folge davon findet sich in einer Tiefe zwischen 90 und 800 m eine Schicht warmen Atlantik-Wassers. Arktis-Forscher berichten, dass die „Gesamt-Quantität der Wärme ausreichend wäre, um das Eis im Arktischen Ozean vielfach zu schmelzen“.

Meereis und eine Kaltwasserschicht verhindern in der Regel das Entweichen von Wärme aus der Tiefe in die Atmosphäre. Aber mit dem Eindringen und der Akkumulation von Wärme kann die darüber liegende Eisschicht gelegentlich schmelzen. Aber auch Änderungen der Windrichtung in der Arktis können Meereis in den offenen Atlantik treiben (hier), wie es Ende der 1990er Jahre der Fall war. Wie auch immer, ohne isolierendes Eis entweicht aus dem Ozean eine Warmluftblase und erwärmt die Atmosphäre.

Jüngst haben Anthropologen, welche Kulturen der Vergangenheit in der Arktis erforschten, festgestellt, dass die Prä-Dorsett-Kultur die arktische Küste periodisch verlassen und dann wieder besiedelt haben, einher gehend mit Änderungen des Meereises, die wiederum die Temperatur beeinflussten (hier). Als Meereis die küstennahen Gewässer zwei Monate länger bedeckte als heute, lag die Temperatur um 2°C bis 4°C niedriger. Die Bewohner der Arktis verließen die Küste und emigrierten südwärts. Ein paar hundert Jahre später besiedelten sie die Küsten erneut, nachdem Perioden mit offenem Wasser, die 4 Monate länger als heute dauerten, das Freisetzen von Wärme ermöglichte und die Temperaturen auf Werte um 6°C höher als heute steigen ließ. Derartige Änderungen traten im periodischen Wechsel viele hundert Jahre lang auf. Und damit erhebt sich die Frage, ob es in der Arktis derzeit zu einer ähnlichen zyklischen Erwärmung kommt.

Seit vielen hundert Jahren korrespondiert schmelzendes arktisches Meereis mit beobachteten Perioden gesteigerten Eindringens von warmem atlantischen Wasser (hier). Die dramatische Erwärmung der Arktis während der 1920er und 1930er Jahre korrespondierte mit gesteigertem Eindringen warmem Wassers, begleitet mit dem Vordringen atlantischer Fisch-Spezies, die man normalerweise erst weiter südlich findet. Wie der Zeitungsausschnitt oben zeigt, war die Erwärmung der Arktis seinerzeit so dramatisch, dass Bedenken aufkamen, ob die Arktis demnächst zu einer „gemäßigten Zone“ [temperate zone] wird.

Als der Zustrom warmen Wassers um das Jahr 1950 nachließ, zogen sich auch die atlantischen Fisch-Spezies wieder zurück. Das Meereis dehnte sich seitdem wieder aus. Fischereidaten haben derartige Zyklen über Hunderte von Jahren dokumentiert (hier). Der jüngste Zyklus schmelzenden arktischen Meereises fiel zusammen mit dem Eindringen warmen atlantischen Wassers sowie dem erneuten Vorstoß von Fischarten sehr ähnlich der Erwärmungsperiode in den 1920er und 1930er Jahren.

Wir befinden uns also jetzt inmitten eines aufschlussreichen natürlichen Experiments. Falls der Verlust von Meereis und höhere Wassertemperaturen steigenden CO2-Konzentrationen geschuldet sein sollten, dürften wir schon bald den Totalverlust des arktischen Meereises erleben, wie es von einigen Klimawissenschaftlern prophezeit wird. Falls im Gegensatz dazu natürliche Oszillationen die Zufuhr warmen Atlantikwassers kontrollieren, wird sich das Meereis dort bald wieder erholen. Tatsächlich hat Verschiebung der ozeanischen Oszillationen jüngst das Eindringen warmen Wassers reduziert. Damit sollten die Temperaturen sinken. Auf der Grundlage von Beobachtungen im frühen 20. Jahrhundert erholte sich das Meereis während der 1960er und 1970er Jahre, nachdem es zuvor stark geschrumpft war. Jetzt sollte sich das Meereis in diesem Falle bis zum Jahr 2030 erholt haben. Andererseits herrschten höhere Temperaturen vor tausenden von Jahren teilweise 300 Jahre lang. Wie auch immer, natürlichen Klimazyklen zufolge dürfte es demnächst keine weitere Erwärmung in der Arktis geben. Wir werden bald sehen, welche Theorie im kommenden Jahrzehnt zutreffen wird.

Jim Steele is retired director of the Sierra Nevada Field Campus, SFSU und Autor von Landscapes and Cycles: An Environmentalist’s Journey to Climate Skepticism

Link: https://wattsupwiththat.com/2019/05/30/cycles-of-rapid-climate-warming/

Übersetzt von Chris Frey EIKE




Eingeschätzter Meeresspiegelanstieg in Fachzeitschriften: so dreist arbeiten unsere Klima“forscher“

Das (ehemals) renommierte Wissenschaftsmagazin Spektrum berichtete kürzlich in seinem Internetauftritt über eine Studie in der ebenfalls (ehemals) renommierten Fachzeitschrift PNAS* mit dem Titel „Beiträge abschmelzenden Eises zur zukünftigen Meeresspiegelanstieg ermittelt durch strukturierte Experteneinschätzung“ (Ice sheet contributions to future sea-level rise from structured expert judgement [SEJ]).

Wissenschaftler um Jonathan Bamber aus Bristol (GB), aus Princeton (USA), New Brunswick (Rutgers, USA), Delft und Washington geben darin vor, festgestellt zu haben, daß der Meeresspiegel weltweit um mehr als zwei Meter angestiegen sein könne. Nun sind solche Katastrophenmeldungen nichts Neues; es gab sogar schlimmere. Interessant ist aber, mit welcher Dreistigkeit die Forscher ihre Gefühle (?) hier als maßgebliches Instrument der Wissenschaft einsetzen. Es verwundert wohl niemanden, daß unsere deutschen Klimapriester Rahmstorf und Schellnhuber den Artikel „fachlich begutachtet“ und natürlich durchgewunken haben.

Konkret haben Bamber et al. 22 Kollegen nach ihrer Einschätzung zum zukünftigen Meeresspiegel gebeten, zum Beispiel zum Verhalten der Eiskappen und den Zusammenhängen zwischen ihnen. Die Aussagen wurden dann im Rechner für Modelle genutzt. Anders ausgedrückt: Erst wurde geraten, und basierend darauf dann vermutet.

Oder, wie Spektrum es ausdrückt:

Aus den „Teilwerten berechnete die Arbeitsgruppe eine gewichtete Wahrscheinlichkeitsverteilung für zukünftige Meeresspiegel abhängig von der globalen Durchschnittstemperaturen; in einem Szenario mit einem Anstieg um 2°C gemäß den Paris-Zielen, in dem anderen um 5°C bei einer pessimistischen [sic!] Annahme über zukünftige Treibhausgasemissionen.“

Dazu passend kommt dabei eine erhebliche Bandbreite an möglichen Ergebnissen heraus. Ich habe den peinlichen Artikel einmal unserem Konferenz-Referenten Tom Wysmuller von der NASA, einem Experten für Meeresspiegelmessung, geschickt und ihn um ein Urteil gebeten. Hier sein Resümee:

„Wir haben die Daten, und sie unterstützen das Structured Expert Judgement (SEJ) überhaupt nicht. Die echte Wissenschaft mißt seit ihrer Gründung DATEN, und verifiziert und validiert diese. Die echte Wissenschaft basiert nicht auf Abstimmungen, Umfragen oder Umfragen von Zuschußempfängern, die die Vorurteile ihres Sponsors rechtfertigen wollen.

Jeder langfristige Gezeitenmesser (> 100 Jahre) auf dem Planeten, der nicht durch plötzliche tektonische Bewegungen verfälscht wurde, blieb innerhalb seiner Vorhersagezone von 95%.“

Was das bedeutet, veranschaulicht Wysmuller anhand der Situation in (vor) Slipshavn in Dänemark, die durch folgende Grafik illustriert wird. Das 95%-Konfidenzintervall ist in hellgrau angezeigt.

von Tom Wysmüller und Nils Mörner

Wenn der „katastrophale Klimawandel“, der ja schon im Gange sei und in „zwölf Jahren sogar unumkehrbar“ würde, müßte das in der Kurve bereits sichtbar sein.

Andere „tektonisch inerte“ (inaktive) Orte haben ihre 95% Vorhersagezonen ebenfalls nicht durchbrochen, und zeigen keine Beschleunigung des Anstiegs – nicht jetzt, nicht in den letzten 20 Jahren – nie!

Ein anderes schönes Beispiel ist Seward in Alaska:

von Tom Wysmüller und Nils Mörner

Man sieht, daß der Standort 1964 durch ein Erdbeben erschüttert wurde, der die Küstenlinie absenkte. Und selbst Sewards Trend, leichter Rückgang aufgrund allmählicher Küstenerhebung, wurde durch das Beben nicht verändert.

Wysmuller dazu:

„Überhaupt kein Anzeichen von Beschleunigung! Andere Standorte, von denen einige durch GPS am selben Ort validiert wurden, weisen denselben stetigen, unveränderlichen Anstieg auf, der keinerlei Anzeichen für Abweichungen beinhaltet.

Dies sind harte Daten, und keine Vermutungen. ‚Strukturiert‘ oder nicht – sie unterliegen keiner statistisch manipulierten Abstimmung, Umfrage oder sonstigen Änderung durch Mitglieder mit fester Plazierung in der staatlichen Zuschuß-Soße. Ich glaube an meine Antwort auf eine Frage, die wir nach unserer Präsentation im Bundestag gestellt haben. Ich bemerkte, daß die Regierungen in Förderzahlungen ‚investieren‘, die Wissenschaftlern gewährt werden, die erfreulicherweise erklären, dass CO2 schädlich, gefährlich oder noch schlimmer ist.

Die Regierungen nutzen dann die Ergebnisse dieser Fördergelder, um eine CO2-orientierte Besteuerung zu rechtfertigen. Die Steuern (gemessen in Milliarden Euro) stammen möglicherweise von petrochemischen Unternehmen und der Industrie, werden jedoch möglicherweise weitergeleitet und von den Bürgern bezahlt.

Diese ‚Investition‘ in kapitalgedeckte Zuschüsse, die sich möglicherweise auf nur zwei oder drei Millionen Euro beläuft, ‚bringt‘ mehr als 1.000 Euro für jeden ‚investierten‘ Euro.

Nur sehr wenige Finanzmanager sind in der Lage, für ihre Kunden diese Rendite oder Kapitalrendite zu erzielen.“

Ich frage mich, wie PNAS und Spektrum es hinbekommen, einen Weltuntergangs-Artikel auf der Basis von Einschätzungen politisch finanzierter Forscher zu publizieren beziehungsweise ernsthaft zu diskutieren. Der Spektrum-Journalist Lars Fischer ist studierter Chemiker und müßte beim Lesen des PNAS-Artikels Krämpfe bekommen haben (so ging es mir zumindest).

Wir lachen heute über politisch gezüchtete Biologen wie Stalins Trofim Lyssenko, der die Evolutionstheorie von Darwin ablehnte und ein Pflanzenzüchtungsprogramm à la Lamarck auflegte, das natürlich fehlschlug. Wir gruseln uns vor Professor Rasse-Günther aus Jena und dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Rassenhygiene in Berlin. Wir dachten, die Demokratie mit ihrer Vierten Gewalt, den kritischen Medien, schützt uns vor so etwas. Weit gefehlt – die Polit-Pseudowissenschaftler, die Schlechtesten ihrer Zunft, feiern fröhlich Urständ. Und finanziell richten sie noch mehr Schaden an als ihre extremistischen Vorgänger in den Diktaturen. Könnte es sein, daß unsere Demokratie nicht mehr funktioniert?

Nicht das Klima, unsere Freiheit ist bedroht!

*Proceedings of the National Academy of Sciences




EIKE – Blog auf Rekordfahrt – mehr als 700.000 Aufrufe im Mai

Eigentlich sind Klima- und Energiethemen ja spröde Themen. Sie eignen sich nicht so gut für Stammtisch- und/oder Journalisten/ Politikergeschwätz, weil sie – wenn man nicht völligen Stuss reden will, und wer will das schon, einigen Sachverstand erfordern. Beim Klima ebenso wie bei Energie.

EIKE Seitenaufrufe pro Monat auf Basis von Google Analytics per Mai 2019. Zur Erläuterung der Grafik. Im Dezember 2016 stellen wir unser Backend vom damaligen Typo3 auf WordPress um. Bis dahin lagen unsere monatlichen Seitenaufrufe bei ca. 250.00 bis 350.000. Mit der Umstellung brachen die Zahlen anfangs stark ein. Woran das lag, wissen wir nicht so richtig. Aber, sie erholten sich nicht nur wieder, sondern verdoppelten sich inzwischen sogar.

Sachverstand, der, aus verschiedenen Gründen, nur bei sehr wenigen vorhanden sein kann. Zwar glaubt jeder zu wissen was Wetter ist, aber beim Klima müssten die meisten passen. Tun sie aber nicht und verwechseln munter das eine mit dem anderen.

EIKE bei Alexa Webranking vom 1.6.19, International (Kreis oben) und National (Kreis unten). Quelle ALEXA

EIKE ALEXA Webanking per Mai 2019. je geringer die Zahl desto höher das Ranking. Platz 1 belegt Google. EIKE Rang 3.388. Die alarmistische Seite „Klimafakten.de“ belegt nur Rang (National) 15.084 und International Rang 333,248. Dafür wurde sie 2017 mit dem DUH-Umweltmedienpreis ausgezeichnet.

Ebenso verhält es sich mit der Energie. Ein spröder Begriff, den meisten völlig unverständlich, auch wenn er zum täglichen Leben gehört, ja Basis jeglichen Lebens ist.

Und gar Strom! Was ist Strom? Die allermeisten, besonders die großen Erklärer unter den Journalisten, wissen bis heute nicht, warum und wie sich die Energieform Elektroenergie, von anderen Energieformen unterscheidet.

Beide gehören zwar zu den physikalischen Begriffen, aber beide sind nur sehr schwer intuitiv zu erfassen, wenn überhaupt.

Es ist das unsterbliche Verdienst der GrünInnen in pseudowissenschaftlichen Instituten, in der Politik und besonders bei den Stammtischen, diese Sprödheit überwunden zu haben.

Man tat diese nach altbewährter Manier, Sachthemen in gut und böse zu unterteilen. Ihnen dazu noch so nette Eigenschaften wie „sauber“ oder vor allem „schmutzig“, gar „dreckig“ anzukleben. Und das bei Strom, den zwar jeder verwendet, aber der weder zu sehen noch zu riechen ist, und für jeden identisch aus der Steckdose kommt. Sie also mit einem der Sache völlig abträglichen, emotionalen, vor allem moralischen Kompass zu etikettieren. Und das geschah mittels der Verteufelung des CO2.

Viele Wissenschaftler, die sich jedoch in erster Linie als Politaktivisten verstanden, mutierten damit zu Pseudowissenschaftlern. Und sorgten dann sehr erfolgreich dafür, dass sie immer mehr wurden. Indem sie Geld für das vermeintlich Gute einwarben, um den Weltuntergang, wissenschaftlich geprüft, zu verhindern.   Dadurch bevölkerten sie immer mehr Institute, immer mehr Redaktionen, immer mehr Beiräte, immer mehr Talkshows, etc. etc. und die sorgten damit für immer mehr Verbreitung und auch Geld. Das perfekte Schneeballsystem.  Wir kennen das inzwischen auch von anderen Pseudowissenschaften, wie der Genderlehre. Ihr großes Vorbild: die Klimafolgenforschung.

Klimaforscher Stephen Schneider, damals Autor der Arbeitsgruppe I beim IPCC, ermahnte vor dreißig Jahren seine Forscherkollegen: „Also müssen wir ängstigende Szenarien liefern, einfache, dramatische Äußerungen tun und Zweifel, die wir vielleicht haben, wenig erwähnen. (…) Jeder von uns muß entscheiden, was das richtige Gleichgewicht ist zwischen effektiv sein und ehrlich sein.“ Und er fügte hinzu: „Ich hoffe, daß es beides sein kann!“ (Discover, 10/1989)

Wir bei EIKE wollten anfangs nur unsere und anderer Forschungsergebnisse vorstellen, weil es von Anfang an fast unmöglich war, die Medien für das, was wir für richtig befanden, zu interessieren. Sie wollten unsere Essays, Vorträge und wissenschaftlichen Ergebnisse, sowie die Schlussfolgerungen, daraus nicht bringen. Ums Verrecken nicht! Damals nicht und heute nur dann, wenn sie uns diffamieren, d.h. im obigen Sinne, als böse darstellen konnten.

Nun denn. Auch schlechte Kritik ist gute Kritik, nur keine Kritik ist schlechte Kritik, wußte schon der legendäre Theaterkritiker Karl Krauss.

Aber es geht auch ganz ohne. Wie man sieht.

Dank an unsere Leser! Bleiben Sie uns gewogen.

 




Geht es in der Klima­debatte wirklich nur um Erkennt­nis? Bekennt­nisse eines Skeptikers

Der Skeptiker staunt, als er beim Aufräumen seine erste Hochzeitsanzeige von 1987 wiederfindet. Denn er erinnerte sich nicht mehr, dass darauf das bekannte Zitat von Martin Luther stand: «Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen.» Er denkt gut dreißig Jahre zurück: Was ließ ihn und seine Frau, die bei der Hochzeitsfeier ein vegetarisches Buffet durchsetzte, damals eine so düstere Zukunft fürchten?

Die Ehe gibt es schon lange nicht mehr, wohl aber einen bald dreißigjährigen Sohn. Dieser jobbt neben dem Tourismus-Studium für die Kreditkartenfirma einer Großbank, jettet zum Match des FCZ nach Napoli und chillt gerne bei einem argentinischen Steak. Aber er wirbt in seiner Diplomarbeit für die Wiedereinführung der Nachtzüge und wählt die Grünliberalen. Denn er glaubt, wie so viele seiner Generation, dass es wegen des menschengemachten Klimawandels zu einer Katastrophe komme.

Sein Vater dagegen bekennt sich als Agnostiker, auch was die Apokalypse angeht. Und dies wohl gerade, weil er mit gut sechzig Jahren schon mehrere von Wissenschaft, Politik und Medien verheißene Weltuntergänge heil überlebt hat.

Er nahm 1972 die Warnungen des Club of Rome vor den «Grenzen des Wachstums» und davor, dass bis zur Jahrtausendwende die wichtigen Rohstoffe wie Erdöl ausgingen, ernst und lernte deshalb als Einziger seiner Klasse nicht Auto fahren.

Er hielt 1975 seinem geschätzten Deutsch- und Geschichtslehrer, nebenbei FDP-Vize-Stadtammann von Frauenfeld, die «Leser-Zeitung» unter die Nase, die wegen der Zerstörung der Ozonschicht durch Fluorchlorkohlenwasserstoffe Alarm schlug, und traute dessen bei allem Ernst beruhigenden Worten nicht.

Und er spähte 1984 mit den Spitzen der SP Schweiz auf dem heimischen Ottenberg nach verlichteten, also todgeweihten Tannen; er fand den Genossen Moritz Leuenberger toll, der in der Sondersession des Nationalrats den Notstand beschwor: «Es ist nicht fünf vor zwölf, wie einige uns weismachen wollen, sondern es ist längst zwölf Uhr gewesen. Die Sturzfahrt ist in den freien Fall übergegangen!»

Das nahende Ende

Ja, es gab damals gute Gründe, an den Weltuntergang zu glauben: 1976 den Chemieunfall in Seveso, 1979 die Kernschmelze im Atomkraftwerk auf Three Mile Island, 1986 die Nuklearkatastrophe in Tschernobyl, nach der radioaktive Wolken über Westeuropa zogen, und nur ein halbes Jahr später den Großbrand in Schweizerhalle, dessentwegen die Fische im Rhein starben. «So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen», riet deshalb Hoimar von Ditfurth, mit dem der Skeptiker in dessen Haus im idyllischen Breisgau ein Gespräch führte, bei dem sich der todkranke Autor, der in seinen populärwissenschaftlichen Bestsellern ein Ende «unter fürchterlichen Umständen» verhieß, von Schmerzen gepeinigt in seinem Sessel wand.

Und es gibt gute Erklärungen, weshalb damals die junge Generation das Ende der Welt nahen sah. Anfang der siebziger Jahre kündete sich nicht nur die ökologische Apokalypse an, sondern es brach auch eine ökonomische Krise aus, in der Schweiz mit einem heute unvorstellbaren Einbruch des Bruttoinlandproduktes um fast acht Prozent. Gerade darum verachteten die Babyboomer, in der Hochkonjunktur verwöhnt, den Kampf ihrer Eltern für Wachstum, also für ein besseres Leben.

Doch die Apokalypse fiel aus, wie immer seit dem Jahr 1000, als die Christen darauf hofften. Als die Welt im Jahr 2000 wieder ein Millennium feierte, gab es von den wichtigen Rohstoffen grössere bekannte Reserven denn je. Die Schweizer Wälder wuchsen wie nie zuvor; die Ozonschicht litt dank dem Montreal-Protokoll von 1987 unter weniger FCKW, und Hoimar von Ditfurth, 1989 gestorben, ging vergessen – verdrängt von neuen Untergangspropheten wie Al Gore. Und nicht nur die Deadline des Club of Rome verstrich folgenlos: Schon 1989 hatte der Direktor des Uno-Umweltprogramms warnend darauf hingewiesen, ganze Nationen könnten untergehen, wenn die Menschheit die Klimaerwärmung nicht bis zur Jahrtausendwende stoppe.

Jetzt bleiben einmal mehr nur zwölf Jahre, um das Desaster abzuwenden. Den Notstand rufen nicht alte Männer aus, die ihr eigenes Ende mit jenem der ganzen Welt verwechseln, sondern Junge, so behütet aufgewachsen wie noch keine Generation. Und diesmal gilt es mit der Apokalypse wirklich ernst.

Welche Wissenschaft?

Das Problem des Klimawandels zu bestreiten, könne sich «ein vernünftiger Mensch heute nicht mehr erlauben», schrieb Claudia Mäder an dieser Stelle. Denn die Angst vor der Katastrophe beruhe auf der «Autorität der wissenschaftlichen Fakten», nicht auf einer Pseudoreligion: «Soweit mir bekannt ist, faltet kein Mensch vor Temperaturkurven die Hände. Und wer bei einer Flugreise eine CO2-Kompensation leistet, verspricht sich durch diesen Ablasshandel in aller Regel weder die Rettung seiner sündigen Seele noch den direkten Eintritt in den Himmel.»

Die wohlformulierten Sätze lassen den Skeptiker unfreiwillig lächeln. Allein, dem Skeptiker fehlt der Glaube an den Unglauben. Denn er zweifelt gerade an der «Autorität der wissenschaftlichen Fakten»: Die Klimaforscher, die vor der Apokalypse warnen, treiben seit dreissig Jahren nicht Wissenschaft als «organisierte Skepsis», wie sie der Soziologe Robert Merton nannte – sie suchen in ihren Analysen und Modellen die Bestätigung ihrer Theorie.

Nehmen wir die vermeintlich unstrittigen Fakten der Temperaturkurven, wie sie die Schweizer Wetterstationen weltweit vorbildlich seit 1864 aufzeichneten. Der Skeptiker liest in einer Studie der Meteorologen des Bundes: Diese Daten zeigen nur einen halb so starken Temperaturanstieg wie offiziell vermeldet. Die «unnatürliche» starke Erwärmung seit 1980 kam zustande, weil die Meteorologen die zuvor gemessenen Werte um bis zu 0,8 Grad senkten – sie ist also tatsächlich menschengemacht. Dieser Eingriff drängte sich gemäß den Forschern auf, weil die um 1980 eingeführten automatischen Stationen tiefere Temperaturen maßen; in früheren Studien stellten sie allerdings keine Differenz fest. Die wissenschaftliche Frage, welches die richtigen Fakten sind, bleibt also offen.

Solche Fragen sieht der Skeptiker viele: Warum leugnen die IPCC-Forscher seit einer einzigen Studie – der «Hockeyschläger-Grafik» des amerikanischen Forschers Michael Mann, die ein Jahrtausend mit kaum veränderlichen Temperaturen und einen starken Anstieg im 20. Jahrhundert zeigte –, was die Klimahistoriker bis dahin im Konsens über das warme Hochmittelalter und die Kleine Eiszeit vom 16. bis 19. Jahrhundert wussten und immer noch in zahllosen Studien rund um die Welt zeigen? Warum prüften führende IPCC-Wissenschafter wie die Schweizer Jürg Beer und Fortunat Joos den Einfluss der Sonne kaum, obwohl sie im 20. Jahrhundert eine «außergewöhnliche» Sonnenaktivität wie sonst nie im letzten Jahrtausend sahen? Oder warum sagte der Berner Klimahistoriker Christian Pfister im Dürresommer 2018 mehr solcher Extremereignisse voraus, nachdem er doch als Autorität seines Fachs in einem Bericht für den Bundesrat erkannt hatte, dass es seit 1500 im kältesten Jahrhundert, dem 17., am meisten und im wärmsten Jahrhundert, dem 20., am wenigsten Dürren gab – was die These falsifiziert?

Wer Klimaforschern solche Fragen stellt, erlebt sie nicht als Wissenschaftler, sondern als Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft: Sie eifern für Rechtgläubigkeit wie die Zeloten. Sie schmähen Kritiker als Klimaleugner wie die Jesuiten. Sie spalten Haare, bis das Ergebnis ihre Theorie bestätigt, wie die Scholastiker. Und sie kämpfen jetzt bei den Klimastreiks für ihre Mission: die Warnung vor dem Weltuntergang.

Leben, als gehe die Welt unter

Auch bei den streikenden Jungen samt ihren Sympathisanten sieht der Skeptiker religiöse Motive. Was anderes als Ablasshandel ist es, wenn etwa ein prominentes Zürcher Ökonomenpaar sich fröhlich als «Klimaschweine» bekennt und sich von einer CO2-Steuer auf Kerosin die Rettung verspricht? Fast alle, die von der Apokalypse reden, leben nicht so, als glaubten sie daran; sie können – wenn nicht für das ewige Heil, so doch für ein gutes Gewissen – ja mit einer Zahlung Busse tun.

Dagegen hält es der Skeptiker mit Pascal: Der französische Philosoph fand im tiefgläubigen 17. Jahrhundert, selbst wenn es keinen Gott gebe, sei es besser, zu leben, als ob es ihn gäbe. Der Skeptiker bemüht sich also, möglichst wenig Schuld auf sich zu laden, falls die Welt wirklich untergeht. Er fliegt fast nie. Er fährt keine langen Strecken mit dem Auto. (Ja, die Prüfung hat er mit 25 noch gemacht.) Er isst, wenn schon, nur Fleisch von Hochlandrindern auf verbuschten Tessiner Alpen. Er rennt im gesunden Wald auf dem Ottenberg herum. Und er pflegt seinen Naturgarten. Ein Apfelbäumchen hat er darin auch gepflanzt.

PS: Das Zitat, lernt der Skeptiker beim Googeln, stammt gar nicht von Luther. Erstmals findet es sich in einem Rundbrief der Bekennenden Kirche in Hessen von 1944 – zu einer Zeit, als die Welt tatsächlich beinahe unterging.

Markus Schär hat als Historiker seine Dissertation über die mentalen Folgen der Kleinen Eiszeit in Zürich geschrieben und verfolgt als Journalist seit einem Jahrzehnt die Klimapolitik. Er gehört zu den Gründern der neuen Website www.cool-down-schweiz.ch.

Dieser Beitrag war erstmals in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen, und zwar hier: https://www.nzz.ch/feuilleton/bekenntnisse-eines-skeptikers-ld.1482218

Autor Markus Schär schreibt auch immer wieder auf seiner Website https://www.cool-down-schweiz.ch/