„In gewisser Weise kann der Klimawandel jetzt als eine weitere Massenvernichtungswaffe betrachtet werden, vielleicht sogar als die fürchterlichste Waffe der Welt“

Die Gleichsetzung einer gezielt eingesetzten Massenvernichtungswaffe mit Umwelt-Risiken, die für Zivilisationen immanenten bestehen, ist eine voillkommen schiefe Denkfigur – und die setzt die westlichen Industrienationen mit Terror-Regimen gleich. Bekannt ist diese Argumentationsschiene auch wenn es um andere Probleme in der Welt geht. Beispielsweise wenn in fernen Ländern Menschen hungern.  Der Hunger wird dann bevorzugt als westlicher “Massenmord” gegeißelt. Außer acht bleibt dabei, dass in der Regel korrupte oder kriminelle Regime vor Ort verhindern, dass die Menschen sich selbst ernähren und ihre Felder ungestört bestellen können. Dennoch werden die Bewohner der Industrieländer als Mörder dargestellt.

Und das tut letztlich auch John Kerry mit seiner Bemerkung, die er nicht zufällig in Indonesien machte. Beim Klima wird der höhere Kohlendioxid-Ausstoss des Westens als Beweis der westlichen Schuld für eine – wie auch immer geartete Klimaveränderung – angefüht. Doch die Waren- und Energieströme einer globalisierten Welt entziehen sich einfachen Aufrechnungen. Die Ressourcen, die da in den reichen Nationen verbraucht und verfeuert werden, sind ja oft Rohstoffe, auf deren Export die Entwicklungsländer dringend angewiesen sind. Selbst Bananen werden nicht zu uns gezaubert, sondern kommen mit Schiff und LKW. Verzichten die Europäer zugunsten des Apfels, bleiben die Produzenten in Südamerika oder Afrika auf ihren Bananen sitzen. Umgekehrt mag ein europäischer Pharmaforscher mit seiner Arbeit einen großen “ökologischen Fußabdruck” hinterlassen, das Ergebnis – etwa ein neues Medikament – kommt aber Menschen in aller Welt zugute.

Nicht zu vergessen generierte das Kohlendioxid-intensive westliche Wohlstandsmodell auch jene Entwicklungshilfe-Billionen, die in Entwicklungsländer floßen und fließen – dort bei den Armen aber nur selten ankamen. Jetzt hat beispielsweise Angela Merkel weitere Milliarden in Aussicht gestellt – nur heißt die Entwicklungshilfe jetzt “Klimahilfe” – und wird wohl genauso in den Taschen der Eliten versanden.

Auch das Ende des Ferntourismus wäre für viele arme Länder eine Katastrophe. Die afrikanischen Nationalparks beispielsweise verdanken ihre Existenz dem Ferntourismus. Fallen die Einnahmen daraus weg, werden Wilderei und landwirtschaftliche Nutzung in diesen Gebieten sofort wieder zunehmen.

Genau wie die vagabundierenden Kapitalströme gibt es auch immer mehr vagabundierende Energie, die sich nicht so ohne Weiteres einem Land zuordnen lässt. Das beste Beispiel ist der Flugverkehr. Nach dem Konzept des “ökologischen Fußabdruckes” schädigt ein indischer Geschäftsmann, der nach Deutschland fliegt, die Umwelt erheblich weniger, als ein deutscher Geschäftsmann, der nach Indien fliegt.

Vergleiche des Klimawandels mit Terror und Krieg gehören seit Jahren zum eingeübten rhetorischen Repertoire. Der britische Thronfolger Prinz Charles spricht von einem „Krieg, den wir einfach gewinnen müssen“, und der britische Umweltminister zog 2007 Parallelen zum Zweiten Weltkrieg: „Wenn es so schlimm kommt wie vorhergesagt, dann müssen wir möglicherweise zu Rationierungsmaßnahmen zurückkehren.“

Doch auch außerhalb der Heimat der Sensationspresse nehmen die Anhänger der Kriegsvergleiche zu. Hans Joachim Schellnhuber, Klimaberater der deutschen Regierung, verkündete: „In diesem Jahrhundert wird es keine friedliche Weltgesellschaft geben, wenn wir den Klimawandel nicht begrenzen können.“ Die ehemalige deutsche Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul meinte: „Der Klimawandel ist das größte Sicherheitsrisiko“ Und Hans Blix, der ehemalige UN-Waffeninspekteur, hielt die globale Erwärmung ebenfalls schon vor Jahren „für gefährlicher als Massenvernichtungswaffen“. Wer gegen solche Äußerungen Vorbehalte hat, ist als Menschenfeind und Kriegstreiber entlarvt.

Vokabeln wie „Verteidigungslinie“, „Gnadenfrist“, „Rückzug“ oder „Stillhalteallianz“ durchziehen auch die Berichterstattung der Medien. „Es wird nicht nur ein abstraktes Kriegskonzept, sondern eine konkrete und variationsreiche Militär-Metaphorik in den Zusammenhang integriert“, schreibt der Wissenschaftssoziologe Peter Weingart in seinem Buch „Von der Hypothese zur Katastrophe“. Die britische Sprachwissenschaftlerin Suzanne Romaine spricht von „Greenspeak as warspeak“ (Frei übersetzt: „Grünsprech als Kriegssprech“).

Die Beliebtheit der Kriegsmetaphern ist wohl kein Zufall. Seit dem Ende des Kalten Krieges im Jahre 1989 mangelt es der Politik des Westens zusehends an einer mitreißenden Idee, gleichsam einer neuen Utopie. Und diese glaubt man jetzt offenbar gefunden zu haben. Der negativen Utopie der Klimakatastrophe soll mit einer gemeinsamen Anstrengung, nämlich dem Projekt der Weltrettung, begegnet werden. Der verstorbene Soziologe Ulrich Beck bezeichnete die Klimapolitik treffend als eine „Sinnressource für die delegitimierte und von Vertrauensverlust gezeichnete Politik“.

Die gegenwärtige Politik schafft es weder die Krankenkassenbeiträge langfristig zu stabilisieren, noch ein schlüssiges Rentenkonzept vorzulegen. Sie rudert angesichts der Lage in Griechenland hilflos mit den Armen, sie türmt Schulden auf Schulden . Sie agiert in der Ukraine ebenso hilflos wie im Umgang mit den Mörderbanden der IS und dem Zerfall der arabischen Welt. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass es auf viele dieser Krisen, keine einfachen Antworten gibt, dass man sich gleichsam auf Sicht durchwursteln muss. Doch ausgerechnet eine Politik, die uns das Tag für Tag vorführt, gibt vor, die Welttemperatur des Planeten in 100 Jahren regulieren zu können. Geht’s eigentlich noch anmaßender?

Wahrscheinlich hat der rhetorische Elan auch andere Gründe: Man kann mit dem sogenannten Klimaschutz alles rechtfertigen, jedes Verbot, jede Steuererhöhung, jede noch so stümperhafte „Energiewende“. Kurz: Man kann die Menschen auf einen Horizont niedriger Erwartungen einstimmen. Also auf etwas, das man ohnehin für geboten hält. Während die Menschen die Sinnhaftigkeit beispielsweise der Europapolitik zeitnah überprüfen können, ist eine Erfolgskontrolle beim Klimaschutz – wenn überhaupt – erst in 100 Jahren möglich. Eine beruhigende Aussicht für jeden Politiker, der wiedergewählt werden will.

Übernommen von ACHGUT hier

Vom Autor erschien zuletzt das Buch “Alles Grün und Gut? Eine Bilanz des ökologischen Denkens