Das Grüne Jobwunder schreitet dynamisch voran

Die FTD schreibt am 14.8.12:

“Für Solarworld sieht es düster aus: Nach millionenschweren Abschreibungen und tiefroten Zahlen in den ersten sechs Monaten erwartet Vorstandschef Frank Asbeck entgegen früheren Ankündigungen nun auch im Gesamtjahr erneut einen operativen Verlust. An der Börse brach die Aktie im frühen Handel am Montag um 11,5 Prozent auf 1,17 Euro ein. Er will nun erneut mit Stellenstreichungen gegensteuern. 300 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2012 wegfallen. Im Vorjahr mussten bereits 500 Mitarbeiter gehen. Aktuell beschäftigt Solarworld noch knapp 2600 Menschen. ‘Wir erwarten 2013 ein Ende der negativen Nachrichten‘, sagte Asbeck der Nachrichtenagentur Reuters. Wann Solarworld aber wieder Gewinne schreibe, das stehe ‘in der Sonne‘.”

gefunden bei ACHGUT; Spürnase Alexander Wendt

Bei den realen Sozialisten der untergegangen DDR hieß es :

„Genossen lasst Euch von der Wirklichkeit nicht täuschen“.

Nur ein DEJA VU?

Und das auch noch aus der FTD:

Das schmutzige Geheimnis der Energiewende

Langsam wird uns bewusst, dass diese Energiewende nicht nur stockt – sondern ein schmutziges Geheimnis hat. Langsam sickert es durch, so wie vor einigen Tagen, als Verbraucherschützer über die hohen Strompreise klagten: 2007 zahlte jeder Haushalt im Schnitt 35 Euro für alternative Energien. Ab 2013, wenn die Umlage von 3,5 Cent auf über 5 Cent steigt, werden es 185 Euro sein. Die vergangenen Jahre hat das kaum jemanden aufgeregt, weil viele Deutsche die Umlage als eine Art Spende für einen guten Zweck empfinden. Das kann man so sehen. Doch es ist etwas naiv. Denn das Geld wandert in die Taschen einer Branche, die wie die Auto- oder Pharmabranche in erster Linie ein Ziel hat: Sie will Geschäfte machen. Vor allem jetzt, da die Energiewende zu einem neuen Goldrausch geführt hat.
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:windkraft-das-schmutzige-geheimnis-der-energiewende/70076643.html




Kernenergie ist keine Risikotechnik (Teil 2)-oder Die Kerntechnik als Opfer der Demagogie

Deutschland beendet seine gesicherte Stromversorgung durch Abschaltung seiner Kernkraftwerke mit der Begründung, weil in Japan etwas passiert ist. Es hat dort ein Erdbeben gegeben, als Folge davon einen Tsunami, und in Fukushima ein kaputtes technisches Gerät, eben ein Kernkraftwerk. Weite Landstriche wurden durch Erdbeben und Tsunami verwüstet, dadurch starben 20 000 Menschen. In der Kraftwerksruine gab es eine dreifache Kernschmelze und ausgetretene Radioaktivität, aber niemand kam dadurch zu Schaden. Evakuierungen wurden gemacht um Gesetzen zu gehorchen, aus radiologischen Gründen waren diese nicht notwendig (siehe Teil 1). Dennoch ist die Kerntechnik für die Deutschen nicht nur eine Risikotechnik, sondern oft sogar eine Hoch-Risikotechnik. – Warum? Das ist eine Folge von Demagogie. „Glauben fängt da an, wo das Wissen aufhört“. Wir wollen Wissen vermitteln, um dem Glauben an schädliche Demagogie entgegen zu wirken.

Menschliche Verhaltensweisen

Die Menschen verhalten sich nicht nach streng formulierbaren Gesetzen, es sind ganz andere Dinge maßgebend. Dazu wurden von amerikanischen Sozialpsychologen Grundlagen erkannt, das waren:

  1. Solomon Asch und
  2. Stanley Milgram.

1) Der Solomon-Asch-Versuch beschreibt menschliches Verhalten in einer Gruppe, in der sich eine Mehrheitsmeinung gebildet hat. Die Menschen sind bestrebt, sich der Mehrheitsmeinung – oder der vermeintlichen Mehrheitsmeinung – anzuschließen. Aus dieser Erkenntnis entwickelte Elisabeth Noelle-Neumann das Gesetz der „Schweigespirale“. Dabei ist es unwesentlich, ob diese Meinung nun falsch oder richtig ist. Auch bei sehr einfachen und leicht als falsch zu erkennenden Zusammenhängen folgen die Menschen der Mehrheit. Ein Beispiel: Eine steigende Mehrheit der Bürger in Deutschland glaubt, dass wir in Zukunft mit Wind- und Solarstrom versorgt werden können. Natürlich weiß auch diese Mehrheit der Menschen, dass abends die Sonne untergeht und der Wind meistens Flaute hat, es mit der Stromversorgung also nicht klappen kann. Dennoch GLAUBEN sie, jedenfalls behaupten sie es.

2) Der Stanley-Milgram-Versuch. beschreibt menschliches Gehorchen gegenüber einer Führungspersönlichkeit, der er sich unterordnet. In dem Versuch war es ein Wissenschaftler, dargestellt durch einen Menschen in einem weißen Laborkittel. In der Realität kann die Führungspersönlichkeit ein Bürgermeister, Pfarrer, Lehrer, Chef, Präsident, Kanzler sein, natürlich kommt immer auch eine Frau dafür infrage. Einer Führungspersönlichkeit wird mehr oder weniger blind geglaubt, es wird gehorcht – das wird nicht unbedingt zugegeben. Ein sehr schönes Beispiel ist der 14.3.2011, als die Kanzlerin ihren Führungsanspruch durchsetzte, indem sie ihren Beschluß zum Abschalten unserer Kernkraftwerke bekannt gab. Fast niemand wagte zu widersprechen, über 95% Zustimmung bei der Abstimmung im Bundestag, wie man es sonst nur aus Diktaturen kennt. Auch die Medien haben in der heutigen Zeit eine Führungsposition erreicht, was geschrieben steht, wird geglaubt. Insbesondere wird dem Fernsehen geglaubt.

Seit vier Jahrzehnten wird die Kernenergie verteufelt, zuerst von einzelnen Personen, dann zunehmend von den Medien, inzwischen von der gesamten staatlichen Führung. Seit 1998 werden die Erneuerbaren Energien als Ersatz hoch gelobt, obwohl das unmöglich ist. Die Agitation quer durch die Medien hat Wirkung gezeigt. Zu dieser Volksverführung wurde zusätzlich Geld eingesetzt. Nicht die Energieversorgungsunternehmen wurden zum Bau von Windrädern und Solarstromanlagen verpflichtet, obwohl es die Möglichkeit geboten hätte, in der Folge die „reichen Konzerne“ wegen des Kassierens der Subventionen zu brandmarken. Es wurde die breite Masse der Bürger zur Investition animiert, um eine große Gruppe von Profiteuren zu schaffen, die um des Erhalts ihrer Profite willen das EEG verteidigen.

Die sehr kleine Gruppe der Fachleute aus der Kernkraftbranche wurde als Lobbyisten diskreditiert, so blieben die Sachargumente zu Radioaktivität und Strahlen ungenannt. Dazu wird im folgenden einiges nachgeholt.

Irreführung mit den großen Zahlen zur Radioaktivität.

Bei den vermeintlichen bzw. manchmal auch echten Gefahren durch Radioaktivität spielen die Begriffe (Radio)-Aktivität bzw. die Konzentration der Aktivität, Dosis und Dosisleistung eine entscheidende Rolle. Zur Risikobeurteilung sind Dosis und Dosisleistung unverzichtbar, dagegen eignet sich zur Menschenverführung besonders der Begriff der Aktivität, weil hier mit großen Zahlen umgegangen wird. Große Zahlen erzeugen große Angst:

„Jedes Becquerel ist ein Becquerel zu viel“,

so ein klassisches Schlagwort im Kampf gegen die Kernkraft. Es ist ein unsinniges Schlagwort, denn Radioaktivität ist überall. Es wurde erfunden zum Zwecke der Volksverführung. Um das zu zeigen, sollen einige Zahlen zur Radioaktivität und deren Konzentration genannt werden.

Der Mensch nimmt mit seiner Atemluft und Nahrung auch Radioaktivität in seinen Körper auf, das summiert sich innerhalb eines Jahres auf:

10 Becquerel                         durch Uran (Uran ist als Spurenelement überall, auch in der Nahrung!)

30 000 Becquerel                  durch Kalium-40 mit Nahrung

25 000 Becquerel                  durch Kohlenstoff-14 mit Nahrung

250 000 Becquerel                durch das Edelgas Radon in der Atemluft

350 000 Becquerel                durch Radon-Zerfallsprodukte in der Atemluft

Zum Vergleich:

1000 Becquerel                     können in Skandinavien durch Radon in einem Liter Trinkwasser sein

1 000 000 Becquerel             werden bei einer Kur in einem Radon-Heilbad aufgenommen durch trinken,
                                                   Atmung, oder durch die Haut.

500 000 000 Becquerel                     werden bei nuklearmedizinischen Untersuchungen dem Patienten gespritzt.

Die Natur bietet uns ein weites Spektrum der Konzentrationen von Radioaktivität:

Der Mensch                            120 Becquerel pro kg Körpergewicht

Unsere Nahrung                      40 Becquerel pro kg, mit sehr weiten Schwankungsbreiten

Kalidünger                             30 000 Becquerel pro kg

Gartendünger (Mischung)       um 3000 Becquerel pro kg

Carnallit (Kalimineral)                        4500 Becquerel pro kg

Heilwasser bei Radon-Kuren   2000 bis 20 000 Becquerel pro kg Wasser

Gartenerde                             um 500 Becquerel pro kg

Granit                                     1000 bis 5000 Becquerel pro kg

Uranerz mit 0,2% Uran                       500 000 Becquerel pro kg

Auch der Mensch ist eine radioaktive Strahlenquelle. Meine schlanke und eher zierliche Frau mit ihren 55 kg stellt rund 6000 Becquerel dar, ein kräftiger Mann wie ein Herr Klitschko mit ca. 110 kg bedeuten schon 12 000 Becquerel. Natürlich „verstrahlt“ die Strahlenquelle mit 12 000 Becquerel sich selber und die Umwelt stärker als diejenige mit nur 6000 Becquerel, aber „gefährlich“ ist das nicht.

Vor Strahlung kann man sich durch großen Abstand schützen, daher sei Personen mit großer Strahlenangst empfohlen, sich durch möglichst großen Abstand vor der menschlichen Strahlenquelle zu schützen.

Und was macht der Mensch daraus?

Frau Ministerin Aigner hat in der Zeit nach der Tsunami-Katastrophe den „EU-Grenzwert“ für Lebensmittel von ca. 1000 Bq pro kg auf die Hälfte herab gesetzt. Das war blinder Aktionismus, durch nichts zu begründen. Wenn ein Mensch durch Lebensmittel 500 Becquerel verspeist, dann hat sein Körper für eine gewisse Zeit eine erhöhte Radioaktivität, die durch natürlichen Stoffwechsel bald wieder auf ihren Ursprungswert sinkt. 500 Becquerel werden andererseits 4 kg höheres Körpergewicht erreicht, und die gehen nicht so bald von allein zurück. 500 Becquerel durch Cs-137 ergeben eine Dosis, wie man sie durch ca. eine Stunde Flug auf Flughöhe in unseren Breiten erhält. Täglich werden Menschen beim Flug zig-tausendfach „verstrahlt“.

Der Mensch hat sehr strenge Regeln für den Umgang mit radioaktiven Stoffen aufgestellt, wenn diese im technischen Bereich anfallen:

·       So darf Stahl beim Rückbau von Kernkraftwerken– zum Beispiel von Reaktordruckbehälter – nur dann freigegeben werden, wenn seine spezifische Aktivität kleiner als 100 Becquerel pro kg ist.

·       In der Förderung von Erdöl und Erdgas setzen sich auf den Innenwänden von Rohrleitungen gern Krusten ab, die auch Radioaktivität enthalten. Beim Überschreiten der Grenze von 200 Becquerel pro kg müssen diese Ablagerungen überwacht werden.

·       In 2002 wurden aus einem mit Reinigungsabwasser gefüllten Transportfahrzeug in einem deutschen Kernkraftwerk versehentlich 700 Liter Abwasser mit 2,2 Mill. Becquerel in den Kanal geleitet, helle Aufregung in allen Medien, Suchtrupps messen sogar im Rhein, denn das war verbotene Freisetzung von Radioaktivität.

Zum Vergleich:
Wenn an einem touristisch interessanten Ort vier große Busse ankommen und die Menschen aussteigen, werden ebenfalls 2,2 Mill. Becquerel „freigesetzt“.
Wenn ein Landwirt 100kg Kalidünger auf seinen Acker ausbringt, werden noch mehr als 2,2 Mill. Becquerel „freigesetzt“.
Das Matterhorn ist ein Granitberg, seine Pyramide enthält ca. 10 000 000 000 000 000 Becquerel, 1000-fach mehr als die langfristig strahlende Aktivität in der ASSE – sollte man das Matterhorn endlagern?

Wenn unser Herrgott heute die Welt erschaffen hätte und müßte bei unseren Behörden wegen einer Dauerbetriebsgenehmigung für die Erde nachfragen, dann würde sie ihm verweigert werden, weil er die strengen Vorschriften der Strahlenschutzverordnung nicht beachtet hat.

Was seit Anbeginn vor hunderten von Millionen Jahren die Natur den Lebewesen und dem Menschen an Radioaktivität zumutet, was niemals in all der Zeit einen merklichen Schaden gebracht hat, das sollte der Mensch heute nicht als schädlich deklarieren.

von Dr. Lutz Niemann EIKE, August 2012

Literatur

Demagogie: http://www.buerger-fuer-technik.de/RezeptederDemagogie042011.pdf, Allensbacher Jahrbücher, Bücher von Prof. Walter Krämer, Prof. Hans-Matthias Kepplinger

Radioaktivität und Strahlen: H. Kiefer, W. Koelzer, „Strahlen und Strahlenschutz“, 2. Aufl. 1987, ISBN 3-540-17679-9; Karl Gertis, „Radon in Gebäuden, eine kritische Auswertung vorhandener Literatur“, ISBN 978-3-8167-7369-6; Hermann Hinsch, „Radioaktivität, Aberglaube und Wissenschaft“, 2010, ISBN 978-3-8423-3785-5;
eigene Berechnungen von Aktivitäten und deren Konzentrationen.




Augen zu und durch: Mit geschlossenen Augen durch die Energiewende

Update-Fortsetzung:

Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Christian Lindner will das Erneuerbare-Energien-Gesetz abschaffen. „Ich bin dafür, dass wir im Herbst konkret über ein Ausstiegsgesetz nachdenken“, sagte Lindner gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa

Text……Die Energiewende nach Fukushima war ein Super-GAU der politischen Kommunikation. Keine Entscheidung einer Bundesregierung hat ein derartiges Chaos verursacht wie der Ausstieg aus der Kernenergie. Die Opposition hätte die Verantwortlichen längst durch die öffentliche Arena geprügelt, wenn sie die Entscheidung nicht am liebsten selbst getroffen hätte.

Der Ersatz für Versorgungslücken bei Windstille und Wolken ist ungeklärt. Zum Ausbau der Stromnetze liegen nur ungenaue Pläne vor. Die Pläne für Stauseen zur Speicherung überflüssiger Energie erschöpfen sich in Absichtserklärungen. Die unterirdische Lagerung von CO2 aus Kohle- und Gaskraftwerken ist nicht allgemein verbindlich geregelt. Sicher ist nur, dass die Energiekosten weiter steigen, aber wie hoch sie werden, weiß wiederum niemand.

Wie konnte das geschehen? Eine erste Antwort gibt der Blick auf die politische Lage und Praxis von Angela Merkel. Der CDU drohten im April 2011 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wegen der Anti-Atom-Proteste nach Fukushima Niederlagen bei den Landtagswahlen.

Zudem bestand die Gefahr, dass das Verfassungsgericht das Gesetz zur Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken für zustimmungsbedürftig erklären und es danach an der Bundesratsmehrheit scheitern würde. Wenn es anders entschieden hätte, wäre nach der Bundestagswahl 2013 eine Koalition mit SPD oder Grünen wegen der Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken schwierig gewesen. In der Zwischenzeit hätte sich Norbert Röttgen als Alternative zu Merkel profilieren können.

In dieser Situation musste einer Politikerin, die ihre Karriere radikalen Wendungen verdankt, der Ausstieg aus der Kernenergie als Mehrzweckwaffe erscheinen, die alle Probleme löst.

Deutsche Medien thematisieren Kernenergie häufig

Merkels situativer Politikstil alleine erklärt aber die Entscheidung für ein Moratorium und ihre absehbaren Folgen nicht, weil sie von weiten Teilen der Unionsführung mitgetragen wurde. Hinzu kam die spezifisch deutsche Reaktion auf das Seebeben, den Tsunami und den Reaktorunfall in Japan. Die deutschen Medien berichteten über diese drei Katastrophen nicht nur insgesamt wesentlich intensiver als die Medien in der Schweiz, in Frankreich und in Großbritannien. Sie befassten sich vor allem intensiver mit dem Reaktorunfall.

Das belegt eine Gegenüberstellung der Berichterstattung in jeweils zwei vergleichbaren Zeitungen und zwei Fernseh-Nachrichtensendungen in den vier Ländern: Die deutschen Zeitungen veröffentlichten nach dem Tsunami innerhalb eines Monats 311 Beiträge über Fukushima – und damit fast doppelt so viele wie im Durchschnitt die Zeitungen der anderen Länder. Die deutschen Fernsehsender sendeten dazu mit 160 Beiträgen fast anderthalbmal so viele wie die Sender im Ausland. Nicht eingeschlossen sind darin die zahlreichen Sonderseiten der Zeitungen und die Sondersendungen der Fernsehsender, die vor allem die deutschen Medien gemacht haben.

Die deutschen Medien thematisierten zudem viel häufiger die Kernenergie im eigenen Land. In Frankreich und England war das nur sehr selten ein Thema. Das Geschehen in Japan schien aus Sicht vieler deutscher Journalisten nur das zu bestätigen, was man hier schon lange zu wissen glaubte, nämlich die Unbeherrschbarkeit der Kernenergie.

Ihre Darstellung entsprach, wie Umfragen zeigen, der Sichtweise eines Großteils der Bevölkerung. In Deutschland ging es, anders als in Frankreich und England, nicht vorrangig um die japanischen Opfer des Tsunami, sondern um die deutschen Opfer der seit Tschernobyl verbreiteten Atomangst.

Das Gegenteil dessen erreicht, was geplant war

Der Beschluss zur zeitweisen Abschaltung deutscher Kernkraftwerke (Moratorium) hat die Diskussion über die Bedeutung des Reaktorunglücks in Japan für die Zukunft der Kernenergie in Deutschland zusätzlich angeheizt. Zwar waren bereits einen Tag nach dem Reaktorunfall in Fukushima die ersten Beiträge über die Zukunft der hiesigen Kernenergie erschienen.

Die Welle von Berichten über die Stilllegung von hiesigen Kernkraftwerken, ihre Notwendigkeit zur Energieversorgung, Anti-Atom-Demonstrationen in deutschen Städten und so weiter erreichte aber erst nach dem Moratorium ihren Höhepunkt. Die politisch Verantwortlichen haben folglich damit genau das Gegenteil dessen erreicht, was sie angeblich erreichen wollten, eine Beruhigung der Bevölkerung.

Die Konzentration der Berichterstattung auf die Kernenergie im eigenen Land ging in den deutschen Medien mit überwiegend negativen Aussagen über die Risiken der Kernenergie einher. Nach ihrer Darstellung bestätigte der Reaktorunfall von Fukushima die These, dass die Kernenergie generell unbeherrschbar ist. Fukushima erschien als Menetekel.

Die Diagnose wurde durch massive Forderungen nach einem Ausstieg aus der Kernenergie ergänzt: In der Presse war das der Tenor von 80 Prozent aller Aussagen zur Zukunft der Kernenergie, im Fernsehen war es der Tenor von sogar 90 Prozent. Dadurch entstand eine scheinbar ausweglose Situation, in der auch diejenigen das Vorgehen von Merkel mittrugen, die es für falsch hielten.

Zweckrational oder wertrational?

Bereits wenige Tage nach dem Moratorium, am 17. März, erkannte Merkel diese Chance und sprach vom „Atomausstieg mit Augenmaß“. Das führt zum Kern des Problems: der Rationalität politischer Entscheidungen und der Verantwortung dafür.

Der Soziologe Max Weber unterschied in seinem berühmten Essay über „Politik als Beruf“ (1919) „zweckrationales“ und „wertrationales“ Handeln. Nach Weber handeln Politiker zweckrational, weil sie erstens verschiedene Zwecke rational gegeneinander abwägen, zum Beispiel den Ausstieg aus der Kernenergie und die Sicherung politischer Macht, und weil sie zweitens die negativen Nebenfolgen bedenken, etwa die Kosten eines Ausstiegs aus der Kernenergie.

Dagegen handeln Journalisten wertrational, weil sie sich ohne Rücksicht auf die absehbaren Nebenfolgen nur von einem herausragenden Zweck leiten lassen, zum Beispiel dem Ausstieg aus der Kernenergie ohne Rücksicht auf die absehbaren Kosten.

Ob diese Annahmen zutreffen, klärt eine Analyse der Art und Weise, wie sich Politiker und Journalisten in elf Medien – „Die Welt“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Rundschau“, „taz“, „Handelsblatt“, „Bild“-Zeitung, „Der Spiegel“, „Focus“, ARD („Tagesschau“, „Tagesthemen“) und ZDF („Heute“, „Heute-Journal“) – in den vier Wochen nach Fukushima zum Ausstieg aus der Kernenergie äußerten.

Politiker haben in insgesamt 130 Beiträgen dieser Medien einen Ausstieg aus der Kernenergie gefordert, Journalisten deutlich seltener, in nur 26. Bedeutsam ist, dass nicht nur die Journalisten, sondern auch die Politiker im Zusammenhang damit nahezu nie auf die Kosten der Energiewende eingegangen sind. Politiker haben diesen Aspekt sogar noch seltener angesprochen als Journalisten (vier Prozent gegenüber zwölf Prozent der Aussagen). Beide haben sich damit ohne Rücksicht auf die Nebenfolgen, unter anderem die Kosten, von einem alles beherrschenden Ziel leiten lassen, dem Atomausstieg, und folglich nicht zweckrational, sondern wertrational argumentiert.

Das widerspricht den Annahmen Webers, entspricht aber dem Selbstverständnis eines Teils der Politiker. Das belegen ihre Reaktionen auf folgende Problembeschreibung: „Politiker dürfen bei ihren Entscheidungen nicht nur an Problemlösungen denken. Sie müssen auch unbeabsichtigte negative Nebenfolgen berücksichtigen, die dadurch entstehen können.“

Bei einer Befragung von Bundestagsabgeordneten aller Parteien schon vor Fukushima hielt es nur eine Minderheit (40 Prozent) für „sehr wichtig“, dass Politiker „auch unbeabsichtigte negative Nebenfolgen“ ihrer Entscheidungen berücksichtigen. Die meisten wollten nicht so weit gehen und meinten nur, es sei „durchaus“ (55 Prozent), aber eben nicht „sehr wichtig“.

Moralische Verantwortung?

Weber äußerte sich auch zur Verantwortung der Handelnden. „Verantwortungsethisch“ verhält sich, wer die Verantwortung auch für die absehbaren negativen Nebenfolgen seines Handelns übernimmt und sein Verhalten danach ausrichtet. Nach Weber gehört die Verantwortungsethik zur Zweckrationalität und ist typisch für Politiker.

Auch daran weckt die Abgeordnetenbefragung Zweifel. Dies belegen die Reaktionen auf folgende Problembeschreibung: „Entscheidungen von Politikern zur Beseitigung von Missständen können unbeabsichtigte negative Folgen haben. Sind Politiker für solche Folgen moralisch verantwortlich oder nicht verantwortlich?“ Nur ein Fünftel (18 Prozent) der Abgeordneten erklärten, sie seien „in jedem Fall dafür verantwortlich“. Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) meinten dagegen, sie seien „dafür nur verantwortlich, wenn die negativen Folgen absehbar waren“ – was auf den Ausstieg aus der Kernenergie zutrifft.

Damit stellen sich zwei Fragen: Wie sieht es um die moralische Verantwortung der damals handelnden Politiker für die unbeabsichtigten, aber absehbaren negativen Nebenfolgen der Energiewende aus? Und wie kann man die Unterschiede, um nicht zu sagen Widersprüche, zwischen den Annahmen Webers und der beobachtbaren Praxis erklären?

Hinweise liefern erneut die Antworten der Abgeordneten. Vorgegeben war die These: „Politiker vertreten vor allem ihre Eigeninteressen und die Interessen ihrer Partei.“ Gefragt wurde, „auf wie viele Politiker“ nach ihren eigenen Erfahrungen dies zutreffe. Nahezu die Hälfte (45 Prozent) der Bundestagsabgeordneten erklärte, das treffe auf „alle, fast alle“ oder „die Mehrheit“ der Politiker zu. Ein weiteres Viertel (26 Prozent) meinte, es treffe auf „etwa die Hälfte“ zu. Folglich waren deutlich mehr als zwei Drittel der Ansicht, das sei typisch für die Hälfte oder sogar noch mehr ihrer Kollegen. Dagegen meinten nur relativ wenige (25 Prozent), das gelte für „eine Minderheit“.

Machtverhältnis zwischen Medien und Politik kehrt sich um

Dies führt zu einem letzten Aspekt der Problematik – die tatsächliche oder vermeintliche Macht der Medien.

Die Bundestagsabgeordneten und die gleichzeitig befragten Hauptstadtkorrespondenten sprachen übereinstimmend den Medien mehr Einfluss auf die Politik zu als der Politik auf die Medien. Anhand einer Skala von 0 („überhaupt kein Einfluss“) bis 10 („sehr großer Einfluss“) stuften die Politiker den Einfluss der Politik auf die Medien mit 5,3 den Einfluss der Medien auf die Politik mit 8,2 ein. Die Journalisten nannten Werte von 6,2 und 7,0. Hierbei handelt es sich um Einschätzungen, die auf eigenen Erfahrungen beruhen und entsprechend aussagekräftig sind.

Gestützt auf Vergleiche mit früheren Befragungen, kann man feststellen: In den vergangenen 40 Jahren hat sich das Machtverhältnis zwischen Medien und Politik umgekehrt. Die Folge ist eine fortschreitende Mediatisierung der Politik, ihre Anpassung an den mehr oder weniger kurzfristigen Medientenor.

Verstärkt wird die reale Machtverlagerung vom sogenannten Andere-Leute-Effekt: Wie die meisten Menschen glauben auch Politiker um so eher an eine starke unerwünschte Wirkung von Medienberichten auf andere Menschen, je größer die Zahl dieser Menschen und je größer die soziale Distanz zu ihnen ist. Deshalb schreiben Politiker den Medien einen besonders großen Einfluss vor allem auf Wähler zu.

Dies führt zur Ausgangsproblematik zurück: Die übertriebene Wahrnehmung der Macht der Medien verleitet angesichts eines übereinstimmenden Medientenors – wie in der Zeit nach Fukushima – auch besonnene Politiker zu Panikreaktionen, bei denen sie alle Bedenken vergessen. Sie wollen nur raus aus der Situation, und das so schnell wie möglich. Die Art und Weise des Ausstiegs aus der Kernenergie ist ein Beispiel dafür. Die Verantwortung für die Nebenfolgen übernimmt niemand, und den Preis bezahlen die Bürger.

Autoren: Hans Mathias Kepplinger ist Professor für empirische Kommunikationswissenschaft (em.) an der Universität Mainz. Richard Lemke ist sein Projektmitarbeiter.

Mit Dank übernommen von „Die Welt“ vom 13.8.12 Originalartikel hier

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Der geheime Brief, den UEA und CRU uns allen vorenthalten will

Im Mai 2010 erbat Keith Briffa dringend unterstützende Feststellungen von seinen Kumpeln beim IPCC im Zusammenhang mit der Muir-Russell-Untersuchung. (Muir Russell hat sich nicht die Mühe gemacht, dass IPCC selbst zu fragen und gab sich mit Briefen von Briffas Kumpels zufrieden). In Briffas Eingabe an Muir Russell vom 19. Mai 2010 fügte er ein Supporting Document C genanntes Dokument hinzu, das so beschrieben wird: „Statements der AR 5 der WG1 TSU beim IPCC, vorbereitet zusammen mit dem früheren Vize und TSU der WG 1 für den AR 4“ [TSU = Technical Support Unit].

Am 22. Oktober 2010 verlangte Holland (FOI 10-122) hiermit nach dem Originaldokument, um festzustellen, wer genau der Absender war. Am 19. November 2010 erhielt er das folgende Dokument:

From: IPCC WGI TSU {Berne]
Sent: Sunday, May 16, 2010 4:58 PM
To: Phil Jones
Cc: ipcc.unibe.ch
Subject: Response to questions on IPCC WGI AR4 process
Dear Phil,
you asked for input from the IPCC AR5 WGI TSU to help you prepare answers to some questions raised in the context of the Muir Russell enquiry. Attached please find the response which has been prepared in consultation with the former Co-Chair and TSU of WGI for the AR4.
Best regards
IPCC WGI TSU

[Inhalt siehe vorigen Abschnitt. Bemerkenswert ist der Verweis auf den Anhang, der aber gar nicht dabei war. A. d. Übers.]

Am 2. März 2011 reichte Holland eine Folgeanfrage ein (FOI-11-048) und fragte nach dem Anhang, den die UEA am 16. Mai 2010 nicht mitgeliefert hat. Es war nicht wirklich eine weitere Anforderung, erhielt aber trotzdem eine neue Kennzahl. Holland fügte folgende Anfrage bei:

„Bitte übermitteln Sie mir Kopien aller E-Mails, datiert vom 25. Februar 2010 bis zum 16. Mai 2010, zwischen der IPCC WG1 TSU in Bern, Dr. Solomon oder Jonathan Overpeck und den Professoren Jones oder Briffa oder Dr. Osborn, die sich auf die Russell-Begutachtung oder den vierten Zustandsbericht des IPCC oder meine Anfrage bzgl. der Russell-Begutachtung beziehen.“

Am 30. März sandte die UEA eine Teilantwort, einschließlich eines Briefes vom 13. Mai 2010 von Briffa an den koordinierenden Leitautor des IPCC AR4 Overpeck und bettelte um  eine Aussage an das Muir-Russel-Panel und Overpecks Antwort vom gleichen Tag. Hinzugefügt war auch eine Cover-E-Mail von Stocker (dba IPCC WG1) an die IPCC-AR4-Leitautoren vom 26. Februar 2010 – gerade noch innerhalb des Zeitrahmens von Hollands Anfrage. Man beachte, dass dies an die Leitautoren des AR4 und nicht des AR5 ging.

Wie üblich hat die UEA den Anhang nicht mitgeschickt. Holland ist an solche Tricks der UEA gewöhnt (TM-Klimawissenschaft) und reichte eine weitere Anfrage im Mai 2011 ein, diesmal mit der Frage nach dem Anhang zur E-Mail vom 26. Februar 2010, die die tatsächliche Botschaft von Stocker an die AR4-Leitautoren enthielt.

UEA setzte Stocker (WG1) von der neuen Anfrage in Kenntnis. Am 6. Juni 2011 äußerte sich Stocker hochmütig zur verlangten Veröffentlichung seines Briefes an die AR4-Leitautoren (und dies ist die Sprache, die später in den jüngsten Bericht von UK zum FOI Eingang gefunden hat):

„… es würde nachteilige Auswirkungen auf international Beziehungen zwischen der WG1 des IPCC und akademischen Institutionen innerhalb von UK haben, weil es uns zwingen würde, unsere Arbeits-Arrangements mit den Experten zu überdenken, die für eine aktive Rolle im AR5 der WG1 von Ihrer und anderen Institutionen in UK ausgewählt worden waren“.

Obwohl Stocker diesen Brief mit dem Briefkopf des IPCC versandt hat, ist nicht klar, (und scheint höchst unwahrscheinlich), dass der Brief in irgendeiner Form vom IPCC sanktioniert worden ist, und vermutlich hat er ihn auf seine eigene Kappe genommen.

Die UEA lehnte Hollands Anfrage noch am gleichen Tag ab. Holland forderte eine interne Berufung. Geduldig sandte die UEA einen weiteren Informationsbrief an Stocker, der wiederum eine genauso hochmütige Ablehnung schrieb. UEA lehnte die interne Berufung ab.

Danach wandte sich Holland an die ICO [?]. Im Oktober 2011 setzte die UEA die WG1 erneut über die Berufung in Kenntnis und vermerkte, dass sie den Brief im Vertrauen an die ICO übermitteln würden (wie es das Gesetz in UK verlangt). Stocker wiederholte seine Drohung über die UK-Forscher. In jedem Brief lehnte es Stocker auch ab, irgendeinen IPCC-Funktionär namentlich zu erwähnen. Anstatt bescheiden zu werden [Instead of putting on his big boy pants…] verlangte der scheinheilige Stocker die Herausgabe sowohl des Namens als auch der Position desjenigen von der WG1, der den Brief geschrieben hatte (er selbst und Vize Dahe). (Die Identität führender Funktionäre wird übrigens unter der FOI-Gesetzgebung nicht als „persönliche“ Information angesehen).

…wir sind auch dagegen, wie jetzt verlangt deren Position innerhalb der WG1 TSU zu enthüllen. Dies wäre gleichbedeutend mit der Bekanntgabe des Namens, weil jedes Mitglied eine spezielle Amtsbezeichnung hat.

In der Entscheidung der ICO im Februar 2012 bezüglich meiner FOI-Anfrage nach einem damals unveröffentlichten Artikel, auf den sich der AR4 FOD bezog (von welchem angenommen worden war, dass er im Rahmen der IPCC-Prozeduren archiviert worden wäre), zitierte die ICO aus einer Vorlage von der UEA (die mir zur Verfügung zu stellen sowohl die ICO als auch die UEA abgelehnt haben). Darin hieß es:

In einem anderen Zusammenhang haben wir kürzlich genau solche Repräsentationen von der IPCC TSU mit Sitz in Genf erhalten, in denen sie explizit bemerken, dass die Veröffentlichung solchen Materials „…nachteilige Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen zwischen der WG1 des IPCC und akademischen Institutionen innerhalb von UK haben würden, weil es uns zwingen würde, unsere Arbeits-Arrangements mit den Experten zu überdenken, die für eine aktive Rolle im AR5 der WG1 von Ihrer und anderen Institutionen in UK ausgewählt worden waren“.

Dieses Zitat stammt aus Stockers Brief. Man beachte, dass sich das IPCC-Hauptquartier in Genf befindet, während der Brief tatsächlich lediglich von der WG1 TSU mit Sitz in Bern kommt. Der Unterschied zwischen dem IPCC – eine internationale politische Organisation – und der WG1, einer Freiwilligengruppe von Wissenschaftlern, ist sehr bedeutend und wurde in der Eingabe der UEA weggelassen (der Unterschied wurde von Richard Tol in Kommentaren bei Bishop Hill beschrieben).

Am 1. März 2012 (FER0408711) hat sich die ICO ebenfalls gegen David Holland entschieden. Holland wandte sich an das Tribunal am 27. März (EA-2012-0070). Die Sache liegt in der Schwebe.

Am 27. Juli 2012 schrieb Holland an das IPCC. Dabei zog er dessen Augenmerk auf die UEA, die die Kommunikationen von Stocker als offizielle IPCC-Positionen dargestellt hat:

In ihrem Brief an den Bevollmächtigten vom 18. November 2011 stellt die UEA fest:

„Das IPCC hat klargestellt, dass die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente das IPCC zwingen würde, Arbeitsvereinbarungen sowohl mit der UEA als auch anderen innerhalb von UK zu überdenken“.

Trotz der Klimagate-E-Mail 3529.txt (ebenfalls im Anhang), in der Dr. Solomon Professor Jones von der UEA gesagt hat, dass sie nicht für das IPCC gesprochen hat; und trotz der Klimagate-E-Mail 4752.txt (ebenfalls im Anhang) von Professor Jones an David Palmer an der UEA mit der Feststellung, dass die Vizevorsitzenden der Arbeitsgruppe nicht für den IPCc sprechen, hat die UEA also anscheinend den Informations-Bevollmächtigten dazu überredet, dass dies doch der Fall sei.

Holland bat das IPCC, dass die folgenden Bestätigungen vor dem Tribunal benutzt werden können:

„Zugunsten des Tribunals wäre ich dankbar, wenn Sie als Sekretär des IPCC bestätigen oder dementieren können, dass die im Anhang stehende Kommunikation von Professor Stocker an die UEA, von der UEA als die offizielle Sicht des Panels und als solche vom Bevollmächtigten akzeptiert, wirklich die offizielle Ansicht des Panels für Repräsentanten der Regierungen sind, denen sie zugestimmt haben.

Können Sie bestätigen oder dementieren, dass es die offizielle Sicht des IPCC ist, dass die zurück gehaltenen Informationen, auf die sich Professor Stocker und die UEA beziehen, nicht offen gelegt werden sollten?“

Dass IPCC hat es abgelehnt vor dem Tribunal zu bestätigen oder zu dementieren, dass die Sache in der Schwebe liegt.

[Übersetzung dieser Mail:

Sehr geehrter Mr. Holland,

Danke für Ihre E-Mail vom 26. Juli, in welcher Sie Klarheit über viele Punkte haben wollen, die für den aktuellen Fall vor dem First-Tier Tribunal (Informationsrechte) von Belang sind. Ihr Brief wurde dem Exekutivkomitee des IPCC zur Kenntnis gebracht.

Mit diesem Brief möchte ich Sie darüber informieren, dass das Exekutivkomitee des IPCC Ihr Anliegen auf seinem Treffen am 1. August 2012 behandelt hat. Die darin erhobenen Fragen betreffen spezielle Angelegenheiten in diesem Fall vor dem Tribunal. Unter diesen Umständen hat das Exekutivkomitee des IPCC beschlossen, dass es nicht in einer Position ist, um direkt Fragen von individuellen Personen oder Organisationen zu Dingen zu beantworten, die Teil eines laufenden Tribunal-Prozesses sind.

Danke für Ihr Verständnis.

Ende E-Mail]

Dabei ging es in der gesamten Angelegenheit nur darum, ob Stocker die Autorität besessen hat, im Namen des IPCC zu sprechen.

Der zynische Opportunismus der UEA wird durch die Position demonstriert, die Phil Jones in einer Klimagate-E-Mail eingenommen hat, in der er die UEA FOI-Funktionäre Palmer und Macgarvie informierte, dass die Vorsitzenden der Arbeitsgruppen „nicht das Mandat haben, für das IPCC zu sprechen“:

„Ich bin diese Woche auf einem Treffen des IPCC. Das IPCC hat Regeln und Ordnungen, die wir Ihnen in der Vergangenheit zugesandt haben. Tim kann diese noch einmal senden, falls Sie sie nicht haben. Ich habe hier mit jemandem gesprochen. Das IPCC ist nur ein kleines Büro in Genf, und die vielen verschiedenen Personen, die den Arbeitsgruppen vorstehen, haben nicht das Mandat, für das IPCC zu sprechen.“

Dies hat die Funktionäre der UEA FOI nicht davon abgehalten, Briefe von Jones’ Freund Stocker als offizielle IPCC-Positionen darzustellen.

Postscript 1:

Erinnern wir uns an den IAC-Bericht – in welchem klargestellt wird, dass das Exekutivkomitee des IPCC unabhängige Direktoren mit einschließt. Stocker und andere haben das sabotiert. Stattdessen zitierten sie die Vizevorsitzenden der Arbeitsgruppen vor das Exekutivkomitee: Stocker, Christopher Field von der WG2, Ottmar Edenhofer von der WG3.

Postscript 2:
Universitäten in UK haben sich indirekt auf Stockers Brief (ohne jede Erklärung von dessen Zusammenhang) bezogen , und zwar in ihrer Eingabe an das Unterhaus-Komitee zum FOI-Gesetz. Das Komitee zitierte aus dieser Eingabe,

208 … Universitäten in UK haben beobachtet, dass es schwer zu beweisen war, dass Förderungen nicht heimischen Universitäten zugute kamen:

(…) Beweise kommerzieller Partner, die von der Zusammenarbeit mit UK-Institutionen abgebracht worden sind, sind weitgehend anekdotisch. Allerdings hat die University of East Anglia in einem Fall, der die kürzlich vom Informationskommissar für Entwürfe veröffentlichter Studien festgelegten Environmental Information Regulations (EIR) betrifft, hervorgehoben, dass:

In einer anderen Angelegenheit haben wir kürzlich genau solche Repräsentationen von der IPCC TSU (TSU = Technical Support Unit) mit Sitz in Genf erhalten, in denen explizit festgehalten war, dass die Veröffentlichung solchen Materials „…nachteilige Auswirkungen auf international Beziehungen zwischen der WG1 des IPCC und akademischen Institutionen innerhalb von UK haben würden, weil es uns zwingen würde, unsere Arbeits-Arrangements mit den Experten zu überdenken, die für eine aktive Rolle im AR5 der WG1 von Ihrer und anderen Institutionen in UK ausgewählt worden waren“.

[369]

Der ganze Ablauf war also folgendermaßen: Das Komitee zitierte aus der Eingabe der UK-Universitäten, die wiederum aus der Entscheidung der ICO in meinem Fall zitiert haben (unter Berufung auf das Tribunal). Die ICO zitierte aus einer Eingabe der UEA in meinem Fall. Obwohl das in der Entscheidung festgelegt worden war, hat es die ICO abgelehnt, mir die Eingabe verfügbar zu machen, selbst als Antwort auf eine FOI-Anfrage. Die UEA wiederum zitierte aus Stockers Brief und machte Einwände geltend, seinen immer noch geheimen Brief an die Leitautoren des AR4 bekannt zu machen.

Ich frage mich, was in Stockers Brief stand. Und während Stocker seine Einwände mit der FOI-Gesetzgebung in UK einrahmt, ging der Brief an alle Leitautoren vom AR4, von denen viele für Regierungsagenturen und Universitäten in den USA, Kanada und Australien arbeiten, und bot ihnen andere mögliche Wege, den Brief zu erhalten, falls das IPCC die Dinge auf die harte Tour erledigen will.

Steve McIntyre

Link: http://climateaudit.org/2012/08/03/ipccs-secret-letter/#more-16628

Übersetzt von Chris Frey EIKE

Anmerkung des Übersetzers: Die genauen Hintergründe der hier beschriebenen Vorgänge habe ich nicht zur Gänze verstanden. Ich habe das trotzdem übersetzt, denn das Schlaglicht, das hier auf die Machenschaften von IPCC und Co. Geworfen wird, spricht für sich. Mein Fazit: Ohne grobe Tricksereien in großem Stil wäre das IPCC nicht überlebensfähig. Umso größer die Schande, dass nicht nur unsere deutsche Bundesregierung die Verlautbarungen dieser Schummelinstitution zur Grundlage einer Politik macht, die uns Abermilliarden Euro an Steuer- und anderen Geldern aus der Tasche zieht sowie zu verheerenden, von allen „ Naturschützern“ sanktionierten Umweltschäden führt.

C. F.




ZEIT Online Journalist Staud kritisiert „Die kalte Sonne“. Was ist dran?

Die Zeit hat sich in der Vergangenheit bereits ausführlich mit unserem Buch „Die kalte Sonne“ auseinandergesetzt. Dabei positionierte sich die Zeitung ganz klar auf der Seite des Weltklimarats und wischte die von vielen Seiten durchaus berechtigte Kritik an dieser UN-Organisation stets eilfertig vom Tisch. Jedes Mal haben wir uns der Diskussion gestellt, die Vorwürfe geprüft und entsprechend entkräftet.

•   Kommentierung der ZEIT-Artikel “Störenfritz des Klimafriedens” und “Skeptiker im Faktencheck” (10.2.2012)

•   Kommentierung des ZEIT-Online Artikels “Alarmismus its mindestens genauso schlimm wie Skeptizismus”  (21.2.2012)

•   Kommentierung des ZEIT-Artikels “Beweise bitte!” (23.2.2012)

•   Treppenstufen ins Abseits: Wie ‘Die Zeit’ ihre Leser verschaukelt (10.2.2012)

•   Die Zeit nahm sich nicht die Zeit, um auf ‘Die kalte Sonne’ zu warten (6.2.2012)

Anfang März 2012 erhielten wir dann endlich die Gelegenheit, den Zeitlesern unsere Argumente zu erläutern:

•   Unser Artikel in der ZEIT: “Hier irren die Klimapäpste” (4.3.2012)

Die Reaktion auf den Artikel war erschreckend: Es gab nämlich keine. Offensichtlich waren unsere Argumente schlüssig und man zog es daher vor, sich nicht weiter mit unseren Gegenargumenten zu beschäftigen.

Zu den treibenden Kräften der Zeit-Kampagne gegen unser Buch gehörte damals der freie Journalist Toralf Staud (siehe Foto oben rechts), der interessanterweise regelmäßig für das Greenpeace-Magazin schreibt. Ist mit einem solchen Hintergrund eigentlich eine unvoreingenommene Bewertung der wissenschaftlichen Fakten zu möglich? Hier müssen ernsthafte Zweifel angemeldet werden. Aus seinem Wikipedia-Lebenslauf wird weiterhin klar, dass er offensichtlich keinerlei universitäre naturwissenschaftliche Ausbildung vorzuweisen hat, was jedoch im datenintensiven Klimastreit von großem Nutzen wäre.

Nun ist seit der ersten Diskussionsrunde mit der Zeit ein halbes Jahr vergangen, da meldete sich Staud plötzlich erneut und wollte einen langen Fragenkatalog zu unserem Blog www.kaltesonne.de beantwortet haben. Er plane einen kritischen Beitrag auf Zeit Online und würde uns gerne die Möglichkeit einer Kommentierung von strittigen Punkten geben. Sebastian Lüning beantwortete diese Fragen bereitwillig. Der entsprechende Artikel ist heute (10.8.2012) auf Zeit Online erschienen („Forscher fühlen sich von Klimaskeptiker Vahrenholt instrumentalisiert“), und wir wollen die Vorwürfe von Staud hier diskutieren und prüfen.

Manfred Mudelsee und die Tropfsteinhöhlen im Sauerland

Im Juni besprachen wir in unserem Blog eine Arbeit Manfred Mudelsee, bei der es um die Klimageschichte im Sauerland anhand von Tropfsteinuntersuchungen ging (siehe unser Blogartikel „Mittelalterliche Wärmeperiode und Kleine Eiszeit in Höhlentropfsteinen des Sauerlandes“). Wir berichteten damals, dass es in den untersuchten Höhlen Hinweise auf bedeutende klimatische Schwankungen im 1000er-Jahresmaßstab gibt. Hierbei bezogen wir uns auf eine Abbildung in Mudelsee’s Paper (Abbildung 1). Die beschriebenen Schwankungen sind im Rohdatensatz klar erkennbar.

 

Abbildung 1: Sauerstoffisotopen-Daten für drei verschiedene Stalagmiten (rot, grün, blau) für die vergangenen 9000 Jahre. Abbildung aus Mudelsee et al. (2012).

Manfred Mudelsee war zudem als Co-Autor an einer anderen Publikation beteiligt (Fohlmeister et al. 2012), in der zum Teil sogar die gleichen Tropfsteine untersucht wurden (siehe unser Blogartikel „Klimatanz in der Bunkerhöhle während der letzten 10.000 Jahre im Takte der Sonne“). In dieser zweiten Studie erklären die Autoren nun kurioserweise genau das, was Mudelsee nun seltsamerweise versucht abzustreiten: Ja, es gibt Klimaschwankungen im Millenniumsmaßstab, genau wie in der Pionierarbeit eines Teams um Gerard Bond aus dem Nordatlantik, wo sie in einem Science-Artikel 2001 explizit beschrieben worden sind und mit solaren Aktivitätsschwankungen in Verbindung gebracht wurden. Zitat aus Fohlmeister et al. (2001, S. 1704):

“Therefore, climatic-related signals from the North Atlantic (e.g. the hematite-stained grains (HSG) record; Bond et al., 2001) and the Bunker Cave delta18O record are expected to show similar variations (Fig. 5). Cold periods as indicated by increased percentages of HSG indeed coincide in most cases with colder phases in Western Germany (high delta18O values in speleothem calcite).”

Frage zur Plausibilität: Wie konnte Mudelsee die Millenniumszyklen-Interpretation im Fohlmeister et al.-Paper explizit als Co-Autor offensichtlich mittragen, während er nun anscheinend nichts mehr davon wissen will? Wie passt dies zusammen? Was steckt wirklich hinter dieser Kritik?

Ebenso mysteriös ist die im Zeit Online Artikel berichtete Reaktion von Jürg Beer, seinerzeit Co-Autor der wichtigen Nordatlantik-Studie des Bond-Teams:

Einer seiner damaligen Mitautoren aber, der Schweizer Umweltphysiker Jürg Beer, sagt zu den Schlussfolgerungen, die Vahrenholt und Lüning aus der Studie ziehen: “Das ist unseriös. Das kann man nicht machen.”

Mit solch einer pauschalen Kritik ist beim besten Willen nicht viel anzufangen. Weder nennt Beer einen plausiblen Grund, warum die Schlussfolgerungen „unseriös“ wären, noch scheint sich Beer an den Text seines eigenen Abstracts zu erinnern, in dem sowohl die Klimazyklik im Millenniumsmaßstab, als auch die Steuerung durch Sonnenaktivitätsschwankungen ausdrücklich genannt sind (aus Bond et al. 2001):

A solar forcing mechanism therefore may underlie at least the Holocene segment of the North Atlantic’s “1500-year” cycle. The surface hydrographic changes may have affected production of North Atlantic Deep Water, potentially providing an additional mechanism for amplifying the solar signals and transmitting them globally.

Wodurch könnte das Erinnerungsvermögen möglicherweise getrübt worden sein? Hat es vielleicht damit zu tun, dass Jürg Beer mittlerweile als Autor am 5. Klimazustandsbericht des IPCC beteiligt ist?

Meeresspiegelanstieg

Dann schwenkt Toralf Staud zur Frage des Meeresspiegelanstiegs um und wirft uns vor, wir hätten Simon Holgate und Jens Schröter falsch zitiert. Dabei übersieht Staud, dass wir uns hierbei auf Äußerungen beziehen, die schwarz auf weiß in einem Spiegelartikel von Axel Bojanowski vom 25.8.2011 stehen:

“Ob wir seit 1993 eine Beschleunigung haben, ist nicht klar”, sagt John Church vom australischen Klimaforschungsinstitut CSIRO. “Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich der Meeresspiegel-Anstieg ausgerechnet in dem Jahr beschleunigt haben sollte, als Satelliten in Dienst gestellt wurden”, ergänzt Simon Holgate, Meeresspiegel-Forscher am National Oceanography Centre in Liverpool.

In der Tat wurden Satellitenrohdaten nachträglich kräftig bearbeitet werden, um die angebliche Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs in den letzten Jahrzehnten zu erhalten (siehe unser Blogartikel „Nachträgliche Korrekturen der Satelliten-Meeresspiegeldaten: Was nicht passt wird passend gemacht?“). Pegelmessungen können interessanterweise die postulierte „Beschleunigung“ des Meeresspiegelanstiegs nicht nachvollziehen (siehe unsere Blogartikel „Beschleunigte Meeresspiegelanstiege gehören schleunigst in die Mottenkiste“ und „Fallstudien aus aller Welt belegen: Keine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs während der letzten 30 Jahre“).

Auch der Vorwurf, wir hätten Jens Schröter vom Bremerhavener Alfred Wegener Institut falsch zitiert ist schwer nachvollziehbar. Wiederum diente ein Spiegel-Artikel als Vorlage, diesmal von Markus Becker vom 21.6.2011. Damals ging es um eine neue Studie von Stefan Rahmstorf, der einen beschleunigten Meeresspiegelanstieg an der Küste von North Carolina beobachtet haben will (siehe unser Blogartikel „Senat von North Carolina erteilt Rahmstorfs beschleunigtem Meeresspiegel eine Absage“). Becker schrieb damals auf Spiegel Online:

Doch genau das bezweifeln andere Fachleute. Sie sehen ein Hauptproblem der neuen Untersuchung darin, dass sie letztlich nur auf den Funden von der Küste North Carolinas beruht – was für eine Aussage der globalen Entwicklung zu wenig sein könnte. “Diese Studie eignet sich deshalb überhaupt nicht für Vorhersagen”, meint Jens Schröter vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

An dieser Stelle wird besonders gut erkennbar, dass Toralf Staud in der fachlichen Diskussion kaum drinsteckt und mehr Verwirrung als Hilfe zur Klärung leistet. Er zitiert Schröter in seiner Zeit Online-Kritik:

“Es gibt natürlich Landhebungen und -senkungen”, bestätigt Schröter, wenn man ihn anruft. “Aber die können die Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs in den letzten Jahrhunderten nicht erklären.”

Offenbar merkt Staud gar nicht, dass sich die Diskussion nicht um die Beschleunigung des Meeresspiegels „in den letzten Jahrhunderten“ sondrn „vielmehr „in den letzten Jahrzehnten“ dreht. Denn diese ist klar erkennbar und plausibel zu erklären. Während der Kleinen Eiszeit war es so kalt, dass Gletscher und Polkappen ordentlich zulegten und der Meeresspiegelanstieg aus diesem Grunde zum Stillstand kam, zum Teil sogar sinkende Meeresspiegel zu beobachten waren. Im Übergang der Kleinen Eiszeit zur Modernen Wärmeperiode begannen die Eismassen dann wieder zu tauen und der Meeresspiegelanstieg zog wieder an. Bis etwa 1940 nahm die Geschwindigkeit des Anstiegs immer weiter zu, blieb dann aber ab 1940 ziemlich konstant. In den letzten Jahrzehnten ist daher keine weitere Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs mehr zu erkennen, wenn man verlässliche Pegelmessungen heranzieht und die in fragwürdiger Art und Weise „korrigierten“ Satellitendaten“ einmal außen vor lässt.

Drohende Sonnenflaute

Staud kritisiert in der Folge die Aussicht, dass die Sonnenaktivität in den kommenden Jahrzehnten bis etwa 2030/2040 abnehmen könnte. Eine solche Entwicklung nimmt die Mehrheit der Astrophysiker als wahrscheinlich an, wie wir ausführlich auf den Seiten 298-308 in unserem Buch „Die kalte Sonne“ darlegen und auch in unserem Blog geschrieben haben.

Wieder verdreht Staud die Situation nach Belieben und schreibt:

In Die kalte Sonne bauen die Autoren ihre Argumentation darauf auf, man könne belastbare Prognosen über die solare Aktivität der Zukunft abgeben. Vahrenholt und Lüning verweisen mehrfach auf Sami Solanki vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Spricht man mit ihm, sagt er, es sei “völlig unmöglich, über den nächsten elfjährigen Sonnenzyklus hinaus in die Zukunft zu schauen”. Aussagen über mehrere Jahrzehnte, wie Vahrenholt und Lüning sie treffen, könne er “nicht unterstützen”.

Staud übersieht hierbei zwei Dinge. Zum einen zitieren wir Solanki lediglich im Zusammenhang mit seinem Nature Artikel von 2004, in dem er zeigen konnte, dass die letzten Jahrzehnte zu den solar aktivsten der letzten 10.000 Jahre gehörten. Zum anderen steht Solanki mit seiner überaus pessimistischen Sichtweise zur Vorhersagbarkeit ziemlich alleine in der Fachwelt dar. Wenn man die Fachliteratur etwas verfolgt hat, wird dies schnell klar. Staud hat es vorgezogen, den Zeit Online Lesern diesen Sachverhalt vorzuenthalten, obwohl ihm mehr als zehn Literaturzitate zu den entsprechenden Publikationen im Vorfeld des Artikels von Lüning alle zur Verfügung gestellt wurden.

Kosmische Strahlung

Schließlich kritisiert Staud noch unseren Umgang mit den Arbeiten von Benjamin Laken. Im Buch gehen wir auf Seite 258 ausführlich auf eine Arbeit von Laken ein, die den bezeichnenden Titel trägt „Cosmic rays linked to rapid mid-latitude cloud changes“. Hier steckt schon im Titel drin, dass in der Studie offensichtlich ein Zusammenhang zwischen kosmischer Strahlung und Veränderung der Wolkenbedeckung gefunden wurde. Über genau diesen Zusammenhang berichten wir in unserem Buch.

Die Erforschung der Wolkenbildung und der mögliche Einfluss von kosmischer Strahlung befindet sich derzeit in einer heißen Phase. Hier besteht noch viel Forschungsbedarf. Da wundert es nicht, dass in anderen Studien von Laken, der Zusammenhang zwischen den beiden Faktoren nicht nachgewiesen werden konnte. Auf den Seiten 260/261 unseres Buches gehen wir auf diese Diskrepanzen ein und diskutieren basierend auf Diskussionen mit Henrik Svensmark mögliche Fehlermöglichkeiten. Diesen Teil hat Staud offenbar überlesen.

Toralf Staud teilt in seinem Zeit Online Beitrag kräftig aus und verwendet allerlei unschöne Begriffe und Floskeln. Am liebsten hätte er, wenn die zahlreichen Kritiker des IPCC einfach abgeschaltet werden könnten. Zusammen mit Manfred Mudelsee träumt Greenpeace-Magazin-Autor Staud schon davon, dass den unbequemen Klimarealisten einfach der “Anspruch auf Teilhabe am wissenschaftlichen Diskurs” aberkannt werden könnte. Ein netter Gedanke. In Nordkorea und Kuba wäre dieses Vorhaben sicher auch durchführbar.

Der Faktencheck zeigt, dass Stauds Kritik wenig stichhaltig ist. Kann es sich eine ansonsten renommierte Redaktion wie Die Zeit eigentlich leisten, solch einen schwachen und persönlich aggressiven Artikel fachlich weitgehend ungeprüft zu veröffentlichen?

Das Foto oben rechts zeigt Toralf Staud. Quelle: Wikipedia

Zuerst erschienene unter Kritik an der kalten Sonne auf Zeit Online: Was ist dran an den Vorwürfen?