Prof. Martin Visbeck gehört zu den von den deutschen Medien gesuchten Interviewpartnern. Kein Wunder angesichts seiner beeindruckenden Auszeichnungen und Gremienzugehörigkeiten (hier). In einem Interview verstieg sich allerdings dieser "Experte" auf eine Zukunftsvorhersage für Meeresspiegel, die selbst den bekannten sachlichen Unsinn des IPCC noch weit in den Schatten stellte.

Hierauf wurde Klaus Puls (Dipl.-Meteorologe) aktiv. Er schrieb Visbeck an und bat um nähere Erläuterung seiner Prognosen (hier). Die Antworten Visbecks waren ausweichend, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Daraufhin bat Klaus Puls seinen Freund und EIKE-Kollegen Prof. Horst-Joachim Lüdecke um Mithilfe. Lüdecke ist Verfasser einer Handvoll begutachteter Fachbeiträge in internationalen Klimajournalen (hier) und erschien daher als geeigneter Ansprechpartner für Visbeck. Mit den fast nicht mehr zählbaren Fachveröffentlichungen Visbecks konnte er als publizierender Pensionär natürlich nicht mithalten. Nun ist Masse nicht unbedingt immer auch Qualität. Wie würde die Sache daher wohl ausgehen?

Die sich ergebende E-Mail-Diskussion findet sich hier. Sie ist seitens Visbeck’s überraschenderweise gekennzeichnet durch Ausweichen, Versuch einer Veröffentlichungsverhinderung, dann mit 180-Grad-Schwenk doch der Zusage von fachlich fundierten Antworten und schlussendlich dem impliziten Eingeständnis seines Scheiterns verbunden mit einer glatten sachlichen Unwahrheit (Visbeck behauptete, er hätte die Fragen Lüdeckes beantwortet, was nicht der Fall war).

Italiener pflegen zu solch schwachem Verhalten achselzuckend und nachsichtig "fa brutta figura" zu sagen. Eigentlich schade, es hätte etwas daraus werden können, denn wir waren alle auf fachlich fundierte Äußerungen des GEOMAR-Experten gespannt. Leider kam nur heiße Luft. Die abschließenden drei Mails (leicht gekürzt) der beiden Diskutanten zur eigenen Beurteilung des Lesers noch einmal nachfolgend, vollständig sind sie nachzulesen hier:

Lüdecke schrieb am 19. Mai 2015:

Sehr geehrter Herr Visbeck,

Frage 1: "Kennen Sie eine begutachtete Fachpublikation, welche die Erwärmung des 20. Jahrhunderts auf ANTHROPOGENE Ursachen zurückführt – nur auf Grundlage von Messungen bzw. Proxy-Daten, ohne Klimamodelle zu Hilfe zu nehmen".

Ihr Alternativvorschlag ist nicht hilfreich. Dass sich Meere erwärmen, wenn sich die Lufttemperaturen erhöhen, ist trivial, darüber muss man nicht diskutieren. Es geht hier um einen möglichen anthropogenen Einfluss. Nur für den hat sich Ihr Interviewer interessiert, nur für den interessiere ich mich im gegebenen Zusammenhang und nur für den interessieren sich die EIKE-Leser. Damit nicht wieder Missverständnisse entstehen: Theoretisch wird dieser Einfluss postuliert, einverstanden. Es geht darum, ob er aus den NATÜRLICHEN Temperaturfluktuationen herausgefiltert werden kann. Ich kenne nur begutachtete Arbeiten, die bestätigen, dass dies nicht möglich ist.

Auch Frage 2 ist nicht schwer zu begreifen. Definieren wir als Vergleichszeitraum einfach die Zeit nach Ende der letzten Eiszeit, also grob 10.000 Jahre zurück. Die Church-Arbeit kenne ich, sie bezieht sich auf den Zeitraum ab 1961, das ist hier irrelevant. Ich hatte ähnlich, wie in Frage 1 um Auskunft gebeten, ob die Bewegungen der Meeresspiegel im 20. Jahrhundert ungewöhnliche Extreme gegenüber den Bewegungen der Klimavergangenheit aufweisen. Auch hier kenne ich keine begutachtete Arbeit, die dies belegen würde.

Beste Grüße

Horst-Joachim Lüdecke

Auf diese Mail hin gab Visbeck schlicht auf, denn er schrieb am 20.Mai 2015 knapp:

Sehr geehrter Herr Lüdecke,

ich glaube ich habe Ihre Fragen beantwortet. Wenn Sie das nicht so sehen sind wir wohl am Ende unserer Kommunikation angekommen.

MfG
M. Visbeck

Da es also keine Beantwortung von zwei absolut unmissverständlichen Fragen gab, schrieb Lüdecke am gleichen Tage zurück:

Lieber Herr Visbeck,

danke für Ihre abschließende Mail. Durch Nichtbeantwortung meiner beiden Fragen haben Sie diese bestens beantwortet. Ich erlaube mir daher zusammenzufassen:  Weder bei Temperaturen noch bei Meeresspiegeln ist ein anthropogener Einfluss feststellbar – allenfalls vielleicht mit Hilfe getunter Klimamodelle. Diese Bestätigung wurde von einem hochrangigen Vertreter der deutschen Klimaforschung – implizit – erhalten. Das ist doch schon mal etwas.

Jeder, der unseren Mailwechsel verfolgt hat, wird sich seinen Teil denken. Einigermaßen vertraut mit der extrem dünnen Argumentationsbasis der Klima-Alarmisten bin ich dennoch überrascht. Etwas mehr fachliche Substanz hatte ich bei so tollen Zukunftsprognosen über unsere Meere schon erwartet. Wird bei GEOMAR eigentlich noch fachlich gearbeitet oder vorrangig Klimapolitik betrieben? Auch interessant wäre zu wissen, ob Sie bei den unzähligen papern, die sich auf Ihrer Webseite finden, aktiv mitgearbeitet haben, oder einfach nur so als Mitautor draufstehen, was ja bekanntlich oft akademischer Usus ist. Schade für die vielen deutschen Vertreter der Klimaforschung, mit denen man sich mit fachlichem Gewinn austauschen kann. Diese werden von den Medien links liegen gelassen, weil sie nicht als Klima-Alarmisten taugen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei weiteren Interviews.

Alles Gute und
Beste Grüße

Horst-Joachim Lüdecke

Fazit:

Das Ergebnis ist weder überraschend, noch unerwartet und schon gar nicht sensationell. Es gibt tatsächlich keine begutachteten Publikationen, die einen maßgebenden anthropogenen Klimaeinfluss ohne Zuhilfenahme von Klimamodellen, in die fiktive Annahmen eingebaut sind, belegen können. Öffentlich sprechen dies bisher und unserer Kenntnis nach aber nur die renommierte Klimaforscherin Judith Curry [1] und der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU) aus [2].

Nebenbei: Die Aussage des WBGU erfolgte 1997. Heute spricht der WBGU nur noch ökoideologischen, sachlichen Quatsch. Der Grund: alle neutralen Klimaexperten sind aus dem Beirat entfernt worden. Jetzt sind Ökojünger dran, wie Kulturwissenschaftler, Umweltpsychologen, "Anthropogeographen" (so etwas gibt es tatsächlich, diese Leute kosten alle den Steuerzahler einen Haufen Geld, man braucht sich über nichts mehr zu wundern). In einem Institut, das sich ernsthaft mit Klima- und den sich daraus ergebenden Umweltveränderungen beschäftigt, sind diese hochgestochenen Experten zweifellos unterfordert, wir wollten eigentlich empfehlen sie zur besseren Verwendung in frei werdende Stellen an Volkshochschulen zu vermitteln, wollen aber den dortigen fach- und sachkundigen Lehrern nicht unrecht tun.

Nun wieder ernsthaft: Angesichts der Faktenlage ist  das "Herumeiern" von Visbeck unverständlich. Er hätte doch den korrekten Sachverhalt, den jeder Klimaexperte mit Fachliteraturhintergrund bestens kennt, ruhig explizit bestätigen können. Dabei wäre ihm kein Zacken aus der Krone gefallen. Doch eigentlich ist dieses Erzeugen von heißer Luft statt Faktennennung auch wieder nicht so überraschend, hat er doch vergleichbar Dünnes tlw. auch Falsches schon bei der Begutachtung einer Dissertation von sich gegeben. Insofern blieb auch der akademische Schuster bei seinem Leisten

Dass er auch diesmal keine "Butter bei die Fische" gab, lässt deshalb entweder einen starken Druck des Öko-Kartells vermuten, das auf gar keinen Fall auch nur den geringsten Fußbreit Boden verlieren möchte, oder Visbeck kann es einfach nicht besser und klammert sich deshalb an nicht ernstzunehmende, weil fiktive "Beweise", die seine Unkenntnis nur noch deutlicher machen. Der Klimagipfel in Paris steht schließlich vor der Tür, und da muss noch einmal kräftig getrommelt werden, wie es uns die ARD vormacht. Ein Bayerischer Tornado weil wir Fleisch essen und kein Müsli, da haben wir’s, hüllen wir uns in Sack und Asche und atmen wir weniger aus, dann wird’s in Bayern wieder schönes Wetter. Rätselhaft bei den zunehmenden Extremwettermeldungen der ARD jedesmal vor Klimagipfeln ist nur die Frage, woher die Natur die Termine dieser Gipfel kennt. 

Wer die DDR-Klimapropaganda der ARD inzwischen noch ernst nimmt, sollte wirklich zum Arzt gehen. Vielleicht könnte uns aber in dieser spannenden Frage nach der Terminkenntnis der Natur Visbeck fachlich weiterhelfen – aber nein, fast schon vergessen, der mag uns ja nicht mehr antworten. Ob mit Leuten wie Visbeck und dem aktuellen WBGU-Beirat das Öko-Kartell gut bedient ist, mag man bezweifeln. Die schaffen ja nicht einmal eine ordentliche Verteidigung ihrer Ökoreligion.

Quellennachweise

[1] Judith Curry: "… die unbequeme Wahrheit, dass keine Zunahmen in Extremwetterereignisen entdeckt wurden und es extrem schwierig ist Wetter- oder Klimaänderungen auf menschgemachte Einflüsse zurückzuführen..", geschrieben auf ihrem Blog (hier) unter "Challenging the 2 °C target" am 3. Okt. 2014.

[2] "Ziele für den Klimaschutz": Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), 1997, 2.1, Seite 8 (hier)

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