Nachgefragt: BR Programm 14.3.2016, Sendung: „Jetzt mal ehrlich Verstrahltes Bayern: Wie viel Wahrheit ist uns zumutbar?“

Zur BR Programm 14.3.2016, Sendung: „Jetzt mal ehrlich  Verstrahltes Bayern: Wie viel Wahrheit ist uns zumutbar?“

 

 

Bild 1, Startbild zur BR-Sendung

Um den Jahrestag von Fukushima erinnerte der BR in einer Reportagesendung auch an das Reaktorunglück von Tschernobyl. Ein junger, hyperaktiver Moderator fuhr durch Bayern und spürte die schlimmen Strahlenauswirkungen auf, welche das damalige Atomunglück in Bayern hinterlassen hat.

Jeder darf seine Meinung kundgeben. Wenn eine Sendung aber mit Wahrheit tituliert wird, sollte solche auch enthalten sein. Der Autor hat darin jedoch eine lupenreine Anti-Atomkraft-Propagandasendung gesehen welche darin gipfelte, dass der Moderator mit half, ein Anti-Atomkraft-Transparent an einem AKW-Zaun anzubringen.

Reportagebeispiele und inhaltliche Kritik

Sendungs-Startbild

Im Startbild zur Sendung hält jemand einen Geigerzähler mit der Anzeige 0,1 µSw in den Händen.

Kritik

0,1 µSw ergeben hochgerechnet 8,8 mS / pa.  Das ist nicht wenig, aber auch nicht übermäßig viel. Eine Gefahr für die Gesundheit ist dadurch nicht im Entferntesten vorhanden.

[1] Erst 100 Millisievert gelten als gefährlicher Grenzwert: Die Wahrscheinlichkeit für einen Anstieg von Krebserkrankungen steigt, wenn der Mensch mindestens in dieser Größenordnung ein Jahr lang durch Strahlen belastet wird. Eine Einzeldosis von 1000 Millisievert führt zu einer Strahlen-Erkrankung mit Symptomen wie Übelkeit, ist aber nicht tödlich.

Natürliche Strahlenbelastungen

Die natürliche Radioaktivitätsbelastung in Deutschland beträgt etwa 2,5 (mSv = Millisievert) im Jahr (Radon-Gas der Luft, kosmische und terrestrische Strahlung, Essen und Trinken sowie Baumaterialien). Doch gibt es große Unterschiede wie die folgenden Beispiele zeigen:

—  Im Schwarzwald bis zu 18 mSv [1]

—  In einigen Gegenden auf diesem Planeten sogar bis 200 mSv im Jahr (Brasilien und Iran)
—  Arbeitsrechtlich darf die Dosisleistung 20 mSv pro Jahr = 10 µSv/h (bei 2000 Arbeitsstunden), nicht überschreiten.

Szenen Umhergehen in „verstrahlter“ Landschaft

In der Reportage selbst wird viel mit einem Geigerzähler in der Landschaft „umhergegangen“, wobei ein ausgewiesener Anti-Atomkraft Aktivist und der Moderator abwechselnd über hohe Strahlenwerte klagen, nie jedoch Werte angegeben oder zeigen. Der Aktivist erklärt, dass es  10 Halbwertszeiten – also 300 Jahre – dauert, bis die Strahlung von Tschernobyl in Bayern verschwunden ist.

Kritik

Nach 10 Halbwertszeiten beträgt die Reststrahlung 0,1 %. Aktuell zeigt wohl ein „Hotspot“ (Startbild, in der Reportage selbst werden nirgends irgendwelche Daten zu Bodenwerten genannt) den der Moderator ausfindig gemacht hat 0,1 µSw (8,8 mS / pa). Nach 2 Halbwertszeiten, also 60 Jahren ist diese Strahlung auf das Maß der durchschnittlichen natürlichen Belastung gesunken. Ab diesem Wert und demnach nach 60 Jahren kann von „verschwunden sein“ gesprochen werden und nicht erst bei einer Reduzierung auf 0,1 % (0,088 mS / pa) mit 300 Jahren.

Das Bayerisches Landesamt für Umwelt hat bereits 2011 eine kleine Broschüre: FAQs zum Jahrestag „25 Jahre Tschernobyl“  veröffentlicht. Darin steht:

[2] Die Strahlenexposition des bayerischen Bürgers durch Tschernobyl ist heute kleiner als 0,01 mSv  (1 Hunderstel MilliSievert) pro Jahr. 

Zum Vergleich:   Die durchschnittliche Strahlenexposition des deutschen Bürgers durch die natürliche Radioaktivität beträgt ca. 2,4 mSv pro Jahr.

Dazu ein Bild aus einer LfU-Broschüre. Wo her wirkliche Gefahren kommen könnten ist darin gut zu sehen.

 

Bild 2 [3] Verschiedene Strahlenquellen im Vergleich

Von einer bedrohlichen, durch Tschernobyl oder auch durch Deutsche Kernkraftwerke verursachten Strahlenbelastung der bayerischen Bürger kann demnach wohl kaum die Rede sein.

Szene Nach dem Aufstellen des Maibaums „juckte“ die kontaminierte Haut

Der Moderator fährt in seinen Heimatort Gersthofen bei Augsburg.

Moderator: „… bei Gersthofen schaut es ja nicht so gut aus, ist ziemlich belastet gewesen“, dann sinngemäß:  … vier Tage nach Tschernobyl wurde von der Dorfjugend bei Regen mit nacktem Oberkörper der Maibaum aufgestellt. Am Tag danach soll es den Leuten  am Körper gejuckt haben.

Kritik

Zu dieser Szene hat der Autor beim BR nachgefragt, auf welcher Datenbasis diese Aussage referiert. Begründung: Ein solch schneller Strahleneffekt am Körper ist bei der geringen möglich gewesenen Kontamination strahlenmedizinisch unmöglich.

Vom BR kam eine Antwort:

Unser Moderator Rainer Maria Jilg schildert ganz persönliche Erinnerungen aus seiner Kindheit. Er zitiert zudem Erinnerungen anderer Zeitzeugen, die subjektiv ein Jucken auf der Haut vernommen haben wollen. Es handelt sich dabei ganz klar und unmissverständlich um persönliche und subjektive Schilderungen und Eindrücke unseres Moderators. Dass diese nicht auf strahlenmedizinischen Untersuchungen basieren, geschweige denn basieren müssen, versteht sich von selbst.

Szene Messen kontaminierter Pilze

Man geht in das Anti-Atomkraft-Umweltinstitut München. Die Institutsleiterin untersucht getrocknete Maronenröhrlinge, Befund: 5225 Becqerel / kg. Die Institutsleiterin sagt, dass der Grenzwert für diese im Moment gemessenen Pilze 600 Bq/kg beträgt, was der Moderator entsprechend alarmistisch kommentiert.

Kritik

Der Grenzwert für Trockenpilze darf bei Trockenpilzen mit dem 10-Fachen gegenüber Frischpilzen gesetzt werden. Das kann man googeln und / oder nachfragen.

Auf die Nachfrage des Autors beim in der Reportage messenden Umweltinstitut e.V. München kam die folgende Antwort:

… vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Tatsächlich gibt es in der EU nur zwei Grenzwerte:
– 370 Bq/kg für Milch, Milchprodukte und Säuglingsnahrung
– 600 Bq/kg für alle übrigen Lebensmittel
Einen eigenen Grenzwert für getrocknete Pilze gibt es unseres Wissens nicht. Es ist allerdings richtig, dass für die Umrechnung von Trockenmasse auf Frischmasse bei Pilzen der Faktor 10 in etwa herangezogen werden kann.

Man kann auch bei einem zuständigen Amt nachfragen. Das ist eventuell etwas langwieriger, da so man das falsche erwischt hat dieses die Anfrage nicht einfach weiterleitet, sondern mit der lieben Bemerkung zurückgibt, „man möge sich bitte an das zuständige Amt wenden“. Aber übermäßig schwierig ist es nicht.

Zu guter Letzt gab die Pressestelle des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die folgende Antwort:

Aufgrund der Empfehlung der Kommission 2003/274/Euratom gilt der in der VO (EG) 733/2008 aufgeführte Grenzwert von 600 Bq/kg auch für Pilze. Der Grenzwert von 600 Bq/kg bezieht sich im Falle von Pilzen auf das Gesamtgewicht und nicht auf die Trockenmasse.

Pilze verlieren beim Trocknen ca. 90 %  ihres ursprünglichen Gewichtes. Daher wird der ermittelte Radiocäsiumwert (Leitnuklid: Cäsium 137) der getrockneten Pilze durch den Korrekturfaktor 10 dividiert. Dies würde bei dem von Ihnen angegebenen Cäsium 137 Messwert der getrockneten Pilze von 6000 Bq/kg, einen Cäsium 137 Gehalt bezogen auf die Gesamtmasse, von 600 Bq/kg ergeben.

Der dazu angesprochene BR antwortete:

Text der Nachfrage:

Zu den Grenzwerten bei Trockenpilzen: " Meiner Information nach beträgt der Grenzwert für Trockenpilze das Zehnfache des Wertes für ungetrocknete, also 6.000 bq/kg (was für Trockenpilze auch physikalisch vernünftig erscheint). Damit lag die Belastung der gemessenen Pilze weit innerhalb der Grenzwerte.

BR-Antwort:

"Woher haben Sie diese Information? Auf welchen wissenschaftlichen Grundlagen fußt diese? Laut unseren Recherchen sind die Grenzwerte für alle Wildpilze gleich, egal, ob es sich um  getrocknete, eingelegte oder frische Pilze handelt.

Szene erhöhte Leukämiegefahr für Kinder um Atomkraftwerke

Und weiter geht es im Film. Beim Heranfahren des Moderators an „die Gefahr“ immer durch ein penetrantes, schicksalschwangeres Pochen untermalt. Mit einem Aktivisten von „Ärzte gegen Atomkraft“ (IPPNW) wird die  KiKK-Studie diskutiert.

Anm.: In dieser Studie wurde die Wahrscheinlichkeit des gehäuften Auftretens von Leukämie an Kindern bis 5 Jahren im Umkreis von 5 km um KKWs in Deutschland untersucht.

Der Moderator erklärt: ... im 5 km Umkreis von KKWs ist diese Krebsrate doppelt so hoch. Der Arzt antwortet dazu: „ Wenn man erkennt, dass der Normalbetrieb eines KKW Kinder krank macht dann gibt es nur eine Konsequenz, das AKW abschalten“. Der Moderator ergänzt: „… unglaublich, da liefert eine Studie klare Ergebnisse, aber die müssen dann weiter bewiesen werden ….“

Kritik

Die KiKK-Studie

Die KiKK-Studie[4]  ergab in Deutschland wirklich eine zusätzliche Wahrscheinlichkeit um einen 5 km-Radius von Atomkraftwerken. Diese beträgt statistisch um alle deutschen KKWs zusätzliche 0,8 Erkrankungen im Jahr. Ergänzend heißt es dazu in der Studie:

 — [4] Diese Schätzungen sind wegen der zugrunde liegenden kleinen Fallzahlen mit erheblicher Unsicherheit behaftet

Weiter steht In der Studie dazu, dass dies physikalisch nicht erklärbar ist:

[4] So wird für eine 50 Jahre alte Person, deren Wohnsitz sich in 5km Entfernung zum Kernkraftwerk befindet, eine kumulative Exposition gegenüber luftgetragenen Emissionen von 0,0000019 mSv (milli Sievert) (Obrigheim) bis 0,0003200 mSv (Gundremmingen) erwartet. Die jährliche natürliche Strahlenexposition in Deutschland beträgt etwa 1,4 mSv, die jährliche durchschnittliche Exposition durch medizinische Untersuchungen etwa 1,8 mSv. Demgegenüber ist die Exposition mit ionisierender Strahlung in der Nähe deutscher Kernkraftwerke um den Faktor 1.000 bis 100.000 niedriger. Vor diesem Hintergrund ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand das Ergebnis unserer Studie nicht strahlenbiologisch erklärbar.

Auch ist bekannt, dass in ländlichen Gegenden signifikante Leukämie-Cluster zu finden sind. Auch dieser über Deutschland verteilte Effekt ist nicht erklärbar. Nun sind die KKW-Standorte meistens „in ländlichen Gegenden“. Die Studie untersuchte aber nicht ob sich unter dieser Berücksichtigung die festgestellte (kleine) Leukämiehäufigkeit nivellieren würde.

Ein erklärendes Dokument aus der Schweiz

Mit nur ein bisschen Engagement lässt sich aber Ergänzendes finden und zwar in der Schweiz.

Ein Wissenschaftsteam hat die verschiedenen dazu durchgeführten Studien zusammengetragen, analysiert und die Inhalte und Bewertungen in einer Broschüre zusammengefasst. Allerdings ist dieses Wissenschaftler-Forum erkennbar nicht anti-atomkraftaktivistisch polarisiert:

Das „Forum Medizin und Energie“ (FME) ist ein überparteilicher und breit abgestützter Verein. Die Mitglieder des
FME sind Ärztinnen und Ärzte aus Praxis und Forschung.
Das FME wurde 1984 von Prof. Dr. Martin Allgöwer (1917–2007), ein bekannter Schweizer Arzt und Chirurg, gegründet. Das FME hat sich zum Ziel gesetzt, die Schnittstellen zwischen menschlicher Gesundheit und Energie zu erforschen. Zur Zeit umfasst das FME rund 200 Mitglieder aus der ganzen Schweiz.

Die Broschüre nennt sich:

Forum Medizin und Energie, Postfach, 8040 Zürich, 2012: Kinderleukämie und Kernkraftwerke – (K)Ein Grund zur Sorge?  Grundlagen, Studien, Analysen. Dritte, erweiterte Auflage

Die Schlussfolgerung in dieser Broschüre lautet:

Welche Schlussfolgerungen sind aus den gesammelten Daten zu ziehen? Die Gesamtheit der Studien zeigt, dass
eine Nachbarschaft zu einem Kernkraftwerk generell kein erhöhtes Leukämierisiko bedeutet. An den meisten Kraftwerkstandorten war entweder nie eine Häufung von Leukämiefällen feststellbar, oder sie liess sich bei weiterer Beobachtung nicht bestätigen. An einzelnen Standorten sind vermehrt Krankheitsfälle aufgetreten, doch deren absolute Anzahl liegt in einem Bereich, der sich auch bei anderen Risiken findet: Wohlhabende Lebensumstände, großzügige Wohnverhältnisse und eingeschränkter Kontakt zu anderen Kleinkindern.

Es ist ein Trugschluss, die radioaktiven Emissionen eines Kernkraftwerkes für das Risiko einer Leukämieerkrankung verantwortlich zu machen. Würde nämlich der Entstehungsmechanismus der Krankheit über die ionisierende Strahlung laufen, müsste sich auch die erhöhte Radioaktivität aus natürlichen Quellen in größeren Zahlen der Kinderleukämieerkrankungen niederschlagen. Die bekannten strahleninduzierten Tumoren bei Erwachsenen dürften dabei nicht ausgespart bleiben. Und auch die bekannten Reaktorunfälle mit Auswirkungen auf die Umgebung oder die erhöhte C-14-Belastung während der Kernwaffenversuche der 50er- und 60er-Jahre führten in keinem Fall zu einer Erhöhung der Leukämiehäufikeit, die entsprechend den Proportionen hätte immens ausfallen müssen.

In dieser (interessanten) Broschüre ist auch eine schweizerische Studie gelistet, welche parallel zur KIKK-Studie speziell deren Thematik analysierte, Ergebnis:

Die Öffentlichkeit hat teilweise mit Erstaunen auf das Studienergebnis reagiert, weil das Resultat von demjenigen der deutschen Studie von 2007 abweicht. Dazu ist festzuhalten, dass das Resultat der Schweizer Studie in Einklang steht mit der grossen Mehrheit der rund 50 internationalen Studien, die in den letzten 30 Jahren durchgeführt wurden. Es ist vielmehr die deutsche Studie, die ein „Ausreisser“ darstellt. Mehrheitlich kamen die Untersuchungen zum Schluss, dass kein erhöhtes Risiko für Kinderleukämie um KKW besteht.

Es ist zudem auf ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie hinzuweisen: Sie hat festgestellt, dass auch keine lineare Abstand-Wirkung-Beziehung besteht. Das heisst, dass es nicht immer mehr Fälle gibt, je näher man an einem Kernkraftwerk wohnt. Im Gegenteil, die Studie hat festgestellt, dass es teilweise sogar weniger Fälle gibt, je näher man an einem Kernkraftwerk wohnt.

Ein Vorwurf, der seinerzeit der deutschen Studie gemacht worden war, war der Umstand, dass die Wind-Richtung nicht berücksichtigt worden sei. Wenn ein ursächlicher Zusammenhang zwischen KKW und Kinderleukämie bestehen würde, so die Hypothese, wäre dafür auch die Abluft aus dem KKW-Kamin verantwortlich. Die Schweizer Studie hat die Windrichtung mitberücksichtigt und festgestellt, dass das Risiko unter Einbezug der Windrichtung sogar sinkt.

Wirklich auch gar nichts davon wurde in der Reportage erwähnt.

Denn es bieten natürlich keinerlei Basis für den Alarm welcher dazu berechtigen würde, alle KKWs wegen Leukämierisiko sofort abzuschalten, wie es der IPPNW-Aktivist unterstützt vom Moderator fordert.

Aber selbst wenn man beim Erstellen einer „die Wahrheit zeigenden“ Reportage nicht in der Lage oder Willens ist, dies zu recherchieren.

Wenn 0,8 statistische zusätzliche Krankheitsfälle im Jahr dazu „berechtigen“ sollen, 50 % der Energieversorgung eines Landes sofort abzuschalten, muss man weit vorher alle Autofahrten, Röntgenuntersuchungen, Kindergarten- und –Krippenbesuche und und und verbieten, da das damit verbundene Mortalitätsrisiko wesentlich höher ist.

Szene Interviews von Fachleuten einer für Strahlung zuständigen Behörde

Nun werden zwei Vertreter von mit Strahlung beauftragten Behörden interviewt. Diesen war das Interview erkennbar unangenehm (konnten dem aber wohl nicht entgehen) – denn so unwissend wie sie sich darstellten sollten zwei Promovierte in Führungspositionen kaum sein, außer sie wären eklatante Fehlbesetzungen -.  Jedenfalls ließen sie sich außer zu Allgemeinplätzen zu keinerlei hilfreichen Information, geschweige pro- oder kontra-Aussagen bewegen.

Kritik

Zu diesen zwei verbeamteten farblosen „Figuren“ erspart sich der Autor Kritik. Was erwartet man von einem  Beamten, dem jede ehrliche Aussage die Karriere gefährden könnte.

Reportage-Schluss

Nach etlichen in diesem Stil gedrehten weiteren Episoden endet die Reportage in einer Szene in welcher der Moderator einem Anti-Atomkraft-Aktivisten hilft, ein Demonstrationsplakat an einem KKW-Zaun zu befestigen sowie der Schluss-Aussage des Moderators, dass er die Abschaltung aller deutschen KKWs begrüßt.

Schlusskritik

Es ist dem Autor ein Rätsel, wie ein öffentlicher Sender auf die Idee kommen kann, eine derart offensichtliche Propagandasendung drehen zu lassen und zur besten Sendezeit anzubieten. 

Der Moderator ist laut seiner Vita studierter Musiker und Dipl.- Ing (FH) für Medien. Das ist nichts Schlimmes, sogar beachtenswert – jedoch sind damit besondere Kenntnisse auf dem Fachgebiet Strahlung eher nicht zu erwarten – was der / die Verantwortliche beim BR hätten ahnen können. Trotzdem durfte er eine Fachreportage dazu frei moderieren. Und niemand hielt es für erforderlich, auf die vollkommen fehlende Ausgewogenheit und eklatanten sachlichen Fehler hinzuweisen.

Dass des Bürgers Zwangsbeitrag mit der Bereitstellung von ausgewogener Information begründet wird scheint man beim BR nicht mehr zu wissen, bzw. zu ignorieren, schließlich kann der zahlende Bürger den BR ja nie abwählen.

persönliche und subjektive Schilderungen und Eindrücke“ dieser Art sind jedenfalls keine Information, geschweige „Wahrheiten“ für die der Autor freiwillig etwas bezahlen würde.

Mailadresse des BR: zuschauerservice@br.de

Quellen (sofern nicht im Text direkt angegeben)

[1]

FOCUS 18.03.2011: Strahlung unsere tägliche Dosis

http://www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan/wissenschaftliche-hintergruende/strahlung-unsere-taegliche-dosis_aid_609687.html

[2]eine7. Wie groß ist die jährliche Strahlenexposition in Bayern durch Tschernobyl heute?

Bayerisches Landesamt für Umwelt, 12. April 2011: FAQs zum Jahrestag „25 Jahre Tschernobyl“

[3]eine7. Wie groß ist die jährliche Strahlenexposition in Bayern durch Tschernobyl heute?

Bayerisches Landesamt für Umwelt, Publikation: UmweltWissen Strahlung  – Radioaktivität und Strahlung – Vorkommen und Überwachung

[4]

Umweltforschungsplan des Bundesumweltministeriums (UFOPLAN) Reaktorsicherheit und Strahlenschutz Vorhaben StSch 4334: Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie) Zusammenfassung/Summary




Aber stimmt es auch? – Die Forschungen von Aaron Wildavsky 20 Jahre später

Das Verlangen nach Sicherheit ist dem Menschen angeboren, ist aber nichtsdestotrotz ein intellektuelles Laster. Solange die Menschen nicht geübt darin sind, von Urteilen über etwas ohne Beweise Abstand zu nehmen, werden sie durch sich todsicher gerierende Propheten in die Irre geführt, und es ist wahrscheinlich, dass ihre Führer entweder ignorante Fanatiker oder unehrliche Scharlatane sind. Unsicherheit zu ertragen ist schwierig, aber das gilt auch für die meisten anderen Tugenden“.

Die sich todsicher gerierenden Propheten sind Umweltaktivisten und Befürworter der globalen Erwärmung, die die Behauptung vor sich her tragen, dass sie die Einzigen Wissenden sind und die Einzigen, die sich um die Umwelt kümmern. Sie sind säkulare Missionare des neuen Paradigmas des Umweltaktivismus‘, welches sie zu einer Religion von Umweltaktivismus machten. 20 Jahre Doom-and-Gloom-Prophezeiungen von ihnen zusammen mit den von ihnen aufgerührten Ängsten erwiesen sich als unrichtig, während sich jene, die unrecht zu haben beschuldigt worden sind, als recht habend herausstellten.

Eine Verschiebung eines Paradigmas ist eine wichtige Änderung des Vorgehens oder der Hypothesen einer Gesellschaft, die alles in unterschiedliche Richtungen trägt; es kam mit der Verschiebung hin zu Umweltaktivismus. Die meisten Menschen akzeptieren ein neues Paradigma nur sehr zögerlich, weil sie die Änderung fürchten. Sie wissen, wenn es zu einer Änderung kommt, werden Einige geschädigt, und einige werden profitieren, aber die Furcht davor, geschädigt zu werden, steht im Vordergrund. Allerdings gibt es immer eine kleine Gruppe, die die Paradigma-Verschiebung aufschnappen und für ihre Agenda ausschlachten, entweder in finanzieller oder in politischer Hinsicht oder beidem. Sie werden zu „sich todsicher gerierenden Propheten“.

Wir alle sind Umweltaktivisten, aber einige Wenige griffen danach und behaupteten, dass nur sie sich um die Umwelt kümmern. Sie predigten uns dies aus moralisch hoher Perspektive. Globale Erwärmung wurde zum Zugpferd für ihre politischen Angriffe auf entwickelte Gesellschaften, weil sie nationale Grenzen überschritt und nach einer Eine-Welt-Lösung verlangte. Sie erzeugten und verbreiteten eine Vielfalt von Angst erzeugenden Stories über verschiedene Aspekte der Umwelt, um die Lüge am Leben zu halten. H. L.Mencken erklärte diese Objektive kurz und bündig mit zwei Aussagen:

Das ganze Ziel praktischer Politik ist es, die breite Masse im Alarmzustand zu halten (und ihnen daher lärmend vorzumachen, dass man sie in Sicherheit führen werde) mittels einer endlosen Folge von Kobolden und Geistern – die allesamt imaginär sind (hier).

Die Dringlichkeit, die Menschheit zu retten, ist fast immer die Maske für die Dringlichkeit, sie zu führen. Macht ist alles, was jeder Messias in Wirklichkeit anstrebt: nicht die Möglichkeit zu dienen. Das gilt selbst für die Pius-Brüder, die ihre Prinzipien nach außen tragen.

Die Stories bestehen aus einer Mischung von Makro- und Mikro-Dingen, die sich allesamt um die Behauptung ranken, dass sie eine direkte oder indirekte Folge der menschlichen Existenz sind, verschlimmert durch industriellen Fortschritt. Auf der Liste der Makros finden sich u. A. Wüstenbildung, Entwaldung, Aussterben von Spezies, Verlust von Habitaten, steigender Meeresspiegel, Zerstörung der Ozonschicht, gigantische Mülldeponien, Asbest-Kontamination, saurer Regen und Ozeanversauerung uvm. Die Liste der Mikros ist sogar noch länger und enthält u. A. die Erblindung von Schafen in Chile, deformiert geborene Frösche, geringere Spermazahlen beim Menschen, zerstörte Korallenriffe, eine Vielzahl von sinkenden Tierpopulationen, und so weiter und so fort, bis zum Erbrechen.

Ich weiß durch meine Mitarbeit in vielen Untersuchungsausschüssen, dass schon limitierte Ermittlungen sehr unterschiedliche Wahrheiten ans Licht bringen. Unter diesen Erfahrungen ist auch der Vorsitz in Anhörungen, um vermeintlichen Umwelt-Herausforderungen zu begegnen einschließlich der Bedrohungen für Luft, Boden, Wasser und Wälder. Ich war Vorsitzender des Hazardous Waste Committee [etwa: Komitee gegen übermäßigen Müll] der Stadt Winnipeg und habe Beweise erbracht für Verfahren, in denen es um Wetter, Klima und Umweltthemen ging. Der Unterschied zwischen der Berichterstattung in den Medien, dem öffentlichen Verständnis und den Fakten war riesig und erschütternd, aber trotzdem treiben diese Stories die öffentliche Politik. Nur wenige Politiker wagen es, sie in Frage zu stellen, und so erzeugen sie unnötige, ungeeignete und oftmals schädliche Politik. Wie moderne Kreuzfahrer streifen sie sich das grüne Mäntelchen über, nicht um sich den Fakten zu stellen, sondern um Vorwürfen zu begegnen, dass es ihnen egal ist.

Die Medien berichten diese Stories, weil Sensationalismus sich gut verkauft, und sie akzeptieren ohne Nachfrage die Behauptungen des Ausmaßes unserer Beeinflussung der Umwelt. In den USA haben die Medien bei der Ausfüllung der Rolle versagt, die Rolle auszufüllen, die ihnen von den Gründungsvätern des Kongresses im Jahre 1776 zugedacht worden war.

Das letzte Recht, das wir erwähnen sollten, betrifft die Pressefreiheit. Die Wichtigkeit hiervon besteht neben dem Voranbringen von Wahrheit in Wissenschaft, Moral und Kunst allgemein in seiner Ausbreitung liberaler Gefühle auf die Regierungs-Administration, in seiner angemessenen Kommunikation von Gedanken zwischen den Themen und in der konsequenten Verfolgung von Einheit unter ihnen, während unterdrückende Funktionäre beschämt oder getrieben werden, ehrbareres Verhalten zu übernehmen sowie eine bessere Art, mit Skandalen umzugehen.

Sie haben die Rolle der Akademiker nicht definiert, wahrscheinlich aufgrund der Annahme, dass sie nach der Wahrheit streben. Tatsächlich manifestieren sich in den Akademikern die sich ergebenden Probleme, wenn man Sozialhilfe bezieht. Henry Canby drückte es so aus:

Arroganz, Pedanterie und Dogmatismus sind berufliche Krankheiten von denjenigen, die ihr Leben danach ausrichten, das Intellekt der Jugend zu dirigieren.

Einige wenige Akademiker stellen die vorherrschende Weisheit in Frage, absichtlich oder zufällig, und sind sofort Ziel von Angriffen, darunter sogar Ausweisung oder Isolation. Judith Curry ist sich jetzt nur zu bewusst, was passiert.

Aaron Wildavsky war ein politischer Wissenschaftler, spezialisiert auf öffentliche Politik, Budgetierung der Regierung und Risikomanagement (hier). Wildavsky stellte sich dem entgegen, was Michael Crichton als die größte Herausforderung identifizierte, vor der die Menschheit derzeit steht. In einer Rede vor dem Commonwealth Club in San Francisco sagte er im Jahre 2003:

Man hat mich aufgefordert, darüber zu sprechen, was ich als die wichtigste Herausforderung ansehe, vor der die Menschheit steht, und ich habe die fundamentale Antwort. Die größte derzeitige Herausforderung für die Menschheit ist die Herausforderung zu unterscheiden zwischen Realität und Phantasie, Wahrheit und Propaganda Das Erkennen der Wahrheit war immer eine Herausforderung für die Menschheit, aber im Informationszeitalter (oder, wie ich es sehe, dem Desinformationszeitalter), wird es zu einer speziellen Notwendigkeit und Wichtigkeit.

Wildavsky machte sich auf, die Wahrheit zu erkennen bzgl. Umweltbedrohungen mittels Anwendung der angemessenen wissenschaftlichen Methoden beim Stellen einer Frage oder mit Experimenten. Er stellte die einfache Frage „aber stimmt das auch?“ (hier). Sie wurde später zu seinem posthum veröffentlichten Buch (1995). In das Experiment waren graduierende Studenten ohne wissenschaftliche Titel involviert, die der Frage nachgingen und nach Ursprung und Gültigkeit der verschiedenen Umweltstories forschten.

In einem Artikel aus dem Jahr 1995 wurden einige der Ergebnisse zusammengefasst:

•„Das DDT-Verbot, einer der ersten großen Triumphe der modernen Umweltbewegung (und ein Tribut an Silent Spring von Rachel Carson) hat „mehr Schaden als Nutzen“ gebracht.

Trotz der hysterischen Ängste von Eltern stellt Asbest in Schulen keine erkennbare Gefahr für Kinder dar.

Es gibt keine Beweise dafür, dass saurer Regen für die Umwelt eine außerordentliche Gefahr darstellt, außer an einigen wenigen isolierten Stellen (wie in paar Wälder in Hochlagen).

Die meisten gefährlichen Mülldeponien (darunter so notorische Deponien wie in Love Canal in New York State und Times Beach in Missouri) sind keine signifikante Gefahr für Anwohner. Das außerordentlich teure Superfonds-Programm der Regierung zur Beseitigung dieser Deponien ist alles in allem Geldverschwendung.

Es gibt keine glaubwürdigen Beweise, die die Angst vor der globalen Erwärmung stützen.

•„Es gibt keine glaubwürdigen Beweise für die Ozon-Zerstörung“, und es gibt gute Gründe für die Annahme, dass welche Zerstörung auch immer aufgetreten war, dies nichts mit FCKWs zu tun hat und dass es „starke Hinweise gibt, dass der Schaden durch Ozonzerstörung zwischen gering oder gar nicht schwankt“.

Heute, über 20 Jahre später, ist die Validität dieser Ergebnisse bestätigt. Sie sind alle Opfer von etwas, das Wildavsky als den grundlegenden Betrug des Absolutismus bei der Umweltbewegung identifiziert hatte. Er fragte:

Welche Norm legt fest, dass Gesundheit der einzige Wert oder auch nur der dominante Wert ist?“ – Was ist mit den anderen Werten? Was bedeutet eine marginal bessere Gesundheit im Vergleich zu Verlusten bei anderen Werten wie Freiheit, Gerechtigkeit und Vorzüglichkeit?“

In einem Beitrag für The Concise Encyclopedia of Economics hat Wildavsky das Aufkommen von Regierungs-Bürokratie geahnt, weil Politiker keine Fragen gestellt und sich selbst das grüne Mäntelchen umgehängt hatten.

Seit Ende der fünfziger Jahre ist die Regulierung von Risiken für Gesundheit und Sicherheit in politischen Debatten immer wichtiger geworden – und Maßnahmen. In seinen Bemühungen, die Bürger vor schwierig zu erkennenden Gefahren zu schützen wie industrielle Chemikalien und gegen offensichtliche Gefahren am Arbeitsplatz und anderswo, hat der Kongress die Autorität der Food and Drug Administration, der Environmental Protection Agency, der Occupational Health and Safety Administration, das Federal Trade Commission’s Bureau of Consumer Protection und andere administrative grüne Agenturen erzeugt oder verstärkt.

Bei meinem Auftritt vor der kanadischen parlamentarischen Anhörung zum Thema Ozon habe ich meinen vorbereiteten Vortrag nicht gehalten. Ich habe nämlich schnell erkannt, dass die Politiker beim Zuhören der Beweise und den Fragen von Anderen die wissenschaftliche Methode nicht verstanden. Sie erkannten nicht, dass eine wissenschaftliche Hypothese wissenschaftliche Spekulation ist, sondern betrachteten dies als Tatsache. Ich bot eine wissenschaftliche Spekulation auf der Grundlage von Beweisen an.

•Die Rotationsgeschwindigkeit der Erde verlangsamt sich.

•Das Magnetfeld schwächt sich seit 1000 Jahren ab.

•Falls das mit der derzeitigen Rate so weitergeht, wird das Feld in etwa 120 Jahren verschwunden sein.

•Einige Beweise zeigen Massen-Aussterben in Verbindung mit früheren Zusammenbrüchen.

•Der Schutz vor einigen schädlichen Strahlen der Sonne ist verschwunden.

•Einige behaupten, dass DNA besonders verwundbar ist, wenn sie ultravioletter Strahlung ausgesetzt ist.

Ich fragte, was meine Regierung plant, um diese Bedrohungen zu verhindern. Ich sagte ihnen, dass ich Dutzende solcher spekulativen Bedrohungen erzeugen könnte. Ihre Aufgabe und Herausforderung bestand darin herauszufinden, welche gültig waren, und dem Setzen von Prioritäten, weil sie nicht alles auf einmal angehen konnten. Wildavsky zeigt eine exzellente Synoptik von Risiken und Prioritäten in seinem in der Encyclopedia of Economics erschienenen Artikel mit dem Titel „Risk and Safety.

Die globale Erwärmung war eine weitere ungeprüfte Hypothese, genau wie alle anderen auch. Sie stellten niemals die in der wissenschaftlichen Methode fundamentale Frage: „Aber stimmt das auch?“. Stattdessen wurden alle jene attackiert, die zu fragen versucht haben. Die globale Erwärmung war größer als alle anderen falschen Bedrohungen, wie die Pariser Klimakonferenz 2015 gezeigt hat. Sie war verpackt in dem größeren Umwelt-Umschlag durch mächtige Personen, die annahmen, dass die Spekulationen Tatsachen waren. Die beste Anschauung zum Erkennen der schlimmsten Konfusion und der Zurschaustellung größten Unverständnisses, zu denen es durch die Akzeptanz der Spekulation als Tatsache gekommen war, ist die Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus. Es ist ein Paper, dass bereits im ersten Semester an Hochschulen durchfallen sollte. Es fehlen darin Beweise, es fehlen Erklärungen der Mechanismen, es fehlt Objektivität, und es ignoriert Entwicklung und Fortschritt als Teil der natürlichen menschlichen Evolution. Traurigerweise wurde es von sich todsicher gerierenden Propheten, von Medien, Akademikern und Lehrern hochgelobt, welche die Forderung der Gesellschaft nach Sicherheit repräsentieren und sicherstellen.

Link: http://wattsupwiththat.com/2016/03/26/but-is-it-true-the-research-of-aaron-wildavsky-twenty-years-later/

Übersetzt von Chris Frey EIKE




El Hierro – 100 % Erneuerbare? Kann das funktionieren?

Betriebsstrategien für El Hierro ?

Das Programm (Bild rechts) ist in 5 logische Funktionen aufgeteilt, wie die Bedienoberfläche auch zeigt.

Von oben nach unten :

1.              Die Erzeugung

2.              Die Belastung

3.              Der Speichermanager

4.              Die Speicherfüllung

5.              Die Frequenz

6.              Die Leistungsverteilung

Zu 1:  Die Erzeugung

Die Erzeugung besteht aus drei Komponenten. Es ist in erster  Linie die Windkraftanlage bestehend aus 5  Anlagen je 2,3 MW. Für die Simulation werden beim Programmstart alle WKAs als einsetzbar angesehen, wenn die Checkbox WKA-Betrieb  gesetzt ist.

Mit den Commandfeldern + und kann man die Anzahl per Hand einstellen. Die Checkbox WKA-Betrieb kann nur gesetzt werden  wenn entweder die Checkbox Wasserturbine-Betrieb, die Checkbox Diesel-Betrieb oder beide gesetzt sind  Das bedeutet, dass mindestens die Wasserturbine oder die Dieselmaschine ans Netz synchronisiert ist und die Netzfrequenz  im Regelbereich liegt. Eine von beiden Anlagen muss laufen und die Netzfrequenz und Netzspannung diktieren. Mit dem Scrollbar Windkraftanlage kann man die Leistung, der vom zufälligen Wind abhängigen  Stromerzeugung, für Versuche in dieser Simulation einstellen. Die Leistung und die Anzahl der WKA kann man in den beiden Textfeldern sehen. Die Oberwelligkeit der Stromerzeugung und ungünstige Windströmungsverhältnisse am WKA-Standort sind mir bekannt, werden aber in dieser Arbeit, ebenso wie Wirkungsgrade, nicht weiter berücksichtigt

Durch Anwahl der Checkbox Wasserturbine-Betrieb teilt man dem Programm mit, dass die Wasserturbinen ans Netz geschaltet sind und zur Regelung bereitstehen. Mit dem Scrollbar Wasserturbine kann man den Drehzahlsollwert einstellen und damit die Frequenz/Leistung der Maschine bestimmen. Im großen oberen Textfeld wird die Leistung der Maschinen angezeigt In den kleinen Textfeldern wird links der Frequenzeinfluß des Drehzahlreglers und rechts der Windeinfluß des Speichermanagers angezeigt. Die Summe der maximalen Leistung der vier Wasserturbinen beträgt 11,32 MW.

Durch Anwahl der Checkbox Diesel-Betrieb teilt man dem Sytem mit, dass das Dieselkraftwerk ans Netz  geschaltet  ist und zur Regelung bereitsteht. Ich nehme an es handelt sich um mehrere Synchrongeneratoren mit einer Leistung von insgesamt 11,5 MW. Mit dem Scrollbar Dieselkraftwerk kann man den Drehzahlsollwert einstellen und damit die Frequenz/Leistung der Maschine bestimmen. Im großen oberen Textfeld wird die Leistung des Werkes angezeigt . In dem kleinen Textfeld wird Frequenzeinfluß des Drehzahlreglers angezeigt.

Im grossen Textfeld rechts wird die Gesamtleistung der Erzeugeranlagen angezeigt

Zu 2: Die Belastung

Die Belastung der Erzeugeranlagen wird von der Netzlast, den Speicherpumpen mit Festdrehzahl und den leistungsregelbaren Speicherpumpen  gebildet.

Mit dem Scrollbar Netzlast wird die Leistung des Verteilernetzes eingestellt und auf dem Textfeld angezeigt.

Die Speicherpumpen mit Festdrehzahl kann man mit Checkbox Pumpe 1 bis 5 anwählen. Jede Pumpe hat eine Leistung von 0,5 MW. Die Summe wird im großen Textfeld angezeigt. Wann Pumpen zu- oder abzuschalten sind  zeigt ein Textfeld mit begleitendem BEEP an. Zugeschaltet werden soll, wenn die Leistung der regelbaren Speicherpumpen 1,5 MW überschreitet. Abgeschaltet werden soll, wenn die Leistung der regelbaren Speicherpumpen 0,5 MW unterschreitet. Damit soll die Belastung durch Frequenzumrichter so gering wie möglich gehalten werden.

Die zwei regelbaren Speicherpumpen von je 1,5 MW werden vom Programm als beide Pumpen in Betrieb aufgefaßt. Ihre Leistung wird im Handbetrieb mit Scollbar Speicherpumpe eingestellt. Die aktuelle Leistung  wird im großen Textfeld angezeigt. Die Summe der Pumpleistung ergibt sich aus der Addition der Leistung von Festdrehzahlpumpen plus Regeldrehzahlpumpen. Die Überschreitung von 3 MW für die regelbaren Pumpen wird verhindert und durch rote Hintergrundfärbung im Textfeld angezeigt. Die Pumpleistung wird von Speichermanager bestimmt, sofern die Option Windeinfluß Laden/entladen angewählt ist. Im linken kleinen Textfeld wird der Windeinfluß des Speichermanagers angezeigt. Im rechten kleinen Textfeld wird der Frequenzeinfluß angezeigt, wenn diese Betriebsstruktur durch die Checkbox  Frequenzeinfluß gewählt ist. Mit dem Scrollbar Speicherpumpe Frequenzeinfluß kann man den Sollwert zwischen 47.5 Hz und  50 Hz einstellen, wenn man wieder 50 Hz im Netz wieder erreichen will. Im grossen Textfeld rechts oben wird die Gesamtleistung der Belastungen angezeigt

Zu 3: Der Speichermanager

Der Speichermanager hat die Aufgabe das Einspeichern und Ausspeichern von Windenergie in/aus dem Höhenspeicher zu steuern. Ziel ist es die Energiegewinnung aus Windenergie zu vergleichmäßigen. Dazu ist die Ermittlung der mittleren Windleistung der letzten 7 Tage und eine Vorausschau für den aktuellen Tag  nötig. Dies kann nicht Teil dieser Simulation sein. Ein fiktiver Wert kann mit dem Scrollbar Speichermanager eingestellt werden. Der Wert wird im grossen Textfeld rechts angezeigt. Überschreitet die Windleistung diesen Wert, dann wird die Leistung, die über diesem Wert liegt, mit den Speicherpumpen eingespeichert. Liegt die Windleistung unter dem Grenzwert, dann wird die Turbinenleistung vom Speichermanager so erhöht, dass die Summe aus Windleistung + Turbinenleistung dem Grenzwert entspricht. Dazu muss mit der Checkbox Windeinfluß Laden/Entladen diese Funktion eingeschaltet werden.

Eine weitere Funktion des Speichermanagers ist die Begrenzung der Windleistung bei steigender Füllung des Speichers. Dazu nimmt der Speichermanager steigend ab 260 MWh  proportional  WKA ausser Betrieb und verhindert damit eine Überfüllung des Speicher. Diese Funktion wird mit Checkbox  Speicherniveaueinfluß aktiviert.

Bei fallendem Füllstand des Speichers  wird die Turbinenleistung,beginnend  bei 21 MWh Speicherfüllstand proportional gesenkt, bis sie bei 0 MWh  den Nullpunkt erreicht. Diese Funktion wird ebenfalls mit der Checkbox  Speicherniveaueinfluß aktiviert. Der Eingriff auf die aktuelle Turbinenleistung wird mit der Meldung  Diesel zuschalten und begleitendem BEEP angezeigt.

Zu 4: Die Speicherfüllung

Die Speicherfüllung ist mit dem Scrollbar  Füllstand im Bereich 0 bis 270 MWh für Versuche einstellbar Beim Programmstart steht der Wert auf  135 MWh. Die Veränderung des Füllstandes, es handelt sich um ein integrales System, ergibt sich aus der Differenz  der Textfelder SummeLeistung ungeregelt + Leistung geregelt der Speicherpumpen und LeistungTurbine  der Erzeuger.

Zu 5: Die Frequenz

Die Frequenz des Versorgungssystem ist das wichtigste Kriterium zur Beurteilung der Netzstabilität. Es handelt sich um ein  System mit integralem Verhalten. Bei Leistungsüberschuss steigt die Frequenz, bei Leistungsmangel fällt die Frequenz kontinuierlich. Die Frequenz ergibt sich aus der Integration der Differenz  aus Summe der Erzeugerleistung  minus Summe der Netzlast. Das zeitliche Verhalten der Frequenz ist im Simulator gestreckt um etwa den Faktor 10. Sonst ist für den Operator nicht zu sehen, was da passiert. Zulässig ist eine Frequenz zwischen 47,5 Hz und 52,5 Hz . Wird dieser Bereich verlassen so wird  „Schutzaus“ ausgelöst. Das wird durch ein  rotes Textfeld mit Aufschrift „Schwarzfall“ angezeigt. Der weitere Verlauf der Simulation wird angehalten, damit man den Vorfall analysieren kann.. Weiter geht es mit Abwahl  und Neustart des Programms.

Zu 6: Die Belastungsverteilung

Im rechten Teil des Fenster ist eine graphische Darstellung der Leistungsverteilung für Erzeugung auf der linken Seite und Belastung auf der rechten Seite. Die Höhe der Säulen ist proportional den Leistungen. Die Farben entsprechen der Klassifizierung der linken Fensterseite.

Betrachtungen zur Netzstabilität.

Der Betrieb von Windkraftanlagen ist nur in Kombination mit drehzahlgeregelten Erzeugern möglich, da eine WKA nicht zur Frequenzregelung fähgig ist. Weil das so ist, hat man sich für El Hierro etwas ausgedacht :

http://infoscience.epfl.ch/record/198519/files/1-s2.0-S0960148114000755-main.pdf[..]

Man will eine Wasserturbine ans Netz synchronisieren und dann das Arbeitswasser abstellen. Die läuft dann weiter wie ein Synchronmotor. Man stellt sich vor, man hätte dann einen rotierenden Speicher durch die Masse der rotierenden  Maschinenteile und der würde die Frequenz stabilisieren. Aber das Ergebnis wird sein :

Maschine läuft als Synchronmotor

Maschine braucht Antriebsleistung

Maschine geht über Rückwatt vom Netz.

Hier einige Worte zu Rückwatt. Es ist der Kraftwerksausdruck für den Fall, dass eine Erzeugereinheit vom Netz Leistung aufnimmt und motorisch läuft. Die dabei auftretende Leistung nennt man Schleppleistung. Sie tritt auf, wenn man zB. einer Wasserturbine das Arbeitsmittel abstellt.

Hier nochmal der Beitrag von Horst Maler #32:

die Rotationsenergie eines Turbosatzes können Sie bei Lastanstieg nur im Bereich zwischen 50 Hz und 47.5 Hz nutzen. Dann erfolgt "Schutz aus". Bei 49,8 Hz beginnt spätestens der Einsatz der Primärregelung.

Bei Lastausfall im Bereich 50 Hz bis 52,5 Hz.

E_rot= (47,5 / 50) ** 2 = 0.9025

100 % – 90,25% = 9,75 %.

9,75 % der im Turbosatz enthaltenen Rotationsenergie können Sie nutzen. Das ist sehr wenig. Vergessen Sie Rotationsenergie !

Die Generatorspannung ist abhängig von der Drehzahl der Maschine und vom Erregerstrom, der von einem Spannungsregler durch eine Erregeranlage geführt wird. 

Das hat er sehr richtig erkannt und hier bekannt gemacht. Wie die Spanier auf diese Idee kamen ist mir ein Rätsel.

In der angegebenen Maschinenanordnung  ist es nicht möglich nur mit Windkraftanlagen zu versorgen. Es muss immer die Wasserturbine (Abhängigkeit vom Speicher)  und/oder der Diesel laufen, um die Frequenz und die Spannung  zu diktieren.

Größtes Risiko bei  einer Inselanlage ist der teilweise oder komplette Netzausfall oder der plötzliche Windleistungsanstieg (Böe) , denn beide müssen entweder von der Dieselanlage und/oder der Wasserturbine abgeworfen werden können. Dazu müssen die Erzeugeranlagen aber  Leistung haben die sie abwerfen können.

Das die Speicherpumpen einen Frequenzeinfluß haben ist mir nicht bekannt, wäre auch sehr ungewöhnlich, aber eine großartige Idee. Das gibt es nur in dieser Simulation. Man könnte dann  die positive Leistungsdifferenz, die zum Frequenzanstieg führt und letztlich zum Schwarzfall, per Frequenzeinfluß auf die Speicherpumpen umlegen. In meiner Simulation ist das möglich. Für die Speicherpumpen kann mit Checkbox Frequenzeinfluß diese Struktur für die regelbaren Speicherpumpen gewählt werden.

Der Speichermanager kann die Windleistung die grösser als der Windleistungsgrenzwert ist auf die Speicherpumpen umlegen.  Ist die Windleistung kleiner als der Windleistungsgrenzwert dann wird die fehlende Leistung auf die Wasserturbinen umgelegt.  Dazu ist im Speichermanager die Checkbox Windeinfluß Laden Entladen zu aktivieren. Die Leistung der Erzeuger Wasser + Diesel muß immer grösser sein als die maximal mögliche Störung durch Teilnetzausfall oder Windleistungsanstieg (Böe).

Der aufmerksame Leser wird bemerken, dass immer, wenn die Speicherpumpen laufen, auch die Wasserturbinen laufen. Die Speicherpumpen stellen ja für das Netz eine Belastung dar. Das ergibt dann eine Art Kreisverkehr des Energiefluß. Ein Teil der Pumpleistung geht gleich wieder zur Wasserturbine. Das ist leider alternativlos. Um mal diesen schönen Satz zu benutzen.

Wir kommen jetzt zu einem Thema, das meistens nicht zur Sprache kommt. Windanlagen speisen ihren Strom über netzsynchronisierte Wechselrichter in das Netz ein. Die Sinusform des Stroms wird durch Modulation des Impuls-/Pauseverhältnisses der Hochstromschalter erreicht. Trotz nachfolgender Filterung ergeben sich trotzdem Oberwellen in der Netzspannung. Je mehr WKA in Betrieb sind desto stärker die Oberwellen. Die Oberwellen im Netz gefährden die ordnungsgemäße Funktion von Geräten im öffentlichen Netz und müssen so gering wie möglich gehalten werden, was bei Landanlagen im Verbundnetz leichter gelingt als bei Inselanlagen.

Dazu kommt, dass man für die geregelten Speicherpumpen nicht Voithgetriebe sondern Frequenzumrichter einsetzt. Diese sind prinzipiell ähnlich den Wechselrichtern. Sie haben in der steuerbaren Ausgangsfrequenz ebenso Oberwellen wie die WKA, da die Sinusform des Stroms durch Modulation des Impuls-/Pauseverhältnisses der Hochstromschalter erreicht wird. Hier begrenzt sich die Schädlichkeit auf die Antriebsmotore der Speicherpumpen, die dann eine höhere Wärmeabfuhr erfordern, also eventuell ein Kühlgebläse oder größere Motorauslegung. Die Schädlichkeit für das Netz ergibt sich aus der Gleichrichtung des Drehstroms zur Ladung des Zwischenkreises. Der Ladestrom ist nicht sinusförmig und daher oberwellig. Beide, also WKA plus FU  zusammen, ergeben in dem kleinen Inselnetz eine unheilvolle Mischung, der man nur mit Begrenzung der Pumpleistung entgegnen kann. Nun wird man sagen Voithgetriebe seien nicht Stand der Technik und man könnte große Motore mit 1,5 MW nicht im Inselnetz einschalten. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass man einen solchen Motor von einem kleinen Anwurfmotor auf Drehzahl bringen kann und dann erst einschaltet. Die Lastfreiheit des Motors kann man durch Einfahren des Ölringschöpfrohres ins Voithgetriebe garantieren. Dann ergibt sich keine Oberwelligkeit im Netz durch diesen Antrieb.

Jetzt die Praxis. Nur eine Einführung !

Wir starten das Simulationsprogramm „Hierro.exe“

Sie finden es hier  bzw. hier

Achtung ! Zahlensystem : Englisch (USA) Visualbasic für Windows 6.0

F          Netzfrequenz

WE      Windeinfluß von Speichermanager auf Turbine

FE        Frequenzeinfluß Drehzahlregler Turbine

PT       Turbinenleistung

PW      Windleistung

PP        Pumpleistung

Auf die Leistungsverteilung achten.

Wir fahren jetzt die Anlage an. Wasserturbine Betrieb                   F=50 Hz

Wir fahren die Netzlast hoch auf 3 MW.                                        F=49,348 Hz  WE=0.0 MW FE=3,0 MW

                                                                                             PT=3 MW

Wir schalten den  Speichermanager ein. Windeinfluß Laden/Entladen

Wir schalten den Frequenzeinfluß auf die Speicherpumpen ein. Frequenzeinfluß

Wir steigern die Netzleistung auf 4 MW                                       F=49,783 Hz WE=3,0 MW FE=1,0 MW

Wir stellen den Turbinendrehzahlsollwert auf 3013,1 U/min             F=50 Hz WE=3,0 MW FE=1,0 MW

                                                                                             PT=4 MW

Wir fahren jetzt die Windanlage an. WKA-Betrieb

Wir fahren die Windanlage auf 3 MW.                                          F=50 Hz WE=0,0 MW FE=1,0 MW

                                                                                             PT=1 MW PW=3 MW

Wir fahren die Windanlage langsam auf 8,5 MW                            F=50 Hz WE=0,0 MW FE=1,0 MW

                                                                                             PT=1 MW PW=8,5 MW PP=5,5 MW

Wir sind jetzt an der oberen Grenze der Netzbelastung  bei 4 MW Netzlast angekommen. Alle Pumpen laufen. Die geregelten Pumpen sind auf 3 MW (rote Warnung). Wenn jetzt eine Böe die Windleistung auf  9,5 MW erhöht dann ist Not angesagt. Die Turbine wirft dann 1 MW ab und hat dann Leistung 0 MW. Die Pumpen können nicht mehr höher. Nichts regelt mehr die Frequenz.

Wir fahren die Windanlage auf 9,5 MW                                        F=50,218 Hz WE=0 MW FE=0,0 MW

                                                                                             PT=0 MW PW=9,5 MW PP=5,5 MW

Jetzt aber in letzter Not eine WKA abwerfen. Wir sind gerettet. Wenn wir nicht eine WKA abwerfen folgt vielleicht folgendes. Das Netz verliert 0,5 MW Last durch den Ausfall einer Speicherpumpe.

Die Netzlast auf  fällt auf 9,0 MW                                                F=52,518 Hz WE=0 MW FE=-10,44 MW

                                                                                             PT=0 MW PW=9,5 MW PP=5,0 MW

Wir haben den Schwarzfall.

Weitere Versuche können jetzt alle Interessierten selbst vornehmen. Aber bitte bekommen Sie keinen Nervenzusammenbruch.

In der Dateianlage zu dieser Arbeit befinden sich die folgende Dateien :

setup.exe     hier                 Das Windows-Installationsprogramm

ElHierro.CAB    hier          Die Programmdatei zur Installation

Beide bitte in ein neues Verzeichnis herunterladen und dann setup.exe starten.




Seit 30 Jahren erfolgt laut DWD- Daten die Forsythienblüte in Hamburg immer später.

Bild rechts: Blütenbeginn im Ostalbkreis erst am 5.April. Foto Kowatsch

Die Forsythie ist eine vom Deutschen Wetterdienst benutzte Zeigerpflanze für den Erstfrühlingsbeginn im März Eigentlich ist die Forsythie nicht besonders geeignet als Erstblütenbetrachtung, der DWD hat sie auch nicht ausgesucht, denn er erhielt mehr zufällig die lange Datenreihe. Und mit schöner Regelmäßigkeit behauptet die politisch besetzte Führungsriege des Deutschen Wetterdienstes einen früheren Frühlingsbeginn der Forsythienblüte an der Lombardsbrücke inmitten der großen Wärmeinsel Hamburg. Der immer frühere Beginn sei ein eindeutiger Beweis der Klimaerwärmung, die wiederum ausschließlich CO2 bedingt wäre.

Wir sind der Sache nachgegangen und haben uns zeitraubend die Daten seit 1980 aus einem Diagramm des Hamburger Bildungsservers besorgt. Die vielen uns angebotenen links in das DWD-Archiv endeten im Nichts bzw. auf der ersten Seite der Homepage. Eine einfache telefonische oder mail-Übermittelung beim DWD oder direkt beim Phänologen fand trotz mehrmaliger Anfrage auch nicht statt. Die Daten der letzten vier Jahre mussten wir uns einzeln aus den Tageszeitungen besorgen, wo man jedesmal auch lesen konnte, dass der Blütenbeginn sich verfrüht hätte. 2016 erhielten wir erst nach langem Suchen durch den Hinweis eines EIKE-Lesers.

Abb. 1: Vorsicht, nicht verwechseln, die violette Trendlinie steigt, das bedeutet aber nicht Erwärmung. Auf der linken senkrechten y-Achse sind nicht die Temperaturen aufgetragen, sondern die Kalendertage nach Neujahr. Je mehr Kalendertage, desto später der Forsythien-Blütenbeginn.

Die Überraschung ist groß. Die Hamburger Daten zeigen eine Verspätung seit 1987 und nicht die stets in allen Medien behauptete Verfrühung. Können die weniger naturwissenschaftlich ausgebildeten Reporter der Medien die Diagramme nicht lesen? Eine mögliche Erklärung des Sachverhaltes geben wir am Schluss des Artikels.

Wir stellen hier nur fest: Obwohl die Beobachtungsreihe mitten in der großen Wärmeinsel Hamburg aufgenommen wurde, und damit gar nicht die Bedingungen einer objektiven Beobachtung erfüllt, ist der Blütenbeginn genauso wie wir es bei anderen Frühblühern der freien Fläche beschrieben haben: http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/fruehlingsbeginn-in-deutschland-zeitiger-oder-leicht-verspaetet/

Seit 30 Jahren kommt das Frühjahr mit seinen Erstblühern etwas später und nicht früher, freilich bei sehr großer Streuung. Der Blütenbeginn der Forsythie verzögert sich sogar in der großen Wärmeinsel Hamburg.

Der Grund ist einleuchtend und logisch: Die Forsythienblüte verzögert sich, weil die Temperaturen der beiden Vorfrühlingsmonate laut DWD leicht fallend sind. Das zeigt das nächste Diagramm.

Abb. 2: Das Diagramm zeigt den Durchschnitt des Monates Februar und März. Im Spätwinter/Vorfrühling (Februar und März) blieb die von den „Klimamodellen“ vorhergesagte Erwärmung in Deutschland bislang aus. Die zusammengefasste Trendlinie beider Monate ist leicht fallend (nicht signifikant; sehr große Streuung!), sie deutet ein leichtes Kälter werden in den letzten 30 Jahren an.

Sinkende Temperaturen führen in aller Regel zu einem verspäteten Frühlingsbeginn.

Erg: Die vom DWD beobachtete Forsythienblüte der Stadt Hamburg zeigt seit 1987 einen deutlich verspäteten Frühlingsbeginn. Alle Veröffentlichungen in den Medien, dass just dieser Strauch an der Lombardsbrücke immer früher dran wäre, sind falsch.

Zur Vergewisserung suchten wir nach einer weiteren Forsythienreihe und wurden fündig. Der Phänologe Georg von Petersdorff-Campen in Seesen/Kirchberg schickte uns gerne seine eigenen Beobachtungsdaten der Forsythienblüte zu. Der Ortsteil Kirchberg hat 550 Einwohner und liegt südwestlich vom Harz. Bei der folgenden Grafik wieder beachten: Nach oben sind die Tage nach Neujahr aufgetragen. Je höher der Ausschlag, desto später der Blühbeginn. Eine steigende Trendlinie heißt Verspätung des Frühlingsbeginns.

Abb. 3: Seit 30 Jahren erfolgt die Forsythienblüte auch in Seesen/Kirchberg immer später, obwohl die letzten 3 Winter relativ mild waren. Die Beobachtung stimmt mit der Verspätung der Forsythienblüte in Hamburg überein. Wie zu erwarten ist der Blütenbeginn im eher ländlichen Kirchberg gegenüber der großen Wärmeinsel Hamburg allgemein um gut eine Woche später. Datenquelle: Phänologe Georg v. Petersdorff-Campen.

Ergebnis: Auch die Forsythienblüte in Seesen/Harz ist seit 30 Jahren verspätet, ganz wie dies nach dem Temperaturdiagramm 2 der beiden Vorfrühlingsmonate zu erwarten ist.

Ebenso mitbestimmend sind der Photoperiodismus (Tageslänge!) sowie die Sonnenscheindauer und der UV- Anteil im Sonnenlicht (wirkt blühhemmend!), Feuchtigkeit und Nachtfröste sowie trohische Faktoren (Nährstoff- Versorgung im weitesten Sinne). Auch die gestiegene CO2-Konzentration der Luft dürfte in den letzten 3 Jahrzehnten bei Gehölzen die Blühwilligkeit gefördert haben; was indirekt nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit in Richtung einer leichten Verfrühung wirkt. In einem weiteren Frühlingsartikel, dessen Erscheinen für Ende April/Anfang Mai geplant ist, werden wir die Ursachen der Temperaturänderungen im Erst- und Vollfrühlingsmonat April erklären. Wir werden darin auch erklären, warum die Natur wegen sehr milder Winter nicht zwangsläufig aus dem Takt gerät, und warum eine Erwärmung viel mehr Vor- als Nachteile für Flora und Fauna hätte.

Ergebnis: Der Erstfrühling beginnt in Deutschland seit 30 Jahren etwas später. Alle Märzblüher wie Forsythien, Märzenveilchen, Buschwindröschen sind leicht verspätet. Wir führen das hauptsächlich auf die seit 30 Jahren insgesamt etwas kälter werdenden Monate Januar, vor allem aber Februar und den März zurück.

Teil II:

Wie kommt der DWD zu den gegenteiligen Behauptungen bei den Forsythien?

Im Gegensatz zu uns behauptet die Führungsriege und vor allem die Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes das genaue Gegenteil. Der DWD bietet auf seiner Homepage die folgende Grafik für Deutschland an. Das Diagramm beginnt 1951. Die Daten Deutschlands unterscheiden sich geringfügig vom Standort Hamburg/Lombardsbrücke.

Abb. 4: Seit 1951 verfrüht sich die Forsythienblüte in Deutschland. Quelle: http://tinyurl.com/Phaenologische-Jahreszeiten.

Anzumerken ist, dass es seit 1951 keine Beobachtungsreihen von Forsythien in Deutschland gibt, außer einer, nämlich dem Standort Hamburg/Lombardsbrücke. Der DWD hat obige Datenreihe auch durch eine Homogenisierung der Hamburg-Daten auf ganz Deutschland und aus neuzeitlichen Ergänzungen vieler anderer Standorte erhalten.

Kann man insbesondere aus den Hamburger Daten auf einen verfrühten Frühlingsbeginn seit 1951 und auf eine Klimaerwärmung schließen so wie die politische Führungsregie des DWD das stets behauptet? Selbst der DWD-Forsythien-Phänologe Jens Iska-Holtz, der die Hamburg-Daten erstellt, sieht das skeptischer.  Am 4. 3. 2012 hat er gegenüber einem Reporter von "Die Welt" erklärt: "…Dieser Trend zum Immer-früher-blühen (seit 1951) dürfe allerdings nicht allgemein als Zeichen des Klimawandels angesehen werden, sondern sei eine Besonderheit des urbanen Standorts, der andere Bedingungen für die Blüten schaffe. Die Umwelt‘ dieses urbanen Standortes wird ganz wesentlich durch die Stadt und ihre Temperaturen bestimmt…“ http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13901980/Fruehling-ist-wenn-die-Forsythien-bluehen.html .

Hier zeigt sich erneut, dass die Sachkenner die Daten oft anders beurteilen als die politische DWD-Führungsriege, die ständig Beweise einer CO2-erwärmung finden wollen.

Nicht nur die Wärmeinsel Hamburg verfälscht die Datenreihen, sondern auch das Startjahr 1951 in der DWD-Grafik ist entscheidend. Wir haben beschrieben, dass die deutschen Temperaturen der letzten 100 Jahre einen sinusähnlichen Schwingungsverlauf zeigen mit einer Kältedelle in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Und dieses Kälteloch zieht der DWD gerne für seine Betrachtungen heran. So auch bei der Forsythienblüte inmitten der Großstadt Hamburg. Nicht nur die Wärmeinsel Hamburg treibt den Blütenbeginn zeitlich nach vorne wie der DWD-Phänologe zu bedenken gibt, sondern auch das kalte Startjahr 1951 mit den kalten Folgejahren. Die Temperaturen sind heute höher als inmitten des Kältelochs 1951, sie waren es aber auch zu Beginn des 20 Jahrhunderts. Das zeigt uns das nächste Diagramm der beiden Vorfrühlingsmonate Februar und März.

Abb. 5: Aufgetragen ist der Durchschnitt der beiden Monate Febr./März=Vorfrühling. Um die Mitte des letzten Jahrhunderts verhielten sich die beiden Vorfrühlingsmonate genauso wie die anderen Monate. Sie waren kälter als heute, aber auch kälter als zu Beginn des Jahrhunderts. Der Verlauf ist nach den Originaldaten des Deutschen Wetterdienstes gezeichnet, also nicht einmal wärmeinselbereinigt.

Verlassen wir das Kälteloch als Betrachtungsbeginn. Es wurde wärmer, aber seit über einem Jahrzehnt auch wieder kälter. Der neuzeitliche Wärmehöhepunkt ist überschritten. Wir wollen wissen, seit wann die Forsythienblüte in Hamburg stagniert. Zur Info: der Standort Lombardsbrücke markiert den alten Verlauf der Stadtmauern Hamburgs und ist ein zentraler Ort der heutigen Stadt.

Abb. 6: Seit 1982, also seit 35 Jahren bereits haben wir bei der Forsythienblüte inmitten der Stadt Hamburg eine Stagnation. Der geringe Anstieg der Trendlinie=sehr leichte Verspätung ist nicht signifikant. Nächstes Jahr werden es aber 36 Jahre Stagnation sein. Im Schnitt erfolgt die Forsythienblüte inmitten der Großstadt Hamburg am 79.ten Tag nach Neujahr, das entspricht außer in Schaltjahren dem 20. März.

(Anmerkung: Der Blühtermin für 2016 ist von uns aufgrund Vergleichen mit anderen Beobachtungen auf den 22. März=82 Tage taxiert.)

Es ist bedauerlich, dass eine seriöse Behörde wie der Deutsche Wetterdienst durch eine fehlgeleitete Führungsriege die Deutsche Bevölkerung, aber wohl auch die Medien falsch informiert.

Denn wie in www.wetterspiegel.de, in einem Artikel vom 2.März 2016 über „Die Sprache der Pflanzen –Phänologie“ liest man nahezu überall diese Falschnachricht: „Tatsächlich gibt es bei den jahrelangen Beobachtungen der Blütenentwicklungen einen Trend, der zu einer deutlich früheren Blütenbildung tendiert. Grund dafür sind die milden Winter der letzten Jahre.“

Tatsache ist: Es gibt in den Phänologiedatenreihen der Forsythie auch beim DWD keinen Trend zur früheren Blütenbildung in den letzten Jahren, sondern seit gut 30 Jahren einen Trend zur späteren Blühentwicklung. Durch die drei letzten milden Winter wurde der Trend zur späteren Blüte nur etwas abgebremst.

Gesamt:

  1. 1) Seit 35 Jahren gibt es keine Verfrühung der Forsythienblüte in Hamburg mehr. Seit 35 Jahren ist die Trendlinie eben und zeigt keine signifikante Veränderung. Seit 35 Jahren argumentieren die Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes gegen die eigenen Daten, indem sie stets aufs Neue behaupten, dass die Erstblüte der Forsythie immer früher wäre und der Trend zur weiteren Erwärmung wäre ungebrochen.

2) Bei der kleinen Klimabetrachtungseinheit von 30 Jahren haben wir sogar eine nach oben steigende Trendlinie, die zeigt, dass sich seit 30 Jahren die Forsythienblüte auch in der Stadt Hamburg verspätet hat.

3) Bei einer Betrachtung seit 1951 müsste die richtige Antwort des DWD an die Medien lauten: Der Blütenbeginn des Forsythienstrauches in Hamburg hat sich bis 1980 verfrüht, seit 35/36 Jahren zeigt er eine Stagnation.

Josef Kowatsch, Naturbeobachter und unabhängiger Klimawissenschaftler

Stefan Kämpfe, Naturbeobachter und unabhängiger Klimawissenschaftler.




Klima-Sozialismus – Eine Buch-Rezension

Dient das alles nur der offensichtlich beabsichtigten Reduzierung von Leben auf dieser Erde oder ist es gar ein von langer Hand geplanter Völkermord verrückt gewordener, selbsternannter Gutmenschen?

Die beiden Autoren Gerhard Breunig und Dieter Ber führen den Kampf gegen die Mär der drohenden, vom Menschen verursachten Klimakatastrophe faktenreich fort. Sie legen schlüssig dar, dass die Schauermärchen nur einer kleinen Machtelite und den davon – vor allem – profitierenden NGOs nützen und zeigen auf, wie notwendig es ist, sich gegen den modernen „großen Sprung nach vorn“ zu wehren. Denn tun wir das nicht, ist der Weg in eine ungeahnte Armut für Millionen von Menschen nur noch eine Frage der Zeit.“

So wird das Buch „Klimasozialismus“ auf der Homepage des Verlages beschrieben – und wenn man die Lektüre der in der Tat verstörenden Fakten und Hintergründe gelesen hat, dann kann man den beiden Autoren nur zustimmen.

Das Buch von Gerhard Breunig und Dieter Ber zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass dem „Klima-Laien“ und dem interessierten Leser, der noch nicht so tief in den „Dschungel des Wahnsinns“ eingedrungen ist, vermeintlich komplizierte Zusammenhänge einfach und verständlich näher gebracht werden. Es macht dem nicht wissenschaftlich „vorbelasteten“ Leser (auf auch erheiternde Weise) klar, dass der Klima-Schwindel nur einer kleinen Gruppe von vermeintlichen Klima-Gutmenschen nützlich ist – in Form von Milliardengewinnen und allerlei Auszeichnungen und Ehrungen, die den narzisstischen Selbstbeweihräucherern nur allzu gut zu Gesicht stehen.

Lassen Sie sich nicht täuschen vom angeblichen menschengemachten Klimawandel. Nachdem Sie dieses Buch gelesen haben, haben Sie die Grundlagen, um den Schwindel zu entlarven. 

Gerhard Breunig, Dieter Ber "Klimasozialismus; Massenarmut – Millionen Tote – Niedergang der Kulturen. Was bezweckt der weltweite CO2-Schwindel wirklich? 294 Seiten als Hardcover erschienen im Juwelenverlag unter der ISBN Nr, 978 3 945822-38-8

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