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Der Frankenwein wird teurer, weil sich das Klima zurückwandelt

Süddeutsche Zeitung 12. Oktober 2017: Frankenwein wird teurer
Ernte fällt besser aus als gedacht, doch Winzer müssen investieren
Trockene Winter, frühe Blüte, Spätfröste und nasse Sommer – auf diese Wetterbedingungen müssten sich Frankens Winzer auch in Zukunft einstellen. Deshalb seien vermehrt Investitionen in den Frostschutz, die Kellertechnik und die landwirtschaftlichen Geräte nötig, sagte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes. „Das wird sich auf die Preise niederschlagen müssen.“
Die dpa nahm diese neue Klimainformation ebenfalls auf und meldete es so auch der Tageszeitung des Autors, in welcher laut Eigenwerbung „jedes Wort wahr ist“.

So steht es „im Klimawandel“

Wer beim Klimawandel aufgepasst hat, „weiss“, dass die Winter nasser und die Sommer trockener werden sollen. Belege dazu:
Umweltbundesamt: Globale Klimaänderungen bis 2100
Allgemein nehmen die jährlichen Niederschläge in Nordeuropa zu und in Südeuropa ab. Jahreszeitlich werden insbesondere
im Winter zunehmende Niederschläge für Mittel- und Nordeuropa projiziert, während die Projektionen für viele Teile Europas trockenere Sommer zeigen.
wiki Bildungsserver Klimaprojektionen Deutschland
Bei den Niederschlägen ergibt sich im Jahresmittel kein deutlicher Trend. Bei den Jahreszeiten zeigen jedoch besonders die Sommer- und Wintermonate deutliche Veränderungen. Die Sommer werden in Zukunft deutlich trockener, die Winter feuchter. Im Sommer können die Niederschlagsmengen bis zu 20 % ab- und im Winter bis zu 20 % zunehmen (REMO).

… und galt es auch für Weinfranken

Franken ist zwar ein etwas eigenes Völkchen, hat aber kein eigenes, sondern nur ein recht unterschiedliches Klima. Dass sich dieses auch dort in der (simulierten) Zukunft ähnlich verhalten soll, zeigt eine Folie des in Würzburg lehrenden „Weinklima-Simulations-Papstes“:

Prof. Dr. Heiko Paeth Institut für Geographie Universität Würzburg, Festvortrag am 25.07.2008: Von der Klimaforschung zum Klimaschutz (Auszug)

Das Klima wandelte sich (schon immer), allerdings nicht wie es die Simulationen vorhersagen

Man kann es nachvollziehen. Beim (AGW-)Klimawandel kann man sich wirklich auf nichts verlassen. Kaum wird die Überhitzung simuliert und daraufhin teuer investiert:
EIKE 01.08.2015: [1] Schlägt der Klimawandel auch in Franken zu? Bewässerungstechnik aus der Wüste muss Frankens Bauern helfen,
wird das Wetter schon wieder fast so schlecht wie es früher einmal war. Das schlägt sich dann nicht nur auf die Stimmung, sondern eben auch auf die Preise nieder.
Schön, wenn man darüber schon einmal berichtet hat [1] und es gleich zeigen kann. Seit 1990 hat sich bei der DWD-Messstation Würzburg – mitten in Mainfranken -, am Niederschlag nichts verändert. Betrachtet man die extreme Spanne des Sommerniederschlags, kann man direkt ablesen, wann welche Hiobsbotschaft – mal ist es zu nass, dann ist es zu trocken – in unseren Medien berichtet wird, nur nicht, dass sich in Summe seit ca. 1900 daran gar nichts verändert hat.

Bild1 [1] Jahreszeitliche Niederschläge Würzburg 1990-2015

Wer es nicht glaubt, dem sei es anbei anhand des langfristigen Verlaufs gezeigt (Bild 2). Der trockenste Sommer war vor 1950 und anhand der Minimas meint man eher eine Zyklik, als einen Klimawandel zu erkennen, uaf jeden Fall aber keine Veränderung.

Bild 2 Gebietsniederschlag Mainfranken Sommerhalbjahr 1930 – 2010. Quelle: KLIWA-Untersuchungsgebiet M1 „Main bis oh. Regnitz“.


Bild 3 Deutschland Niederschlag Winter 1881 – 2017. Quelle: DWD Klimaatlas


Bild 4 Deutschland Niederschlag Sommer 1881 – 2017. Quelle: DWD Klimaatlas


Fazit
Der Weinbauverbandspräsident sieht in Zukunft nassere Sommer und trockenere Winter, also das Gegenteil des durch den Klimawandel vorhergesagten, auf die Winzer zukommen.

Frühe Blüte“, oder der Vegetationsbeginn

In der Verbandsmeldung steht auch, die „frühe Blüte“ wäre ein Problem. EIKE Leser kennen dazu die „immerwährenden“ Berichte des Duos Kowatsch/ Kämpfe, welche immer neu zeigen, dass der Blühbeginn sich in der freien Natur bei Weitem nicht so „verfrüht“, wie es der DWD berichtet.

Bild 5 [2] Grafik 9: Trotz der relativ zeitigen Apfelblüte 2017 ist deren Verfrühungstrend – ebenso wie der der Haselblüte, welche diesmal eher spät einsetzte – nicht signifikant.

Im DWD Klimaatlas findet sich ein globales Bild über einen noch längeren Zeitraum (Bild 6). Dieses Jahr war der Blühbeginn der Apfelbäume sehr früh, was wegen der diesjährigen Spätfröste vor allem den Apfelbauern extrem zugesetzt hat.
Nur: Betrachtet man den Trendkanal, dann war das seit Beginn der Messreihe im Jahr 1961 schon oft so und eine Spanne von 30 Tagen Unterschied von einem Jahr zum nächsten schon immer „normal“. Der Mittelwert sagt nichts aus, da sein rechnerischer Beginn unklar ist. Doch zeigt er wieder, wie hoffnungslos ungenau die entsprechenden Projektionen bereits aktuell sind.

Bild 6 Deutschland Vegetationsbeginn 1961 – 2017. Quelle: DWD Klimaatlas


Fazit
Der Weinbauverbandspräsident sieht in Zukunft die frühe Blüte als Problem. Dabei hat das sich bisher wandelnde Klima zumindest seit Beginn der DWD-Grafik im Jahr 1961 noch keinen wirklich signifikanten, früheren Vegetationsbeginn zur Folge.

Frühe Blüte und Spätfröste

Spätfröste alleine stören wenig. Ein Problem ist es nur, wenn diese während der Blüte auftreten. Während die Obstbauern in Südtirol des Problem durch Bespritzen mit Wasser lösen, ist dies im Hoch-Technologieland Deutschland weitgehend unbekannt. Es erscheint zuerst einmal logisch, dass ein verfrühter Blühbeginn verstärkt durch Spätfröste gefährdet ist. Wie Studien zeigen, ist es jedoch umgekehrt. Seit dem etwas wärmer gewordenen Klima hat diese Gefahr erheblich abgenommen.
Leider fand der Autor keine historische Information zu Spätfrösten in Weinfranken. Er erinnert sich nur an einen Reportagefilm im Fernsehen, in dem so um 1950 die fränkischen Weinbauern verzweifelt mit Feuern dagegen ankämpften. Die Gefahr war demnach schon vor dem Beginn des „schlimmen“ Klimawandels akut.
Das bestätigt sich auch in einem Bericht über den Weinanbau an der oberen Mosel:
Dr. Daniel Molitor, Dr. Jürgen Junk, Centre de Recherche Public, Gabriel Lippmann Abteilung Umwelt und Agro-biotechnologien (EVA) in Belvaux Luxemburg: Spätfrostschäden im Weinbau
Ein Blick in alte Weinchroniken zeigt, dass in unseren Breiten Frühjahrs- oder Spätfröste seit jeher eine existenzielle Bedrohung für den Weinbau und die von ihm lebenden Winzer darstellen.
Insgesamt hat sich demnach die Wahrscheinlichkeit von Frostschäden in den letzten Jahrzehnten eher reduziert
… bis zum Ende des 21. Jahrhunderts ist in den Weinbergen des oberen Moseltals mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für Frostereignisse nach dem Austrieb, im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961 bis1990, zu rechnendie Wahrscheinlichkeit von Frostereignissen nach dem Austrieb nimmt ab …
Auch die Daten der Obstbauern geben Entwarnung
[3] Hessisches Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben Auswirkungen von Klimaveränderungen auf den Obstanbau in Hessen
Die Möglichkeiten zur Aussage, welche Veränderungen auf den Obstanbau in Zukunft zukommen, sind also nur sehr schwer und zurzeit nur sehr begrenzt möglich. Das mittlere Blühdatum wird sich aber vermutlich bis zum bearbeiteten Zeitraum 2031-2060 im Verhältnis zu den letzten zwei Jahrzehnten nur noch wenig nach vorne verschieben. Bei der Gefahr von Spätfrösten zur Blüte ist für diesen Zeitraum im Vergleich zu den letzten 50 Jahren keine große Veränderung zu erkennen.

Das folgende Bild daraus zeigt, dass die kritischen Frosttage nach dem Blühbeginn (welche dieses Jahr die Apfelbauern fast schon extrem erwischt hat), in Zukunft an fünf von sechs Standorten, also sehr signifikant, abnehmen sollen.

Bild 7 [3] Abb. 7: Häufigkeiten des Auftretens von Frosttagen im 10-Jahres-Mittel. Vergleich des Durchschnitts der Perioden 1958-2001 (blauer Balken) und 2031-2060 (roter Balken). Die Farben der Geländekarte stellen die Höhe über NN dar.

Fazit
Der Weinbauverbandspräsident sieht in Zukunft ein Problem durch Spätfröste. Dabei hat das sich bisher wandelnde Klima zu weniger Spätfrostbelastung geführt und die Simulationen sagen sogar eine weitere Verringerung voraus.

Alle genannten Probleme hat das sich bisher positiv wandelnde Klima verringert

Nach Sichtung der Daten stellt man fest, dass alle vom Verbandspräsidenten berichteten Probleme dank des sich von einer Zwischeneiszeit aus wieder erwärmenden Klimas – genannt anthropogener Klimawandel – geringer geworden sind und sich sogar weiter positiv fortschreiben sollen.
Wenn dieser Präsident mit seiner Prognose trotzdem recht hat – und dass sollte so sein, denn die zu Klima und Energie als „hochkompetent“ geltende SZ berichtete es ohne Widerspruch, wie auch die darin ebenfalls geübte dpa, lässt dies nur einen Schluss zu:
Der zum Klimawandel besonders kenntnisreiche Verbandspräsident geht davon aus, dass sich der (angebliche) Klimawandel nicht wie simuliert weiter fortsetzt, sondern vorher reißaus zum „alten“ Wetter nimmt.
Verklausuliert gibt er damit zu, selbst nicht mehr an den (AGW-)Klimawandel zu glauben. Würde er es nämlich trotzdem, wäre es ein Beleg, dass er von dessen „Fakten“ keine Ahnung hat – und das wäre bei einem Winzer-Verbandspräsidenten doch kaum vorstellbar.
Die (In-)Kompetenz und unverhohlene Parteipolitik der Zeitung aus Süddeutschland belegt sich immer neu in den Darstellungen ihres Redaktionsteams.
SZ, Joachim Käppner (Studium Geschichte und politische Wissenschaften): [5]„ … Als die Grünen nur den Gedanken anzuregen wagten, herkömmliche Motoren herkömmliche Motoren bis 2030 zu verbannen, wurden sie als Spinner und Volkserzieher geschmäht ... Dabei spricht die Wissenschaft eine klare Sprache: Die Menschheit hat keine Jahrzehnte mehr zu verschwenden. Und zumindest was den Beitrag des Autos zu diesem Desaster angeht, gäbe es mit den E-Fahrzeugen und öffentlichen Transportmitteln realistische Alternativen zu einer fast buchstäblichen Politik, die „Nach mir die Sintflut“ ruft.

Das heute herbeigesehnte, „vorindustrielle“ Klima war ein Jammertal

Nachdem die Jammerei über das Wetter, bei dem man „täglich den Klimawandel spüren kann“, wie es die (zum Glück) ausscheidende Umwelt(hysterie)ministerin Hendricks erzählte, oder nach der in Bayern (leider noch länger) dafür zuständigen, die ihn erweitert sogar [4] mit den Händen greifen kann“, wieder aufflammt, zur Erinnerung etwas über die Klimaprobleme unserer Altvorderen, die diese – heute so ersehnten Wetterbedingungen – zu überleben versuchten.
Wie heute, wurde auch damals von den „Fachpersonen“ der Mensch dafür verantwortlich gemacht und wie heute, waren Zweifel an den Aussagen der „Fachpersonen“ nicht erlaubt.
Rüdiger Glaser 2012-09-19: Historische Klimatologie Mitteleuropas
Die Jahrestemperaturentwicklung zeigt für Mitteleuropa ab Mitte des 14. Jahrhunderts einen übergreifenden negativen Trend. Überlagert wird dieser von mittelfristigen Schwankungen in der Größenordnung von Dekaden, die zum Teil zyklisch verlaufen. Einige dieser Schwankungen erfolgen in vergleichsweise kurzen Phasen und fallen ab Mitte des 15. Jahrhunderts mitunter recht drastisch aus. Fast jede Generation erlebte in dieser Phase einen Zyklus wärmerer Klimaverhältnisse, gefolgt von einem dramatischen Temperatureinbruch. Bis 1600 wird eine der tiefsten Temperaturphasen der tausendjährigen Reihe erreicht.
In der saisonalen Analyse wirkte sich zwischen 1400 und 1500 vor allem die Abkühlung der Frühjahrswitterung prägend aus. Die Sommertemperaturen sanken mit einigen Dekaden Verzögerung, ebenso die im Herbst.
Besonders dramatisch ist der Einbruch der Sommertemperaturen gegen Ende des 16. Jahrhunderts. In dieser Phase häufen sich auch gesellschaftliche Exzesse wie Hexenverfolgungen. Auch wenn es verschiedene Definitionen und zeitliche Einordnungen gibt, setzte sich spätestens ab 1550 die klimatische Struktur der Kleinen Eiszeit durch.
Im weiteren Verlauf bleibt der langfristige Temperaturverlauf auf einem niedrigeren Niveau, ein Umstand, der 1939 zum ersten Mal als „little ice age“ bezeichnet wurde. Die zunächst eher beiläufige Namensgebung erklärt sich aus dem markanten Vorrücken der Alpengletscher in diesem Zeitraum. In den Mittelgebirgen verschlechterten sich die Anbaubedingungen signifikant durch die Verkürzung der Vegetationsperiode. Öfters kam es in dieser Phase zum Auswintern (also zu einer frostbedingten Beschädigung) der Winterfrucht. Hungersnöte, Seuchen, die Aufgabe von Siedlungen und Abwanderungen waren die Folge. An den Küsten traten vermehrt schwere Sturmfluten auf, die teilweise zu großen Menschen- und Landverlusten führten. Tiefpunkt dieser Entwicklung war das sogenannte Maunder Minimum, das zwischen 1675 und 1700 auftrat und nach einem Sonnenfleckenminimum benannt ist.
Neben den langfristigen Änderungen können aus den historischen Daten auch extreme Einzelereignisse ausgewiesen werden, die oft noch lange im Gedächtnis der Menschen verhaftet blieben. Zu erwähnen sind die Hochwasserkatastrophen von 1595, 1608, 1682, 1784 und 1845. Die wohl schwerwiegendste, historisch belegbare Überschwemmungskatastrophe traf Mitteleuropa im Sommer des Jahres 1342.
Vor allem mit der zunehmenden Klimaverschlechterung der Kleinen Eiszeit ab Mitte des 14. Jahrhunderts begann eine Phase, in der nach klimatischen Extremen, insbesondere Unwettern, welche Teile der Ernte vernichteten, religiöse Minoritäten und gesellschaftliche Randgruppen verantwortlich gemacht wurden und schließlich massiver Verfolgung ausgesetzt waren. In der Forschung vermutet man eine enge Korrelation zwischen der Kleinen Eiszeit und der Herausbildung von Hexenverfolgungen als kollektivem Verbrechen. Die letzte vermeintliche Hexe wurde Ende des 18. Jahrhunderts in der Schweiz hingerichtet. Hochwasserphänomene erschließen ein facettenreiches Bild gesellschaftlicher Konzeptualisierungen: In Wasserpredigten wurde menschliches Fehlverhalten als Ursache für die Hochwässer genannt, wie es in der Metapher der Sündflut oder der Zornrute Gottes zum Ausdruck kam. Interessanterweise bezeichnete Martin Luther (1483–1546) in seinen Predigten die Hochwasser der Elbe als Werk des Teufels.
Quellen
[1] EIKE 01.08.2015: Schlägt der Klimawandel auch in Franken zu? Bewässerungstechnik aus der Wüste muss Frankens Bauern helfen
[2] EIKE 27. April 2017: Schnee statt Frühlingswärme- geht der Klimaerwärmung nun auch im April die Puste aus? Teil 1
[3] Hessischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben Auswirkungen von Klimaveränderungen auf den Obstanbau in Hessen
[4] Bayerisches Umweltministerium, Pressemitteilung Nr. 240/15 vom 07.12.2015, Scharf: Erderwärmung unter der Lupe / Neuer Klima-Report zeigt Folgen des Klimawandels in Bayern
[5] Süddeutsche Zeitung 14. / 15. Oktober: Klimaschutz Die Kühnen von Paris