Gertrud Höhler erklärt die politische Welt der Angela Merkel

„Die Patin – Wie Angela Merkel Deutschland umbaut“

von Helmut Jäger

Man könnte auch fragen: Was sagen Atomausstieg und „Energiewende“ über den Politikstil und Wertekanon der Bundeskanzlerin aus?

Gertrud Höhler geht einer überraschenden Frage nach: Ist die deutsche Demokratie auf dem Weg in ein autoritäres System? Ja, meint sie und beschreibt in ihrer beklemmenden Analyse, wie Angela Merkel, „Die Patin“, aus Deutschland einen werte-entleerten Einheitsparteien-Staat machen will.

Überzogene Ideen, Enthüllungsfantasien einer gekränkten Politik-Rivalin, die sich einst der besonderen Gunst Helmut Kohls erfreute? Ein später Racheakt an der Meuchelmörderin des politischen Übervaters einer ganzen Generation von CDU-Politikern, die den entscheidenden Schritt zum Abfall von ihrem politischen Idol nicht wagten und den Treueverrat dem „Mädchen“ aus dem Osten überließen? Nein, so kann Gertrud Höhlers atemberaubende Deutung der Machtpolitik der Bundeskanzlerin nicht gelesen werden.

Gertrud Höhler schreibt nüchtern mit den Augen der Literaturprofessorin, die mit scharfsinniger Analyse Handlungen und Motivationen entschlüsselt, indem sie Sprache, Verhalten und Tun der Politikerin Angela Merkel untersucht.
Deren Erfolgsgeheimnis: die westlich geprägten Politiker können nicht verstehen, dass hier eine Frau aus dem Osten antrat, ohne Wertebindung, ohne Loyalitäten – mit ihrem eigenen Relativismus für Moral und Recht. (S. 173)

Frau Höhler lässt die Ereignisse sprechen und erklärt, wie die Bundeskanzlerin die „Marginalisierung der Parteien“ vorantreibt, mit welcher Nonchalance sie überkommene Werte und Normen zur Disposition stellt. „Lautlose Sprengungen“ nennt die Autorin die Ereignisse, wenn Angela Merkel so ganz en-passant stillschweigende Bestandteile des europäischen politischen Wertekonsenses über Bord wirft, so dass sich die westlich sozialisierten Parteifreunde und Mitstreiter erstaunt fragen: Kann man das machen?
Ja, man kann! wäre die fiktive Antwort der Kanzlerin.

Gertrud Höhler nimmt sich vier große Ereignisketten bei ihrer Entschlüsselung vor:

·         die Beseitigung aller Machtkonkurrenten in der CDU,

·         das Drama um die dreifache Wahl des Bundespräsidenten,

·         die europäische Staatsschuldenkrise,

·         Atomausstieg und sogenannte „Energiewende“.

Atomausstieg und sogenannte „Energiewende“ ziehen sich als Leit-Indizienkette für den  Werte-Relativismus der Bundeskanzlerin durch das ganze Buch. Gertrud Höhler zeigt, wie durch offene Rechtsbrüche der Energiesektor dem rücksichtslosen Zugriff der Politik und den Geschäftemachern übergegeben wurde. Dass es der Bundeskanzlerin nicht um moralische Positionen ging, sondern um Machtabsicherung, ist keine neue Erkenntnis, möchte man sagen. Doch Gertrud Höhlers Deutung ist beunruhigender, weil sie hier nicht etwas Zufälliges erblickt. Atomausstieg und „Energiewende“ waren keine kurzen, sozusagen taktische politische Fouls. Stattdessen überraschende Offenlegungen eines Grundmusters des bindungslosen politischen Wertekanons der Angela Merkel.

Bei Gertrud Höhler liest sich der Gang der Ereignisse so: (S. 106 ff)

Die für 2011 anstehenden drei Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt ließen für die CDU nichts Gutes erwarten. Die Merkel-Regierung war mit der Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke erheblich unter Druck geraten:  Klagen von fünf SPD-regierten Bundesländern und 214 Bundestagsabgeordneten drohten.
Dann kam Fukushima – fast wie ein Geschenk für Merkel: drei Tage nach der japanischen Katastrophe verkündete sie bereits ein Moratorium für ein Gesetz, das ihre eigene Regierung gemacht hatte. Das Moratorium für den Vollzug ihres Gesetzes und den Atomausstieg – sofort!

Anhänger der Legalität rieben sich die Augen: Die Kanzlerin ermächtigt sich selbst zur Aussetzung eines Gesetzes für drei Monate. Ein Gesetz kann nur durch ein nachfolgendes Gesetz ausgesetzt werden. Und zusammen mit dem „Moratorium“ wurden noch ein halbes Dutzend andere Gesetze, unter ihnen Aktienrecht und Verfassungswerte, einfach vom Tisch gewischt. Mit der Abschaltung von sieben Kernkraftwerken stellte sich die Kanzlerin der gesamten Wirtschaft als neue Herrin des Kernsektors der Industriegesellschaft vor. Alles ohne Rechtsgrundlage – außerhalb der Legalität. (S. 107 f)

Eine moralische Rechtfertigung musste her: ein juristischer „Trick“: Der Rückgriff auf die staatlich gebotene Pflicht zur Gefahrenabwehr.

Nur ein Vorwand, meint Frau Höhler. Denn in Deutschland war eine neue Gefahr durch den japanischen Unfall nicht zu sehen. Die Kanzlerin begründete ihren Gesinnungswandel zur Kernkraftgegnerin mit einem Angst-Argument: Wenn eine solche Katastrophe im Hochtechnologieland Japan eintreten könnte, wäre sie auch bei uns möglich. Dies war eine unzulässige Gleichsetzung der deutschen Sicherheitspraxis mit der verantwortungslos nachlässigen Handhabung der Sicherheit in Fukushima. Das, so Gertrud Höhler, muss die Kanzlerin gewusst haben. (S. 108 f)

Die Bundesbürger hörten in der Regierungserklärung drei Monate nach dem Tsunami zum ersten Mal diese Betroffenheitserklärung der Kanzlerin: „Ohne Zweifel, die dramatischen Ereignisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt, sie waren ein Einschnitt auch für mich ganz persönlich“. Zur Entschlüsselung der absichtsvoll eingesetzten Emotionalität bietet Gertrud Höhler folgende Erklärung an: Sie sollte nur ein Narkotikum für die ethisch sensiblen Landsleute sein, und eine Begründung liefern für die Umsteuerung des gesamten Energiewesens, für den Staatszugriff auf den Energiesektor. Die persönliche Betroffenheit war für jene Situation ungeeignet. (S. 186)

Das Motiv von der ethischen Pflicht zur Gefahrenabwehr wurde weiter strapaziert. Eine eigens eingesetzte Ethikkommission, philosophisch, weltanschaulich und religiös orientiert – ohne wesentliche Beteiligung der Energiewirtschaft – legitimierte die Rechtsbrüche. Mit dem Vorsitzenden der Ethik-Kommission, dem auf Merkel-Linie stehenden Klaus Töpfer, würde der gewünschte Freispruch wegen moralischem Gebot schon zu Stande kommen. Doch das war eine machtpolitische Zielsetzung, keine energiepolitische.

Der Name Töpfer sollte bei den Vorgängen um die Präsidentenwahl 2012 noch ein Rolle spielen: Genau er war der Wunschkandidat der Kanzlerin anstelle des mehrheitlich vom Volke gewünschten Joachim Gauck.
Der Entschlüsselung der Vorgehensweise von Angela Merkel um die drei Bundespräsidentenwahlen widmet Gertrud Höhler ein eigenes Kapitel mit dem Titel „Präsidentendämmerung“. (S. 195 ff)

Doch zurück zu den aufschlussreichen Vorgängen um die „Energiewende“.

Der Atomunfall in Fukushima hatte die Gelegenheit für eine atemberaubende Volte geboten: Moratorium und Ausstieg. (S. 107)

Diese Volte deutet Gertrud Höhler als Zeichen für eine utilitaristische Politik, die nur dem Machterhalt der Kanzlerin diente. Zwar waren die Wahlen in Baden-Württemberg schrecklich für die CDU ausgegangen, die Wähler hatten noch nicht verstehen wollen, dass die CDU nun die grüne Partei war, dunkelgrün sogar. Um dies endgültig zu verdeutlichen, machte die „Patin“ Angela Merkel der SPD und den Grünen ein Angebot, das diese nicht ablehnen konnten: Merkel vollführte den „Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg“. (S.110 f.)
Sie ließ das Atomgesetz so novellieren, dass es noch schneller gehen würde, als je von SPD und den Grünen beabsichtigt: 2022 wird in Deutschland die Nutzung der Kernenergie beendet, die während des Moratoriums abgeschalteten Kernkraftwerke werden nicht mehr ans Netz gehen. Das Zeitalter der Erneuerbaren Energien soll rasch erreicht werden.

Eine ernsthafte Sicherheitsüberprüfung, der Zweck des Moratoriums, konnte in der kurzen Zeit nicht stattfinden, der Wirtschaft wurde das Vertrauen auf eine rationale Energiepolitik genommen, anders als Merkel 2005 versprochen hatte. Frau Höhler zitiert mit Abscheu aus dem Kultur-Magazin „Cicero“:
„Das ZK der SED hätte es nicht anders geplant und durchgezogen.“ (S. 111)

Nun lieferten die Koalitionsabgeordneten noch ein beschämendes Schauspiel: Am 30. Juni winkten sie den Atomausstieg der Angela Merkel parlamentarisch durch.

Was hatte die „Patin“ erreicht? Sie hatte das politische Fundament der Grünen weggesprengt, deren Anti-Atom-Credo geraubt und der CDU zugeschrieben: „Grün wurde Regierungspolitik; die Macht der Monopolisten für das Gute, der Grünen Partei, war gebrochen“. (S.187)

Und das langfristige Ergebnis? Gertrud Höhler stellt fest: „Die 180-Grad ‚Energiewende’ … ist ein Sprung in Richtung Staatswirtschaft.“ (S. 111). Die Mehrheit dieser Gesellschaft, der die Regierung Merkel mit ihrer Betroffenheitsoffensive seit Fukushima zu huldigen vorgibt, wird am stärksten unter den Folgen des Ausstiegs zu leiden haben …“. (S. 112)

Und immer waren die meisten Medien dabei, wenn der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut wurde.

Steigende Strompreise sind unvermeidlich wegen der notwendigen Investitionen in neue Kraftwerke, für den Netzausbau, wegen der Umlage für den unwirtschaftlich und dazu chaotisch schwankenden Wind- und Sonnenstrom, wegen  der Überwälzung des Risikos neuer Techniken und der Stromkosten Energie-intensiver Industrien auf die Verbraucher.
Es ist eine Reise ohne Kompass, denn es gibt kein konkretes Rechenmodell, das die Kosten der „Energiewende“ auf eine mathematische Grundlage stellen würde. (S. 112 f)

Und schließlich gibt es da noch einen Wertekonflikt mit dem Naturschutz. Auch der wird übersteuert, wenn es um Windräder und Schneisen für Freileitungen in Wäldern geht. Die deutsche „Wendegesellschaft“ muss ihre „Schönheitsbedürfnisse radikal umstellen“, d. h. ihre Anhänglichkeit an die Unversehrtheit der Natur und der Landschaften vergessen, weil sie in der Rangordnung der Merkel-Werte keinen erkennbaren Platz haben. (S. 265)

Gertrud Höhler zieht ein Fazit: Die ganzen Probleme mit der „Energiewende“ sind der Kanzlerin bekannt. Sie bleibt ihrem Politik-Stil nicht nur beim Atomausstieg treu: Unterwanderung der demokratischen Entscheidungsfindung, Täuschung des Volkes über die Beweggründe, Bruch von Versprechen, die der Industrie gegeben worden waren. Arroganz eines Führungsanspruchs angesichts der inhaltlichen Fehler, auf denen sie aufbaut. (S. 114)

Die unendliche Geschichte der „Energiewende“ steht erst am Anfang. Schon zeigt die „Patin“ wieder ihr Gesicht: Umweltminister Röttgen, der loyal zu ihr stand, wurde gegen seinen Willen gefeuert, nicht wegen der Energiepolitik, nein, er hatte eine Wahl deutlich verloren, konnte trotzdem wegen der Rückkehr auf seinen Umweltministersessel in Angela Merkels Machtpoker gefährlich werden. Loyalität schätzt sie nur von unten nach oben. Ihr getreuer Peter Altmaier soll’s nun richten.

Gertrud Höhler spekuliert nicht. Sie betrachtet, analysiert und deutet Angela Merkels Verhaltensweisen, die häufig unverständlich und überraschend für Beobachter sind, die im westlichen Werte-Grundkonsens leben. Wo Frau Merkel schweigt, erkennt Gertrud Höhler die hinter der Lautlosigkeit verborgene Botschaft der Kanzlerin: Alles ist relativ: Werte, Normen, Verlässlichkeit. Wer so in der Politik unterwegs ist, kann leicht Positionen wechseln, weil Moral nicht handlungsleitend ist oder gar nicht existiert. Beklommen fragt die Autorin,

„ … ob der Wertekonsens, den alle bürgerlichen Parteien teilen, seine Gültigkeit verliert – zugunsten situativer Unberechenbarkeit aller Akteure und Motive?“ (S. 268 f)

Man ist an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern erinnert, wenn Gertrud Höhler das System „M = Merkel“ schonungslos offenlegt. Sie erblickt nichts mehr, wo viele CDU-Anhänger noch die alten Grundwerte der Partei sehen wollen. Die Bundeskanzlerin ist „ … die erste Staatschefin in Deutschland, die bindungslos unterwegs ist. Ihr Konzept der situativen Entscheidungen geht von der Flüchtigkeit aller Versprechen und der hohen Verfallsgeschwindigkeit aller Loyalitäten aus.“ (S. 270 f) 

Und dann verfällt die Autorin absichtsvoll in die Sprechweise der internationalen Geschäftigkeit: „Wertemanagement à la Merkel ist ein Business für Erfolgreiche, die sich entschieden haben: Interessenlage schlägt Wertesystem. Immer … Auf leisen Sohlen verlässt die Kanzlerin unseren Grundwertekonsens.“ (S. 270)

Noch nicht so klar sieht Gertrud Höhler die Motivationen der Kanzlerin in der Staatsschuldenkrise, irreführend Euro-Krise genannt. Ist es ihre Absicht, auch in Europa zentralistische Kontrollen herbeizuführen, also demokratische Grundregeln in Frage zu stellen, oder ist es der Wunsch, die europäischen Staaten zu „kaufen“, sie über Fiskalpakte und Rettungsschirme ans deutsche Gängelband zu nehmen? (S. 91 ff)
Trotz der noch nicht klar entschlüsselbaren Motive im Einzelnen, erkennt die Autorin in der Europapolitik der Kanzlerin wieder die undemokratische Grundeinstellung: Hin zum Einheitsstaat, zentralisierte Kontrollen zur Sicherung der deutschen Dominanz. (S. 99)

Das Bild, das Gertrud Hohler von einer unberechenbaren, bindungs- und verpflichtungslosen Staatschefin zeichnet, mag mancher nicht mit der gleichen Unbarmherzigkeit interpretieren und anders lesen. Nachdenklich sollte aber machen: Wer wie Merkel den großen Übervater der CDU, Helmut Kohl, völlig überraschend per Handstreich erledigt, von dem ist noch manches zu erwarten. Dass am Ende eine Demontage der ethischen Grundwerte des Konservativismus, des eigentlich „christlich-demokratischen“ Wertekanons stehen könnte, mag vielleicht noch nicht jeder gemerkt haben. Angela Merkel kann nämlich alles: Rücksichten braucht sie nicht zu nehmen, sie kennt keine Loyalitäten, weder zu ihren Getreuen noch zu Werten. „Keiner ihrer Mitarbeiter würde eine Wette wagen, wo man die Kanzlerin morgen antrifft. Das System M ist nicht berechenbar.“ (S. 270)

Höchst beunruhigend wirkt das abschließende Urteil über die „Patin“:

„Deutschland lässt sich ohne Widerstände autoritär regieren, das beweist die Energiewende bestürzend deutlich.“ (S. 264). Und weiter: „Wer Normen und Werte einer demokratischen Gesellschaft zur Manövriermasse macht, wie Angela Merkel, der arbeitet am Zerfall der Demokratie.“ (S. 269)

Es gibt aber noch Hoffnung: Seit der neue Bundespräsident die „Selbstermächtigung der deutschen Politik“ mit der „Freiheitsmelodie“ übertönt, stehen die zwei Folgerungen der deutschen jüngsten Geschichte nebeneinander – wir können wählen.“ (S. 273)

Der Rezensent hält das Buch für eine Pflichtlektüre, nicht nur für Politiker, sondern für jeden Demokraten und Staatsbürger.

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Gertrud Höhler: „Die Patin – wie Angela Merkel Deutschland umbaut“
Orell Füssli Verlag, Zürich.
Euro 21,95.

Eine weitere interessanter Essay zur Aussage  Buches von Frau Höhler durch Frau Lengsfeld findet sich auf ACHGUT: 

Die unheimliche Botschaft der Gertrud Höhler




Ross McKittrick; prominenter Aufdecker des IPCC Hockeystick-Skandals in Berlin

Neben Professor McKittrick wird auch Prof. Karl-Friedrich Ewert (EIKE) über seine Beobachtungen der nachträglichen Veränderungen der Temperaturdaten der Vergangenheit weltweiter Temperaturmessstationen durch das amerikanische GISS (Goddard Institute of Space Science) berichten. Diese zeigen jetzt – nach der Veränderung- eine deutliche Absenkung früherer Temperaturen, so dass die Gegenwart wärmer erscheint.

Einladung – Climate Briefing
mit Prof. Ross McKitrick
17. September, Berlin 

Der Ökonom und Umweltexperte Prof. McKitrick wird sich kritisch mit der Grundlage der deutschen Klimapolitik – dem UN-Weltklimarat IPCC – auseinandersetzen und zeigen, dass der gegenwärtige Klimaschutz nicht gerechtfertigt ist. McKitrick, wurde weltweit bekannt durch seine Arbeit über die "Hockeystick" genannte Temperaturkurve, die er als Fälschung entlarvte.
Im Anschluss an Prof. McKitricks Vortrag zeigt Prof. Ewert, dass die NASA wichtige Temperaturdaten nachträglich verändert und damit zu falschen Ergebnisse in der Klimawissenschaft geführt hat. 

Programm: Montag, 17. September 2012
18:30 h
Begrüßung
Wolfgang Müller
Berlin Manhattan Institut und Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE)

Vorstellung des Referenten
Steffen Hentrich
Senior Research Fellow, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
18.45 h
What is Wrong with the IPCC?
Prof. Dr. Ross McKitrick
Department of Economics, University of Guelph, Ontario, Canada
19:45 h
NASA GIS Changes Temperature Data Retroactively – Why?
Prof. em. Dr. Friedrich-Karl Ewert
University Paderborn, Pressesprecher EIKE
Followed by Q&A
Light refreshments will be served
Link zum Programm in PDF    Link zum Programm auf der Institutsseite
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Eine Kooperationsveranstaltung des Berlin Manhattan Instituts mit demEuropäischen Institut für Klima und Energie (EIKE) und dem Haus der Zukunft Berlin – Internationales Institut für Deutschland- und Europapolitische Bildungsarbeit

 

VeranstaltungsortHaus der Zukunft Albrechtstraße 11 (zu finden mit: google maps) 10117 Berlin-Mitte in unmittelbarer Nähe zum S- und U-Bahnhof Friedrichstraße.

Anmeldung

Mit vollem Namen via Email oder Fax an: Berlin Manhattan Institut.

Email: info@berlinmanhattan.org Fax: 030 69 20 800 39

Über die Referenten

Prof Dr. Ross McKitrick ist einer der bedeutendsten Umweltökonomen der Welt und bekannt für seine Forschung über die Ökonomie des Umweltschutzes, den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Luftverschmutzung, Klimapolitik und Klimageschichte. Er lehrt und forscht an der University of Guelph in Kanada und ist Autor zahlreicher Aufsätze und Bücher darunter: Taken By Storm: The Troubled Science, Policy and Politics of Global Warming. Sein jüngstes Buch Economic Analysis of Environmental Policy wurde von der University of Toronto Press veröffentlicht. McKitrick diente den Canadian Parliamentary Finance and Environment Committees und Regierungsmitarbeitern des U.S. Congress und Senat als Sachverständiger.Prof. em. Dr. Friedrich-Karl Ewert lehrte an der Universität Paderborn und beschäftigt sich seit seiner Emeritierung mit der jüngeren Klimageschichte und im Besonderen mit dem Einfluss des Menschen auf die Temperaturentwicklungen. Ewert tritt häufig im In- und Ausland Veranstaltungen auf und ist zudem Pressesprecher des Europäischen Institut für Klima und Energie (EIKE).Das Berlin Manhattan Institut wird ausschließlich von privaten Förderern unterstützt. Spenden Sie für unsere Arbeit oder ermöglichen Sie die Teilnahme von Schülern und Studenten an dieser Konferenz.Spenden sind steuerlich absetzbar: www.berlinmanhattan.org/spenden


Veranstaltungshinweis

30. November – 1. Dezember 2012 – München

5. Internationale Klima- und Energiekonferenz Zusammen mit dem Haus der Zukunft Berlin, dem Europäische Institut für Klima und Energie, dem Heartland Institute und dem Peutinger Collegium laden wir zur größten mainstreamkritischen Konferenz ausserhalb der USA ein.




Streit bei der Acatech über Klimaforschung: Eine Frage der Ehre oder der wissenschaftlichen Etikette?

Zuerst ein Auszug aus der Stuttgarter Zeitung zur Klärung der unterschiedlichen Standpunkte, die zu dem Eklat führten. Sie titelte am 11.9.2012 "Rauhe See in der Klimaforschung" und führt u.a. aus:

"…vier Mitglieder der 43-köpfigen Arbeitsgruppe möchten das Papier nicht mittragen. Acatech hat ihnen angeboten, ein Sondervotum in den Bericht aufzunehmen, doch das haben die vier abgelehnt. Was ist falsch daran, auf die Anpassung an den Klimawandel besonders einzugehen, wenn dieser Punkt, wie es im Bericht heißt, zu einer „effektiven Klimapolitik“ gehört, gleichwohl aber wenig diskutiert wird? Aus dem Gremium ausgetreten sind der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, Paul Becker, der Meteorologe Hans von Storch vom Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung sowie zwei weitere Klimaforscher – ein Verlust für die Studie, wie von Storch findet: „Am Ende ist keiner der Autoren ausgewiesener Experte der Klimaforschung.“ In einer eigenen Stellungnahme beschreiben die vier Forscher einen „fundamentalen Dissens“: Ihrer Ansicht nach hat die Klimaforschung die physikalischen Grundlagen von Treibhausgasen und Temperaturanstieg hinreichend geklärt. Acatech hält hingegen fest, dass man nicht abschätzen könne, wie sehr die Sonnenaktivität und Vulkanausbrüche das Klima der vergangenen 150 Jahre beeinflusst haben. Der Weltklimarat hatte es in seinem letzten Bericht als „sehr wahrscheinlich“ bezeichnet, dass der größte Teil des gemessenen Temperaturanstiegs der vergangenen Jahrzehnte auf Treibhausgase zurückgeht.

Nun sind zunächst einmal Klimawandel, Temperaturanstiege und Temperaturabnahmen die natürlichste Sache der Welt. Konstantes Klima und konstante Jahresmitteltemperaturen gab es noch nie und wird es auch in Zukunft nie geben können. Daher ist Anpassung stets ein Gebot der Stunde. Also worum geht es dann? Den Grund, warum die 4 Mitglieder austraten, nennt die Stuttgarter Zeitung wie folgt:

"Ihrer Ansicht (Anm. EIKE: Ansicht der 4 ausgetretenen Klmaforscher) nach hat die Klimaforschung die physikalischen Grundlagen von Treibhausgasen und Temperaturanstieg hinreichend geklärt." 

Im Klartext: Die ausgetretenen Mitglieder sind mit keinen weiteren Erläuterungen zu den Ursachen von Klimawandel als denen des IPCC einverstanden und sehen dafür auch keinen Bedarf. Es sei erlaubt, vehement zu widersprechen. Klärung der physikalischen Grundlagen – absolut einverstanden! Aber Klärung der Ursachen irgendwelcher Temperaturanstiege? – definitiv "NEIN". Außer den Milankovitch-Theorien, die sich nur mit sehr langfristigen Klimaänderungen befassen, ist so gut wie nichts über die Ursachen von Klimaänderungen bekannt. Und selbst hier gibt es unterschiedliche Hypothesen (hier und hier).

Unkenntnis über die Ursachen von Klimawandel ist schließlich der Grund, warum man es mit Klimamodellen versucht. Klimamodelle haben aber noch nicht einmal die Eintrittspunkte von El-Nino-Ereignissen vorhersagen können, und sie fordern den berühmten Hot Spot über den Tropen, der unauffindbar ist. Von einem beweiskräftigen Nachweis, dass anthropogenes CO2 auf Erdtemperaturen einwirkt (gemäß den physikalischen Grundlagen muss es dies in sehr geringem Ausmaß tun) kann noch weniger die Rede sein. Man hat bis heute keinen derartigen Nachweis gefunden – alle Veränderungen sind auch mit natürlichen Einflüssen bestens erklärbar! Klimaveränderungen der Vergangenheit gingen in vielen Fällen nicht nur schneller vonstatten, sie waren zudem auch noch weit heftiger als heute. Die in der Literatur als "attribution and detection problem" bezeichnete Suche nach dem Einfluss des anthropogenen CO2 harrt leider immer noch ihrer Auflösung. Auch wenn es in der Klimaforschung niemand gerne hören will – über die Ursachen von Klimaänderungen wissen wir auch heute noch so gut wie nichts.

Was ist dann daran auszusetzen, wenn ein Mitglied oder gar die Leitung des Acatech-Ausschusses Hypothesen nennt, die nicht dem IPCC-Kanon entsprechen? Bei so viel Unsicherheiten darf es gestattet sein, und als unwissenschaftlich darf man es nicht bezeichnen. Dennoch führt insbesondere Hans v. Storch aus:

"Man hätte die Strategien der Anpassung nicht losgelöst von der Alternative, der Vermeidung von Treibhausgasen, diskutieren dürfen. „Man hätte gleich zu Anfang klarstellen müssen, dass der Anpassungsbedarf steigt, wenn die Emissionen steigen“

Wieso steigt der Anpassungsbedarf, wenn die Emissionen steigen? Dies wäre nur dann der Fall, wenn durch steigende CO2-Emissionen tatsächlich gefährliche Temperatursteigerungen und zunehmende Extremwetterereignisse entstünden. Dieser Zusammenhang ist aber nicht nur ungesichert, er ist nach Auffassung vieler renommierter Klimaforscher unzutreffend. Immerhin sind gemäß IPCC (IPCC-Report, 2001, AR-02, Kap. 2.7 sowie hier) bis heute keine Extremwetterzunahmen bekannt, obwohl die atmosphärischen CO2-Konzentrationen, verursacht durch den Menschen, seit Beginn der Industrialisierung kräftig zugenommen haben . Den physikalischen Grundlagen folgend, müssen wir mit einer globalen Temperatursteigerung zwischen 0.6 und 1.1 °C bei CO2-Verdoppelung rechnen (H.Harde, Geophys. Res. Abstracts, Vol. 13, EGU2011-4505-1, 2011 sowie die IPCC-Reports). Ob diese unmaßgebliche Erwärmung einen Anpassungsbedarf erfordert, der über den sich aus den natürlichen Klimaänderungen ohnehin schon ergebenden Anpassungsbedarf hinausgeht, ist nicht sehr wahrscheinlich.

Wie EIKE bereits mehrfach berichtete, basieren alle weiteren, über die vorgenannten Zahlen hinausgehenden Temperatursteigerungen auf Klimamodellen (Wasserdampfrückkoppelung), die ihren Zuverlässigkeitsnachweis bislang nicht erbringen konnten. Mit physikalischen Grundlagen haben diese Modelle nur wenig zu tun. Hier wurde das seit Galilei bewährte Paradigma der Physik, dass Messungen die Priorität vor Modellen haben müssen, in postmoderner Vorgehensweise außer Kraft gesetzt. Die Öffentlichkeit ist sich nicht einmal bewusst, dass Klimakatastrophen auf einem mittelalterlichen Pradigma der physikalischen Beurteilung (Klimamodelle) beruhen. Man kann es auch ironisch ausdrücken. Die Physik ist in einem Zweig der Klimatologie (Klimamodellierung) inzwischen von der Natur- zur Geisteswissenschaft mutiert.

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Anmerkung und Korrektur des Autors, 20.9.2012: Der in der ursprünglichen Version Prof v. Storch zugeschriebene Blogbeitrag

"hatten sie erwartet mit Leuten wie Vahrenholt ernsthaft zusammenarbeiten zu können? ….. Aber wenn man Vahrenholts Missrepräsentation der Wissenschaft sieht und liest, frage ich mich, wie man da überhaupt eine gemeinsame Diskussionsgrundlage bekommen soll. Es geht gar nicht."

beruht auf einer unbeabsichtigten Verwechslung. Das "@v. Storch" im Blog bedeutet, dass der vorgenannte Text an v.Storch gerichtet, nicht aber von ihm verfasst ist. Der Autor bittet für diesen Irrtum alle Leser und v. Storch – falls er denn den EIKE-beitrag überhaupt zur Kenntnis genommen hat – um Entschuldigung und dankt dem EIKE-Leser Sören Hader für seinen Hinweis auf diesen Irrtum.

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Wieso geht es nicht? Wenn Vahrenholt (immerhin Professor für Chemie und somit akademischer Kollege von v. Storch) die Wissenschaft in seinem Buch "Die kalte Sonne" missinterpretiert, sollte man mit ihm darüber wissenschaftlich streiten und vom Gegenteil überzeugen. Alles andere widerspricht der wissenschaftlichen Etikette. Diskussionsverweigerung und Austritte aus Arbeitsgruppen tragen vielleicht zur Ehre einer Gruppe, nicht aber zur wissenschaftlichen Wahrheitsfindung oder gar zur Aufklärung der Öffentlichkeit bei. EIKE bedauert es außerordentlich, dass ausgerechnet ein so renommierter Meteorologe wie Hans v. Storch keinen anderen Weg fand als den Austritt. Bemerkenswerterweise sind nämlich viele Publikationen von v. Storch nicht gerade als mustergültige Befolgung der IPCC-Linie zu bezeichnen (hier und hier).

Die Acatech-Affaire war zweifellos ein Tiefpunkt für Klimawissenschaft und kollegiales Umgehen miteinander. Wir wünschen aus vollem Herzen, dass der Diskurs unter verdienten Forschern (dazu gehören alle Beteiligten) wieder aufgenommen wird und auf allen Seiten mehr Verständnis und Toleranz für andere Positionen als die eigene aufkommen.

Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke

EIKE Pressprecher




Aktuelles aus der Klimaforschung: Klimaentwicklung ist keine Einbahnstraße

Wie sich die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre im Verlauf der Erdgeschichte entwickelte, lässt sich langfristig an den Kalkablagerungen in der Tiefsee ablesen. Durch die Verwitterung von Gesteinen wird nämlich der Luft Kohlendioxid entzogen. Über die Flüsse gelangt das chemisch gebundene Treibhausgas ins Meer und wird dort als Kalkablagerung gespeichert, zum Beispiel in kalkigen Mikrofossilen. Dieser Prozess führt langfristig zu einer globalen Abkühlung. Das konnten Forscher des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BIK-F) und der Goethe-Universität für die letzten rund 55 Millionen Jahre anhand von Tiefseebohrungen im äquatorialen Pazifik mit bisher unerreichter Genauigkeit belegen.

Parallel zum Übergang vom Supertreibhaus zum Eiszeitalter fiel auch die Meerestiefe, unterhalb der das Kohlenstoffmineral Kalkspat vollständig aufgelöst wird (Karbonat-Kompensationstiefe). Das berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature. Die Daten stammen aus Tiefseebohrungen in der Region beiderseits des äquatorialen Pazifiks, die für den globalen Kohlenstoffkreislauf äußerst produktiv ist. Während einer viermonatigen Expedition des US-amerikanischen Bohrschiffs JOIDES Resolution im Jahr 2009 bohrten die Expeditions-Teams in Wassertiefen von 4.300 bis 5.100 Metern. Sie entnahmen die Bohrkerne an acht Orten und über insgesamt 6.3 Kilometer Länge. Damit steht ein Klimaarchiv zur Verfügung, das die letzten 55 Millionen Jahre umspannt.

„Wir reden heute viel über das vom Menschen kurzfristig produzierte Kohlenstoffdioxid und die dadurch ausgelöste Klimaerwärmung“, sagt Prof. Heiko Pälike, einer der Expeditionsleiter. Er arbeitet seit Juni 2012 im MARUM – Zentrum für Marine Umwelt der Universität Bremen. „Über Jahrmillionen gesehen bestimmen allerdings andere Prozesse den Kohlenstoffkreislauf.“ Zum Beispiel Vulkaneruptionen, die große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre ausstoßen. Andererseits sorgt die Verwitterung kalkhaltiger Gesteine dafür, dass Kohlendioxid wieder gebunden und dem Klimakreislauf entzogen wird. Die Bilanz des Kohlenstoffkreislaufs spiegelt sich im Ozean, und zwar in der Karbonat-Kompensationstiefe. Unterhalb dieser Grenze bleiben keine kalkhaltigen Partikel wie Kalkschalenreste von Meeresorganismen erhalten.

Im äquatorialen Pazifik lag die Grenzlinie vor rund 55 Millionen Jahren in 3.300 bis 3.600 Meter Tiefe. Zwischen 52 und 47 Millionen Jahre vor heute, als es auf unserem Planeten besonders warm war, flachte sie sogar bis auf 3.000 Meter Meerestiefe ab. Als die Erde vor 34 Millionen Jahren allmählich abkühlte und sich in der Antarktis erste Eisschilde bildeten, senkte sich die Karbonat-Tiefenlinie im Pazifik ab, und zwar auf bis zu 4.800 Meter vor 10,5 Millionen Jahren.

Die Tiefseeablagerungen belegen eindrucksvoll, dass Klima und Kohlenstoffkreislauf nie eine Einbahnstraße waren: „In den Ablagerungen aus der Zeit, die der großen antarktischen Vereisung vor 34 Millionen Jahren voranging, haben wir fünf Ereignisse beschrieben, in denen sich die Karbonat-Kompensationstiefe kurzfristig zwischen 200 und 900 Metern nach oben und unten bewegte“, sagt der Geowissenschaftler Prof. Jens Herrle, einer der Expeditionsteilnehmer: „Diese Ereignisse, die oft für Erwärmungs- und Abkühlungsphasen stehen, dauerten zwischen 250.000 und einer Million Jahre. Sie sind durch einen Wechsel innerhalb des marinen Planktons von kalkigen zu kieseligen Mikrofossilien gekennzeichnet.“

Aber auch für die jüngere Vergangenheit sind vergleichbare Episoden belegt. So vor rund 18,5 Millionen Jahren, als besagte Karbonat-Tiefenlinie um rund 600 Meter Richtung Meeresoberfläche anstieg – um zweieinhalb Millionen Jahre später wieder auf 4.700 Meter abzusinken. Heute liegt sie im Pazifik bei etwa 4.500 Meter.

Um die Ursachen dieser Schwankungen zu bestimmen, setzte das internationale Wissenschaftlerteam auf Computermodelle, die das System Erde und die wesentlichen dort ablaufenden Prozesse nachbilden. Dies war eine der Forschungsarbeiten der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Cecily Chun aus der Arbeitsgruppe Paläontologie und Biogeochemie von Prof. Jens Herrle an der Goethe-Universität.

Publikation: Heiko Pälike et al.: A Cenozoic record of the equatorial Pacific carbonate compensation depth, in Nature DOI: 10.1038/nature11360

Veröffentlichung auf der Webseite der Universität Frankfurt mit weiteren Hinweisen zur Arbeitsgruppe Prof. Jens Herrle hier.




Grüne Energie – Abkürzung zur Energieunabhängigkeit oder Sackgasse?

…Dies muss jedoch nicht unbedingt der Grund sein, mit der Entwicklung der Erneuerbaren nicht weiterzukommen. Allerdings ist es vernünftig, unsere Bemühungen und Ressourcen in der heutigen relativ sicheren Energieversorgung darauf zu richten, durch Forschung und Entwicklung zum nationalen Wohlergehen beizutragen. Es ist unsinnig, China und seine hinsichtlich der Umwelt oft fragwürdigen  Produktionsmethoden und absurden Aktivitäten zu subventionieren, wie z. B. das CO2 unter die Erde zu verpressen oder den CO2-Abdruck zu besteuern.

Grüne Energie – Abkürzung zur Energieunabhängigkeit oder Sackgasse?

1 An Stelle einer Einführung oder: „Hören Sie Arthur zu!“

„in Durban ein Hoffnungsschimmer für das Schicksal der Erde“. – „Giftige Gase aus Kraftwerken – Verhängnis für den Planeten“. – „Greenpeace Slowenien weiß, wie man Elektrizität aus den Kernkraftwerken durch erneuerbare Energiequellen ersetzt“. – „Kohlendioxid gefährdet die Gesundheit der Erde.“ – „Der Meeresspiegel steigt“. – „Die Temperatur des Planeten wird bis zum Ende des Jahrhunderts um viele Grad steigen“ – „Überschwemmungen in (wo auch immer) sind das Ergebnis anthropogener Klimaänderungen“. – „Öl kann schon jetzt durch Biodiesel und aus ernten produziertem Ethanol ersetzt werden“. – „Dänemark ist ein gutes Beispiel für andere Länder“.

Die Liste der Schlagzeilen in der Nachrichtenflut wird jeden Tag auf die Öffentlichkeit abgeschossen und klingt wohlbekannt. Während der letzten Jahre wurden die Menschen mit Informationskampagnen konfrontiert, welche verschiedene Maßnahmen zum „Erhalt der Umwelt“ sowie die sog. erneuerbaren Energiequellen preisen und die für das Überleben der menschlichen Rasse und der Natur sofort umgesetzt werden sollten – mehr noch, „eher gestern als heute“. In Slowenien haben zahlreiche Umweltorganisationen ihre Aktivitäten in den Massenmedien verstärkt, gerade vor den Parlamentswahlen (nehmen wir uns die Freiheit zu spekulieren), um den politischen Parteien „Umwelt- und Energie“-Auflagen aufzudrücken, welche später mit finanziellen Zuwendungen erleichtert werden können. Die Netzanwendung „Revizor“ klärt viele Dinge hinsichtlich der Finanzierung einiger Kleriker der Umweltbewegung. Eine davon ist, dass etwa die Hälfte des Geldes, von dem ein beachtlicher Teil vom Staat kommt, für PR ausgegeben wird. Unabhängig von der moralischen Fragwürdigkeit wird diese Finanzierung Slowenien nicht ruinieren. Eine positive Auswirkung der Umweltorganisationen (von solchen ohne Anführungszeichen) hinsichtlich der Aufmerksamkeit der Notwendigkeit des Naturschutzes, der Kontrolle von Verschmutzern und einer positiven Einstellung der Menschen zu ihrer Umwelt sollten nicht vergessen werden.

Als Konsequenz der endlosen Wiederholungen der gleichen zweifelhaften und unbrauchbaren Strategien und der Politik im Energiesektor (konzentrieren wir uns mehr oder weniger auf den elektrischen Strom) tauchen Probleme auf. Obwohl einige der Thesen mehr als zweifelhaft sind, sollte man den Worten von Herrn Paul Joseph Göbbels vertrauen, dass „eine Lüge, tausend mal wiederholt,  zur Wahrheit wird“.

Da Politiker zumindest äußerlich den öffentlichen Interessen folgen, und weil ihr Zeithorizont durch die Dauer ihrer Amtszeit begrenzt wird, können hinsichtlich der Strategie der Energieversorgung Beschlüsse gefasst werden, die weit davon entfernt sind, optimal zu sein und die künftigen Generationen sehr teuer zu stehen kommen (man sollte beachten, dass die Zeitkonstanten im Bereich des Energiemanagements über 30 Jahre dauern).

Daher können wir, wenn wir Aussagen von zahlreichen „Hobbyökologisten“, und „Hobby-Energieexperten“ hören, nichts weiter tun als uns zu fragen: „Warum um Himmels Willen können wir all die Verschmutzer auf dem Gebiet elektrischer Energie nicht einfach durch die so genannten Erneuerbaren ersetzen?“. Lassen Sie uns in unseren Überlegungen den NIMBY und den BANANA-Effekt ignorieren (NIMBY = Not In My Backyard – Nicht vor meiner Hintertür; BANANA = Build Absolutely Nothing Absolutely Nowhere Around – Bilde gar nichts nirgendwo um uns herum [Das Wortspiel geht noch weiter: To go bananas = verrückt werden! A. d. Übers.]), da es mehr als genug Fälle in Slowenien gibt; „Wir sind für Erneuerbare, aber gegen Wasserkraftwerke am Mura-Fluss, gegen Windkraftwerke, gegen Überlandleitungen usw. Ignorieren wir auch Murphys „Naturgesetz“ (d. h. „Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, ist es normalerweise nicht wahr) und schauen auf einige technische Aspekte hinsichtlich des Ersetzens klassischer Energiequellen durch Erneuerbare. Erwähnt werden sollte auch, dass „es so etwas wie Lunch umsonst nicht gibt“, und dass das Einhalten hoher Umweltstandards teuer ist (Für die Mehrheit der Leute wird die Ökologie unwichtig in dem Moment, in dem sie dafür ihre Brieftaschen zücken müssen).

Antworten auf Fragen des Wechsels von klassischen Energiequellen hin zu Erneuerbaren sind nicht über die Maßen kompliziert und können auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen, Grundkenntnissen der Physik und vor allem unseres gesunden Menschenverstandes gegeben werden. Man sollte immer die Weisheit des Philosophen Arthur Schopenhauer im Hinterkopf behalten: „gesunder Menschenverstand kann fast jedes Bildungsniveau ersetzen, aber keine noch so hohe Bildung kann den gesunden Menschenverstand ersetzen“.

Es ist unbestritten, dass die Technologie erneuerbarer Energiequellen weiter entwickelt werden muss und dass wir alle die Zeit kaum erwarten können, in der wir Solarpaneele auf die Dächer schrauben oder eine „Solarfolie“ an die Südwände unserer Häuser kleben. Es ist auch unbestritten, dass gewisse Technologien verbessert werden müssen, so dass sie preiswert genug sind, um auf dem Markt mit den Technologien fossiler Treibstoffe ohne Subventionen konkurrieren zu können, bezahlt durch „normale Einwohner“. Allerdings ist die Verfügbarkeit von Energie aus erneuerbaren Quellen im globalen Maßstab mit gewissen physikalischen Grenzen und strategisch inakzeptablen Gefahren verbunden.

In der Studie werden einige Aspekte und Probleme diskutiert im Zusammenhang mit der Versorgung der Menschheit mit Energie aus erneuerbaren Quellen anstatt fossiler Treibstoffe. Das Erschließen von Energiequellen ist unabdingbar für jede Gesellschaft. Falsche Entscheidungen können langfristig den Wettbewerb im globalen Maßstab gefährden. Daher ist es wichtig, jeden einzelnen Aspekt genau zu überdenken und natürlich auch jene ich würde sagen, vor allem jene), die höchst unbequem sind.

Die folgenden Abschnitte des Hauptteils dieser Studie werden wegen der Gesamtlänge nicht wörtlich übersetzt, sondern nur kurz zusammengefasst. Vieles davon wurde in Blogs wie EIKE und Anderen in anderen Zusammenhängen schon besprochen.

In den Abschnitten 2 und 3 werden zunächst einige grundlegenden Begriffe aus dem Energiesektor erklärt. In den Abschnitten 4 und5 geht es um Verteilungsnetze, Material- und Landschaftsverbrauch sowie den Fußabdruck in der Umwelt. Im Abschnitt 6 wird ausführlich erklärt, warum durch Erneuerbare keine größere Unabhängigkeit von Energieimporten erreicht wird, sondern die Abhängigkeit eher vergrößert. Ursache ist der notwendige Gebrauch seltener Erden, die von China monopolistisch auf den Markt gebracht werden. In Abschnitt 7 werden die Verhältnisse im „Ökomusterland“ Dänemark erläutert. Dort misst man nämlich mit zweierlei Maß, wenn es um Aufstellorte für Windräder geht. In Abschnitt 8 wird die Problematik der Ethanolgewinnung angesprochen. In Abschnitt 9 geht es um die Problematik der unterirdischen Verpressung von CO2 (Carbon Capture and Storage CCS). Die Abschnitte 10 und 11 befassen sich mit Sinn oder Unsinn einer Kohlenstoffsteuer. Der Autor begründet hier ausführlich, warum diese Maßnahme den Strom unsinnig verteuert und sie daher in Zukunft keine Chance hat. In Abschnitt 12 geht es um die Problematik von Elektroautos. In Abschnitt 13 wird beschrieben, warum das Öl noch lange reichen wird. Zwar wird es durch neue Erschließungstechniken teurer, ist aber immer noch mindestens zehnmal billiger als die sog. „grünen Technologien“. Abschnitt 14 schließlich befasst sich mit Erdgas und der neuen Technik zur Förderung von Schiefergas.

Der Ábschnitt 15 wird wieder wörtlich übersetzt:

15. Schlussfolgerungen

Basierend auf öffentlich zugänglichen Daten beleuchtet der Autor die Transition von klassischen zu erneuerbaren Energiequellen sowie einige damit verbundenen und sozial akzeptierten Glaubenssätzen von fragwürdiger Glaubwürdigkeit. Das Gebiet der Energieerzeugung ist natürlich viel zu umfangreich, um mit einer einzigen Studie abgedeckt werden zu können. Der Autor glaubt, dass die Mehrheit der Bevölkerung einer optimal umweltfreundlichen Energieerzeugung positiv gegenüber steht. Wir alle wollen „saubere“, stets verfügbare, universell einsetzbare Energie zu akzeptablen Preisen haben. Allerdings gibt es nichts umsonst und Energieumwandlungen haben immer ihren Preis, der entweder von der Umwelt oder vom Steuerzahler entrichtet werden muss. Neue Technologien (Wind-, Solarkraftwerke, …) sind nach wie vor unsicher hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit und ihrer Preise.

Kurz wird gezeigt, dass die „Auswirkung auf die Umwelt” der sog. „grünen Quellen“ relativ groß ist, verglichen mit einigen klassischen Energiequellen, und dass das Ignorieren der Abhängigkeit von Importen der benötigten Materialien tatsächlich die Abhängigkeit von Energieimporten weiter vergrößern kann, da neue Technologien auf einigen seltenen Materialien basieren, deren Produktion monopolisiert worden ist. Das Beispiel des Dänischen „Öko-Staates“ wird aus einem normalerweise der Öffentlichkeit nicht bekannten Blickwinkel  untersucht. Einige glauben, dass anthropogene CO2-Emissionen für Klimaänderungen verantwortlich sind und propagieren Ideen, diese beim Verbrennen fossiler Treibstoffe einzufangen, um zu verhindern, dass sie in die Atmosphäre gelangen oder besteuert werden. Unabhängig von der Tatsache, dass der Autor von der absoluten Harmlosigkeit des CO2 überzeugt ist (39) zeigt diese Studie, dass keiner der beiden Wege im globalen Maßstab gangbar ist.

Obwohl das Konzept eines Elektroautos verführerisch daher kommt, ist das Problem einer adäquaten Speicherung elektrischer Energie, erforderlich für flächendeckenden Verbrauch, immer noch nicht zufriedenstellend gelöst. Die Menschheit wird noch eine ganze Weile von fossilen Energieträgern abhängig bleiben. Glücklicherweise gehen diese nicht so schnell zur Neige, wie einige befürchtet haben. Allerdings sollte dies kein Grund sein, umweltfreundliche Energiequellen zu erschließen. Es wäre in dieser noch mit einer guten Energieversorgung gesegneten Zeit vielmehr angebracht, unsere Mittel und Bemühungen darauf zu konzentrieren, nach Technologien zu forschen und diese zu entwickeln, die sich auch förderlich für die Gesellschaft auswirken. Es gibt keinen Grund, die schon jetzt unterbezahlten Arbeitskräfte und die umweltpolitisch fragwürdige Produktion in China zu subventionieren. Die Unterstützung des Sektors, dessen einziges Ziel es ist, den Steuerzahlern das Geld aus der Tasche zu ziehen und politische Macht für Einige zu gewinnen ist sozial inakzeptabel. Das unterirdische Verpressen von CO2 sowie eine Kohlenstoffsteuer ist ein Unfug, für den die Europäer schon jetzt nur zu gerne zahlen. Sollte es der Steuerzahler zulassen, dass auf seinen „Kohlenstoff-Fußabdruck“ eine Steuer erhoben wird, würde dies ein weiterer Schritt auf der Straße des Unsinns und ein Schritt zur Begrenzung der persönlichen Freiheit sein (ebenso wie dadurch die Brieftaschen einiger weniger gefüllt werden). Umsonst verschwendete Ressourcen und der Vertrauensverlust bei vielen Menschen wird die Nutzung neuer Technologien schwieriger machen – zu einer Zeit, wenn dies tatsächlich notwendig sein könnte.

Trotz der hier präsentierten Argumente wird Mancher seinen Glauben aus welchen Gründen auch immer nicht ändern, seien es die religiöse Haltung gegenüber dem Problem oder persönliche Interessen. Es gab eine interessante Reaktion in der Zeitung Delo von einem Leser, der längere Zeit auf dem Gebiet Energiemanagement gearbeitet hatte. Er glaubt, dass wir das Problem hinsichtlich Wind und Kernkraft, dem wir gegenüber stehen, nicht richtig sehen. Der Autor glaubt, dass unsere akademische Freiheit uns dazu bringt, über den Tellerrand zu schauen und auch weniger wünschenswerte Dinge anzusprechen.

Wie können wir als Beispiel für freie Menschen geben, wenn wir uns selbst nicht frei fühlen? Dies ist der Grund, warum der Autor Dante Alighieri mit seiner Schlussfolgerung zustimmt:

„Die heißesten Stellen der Hölle sind jenen vorbehalten, die in Zeiten einer großen moralischen Krise ihre Neutralität bewahren wollen“.

Rafael Mihalič

Faculty of Electrical Engineering, University of Ljubljana

Tržaška 25, 1000 Ljubljana

E-pošta: rafael.mihalic@fe.uni-lj.si

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