CO2 in UK führt zu Verdoppelung der Strompreise. Sieht aus, als ob die Demokraten [in USA] das Gleiche vorhaben, wenn sie an die Macht kommen

CO2-Steuer von George Osborne wird die Strompreise in UK verdoppeln
Christopher Booker
Eine böse Überraschung steht den britischen Haushalten bevor, wenn eine neue ‚Kohlenstoff-Steuer’ in Kraft tritt.
Mit ihrer völlig unsinnigen Klimapolitik hält die Regierung einen weiteren massiven Schock für uns parat, schnell kommend, aber weitgehend unbemerkt. Es ist überraschend zu sehen, welcher abnorm hohe Anteil des Stromes, den wir verbrauchen, aus Kohlekraftwerken stammt. Mittwoch Abend beispielsweise waren es über 50% und nur 1,3% aus Windkraft. Und doch erfahren wir jetzt, dass im kommenden März fünf unserer größten Kohlekraftwerke, die ein Fünftel unseres Energiebedarfs zur Verfügung stellen, geschlossen werden sollen – viel früher als erwartet und aufgrund einer Anti-Verschmutzungs-Direktive der EU.
Ein Grund, warum diese Kraftwerke durch ihre von der EU erlaubte verbleibende Quote von Stunden gepeitscht werden ist, dass im kommenden April eine neue Steuer in Kraft tritt, die darauf abzielt, fossile Energie signifikant teurer zu machen. Im Jahr 2010 hat George Osborne [Schatzkanzler in UK] seine Absicht verkündet, ab April 2013 einen „Kohlenstoff-Grundpreis“ von 16 Pfund pro Tonne von der britischen Industrie emittierten CO2’ einzuführen. Sie soll bis 2020 auf 30 Pfund pro Tonne, bis 2030 auf 70 Pfund pro Tonne steigen.
Ein explizites Ziel dieser Steuer ist es, die Kosten für fossile Energie so in die Höhe zu treiben, dass sie im Vergleich zu den „Erneuerbaren“ nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Osbornes Ministerium zufolge soll sie „30 bis 40 Milliarden Pfund“ an Investitionen in „Low carbon“-Quellen einbringen. Auf dem Papier sehen die Auswirkungen von Osbornes neuer Steuer für unsere Stromrechnungen verheerend aus.
Den neuesten Zahlen aus dem Department of Energy and Climate Change (DECC) zufolge wurden in unseren Kraftwerken im Jahr 2011 40 Millionen Tonnen Kohle verbrannt mit einem CO2-Ausstoß von 116 Millionen Tonnen. Sie haben auch 175 000 Gigawatt Strom aus Gas erzeugt mit einem Ausstoß von etwas über einer halben Tonne pro Gigawatt. Bei 16 pro Tonne würde dieses CO2 3,5 Milliarden kosten – zusätzlich zu unseren Gesamtstromkosten von etwa 19 Milliarden. Folglich würde die neue Abgabe unserer Stromrechnung im nächsten Jahr fast 20 Prozent hinzufügen; bis 2030 würde sie sich verdoppeln. Einiges davon bezahlen wir jedoch schon im Rahmen des Emissions-Handelssystems (ETS) der EU, was auf unseren Mindestpreis von 16 [?] angerechnet wird.*
[*Möglicherweise wurden hier einige Angaben so verkürzt dargestellt, dass ich nicht sicher bin, alles richtig übersetzt zu haben. A. d. Übers.]
Ursprünglich hatte Osborne damit gerechnet, dass weniger als 2 Pfund zusätzlich ausreichen würden, um auf den Preis 16 zu kommen. (Es wurde vorhergesagt, dass der ETS-Preis weiter steigen würde bis 40). Seitdem sind jedoch die Preise für Kohlenstoff-Zertifikate in der EU im Zuge des zurückgehenden Bedarfs infolge der Rezession in der EU dramatisch gefallen. Um das ursprünglich geplante Niveau von 16 zu erreichen, müssen wir jetzt dem Schatzministerium zufolge fast weitere 5 bezahlen, was unsere Stromrechnung signifikant verteuert. Aber seit dieser Ankündigung ist der EU-Preis noch weiter gefallen, nämlich deutlich unter 6, was eine Lücke von 10 pro Tonne hinterlässt, die von Osbornes Steuer gefüllt werden soll, mit einer rapiden Steigerung in jedem Folgejahr.
Folglich werden hier in UK die Stromrechnungen in den Jahren nach 2013 auf ein Niveau steigen, das weit über jedem anderen in Europa liegt. All dies nur zu dem Zweck, Tausende neuer stark subventionierter Windmühlen auf den Weg zu bringen, was uns im Gegenzug dazu zwingt, mehr Gaskraftwerke zu bauen, die als Backup dienen sollen für die ewigen Fluktuationen der Windgeschwindigkeit. Und diese werden Herrn Osbornes schnell steigende Steuer auf das gesamte emittierte CO2 treiben. Natürlich wird das an uns durchgereicht, und innerhalb von 18 Jahren wird sich damit unsere Stromrechnung fast verdoppeln.
Kurz gesagt, das Schatzministerium hat eine unglaublich schädliche Fehlkalkulation vorgenommen. Obwohl es nur geringe Chancen dafür gibt, dass unser Minister für Energie und Klimaänderung Ed Davey sich von dieser Idiotie zurückzieht, könnte vielleicht jemand Herrn Osborne die Rechnung für seine wahnhafte neue Steuer darlegen, die uns alle teuer zu stehen kommen wird..
Link: www.icecap.us, The Political Climate, vom 30.9.2012
Bemerkung: Etwa vor einem Jahr erschien hier bei EIKE, wie das in Australien ist. Nun also in UK.
Übersetzt von Chris Frey EIKE




Neue Studie: Zusammenhang zwischen UHI bzw. Energieverbrauch und langzeitlichen Temperaturänderungen in China

Bild rechts: aus der Studie – Karte des Energieverbrauchs in China
Eckpunkte
1) Temperaturtrends korrelieren mit der Intensität menschlicher Aktivität.
2) Lokale Erwärmung hängt sehr stark vom Energieverbrauch in urbanen Gebieten ab.
3) Die lokalen Auswirkungen auf Temperaturtrends betragen 0,14°C bis 0,25°C pro Dekade.
Eine empirische Studie zum Einfluss menschlicher Aktivität auf Langfristige Temperaturänderungen in China: Perspektive aus dem Energieverbrauch
Yan Li, Key Laboratory for Earth Surface Processes, Peking University, Ministry of Education, Beijing, China, College of Urban and Environmental Sciences, Peking University, Beijing, China
Xinyi Zhao, Key Laboratory for Earth Surface Processes, Peking University, Ministry of Education, Beijing, China, College of Urban and Environmental Sciences, Peking University, Beijing, China
Abstract: (Fettdruck und Absatzformatierung von Watts)
Menschliche Aktivität trägt bedeutend zu lokalen Temperaturänderungen bei, vor allem in städtischen Gebieten. Hier wird der Energieverbrauch als Index des vom Menschen verursachten thermischen Antriebs behandelt. Die Beziehung zwischen Energieverbrauch und Temperaturänderung wird in China durch die OMR-Methode analysiert (OMR = Observation Minus Reanalysis). Temperaturtrends aus Beobachtung, Neuanalyse und OMR werden aus den meteorologischen Aufzeichnungen abgeschätzt sowie aus der Temperatur in 2 m Höhe der NCEP/NCAR-Neuanalyse 1 für den Zeitraum 1979 bis 2007.
Es wurde ein räumliches Darstellungsschema entwickelt, basierend auf der räumlichen und zeitlichen Beziehung zwischen Energieverbrauch und Bruttoinlandsprodukt (Gross Domestic Production GDP), um eine räumliche Verteilung des Energieverbrauchs in China im Jahr 2003 zu ermitteln. Eine positive Beziehung zwischen Energieverbrauch und OMR-Trends findet sich in Gebieten mit hohem und mittlerem Energieverbrauch. Die OMR-Trends nehmen mit der Abnahme menschlicher Aktivität um 0,20°C pro Dekade bei hohem und um 0,13°C bei mittlerem Energieverbrauch ab.
44 Stationen in Regionen mit hohem Energieverbrauch und den stärksten menschlichen Einflüssen wurden ausgewählt, um den Einfluss einer räumlichen Verteilung des Energieverbrauchs auf Temperaturänderungen zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass der menschliche Einfluss auf Temperaturtrends sehr stark von der räumlichen Verteilung des Energieverbrauchs abhängt. OMR-Trends nehmen vom Zentrum des hohen Energieverbrauchs zur Umgebung ab (von 0,26°C auf 0,04°C pro Dekade) und verstärken sich wieder, wenn sich die Gebiete mit hohem Energieverbrauch ausdehnen (von 0,14°C auf 0,25°C pro Dekade).
JOURNAL OF GEOPHYSICAL RESEARCH, VOL. 117, D17117, 12 PP., 2012
doi:10.1029/2012JD018132
Eine der Schlüsselpassagen, die Dr. Pielke beleuchtet hatte, ist Folgende:
Neben den Einflüssen des Landverbrauchs auf das Klima spielt auch der durch menschliche Aktivitäten induzierte thermische Einfluss eine wichtige Rolle und sollte nicht ignoriert werden. Eine davon ist die Freisetzung von Wärme durch den Energieverbrauch. Viele Studien haben gezeigt, dass anthropogene Wärme für die Bildung einer UHI wichtig ist. Simulationsergebnisse einer Fallstudie in Philadelphia legen nahe, dass anthropogene Wärme zu einer um 2 bis 3°C höheren Nachttemperatur im Winter führt (Fan und Sailor 2005).
Hier folgt eine der Graphiken aus der Studie. Sie zeigt die Gebiete mit höchstem Energieverbrauch und Orte mit meteorologischen Stationen :

Hier folgt eine Darstellung der Temperatur von Nanjing (in der roten Zone an der Küste) von NASA GISS. Sie zeigt einen nahezu flachen Trend bis 1990. Offensichtlich fanden die Stationsdaten danach keinen Eingang zu GISS, aber was für ein Unterschied, als das später doch wieder der Fall war:

http://data.giss.nasa.gov/cgi-bin/gistemp/gistemp_station.py?id=205582380000&data_set=14&num_neighbors=1
Im Vergleich dazu das Beispiel von Fuzhou, auch an der Küste, aber nicht in der roten Zone des Energieverbrauchs:

http://data.giss.nasa.gov/cgi-bin/gistemp/gistemp_station.py?id=205588470000&data_set=14&num_neighbors=1
Aus der Schlussfolgerung:
Unsere Ergebnisse zeigen, dass es zu einer signifikanten Erwärmung an den meisten Stationen in China gekommen ist und dass die Größenordnung dieser Erwärmung eng mit dem Energieverbrauch korreliert, welcher die Intensität menschlicher Aktivitäten repräsentiert. In der Gruppe mit hohem und mittlerem Energieverbrauch nehmen die OMR-Trends mit der Abnahme des Energieverbrauchs ab. Die OMR-Trends bei hohem und mittlerem Energieverbrauch betragen jeweils 0,20°C bzw. 0,13°C pro Dekade. Die stärkere Erwärmung wird an Stationen mit hohem Energieverbrauch beobachtet, normalerweise in oder bei Städten. Folglich ist die starke Erwärmung mehr eine Folge eines lokalen thermischen Antriebs aufgrund menschlicher Aktivitäten.
Es scheint, dass Stationen, die zur Gruppe mit hohem und mittlerem Energieverbrauch gehören, nach dieser Studie erkennbar von menschlichen Aktivitäten beeinflusst werden. Wie De Laat (2008) gezeigt hat, kann die durch den Energieverbrauch freigesetzte anthropogene Wärme sehr gut zu den beobachteten Temperaturänderungen beigetragen haben. Folglich sollte man den Einfluss menschlicher Aktivität auf Aufzeichnungen der Temperatur in Vergangenheit und Zukunft viel mehr beachten.
Unter dem Strich: Der Energieverbrauch spielt eine Rolle, der UHI und die Art der Umgebung auch. Stationen, die von all diesen Einflüssen frei sind, sollten die Basis von Temperaturaufzeichnungen sein. NCDC hat diesem Punkt bereits Rechnung getragen, indem es das Climate Reference Network ins Leben gerufen hat, dass die Freiheit von diesen Einflüssen garantieren soll.
Anthony Watts
Link: http://wattsupwiththat.com/2012/10/02/a-new-paper-showing-how-uhi-and-energy-consumption-are-linked-to-long-term-temperature-change-in-china/
Übersetzt von Chris Frey EIKE




Internationale-Umfrage: Klimaskeptiker gewinnen an Raum in den Medien

Abbildung rechts: Die Anzahl von Artikeln zu den Themen Klimaänderung oder globale Erwärmung in Prozent, die im Vergleich zu allen Artikeln skeptische Stimmen zu Wort kommen lassen.
Am meisten kommen Klimaskeptiker in den Medien in UK und den USA zu Wort.
Einer neuen Studie zufolge kommen Klimaskeptiker im Vergleich zu anderen Ländern weltweit in den Medien der USA und UK immer mehr zu Wort, manchmal sogar ohne das ihnen gleich widersprochen wird.
Die Ergebnisse wurden am 5. Oktober in der Zeitschrift Environmental Research Letters von IOP-Publishing veröffentlicht, und zwar als Teil einer Studie, die untersucht, wie sich der Klimaskeptizismus in den Printmedien in den USA, in UK, Brasilien, China, Indien und Frankreich während eines Zeitraums von drei Monaten manifestierte. Darunter war auch ‚Climategate’ 2009/2010 und eine zweite Periode, die [die Veröffentlichung des] AR 4 des IPCC 2007 umfasste.
In einer Durchsicht von über 2064 Zeitungsartikeln aus den sechs Ländern während der ersten Periode haben die Autoren von der University of Oxford und der University of London herausgefunden, dass etwa einer von neun Artikeln skeptische Stimmen enthält.
In den USA enthielten 34 Prozent aller Artikel zur Klimaänderung in der New York Times und dem Wall Street Journal während dieser Zeit eine skeptische Stimme. Von den 511 im Guardian/Observer und dem Daily/Sunday Telegraph während dieser Zeit erschienenen Artikeln enthielten 19% eine skeptische Stimme.
Als nächstes rangieren chinesische Zeitungen mit sieben Prozent aller Artikel, die skeptische Stimmen enthielten. Indien und Frankreich folgten mit jeweils sechs Prozent. An letzter Stelle steht Brasilien mit drei Prozent.
Die Forscher untersuchten auch, ob es irgendeine Art Zusammenhang gibt zwischen der politischen Ausrichtung der Zeitung und der Tendenz, Klimaskeptiker zu Wort kommen zu lassen. Mit Ausnahme von China – wo die Einteilung in links und rechts irrelevant ist – fanden die Forscher, dass es ein wenig mehr skeptische Stimmen in linksgerichteten Zeitungen gab als in zentral- oder rechtsgerichteten Zeitungen.
Vor dem Hintergrund der starken Assoziation von Klimaskeptizismus und der politischen Rechten ist dies eine Überraschung, vor allem in den USA, zumal frühere Studien gezeigt haben, dass rechtsgerichtete Zeitungen mehr dazu neigten, die Klimawissenschaft in Frage zu stellen.
Allerdings zeigte sich bei näherer Betrachtung der Ergebnisse, dass in UK und den USA eine signifikante Anzahl skeptischer Stimmen in den Meinungsspalten auftauchte und dass [nur] in rechtsgerichteten Zeitungen diese Ansichten nicht bestritten worden sind.
In UK erschienen im Guardian/Observer 14 Meinungsartikel, die während beider Perioden skeptische Stimmen enthielten, denen allesamt von Main-Stream-Wissenschaftlern widersprochen worden ist. Der Daily/Sunday Telegraph hingegen veröffentlichte 34 Meinungsartikel mit skeptischen Stimmen, von denen mehr als die Hälfte bestritten worden sind. Im Kontrast dazu gab es im Wall Street Journal 17 Meinungsartikel, die alle mit nur einer Ausnahme unbestritten geblieben waren.
Die Forscher haben sich auch entschlossen, die Typen unter den Klimaskeptikern zu betrachten, die in diesen Artikeln zitiert wurden. Diese Unterscheidung nach Typen, die in Frage stellen, ob die globalen Temperaturen überhaupt gestiegen seien, erschienen fast ausnahmslos in Zeitungen von UK und der USA. In diesen beiden Ländern waren auch die Typen von Skeptikern stark präsent, die den Bedarf für drastische Maßnahmen gegen den Klimawandel in Frage stellen.
Obwohl ‚Climategate’ ein Skandal in UK war, wählten die Forscher einen Zeitraum, die dieses Ereignis einschloss, um Daten zu sammeln, weil sie davon ausgegangen waren, dass die Story groß genug war, um international Aufmerksamkeit zu erregen. Weitere 1263 Artikel wurden zwischen dem 1. Februar und dem 30. April 2007 analysiert, als das IPCC seinen vierten Zustandsbericht veröffentlicht hatte, und weil es ein Zeitraum war, in dem der Skeptizismus kein zentrales Thema war.
Der Leitautor der Studie James Painter sagte: „Diese Ergebnisse sind signifikant, weil sie jene zu stützen scheinen, die da sagen, dass der Klimaskeptizismus in den angelsächsischen Ländern wie USA, UK, Kanada und Australien viel stärker ausgeprägt ist, wenn man die Präsenz in den Medien zugrunde legt.
Die Daten legen auch nahe, dass sehr viel unstrittiger Klimaskeptizismus nicht so sehr in den Nachrichten zu finden ist, sondern auf den Meinungsseiten der rechtsgerichteten Zeitungen in den USA und in UK“.
Die für diese Analyse ausgesuchten Zeitungen waren Folha de São Paulo und Estado de São Paulo in Brasilien, People’s Daily und Beijing Evening News in China, Le Monde und Le Figaro in Frankreich, The Hindu und Times of India in Indien, the Guardian/Observer und the Daily/Sunday Telegraph in UK sowie The New York Times und Wall Street Journal in den USA.
Anthony Watts
Die Studie kann hier herunter geladen werden.
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Abstract
Bisherige akademische Forschungen zum Klimaskeptizismus haben sich mehr auf die Art und Weise konzentriert, wie er organisiert war, seine Taktiken und seinen Einfluss auf politische Ergebnisse – und nicht auf seine Verbreitung in den Medien. Die meiste Literatur hat sich auf die USA konzentriert, wo der Skeptizismus erstmals in organisierter und politisch effektiver Form aufgetaucht war. In diesem Artikel geht es darum, wie sich der Klimaskeptizismus  in seinen unterschiedlichen Formen in den Printmedien in den USA und fünf anderen Ländern manifestiert (Brasilien, China, Frankreich, Indien und UK). Wir wollten herausfinden, wie weit die Erfahrungen mit dem Skeptizismus in den USA in anderen Ländern auftreten. Wir fanden, dass sich die Berichterstattung in den Nachrichten zumeist auf die USA und UK beschränkt; dass es einen starken Zusammenhang gibt zwischen der politischen Ausrichtung der Zeitung und deren Willen, skeptische Stimmen zu zitieren oder unbestritten in Meinungsartikeln; und dass der Typ Skeptiker, der in Frage stellt, ob die globale Temperatur überhaupt gestiegen ist, fast nur in Zeitungen in den USA und UK zu finden sind. Skeptiker, die gegen starke Maßnahmen zum Kampf gegen den Klimawandel sind, sind ebenfalls viel stärker in diesen beiden Ländern präsent als anderswo.

Abbildung: Skeptiker-Typen geordnet nach Ländern.
Schlüssel: Skepitker des Typs 1 in blau (welche leugnen, dass die Temperaturen steigen) finden sich fast ausschließlich in US-Zeitungen. Skeptiker des Typs 2 in rot (welche den Trend akzeptieren, aber entweder den anthropogenen Anteil daran als überbewertet, vernachlässigbar oder nicht existent betrachten im Vergleich zu anderen Faktoren wie z. B. der natürlichen Variation, oder die sagen, dass nicht mit ausreichender Sicherheit bekannt ist, welches die Hauptgründe sind). Skeptiker des Typs 3 in grün (die den menschlichen Faktor akzeptieren, aber behaupten, dass die Auswirkungen vorteilhaft oder die Modelle nicht robust genug sind), die die Notwendigkeit starker regulierender Maßnahmen oder Interventionen in Frage stellen.
Link: http://wattsupwiththat.com/2012/10/05/climate-skeptics-gaining-ground-in-media/#more-71981
Übersetzt von Chris Frey EIKE




Offener Brief an Umweltminister Peter Altmeier zur „Energiewende“.

Update 8.10.12 

Bundesumweltminister Altmaier: Keine Laufzeitgarantie für neue Kohlekraftwerke

Hamburg (ots) – Energiekonzerne können nicht davon ausgehen, dass neue Kohlekraftwerke dauerhaft am Netz bleiben dürfen. Das sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) im Interview in der neuesten Ausgabe des Greenpeace Magazins. (mit Dank an Leser D. Glatting)

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Altmaier, 

leider hat Ihre Zeitdisposition es wohl nicht ermöglicht, dass Sie meiner, auf dem AZ­Bericht folgenden spontanen e­mail ­Einladung, im Anschluss an Ihre Startschussinbetriebnahme des virtuellen

Brennstoffzellen­Kraftwerksprojektes von Trianel zu einem anschließenden Besuch der VDE Vor­tragsveranstaltung zu „Energiewende zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ im 500 m entfernten Bildungszentrum der Handwerkskammer in Aachen folgen konnten.

Nun mussten die rd. 60 anwesenden, meist Fachleute der Energietechnik und Energiewirtschaft, aber auch z.B. Lehrerinnen an Aachener Schulen und Forscherinnen im FZ Jülich nur mit meinen Ausfüh­rungen vorlieb nehmen, die allerdings fundamental von Ihren Presseverlautbarungen z.B. in der AZ vonm 3.10.2012 der Art: „Wir müssen den Menschen das Gefühl geben, dass die Energiewende auch ihr Projekt ist und dass sie davon profitieren“ abweichen.

Aus meinen, Ihnen als Manuskript ja bereits mit meiner Mail vom 29.9.2012 bekannten Ausführungen geht eher wahrheitsbasiert hervor, dass mit jeder weiteren Windenergieanlage und mit jeder weiteren Photovoltaikanlage sowie mit jeder neuen Transportleitung die Strompreise nur deutlich ansteigen müssen ­die Stromversorgung nicht sicherer, mit dem Wegfall der Kernkraftwerke auch nicht CO2­ärmer, sondern wieder CO2­reicher wird, und somit die Ihrerseits angestrebte und geförderte Gefühls­lage in Wahrheit eher den Interessen irgendwelcher Investoren und fast aller Politiker im Deutschen Bundestag ­ausgenommen z.B. Ihren Fraktionskollegen Vaatz und Fuchs ­entgegenkommt, als den Interessen der biederen Stromverbraucher zu Hause an bezahlbare, oder der im globalen Wettbe­werb stehenden Industrieunternehmen, an wettbewerbsfähige Strompreise.

Schade ist, dass Ihre Zeit zur Inbetriebnahme des von dem deutsch­australischen Hersteller CERA­MIC FUEL CELLS produzierten Mini­BHKW, von dem es bereits auch aus deutscher oder anderer Länder Produktion stammend viele Vorläufer gab, die allesamt aus energiewirtschaftlichen Gründen den Status nascendi nach Auslaufen der staatlichen Förderungen nicht überlebt haben, damit aufge­braucht war. Beispiele sind die Totem­Anlagen von Fiat, mit mäßigem Erfolg die BHkW­Hausanlagen von Viessmann VITOTWIN und von VW EcoBlue, die Minigasturbinenanlagen unterschiedlicher Her­steller, die Brennstoffzellenprojekte der RWE AG in Bergheim zur Strom und Wärmeversorgung eines Wohnkomplexes und dass Brennstoffzellenprojekt der Stadtwerke Düren zur Strom­und Wärmever­sorgung des Jesuitenbades in Düren, letztere den Mini­Status wohl übersteigend.

Sehr geehrter Herr Dr. Altmaier, als Jurist müssen Sie verständlicher Weise vieles glauben, was auf öffentliche Förderungsmittel hoffende Vertreter neuer Innovationen auf dem Gebiet der Energiebe­darfsdeckung Ihnen zum Teil als Erfolg versprechend vorgaukeln. Daher kann es auf Dauer keine erfolgreiche Energiepolitik werden, wenn Sie sich weitgehend dem Dialog mit ausgewiesenen Fach­leuten der Branche verschließen. Es tut mir leid, die Dinge aus langjähriger Berufserfahrung in der Branche relativ offen angesprochen zu haben, bin mir aber sehr sicher, dass diese Einschätzung der Lage die breite Mehrheit der gesamten energietechnischen Fachwelt sehr gut abbildet. Selbst im VDE hat es bereits erklärte Austritte von langjährigen fachlich hoch erfahrenen promovierten Mitgliedern gegeben, weil auch dieser Verband sich punktuell dem irrigen Zeitgeist faktenwidrig anbiedert.

Die auf der neuen gesetzlichen Basis nun fortschreitende Umsetzung der Energiewende stößt zu­nehmend an die harten Tatsachen energietechnischer und energiewirtschaftlicher Gegebenheiten und Fakten hinsichtlich der Verfügbarkeit und der Kosten.

Die Verfügbarkeitsproblematik sei anhand der Leistungsganglinien der zeitgleichen Leistungsein­speisung in den ersten 6 Monaten 2012 aller Windenergieanlagen in Deutschland, die gesamte instal­lierte Leistung betrug 29.185 MW bei 22.664 Anlagen, erläutert:

Auch wenn in Deutschland irgendwann die vierfache Zahl an Windanlagen installiert sein sollte, ist das Bild der Leistungsganglinie nicht wesentlich anders, nur ist dann der Ordinatenmaßstab statt 25 GW auf 100 GW zu setzen. Die Nullstellen bleiben Nullstellen, denn eine beliebig große Zahl mal Null bleibt Null, eigentlich sollten das alle Politiker wissen. Auch unter Hinzunahme der Einspeiseleistungen aus Photovoltaikanlagen, die weitgehend ins Nie­derspannungsnetz einspeisen, ändert sich die Leistungsbedarfsdeckung zur Winterzeit nur unerheb­lich, wie nachfolgende Ganglinien aus dem Jahr 2010 für den Monat Januar wohl deutlich zeigen:

­

Nur in sonnenreichen Sommermonaten ist die Leistungsbedarfseckung am Tage weitgehend zu de­cken, aber auch nur an Tagen wo nicht Regenwolken die Sonnenstrahlen weitgehend absorbieren.

Der maximale Leistungsbedarf in Deutschland beträgt rd. 80 GW mit Schwankungsbreiten bis her­unter zu rd. 40 GW in der Nacht bei Minimallast im Sommer. Diese 40 GW müssen aber rund um die Uhr ganzjährig zur Verfügung stehen. Dies hat zur Folge, dass aus einem Kraftwerksmix von derzeit rd. 50 GW Wind­plus Photovoltaikleistung, die Leistung der frequenzstützenden thermischen Kraft­werke in kurzen Zeitintervallen auf Null runter geregelt werden müsste, was aus technischen Stabili­tätsgründen unmöglich ist und wirtschaftlich auch unvertretbar wäre. Die Stromerzeugungskosten werden von derzeit rd. 6 ct/kWh im Mix auf mindestens den dreifachen Wert ansteigen, zuzüglich der Kosten für den notwendigen Leitungsbau, bei unsicherer Stromversorgung.

Es ist höchste Zeit dass die in der politischer Verantwortung stehenden das endlich erkennen und die Energiewendeziele endlich revidieren, denn dieses ist in der Tat, wie Herr Vaatz MdB treffend sagt, ein "sinnloses Experiment", und obendrein auch noch extrem teuer.

Da die Wind­und Sonnenstromanbieter nur ungesicherte Lieferzusagen geben können, nämlich im­mer mit dem Vorbehalt: „wenn der Wind weht oder wenn die Sonne scheint“, war das „Aus“ für die Ökostromvermarktung im derzeitigen Börsenhandel bereits durch den unerreichbaren Arbeitspreis der konventionellen Stromerzeugung vorgegeben, man wollte es nur nicht wahr haben. Durch fluktu­ierende Einspeisungen werden eben keine Kraftwerke eingespart, sondern nur der Brennstoff in den ohnehin weiter notwendigen Kraftwerken. Im Falle der Braunkohle beträgt dieser unter 2 ct/kWh und im Falle der Kernenergie sogar unter 1 ct/kWh. Auch in 100 Jahren wird man, trotz beliebig vieler An­lagen und Kostendegression diese Wettbewerbspreise mit Wind­oder Photovoltaikanlagen nie errei­chen können. Mittelfristig müssten die Back­up Kraftwerke für die fluktuativen Einspeisungen durch neu zu bauende Gaskraftwerke abgesichert dargestellt werden, deren Erdgasbedarf aus Russland importiert werden muss. Der zusätzliche Erdgasbedarf wird energetisch etwa dreimal so hoch sein wie die aus Wind­und Sonnenenergieanlagen generierte elektrische Energie und die Importpreise für den Erdgasbezug aus Russland zusätzlich in die Höhe treiben.

Das Problem mit Speicher zu lösen scheitert daran, dass bislang kein physikalisches Prinzip bekannt ist, nach dem man große Mengen elektrischer Energie bezahlbar speichern könnte. In einer solchen Situation nützen auch beliebig hohe Fördermittel nichts, man muss in der Anwendungsentwicklung schon wissen, was man will, andernfalls steht man erst bei der ergebnisoffenen Grundlagenfor­schung. Wie wir bei der Elektromobiliät schmerzlich erfahren, ist dies bei den Speichern weitgehend der Fall. Unsere verehrte Bundeskanzlerin hat daher diese Zielsetzung für 2020 klugerweise erst kürzlich von 1 Million auf 0,6 Millionen, also um 40 % reduziert. Aber auch dieses Ziel ist ohne Sub­vention wohl unerreichbar.

Die Energiewende ist, wie mir Herr Prof. C.C. von Weizsäcker schrieb, ein Irrtumsweg in die Dein­dustrialisierung unseres Landes und es ist daher im Sinne von Herrn Vaatz, MdB, energiewirt­schaftlich unverantwortlich, weiter daran festzuhalten. Auch die nun im Haushaltsplan der Bundes­regierung vorgesehenen 260 neuen Planstellen, davon 180 bei der Bundesnetzagentur BNA, je 40 im BMWI und im BMU werden an den energiewirtschaftlichen Tatsachen nichts ändern können. Diese irgendwann wieder abzuschaffen, ist wohl auch nicht möglich, das System muss eher kollabie­ren.

Es fragt sich nur, wann die Einsicht zu einer realistischen Energiepolitik gereift sein wird.

Nach 50 jähriger Industrietätigkeit, davon 40 Jahre in verantwortlicher Weise in regionalen und über­regionalen Unternehmen der Energiewirtschaft und nun noch weiter als Hochschullehrer glaube ich schon, die Machbarkeit derartiger Zielvorgaben fachlich sehr realistisch einschätzen und unserer a­kademischen Jugend wahrheitsgemäß zu vermitteln zu können. Gerne stehe ich auch Ihnen hierzu jederzeit zur Verfügung.

Für Ihre verantwortungsvolle Aufgabe zum Wohle unseres Landes und darüber hinaus, innerhalb des Verbundnetzes kontinentaleuropaweit unmittelbar, wünsche ich Ihnen stets eine glückliche Hand ­Wunsch und bezahlbare Wirklichkeit trennscharf zu erkennen ­und im Sinne hoher Energieeffizienz erfolgreich zu handeln, damit alle Bürger, einschließlich Hartz IV Emfänger, auch weiterhin auf eine bezahlbare Energieversorgung vertrauen dürfen. In diesem Sinne verbleibe ich gerne,

mit freundlichen Grüßen,

Ihr Helmut Alt ; Anfang Oktober 2012 

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Die Geburt eines Infrastruktur-Marktes für europäisches Gas

Bild rechts: Eröffnung des GATE LNG-Terminals, eines Joint Ventures von Gasunie und Vopak im September 2011 in Rotterdam © Gate
Lassen Sie uns mit in paar einfachen Tatsachen beginnen:
·        Im Jahr 2008 haben Shell und ExxonMobil das BEB-Gaspipeline-Netzwerk in Deutschland an die Gasinfrastruktur-Kompanie Gasunie verkauft – Muttergesellschaft des holländischen Übertragungssystems-Operators (Transmission System Operator TSO) GTS.
·        Im Dezember 2010 hat die deutsche RWE ihr Gasübertragungs-Netzwerk Thyssengas an den Investmentstruktur-Fond Macquarie Infrastructure and Real Assets verkauft.
·        Im Jahr 2011 hat die italienische Öl- und Gasgesellschaft ENI Anteile an zwei Pipelines – TENP und Transitgas, die von der belgisch-holländisch-deutschen Grenze durch die Schweiz nach Italien verläuft – an den TSO Fluxys in Belgien verkauft.
·        In diesem Jahr 2012 hat die deutsche Energiekompanie E.on das deutsche Gaspipeline-Netzwerk Open Grid Europe (OGE) an ein Konsortium von Finanzinvestoren unter Leitung von Macquarie verkauft.
Man betrachte diese ersten Stöße eines Erdbebens, das dabei ist, den europäischen Gasinfrastruktur-Markt aufzumischen. Ähnliche Transaktionen werden folgen, da eine Anzahl anderer TSOs einschließlich Net4Gas (tschechische Republik), Eustream (Slowakei) und DESFA (Griechenland) gegenwärtig zum Verkauf stehen.
Was geschieht? Nun, in gewisser Weise, was soll geschehen? Energieriesen wie Shell, ExxonMobil, ENI und E.on, die bei Erzeugung und Verkauf von Gas aktiv sind, verkaufen ihre Infrastruktur-Anteile, was sicherlich durch die ‚nicht verbundenen‘ Forderungen des Third Energy Package der EU ‚ermutigt‘ wird. Der Sinn hinter diesen im Jahre 2009 übernommenen Regelungen ist es, einerseits einen freien Markt zu schaffen, in dem Erzeuger und Versorger von Gas miteinander konkurrieren, und andererseits einen regulierten Markt zu schaffen, in dem unabhängige Infrastruktur-Betreiber ihre Dienste jenen Erzeugern und Versorgern zu gleichen Bedingungen anbieten.
So weit, so gut. Der liberalisierte Gasmarkt besteht und läuft – die Aktivitäten des neuen Handels in Europa wachsen rapide, nationale Märkte werden integriert, noch mehr Beteiligte werden aktiv, die Auswahl für Verbraucher nimmt zu. Das ist es, was die Politiker wollten.
Aber was ist mit diesem anderen ‚Markt’, dem Infrastruktur-Anteil? Wie soll der sich entwickeln? Wie sollen die seit Neuem unabhängigen Infrastruktur-Kompanien ihre Aufgabe erfüllen, die Marktteilnehmer zu unterstützen? Sie sind reguliert, ja. Aber sollen sie im privaten oder öffentlichen Eigentum stehen? National orientiert oder international aktiv? Miteinander kooperieren oder im Wettbewerb stehen – oder beides? All das ist viel weniger klar. Der Gesetzgeber spezifiziert eigentlich nicht, wie seine Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung des Infrastruktur-Marktes aussehen. Die EU erwartet, dass die TSOs ‚kooperieren‘, indem sie ‚10-Jahres-Pläne zur Entwicklung des Netzwerkes‘ vorlegen (sowohl regional als auch Europäisch), aber diese Pläne sagen nichts darüber aus, wie der Markt als solcher aussehen soll.
Was möglicherweise nur Wenige vorhergesehen haben, sind die oben erwähnten Übernahmen: Gaspipelines in Deutschland und der Schweiz werden von Kompanien wie Gasunie, Fluxys (die mehrheitlich im öffentlichen Besitz Belgiens befindliche TSO, inzwischen mit einer Minoritäts-Beteiligung eines kanadischen Pensions-Fonds) und Finanzinvestoren wie Macquarie, MEAG (der Investitionsbereich der Versicherungsgesellschaft Münchner Rück) sowie Infinity Investments (eine Tochter der Abu Dhabi Investment Authority) übernommen. Noch einmal: das ist eine Entwicklung, die gerade erst begonnen hat, da immer weitere Energiekompanien dem Beispiel von Shell, ExxonMobil, E.on und ENI folgen und ihre Übertragungs-Netzwerke verkaufen.
Richtige Maßnahme
Dem Strategie-Direktor von Gasunie Hans Coenen zufolge „stehen Shell, ExxonMobil und Gasunie an vorderster Front einer Entwicklung, die den gesamten europäischen Markt übernehmen wird“. Es ist eine logische Konsequenz des Third Package, sagt er. Kompanien wie Shell und Exxon Mobil haben sehr schnell erkannt, dass sie in einem regulierten europäischen Infrastruktur-Markt keine ausreichende Rückkehr des Kapitals erreichen, so dass sie sich entschlossen haben, dieses Geschäft aufzugeben und ihr Kapital anderweitig zu verwenden. „Andere Energiekompanien werden zur gleichen Schlussfolgerung kommen“, sagt Coenen. „Und das bedeutet, dass der Infrastruktur-Markt auch weiterhin neue Gelegenheiten bietet für verschiedene Teilnehmer: spezialisierte Infrastruktur-Kompanien wie uns sowie Finanzinvestoren, die nach einer moderaten, aber stetigen Rate des Rückflusses suchen“.
Tatsächlich musste Gasunie für seine Pioniertätigkeit einen Preis bezahlen. Nach der Übernahme der BEB-Gaspipeline für 2,1 Milliarden Euro hat der deutsche Gesetzgeber die Daumenschrauben an die Tarife gelegt, und zwar auf eine Art und Weise, die vom damaligen Management nicht erwartet worden war. Das machte es für die Kompanie notwendig, den Wert der BEB-Beteiligungen durch erhebliche 1,65 Milliarden abzuschreiben. Das holländische Finanzministerium hat eine unabhängige Untersuchung dieses Verlustes angeordnet. (Zufälligerweise waren Shell und Exxon Mobil zusammen mit dem holländischen Staat Eigentümer von Gasunie, als es noch eine vertikal integrierte Gaskompanie war; sie wurde schon im Jahr 2005 vom holländischen Staat verkauft, als Gasunie aufgeteilt wurde in einen Infrastruktur-Anteil und eine Handelsgesellschaft. Letztere nennt sich jetzt GasTerra und gehört immer noch Shell, ExxonMobil und dem holländischen Staat).
Coenen sagt, was immer man über den Verkaufspreis von BEB sagen kann, „dass es strategisch das Beste war, was man tun konnte. Die Logik der Übernahme steht immer noch außer Frage. Wir waren die erste grenzüberschreitende TSO in Europa. Jetzt folgen andere unserem Beispiel oder denken darüber nach“.
Neuordnung
Was also ist die Logik hinter der Expansion von Gasunie? Diese Frage wird regelmäßig von Kritikern gestellt einschließlich einiger nationaler Parlamentarier, die glauben, dass sich staatseigene Kompanien wie Gasunie nicht an etwas beteiligen sollten, das sie für ‚ausländische Abenteuer‘ halten. Für Gasunie ist es jedoch einfach die Konsequenz der Art und Weise, wie sich der neue, unabhängige Gasinfrastruktur-Markt in Europa entwickelt.
Eine kleine Gruppe internationaler Beteiligter wird sich heraus schälen, die den Ton angeben – sie werden eventuell die Integration des europäischen Gasmarktes ermöglichen“
Im Wesentlichen finden drei grobe Entwicklungen statt: 
1) Erstens, die Märkte werden liberalisiert: es gibt keine [an eine Gesellschaft] gebundene Verbraucher mehr, keine Monopol-Verkäufer – jeder kann alles von jedem kaufen.
2) Zweitens, nationale Märkte werden nach und nach in einen einzigen Markt integriert: Sie werden sich nicht länger an nationalen Linien organisieren, sondern regional oder europaweit.
3) Drittens, Kompanien sind frei [in ihren Entscheidungen]: Versorgung/Erzeugung und Infrastruktur werden aufgeteilt und zu separaten Märkten.
In dieser neuen Ordnung entwickelt der Infrastruktur-Markt eine Eigendynamik. Wir können vier Stadien unterscheiden, wie sich die Betreiber der Infrastruktur erwartungsgemäß in dieser neuen Situation verhalten werden.
1) Ihre erste Aufgabe wird es sein, Versorger und Zulieferer in ihren heimischen Märkten mit dem Bau von Gebäuden und Pipelines zu unterstützen, ebenso mit Handelsspielräumen und Speichermöglichkeiten. Außerdem sollen sie generell den Gasmarkt unterstützen durch Ermunterung zu Innovationen und durch die Durchführung von Aufgaben, die die Marktteilnehmer nicht aufnehmen.
2) Zweitens, da die nationalen (‚heimischen’) Märkte verschwinden, kann man von den Betreibern der Infrastruktur erwarten, dass sie ‚dem Markt folgen’ und über ihre nationalen Grenzen hinaus expandieren. In dieser Hinsicht wäre es anomal, wenn nationale Infrastrukturbetreiber einen internationalen Markt füttern: das würde zu Ineffizienz und zu Entscheidungen aus nationalen Interessen führen, anstatt die Aufgabe aus internationaler Sicht anzugehen.
3) Drittens, da sie jetzt international aktiv werden, geraten die Infrastrukturbetreiber zunehmend in Wettbewerb miteinander. Sie konkurrieren um ‚Anteile am Markt’ in der Hinsicht, dass sie versuchen, Gas in ihr System fließen zu lassen.
4) Viertens, dieser Wettbewerb tendiert dazu, von Konsolidierung gefolgt zu werden, da größere Märkte größere Effizienz bieten und sie den Betreibern erlauben, effizienter zu investieren.
Zusammengefasst: Was geschehen wird, ist, wie Coenen es ausdrückt, „eine kleine Gruppe internationaler Akteure wird sich bilden, die den Ton angeben – sie werden eventuell die Integration des europäischen Gasmarktes ermöglichen“.
Wertvolle Angebote
Was Gasunie betrifft, möchte diese Kompanie zu dieser führenden Gruppe gehören. Deren Strategie ist es, die Reichweite ihres in den Niederlanden bestehenden Netzwerkes entlang der Haupttransitrouten nach und in Nordwesteuropa zu vergrößern. „Wir sehen, wie sich eine dominante nördliche Ost-West-Route entwickelt. Dort wollen wir aktiv sein. Wir sind nicht an isolierten Pipelines interessiert. Wir sehen auch die Entwicklung eines regionalen Marktes weiter südlich, aber wir wollen uns auf den Norden konzentrieren“.
Einer der Hauptkonkurrenten von Gasunie ist die belgische TSO Fluxys, obwohl beide Gesellschaften auch miteinander kooperieren. Coenen erklärt, dass von Deutschland nach UK fließendes Gas entweder durch Belgien oder durch Holland geleitet werden kann. „Was wir versuchen ist, attraktive Tarife und Service anzubieten. Hierfür müssen wir unser System im internationalen Maßstab optimieren. Darum haben wir BEB übernommen und nehmen an NordStream teil, ebenso wie an der Balgzand-Bacton-Pipeline von den Niederlanden nach UK. In Kombination mit dem TTF-Handelsschub, den wir entwickelt haben, hoffen wir, auf diese Weise in der Lage zu sein, den Transporteuren die attraktivsten Angebote machen zu können“.
Angesichts dieser internationalen Strategie der Kompanie kann man natürlich fragen, ob es sinnvoll ist, eine Kompanie wie Gasunie im Staatsbesitz zu belassen. Bis zu welchem Grad repräsentiert Gasunie immer noch holländische Interessen? „Genau wegen unseres grenzüberschreitenden Geschäftes können wir den holländischen Interessen effektiv dienen“, erklärt Coenen. Die nationale TSO, die für das Gleichgewicht des Systems verantwortlich ist, ist ein Tochterunternehmen von Gasunie. Und es liegt im Interesse des holländischen Staates, den Durchfluss von Gas durch Holland und zum TTF attraktiv zu machen. Der Gastransit und Spotmärkte erzeugen Einnahmen in Höhe von vielen hundert Millionen Euro pro Jahr für den Staat. Falls die Kompanie Geschäfte an Fluxys oder andere Konkurrenten abgibt, gehen diese Einnahmen verloren“.
 
Gas fließt in Europa © Gasunie
Gleichzeitig sagt Coenen, dass Gasunie gerne sehen würde, dass ein privater Investor einen Minoritäts-Anteil an der Kompanie erwerben würde – genauso wie es bei Fluxys der Fall war. Im vorigen Jahr hat der Eigentümer von Fluxys, Publigas, ein Konsortium belgischer Gemeinden, 20% der Anteile der Kompanie an die Caisse de dépôt et placement du Québec verkauft, einem kanadischen Pensionsfond, der auch einen Anteil von 33,5% an der von Belgien nach UK führenden Interconnector-Pipeline hält. „Wenn es gelingt, einen privaten Investor an der Kompanie zu beteiligen“, sagt Coenen, „sieht man die Welt mit anderen Augen. Man wird markt- und international orientierter. Wir glauben definitiv, dass dies für die Kompanie sehr gut ist und daher für die gegenwärtigen Anteilseigner auch“.
Coenen verweist auf die Übernahme des Pipeline-Netzwerkes von OGE durch ein Konsortium privater Investoren: „In Deutschland ist die Beteiligung privater Investoren voll akzeptiert. Es sind 13 Netzwerkbetreiber in Deutschland aktiv. Sie sind an Wettbewerb gewöhnt. Die Menschen dort achten darauf, dass regulierende Rahmenbedingungen und Überwachungsorgane die öffentlichen Interessen adäquat im Blick haben, genau wie in den Niederlanden“.
Wie Gasunie es sieht, muss die Kompanie expandieren, um eine wesentliche Rolle im neuen Infrastruktur-Markt zu spielen. „Die Menschen in Holland fragen sich oft, warum wir das tun. Der Punkt ist, wenn man es nicht tut, wird man Geschäfte verlieren. Und der holländische Marktplatz würde an Bedeutung verlieren – anstatt weiter zu wachsen, wie er das momentan so schön tut. Schließlich liegt das überhaupt nicht im öffentlichen Interesse“. Er verweist auf die Tatsache, dass Gasunie etwa 125 bcm Gas pro Jahr transportiert, obwohl am Markt in Holland nur etwa 40 bcm verbraucht werden.
Die Niederlande waren natürlich in der komfortablen Position, seit nunmehr 50 Jahren sowohl Gaserzeuger als auch Gasexporteur zu sein, aber die Gasvorräte nehmen allmählich ab. In weiteren 20 Jahren wird das Land Gas importieren müssen. Dies ist noch ein weiterer Grund, warum Gasunie im sich jetzt entwickelnden Infrastruktur-Markt seine Position sichern möchte. Coenen: „Leute, die ihre Sicht auf nationale Grenzen beschränken, sehen uns als Monopolist. Aber aus europäischer Sicht sind wir lediglich ein Akteur unter vielen, der sich um Geschäftsanteile bemüht“.
Anreize für Investitionen
Aber nicht nur in den Niederlanden stellen die Leute Fragen. In diesem Stadium ist niemand ganz sicher, wie der europäische Gas-Infrastruktur-Markt in Zukunft aussehen könnte. Die möglicherweise größte Frage ist, wie man einen internationalen, wettbewerbsfähigen Markt schaffen kann, der gleichzeitig vollständig reguliert und vorherrschend immer noch auf nationaler Basis reguliert ist“.
Dies ist ein Punkt, der den Strategen bei Gasunie und anderen Infrastruktur-Kompanien mit Sicherheit Kopfzerbrechen macht. Da die Regulatoren die Tarife festlegen, haben sie das Sagen. Viele im Infrastruktur-Geschäft beklagen, dass die Regulatoren gegenwärtig keine ausreichenden Anreize für Investitionen bieten. Gasunie weiß alles darüber: sie hat sich nicht nur in Deutschland eine blutige Nase geholt, sondern streitet sich auch mit dem holländischen Regulator. Und sie stehen nicht allein. Der Vorsitzende der deutschen Gasgesellschaft Wingas, Gerhard König sagte früher in diesem Jahr, dass mehr Anreize gebraucht werden, um ausreichende Investitionen in die Transport- und Speicherkapazität in Deutschland sicherzustellen. „Derzeit ist es nicht attraktiv, in neue Leitungen für Speicher und Gaskraftwerke zu investieren“, sagte er.
Die schlechte Nachricht für die Infrastruktur-Kompanien lautet, dass unter der jetzigen EU-Gesetzgebung nationale Regulatoren weiterhin für die Festlegung von Tarifen zuständig sind. Die gute Nachricht ist, dass die EU gleichzeitig einen Prozess in Gang gesetzt hat, der zu zunehmender Harmonisierung der Regulationssysteme führen soll. Ein Weg dorthin ist die Schaffung eines ‚Netzwerk-Codes’, nach dem sich alle Marktakteure einschließlich der nationalen Regulatoren richten müssen. Auf diese Weise werden die Aussichten der nationalen Regulatoren, ihrem heimischen Markt ihren Stempel aufzudrücken, zunehmend restriktiv.
Einige Analysten sind sogar davon überzeugt, dass die Internationalisierung und die Konsolidierung unter den TSOs die Harmonisierung stärker voran bringen wird als Netzwerk-Codes und andere regulierende Maßnahmen. Das Management von Gasunie teilt diese Meinung. Wie Paul van Gelder, geschäftsführender Direktor von Gasunie vor kurzem auf einer Gaskonferenz gesagt hat: „Ich glaube, dass unabhängige Infrastruktur-Betreiber maßgeblich dazu beitragen, den europäischen Energiemarkt zu verändern“.
Nichtsdestotrotz kommt man nicht um die Tatsache herum, dass die Regulatoren immer mehr bestimmen, wenn es darum geht zu entscheiden, welche Investitionen in die Infrastruktur vorgenommen werden sollten. In der Vergangenheit haben die TSOs ‚offene Jahreszeiten [seasons]’ abgehalten, bei denen Marktakteure ihr Interesse an neuen Pipelines bekunden konnten. Falls es dabei ausreichende Investitionen gegeben hätte, würde die TSO die Pipeline bauen. In Zukunft kann es sein (obwohl dies Spekulation ist), dass die Regulatoren diesen Prozess übernehmen. Bei der gegenwärtigen Rechtslage können die Transporteure unter bestimmten Bedingungen Investitionen von den TSOs verlangen, wenn sie ein Geschäftsinteresse an der Pipeline belegen können. Sollte die TSO dem nicht folgen wollen, kann der Regulator die TSO dazu zwingen.
Planwirtschaft
Aber Coenen ist davon überzeugt, dass „diese Form der Planwirtschaft“, so unerwünscht diese aus seiner Sicht auch sein möge, die Infrastruktur-Kompanien nicht davon abhalten wird, ihren eigenen Platz unter der Sonne in dem neuen Marktschema zu finden. „Wir machen noch mehr als nur Pipelines bauen“, merkt er an. „Wir investieren auch in die Speicherung, LNG-Terminals und Handelsfreiräume. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, den Gasmarkt wachsen zu lassen“.
Tatsächlich brennen Gasunie und andere Infrastruktur-Kompanien darauf, die Innovation beim Gasmarkt anzukurbeln. Zum Beispiel haben sich Gasunie, Fluxys und die dänische TSO www.Energinet.dk vor Kurzem geschworen, eine "zu 100% kohlenstoffneutrale Gasversorgung" in ihren Netzwerken bis zum Jahr 2050 zur Verfügung zu stellen. Sie wollen dies erreichen durch Mithilfe bei der Vergrößerung des Biogas-Anteils, durch Investitionen in sog. ‚Power-to-Gas’-Systeme (in welchen überschüssiger Windstrom durch Elektrolyse in Wasserstoff verwandelt wird, welches der Gasversorgung beigemischt wird) und durch das Einrichten eines Gas-Zertifikate-Marktes sowie anderer Dinge.
Gasunie hat zusammen mit anderen Kompanien eine neue LNG-Kette an seinem LNG-Terminal in Rotterdam ins Leben gerufen. Dieses Projekt hat zum Ziel, LNG als Ersatztreibstoff für Diesel für die Schifffahrt und Schwertransporte auf der Straße verfügbar zu machen.
Diese Beispiele zeigen, dass unsere beschauliche neue europäische Gaswelt sich weiterhin auf eine Art und Weise entwickeln wird, die möglicherweise nur Wenige vorhergesehen haben. Infrastruktur-Kompanien wie Gasunie haben sich gebildet, die unvermeidlich die Gelegenheiten nutzen werden, die die neue Marktstruktur bietet und sich daher in ‚mehr als nur TSOs’ transformieren werden.
Coenen zufolge steht eine Kompanie wie Gasunie „ultimativ vor der Wahl: Zuschauer an der Seitenlinie bleiben oder beim Spiel mitmachen und versuchen zu wachsen. Wenn man wächst, gibt es Risiken, aber wenn nicht, besteht das noch größere Risiko, marginalisiert zu werden. Also ist es unsere Aufgabe, effektive Strategien zu entwickeln und die damit einher gehenden Risiken sorgfältig zu bedenken, und uns fortwährend zu verbessern auf der Basis der Evaluierungen und der gelernten Lektionen. Dies ist der Weg, voranzuschreiten und all unseren Anteilsnehmern zu dienen“.
Karel Beckmann

Zusätzliche Lektüre

Für eine Übersicht über die Entwicklungen im europäischen Gashandelsmarkt siehe auch den Artikel von Karel Beckmann "It’s finally coming: the great European gas market transformation" vom 5 April 2012.
Mehr zu den Entwicklungen im europäischen Gasinfrastruktur-Markt erfährt man in unserem jüngsten Interview mit Walter Peeraer, leitender Direktor bei Fluxys am 9. Juli 2012: "Why the national Belgian gas transmission company is looking far beyond its national borders".

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Übersetzt von Chris Frey EIKE, mit Dank an Energy Review;  Chief Editor Karel Beckmann