Zwei Seiten derselben Medaille!

Vor ein paar Tagen titelten die deutschen Wirtschaftsnachrichten: Max Planck-Ökonom: „Energiewende grenzt an Selbstmord“. Wenige Tage später schreiben die WiWo Green: Grünen Vordenker zieht Bilanz: „Die Energiewende ist ein voller Erfolg“.

Und recht haben beide. Denn während der Ökonom  Axel Börsch-Supan vom Max Planck-Institut für Sozialpolitik die reale Situation vor Augen hat und sieht der Grüne EEG Erfinder Hans-Josef Fell schon die erwünschte Zukunft, denn ökonomischer Selbstmord ist für viele Grüne das Traumziel, das es zu erreichen gilt. Denn nur dann kann der Mensch dem „Konsumterror“ entfliehen und im „Einklang mit der Natur“ leben. Das hat zudem den von vielen erwünschten Nebeneffekt, dass sich der Mensch als Störfaktor der Natur selbst stark dezimiert. Und da kommt die „Energiewende“ gerade recht.

Wer einen Einblick in die Gedankenwelt von grünen Weltenrettern nehmen will, lese das ganze Interview mit Hans-Josef Fell in WiWo Grün. Hier ein paar Auszüge

WiWo-Green: Viele Kritiker meinen, die Energiewende habe mit der von Ihnen angesprochenen Ökonomie überhaupt nichts zu tun. Schließlich wird Ökostrom zu einem staatlich festgesetzten Preis ins Netz eingespeist. 

Fell: Die Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren kommt mit der Technikentwicklung automatisch, wir haben sie durch das EEG nur massiv beschleunigt. Es wird zunehmend attraktiver, Wind- und Solaranlagen jenseits der EEG-Gesetzgebung zu bauen. Die Einspeisevergütung wird sich also nach und nach selbst abschaffen.

WiWo-Green: Aber billiger als Braunkohle sind Wind und Sonne noch nicht.

Fell: Wind- und Sonnenstrom sind schon lange billiger als Kohleenergie, aber eben nicht am Markt. Die externen Kosten, die durch Klima- und Gesundheitsschäden entstehen, sind nicht einberechnet. Die Politiker haben es nicht geschafft, diese Schadenskosten in den Markt zu integrieren. Aber selbst ohne Einberechnung der externen Kosten bei den Fossilen werden Sonne und Wind jetzt allmählich wettbewerbsfähig. 

WiWo-Green: Da wenden viele Kritiker ein, dass wir für die Erneuerbare-Energien-Anlagen doch auch noch Speicher brauchen – und neue Netze und Kraftwerke, die einspringen, wenn mal kein Wind weht. Das wird teuer.

Fell: Wir haben aber früher auch mit zwei D-Mark pro Kilowattstunde die Spitzenlast aus Pumpspeicherkraftwerken erzeugt. Das ist also nichts Neues, dass Strom teuer ist, wenn es einen hohen Bedarf gibt. Diese Pumpspeicherkraftwerke sind teuer, aber sie wurden trotzdem gebaut, so dass sie nachts Atomstrom aufnehmen konnten, den niemand brauchte. Neue Netze und Speicher sind nicht umsonst. Aber Atomkraftwerke waren es auch nie. Deren Kosten werden die gesamte Gesellschaft noch Jahrzehnte verfolgen, zum Beispiel bei der Müllentsorgung.

Abb. 1: Verlauf der „Erneuerbaren Energie“ Produktion und Elektroenergie bedingte CO2 Emissionen. Auffällig ist keinerlei Veränderung der CO2 Emissionen, trotz 3,5 facher Steigerung der Produktion „Eneuerbarer“ Energie. Quelle Statista Erhebung durch BDEW, Statistisches Bundesamt, AGEB

Fell: ….Wenn wir uns das ganze System ansehen und die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten betrachten, sind Erneuerbare billiger als Atomstrom und Kohle…. Durch den Einsatz Erneuerbarer Energien hingegen konnten im Jahr 2011 Umwelt- und Gesundheitsschäden in Höhe von elf Milliarden Euro vermieden werden…usw. usw…

Dazu ein Zitat des Grünen Vordenkers und Autor des Weltbestsellers "Die Bevölkerungsbombe" Paul Ehrlich:

"Der Gesellschaft billige, reichliche Energie zu geben ist das Gleiche wie einem idiotischen Kind ein Maschinengewehr zu geben."

(Paul Ehrlich zitiert von R. Emmett Tyrrell in "The American Spectator", 6. September 1992)

 

Abb. 2. Verlauf der Brutto Elektro-Energie Produktion und Elektroenergie bedingte CO2 Emissionen. Auffällig ist der unbedingte Gleichlauf beider Größen. Quelle Statista Erhebung durch BDEW, Statistisches Bundesamt, AGEB

Der Max Plank Wissenchaftler sieht das realsitischer, nämlich von der Warte der Betroffenen, die die Energiewende bezahlen müssen und dazu noch ihren Job verlieren könnten oder bereits verloren haben.

„Die große Koalition schwächt mit ihrer Politik den Wirtschaftsstandort Deutschland. Das gilt insbesondere für die Energiewende, die an Selbstmord grenzt. Aber auch in der Beschäftigungs- und Sozialpolitik werden die Reformerfolge der Agenda 2010 verfrühstückt. Sozialleistungen müssen nun einmal aus dem Bruttoinlandsprodukt bezahlt werden. Dieser Grundsatz wird gerade mit Füßen getreten.”

Ähnlich harte Worte kommen aus dem Ifo-Institut. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn bezeichnete die Energiewende in dem Blatt als einen „unfassbar teuren Irrweg“.

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, bezeichnet die Energiewende als „Planwirtschaft ohne Plan mit falschen Anreizen, die die Energiewende für die Wirtschaft und Bürger unnötig unerträglich teuer macht”.