Süddeutsche Zeitung, Klima und real existierender Sozialismus

Übertrieben? Wohl kaum, wie es das jüngste Beipiel „Wandlung eines Zweiflers“ in der Mittwochs-Ausgabe der SZ vom 1. August 2012 belegt. Der Autor ist Prof. Richard Muller von der renommierten US Universität Berkeley, der in diesem Artikel haarsträubenden sachlichen Unsinn von sich gibt. Die SZ schluckt diese leicht erkennbaren Fragwürdigkeiten nicht nur, sondern dient sie – warmherzig ins Deutsche übersetzt – ihren Lesern an. Dass die renommierte New-Yorck Times ebenso verfährt, kann nicht als Entschuldigung gelten, diese Zeitung gehört, was Klimaartikel betrifft, in die gleiche Kategorie wie die SZ. In der SZ schildert R. Muller seine Wandlung von Klimazweifler zum überzeugten Erwärmungsadepten (Saulus – Paulus). Paulus verkündet nun, dass der Klimawandel des 20. Jahrhunderts nur mit menschlichem Einfluss erklärbar sei. Dass R. Muller niemals zuvor als Klimaskeptiker in Erscheinung trat, sei nur am Rande erwähnt.

Aber der Reihe nach! Muller verfasste im Herbst 2011 mit Mitautoren, unter anderem der renommierten US Klimaprofessorin Judith Curry als zweiter Autorin, 4 Studien über die Temperaturentwicklung ab Mitte des 19. Jahrhunderts, die die folgenden Titel trugen:

– „Earth Atmospheric Land Surface Temperature and Station Quality“

– „Berkeley Earth Temperature Averaging Process“

– “Influence of Urban Heating on the global Temperature Land Average Using Rural Sites Identified from MODIS Classifications”

und schließlich

– “Decadal Variations in the Global Atmospheric Land Temperatures”

Diese Studien laufen in der Fachwelt unter dem Kürzel BEST (hier). Anstatt, wie es die wissenschaftliche Etikette fordert, erst grünes Licht der Begutachter der BEST Studie, die von Muller zur Veröffentlichung eingereicht wurde, abzuwarten, ging Muller sofort in die Offensive. Er alarmierte die Presse und trat eine Propaganda-Kampagne für BEST los.

J. Curry distanzierte sich unmittelbar darauf (hier) von diesem absolut unmöglichen Vorgehen R. Mullers, weitere massive Distanzierungen von Muller seitens J. Curry folgten (stellvertretend hier). Es war unübersehbar, dass der „Krach“ zwischen erstem und zweiten Autor, der anfänglich nur notdürftig gekittet wurde, inzwischen wohl nicht mehr zu beseitigen ist. Fakt ist indessen:

BEST wurde wegen schwerer Mängel bis heute von Fachzeitschriften die Veröffentlichung verweigert (hier).

Unter zahlreichen weiteren Mängeln ist stellvertretend für diese Ablehnung die Zurückführung von Klimaänderungen auf Vulkanausbrüche zu nennen, wobei R. Muller salopp das verursachende Ereignis (Vulkanausbruch) zeitlich hinter die Klimabeeinflussung legte. Selbst der SZ in ihrer Klimablindheit hätte dieser Kindergarten-Fehler auffallen müssen (Einzelheiten hier). Die SZ hat somit einen leicht erkennbaren Fehler, der es allein schon verbietet, den Artikel von R. Muller zu veröffentlichen, bewusst oder unbewusst in ihrem Klima-Sendungsbewusstsein nicht wahrgenommen oder wahrnehmen wollen.

Pikant ist in diesem Zusammenhang, dass exakt zur gleichen Zeit wie BEST eine Studie mit ähnlicher Zielsetzung erschien, die von den EIKE-Autoren Prof. H.-J. Lüdecke, Dr. R. Link und Prof. F.-K. Ewert verfasst war. Diese Studie durchlief im Gegensatz zu BEST die Fachbegutachtung erfolgreich und wurde im International Journal of modern Physics veröffentlicht (hier). Ferner wurde sie von Judith Curry freundlicherweise sofort auf ihrem Blog besprochen, wobei sie wie üblich zur allgemeinen Diskussion aufforderte (hier, hier, hier und hier). Die Resonanz war groß, wir haben bei 2000 Kommentaren aufgehört zu zählen. Fehler in der Studie von Lüdecke und Mitautoren wurden von den Bloggern – unter ihnen vielen Fachleuten – nicht aufgefunden. Eine weitere Besprechung erfolgte beim bekannten US Statistiker William Briggs (hier). Auch FOCUS-Online hat die EIKE-Studie zusammen mit BEST einer längeren Besprechung als interessant und berichtenswürdig erachtet (hier). All diese Fakten und Entwicklungen gibt es für die SZ nicht (analog die freie Marktwirtschaft im Gegenatz zum real existierenden Sozialismus im „Neues Deutschland“).

Wie sehen nun die Ergebnisse von Lüdecke et al. aus? Im Grunde ist nichts Weltbewegendes zu berichten, der FOCUS hat dies völlg richtig erkannt. Die Erwärmung im 20. Jahrhundert war gering und völlig ungefährlich ( grob etwa die gleichen Zahlenwerte fand im Übrigen auch BEST). Entscheidend war aber, dass, wie es die in der Studie von Lüdecke et al verwendete, moderne Persistenzmethode ausweist, die Erwärmung überwiegend natürlich war. Über die Natur des „unnatürlichen“ Resteinflusses (Sonne, CO2, UHI usw.) in den letzten 50 Jahren des 20. Jahrhunderts konnte das verwendete Verfahren prinzipiell keine Auskunft geben. Von Klimakatastrophen oder gar einen nachgewiesen anthropogenen Einfluss auf irgendein Klima keine Spur!

Die Erkenntnis der Studie von Lüdecke et al ist indes keineswegs so neu, wie sie erscheinen mag. Schon 1997 bezeugte der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung (WBGU), dass es „sehr schwierig sei, einen menschgemachten Einfluss auf Klimawerte nachzuweisen“ (S.8, hier). Jeder mag diese politisch korrekte Formulierung in den entsprechenden Klartext für sich selber übersetzen. Von 1997 bis heute gibt es keine Fachveröffentlichungen, die das Gegenteil belegen. Die heute „etwas anders“ lautenden Aussagen des WBGU sind nicht neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern der massiven personellen Umbesetzungen in Richtung „Klimaalarmismus“ geschuldet.

Nicht umsonst wird das Problem eines solchen Nachweises, nach dem die Alarmisten bis heute verzeifelt und vergeblich suchen, in der Fachliteratur als „attribution and detection problem“ bezeichnet. Es ist bis heute ungelöst!

Pikanterweise veröffentlichte Prof Hans-J. Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung in 2003 eine Studie, in der weltweit etwa 100 Stationstemperaturreihen analysiert wurden – bei BEST waren es ca. 30.00 Reihen, bei Lüdecke et al. ca. 2500 Reihen. In der „discussion“ der Arbeit von Schellnhuber dann die unmissverständliche Aussage: „Wir konnten keine Anzeichen für eine globale Erwärmung der bodennahen Atmosphäre auffinden“ (S. 5 unter (iii), hier). Überflüssig zu erwähnen, dass Schellnhuber in Zeitungsinterviews und seinen populären Klima-Propagada-Schriften ganz andere Aussagen als in seinen Fachveröffentlichungen macht. All dies ist der SZ selbstverständlich unbekannt, aber vielleicht auch nicht? Wir wollen und können es nicht entscheiden. Indes gilt: all dies schert das „Neue Deutschland“, Pardon, die SZ nicht im Geringsten.

Leserbriefe, die Richtigstellungen von Klima-Unsinnsberichten (stellvertretendes Beispiel hier) in der SZ beabsichtigen, werden selbstredend nicht veröffentlicht. Vielmehr gefällt sich die SZ in Schmähartikeln gegen „Abweichler“, vulgo „Klimaskeptiker“. In einem solchen Artikel (hier) wird Prof. H.-J. Lüdecke der Ausspruch „wir brauchen keine Klimaforscher“ in den Mund geschoben, demselben Lüdecke, der die oben erwähnte Fachveröffentlichung als Klimawissenschaftler zusammen mit seinen Mitautoren verfasst hat. Wir sind bewusst gegen diesen Artikel nicht rechtlich vorgegangen, der in seiner Falschaussage (Lüdecke betont, dass es solch einen Unsinn aus seinem Munde nicht gibt) gegen das Pressegesetz verstößt. Es erschien uns besser, an Hand dieser SZ-Schmähschrift immer wieder auf die „Qualität“ der SZ Klimaberichterstattung hinweisen zu dürfen.

Natürlich braucht man kein Hellseher zu sein, um vorherzusagen, dass die SZ auch die Arbeit des weltbekannten US Meteorologen Antony Watts glatt übersehen wird. Diese weist nach, dass insbesondere in den USA ein maßgebender Anteil von Temperaturkurven fast doppelt so hohe Steigerungen aufweist, wie sie wirklich auftraten (hier, hier). Die Arbeit von A. Watt wurde vor wenigen Tagen ebenfalls zur Veröffentlichung eingereicht. Man darf gespannt sein.

Wir haben hierzulande unter einer „freien“ Presse somit das Vergnügen, zumindest auf dem Gebiet der Klimaberichterstattung immer noch DDR-Verhältnisse – und dies leider nicht nur bei der SZ – anzutreffen.

Michael Limburg




Die Energierevolution und die Grünen! Von Walter Russell Mead

Insgesamt könnten diese Neuigkeiten gar nicht besser sein: wertvolle Ressourcen im Wert von Trillionen von Dollar stehen für die Ankurbelung der US-Wirtschaft zur Verfügung, ermöglichen eine Reduzierung des Handelsdefizits und verringern unsere Verwundbarkeit gegenüber einem instabilen Nahen Osten. Hunderttausende gut bezahlter Industriearbeitsplätze werden die Einkommensungleichheiten ausgleichen und erneut eine stabile Mittelklasse bilden. Viele dieser Ressourcen sind genau da, wo sie gebraucht werden: in den hart gebeutelten Staaten des „Rust Belt“.

Auch ein Weltfrieden erscheint möglich: die Großmächte werden nicht mit den Ellenbogen zum Kampf um die Kontrolle über die letzten Tropfen Öl antreten. Gemeine Diktaturen und rückwärtsgewandte Ölstaaten werden die Welt nicht mehr so leicht erpressen können.

Aber es gibt eine Gruppe (abgesehen von den Russen, den Golfstaaten und den Iranern), die in die allgemeine Freude nicht einstimmen können: die Grünen. Für sie war das Spektakel einer drohenden Welt-Energiekrise eine frohe Botschaft. Dadurch ließen sich erhebliche Subventionen für Solar- und Windkraft rechtfertigen (die nebenher cleveren grün-orientierten Investoren erhebliche Vermögenszuwächse garantierten). Die Grünen überboten sich Jahr für Jahr mit Schreckensprognosen über die nahenden Engpässe in der Ölversorgung. Sie hofften, dass sich die Abneigung der Bürger gegenüber dem Nahen Osten und den Kosten unseres Engagements dort in eine breite Unterstützung für kostspielige grüne Energiepläne hierzulande umwandeln ließe: „Energieunabhängigkeit“ war eines ihrer wenigen Argumente, die auf Resonanz bei vielen Durchschnittswählern stießen.

Damals, in der Blütezeit der grünen Arroganz, gab es jede Menge Spott für die „Peak-Oil-Leugner“ und die Knappheitsskeptiker, die dem widersprachen, was die Grünen als völlig gesicherte Malthusianische Wissenschaft propagierten. „Realitätsnahe“ grüne Denker seufzten und rollten ihre Augen über die Illusionen dieser umnachteten Technik-Schwärmer, die da behaupteten, dass unkonventionelle Energiequellen wie Schieferöl und –gas und die Ölsände Kanadas eines Tages nutzbar gemacht werden können.

Umweltschützer stehen eben auf dem Boden der Wissenschaft, nicht wie diese unbedarften, Gaia trotzenden Technophilen mit ihrem infantilen Glauben an die Kraft der menschlichen Kreativität. Grüne, mit ihren von Gaia geförderten gewaltigen intuitiven Kräften wissen, was die Zukunft bringt.

Aber diese glorreichen Zeiten sind jetzt vorbei und die klügeren Umweltschützer fügen sich in das Unvermeidliche. George Monbiot, dessen Wehgeschrei im Guardian wie der Chor im griechischen Drama jede Stufe des steilen Niedergangs der globalen grünen Bewegung begleitete, verlieh dem grünen Kummer über die Aussichten auf ein kommendes Jahrhundert des Wohlstands und Erfolgs Ausdruck: „Wir lagen daneben“, schrieb er am 2. Juli, „was ‚Peak Oil’ anbelangt. Es ist genug davon da, uns alle darin zu braten.“ Die Auswirkungen auf die Politik versteht er auch:

Es gibt genug Öl im Boden, uns alle darin zu braten und es gibt keine auf der Hand liegenden Gründe, die Regierungen und die Industrie veranlassen könnten, es im Boden zu lassen. Zwanzig Jahre der Anstrengung, den Klima-Zusammenbruch durch moralische Überredungskunst zu verhindern, sind mit dem Scheitern des multilateralen Klimaprozesses in Rio de Janeiro letzten Monat gescheitert. Die mächtigste Nation der Welt wird wieder ein Ölstaat und wenn man dem politischen Wandel bei ihrem nördlichen Nachbarn [ein Verweis auf Kanada] glauben darf, werden die Ergebnisse nicht angenehm sein.

Mit anderen Worten: die Vereinigten Staaten mit ihrem neuen Ölreichtum werden noch stärker gegen globale grüne Kohlenstoffpläne kämpfen und die neuen Vorkommen werden das politische System Amerikas noch weiter in Richtung der kapitalistischen Ölunternehmen trimmen.

Der Kapitalismus ist, wie Monbiot gezwungen ist anzuerkennen, kein zerbrechliches System, das leicht zu ersetzen ist. Gestützt auf riesige Vorräte an Öl wird es bleiben. Die Industriegesellschaft ist, soweit er jetzt erkennen kann, nicht zu bremsen. Gaia, die hinterhältige Schlampe hat so viel Öl und Gas produziert, dass ihre getreuesten Diener sie nicht vor den Folgen ihrer eigenen Narrheit schützen können.

Der neue grüne Untergang sieht so aus: überreichlich vorhandenes Öl und Gas wird so viele Treibhausgase freisetzen, dass die Welt verbrutzelt. Die Ausbeutung der Ölsände in Alberta, so warnen führende Umweltschützer, ist ein „Tipping Point“. William McKibben drückte das in einem Interview mit dem Magazin „Wired“ im Herbst 2011 so aus:

Ich glaube, wir sind aufgeschmissen, wenn wir volles Rohr in die Teersände gehen. Das bedeutet nämlich unweigerlich, dass wir volles Rohr auch in alle möglichen anderen unkonventionellen Energien gehen: Tiefseebohrungen, Fracking jeder Felsformation auf dem Erdboden und so weiter.

Aus folgendem Grund sind die Teersände so wichtig: sie sind der Punkt, an dem wir uns entscheiden müssen, ob wir uns, wenn der einfache Stoff alle ist, dem harten Stoff zuwenden. Dem saudi-arabische Schnapsladen gehen die Flaschen aus. Werden wir jetzt nüchtern, oder finden wir einen anderen Schnapsladen mit echt üblem Fusel, in den wir einbrechen können?

Ein Jahr später – trotz des Erfolgs von Umweltschützern wie McKibben, die Obama-Regierung zu einer Blockade der Pipeline für den Transport dieses Öls zu Raffinerien in den USA zu überreden – ist klar (so kristallklar, wie das jedem von Anfang an war, der mit offenen Augen durchs Leben geht), dass die Welt wild entschlossen ist, diesen „üblen Fusel“ zu nutzen.

Für Leute, die ihren Anspruch auf Führerschaft in der Welt auf ihr überlegenes Verständnis der Dynamik komplexer Systeme gründen, zeigt sich einmal mehr, dass die Grünen immer wieder verblüffend naiv und unbeholfen sind, wenn es darum geht, das Verhalten der politischen und wirtschaftlichen Systeme modellhaft nachzubilden und zu formen, die sie eigentlich steuern wollen. Die Grünen haben wirklich ernsthafte Probleme, wenn ihr Verständnis des zukünftigen Klimas auf der Erde auch nur in etwa so wunschgesteuert, wirklichkeitsfremd und gedanklich krude ist, wie es ihre Ansätze bei internationalen Angelegenheiten, demokratischer Politik und bezüglich des Energiemarkts sind. Wie ich bereits schrieb, hat der Kontrast zwischen den Ansprüchen der Grünen hinsichtlich Verstehens des Klimas und der Fähigkeit, den größten und umfassendsten jemals in Angriff genommenen Katalog an politischen Änderungen zu organisieren und ihrer offenbaren Unfähigkeit, im Kleinen (Solyndra) und im Großen (Kyoto, EU-Emisssionshandel, Weltklimavertrag) politische Projekte hier und heute weiterzubringen, mehr mit Klimaskeptizismus zu tun, als die Grünen bisher begriffen haben. Viele Leute lehnen nicht die Wissenschaft ab; sie lehnen den Anspruch der Grünen auf politische Richtlinienkompetenz ab. Dabei haben sie völlig recht, wie der bisherige Verlauf zeigt.

Nichtsdestotrotz ist die Zukunft der Umwelt nicht annähernd so düster, wie die Grünen glauben. Pessimistische Umweltschützer wie McKibben und Monbiot liegen mit ihrer Einschätzung der Ära des Überflusses genau so schief, wie es grüne Energieanalysten in Bezug auf die Ölvorräte auf dem Planeten waren.

Das Problem ist die Erbsünde vieler Umweltschutzgedanken: der Malthusianismus. Wären die Grünen nicht so den malthusianischen Horrorgeschichten verhaftet, würden sie erkennen, dass die neue Ära des Überflusses viel schneller zu einem saubereren Planeten führt, als wenn die neuen Gas- und Ölvorkommen nicht entdeckt worden wären.

Seien wir ehrlich. Es war Studenten der Geschichte schon lange klar und dämmert jetzt auch vielen Umweltschützern, dass diese fröhlich nachgebetete CO2-Vertragsgeschichte ein frommer Wunsch war und nichts dergleichen passieren wird. Eine Menschheit, die es nicht geschafft hat, die Bombe abzuschaffen, trotz der klaren und auf der Hand liegenden Gefahren, die von Nuklearwaffen ausgehen, wird den Verbrennungsmotor und den Generator weder verbieten, noch deren Nutzung ernsthaft einschränken.

Die politischen Anstrengungen der grünen Bewegung, die Treibhausgase zu begrenzen, haben bisher wenig Wirkung gezeigt und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie damit in Zukunft mehr Erfolg haben werden. Die grüne Bewegung war bisher eher eine Umarmung in der Gruppe als eine Übung im Eisenbiegen und das wird sich eher nicht ändern. Biegt sich die Klimakurve, wird das so verlaufen, wie bei der Bevölkerungskurve: als Ergebnis einer Vielzahl einzelner menschlicher Entscheidungen, die auf Basis kurzfristig kalkulierter Interessen gefällt werden, aber nicht als Ergebnis eines großartigen globalen Plans.

Der Schieferöl-Boom hat nicht den Erfolg der Grünen in einen Misserfolg verwandelt. Er hat nur dafür gesorgt, dass sich das Versagen der Grünen nicht in eine deutlich schlimmere Richtung entwickelt. Monbiot versteht das besser als McKibben; es gab nie irgendwelche ernsthaften Zweifel daran, dass wir weiter in den Schnapsladen gehen. Hätten wir nicht Wege gefunden, all dieses Öl und Gas zu nutzen, hätten wir diese Ökonomie des Weniger nicht umarmt. Natürlich bieten steigende Öl- und Gaspreise mehr Raum für Wind- und Solarkraft, aber der eigentliche Gewinner einer Öl- und Gasknappheit ist … die Kohle. Um die Metapher McKibbens zu verwenden: es gibt einen viel schlimmeren Fuselladen in der Straße unterhalb des Schieferöl-Kaufhauses, den wir seit Jahrhunderten frequentieren. Die USA und China haben Unmengen an Kohle und die würden wir eher nutzen, als den ganzen Winter zu Fuß zur Arbeit zu gehen und unsere kalten und dunklen Häuser zu verlassen. Und sollte uns das Öl wirklich ausgehen, gibt es darüber hinaus bereits die Technologie, die flüssigen Kraftstoff aus Kohle macht. Nicht gerade billig und nicht sauber, aber es funktioniert.

Die neue sonnige Zukunft mit Öl und Gas bedeutet, dass wir nicht einem neuen Kohlezeitalter entgegensehen. Dafür sollte jeder Grüne auf unserem Planeten dankbar sein.

Der zweite Grund, warum Grüne froh über das Schiefergas sein sollten ist der, dass Umweltschutz ein Luxusgut ist.  Die Menschen müssen überleben, und dazu ist ihnen jedes Mittel recht. Aber sie wollen nicht nur überleben, sie wollen auch, dass es ihnen gut geht und wenn sie das bewerkstelligen können, werden sie das tun. Eine arme Gesellschaft an der Überlebensgrenze wird ohne lange nachzudenken ihren Industrieabfall in den Fluss schütten. Sie wird Kohle verheizen und im daraus entstehenden Smog ersticken, wenn es nichts anderes zu verheizen gibt.

Politik in Zeiten eines Überlebenskampfes ist gemein und praktisch. Sie muss so sein. Der beste Führer ist der, der allen Firlefanz und Schnickschnack weglassen kann, und Dich den Winter überleben lässt. Während der Schlacht um Leningrad haben Leute unbezahlbare Antiquitäten verbrannt, nur um eine weitere Nacht überleben zu können.

Ein Zeitalter der Energieknappheit und hoher Preise stellt sich für Milliarden Menschen als ein Zeitalter ohne Ernährungssicherheit und wirtschaftlicher Stabilität dar. Diese Milliarden hungriger, verängstigter, zorniger Menschen werden nicht ihre Hände falten und über die unbeschreiblichen Wunder von Gaia und deren mystischem Netz des Lebens meditieren, derweil sie friedlich dahinsterben. Sie werden auch keinen George Monbiot oder Bill McKibben an die Macht wählen. Sie werden jeden Panda im Zoo abschlachten, statt ihre Kinder verhungern sehen, sie werden jeden Wald der Erde abholzen, statt sich zu Tode zu frieren, und je gemeiner und niederträchtiger ihr Leben ist, desto weniger Energie oder Gedanken werden sie an die zugrunde gehende Welt um sie herum verschwenden.

Aber dank des Schieferöls und anderer unkonventioneller Energiequellen ist das nicht die Richtung, in die wir gehen werden. Wir bewegen uns hin zu einer Welt, in der Energie überreichlich vorhanden ist und Horizonte sich öffnen, auch weil das menschliche Verständnis von Wissenschaft und Technologie sich festigt. Eine Welt, in der mehr und mehr menschliche Grundbedürfnisse abgedeckt werden, ist eine Welt, die über andere Ziele nachdenken kann und darüber, wie viel Geld man dafür aufbringt. Wird China reicher, wollen die Chinesen sauberere Luft, sauberes Wasser, reinere Nahrung – und sie sind auch willens und bereit, dafür zu bezahlen. Ein Brasilien, dessen wirtschaftliche Zukunft gesichert ist, kann es sich leisten, seinen Regenwald zu hegen und zu pflegen. Ein Mittelamerika, in denen es den Leuten gut geht, ist eher willens und in der Lage, seine Biodiversität zu schützen. Und eine Welt, in der die Menschen wissen, wo ihre nächste Mahlzeit herkommt, ist eine Welt, in der Gedanken und Überlegungen zur Nachhaltigkeit der Fischerei und zum Schutz der Korallenriffe Platz haben.

Eine Welt, die entspannter bezüglich der Sicherheit seiner Energiequellen sein kann, wird mehr tun können, die Qualität dieser Quellen zu verbessern und die Auswirkungen des Energieverbrauchs auf das Weltganze zu steuern. Eine reiche Welt mit gesicherter Energieversorgung wird mehr Geld für die Entwicklung von Solar- und Windkraft und anderer nachhaltiger Quellen ausgeben, als eine arme, karge.

Wenn Menschen ihre Grundprobleme als gelöst ansehen, werden sie anfangen, nach eleganteren Lösungen zu suchen. Sobald Amerika eine industriell geprägte moderne Wirtschaft hatte, wollten wir die Flüsse und die Luft sauber kriegen. Sobald sich die Leute keine Sorgen machen müssen, wie sie den zum Überleben notwendigen täglichen Kalorienbedarf stillen können, werden sie gesünderes, raffinierter zubereitetes Essen wollen.

Eine Welt mit Schieferöl und –gas im Überfluss ist eine Welt, in der den Schieferöl- und Gasproduzenten mehr Umweltschutzregeln auferlegt werden. Eine prosperierende Welt kann mehr Geld zur Seite legen für die Forschung und Entwicklung neuer Technologien für einen schonenden Umgang mit Energie oder für deren Erschließung in sauberen Umgebungen. Eine prosperierende Welt, die einem Klimawandel gegenüber steht, kann auf eine Art und Weise dessen Folgen abfangen und für die Zukunft berücksichtigen, zu der eine Welt, die von Unsicherheiten in der Energieversorgung geplagt ist und sich in einer durch Mangel bedingten permanenten Wirtschaftskrise befindet, weder willens noch in der Lage ist.

Die Grünen können auch froh sein, dass die neue Energie dort ist, wo sie ist. Für Monbiot und für viele andere, ist Gaias Entscheidung, so viel Öl in den Vereinigten Staaten und in Kanada zu deponieren, ihr größter Fehltritt von allen. Ganz sicher werden die Vereinigten Staaten von Amerika, die ähnlich dem Bibelspruch ihre Jugend wie ein Adler durch eine Riesenspritze frischen Petro-Reichtums wiedergefunden haben, noch weniger als früher bereit sein, diverse grüne Luftschloss-CO2-Verträge zu unterschreiben.

Aber bedenken wir mal, wie alles noch viel schlimmer wäre, wenn sich diese neuen Vorkommen auf dem Gebiet diktatorischer Kleptokratien befänden. Wie anstellig würden sich diverse zentralasiatische Staaten wohl gezeigt haben, die Ausbeutung zu reglementieren und den Schaden zu begrenzen? Wie wäre Nigeria mit diesen riesigen neuen Vorkommen umgegangen, deren Ausbeutung doch den Einsatz deutlich invasiverer Methoden erfordert?

Stattdessen konzentrieren sich die neuen Vorkommen in Gegenden, in denen die Umweltschützer mehr in der Politik zu sagen haben und wo, trotz aller Unzulänglichkeiten und Grenzen, Regierungen weniger korrumpierbar, öffentlich rechenschaftspflichtiger und tatsächlich kompetenter sind, wirksame Energiebestimmungen zu entwickeln und durchzusetzen. Das stellt McKibben und Monbiot nicht zufrieden (alles, was sich in der Wirklichkeit ereignet, stellt keinen dieser Herrn zufrieden), aber es ist doch deutlich besser, als das, was uns hätte erwarten können.

Und wenn es zwei Länder in der Welt gibt, über die sich CO2-fixierte Grüne mehr als über andere Länder Sorgen machen könnten, dann sind das die Vereinigten Staaten und China. Die zwei größten, hungrigsten Volkswirtschaften der Welt verfügen gleichzeitig auch über gewaltige Kohlereserven. Aber nach allem, was wir jetzt wissen, gehören die USA und China zu den größten Nutznießern des neuen Reichtums. Gaia hat das Öl und Gas dort deponiert, wo es unter CO2-Gesichtspunkten am meisten Gutes tut. In einer Welt der Energieknappheit und der Unsicherheit hätten die USA und China stracks den Weg zur Kohle eingeschlagen. Jetzt ist das weniger wahrscheinlich.

Es gibt noch einen Grund, warum die Grünen Gaia für die Schiefervorkommen danken sollten. Wind- und Solarkraft sind jetzt noch nicht ausgereift, aber wenn die neuen Ressourcen zur Neige gehen, wird die Menschheit viele andere Technologien beherrschen, die Energie liefern und sparen. Es ist möglich, dass die Schiefer-Ära nicht nur die Renaissance der Kohle verzögert hat: durch die gewonnene Zeit wird es wahrscheinlich kein weiteres Zeitalter geben, in dem die Kohle der dominierende Industrie-Brennstoff ist. Es ist praktisch sicher, dass der ökologische Fußabdruck der menschlichen Rasse über die gesamte Lebensdauer gerechnet, mit Hilfe der neuen Öl- und Gasquellen kleiner wird als ohne diese.

Weder werden die Energieprobleme der Welt, noch deren Klimaprobleme schnell verschwinden. Das Paradies winkt uns nicht aus kurzer Distanz freundlich zu. Aber die Verfügbarkeit dieser Energiequellen ist per Saldo für Umweltschützer genau so positiv, wie für alle anderen.

Der Gedanke mag ketzerisch sein, aber vielleicht ist Gaia klüger als die Grünen.

The American Interest, 28 July 2012

Übersetzt aus dem Englischen von Herbert Blaha

Zuerst erschienen bei ACHGUT

Mit Dank an den Übersetzer Herrn Blaha

Weiterführende links

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/redaktion/riesige-energiequelle-schiefergas-die-hits-reissen-nicht-ab.html




Bemerkungen über die plötzliche, noch nie da gewesene „Eisschmelze“ in Grönland

Natürlich erinnert das an den Hype um das Abschmelzen der Gletscher im Himalaya bis zum Jahr 2035, nur dass eben die Schmelze in diesem Jahr stattfindet. Der Gipfel war die Behauptung, dass „97% des Grönlandeises schmelzen“.

In Wirklichkeit – das steht selbst beim Herausgeber dieser Meldung, der NASA, wurde aber vom Medienhype unterschlagen – hat es eine Woche lang auf 97% des Grönlandeises leichtes Tauwetter gegeben – das Eis taute oberflächlich für wenige Stunden an. Inzwischen ist dort oben längst alles wieder gefroren. Das Bild rechts zeigt den Temperaturverlauf an der Station Summit am höchsten Punkt Grönlands.

Kein Zweifel kann es an der Tatsache geben, dass es in Grönland, auch auf dem Eisschild, so mild wie seit vielen Jahren nicht mehr war. Aber ist das nicht ein ganz normales Extrem?

Immerhin, die „Süddeutsche Zeitung“ hat berichtet, dass es Eisbohrkernen zufolge alle 150 Jahre zu einem solchen Schmelzereignis kommt. Das steht auch hier.

Irgendwann (vielleicht demnächst?) wird es auf Grönland wieder so kalt sein wie seit vielen Jahren nicht mehr. Ob das dann auch als ein solcher Hype durch den Pressewald rauscht? Und ob die NASA dann überhaupt davon Notiz nimmt?

Man fragt sich natürlich, was das Ganze in dieser Form soll. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Die beste, mir bekannte Zusammenfassung des Tauwetters in Grönland (auf Deutsch!) steht hier: http://wkserv.met.fu-berlin.de/Beilagen/2012/Groenlandeis.pdf. Auch die Artikel, die ich ursprünglich aus dem Englischen hierzu übersetzen wollte, kommen da nicht heran.

Chris Frey für EIKE




Neue Studie enthüllt: US Wetterbehörde NOAA setzt die Erwärmung der letzten 30 Jahre doppelt so hoch an wie gemessen!

Denn legt man die realen Bedingungen zugrunde, und das haben die Autoren der Studie mittels neuer Verfahren getan, dann bleibt nur ein Erwärmungstrend  der qualitativ hochwertigen Stationen von +0,155 °/Dekade übrig, während die Stationen auf oder im Umfeld von dichter  Bebauung, Kläranlagen, Parkplätzen, Einkaufszentren, Flughäfen usw. einen solchen von +,0248 bis 0,309 °C/Dekade aufwiesen. Mithin besonders die Zunahme an veränderter Landnutzung bzw. Stadtbebauung etc. maßen. Die NOAA hingegen hatte bei ihrer Korrektur die richtigen  Daten  der unbeeinflussten Stationen, auf die Werte der kontaminierten Stationen – also deutlich nach oben- korrigiert, während die Absenkung der Werte auf die der unbeeinflussten Stationen richtig gewesen wäre.

Update 31.7.12

Abbildung 1 Das folgende Diagramm (entnommen hier) zeigt Anomalien mit laufendem 12-Monats-Durchschnitt   für die drei unterschiedlichen Datensätzen (USHCN, CRUTem3 und ISH PDAT) … Man beachte die große Unterschiede in der berechneten linearen Erwärmung Trends. Wo ist die Erwärmung?
Quelle für PDAT  U.S. Population-Adjusted Temperature Dataset (PDAT)  von Dr. Roy Spencer, die besser behandelt UHI entwickelt.
Ausgangspunkt der Studie war die Klärung der Frage, ob die starke Umwandlung der Landschaft, sowie die weithin zunehmende  Verstädterung in den USA – unter dem Begriff UHI zusammengefasst- einen erheblich, statistisch signifikanten, Einfluss auf den Erwärmungstrend in den USA hätte oder nicht. Die  US Wetterbehörde NOAA hat diesen Einfluss zwar bisher nicht verneint aber stets behauptet, dieser sei statistisch belanglos (nicht signifikant) oder sauber korrigiert worden.  Dabei verwendete sie die 1999 von Marcel Leroy (Meteo France) eingeführte Klassifizierung von Stationen. Leroy hat diese Klassifizierung vor einiger Zeit noch einmal überarbeitet und 2011 diese Version vorgeschlagen. Sie ist von der WMO* zertifiziert. Die Watts et al Studie nutzt daher diese neue Klassifizierung, die wesentlich genauer die Abschätzung der Wirkung der Umgebung auf die Messergebnisse von Wetterstationen erlaubt.
Die Pressemitteilung schließt mit den Sätzen:

Vergleiche zeigen, dass NOAA Korrekturverfahren bei der Korrektur der schlecht aufgestellten Stationen versagen, denn die hätten nach unten angepasst werden müssen,  stattdessen wurden die gut aufgestellten  Stationen nach oben d.h  an die schlechten Stationen angepasst. Gut aufgestellte ländliche Stationen zeigen daher nach der USHCNv2 Korrektur einen dreifach höheren Erwärmungstrend. Es wird auch gezeigt, dass urbane Gebiete sich schneller erwärmen, als mittel-urbane Gebiete und diese wiederum schneller als ländliche Gebiete.
Da eine unverhältnismäßig hoher Anteil Stationen städtisch (10%) und semi-urbanen (25%) sind, wenn man sie mit der tatsächlichen Topographie der USA vergleicht, dann übertreibt dies die Temperatur Trends weiter. Montandon et al (2011) dokumentiert diesen großen urbanen Fehler bei den Stationen auf gemäß dem Global Historical Climate Netzwerk.
Diese Faktoren, zusammen mit der Qualität der Stations Standorte, haben zu einer Verdoppelung in der 30-jährigen Periode der Jahre 1979  – 2008  und damit zu unechten US- Temperaturtrends geführt.

Kritiker wandten natürlich sofort ein, dass dies nur die USA und damit ca. 2 % der Landfläche der Erde beträfe, übersahen dabei aber, dass die US Stationen – bis heute- als die besten der Welt galten, und sie übersahen auch, dass für andere Kontinente – insbesondere Europa – (siehe auch EIKE Bericht über den Wäreminseleffekt hier und hier) genau  so gilt. Es bleibt abzuwarten ob, wann und wie die deutschen Mainstreammedien über diese Studie berichten werden. Wir werden Sie jedenfalls auf dem Laufenden halten.
Michael Limburg EIKE
*Commission for Instruments and Methods of Observation (CIMO-XV, 2010) Fifteenth session, in September 2010 as a WMO-ISO standard
Die Berichterstattung wird fortgesetzt.
Hier die Original Pressemitteilung
und hier die PowerPoint undefinedDateien sowie undefinedhier und undefinedhier (im Original) mit Einzelheiten
weiter führende Links
Ein dicker Hund: Erwärmung der USA in den letzten 30 Jahren wohl nur halb so stark wie bislang angenommen
The big news is out on Watts Up: Half the trend is due to badly placed thermometers and erroneous adjustments 
Anthony Watts Drops A Big Bomb – That Makes A Little Bang




Die Römer kannten keine Gletscher – Studie zur Klimaerwärmung

Schweizer und deutsche Klimaforscher haben nachgewiesen, dass sich Nord­europa in den letzten 2000 Jahren abgekühlt hat. Die Studie stellt die Grundlagen infrage, auf die sich der Welt­klimarat (IPCC) beruht. Anstatt die Resultate zu diskutieren, wird die Studie im Internet in mehreren Blog-Beiträgen voreilig als «inkompetente Analyse» ­bezeichnet. An vorderster Front macht Mike E. Mann von der Penn State University gegen die Wissenschaftsarbeit mobil, die Anfang Juni in der renommierten Fachzeitschrift «Nature Climate Change» erschienen ist. Auf der ­Online-Plattform «RealClimate» klagt er beispielsweise, die veröffentlichten Ergebnisse seien von Forschern und Medien falsch interpretiert worden. Mike Mann hat allen Grund, gegen die Resultate zu wettern: Würde sich nämlich herausstellen, dass die Ergebnisse der Klimaforscher um Jan Esper von der Johannes-Gutenberg-­Universität in Mainz, Ulf Büntgen von der Eidgenös­sischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und ­Daniel Nievergelt vom Oeschger-Zentrum für Klimafolgenforschung der Universität Bern den Temperaturverlauf korrekt wiedergeben, wäre eine zentrale Arbeit der Klimaforschung widerlegt. Und ­diese Arbeit stammt von Mike Mann.

Temperatur als Hockeyschläger

In den ersten beiden IPCC-Berichten (1990 und 1995) gingen die Klimawissenschaftler noch davon aus, dass im Hochmittelalter die globale Temperatur deutlich wärmer war als heute. Doch 1999 behauptete der Geophysiker Mike Mann, damals Assistenzprofessor in Massachusetts, aus Jahresringen ­fossiler Bäume einen dramatischeren Verlauf des globalen Klimas ableiten zu können; die entsprechende Studie erschien im Fachblatt «Geophysical Re­search Letters» und wurde 2001 in den dritten Sachstandsbericht des Welt­klimarates aufgenommen.
Die globale Temperaturentwicklung auf Manns Grafik gleicht dabei einem liegenden Hockeyschläger. Die Kurve startet im Jahr 1000. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts sind die Veränderungen nur minimal; die Grafik gleicht dem Stock. Dann steigt die Kurve dramatisch an, hakenförmig, wie am unteren Ende des Hockeyschlägers. Meistens wird der Graf an dieser Stelle zusätzlich rot eingefärbt. «Damit verdeutlichen wir die Einmaligkeit des Temperaturanstiegs», sagte IPCC-Chef Rajendra Pachauri vor einigen Jahren im Gespräch mit dem BaZ-Journalisten.
Inzwischen legen mehrere Studien nahe, dass mit dieser Hockeyschlägerkurve etwas nicht stimmt. Bereits 2003 legten Wissenschaftler um Jan Esper, der damals noch an der Forschungs­anstalt WSL in Birmensdorf arbeitete, nahe, dass die durchschnittliche Temperatur um das Jahr 1000 höher gewesen sein musste, als die Hockeyschläger­kurve vorgibt. Zu diesem Schluss kam Esper, als er mehrere Baumproben untersuchte und feststellte, dass zu dieser Zeit ideale Wachstumsbedingungen geherrscht haben mussten. Die im Wissenschaftsmagazin «Science» veröffentlichten Resultate wurden damals von vielen Forschern in Zweifel gezogen, konnten aber nicht widerlegt werden.

Sustenpass, eine grüne Alp

Zwei Jahre später kritisierte eine international zusammengesetzte Gruppe um Hans von Storch vom Helmholtz-Zentrum für Küstenforschung in Geesthacht erneut die Hockeyschlägerkurve. Von Storch untersuchte die sogenannten Proxy-Daten der Klimamodelle und stellte fest, dass die Temperaturschwankungen möglicherweise erheblich unterschätzt wurden, wie er in der Zeitschrift «Science» berichtete. Auch von Storchs Daten legten nahe, dass die durchschnittliche Temperatur um das Jahr 1000 bis 1100 höher gewesen sein musste als auf der Hockeyschläger­kurve angegeben.
Viel zu reden gab auch eine Arbeit von Christian Schlüchter, Professor für Quartär- und Umweltgeologie an der Universität Bern, Lehrbeauftragter der ETH Zürich und begeisterter Alpenforscher. Im Juni 2004 berichtete er in der Zeitschrift «Die Alpen», die der Schweizer Alpen-Club (SAC) herausgibt, über Forschungsresultate, die er in den vergangenen zehn Jahren gesammelt und in verschiedenen Fachmagazinen – unter anderem 2001 in «The Holocene» – veröffentlicht hat. Im Fachblatt sorgten sie kaum für Aufregung; der populärwissenschaftliche Beitrag im SAC-Magazin hingegen wurde als Provokation verstanden, denn Schlüchter behauptete, dass der Sustenpass zur Zeit des ­Römischen Reiches eine grüne Alp war und sich der Steigletscher auf die Höhe der Tierberglihütte (2795 m ü. M.) zurückgezogen habe. Zu dieser Einschätzung gelangte der Berner, als er in den Hochflutablagerungen eines Gletscherbaches im unmittelbaren Vorfeld des Unteraargletschers im Berner Oberland 30 bis 60 Zentimeter dicke Holzstücke und Überbleibsel eines Moores fand. «Die Fundstücke wurden durch die grossen Schmelzwasserausbrüche unter dem Gletscher hervorgespült. Das Material stammt also von dort, wo heute Eis liegt», so Schlüchter. Das sei aussergewöhnlich, denn Bäume und sogar ein Moor könne es an diesen Stellen nur gegeben haben, wenn das «ewige Eis» zu früheren Zeiten deutlich kleiner war und die Baumgrenze höher lag.
Um Klarheit zu schaffen, liess der Geologieprofessor die Proben im Labor mithilfe der Radiokarbonmethode untersuchen und datieren. Dabei stellte man Erstaunliches fest: «Die bestimmten Alter bildeten keine chaotische Datenwolke über die letzten 10 000 Jahre, sondern fallen in definierte Zeit­fenster», so Schlüchter. «Bisher konnten zehn Zeitfenster bestimmt werden. Über die letzten 10 000 Jahre gerechnet, ergibt das etwas über fünfzig Prozent der Zeit mit kürzeren Gletschern als heute.» – Im Klartext: Unsere Gletscher waren nach der letzten Eiszeit selten so stark ausgebildet wie heute.

Falsche Vorstellung von der Eiszeit

Der Berner Christian Schlüchter zieht aus den Ergebnissen noch einen weiteren Schluss: «Vor 1900 bis 2300 Jahren lagen die Gletscherzungen mindestens 300 Meter höher als heute. So wurden in der Römerzeit die Gletscher kaum als solche erlebt, aus dem einfachen Grund, weil sie weitab von den damals benutzten Alpenübergängen lagen und somit auch nicht als Hindernis empfunden wurden.» Dies würde erklären, weshalb in den sonst sehr detaillier­ten Beschreibungen der römischen Chro­nisten kaum ein Wort über die Gletscher zu finden ist. Schlüchter fordert: «Aufgrund dieser Funde muss die bisher gängige Vorstellung von den seit der Eiszeit durchgehend relativ stark vergletscherten Alpen entscheidend re­vi­diert werden. Die Alpen waren mehrheitlich grüner, als sie es heute sind.»
Martin Funk, ETH-Glaziologieprofessor an der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie, hat sich Schlüchters Resultate von 2001 ­angesehen: «Ich sehe keinen Grund, an den Ergebnissen und Aussagen zu zweifeln, höchstens bei einigen Details», ­findet der Experte und fügt an, dass Schlüchters Untersuchung in der neueren Zeit nur eine Periode (zwischen dem Jahr 500 und 800) mit kleinerer Vergletscherung angibt. «Das heisst, man kann zwischen der Hockeyschlägerkurve des IPCC und Schlüchters Ergebnissen nicht viel vergleichen. Dazu kommt, dass die Temperatur allein nicht viel über Gletscherschwankung aus­sagt. Dafür müsste man noch Angaben über die Niederschlagsänderungen haben», so der Gletscherexperte.
Nun legen Schweizer und deutsche Klimaforscher um Jan Esper eine Studie vor, die einerseits belegt, dass es im Hochmittelalter deutlich wärmer war, andererseits aber auch zeigt, dass sich das Klima in Nordeuropa in den letzten 2000 Jahren abgekühlt hat. Das Team kombinierte die Resultate von Jahresringdichtemessungen von fossilen ­Kieferbäumen zu einer Zeitreihe zurück bis ins Jahr 138 vor unserer Zeit­rechnung. Die Holzdichte korreliere sehr gut mit den Sommertemperaturen in diesem Raum nahe der nordischen Waldgrenze, daher sei es den Forschern gelungen, eine Temperaturrekonstruktion «von bisher unerreichter Qualität» zu erstellen, teilt die Johannes-Gutenberg-Universität mit. Diese Rekonstruktion zeige nun mit hoher Auflösung die Wärmebedingungen zur Römerzeit und im Hochmittelalter, aber auch die Kältephasen zur Zeit der Völkerwanderung oder der späteren kleinen Eiszeit.

Klimapolitische Bedeutung

«Wir haben festgestellt, dass die historischen Temperaturen zur Römerzeit und im Mittelalter bis dato zu kühl eingeschätzt wurden», sagt Esper zurückhaltend. Diese Befunde seien insofern von klimapolitischer Bedeutung, «da sie die Beurteilung des aktuellen Klimawandels im Vergleich zu den historischen Warmphasen beeinflussen».
Die von Jan Esper vorgelegte Klimakurve zeige neben diesen Kalt- und Warmphasen aber noch ein Phänomen, mit dem nicht zu rechnen war, heisst es in der Mitteilung. Erstmals konnten die Forscher anhand der Baumjahresringe einen viel längerfristigen Abkühlungstrend, der sich kontinuierlich über die letzten 2000 Jahre abspielte, präzise ­berechnen. Den Berechnungen zufolge habe sich die globale Temperatur pro Jahrtausend um minus 0,3 Grad abgekühlt. «Eigentlich erscheint diese Zahl nicht als sonderlich imposant», so Esper. «Allerdings ist sie im Vergleich zur globalen Erwärmung, die bis heute weniger als ein Grad Celsius beträgt, nicht zu vernachlässigen.»
Marcel Breu, Wissenschaftsjournalist 
Hier der Link zur Pressemitteilung der "Johannes Gutenberg Universität Mainz mit Dank an Leser Heinz Eng für die Anregung
Zuerst veröffentlicht in der Basler Zeitung und auf Oekowatsch  vom 26. Juli 2012