Großbritannien: Politik der Regierung schlechte Nachricht für Papierindustrie

David Workman, Generaldirektor der CPI, hat jetzt an Schatzkanzler George Osborne geschrieben und gewarnt, dass die ‚kumulativen Auswirkungen’ der Politik, die die Reduktion von Kohlenstoffemissionen zum Ziel haben, die Kosten der Papierindustrie bis zum Jahr 2020 um viele hundert Millionen Pfund steigen lassen werden. Workman zufolge macht die Industrie jährlich 5 Milliarden Pfund Umsatz und beschäftigt direkt und indirekt etwa 100 000 Menschen.

Im ‚Namen der auf die Papierherstellung basierenden Industrien in UK’ sagte Workman, dass das bevor stehende Herbst-Statement des Kanzlers (geplant für den 5. Dezember) ein wichtiges Forum sein wird, einige dieser Sorgen anzusprechen. Dies deswegen, weil das Jahr 2013 die Einführung zahlreicher Kohlenstoff reduzierender Maßnahmen markiert einschließlich des EU Emissions Trading Systems, des Carbon Price Floor [?] sowie der ‚neuen und herausfordernden’ Ziele zum Climate Change Agreement.

 

Bild: David Workman

‚Die CPI erkennt an, dass die Koalitionsregierung während der vergangenen zweieinhalb Jahre  eine Anzahl von Maßnahmen in Kraft gesetzt hat, um die Auswirkungen der Aktivitäten für die hoch ambitionierten Ziele in UK zur Kohlenstoffreduktion und den Erneuerbaren abzufedern. Das Paket mit den 250 Millionen Pfund für die EEIs aus dem Herbst 2011 waren eine willkommene Maßnahme, aber nur ein Tropfen im Ozean dessen, was erforderlich ist, um die kumulativen Auswirkungen der Kosten der Regierungspolitik zu minimieren’, schrieb Workman.

Unter Hinweis auf die Tatsache, dass die UK-Papierfabriken jetzt 42 Prozent (1,6 Millionen Tonnen) weniger fossile Treibstoffe für jede hergestellte Tonne Papier verbrauchen als im Jahr 1990 (nachzulesen im DECC-Bericht zu Klimaänderungs-Abkommen 2011), sagte Workman, dass die Industrie ‚ihren Beitrag geleistet’ hätte und es jetzt Sache der Regierung ist, die ‚Auswirkungen abzuschwächen’, die das Erreichen der UK-Ziele bzgl. Kohlenstoffreduktion und Erneuerbare mit sich brächten.

Er räumte ein, dass die Papierherstellung ‚an sich ein energieintensiver Prozess’ ist und dass daher die Hersteller in UK international angemessene Energiepreise brauchen, um wettbewerbsfähig und weiterhin attraktiv für Investitionen im Inland zu bleiben.

‚Ein Beispiel einer verfehlten Politik ist der bevor stehende Carbon Price Floor (CPF), durch den die Stromkosten in UK als zusätzliche Steuer auf fossile Treibstoffe zur Stromerzeugung aufgebläht werden. Dies wird als grüne Maßnahme präsentiert, scheitert aber an zwei wesentlichen Schlüsselstellen.

Technisch wird das Bestreben nach einer Reduktion der Kohlenstoffemissionen nicht erfolgreich sein, weil die generellen EU-Emissionen nicht reduziert werden, was bedeutet, dass die Industrien anderswo in der EU von niedrigeren Kosten profitieren werden. Praktisch wird die Industrie in UK in garantiert höheren Energiepreisen gefangen sein als anderswo. Während schon das Ausgangsniveau der Besteuerung besorglich ist, bedeuten die damit einher gehende Zunahme der jährlichen Kosten dieser politischen Maßnahmen eine Eskalation. Die steigenden Stromkosten in ganz UK – Zahlen vom DECC zeigen substantiell höhere Strompreise bis zum Jahr 2020, wonach sie wieder sinken könnten – garantieren jetzt Schmerzen, die vielleicht später etwas abnehmen’.

Workman schloss, indem er einige Maßnahmen umriss, die ‚die Industrie im nächsten Herbstbericht gerne sehen würde’:

● ‚Unterstützung für ein grundlegendes Programm zur Energieeffizienz für die Industrie’ durch Bereitstellen einer ‚substantiellen’ Menge des Geldes, das von der Industrie durch den Zertifikatehandel (ETS) und der CPF-Besteuerung zu diesem Zweck erhoben wird.

● Ein ‚Überdenken’ der explodierenden CPF-Kosten, weil eine Zunahme der mit Strom zusammen hängenden Kohlenstoffkosten von effektiv Null im Jahr 2012 auf 33 Pfund pro Tonne Kohlendioxid ‚schlicht nicht nachhaltig wettbewerbsfähig’ ist. Die CPI sagt, dass sie am liebsten sehen würde, wenn man die CPF komplett streichen würde.

● ‚Belohnung und Unterstützung’ mittels Investitionen in die Stromerzeugung vor Ort zum Selbstverbrauch durch Befreiung von Steuern, da die gegenwärtige Politik ‚die wirtschaftliche Motivation von Investitionen’ zerstört.

● Man unterstütze die weitere Entwicklung von ‚effizienteren’ Wärme- und Stromerzeugung (CHP) durch Einspeisetarife oder ‚andere unterstützende Mechanismen’.

● Man ‚akzeptiere’, dass zur Energiesicherheit eine Mischung aus vielen Technologien zur Energiegewinnung erforderlich ist, und das Gas eine Hauptrolle spielen wird bis mindestens in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts.

Umweltbedenken

Der Brief markiert eine tiefer werdende Trennlinie zwischen der EEI-Industrien und der low-carbon industry und Umweltaktivisten, mit zunehmender Besorgnis über Osbornes und Energieminister Edward Daveys erkennbarer Bevorzugung, Gas als wesentlichen Bestandteil der Energiezukunft in UK zu erhalten.

Im September schrieb das unabhängige Committee on Climate Change (CCC) einen offenen Brief an Energie- und Klimaänderungsminister Ed Davey des Inhalts, dass die Regierung das rechtlich bindende Ziel einer 80-prozentigen Reduktion von Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 (verglichen mit dem Niveau von 1990) brechen könnte, wenn die Pläne neuer Investitionen in Gas weiter verfolgt werden.

‚Der extensive Gebrauch unverminderter gasbefeuerter Kapazitäten (d. h. ohne die CCS-Technologie) im Jahr 2030 und darüber hinaus wäre unvereinbar mit dem Erreichen der gesetzlichen Kohlenstoffziele’, schrieb die Gruppe und kritisierte weiter die ‚offensichtlich ambivalente Position der Regierung hinsichtlich der Frage, ob man versuchen sollte, ein System mit niedrigem Kohlenstoff oder eines auf Gas basierenden erschaffen sollte’.

Am 15. November haben Friends of the Earth ein Statement bekannt gemacht, in dem sie den Kanzler davor warnen, in dem demnächst veröffentlichten Energiegesetz ‚die Nation am Gashaken hängen zu lassen’.

„Bis das Energiegesetz veröffentlicht wird, kennen wir die Energiepolitik der Regierung nicht. Aber wir wissen sehr wohl, dass sich der Kanzler für ein Gesetz stark macht, dass die Nation für Jahrzehnte weiter von schmutzigem und zunehmend teurem Gas abhängig halten will“, sagte die Leiterin der Kampagnen von Friends of the Earth.

„Der Premierminister muss handeln, um führende Konservative wie George Osborne davon abzuhalten, eine anti-grüne Agenda zu verfolgen und das Vertrauen von Investoren in grüne Energie zu untergraben.

Dem Klimawandel zu begegnen war ein Schlüsselpart von David Camerons Plänen, die Conservative Party zu modernisieren – aber bevor er nicht die Dinosaurier in seiner eigenen Partei unter Kontrolle hat, wird er kaum Erfolg damit haben”.

Annie Reece

Read the full CPI letter to the chancellor.

http://www.resource.uk.com/article/UK/Government_policies_bad_news_UK_paper_industry-2433

Link: http://www.resource.uk.com/article/UK/Government_policies_bad_news_UK_paper_industry-2433#.UKdWSmdXeNB

Übersetzt von Chris Frey EIKE

Anmerkung des Übersetzers: Wie in früheren Artikeln: die hier beschriebenen Vorgänge in UK sind in D ja wohl noch viel stärker ausgeprägt!

C. F.




Bessere Wissenschaft – wo ist die jüngste Erwärmung?

Hier kommt die etwas bessere Wissenschaft
Re: Online Denials Not Well Founded, by J. Edward Mathison,
P.Geol., and Let’s Get Back to Applying Science, by Joe Green,
P.Eng., Readers‘ Forum, The PEG,April 2012.
Eine Rückkehr zu einer geeigneten Form der Wissenschaft wäre höchst willkommen. Aber wie definieren wir Wissenschaft? Seit dem 17. Jahrhundert hat sich die wissenschaftliche Methode mit akzeptierten Standards entwickelt. Forscher stellen Hypothesen als Erklärungsmuster für beobachtete Phänomene auf und führen experimentelle Studien durch, um sie zu testen. Fundamental ist das Prinzip der vollen Transparenz hinsichtlich der verwendeten Daten und der Methodik, an der jeder teilhaben kann, so dass die Ergebnisse verifiziert und von anderen unabhängigen Wissenschaftlern reproduziert werden können.
Das war aber nicht das, was die Klimatologen im IPCC aufgeführt haben, die eine völlige Missachtung für diese Prozeduren an den Tag gelegt haben, indem sie Daten zurück hielten, es ablehnten, ihre Methoden darzulegen oder darüber zu diskutieren und vor allem Beweise ignorierten, die ihre Hypothesen widerlegten.
Phil Jones von der Climate Research Unit an der University of East Anglia war nicht auskunftsfreudig. Trotz zahlreicher Anfragen und Untersuchungen im Rahmen des Freedom of Information Act wurden Daten und damit verbundene Methoden nicht vollständig für eine unabhängige Überprüfung bekannt gemacht. Und das, obwohl dies der Datensatz der Temperatur ist, der als primärer Beweis der Erwärmung zum Ende des 20. Jahrhunderts präsentiert worden ist und Basis für drakonische politische und steuerrechtliche Maßnahmen ist.
Jim Hansen hat uns im Jahr 1988 erzählt, dass wir in 25 Jahren eine Erwärmung von 2°C bis 4°C erwarten können. Stattdessen gab es höchstens ein Zehntel davon. Die gegenwärtigen globalen Temperaturen liegen signifikant unter den im Jahre 2007 veröffentlichten Prognosen des IPCC. Wir liegen selbst noch unter der Erwärmung, die für eine Null-Steigerung des CO2-Gehaltes projiziert worden war [siehe Bild oben rechts! A. d. Übers.]. Da fortwährend CO2 hinzugefügt wird, zeigt das Fehlen einer Reaktion darauf, dass die Schätzungen des IPCC der dadurch induzierten Erwärmung substantiell falsch sind.
Dann gibt es da diesen notorischen Hockeyschläger-Graph, ein übles Stück schlechter Wissenschaft, der das Stadium der Begutachtung niemals hätte erreichen dürfen. Er eliminierte gut dokumentierte historische Variationen des Klimas und bearbeitete Statistiken auf ungeeignete Art und Weise, was zu der gefälschten Präsenz der Erwärmung zum Ende des 20. Jahrhunderts geführt hatte.
Es gab acht Zyklen seit der Eiszeit des Pleistozäns, die allesamt weltweit in wissenschaftlich begutachteten Studien dokumentiert sind. Die Kleine Eiszeit wurde 600 mal genannt, die Mittelalterliche Warmzeit 1008 mal. Die Periode der Dunklen Zeitalter, der Warmzeit, der Abkühlung in der Bronzezeit und die Minoische Warmzeit sind in der historischen und archäologischen Literatur sowie durch detaillierte Proxy-Temperaturstudien dokumentiert.
Die Existenz dieser Jahrtausende langen Oszillationen des Klimas, bei denen die Temperatur zu Warmzeiten höher lag als gegenwärtig, zeigen ganz klar, dass ganz und gar nichts Ungewöhnliches am derzeitigen Zustand des Erdklimas ist, und dass die Erwärmung der letzten Zeit keineswegs ohne Vorgänger ist.
Selbst im 20. Jahrhundert ist die Korrelation zwischen CO2 und der Temperatur kaum gegeben, während es eine ganze Reihe von Literatur gibt, die eine starke Korrelation der Sonnenaktivität mit dem globalen Klima belegt – und zwar nicht nur im vorigen Jahrhundert, sondern in geologischen Zeiträumen.
Henrik Svensmark, Direktor des Centre for Sun-Climate Research am Danish National Space Institute sagt, dass sich das Erdklima aus einem Zusammenspiel kosmischer Strahlen und dem Sonnenwind ergibt. Er hat experimentell bewiesen, dass kosmische Aerosole die Wolkenbildung stimulieren, vor allem in der unteren Troposphäre. Vor Kurzem hat das Europäische Kernforschungszentrum Svensmarks Hypothese experimentell bestätigt.
Da tiefe Wolken die kurzwellige Sonnenstrahlung reflektieren, kühlt sich die Oberfläche ab. Folglich sorgt eine sehr aktive Sonne für niedrige Werte der kosmischen Strahlung und damit Erwärmung, während eine schwache Sonne hohe kosmische Strahlung und damit Abkühlung bewirkt.
Dieses Konzept wurde inzwischen durch Beobachtungen, Messungen und Experimente  bestätigt. Es zeigt, dass das Sonnensystem in Wechselwirkung mit dem Kosmos steht, und besonders die Milchstraße ist der primäre Treiber des irdischen Klimas. Diese Wechselwirkung ist für 95 Prozent der Klimavariabilität der letzten 550 Millionen Jahre verantwortlich, sagen Shaviv und Veizer in einem Forschungsbericht im Jahr 2003. Auch der Sonnenzyklus Nr. 24, der einst als einer der aktivsten seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen vorhergesagt worden war, entpuppte sich inzwischen als der schwächste seit 1790. Die meisten Klimawissenschaftler sehen darin ein Indiz für eine künftige Abkühlung der Erdklimas.
DR. A. NEIL HUTTON, PGEOL.
APEGA Life Member
Calgary
Wenn die Menschheit eine Klimaänderung verursacht, wo bleibt die jüngste Erwärmung?
Re: Online Denials of Climate Change Not
Well Founded, by J. Edward Mathison, P.Geol.,
Readers‘ Forum, The PEG,April 2012.
Schauen wir nur auf die Fakten. Es gibt keinen Zweifel, dass sich das Klima ändert. Das hat es immer getan, und das wird es immer tun. Die Diskussion und die potentielle Verschwendung von Trillionen Dollar der begrenzten Ressourcen der Erde drehen sich darum, ob die Menschheit für die Erwärmung der Erde verantwortlich ist. Seit Hunderten von Jahren haben unsere Aktivitäten die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zunehmen lassen. Die meiste Zeit davon ist die Temperatur auf der Erde zurück gegangen.
Aber was war in jüngster Zeit? Es sind 30 Jahre vergangen, seit jemand die Computer-Inputs gekitzelt und angefangen hat zu proklamieren, dass – weil die Menschheit an einer zunehmenden Konzentration von CO2 schuld ist (vor allem durch das Verbrennen fossiler Treibstoffe) – eine damit korrespondierende Erwärmung eintreten wird, was zu einer verheerenden anthropogenen Klimaänderung führt. Inzwischen liegen 30 Jahre realer Daten hinter uns – ist es nicht an der Zeit zu analysieren, ob selbst die grundlegendsten Computermodelle richtig waren?
Seit 1980 hat die Menschheit die Kohlendioxidkonzentrationen steigen lassen, Jahr für Jahr auf einer fast geraden, aufwärts zeigenden Linie. Den Computer-Projektionen zufolge hätten wir einen ähnlich aufwärts gerichteten Trend der Temperatur auf der Erde sehen müssen. Haben wir aber nicht.
Die jüngere Geschichte lehrt uns, dass die Temperatur der Erde von 1980 bis etwa zum Jahr 2000 gestiegen, seitdem aber flach geblieben ist mit Hinweisen auf einen Rückgang, obwohl wir weiterhin der Atmosphäre Kohlendioxid zufügen. Diese einfache Beobachtung sollte rote Alarmlampen blinken lassen.
Wir sollten extrem vorsichtig sein, wenn es darum geht, mehr unserer begrenzten Mittel für etwas auszugeben, das im tiefsten Inneren falsch sein könnte. Die globale Erwärmung und die inhärente Klimaänderung der letzten Zeit ist nichts weiter als der Schwanz eines Zyklus’ der Erwärmung, in dem 99% der glazialen Eiskappen abgeschmolzen sind. Die Menschheit ist gerade darauf aufmerksam geworden und fühlt sich irgendwie verantwortlich.
Als Nation sollte Kanada dieser natürlichen globalen Erwärmung applaudieren – weil ohne diese Kanada gar nicht existieren würde.
Mehr Informationen gibt es bei www.friendsofscience.org.
BRAD BAKUSKA, P.GEOL.
Calgary
Link: http://friendsofscience.org/assets/documents/APEGA_Hutton_Bakuska.pdf
Übersetzt von Chris Frey für EIKE




Die Energiewende von Doha

Während hierzulande festgelegt wird, welche Technologien in Zukunft zur Energieerzeugung benutzt werden sollen, wird woanders an einer ganz anderen Zukunft gearbeitet. Bei ReportLinker und Visiongain wird eine Studie vorgestellt in der ein Ausblick in Richtung der Zukunft der synthetischen flüssigen Brennstoffe, wie Diesel, gewagt wird. Und die sieht mehr als rosig aus. Ab etwa einem Rohölpreis von 40 USDollar rechnet sich das Verfahren, welches unter der Bezeichnung Fischer-Topsch bekannt ist.

Dabei handelt es sich bei diesen hergestellten flüssigen Brennstoffen nicht um minderwertige Produkte, sondern um qualitativ hochwertige Güter, wie THE AMERICAN OIL&GAS REPORTER berichtet (pdf | 189KB). Hergestellt aus gereinigtem Erdgas, verbrennt dieser Diesel viel sauberer als vergleichbarer konventioneller Brennstoff.
Peak Oil muss als weiter warten, und wie es aussieht, gibt es nicht einmal einen Peak Oil wenn denn das Erdöl tatsächlich alle wäre. Das Substitut ist vorhanden, und wie es aussieht ist es sogar noch billiger und besser als das Original.
Las Raffan, wo die Pearl GTL momentan Energiegeschichte schreibt, ist nur 80 Kilometer von Doha entfernt. Ob die Klimaretter, die sich hier momentan versammelt haben, wissen was da ganz in der Nähe geschieht, und vor allem welche Bedeutung es haben wird? Wohl kaum, so etwas sieht man nicht wenn die Welt retten will. Will man diese unsere Erde aber nur verbessern, dann muss man nach Las Raffan schauen und nicht nach Doha.
Siehe auch:
Royal Dutch Shell ramps up Qatari gas to diesel machine
Shell Oil’s Gas to Liquids Plant in Qatar could Earn $ 10 Billion a Year
Quentin Quencher zuerst erschienen auf Glitzerwasser




Die Klimakrieger der ZEIT, guter Journalismus?

Ich gestehe, Die ZEIT allenfalls gelegentlich im Cafè zu lesen. Ich bevorzuge das kleine Format, wie dasjenige der von mir hoch geschätzten Le monde, sowie Artikel, die sofort auf den Punkt kommen, wie die des britischen economist. Der ZEIT-Artikel betrifft mich aber als "Interview-Gastgeber" der ZEIT-Redakteurin Frau Anita Blasberg. Diese ließ es sich nicht nehmen, extra von Hamburg nach Heidelberg zu reisen. Hierzu weiter unten mehr. Die zweite Redakteurin der „Klimakrieger’’, Frau Kerstin Kohlenberg, ist mir dagegen nicht bekannt. Beide Autorinnen werden im Folgenden als BK abgekürzt.
Das ZEIT-Dossier „Die Klimakrieger’’ umfasst 3 volle Seiten des bekannt überdimensionalen ZEIT-Formats. Dennoch können die in ihm enthaltenen Faktenaussagen kurz abgehandelt werden. Es gibt nur wenige.

1. Faktenaussage – „Wie von der Industrie bezahlte PR Manager der Welt seit Jahren einreden, die Erderwärmung finde nicht statt. Chronologie einer organisierten Lüge“:

Es ist kein ernst zu nehmender Klimaskeptiker bekannt, der von einer nicht vorhandenen Erderwärmung spricht, noch nicht einmal ein von der Industrie bezahlter PR-Manager. Marc Morano, dessen Entlarvung als erfolgreicher Weltverschwörer BK gut eine ganze ZEIT-Seite wert ist, kenne ich leider kaum. Die wissenschaftlicheren, englischsprachigen, klimaskeptischen Blogs findet man bei Judith Curry,  WUWT und Joanne Nova. Daher musste ich mir Moranos Blog ClimateDepot nunmehr einmal ansehen. Die von BK Herrn Morano vorgeworfene Lüge ist freilich nicht auffindbar. Jeder, der sich ein wenig auskennt – Morano gehört vermutlich dazu – weiß über den mittleren globalen Temperaturverlauf des 20. Jahrhunderts und die jüngste globale Abkühlung Bescheid. Die Messdaten sind eindeutig und lassen keine Lügen zu. Das 20. Jahrhundert war durch zwei Erwärmungsphasen, 1900-1935 sowie 1970-1995 und eine längere Abkühlungsphase von 1935-1970 geprägt. Seit etwa 1996 stagnieren die Temperaturen und sinken nunmehr. Das Temperaturmaximum Ende des 20. Jahrhunderts wurde kurzfristig fast schon einmal in den 1930-er Jahren erreicht (linke Fig. 8 in hier). Der Temperaturwert der globalen Erwärmung im 20. Jahrhundert ist etwas umstritten, fest steht freilich, dass er sich bestens in die Fluktuationen früherer Jahrhunderte einordnet. Anthropogenes CO2 ist zu seiner Erklärung nicht zwingend nötig.
Vermutlich ist BK eine Verwechslung unterlaufen. Bezweifelt wird von Klimaskeptikern nicht der gemessene Temperaturverlauf, sondern die Hypothese, dass die Erwärmungsphase in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – von gerade einmal 25 Jahren Dauer – anthropogen sei. Diese Zweifel sind begründet, denn für diese Hypothese fehlt in der Fachliteratur bis heute ein entsprechender Nachweis.

2. Faktenaussage – Die von BK rot gehaltenen Zitate von Morano:

Sie sind vermutlich von BK – unübersehbar rot/fett – in den Text eingestreut worden, um die Inkompetenz Moranos zu demonstrieren. Ohne mich als Sachwalter von Morano zu fühlen, erscheint mir das Vorgehen von BK allerdings nicht geeignet, ihren Standpunkt zu untermauern. Schauen wir uns dazu die Morano-Zitate näher an, wobei nur auf die mit Sachaussagen eingegangen wird, der Rest ist Geschmackssache und führt nicht weiter. Hierzu gehe ich – ohne Überprüfung  – von der Echtheit der von BK angegebenen Zitate aus:

a) Zitat Morano „Tatsächlich ist die Population der Eisbären fünf Mal so groß wie vor 40 oder 50 Jahren“. Falsch oder zutreffend?

Über dieses Thema ist zum Beispiel hier Sachliches zu finden. Fakt ist, dass der Eisbär nicht ausstirbt. Er hat alle früheren Warmzeiten, insbesondere die sehr starken des Holozäns um 4,5 und um 6,5 Jahrtausende vor unserer Zeit und natürlich die des Mittelalters, bestens gemeistert. Sein Überleben wird vom Jagdverhalten des Menschen, nicht vom Polarklima bestimmt. Moranos Zitat trifft daher zu, über die von Morano angegebenen Zahlen kann ich nichts sagen, sie sind im Detail auch unwichtig.

b) Zitat Morano „Der einzige Ort, an dem die angebliche Klimakatastrophe stattfindet, ist die virtuelle Welt der Computermodelle, nicht die reale Welt“. Falsch oder zutreffend?

Bis heute ist keine Fachveröffentlichung bekannt, die einen anthropogenen Einfluss auf Erdtemperaturen auf der Basis von Messungen nachweisen kann. Bis heute sind ferner keine Zunahmen von Extremwetterkatastrophen aufzufinden, dies bestätigt das IPCC im Report von 2001, the scientific basis, Kap. 2.7 (hier) und im jüngsten Extremwettereport von 2012 (hier). Da es bis heute keine anthropogenen Klimakatastrophen gibt, ist allein aus logischen Gründen Moranos Aussage korrekt. Die Zukunft kann nur aus der Kristallkugel oder aus Modellen vorhergesagt werden. Nachfolgend einige Zitate von Klimaexperten über ihre Auffassung zur Zuverlässigkeit von Klimamodellen:
Prof. Hans-Otto Peitgen (Mathematiker und Chaosforscher): “Jetzt reden wir von Glaubenssachen. Es gibt Leute, die glauben – und viele von denen sitzen in hoch bezahlten Positionen in sehr bedeutenden Forschungszentren -, dass man das Klima modellieren kann. Ich zähle zu denen, die das nicht glauben. Ich halte es für möglich, daß sich die mittlere Erwärmung der Ozeane in 50 Jahren mit einem bestimmten Fehler vorausberechnen lässt. Aber welche Wirkungen das auf das Klima hat, das ist eine ganz andere Geschichte“.
Prof. J. Negendank (GFZ Potsdam): “Das Klima ist zur Zeit unberechenbar und unkalkulierbar“ und weiter zu den Klima-Modellen “… dass man sich bewusst bleiben muss, dass es sich um Szenarien handelt, die auf vereinfachten Annahmen beruhen. Das Klimasystem ist aber bei weitem komplexer und wird auch in Zukunft Überraschungen bereithalten“.
Prof. Hans von Storch (GKSS-Forschungszentrum Geesthacht): “Wir Klimaforscher können nur mögliche Szenarien anbieten; es kann also auch ganz anders kommen“. Und an anderer Stelle: “Weder die natürlichen Schwankungen noch die mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel ausgehenden Veränderungen können in Einzelheiten prognostiziert werden. Bei den natürlichen Schwankungen ist dies wegen der chaotischen Natur der Klimadynamik nicht möglich. Bei den anthropogenen Veränderungen kann es keine Vorhersagen geben, weil die Antriebe, d.h. die Emissionen von klimarelevanten Substanzen in die Atmosphäre, nicht vorhergesagt werden können“.
Nun wieder zurück zu den Morano-Zitaten!

c) Zitat Morano  „Unser Ziel ist es, die schlechte staatliche Politik zu stoppen, die auf unbegründeten und hysterischen wissenschaftlichen Behauptungen zur menschgemachten Erderwärmung beruht“. Falsch oder zutreffend?

Dieses Zitat ist keine Sachaussage, dennoch sei eine Anmerkung erlaubt. Dem Ziel von Morano, eine schlechte staatliche Politik zu stoppen, die auf unbegründeten und hysterischen wissenschaftlichen Behauptungen beruht, stimme ich zu. Was ist dagegen einzuwenden? Soll man eine schlechte Politik, die auf unbegründeten Annahmen beruht, unterstützen?  

d) Zitat Morano „Die zehn tödlichsten Flutkatastrophen der Welt ereigneten sich alle vor 1976“. Falsch oder zutreffend?

Der Link belegt, dass Morano recht hat. Für Europa gibt es die Flusspegelwände, auch von diesen wird Morano bestätigt. Ob es nun genau 10 oder mehr oder weniger Flutkatastrophen sind, spielt keine Rolle. Fest steht, dass die stärksten Überschwemmungsereignisse nicht in die Zeit des ansteigenden anthropogenen CO2 fallen.

e) Zitat Morano „Aus Kohle gewonnene Energie ist einer der größten Erlöser der Menschheit in der Geschichte unseres Planeten“. Falsch oder zutreffend?

„Erlöser“ klingt ein wenig geschwollen, sachlich trifft der Satz freilich zu. Ohne Nutzung der Kohle ist die industrielle Revolution und die Moderne undenkbar. Bei aller Abneigung gegen die Technik sollten rot-grüne Nostalgiker vielleicht einmal an einen Zahnarztbesuch im 17. Jahrhundert denken. Im Übrigen stellt auch heute weltweit die Kohle den größten Anteil an Primärenergie. Morano hat absolut recht.
BK hätten vielleicht versuchen sollen, die Morano-Zitate als falsch zu widerlegen. Das Dossier wäre damit zur zielstellenden Lektüre geworden.
Das zweite große Thema des Dossiers ist der Hockey-Stick von Michael Mann. M. Mann ist unbestritten ein Klimaforscher, der viel und zum Teil sehr Ordentliches publiziert hat und nicht nur seine berüchtigte Kurve aus der amerikanischen Borstenkiefer herausdestillierte. Über diese Kurve ist fast unendlich viel geschrieben und publiziert worden. Zunächst einmal ist sie falsch. Sie widerspricht allen anderen Proxy-Kurven, angefangen von Stalagmiten über weitere Baumringkurven bis hin zu aus Eisbohrkernen gewonnenen Temperaturkurven. Das mittelalterliche Wärmeoptimum und die kleine Eiszeit Ende des 17. Jahrhunderts ist in ihr nämlich nicht zu sehen. Über die globalweite Existenz dieser beiden Ereignisse braucht man heute nicht mehr zu streiten. Die wissenschaftlichen IPCC-Berichte enthalten dementsprechend den Hockeystick auch nicht mehr. BK hätten sich darüber unschwer informieren können.
Desweiteren sind mit der Propagierung des Hockeysticks durch M. Mann und seine Anhänger Vorkommnisse verknüpft, die mit den Regeln ordentlichen wissenschaftlichen Arbeitens nicht vereinbar sind – das Buch von Andrew Montford, "The Hockeystick Illusion", schildert dies ausführlich. BK kennen dieses Buch nicht. Drittens gibt es nicht nur die oben erwähnten anders aussagenden Temperaturkurven, die den Hockeystick falsifizieren, sondern es gibt zusätzlich auch noch begutachtete Publikationen, die die Fehler in der Vorgehensweise von M. Mann nachweisen. Dies dürfte sachlich genügen.
M. Mann hat mit dem massiven „Massieren“ seiner Baumringdaten (cooking the books heißt es im Englischen) etwas getan, was viele Leute als wissenschaftlichen Betrug bezeichnen. Ob man sich dieser Ansicht anschließt, ist Geschmackssache. Da ich den Vorgang kenne und ein wenig von Temperaturanalysen, Baumringdaten und Statistik verstehe, halte ich an der Bezeichnung „Betrug“ fest. Offizielle Untersuchungen über die Arbeitsweise eines Wissenschaftlers werden nicht vom Zaun gebrochen, weil irgendein PR-Manager eine „Verschwörung“ gegen Klimaforscher anzettelt, so einfach sind nicht einmal die USA gestrickt. Das von BK weichgezeichnete und von allen bösen Klimaskeptikern und insbesondere von Morano verfolgte Unschuldslamm M. Mann musste immerhin per Gericht gezwungen werden, seine Daten, mit denen er den Hockeystick aus dem Hut zauberte, nachprüfenden Kollegen zu übergeben. Mehr braucht über diesen Vorfall nicht gesagt zu werden.
Zur Klage von BK, es werde nichts zum Klimaschutz getan: BK scheinen ihr Schulwissen vergessen zu haben. Es gibt nicht das(!) Klima, nur Klimazonen von tropisch bis polar. Die Klimate in allen Zonen haben sich seit Bestehen der Erde stets gewandelt. Welches der verschiedenen Klimate soll geschützt werden? Und wie soll das geschehen? Wir müssten dazu beim „Schutz des Wetters“ anfangen.
Als letzten Punkt seien CO2 und Pflanzen angesprochen. Ihn bringen BK mit der Leugnung der Erwärmung durcheinander. Diese beiden Themen haben nichts miteinander zu tun. Besseres Pflanzenwachstum (insbesondere von Nahrungspflanzen wie Getreide) durch höhere atmosphärische CO2-Konzentrationen sind bestens bekannt und nachgewiesen (hier, hier, hier). Insofern spricht die von BK zitierte Antwort von M. Mann "Ich sehe wenig, was dafür spricht" auf die Frage Inhofes "stimmen Sie überein, dass ein erhöhter Kohlendioxidausstoß viele Vorteile für Flora und Fauna habe" von mangelnder Fachliteraturkenntnis oder von Klima-Alarmismus. Sachlich haben Soon und Legates in ihren zustimmenden Antworten recht, M. Mann dagegen mit seiner Antwort nicht.
Hiermit ist der Faktenteil des Dossiers von BK abgeschlossen, mehr gibt es nicht.
Nun zur  Kategorie „Unsachliches“ im ZEIT Dossier "Die Klimakrieger". Jeder Leser erkennt, dass das Dossier ein miserabel geschriebener Propaganda-Artikel gegen die sog. Klimaleugner ist, der sich ausschließlich auf ad hominem Attacken stützt. Er enthält so gut wie keine Sachargumente, und Gegenmeinungen gibt es schon gar nicht. Wer es mag, kann Parallelen zum Stil des Neuen Deutschland oder des Völkischen Beobachters ziehen, die Methoden sind erschreckend ähnlich. Ich gebe zu, dass meine Hochachtung vor dem Otto-Brenner-Preis, dem Deutschen Sozialpreis, dem Herbert-Riehl-Heyse-Preis und dem Georg-von-Holzbrick-Preis – alle diese Preise wurden an BK vergeben – stark gelitten hat.   
Interessanter sind die Gründe und Motive einer früher hochwertigen Wochenzeitung, die solch eine Polemik-Schmonzette wie die „Klimakrieger“ durchgehen lässt. Man erinnert sich wehmütig an bessere Artikel zu ähnlichen Themen, stellvertretend hier und hier. Anlässlich des von Frau Blasberg gewünschten Interviews empfahl ich ihr telefonisch, der interessanten Sachinhalte wegen ein wenig Zeit mitzubringen, denn als fachfremde Soziologin hätte sie vermutlich Erklärungsbedarf. Dieser Vorschlag war, wie ich im Nachhinein erkennen musste, unnötig. Frau Blasberg brachte knapp 1,5 Stunden mit, auch die waren noch zuviel. Von Klimafakten, von einer Zusammenstellung der unzähligen Petitionen und Manifeste von Klimaexperten gegen die AGW-Hypothese, von der politischen Instrumentalisierung der Klimafurcht und von vielem weiteren mehr wollte sie trotz meiner für sie vorbereiteten und zur Verfügung gestellten Unterlagen nichts wissen. Sie war nur an den EIKE-Interna interessiert. Nun steht EIKE als wichtigstes, deutsches Klimaskepsisforum mit rasant steigenden Internet-Besucherzahlen im Brennpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit. Infolgedessen konnte Frau Blasberg nicht erwarten, von mir das Gewünschte zu erhalten. Vermutlich etwas verstimmt über ihren Misserfolg wurde ich dann im Dossier zu einem flüsternden Verschwörer stilisiert, amüsant! Die mir  untergeschobenen Aussagen gab es natürlich nicht. Die ZEIT hätte sich die Reisekosten von Frau Blasberg sparen können.
Frau Blasberg teilte mir stolz mit, dass sie sehr viel Zeit – ich meine, mich an 2 Monate zu erinnern – von ihrer Redaktion für den Artikel zur Verfügung hätte. Ob sie wahrheitsgemäß berichtete, kann ich nicht beurteilen. Wenn es zutraf, lag wohl ein Kommunikationsproblem zwischen ihr und der ZEIT-Redaktion vor. 2 Monate waren für Sachrecherchen tatsächlich angebracht, nicht für das abgelieferte Produkt. Die überdicke Tusche, mit der Morano und Vahrenholt mit Hilfe von Bösewichtphotos, M. Mann dagegen als liebevoll-sympathischer Forscher gezeichnet wurden, ist von vielen ZEIT-Lesern mit Sicherheit als Beleidigung ihrer Intelligenz empfunden worden. Ebenfalls der Verriss von Vahrenholt. Weil Vahrenholt auf studentische Fragen kenntnisreich antwortet, ist er ein Besserwisser. Wenn er es nicht getan hätte, wäre er von BK zweifellos fachlicher Unkenntnis geziehen worden. Solche journalistischen Tricks aus der Mottenkiste sind der ZEIT nicht angemessen.
Das Kernproblem hat man bei der ZEIT, aber auch bei der Süddeutschen Zeitung und weiteren Blättern mit ihren bekannten Polemiktiraden gegen die „Klimaleugner“ immer noch nicht begriffen. Ohne eine sachliche Diskussion in der Klima-Auseinandersetzung geht es nicht mehr. Mit solchen Dossiers wie von BK macht sich die ehemals niveauvolle Wochenzeitung ZEIT lächerlich. Guter Journalismus sieht anders aus. Die ZEIT darf sich nicht wundern, die wertvollsten, weil an wirklicher Information interessierten,  Leser auf immer ans Internet zu verlieren.
Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke
EIKE Pressesprecher
Occupy hat das komplette ZEIT "Dossier" ins Internet gestellt. Zum Nachlesen hier
Mit Dank an Leserin Barbara




Kann die mittelalterliche Wärme Sorgen vor der Erwärmung kühlen?

Bis Ende der neunziger Jahre stimmten die Forscher darin überein, dass es in der MWP wärmer als heute war und während der „kleinen Eiszeit“ von 1500 bis 1800 kälter. Dann kam der „Hockeyschläger“ des IPCC von Michael Mann und Kollegen an der University of Virginia.
Mit Hilfe von Temperaturindikatoren wie Baumringen und Sedimenten in Seen schrieb der Graph die Geschichte um, zeigte er doch kaum Wärme im 11. und kaum Kälte im 17 Jahrhundert, dafür jedoch eine scharfe Spitze der Temperatur zum Ende des 20. Jahrhunderts. Diese Graphik war sehr hilfreich, viele Leute davon zu überzeugen (einschließlich mich selbst), dass der jüngste Temperaturanstieg hinsichtlich Tempo und Größenordung seit mindestens 1400 Jahren einzigartig war.
Aber Kritiker der Graphik wiesen darauf hin, dass eine statistische Methode verwendet worden war, die die wie ein Hockeyschläger aussehenden Daten aus unzuverlässigen Indikatoren überbetont hat, wie Baumringe von Grannenkiefern und Sedimenten aus skandinavischen Seen, die durch Änderungen des Landverbrauchs beeinflusst worden sind. Vier jüngere Studien haben inzwischen die MWP rehabilitiert, obwohl sie nicht übereinstimmend beurteilen, ob es damals genauso warm oder wärmer war als heute.
Jan Esper und Kollegen von der Universität Mainz untersuchten die Dichte [der Ringe von] Kiefern in Schweden und Finnland und fanden „Beweise für eine substantielle Erwärmung zur Römerzeit und im Mittelalter, größer in Amplitude und länger dauernd als die Erwärmung im 20. Jahrhundert“. Bo Christiansen vom dänischen meteorologischen Institut und Fredrik Ljungquist von der Stockholm University sahen sich 32 Indikatoren aus der ganzen Nordhemisphäre an und fanden, dass das Niveau der Wärme zum Höhepunkt der MWP „in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts die Erwärmung Mitte des 20. Jahrhunderts erreicht oder geringfügig überschritten“ hatte.
Thomas Melvin und Kollegen an der University of East Anglia reanalysierten ein Exemplar der im „Hockeyschläger“ verwendeten Baumringdaten aus Schweden und folgerten: „Wir können daraus die Existenz generell warmer Sommer im 10. und 11. Jahrhundert ableiten, ähnlich dem Niveau der Sommer im 20. Jahrhundert“.
Eine vierte Studie befasste sich mit Diatomeen genannten Kreaturen in den Sedimenten chinesischer Seen und fand, dass der Zeitraum „zwischen 1150 und 1200 das wärmste Intervall der vergangenen 1000 Jahre war“.
In der Summe wecken diese Studien Zweifel an der Schlussfolgerung des IPCC 2007, dass „die Beweise nicht ausreichen, um zu sagen, dass die Temperaturen in der (Nord-)Hemisphäre während irgendeiner Zeit im Mittelalter genauso warm oder wärmer waren als die im 20. Jahrhundert insgesamt“.
Aber war die mittelalterliche Warmzeit nur auf die Nordhemisphäre beschränkt?
Ich zog als Datenbasis eine Anzahl von Studien heran, die von der klimaskeptischen Website www.CO2Science.org, betrieben vom Center for the Study of Carbon Dioxide and Global Change, einem vollständig privat finanzierten Forschungszentrum in Tempe, Arizona stammen. Diese Basis enthält zahlreiche veröffentlichte Studien aus Chile, Neuseeland, Südafrika und der Antarktis, laut denen es in der MWP wärmer war als heute. Zwei Studien aus der Antarktis folgerten beispielsweise, dass die gegenwärtige Erwärmung „ihrer Natur nach noch nicht so extrem war wie in der MWP“, und dass „der gegenwärtige Zustand einer reduzierten Eismenge vor der westlichen antarktischen Halbinsel nicht ohne Präzedenz ist“. Eine kleinere Anzahl von Studien wie z. B. die vom Taganjika-See fand, dass es in der MWP kälter war als heute.
Es kann immer noch sein, dass die gegenwärtige Erwärmung sich von der des Mittelalters unterscheidet. Zum Beispiel könnten die Sommer damals und die Winter heute wärmer sein (falls die heutige Erwärmung durch CO2 verursacht wird, sollte das so sein). Und natürlich ist es die Zukunft, nicht die Vergangenheit, die die Wissenschaftler als gefährlich ansehen. Nichtsdestotrotz rechtfertigen die Beweise zunehmend die Wissenschaftler, die die MWP zuerst entdeckt haben.
Matt Ridley, The Wall Street Journal
Link: http://www.thegwpf.org/matt-ridley-medieval-heat-cool-warming-worries/
Übersetzt von Chris Frey EIKE