…Langfristig plane die Regierung in Seoul, bis 2030 weitere zehn Atom kraftwerke zu bauen. Aktive Bauprojekte zählt die Zeitschrift in folgenden Ländern: Amerika (l), Argentinien (l), Bulgarien (2), China (20), Finnland (l), Frankreich (l), Indien (5), Iran (l), Japan (l), Südkorea (6), Pakistan (l). Russland (8), Slowakische Republik (2) und Taiwan (2). In „fortgeschrittenem Planungsstadium" befänden sich derzeit 84 Reaktorblöcke in 17 Län dern. Die meisten Reaktoren sind in Amerika (104), Frankreich (59) und Japan (54) in Be trieb. In Russland sind 31 Anlagen am Netz, in Südkorea 20, in Großbritannien 19, in Indien 18, in der Ukraine 15 und in China elf. Auch in deutschen Nachbarstaaten ist die Atomkraft weiterhin beliebt: In Schweden waren 2009 zehn Anlagen in Betrieb, in Belgien sieben, in den Niederlanden eine, in Tschechien sechs und in der Schweiz sechs. In Deutschland erzeu gen derzeit 17 Kernreaktoren knapp ein Viertel des Strombedarfs. Zwei Meiler könnten noch 2010 vom Netz gehen, weil sie dann die ihnen von der Politik insgesamt zugestandene Strommenge erzeugt haben."

Soweit die Nachricht, und noch einmal zusammengefasst:  

• 2009 wurden in 30 Ländern der Welt 437AKW betrieben,  

• 2009 befanden sich in 14 Ländern 52 AKW im Bau, 

• In fortgeschrittener Planung befinden sich in 17 Ländern 84  Reaktorblöcke, 

• Im Artikel noch nicht aufgeführt sind die kürzlich vom US-Präsidenten angekündigten  30 neuen AKW. Nach der Fertigstellung werden in absehbarer Zeit insgesamt 663 AKW in Betrieb sein.  

Unter Berücksichtigung des beschlossenen und noch zu realisierenden vollständigen Ausstiegs aus der Nutzung der Kernenergie in Deutschland sind für die dieser Situation zwei Alternativen realistisch:

A – Aus deutscher Sicht: Die AKW-Technologie ist für die Existenz der Menschheit technisch unverantwortbar. Alle genannten Länder haben das noch nicht verstanden, weil ihre Wissenschaftler, Ingenieure und Politiker kollektiv dumm sind und/oder verantwortungslos handeln. Offensichtlich kennen nur wir Deutschen den richtigen Weg; eine Aufhebung des Ausstiegsbeschlusses ist eher unwahrscheinlich, denn das würde wohl unseren Nationalcharakter überfordern.

B – Aus der Sicht der Atomländer: Trotz der Entwicklung und Installation regenerativer Energien kann der rasant zunehmende Energiebedarf für immer mehr Menschen bei abnehmendem Angebot fossiler Brennstoffe ohne AKW nicht gedeckt werden, so dass man dem deutschen Beispiel nicht folgen wird. Da sich der steigende Bedarf kurz- bis mittelfristig nicht anders decken lässt, wird man weiter AKW bauen und betreiben und das damit verbundene Restrisiko in Kauf nehmen müssen.  

Fazit: Die Energieversorgung der Welt wird sich nach Plan B entwickeln; die anderen Länder werden sich nicht nach uns richten. Die historische Erfahrung mit dem deutschen Konzept „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ lehrt, dass Deutschland mit seinem Weg scheitern wird und wir Bürger dafür die Zeche zu zahlen haben.  

Dabei ist Plan A im Kern unredlich und kann auch nicht wirklich ernst gemeint sein, denn: 

• Wären die Politiker der Grünen und der SPD (und der Linken ?)  tatsächlich von der Unverantwortbarkeit der Atomenergie überzeugt, hätten sie schon längst in der UNO den Antrag für ein weltweites Verbot der friedlichen  Nutzung der Kernenergie ein¬bringen müssen, selbst wenn sie davon auszugehen hatten, dass er abgelehnt würde.  

• Die von AKW potentiell ausgehenden Gefahren sind grenzüberschreitend. Deutschland ist von Ländern mit AKW umgeben. Sollten dort Unfälle auftreten, wirkten sie sich auch bei uns aus. Wir nehmen alle Lasten auf uns, um eine potentielle Gefahr zu vermeiden, wären ihr aber im Versagensfall genauso ausgeliefert. 

• Ein Hauptargument für die Ablehnung ist die Entsorgungsfrage: Bei technisch sachgerechter Lagerung kann die Gefahr, die von radioaktiver Strahlung ausgeht, ausgeschlossen werden, denn Deponien können in Salzstöcken oder in Tongesteinen eingerichtet werden, über die Deutschland reichlich und in guter Qualität verfügt. Beim Hinweis der Kernkraftgegner auf die Gefahren der AKW verdrängen sie, dass: 

• Wir zukünftige Generationen mit unserem Verbrauch von fossilen Brennstoffen und Rohstoffen und mit vielen langlebigen Produkten unserer chemisch-pharmazeutischen Industrie sehr viel grundsätzlicher benachteiligen. 

• Beurteilten wir die Technologien nach den tatsächlich verursachten Schäden, dürften wir keine modernen Verkehrsmittel benutzen: Autos, Flugzeuge und Schiffe haben bisher ungleich mehr Leben vernichtet als der Betrieb von AKW. Selbst die aggressivsten Kernkraftgegner wollen auf ihre Mobilität nicht verzichten.  

• Dass die Endlagerung noch nicht abschließend geregelt wurde, hat denn auch vorrangig politische Gründe: solange man das Problem nicht löst, kann man es instrumentalisieren. Für die Grünen war Anti-Atom anfangs die Grundlage ihrer Bewegung und später der Gründung ihrer Partei. Die Grünen haben es geschafft, trotz falscher Argumentation einen großen Teil der Bevölkerung gegen AKW einzunehmen. Mit der Mischung aus Unwissenheit und Angst lassen sich Wähler gewinnen. Helmut Schmidt meinte jüngst bei Reinhold Beckmann, dass die Deutschen wohl doch leicht verführbar seien. Die Erfahrung gibt ihm leider recht.  

• Mit dem Ausstieg aus der Kernkraft verlieren wir ein komplettes Industrie- und Wirtschaftssegment, während das Risikopotential unverändert bestehen bleibt.  

Warum ist den Grünen diese Indoktrinierung gelungen? Weil die Politiker der anderen Parteien, die grundsätzlich für die Beibehaltung der AKW sind, mangels Engagement und/oder Sachverstand nicht bereit waren und immer noch nicht bereit sind, ihren Standpunkt zu erläutern, zu begründen und zu verteidigen. Vielleicht sind wir das ‚Volk der Dichter und Denker’, unsere Fähigkeit für pragmatisches und flexibles Handeln ist bei vielen von uns jedoch eindeutig unterentwickelt.

Prof. F.K. Ewert EIKE