Die beiden Koreas, 1950 – 2008: Ein ungeplantes Experiment wirtschaftlicher Systeme, der Kohlenstoffabdruck und menschliches Wohlergehen

 
 
Ostasien des nachts, das obere Foto von 1994/95, in dem Nordkorea klar hervor tritt, stammt von: http://photoblog.msnbc.msn.com/_news/2011/12/19/9564314-satellites-document-north-koreas-dark-ages?pc=25&sp=25.
Das untere Foto stammt aus dem Jahr 2009. Quelle: http://agora. ex.nii.ac.jp/~kitamoto/research/rs/stable-lights.html.en.
Die Fotos illustrieren nicht nur das Fehlen jeglicher ökonomischer Entwicklung in Nordkorea, sondern sie zeigen auch, dass Nordkorea den schwächsten Kohlenstoff-Fußabdruck der Welt hat. Und die verschiedenen Indikatoren menschlichen Wohlergehens spiegeln diese dunkle Realität, wie die folgende Tabelle zeigt.

So war es nicht immer. In den frühen fünfziger Jahren, so lange Daten verfügbar sind, lagen beide Länder hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung und des menschlichen Wohlergehens etwa gleichauf. Der Weltbank zufolge war die Lebenserwartung in Nordkorea 1960 etwas höher als im Süden (55,2 Jahre <-> 53,0 Jahre). Natürlich können die Daten aus dem Norden von der Regierung etwas aufgeblasen worden sein, bevor sie von der Weltbank übernommen worden waren, aber da bin ich nicht sicher.
Aber mit der Zeit ist die Lebenserwartung durch das freiere ökonomische System in Südkorea immer weiter gestiegen. Dann hat der Verlust von äußerer Unterstützung durch den Zusammenbruch der Sowjetunion Nordkorea in einen hoffnungslosen Fall verwandelt, und zwar seit den neunziger Jahren (siehe folgende Abbildung). Schließlich ist der Süden noch demokratischer und die wirtschaftlichen und sozialen Systeme immer transparenter geworden. Die Folgen davon sind in den obigen Fotos und der folgenden Abbildung eindrucksvoll erkennbar.

Bruttoinlandsprodukt und CO2-Emissionen, jeweils pro Kopf, von 1950 bis 2008. Quellen: Maddison (2008) und Weltbank (2011).
Die Bilder und die Tabelle sind unter Anderem eine eindrückliche Warnung vor den Gefahren einer übereifrigen Reduzierung des Kohlenstoff-Fußabdrucks eines Landes.
Indur Goklany
Den Originalartikel finden Sie hier
Übersetzt von Chris Frey für EIKE

Update 5.1.12

Die Nahezu-Stromausfälle und richtigen Stromausfälle nehmen auch bei uns dramatisch zu. U.a. der zunehmend kritischer werdende Daniel Wetzel von „Die Welt „hat das heute mal wieder thematisiert:
Glückssache Versorgung
Österreich rettet die deutsche Stromversorgung




Klimawissenschaft und das Ungewissheitsmonster

Ungewissheit in Verbindung mit der Klimawissenschaft und der Wissenschaftspolitik zeigt besondere Herausforderungen, geschuldet einmal der Komplexität des Klimasystems selbst, dem Potential für ungünstige sozio-ökonomische Auswirkungen der Klimaänderung und der politischen Durchsetzung von Maßnahmen zur Reduktion der Verwundbarkeit der Gesellschaft durch den Klimawandel. Die Herausforderungen beim Umgang mit der Ungewissheit im Spannungsfeld Wissenschaft – Politik werden durch den Rahmen einer ‚Monster’-Metapher beschrieben, und Maßnahmen zur Zähmung des Monsters werden vorgeschlagen. Ein Lexikon der Ungewissheit wird angeboten, das die Art und das Niveau der Ungewissheit beschreibt und das Wege aufzeigt, wie man Ungewissheit repräsentieren und dazu Überlegungen anstellen kann. Ungewissheiten der Klimamodelle wird im Zusammenhang mit der Unzulänglichkeit der Modelle sowie deren Eingangsparameter und den Anfangsbedingungen interpretiert. Wir untersuchen die Herausforderung der Bildung von Vertrauen in die Modelle, und im Besonderen das Vertrauen in Simulationen des Klimas im 21. Jahrhundert. Die Behandlung der Unsicherheit in den IPCC-Zustandsberichten wird untersucht, einschließlich der Schlussfolgerung aus dem 4. Zustandsbericht hinsichtlich der Klimaentwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gedanken zur Zähmung des Monsters werden diskutiert, für Institutionen, individuelle Wissenschaftler und Gemeinden.
Einführung
Zweifel ist keine vergnügliche Sache, aber Gewissheit ist absurd 1” Voltaire
Während des gesamten Verlaufs der Geschichte wurde etwas, das einer Generation unerforschlich und unvorstellbar erschien, für nachfolgende Generationen mehr oder weniger nur noch zu einer technischen Herausforderung. Die „endlose Grenze“ der Wissenschaft (Bush 1945) kommt immer weiter voran, wenn Wissenschaftler immer mehr ausreizen, was möglich ist, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Zweifel und Ungewissheit über unser gegenwärtiges Verständnis sind an der Wissensgrenze inhärent. Während die Erweiterung der Wissensgrenze die Ungewissheit oft reduziert, führt sie unweigerlich zu größerer Unsicherheit, wenn unerwartete Komplexitäten entdeckt werden. Die Perspektive eines Wissenschaftlers hinsichtlich der Wissensgrenze wird von Feynman (1988) beschrieben: „Wenn ein Wissenschaftler die Antwort auf ein Problem nicht kennt, ist er unwissend. Wenn er eine Ahnung hinsichtlich des Resultats hat, ist er unsicher. Und wenn er sich ziemlich sicher ist, wie das Resultat aussehen könnte, hat er immer noch einige Zweifel. Wir haben herausgefunden, dass es von höchster Bedeutung ist, dass wir, um Fortschritte zu erzielen, unser Nichtwissen erkennen und Raum für die Zweifel lassen müssen. Wissenschaftliche Kenntnis besteht aus einer Anzahl verschiedener Aussagen mit verschiedenen Niveaus der Gewissheit – einige höchst unsicher, einige fast sicher, aber keine absolut sicher“.
Wie man die Ungewissheit in der Klimawissenschaft verstehen und damit umgehen soll, ist ein Thema, dem zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt wird, sowohl in der wissenschaftlichen als auch in der philosophischen Literatur. Eine solche Untersuchung ist von höchster Wichtigkeit, weil die Herausforderungen der Klimawissenschaft mit dem Spannungsfeld Wissenschaft – Politik sowie deren sozioökonomischer Bedeutung zusammen hängen, wie es in den Zustandsberichten des IPCC zum Ausdruck kommt.2
Das ‚Monster der Ungewissheit’ ist ein Konzept, das 2005 von van der Sluijs in eine Analyse der unterschiedlichen Wege eingeführt worden war, mit denen die wissenschaftliche Gemeinschaft auf Unsicherheiten reagiert, die zu zähmen sehr schwierig ist. Das ‚Monster’ besteht aus der Konfusion und der Doppeldeutigkeit in den Gegensätzen Wissen gegen Unwissen, Objektivität gegen Subjektivität, Tatsachen gegen Schätzungen, Vorhersage gegen Spekulation und Wissenschaft gegen Politik. Das Monster der Ungewissheit sorgt für aufsteigende Unbequemlichkeit und Furcht, teilweise auch hinsichtlich unserer Reaktionen auf Dinge oder Situationen, die wir nicht verstehen oder kontrollieren können einschließlich der Vorahnung von gänzlich unbekannten Gefahren.
Eine Anpassung der Strategien van der Sluijs’, mit dem Unsicherheitsmonster im Spannungsfeld Wissenschaft – Politik umzugehen, wird im Folgenden beschrieben.
Verstecken des Monsters: Das Verstecken der Ungewissheit oder die „niemals Fehler zugeben“-Strategie kann durch eine politische Agenda oder durch die Angst motiviert sein, dass ungewisse Wissenschaft in der Außenwelt als ärmliche Wissenschaft beurteilt wird. Unabhängig von den ethischen Dingen, Monster zu verstecken, könnte das Monster zu groß sein, um es zu verstecken; oder das Verstecken könnte das Monster erzürnen.
Vertreibung des Monsters: Der Exorzist des Ungewissheitsmonsters konzentriert sich darauf, die Ungewissheit durch Förderung von noch mehr Forschung zu reduzieren. In den neunziger Jahren kam ein wachsendes Gefühl über die Undurchführbarkeit der Modellierung des Klimas auf, und zwar wegen des fortgesetzten Auftauchens immer neuer Komplexitäten und Unsicherheiten. Van der Sluijs stellt fest: „Die Monstertheorie sagt voraus, dass (die Reduktion der Ungewissheit) sich langfristig als vergeblich herausstellen wird: für jedes Haupt des Unsicherheitsmonsters, das die Wissenschaft abschlägt, tauchen wegen unvorhergesehener Komplexitäten mehrere neue Häupter auf“, analog der Hydra der griechischen Mythologie.
Vereinfachung des Monsters: Die Vereinfacher versuchen, das Monster zu transformieren, indem sie es subjektiv quantifizieren und den Zustand der Ungewissheit vereinfachen. Die Vereinfachung des Monsters findet sich explizit in den IPCC-Zustandsberichten 3 und 4 in Form von Richtlinien, die Unsicherheit durch die Annäherung an einen Konsens von Expertenbeurteilungen zu charakterisieren, und zwar im Zusammenhang mit einer subjektiven Bayesianischen Analyse (Moss und Schneider 2000).
Aufspüren des Monsters: Der erste Typ eines Ungewissheits-Detektivs ist der Wissenschaftler, der die bestehenden Thesen in Frage stellt und daran arbeitet, die Wissensgrenze zu erweitern. Ein zweiter Typ ist ein Auditor als Wachhund, dessen wichtigste Sorge darin besteht, die Verantwortlichkeit, Qualitätskontrolle und Transparenz der Wissenschaft zu überwachen. Ein dritter Typ ist der Händler des Zweifels (Oreskes und Collins 2010), der Unsicherheiten verzerrt und aufbauscht, und zwar als Rechtfertigung für Untätigkeit aus finanziellen oder ideologischen Gründen.
Assimilation des Monsters: Bei der Assimilation des Monsters geht es darum zu lernen, mit ihm zu leben und der Unsicherheit einen expliziten Platz in der Betrachtung und dem Management von Umweltrisiken einzuräumen.
Die Abschätzung und der Umgang mit Ungewissheit und Unkenntnis zusammen mit einer erweiterten ebenbürtigen Gemeinschaft sind bei der Assimilation des Monsters unabdingbar. Die Herausforderung hinsichtlich dessen Assimilation besteht in der ewig sich ändernden Natur des Monsters und der Geburt weiterer Monster.
Diese Studie erforscht Wege, Unsicherheit in der Klimawissenschaft zu verstehen, sich ihrer anzunehmen und darüber zu diskutieren, und zwar mit spezieller Applikation zum IPCC-Prozess der Zustandsbeschreibung. Abschnitt 2 beschreibt die Herausforderungen des Verstehens und der Charakterisierung der Ungewissheit in dynamischen Modellen komplexer Systeme, einschließlich der Herausforderungen, das Ensemble der Simulationen für das 21. Jahrhundert zu interpretieren, wie es in den IPCC-Zustandsberichten gemacht wird. In Abschnitt 3 werden einige Dinge hinsichtlich des Umgangs mit Ungewissheit angesprochen, und es wird beleuchtet, wie das IPCC in seinen Zustandsberichten mit diesen Unsicherheiten umgeht. In Abschnitt 4 geht es um die Unsicherheit hinsichtlich der Entdeckung und Zuordnung der anthropogenen Klimaänderung. Abschnitt 5 schließlich führt einige Gedanken und Strategien ein, das Ungewissheitsmonster zu zähmen, und zwar auf dem Niveau von Institutionen, individuellen Wissenschaftlern und Gemeinden.
1 Quelle: http://www.quotationspage.com/quote/33103.html
2 Alle IPCC-Zustandsberichte sind online auf
http://www.ipcc.ch/publications_and_data/publications_and_data_reports.htm#1. Die vier Zustandsberichte werden hier als FAR, SAR, Tar und AR4 plus den bevorstehenden AR 5 bezeichnet. Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich Zitate im Text auf Berichte der Arbeitsgruppe I.
Judith Curry und P.J. Webster
den gesamte Text finden Sie unter diesem Link: http://journals.ametsoc.org/doi/pdf/10.1175/2011BAMS3139.1
Übersetzt von Chris Frey für EIKE
Hinweis des Übersetzers: Es folgt die 38-seitige Abhandlung zu diesem Thema. Aus Zeitgründen wird diese hier nicht mit übersetzt.




Der Ozean versauert nicht!

 
Abbildung 1 PH-Wert-Bandbreite mit einigen Beispielen.
Das Erste, was man hinsichtlich des PH-Wertes beachten muss, ist, dass sich Alkalinität auf lebende Dinge stärker auswirkt als leichte Versauerung. Beide wirken korrosiv auf Gewebe, aber Alkalinität hat die stärkere Auswirkung. Es erscheint nicht eingängig, aber es stimmt. Zum Beispiel ist nahezu unsere gesamte Nahrung sauer. Wir essen Dinge mit einem PH-Wert von 2, fünf Einheiten unter dem neutralen Wert 7… aber nichts mit dem korrespondierenden Wert 12, fünf Einheiten über dem neutralen Wert. Die am meisten alkalischen Nahrungsmittel sind Eier (PH-Wert bis 8) sowie Datteln und Cracker (PH-Wert bis zu 8,5). Aber was soll’s, unsere Magensäure hat einen PH-Wert von 1,5 bis 3,0, und unseren Körpern macht das überhaupt nichts aus… aber man versuche nicht, Drano zu trinken, die Lauge würde den Bauch zerstören.
Dies ist der Grund, warum man Lauge und nicht Säure auf einen unbequemen Körper schüttet, wenn man ihn loswerden will. Es ist auch der Grund, warum Fische oftmals eine dicke Schleimschicht auf ihrem Körper haben, nämlich um sie vor der Alkalinität zu schützen. Im Gegensatz zu Alkalinität ist Versauerung kein Problem für das Leben.
Als nächstes kommt eine Frage der Terminologie. Wenn eine Base mit Säure kombiniert wird, zum Beispiel wenn man Backnatron auf eine ausgelaufene Autobatterie schüttet, bedeutet das eine „Neutralisierung“ der Säure, und zwar weil sich das Ganze hin zum Neutralen bewegt. Ja, der PH-Wert nimmt zu, aber trotzdem wird es „neutralisieren“ genannt und nicht „alkalisieren“.
Die gleiche Terminologie gilt bei der Messung des PH-Wertes. In einem Prozess mit dem Namen „Titration“ misst man, wie viel Säure man braucht, um eine unbekannte basische Lösung zu neutralisieren. Fügt man zu viel Säure hinzu, fällt der PH-Wert unter 7,0 und die Mixtur versauert. Fügt man zu wenig Säure hinzu, bleibt die Mixtur alkalisch. Das Ziel der Titration ist es, gerade genug Säure hinzuzufügen, um die basische Lösung zu neutralisieren.
Ganz ähnlich sieht es aus, wenn Regenwasser (leicht sauer) in den Ozean fällt (leicht basisch). Dann kommt es zu einem neutralisierenden Effekt des leicht alkalischen Ozeans. Regenwasser lässt den PH-Wert des Ozeans leicht abnehmen. Dennoch sagen wir normalerweise nicht, dass Regenwasser den Ozean „versauert“. Stattdessen sagen wir, weil sich der Ozean in Richtung neutral bewegt, dass es den Ozean neutralisiert.
Das Problem bei Verwendung des Ausdrucks „versauern“ bei dem, was das Regenwasser im Ozean macht, besteht darin, dass die Leute den Vorgang nicht verstehen. Sicher könnte ein aus festem Holz geschnitzter Wissenschaftler beim Hören des Wortes „versauern“ an „abnehmenden PH“ denken. Aber die meisten Leute glauben: „Ooooh, Säure, schlecht, das verbrennt die Haut“. Das führt dazu, dass die Leute Dinge wie das folgende Kleinod sagen, das mir gerade gestern vor Augen gekommen ist:
Rasche Zunahme des CO2 (wie es heute der Fall ist) überfrachten das System und führen dazu, dass Ozeanwasser korrosiv wird.
In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Das zunehmende CO2 macht den Ozean nicht korrosiver, sondern neutraler. Da sowohl Alkalinität als auch Säure korrosiv wirken, lautet die einfache Wahrheit, dass Regenwasser (oder mehr CO2) den Ozean etwas weniger korrosiv macht, indem die leichte Alkalinität neutralisiert wird. Das ist das Problem mit dem Term „Versauerung“, und es ist der Grund, warum ich darauf bestehe, den genaueren Term „neutralisieren“ zu benutzen. Der Begriff „versauern“ ist sowohl alarmistisch als auch inkorrekt. Der Ozean wird nicht sauer durch zusätzliches CO2. Er wird neutralisiert durch zusätzliches CO2.
Mit diesem Prolog möchte ich mich nun der Studie zum ozeanischen PH-Wert zuwenden.
Die Studie trägt den Titel “High-Frequency Dynamics of Ocean pH: A Multi-Ecosystem Comparison” (hiernach als pH2011 bezeichnet). Wie der Titel schon verrät, betrachteten die Autoren die aktuellen Veränderungen des PH-Wertes an verschiedenen Stellen des Ozeans. Sie zeigen „Schnappschüsse“ über 30 Tage von einer ganzen Palette von Ökosystemen. Die Autoren merken an:
Diese organismusspezifischen PH-Signaturen zeigen die gegenwärtigen Niveaus sowohl hoher als auch geringer Auflösung von CO2 auf. Sie demonstrieren oft, dass heimische Organismen schon jetzt einem PH-Regime ausgesetzt sind, das den Vorhersagen zufolge nicht vor 2100 eintreten sollte.
Zuerst zeigen sie einen 30-Tage-Schnappschuss sowohl vom offenen Ozean als auch von einem Riff im Ozean:
 
Abbildung 2. Ununterbrochene 30 Tage lange Messungen des PH-Wertes im offenen Ozean und an einem Unterwasserriff. Die x-Achse zeigt die Tage, die y-Achse die Größe der möglichen Änderung des PH-Wertes bis 2100, wie sie in der pH2011-Studie abgeschätzt worden ist.
Ich erkenne, dass der PH-Wert nicht einmal im offenen Ozean konstant ist, sondern über die 30 Tage etwas variiert. Diese Änderungen sind ziemlich kurz und stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit Regenereignissen während des Monats. Wie oben erwähnt, neutralisieren diese Regenfälle die Oberfläche des Ozeans leicht (und vorübergehend). Mit der Zeit mischt sich das in tiefere Wasserschichten. Über dem Kingman-Riff gibt es länger andauernde kleine Schwingungen.
Man vergleiche die beiden in Abbildung 1 gezeigten Regionen mit einigen anderen „Schnappschüssen“ von Korallenriffen mit dreißig Tage langen PH-Wert-Messungen.
 
Abbildung 3 Dreißig-Tage-„Schnappschüsse” der Variation des PH-Wertes an zwei tropischen Korallenriffen. Auf der x-Achse sind die Tage aufgetragen.
Ein paar Dinge sind in Abbildung 3 bemerkenswert. Erstens, die Variation des PH-Wertes zwischen Tag und Nacht stammt von dem CO2, dass durch das Riffleben als ganzes gebildet wird. Auch beträgt die Schwingung von Tag zu Nacht im Palmyra-Riff etwa ein Viertel einer PH-Wert-Einheit… was bereits um 60% höher liegt als die projizierte Änderung durch CO2 bis zum Jahr 2100.
Des Weiteren gibt es vor der kalifornischen Küste ein paar Gebiete mit aufsteigendem Wasser:
 
Abbildung 4 Dreißig Tage lange Aufzeichnungen des PH-Wertes in Gebieten mit aufsteigendem Wasser. Dieses Aufwallen findet unter anderem entlang der Ostküsten der Kontinente statt.
Hier sehen wir sogar noch größere Schwingungen des PH-Wertes, viel größer als die vorhergesagte Änderung durch CO2. Man erinnere sich, dass hier nur eine Periode von einem Monat betrachtet worden ist, so dass es sehr gut auch einen Jahresgang geben könnte.
Abbildung 5 zeigt die Vorgänge in den Tangwäldern:
 
Abbildung 5 PH-Wert-Aufzeichnungen in Tangwäldern.
Wieder erkennt man eine ganze Palette von Schwingungen des PH-Wertes, sowohl lang- als auch kurzfristig. An Land finden sich sogar noch größere Schwingungen, wie aus Abbildung 6 ersichtlich wird:
 
Abbildung 6 Zwei PH-Wert-Aufzeichnungen von einer küstennahen Umgebung und in einem Flussmündungssystem.
Wieder erkennt man große Änderungen des PH-Wertes in sehr kurzen Zeiträumen, sowohl in Flussmündungsgebieten als auch in küstennahen Gebieten.
Meine Schlussfolgerungen aus all dem?
Erstens, es gibt eine ganze Reihe von Stellen im Ozean, an denen die PH-Schwankungen sowohl schnell vonstatten gehen und auch ein großes Ausmaß haben. Das Leben in diesen Teilen des Ozeans scheint weder von der Größenordnung noch von der Geschwindigkeit dieser Änderungen beeinflusst zu werden.
Zweitens, die mögliche Änderung des PH-Wertes bis zum Jahr 2100 ist im Vergleich zu diesen natürlichen Schwingungen nicht groß.
Drittens, infolge einer ganzen Reihe von abfedernden Mechanismen im Ozean könnte die Änderung des PH-Wertes bis 2100 kleiner sein, aber höchstwahrscheinlich nicht größer als die Schätzung der oben gezeigten Vorhersage.
Viertens, ich wäre sehr überrascht, wenn wir in neunzig Jahren immer noch fossile Treibstoffe verbrennen würden. Möglich, aber sehr zweifelhaft. Also kann auch aufgrund dieses Effektes die Änderung des ozeanischen PH-Wertes kleiner sein als oben gezeigt.
Fünftens, wie die Autoren schon angemerkt haben, in einigen Gebieten des Ozeans herrschen schon jetzt Bedingungen, die vor dem Jahr 2100 gar nicht auftreten sollten… und dies ohne negative Folgen.
Im Endergebnis mache ich mir also keine allzu großen Sorgen über eine kleine Änderung des PH-Wertes im Ozean aufgrund der Änderung des atmosphärischen CO2-Gehaltes. Der Ozean wird sich anpassen, die Verbreitungsgebiete mancher Spezies werden sich ein wenig ändern, einige andere Spezies werden leichte Vorteile, wieder andere leichte Nachteile haben. Aber der CO2-Gehalt war schon vorher hoch. Alles in allem, wenn man den Ozean ein wenig neutraler macht, wird es wahrscheinlich dem Leben gut tun, welches Alkalinität nicht mag, dem Versauerung aber nichts ausmacht.
Zum Schluss möchte ich sagen, dass ich wissenschaftliche Studien dieser Art mag, die tatsächlich reale Beobachtungen nutzen anstatt von Theorien und Modellen abhängig zu sein. Schon seit einiger Zeit habe ich darauf hingewiesen, dass der ozeanische PH-Wert nicht konstant ist… aber bis zum Erscheinen dieser Studie habe ich nicht gewusst, wie variabel er tatsächlich ist. Es ist ein Maß für die „Elfenbeinturm“-Natur in weiten Bereichen der Klimawissenschaft, dass die Hysterie über die sog. „Versauerung“ schon seit so langer Zeit im Gange ist, ohne dass man die tatsächlichen Verhältnisse im Ozean betrachtet hat. Dann hätte man sehen können, welchen Unterschied eine kleine Änderung hin zu mehr Neutralität wirklich ausmacht.
BEMERKUNG: Für jene aus festem Holz geschnitzte Wissenschaftler, die immer noch das Hinzufügen einer kleinen Menge Säure zu einer basischen Lösung „Versauerung“ nennen und die behaupten, dass dies die korrekte „wissenschaftliche Terminologie“ ist, verlange ich, dass sie auf die wissenschaftliche Terminologie der Titration schauen und sich daran anpassen. Diese Terminologie wird benutzt, wenn PH-Werte im Labor gemessen werden. In dieser Terminologie nennt man es „Neutralisierung“, wenn man sich hin zum neutralen PH-Wert 7 bewegt.
Willis Eschenbach
Link: http://wattsupwiththat.com/2011/12/27/the-ocean-is-not-getting-acidified/
Übersetzt von Chris Frey für EIKE




Preise für CO2 Emissionsrechte springen nach einem Urteil um 32 Prozent nach oben

Der Preis für ein Zertifikat über eine Tonne CO2 sprang darauf augenblicklich um 32 Prozent oder so, etwa von € 7 auf € 10. Die 68 Mitglieder starke Kommission konnte also de facto den Wert seiner Billionen Euro teuren Industrie innerhalb weniger Minuten verändern, einfach durch "Hand heben".
Die finanziellen Transfers durch dieses "Hand heben" bedeuten umgerechnet Zehnermilliarden von Dollar pro Kopf der "Handheber". Und jetzt versuchen Sie mal, mich zu überzeugen, dass diese Leute neutral handeln können, ohne jeden externen Druck und externe Verbindungen. Aber seien Sie darauf vorbereitet, dass ich hysterisch über Ihren Witz lachen werde, und der Wind durch mein Lachen könnte Sie bis zum Mond pusten.
Die Unschuldsvermutung sollte daher durch die Schuldvermutung ersetzt werden, wenn es sich z. B. bei der Umweltkommission des EU-Parlamentsum geht. Es ist m.E.n. für die meisten dieser Leute vermutlich physisch ziemlich  unmöglich, nicht zu korrupten Kriminellen zu werden, die finanziell mit den Halunken verbunden sind, die diese verabscheuungswürdigen Papiere für Milliarden von Dollar kaufen und verkaufen.
Es wird nicht genau gesagt, ob die „Märkte“ (welche mit freien Märkten in diesem Falle nichts zu tun haben) dieses Votum und dessen erwartete Folgen schon im Voraus kennen. In jedem Falle gilt, dass Leute, die entweder beeinflussen können, ob die Abstimmung stattfindet, oder ob das Ergebnis Ja lautet, im Endeffekt auch das Potential haben, Hunderte Milliarden Dollar zu machen. Natürlich reicht schon ein winziger Teil von etwa 1% davon aus, dass diese Leute superreich werden.
Es ist praktisch undenkbar, dass diese Leute in der Umweltkommission niemals mit den Haltern der Zertifikate kommuniziert haben. Diese gehören fast mit Sicherheit zu den Leuten, mit denen sie sich am häufigsten austauschen. Stellen Sie sich also vor, Sie halten Kohlenstoff-Zertifikate im Wert von 10 Milliarden Euro in der Hand und kennen einen Typ, der eine solche Abstimmung, die den Wert Ihrer Papiere auf 13 Milliarden Euro steigern wird,  organisieren könnte. Sie würden 3 Milliarden Euro Profit machen, und daher wollen Sie Ihren Freund im EU-Parlament davon überzeugen, dieses Votum zu organisieren.
Sie könnten ihm sagen, dass seine Frau, vielleicht Managerin in einer kleineren Firma, ihr Gehalt plötzlich verdreifachen könnte, auf etwa 3 Milliarden Euro pro Jahr. Das Geld kommt aus den Kohlenstoff-Zertifikaten. Für beide Seiten würde das kein schlechter Deal sein. An diesem Punkt habe ich vermutet, dass der Vorgang fast unter Garantie von dieser 68 Köpfe starken Kommission gestützt wird.
Sollte das Ja nicht garantiert sein, werden sich die Details ändern, aber die Tatsache, dass da das Potential für gewaltige Bestechungen – fast unvermeidliche Bestechungen – weiter besteht, wird sich nicht ändern. Wenn die Abstimmung ungewiss ist, könnte eine ausreichende Zahl von ihnen gekauft werden. Nehmen wir an, dass 25 Kommissionsmitglieder garantiert Ja-Sager sind. Man braucht dann noch 10 weitere, bisher „unentschiedene“ Leute, die Ja sagen. Noch einmal, wenn man weiß, dass sich der Wohlstand aufgrund dieses Votums um 3 Milliarden Euro erhöhen wird, hätte man eine ausreichend große Geldmenge zur Verfügung, die 10 Leute dahingehend zu beeinflussen, wie sie abstimmen sollten. Natürlich wäre schon der tausendste Teil dafür ausreichend.
Es ist nicht nötig, dass jeder Halter von Kohlenstoffzertifikaten dieses Spiel mitmacht. Es reicht, wenn es Einige sind, und schon würden Millionen Dollar um jedes Kommissionsmitglied kreisen. Nun könnte man sagen, dass alle Kommissionsmitglieder, die mindestens 1 Million Euro aufgrund dieser Abstimmung verdient haben würden, ins Gefängnis wandern oder in ein psychiatrisches Asyl geschickt werden sollten.
Diese Kohlenstoff-„Märkte” sind total verrückt, weil sich der Preis ständig brutal ändert, und de facto tut er das aufgrund von Abstimmungen wie diese. Daher ist es ein Markt, aber eine Versammlung von 68 Bürokraten bestimmt de facto den Preis, den sie haben wollen, indem sie die Zertifikate entsprechend anpassen. Das Potential für Bestechung – ob man nun die o. g. Algorithmen heranzieht oder andere – ist fast unbegrenzt. Falls es ein Problem mit Treibhausgasen gäbe, das es in Wirklichkeit nicht gibt, wäre eine direkte Steuer oder eine Extra-CO2-Abgabe eine ehrlichere Lösung als diese Lösung eines Marktes, der kein echter Markt ist.
Und das ist das Memo.
Link: http://motls.blogspot.com/2011/12/carbon-allowances-jump-32-percent-after.html
Übersetzt von Chris Frey für EIKE